"Danach ritt ich mit Tamerlan"

Ein bayrischer Knappe kämpfte für Sultan Bayazid und für Tamerlan.

Die Hinrichtungen bei Nicopolis Einzelne versprengte Ritter und Abenteurer kämpften nicht nur in Europa sondern auch in Nordafrika oder dem Vorderen Orient, manche verschlug es sogar bis nach Asien. Normalerweise hat man nie mehr etwas von ihnen gehört, sie starben irgendwo an Krankheiten oder in einem kleinen Scharmützel. Von einem dieser Schicksale berichtet jedoch der Bayer Hans Schiltberger. Er wurde 1380 bei Freising geboren und begann wie viele seiner Alters- und Standesgenossen seine Fahrten als Renner im Gefolge eines bayerischen Ritters. Der Anlaß war der Kreuzzug von 1396 gegen die Türken. Schiltberger zog im Gefolge des großen aus allen Ländern Europas zusammengekommenen Kreuzritterheeres nach Ungarn. Dort sah er die ersten Kämpfe und erlebte die vernichtende Niederlage der Christen bei Nikopolis. Die französischen Ritter hatten aus dem Krieg gegen die Engländer nichts gelernt und griffen den Feind, allen Warnungen zum Trotz, in altbewährter Weise an. Dadurch rissen sie das ganze Heer ins Verderben. Schiltberger stand mit den anderen Knappen am Rande. Einmal stürzte er sich ins Getümmel, um seinem Herrn ein neues Pferd zu bringen. Die Ritter kämpften hart und erst das Eintreffen von serbischen Verstärkungen sicherte den Türken den Sieg. Nur wenigen gelang die Flucht, die meisten wurden erschlagen, so auch Schiltbergers Ritter. Der Rest, immer noch mehrere Tausend, unter denen sich auch der verwundete Schiltberger befand, wurde gefangen und gefesselt vor den Sultan Bayazid geführt. Dieser war nicht in der Stimmung Gnade walten zu lassen, denn die Christen hatten vor der Schlacht in einem Anfall von Hochmut alle moslemischen Gefangenen massakriert. Bayazid ließ alle hochadligen Gefangenen, die ein reiches Lösegeld versprachen, aussortieren; die anderen übergab er seinen Henkern.

Es war ein furchtbares Blutbad. Die Gefangenen wurden Gruppenweise enthauptet oder besser gesagt abgeschlachtet. Schiltberger sah wie seine Gefährten niederknieten und starben. Als die Reihe an ihn kam, rettete ihn ein Sohn des Sultans, indem er darauf hinwies, daß Gefangene unter 20 Jahren verschont werden sollten. "Und ich war kaum 16 Jahre alt", schrieb Schiltberger später. Man brachte ihn zu den anderen Gefangenen. Mit ihnen trat er den weiten Weg über Konstantinopel und Gallipoli nach Bursa an. Die reichen Gefangenen wurden ausgelöst, die anderen legte man in einen Turm, bis sie als Geschenke Bayazids an befreundete Herrscher gingen. Einige kamen nach Ägypten, andere nach Bagdad, Armenien und ins Reich der Goldenen Horde. Schiltberger, der noch an seinen schweren Verwundungen litt, konnte nicht verschickt werden und blieb zwei Monate im Turm bis er wieder gesund war. Danach verwendete man ihn am Hofe als Boten.

Doch diese Phase diente nur der Eingewöhnung, bis er erwachsen genug war und sich ausreichende Sprachkenntnisse angeeignet hatte. Denn bald diente der bayerische Knappe als türkischer Söldner. Er wurde wie einige andere Christen Reiter also ein Spahi. Wie es dazu kam, darüber schweigt er sich aus. Deutlich wird seine neue Stellung erst an Hand der Beschreibung eines Fluchtversuchs. Eines Nachts floh er mit 60 anderen Christen. Zu Pferde erreichten sie ein Gebirge, wurden aber von einigen hundert Reitern verfolgt, die ihnen Bayazid nachgeschickt hatte. In einer Schlucht wurden sie von ihren Verfolgern eingeholt. Ihre Situation war aussichtslos und als ihnen der türkische Hauptmann ihr Leben zusicherte, legten sie die Waffen nieder. Da sie sonst keinen Schaden angerichtet hatten und sich der türkische Hauptmann für sie einsetzte, begnügte sich Bayazid damit, sie ins Verlies werfen zu lassen. An Hunger, Durst und Krankheiten starben dort zwölf von ihnen. Nach neun Monaten führte man sie wieder vor den Sultan und sie mußten Treue schwören. "Danach gab er uns wieder zu reiten und erhöhte uns den Sold", beendete Schiltberger lapidar diese Episode. Für gute Reiter hatte man überall Verwendung.

