Kriegsreisende

 die Sozialgeschichte der Söldner

Blackwater USA

Eine "Söldnerfirma" im Irak.

getöteter Blackwater-Mitarbeiter in Falludscha Unter den zahlreichen PMCs (Private Military Company), die seit einigen Jahren im Irak tätig sind, sorgt vor allem Blackwater USA immer wieder für Schlagzeilen. Viele Menschen nahmen sogar erstmals von der Existenz solcher Firmen Kenntnis, als im März 2004 eine triumphierende Masse Iraker Leichenteile von Amerikanern an einer Brücke in Falludscha zur Schau stellte und diese Bilder weltweit im Fernsehen übertragen wurden. Kurz darauf wurde dann gemeldet, dass es sich bei den Toten nicht wie anfangs angenommen um US-Militärs gehandelt habe, sondern um Angestellte der Privatfirma Blackwater, um "Söldner" also.

Seit einiger Zeit sorgen die Prozesse der Familienangehörigen der in Falludscha getöteten Mitarbeiter für negative Schlagzeilen, dennoch ist Blackwater mit dem Irakkrieg schnell und unaufhaltsam gewachsen, hat sogar an der Heimatfront nach dem Sturm Katrina in New Orleans Sicherheitskräfte gestellt und versucht von der UNO einen Auftrag für Darfur zu erhalten. Der Autor Jeremy Scahill bezeichnet Blackwater als "die mächtigste Söldnerarmee der Welt" oder als "die Prätorianergarde im globalen Krieg gegen den Terror."

Wie alle diese Firmen vermeidet Blackwater die Bezeichnung "mercenary" und untersagt seinen Mitarbeitern die Verwendung. Man spricht inzwischen schon leicht ironisch vom "M"-word (in Anlehnung an das "F"-word für das political incorrecte "fuck"). Die Medien dagegen schreiben praktisch von nichts anderem. Wenn irgendwo über diese privaten Militärfirmen berichtet wird ist das Wort "Söldner" schon fast obligatorisch. Als der Spiegel "US-Söldner im Irak Die Folterer von Bagdad" auf seiner Titelseite trug, war allerdings im gesamten Heft von Söldnern praktisch nichts zu lesen, sondern von den Folterskandalen regulärer US-Soldaten.

Spiegel Titel Laut der UN-Konvention von 1989, die immer wieder gerne zitiert wird (wir halten sie dennoch für ein völlig unbrauchbares politisches Konstrukt), ist ein Söldner jemand, der nicht zu den Konfliktparteien gehört und nicht offiziell von einem Drittstaat entsandt wurde. Nun handelt es sich ja bei einem guten Teil des Personals der PMCs - ganz besonders der Führungsebenen - um US-Amerikaner oder Briten. Zudem haben viele Firmen Verträge mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet; d.h. sie gehören zu den Konfliktparteien und wurden offiziell entsandt.

Privatfirmen, die Bodyguards vermitteln oder Objektschutz anbieten, gibt es schon lange, aber noch vor wenigen Jahren, wäre kaum jemand auf die Idee gekommen, hier von Söldnern zu sprechen. Inzwischen ist dagegen in zahlreichen TV-Dokumentationen, Artikeln und Büchern fast nur noch davon die Rede. Das "M"-word ist schick geworden, es steigert die Auflagen und verkauft sich hervorragend. Zudem lässt sicht alles Schlechte, Konspirative und Illegale, das die Bürger ihren Regierungen so zutrauen, hinter diesem archaischen Wort vermuten. So titelt ein Internetartikel: "US turns to mercenaries for dirty work". Danach kann man dann lesen, dass die Söldner die Leibwache für den Chef der US-Zivilverwaltung Paul Bremer stellen, Geleitschutz für Transporte und Ölfelder bewachen; vom "dirty work" ist dagegen nichts zu erfahren.

Man sollte den Medien gegenüber, die aus purer Effekthascherei ständig von "Söldnern" berichten, also äußerst misstrauisch sein. Andererseits ist auch von den Statements der PMCs, die unter allen Umständen das skandalöse "M"-word vermeiden wollen, nicht viel zu halten. Wir wollen uns deshalb etwas genauer mit den Ereignissen um die Firma Blackwater USA beschäftigen und dabei der Frage nachgehen, in wieweit und unter welchen Umständen man hier tatsächlich von Söldnern sprechen kann und welche Probleme die Verwendung einer solchen Firma mit sich bringt.