türkische Krieger Entweder hatte Schiltberger die Unmöglichkeit einer Flucht eingesehen oder der erhöhte Sold tat seine Wirkung. Jedenfalls zog er danach mit den türkischen Armeen ans schwarze Meer und nach Ägypten. Von seinen persönlichen Erlebnissen schreibt er nichts. Es kann sein, daß es ihm in der Heimat unklug erschien seine Taten im türkischen Heer unnötig zu betonen. Außerdem hatte er genug zu beschreiben. Seine Landsleute wußten so gut wie nichts über die Türkei, Ägypten, Persien oder Arabien. Er berichtete von den Königen und ihren Kriegen, kolportierte Sagen und Legenden. Bände hätte er damit füllen können. Sein eigenes Schicksal als unbedeutender Soldat schien ihm im Vergleich dazu banal. Trotzdem ist immer wieder die Faszination des Zwanzigjährigen zu spüren, der durch die riesigen Städte geht, sich ihre Sehenswürdigkeiten zeigen läßt, die fremden Sitten und Gebräuche beobachtet und über exotische Früchte und Tiere staunt. Er rühmte die Größe der türkischen Hauptstadt Bursa mit 200.000 Häusern und acht Spitälern für die Armen, besuchte die Tempel und Kirchen in Jerusalem, berichtete vom Balsamgarten des Sultans in Kairo und dem Leuchtturm im Hafen von Alexandria. Besonders angetan hatten es ihm die Brieftauben, die in einem Flug wieder in die Stadt und das Haus fliegen, wo sie "erzogen worden waren". Vielleicht hatte ihn bei ihrer Beobachtung etwas das Heimweh gepackt.

Ausführlichst beschreibt er die Religionsvorschriften des Islam und die Zeremonie beim Übertritt eines Christen zum Islam. Die Christen mußten die Worte sprechen: "La illach illalach Machmet rasul ullach. Und das spricht man auf Deutsch so: gott ist mächtig und Mohamet sein Prophet." Es ist sehr wahrscheinlich, daß er diese Zeremonie selbst mitgemacht hat. Vielleicht bei der Gelegenheit, als man die Flüchtlinge aus dem Kerker geholt und ihnen den Sold erhöht hatte. Es wäre nur zu verständlich, wenn er es später verschwiegen hätte. Andererseits bestritt er es nirgends oder erwähnte Schwierigkeiten, die er als Christ gehabt hätte. Sicher nahm man es bei den türkischen Söldnern wie überall mit der Religion nicht so genau, aber ein Lippenbekenntnis war höchstwahrscheinlich von Nöten.

Doch das mächtige Reich Bayazids wurde im Osten durch einen neuen furchtbaren Gegner bedroht. Timur der Hinkende, genannt auch Tamerlan, hatte damit begonnen die zerbrochenen Reste des Imperiums von Dschingis Khan zusammenzufügen. Von den Steppen östlich des Aralsees hatte er mit seinen Reiterhorden das riesige Persien unterworfen und war dann in das Gebiet der Goldenen Horde nördlich des Schwarzen und des Kaspischen Meers sowie in Indien eingebrochen. Seine Kriege führte er mit unvorstellbarer Grausamkeit. Ganze Länder wurden verwüstet, große Städte niedergebrannt und aus den Köpfen der Einwohner Schädelpyramiden errichtet. Bei seinen Eroberungen stieß Timur im Osten Anatoliens an die Grenzen des türkischen Reichs.

Schädelpyramide Timur zögerte mit dem Angriff; er versuchte sich zuerst noch an einfacheren Opfern. Seine Reiter plünderten Damaskus und zerstörten das prächtige Bagdad, auf dessen Ruinen er Pyramiden aus den Köpfen der Bewohner errichten ließ. In der Türkei hatte man von diesen Greueln erfahren, und auch Schiltberger hatte davon gehört: "Er befahl seinem Volk, daß ihm jeder einen Kopf bringen müßte. Dazu brauchte man drei Tage. Dann errichtete er aus den Köpfen drei Türme."