Blackwater wurde Ende 1996 von einem gewissen Erik Prince gegründet. Prince stammt aus einer dieser erzkonservativen und streng religiösen amerikanischen Familien, die glauben in Gottes auserwähltem Land zu wohnen und Freiheit und Demokratie mit einem entfesselten Wirtschaftsimperialismus gleichsetzen. Sein Vater war als Zulieferer der Autoindustrie von Detroit zum Multimillionär geworden, und Erik fand seine politische Heimat schnell in den Kreisen um George Bush, die in Washington gegen die Liberalen der Clinton-Regierung mobil machten. Da es ihm aber auch dort noch viel zu gemäßigt zuging, zog er nach Afghanistan, um als Freiwilliger mit den Mudschaheddin gegen die Sowjets zu kämpfen.

Wahrscheinlich kam er dabei schnell zur Erkenntnis, dass die Mudschaheddin für idealistische Schwärmer ohne jede Ausbildung nur wenig Verwendung hatten. Denn bald darauf war er wieder in den USA, wo er zum Militär ging und sich freiwillig zur härtesten Spezialeinheit meldete: den US Navy Seals. Man sagt er sei der reichste Seal in der Geschichte dieser Einheit gewesen. Er diente in Haiti und in Bosnien und wäre sicher noch länger geblieben. Doch dann starb 1995 plötzlich sein Vater und seine Frau erkrankte schwer an Krebs. Erik Prince musste seinen Dienst quittieren und sich um Familie und Unternehmen kümmern.

Gelände von Blackwater Allerdings scheint die Autoindustrie nicht so ganz seinen Neigungen entsprochen zu haben. Er musste die Firma bald darauf weit unter ihrem alten Wert verkaufen. Dennoch blieb ihm genug, um ein angenehmes Leben zu führen und in den Sümpfen Nordcarolinas ein gigantisches Stück Land zu erwerben. Hier entstand ein Trainingsgelände mit allem notwendigen Zubehör zur Schulung von Spezialkräften. Es wurde zur Heimat von Blackwater, das dort auch Wettbewerbe für internationale SWAT-Teams durchführt. Neben Schieß- und Hindernisbahnen, gibt es praktisch alles, was sich Ausbilder von Polizei und Militär nur wünschen können; nach dem Massaker an der Columbine-Highschool wurde sogar ein ganzer Schulkomplex nachgebaut, um hier Polizisten schulen zu können.

Nun gibt es in den USA eine ganze Reihe Schießplätze, wo man am Wochenende mit schweren Maschinenkanonen alte PKWs zusammenballern kann. Es fehlt auch nicht an verrückten Millionären, die gerne eine eigene Privatarmee unterhalten würden. Wahrscheinlich schwebte dem Ex-Green Beret Robert K. Brown ähnliches vor, als er Anfang der 70er sein Söldnermagazin "Soldier of Fortune" gründete. Allerdings entwickelte es sich nie zur großen Stellenbörse, sondern blieb ein Heftchen für Waffennarren. Die interessante Frage ist also, warum Erik Prince Erfolg hatte, wo vor ihm schon so viele mit ähnlichen Ideen gescheitert waren.

Ein wichtiger Vorteil war sicher, dass er eine Menge Geld im Hintergrund hatte und über gute politische Kontakte verfügte. Der wirklich entscheidende Punkt war jedoch, dass sich das politische Umfeld geändert hatte. Das von der Industrie praktizierte "Outsourcing" hatte inzwischen auch Polizei, Strafvollzug und Militär erreicht; nach dem Desaster in Somalia (18 Gefallene!) begannen viele Regierungsstellen darüber nachzudenken, wie man in Zukunft solche Einsätze mit weniger spektakulären Verlusten durchführen könnte, und in den Kriegen in Jugoslawien und in Kolumbien hatte man bereits auf die Dienste von PMCs zurückgegriffen, um die lästigen Anfragen in Senat und Kongress zu umgehen.

Es gab also Arbeit für Blackwater, besonders im Bereich Ausbildung von Sicherheitskräften und Personen- und Objektschutz. Trotzdem kann man bezweifeln, dass damit genug Geld umgesetzt wurde, um das riesige Trainingsgelände auf Dauer zu unterhalten. Vergleichbare britische oder südafrikanische Firmen, die schon länger auf dem Markt sind, beschränken sich in der Regel auf einige wenige feste Mitarbeiter und ein paar Büroräume. Weiteres Personal, Räume und schweres Gerät werden erst bei Bedarf angemietet. Die Rettung für Blackwater kam in Form einiger fanatischer Araber und den Terroranschlägen vom 11. September. Der folgende Krieg in Afghanistan brachte bereits einige lukrative Aufträge im Personenschutz und Transport. Richtig großes Geld wurde dann aber im Irak verdient.

Nachdem Präsident Bush vorschnell den Sieg der US-Streitkräfte verkündet hatte und bereits viele Familien die Rückkehr ihrer Soldaten erwarteten, verschlimmerte sich die militärische Lage im Irak von Monat zu Monat. Die Armee war mit der Kontrolle des weiten Landes vollkommen überfordert, es fehlte vorne und hinten an Rekruten und plötzlich mussten sogar Reservisten einberufen werden, wodurch die Stimmung in der Heimat natürlich nicht besser wurde. Täglich gab es Attentate, Entführungen und Morde, so dass im Irak bald jedes öffentliche Gebäude, jede Einrichtung, jeder Ausländer Schutz benötigte. Allein zu dieser Aufgabe hätten die regulären Streitkräfte der USA wahrscheinlich kaum ausgereicht. Also sprangen die privaten Anbieter in die Lücke. Sie konnten praktisch verlangen, was sie wollten; das Verteidigungsministerium bezahlte, wenn es dafür nur vermelden konnte, man sehe Licht am Ende des Tunnels.

Paul Bremer mit Leibwächtern von Blackwater Für diesen Krieg im Irak war Blackwater mit seinen Teams aus Ex-Seals und Ex-Rangern natürlich hervorragend aufgestellt, wie ein Börsenanalyst sagen würde. So konnte sich die Firma dann auch gleich mit der Bewachung von Paul Bremer nicht nur einen unheimlich lukrativen (21 Millionen $) sondern auch äußerst prestigeträchtigen Auftrag sichern. Obwohl viele PMCs der Presse gegenüber eine sehr restriktive Haltung einnehmen, so legen sie doch oft großen Wert auf ihre Medienpräsenz. Wenn nun fast täglich irgendwo Fotos abgedruckt werden, unter denen steht "Paul Bremer mit Leibwächtern von Blackwater", so ist das eine enorme Gratiswerbung, und so mancher Diplomat oder Geschäftsmann wird darüber nachdenken, ob er sich diesen Luxus nicht auch leisten sollte.

Blackwater wuchs unaufhaltsam und scheffelte Millionen. Ranger und Seals waren längst knapp geworden, doch inzwischen rekrutierte man ganz gewöhnliche Ex-Soldaten, sogar ehemalige Polizisten. Nach einem Schnellkurs in Terrorbekämpfung auf dem firmeneigenen Trainingsgelände erachtete man sie für fähig im Irak an Checkpoints Fahrzeuge zu kontrollieren, Konvois zu fahren oder Ölquellen zu bewachen. Die nicht geringen Kosten für die Ausbildung wurden dann später mit dem Sold verrechnet, was schon ein wenig an die Praktiken alter Landknechtsobristen erinnert. Doch trotz der außergewöhnlich guten Bezahlung von bis zu 1.500 $ täglich wurde es immer schwieriger ausreichend Leute zu finden, die bereit waren in diesem Hexenkessel von Fanatikern, konstant bedroht von Autobomben, Scharfschützen und Minen ihren Hals zu riskieren.

Die Lösung hatte das US-Militär längst vorexerziert: man griff einfach auf Ausländer zurück, musste dazu aber als Privatfirma noch nicht einmal eine Greencard voraussetzen. Für das erste größere Kontingent sorgte ein Chilene namens Jose Miguel Pizarro, der auch die US-Staatsbürgerschaft besaß. Pizarro war ein glühender Bewunderer Pinochets und vertrat als Waffenlobbyist die Interessen bedeutender US-Firmen in Lateinamerika. Er verfügte über hervorragende Kontakte und besorgte Blackwater die ersten 60 chilenischen Kommandos. Doch das waren nur die Spitzenkräfte, bald warb man in Lateinamerika jeden, der militärische Erfahrung hatte. Die Latinos hatten zudem den enormen Vorteil, dass durch das große Angebot die Preise leicht gedrückt werden konnten. Hatte man den Chilenen noch 4.000 $ Dollar im Monat bezahlt, so erhielten Peruaner, die später geworben wurden nur noch 1.000 $ monatlich!

Dadurch stiegen die Gewinne natürlich enorm. Doch die Konkurrenz schlief nicht, und inzwischen rangelten viele PMCs mit regelrechten Dumpingangeboten um die lukrativen Regierungsaufträge im Irak. Man musste Kosten sparen und möglichst überall mitbieten, wenn man seine führende Position behalten wollte. Diese Mentalität war dann nicht ganz unschuldig an dem Desaster von Falludscha im März 2004, bei dem Scott Helvenston und drei andere ehemalige Elitesoldaten ein derart klägliches Ende fanden.

Scott Helvenston Scott Helvenston war zu der Zeit bereits eine Art kleiner Legende der Navy Seals. Auch er kam aus einer guten konservativen amerikanischen Familie, die zwar nicht über die Millionen von Erik Prince verfügte, dafür aber einen US-Verteidigungsminister zu ihren Vorfahren zählen konnte. Vor allem aber war Helvenston ein gut aussehender Modellathlet und Bilderbuchsoldat, der Traum jeder amerikanischen Schwiegermutter. Unter den Seals wurde er berühmt, weil er mit 17 als jüngster in ihrer Geschichte die brutalen Aufnahmeprüfungen schaffte. Er blieb 12 Jahre dort die letzten 4 selbst als Ausbilder. Bereits damals begann er nebenher als Fotomodell zu arbeiten, zierte das Cover eines Navy-Kalenders und präsentierte als Dressman bei Waffenmessen Militärkleidung. Nach seinem Ausscheiden bei den Seals lockte Hollywood. Er eröffnete ein beliebtes Fitnessstudio, produzierte Fitnessvideos und erhielt auch ein paar Rollen im Reality-TV. Schließlich wurde er sogar von den großen Studios als Berater bei Actionfilmen unter Vertrag genommen. So arbeitete er z. B. an "The Rock" und "Face-Off" mit, und in dem Film "G. I. Jane" brachte er als persönlicher Trainer Demi Moore in die adäquate Verfassung.

Man fragt sich, was so ein Mann im Irak verloren hat. Aber Hollywood ist teuer, wenn man präsent sein will, und seine Einnahmen flossen unregelmäßig. Außerdem hatte er eine Scheidung hinter sich, und seine Ex-Frau und die Kinder kosteten eine Menge Geld. So gesehen schien ihm ein zeitlich begrenzter Einsatz im Irak als das passende Mittel, seine Schulden zu bezahlen und die Zeit bis zum nächsten lukrativen Auftrag aus Hollywood zu überbrücken. Er hatte keine Zweifel, dass ein Mann mit seinen Qualitäten als Bodyguard für Paul Bremer eingesetzt werden würde, was sich auch nicht schlecht in seinem Lebenslauf gemacht hätte - angeblich hatte man ihm von Blackwater aus auch so etwas zugesichert.

Doch im Irak ging alles drunter und drüber. Blackwater war gerade damit beschäftigt die Konkurrenzfirma "Control Risks" aus dem dicken Geschäft mit dem Transport von Küchenmaterial zu verdrängen. Dabei musste selbstverständlich gespart werden. Der ursprüngliche Vertrag mit der in Kuwait registrierten Firma "Regency Hotel and Hospital Company", die letzten Endes als Subunternehmer für Halliburton arbeitete, sah vor, dass Blackwater die Konvois mit zwei gepanzerten Fahrzeugen mit jeweils drei Mann Besatzung beschützen sollte. Allerdings hatte man in einem neuen Subkontrakt das Wort "gepanzert" gestrichen und dadurch die Gewinnmarge deutlich erhöht.

Als Helvenston davon unterrichtet wurde, dass er mit solchen Fahrzeugen einen Konvoi durch Falludscha geleiten sollte, weigerte er sich kurzerhand, da er für so eine Arbeit nicht verpflichtet worden sei und warf dem Management zudem noch Fahrlässigkeit und Unprofessionalität vor. Falludscha galt damals als eine der Hochburgen des Widerstandes, wo es bei schweren Zusammenstößen zwischen US-Militär und Bevölkerung immer wieder zahlreiche Tote gegeben hatte. Ende März war die Lage besonders angespannt, da die Israelis kurz zuvor den Palästinenserführer Ahmed Yassin erschossen hatten, was auch in Falludscha zu neuen Massenprotesten geführt hatte.

Bei Blackwater war man natürlich nicht geneigt Helvenstons Kritik zu akzeptieren. Man stellte ihn vor die Alternative, den Job zu erledigen oder sofort wieder in die USA zu fliegen und anschließend die Kosten für sein Blackwater-Training zurückzuzahlen. Unter diesen Umständen willigte er ein. Dennoch wollte ihm sein direkter Vorgesetzter vor Ort, mit dem er bereits mehrmals aneinander geraten war, anscheinend noch etwas deutlicher demonstrieren, wer der Herr im Haus war und reduzierte die Besatzungen der Wagen von drei auf zwei. Später sagte dann ein Repräsentant von Blackwater, dadurch habe er schließlich zwei Leben gerettet.

Die vier Männer - neben Helvenston Jerry Zovko, Mike Teague und Wes Batalona - waren alle erfahrene Veteranen der Special Forces; sie hatten eine hoch spezialisierte Ausbildung erhalten, in Somalia, Afghanistan und einer ganzen Reihe anderer Konflikte gedient. Erfahrung und Auszeichnungen hatten sie genug. Es nützte ihnen nichts. In ihren nagelneuen Geländewagen mit den getönten Scheiben boten sie sich als Ziele geradezu an. Ohne Panzerung benötigten die Iraker noch nicht einmal Autobomben oder komplizierte Sprengfallen; es genügten einfache Handfeuerwaffen. Da der dritte Mann, der normalerweise als Heckschütze diente, eingespart worden war, konnten sich die Aufständischen den Wagen problemlos von hinten nähern und die Besatzung aus kürzester Entfernung zusammenschießen. Anschließend wurden die Wagen in Brand gesetzt und später zwei der Toten an eine Brücke gehängt. Die Videoaufnahmen davon gingen um die ganze Welt, und Blackwater wurde berühmt - man könnte auch sagen berüchtigt.

Blackwater Nach dem Desaster ließ es sich Blackwater-Gründer Erik Prince nicht nehmen den Familienangehörigen der Gefallenen persönlich sein Beileid auszusprechen und ihnen Geld für die Beerdigung zu übergeben. Außerdem gab es eine Trauerfeier auf dem Firmengelände. Die Probleme begannen, als einige der Familienangehörigen Einsicht in die Dokumente zu dem Vorfall nehmen wollten. Es gab Einschüchterungen und Drohungen. Inzwischen klagen die Familien der vier Toten gegen die Firma, die sie für deren Tod verantwortlich machen.

Man kennt solche Prozesse aus den USA zu genüge. Auf der einen Seite ein paar Kläger, denen ihre Anwälte riesige Entschädigungssummen versprechen, auf der anderen ein übermächtiger Konzern mit einer Heerschar von Anwälten, die mit teuren Gegenklagen drohen und Zeugen einschüchtern. Das Interessante an den Prozessen gegen Blackwater - es gibt zumindest noch einen weiteren wegen eines Flugzeugabsturzes in Afghanistan im November 2004 - ist die Rechtslage. Blackwater argumentiert, dass sie Teil der US-Streitkräfte seien und deshalb nicht vor zivilen Gerichten verklagt werden können. Schadensersatzforderungen müssen demnach ans Verteidigungsministerium gerichtet werden. Andererseits arbeitet Blackwater seit langem daran, dass seine Mitarbeiter nicht vor Militärgerichte gestellt werden können, da sie ja Angehörige einer Privatfirma sind. Das heißt Blackwater operiert nach eigener Ansicht außerhalb der Gesetze.

Viele kritische Journalisten und Menschenrechtsgruppen sehen hierin den Hauptskandal. Söldnerfirmen begehen Verbrechen und können dafür von keinem Gericht der Welt belangt werden. Unseres Erachtens nach, liegt das Problem jedoch an einer ganz anderen Stelle. Man sollte bei seiner Klärung auch auf die Frage zurückkommen, ob es sich bei den Angestellten von Blackwater um richtige Söldner handelt. Im Fall der Latinos und anderer Ausländer kann man diese sicher bejahen. Aber Scott Helvenston und seine drei Kameraden waren alle überzeugte Patrioten, die Bushs Märchen von Saddams Massenvernichtungswaffen und seinen Verbindungen zu Al Qaida glaubten, und die ihrem Land dienen wollten. Natürlich hat Geld dabei eine Rolle gespielt, aber das tut es bei jedem Berufssoldaten, der mit den Zulagen eines Auslandseinsatzes rechnet. Sie standen zwar auf der Gehaltsliste einer Privatfirma, die aber wiederum vom Pentagon beauftragt war. Alles in allem können wir solche Leuten auch beim besten Willen nicht als Söldner bezeichnen. Man müsste den Begriff sonst auch auf fast alle britischen Kolonialoffiziere bis Mitte des 19. Jahrhunderts anwenden, da sie ja im Dienst privater Handelsgesellschaften standen.

Bleibt die Frage, ob sie denn nicht schließlich für eine Söldnerfirma gearbeitet haben. Aber was ist Blackwater wirklich? Ein Produkt des Outsourcing. Hinter der Firma steht der erzreaktionäre Superpatriot Erik Prince, der natürlich versucht Politik zu machen, aber eben uramerikanische Politik. Eine weitere äußerst dominante Figur ist ein gewisser Cofer Black, Leiter der Subfirma "Total Intelligence Solutions". Black diente seinem Land übereifrig in der CIA, wo er mit Sprüchen von sich reden machte wie "wenn wir mit ihnen fertig sind, krabbeln Fliegen über ihre Augäpfel" und versprach Präsident Bush den Kopf von Bin Laden in einer Kiste Reis zu schicken. Black ist ein typischer Hardliner, der sich in seinen Bemühungen bei der CIA ständig von liberalen Gesetzen und Vorschriften behindert sah. Also landete er irgendwann bei Blackwater, wo er die selben Ziele verfolgen konnte ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen.

In der guten alten Zeit unterhielt die CIA mit Air America eine eigene Luftflotte und in Asien ganze Privatarmeen, die teilweise mit Drogenhandel finanziert wurden. Alles vorbei und verboten. Die Iran-Contra-Affäre hätte Reagan fast den Kopf gekostet. Wie alle westlichen Regierungen, die sich heute am Krieg gegen den Terror beteiligen, stehen auch die USA unter einem gewaltigen öffentlichen Druck. Sie sollen den Krieg gewinnen aber dabei möglichst keine Unschuldigen töten. Die CIA soll Resultate bringen, aber die Menschenrechte beachten. Also lässt man Häftlinge zum Verhör nach Pakistan oder Ägypten bringen, wo Folter zwar auch verboten ist, sich aber niemand darum kümmert. Man richtet in Guantanamo ein Gefangenenlager ein, wobei über Jahre bewusst unklar bleibt, ob es sich bei den Häftlingen um Kriegsgefangene oder Zivilisten handelt. Es wäre auch einfach die PMCs im Irak den Militärgerichten zu unterstellen. Dazu braucht es keine UN-Resolution, Bush könnte das mit einem Federstrich erledigen, aber man will es nicht. Man schafft rechtsfreie Zonen, da man mit der Anwendung des Rechts Probleme hat. Und dies liegt nicht an den Söldnern, die ungestört ihren finsteren Machenschaften nachgehen wollen, sondern an den Regierungen, für die Recht und Gesetze etwas sind, das man sich zu Diensten macht oder ignoriert.

Blackwater Wir denken, dass hinter dieser Sache System steckt. Viele Regierungen suchen im Moment nach Schlupflöchern in der Verfassung und Möglichkeiten lästige Gesetze auszuhebeln. Bei PMCs wie Blackwater, Dyncorp oder MPRI handelt es sich deshalb um keine richtigen "Söldnerfirmen" sondern um inoffizielle Dienststellen von Pentagon und CIA, von denen sie vollkommen abhängig sind, was einem Söldnerstatus eindeutig widerspricht. Sie dienen dazu demokratische Kontrollinstanzen wie Senat und Kongress zu umgehen, mindern den Druck der Öffentlichkeit, und wenn etwas schief geht, können Präsident und Verteidigungsminister die Unschuldigen spielen; sie brauchen keinen Ollie North mehr, der für sie einen Meineid schwört und ins Gefängnis geht. Es ist deshalb schon ein ziemlich übler Witz, wenn Blackwater als Motto verbreitet: "In support of FREEDOM AND DEMOCRACY EVERYWHERE". Denn Freiheit und Demokratie werden zumindest in den USA durch diese Geschäftspraktiken gewaltig untergraben.

© Frank Westenfelder  


 
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