Als Timur endlich alles an Truppen zusammengezogen hatte, was seine Länder aufbringen konnten, fiel er 1402 im Nordosten der Türkei ein. Bayazid hatte ebenfalls ein großes Heer gesammelt. Zu seinen Elitetruppen den Janitscharen, kamen die berittenen Spahis, serbische Panzerreiter, tatarische Reiter und Aufgebote anderer Völker. Mit diesem Heer zog er Timur entgegen, doch dieser wich nach Westen aus und belagerte Ankara. Das türkische Heer folgte ihm in einem wochenlangen Marsch. Über 500 Kilometer durch die glühend heißen anatolischen Hochebenen mußten zurückgelegt werden, bis sich die Feinde gegenüberstanden. Der Zusammenprall war furchtbar. Die türkische Armee galt als die beste der Welt, aber Timur führte nicht nur die wilden und abgehärteten Reiter der turanischen Steppen in die Schlacht, er galt auch als listig und verschlagen. Er hatte die tatarischen Hilfstruppen der Türken bestochen, so daß diese mitten in der Schlacht zu ihm übergingen. Die gepanzerten Serben wurden erschlagen und die türkische Reiterei zerstreut. Bayazid hielt auf einem Hügel inmitten seiner Janitscharen aus, bis diese fast alle gefallen waren. Die Niederlage war total. Der Sultan war gefangen und die Armee vernichtet. Irgendwo in dem Getümmel hatte sich auch Schiltberger befunden. Wieder einmal hatte er Glück im Unglück und wurde gefangen. Das Los der Kriegsgefangenen erschien ihm das normalste der Welt. Er faßte es kurz und bündig zusammen: "Danach blieb ich bei dem Temurlin und ritt mit ihm."

Timur führte reine Söldnerheere, die ständig fremde Krieger in ihre Reihen aufnahmen. Man mußte nur reiten können, abgehärtet und kräftig sein. Schiltberger war 22 Jahre alt, seit sechs Jahren unterwegs und in den türkischen Armeen erprobt. Zweifelsohne war er ein guter Reiter. Für seine Söldner war Timur ein Halbgott, er hatte sie von Sieg zu Sieg geführt und immer hatten sie reiche Beute gemacht. Es ist anzunehmen daß sich Schiltberger schnell in diesem Vielvölkerheer zurechtfand. Er lernte wieder fremde Sprachen und sah neue Länder und Städte, doch für die großen Raubzüge Timurs war er zu spät gekommen. Der alte Herrscher bot noch einmal alle Macht seines Reiches auf, um sich auch noch China, den größten Brocken aus dem Erbe Dschingis Khans einzuverleiben. An diesem Zug nahm Schiltberger teil. Das Heer kam in eine endlose Wüste und die Tiere und Menschen starben am Durst. Andere erfroren in den eiskalten Nächten. Erbarmungslos trieb Timur sein Heer weiter, bis ihn selbst die Krankheit zur Umkehr zwang.

Nach Timurs Tod 1405 diente Schiltberger dessen Sohn Scharoch. Bald wurde er aber als Teil einer Hilfstruppe an den Bruder Miranschah, der Kurdistan und Armenien beherrschte, abgetreten. In Armenien und Karabach war Schiltberger gerne und oft gewesen. Das Land gefiel ihm, vielleicht erinnerte es ihn, nach all den Steppen und Wüsten, an die Berge seiner Heimat. Die christlichen Armenier nahmen ihn als Deutschen gastfreundlich in ihren Häusern auf und lehrten ihn ihre Sprache.

Aber die Ruhe währte nicht lange. Miranschah wurde von einem Konkurrenten erschlagen und unter seinem Sohn wurde Schiltberger mit Hilfstruppen zur Unterstützung eines rebellischen Königssohnes ins Reich der Goldenen Horde geschickt. Bei den Machtkämpfen in Südrußland und Sibirien erlebte er Aufstieg und Fall von zehn Königen. Entweder mußte er mit den Besiegten fliehen, oder er wurde ins Heer des neuen Herrschers eingereiht. Erstmals lebte er richtig unter Nomaden, die mit Frauen, Kindern, Vieh und all ihrer Habe von Weideplatz zu Weideplatz und auch in den Krieg zogen. Erstaunt stellte er fest, daß sie keinerlei Getreide aßen, sondern sich ausschließlich von Fleisch, Kamel- und Stutenmilch ernährten. Er sah Schlittenhunde und wohnte in Filzhütten. Inzwischen war er über 40 Jahre und ein alter erfahrener Reiter. Schnell gewöhnte er sich an die neuen Sitten und war kaum noch von den Tataren zu unterscheiden. Er berichtete, daß er wie sie rohes Fleisch in Leinen wickelte, um es unter seinem Sattel mürbe zu reiten. In seinen Augen waren die Tataren die besten Krieger unter den Heiden. In der Not tranken sie sogar das Blut ihrer Pferde.

russischer Reiter
   Russischer Reiter des 15. Jahrhunderts. Schiltbergers Bewaffnung sah vielleicht ähnlich aus.

Doch das Leben war gefährlich geworden. Ständig befand er sich im Gefolge eines Herrschers auf der Flucht. Als er dabei zum Schwarzen Meer kam faßte er seit langem wieder den Entschluß zu fliehen. Er tat sich mit vier anderen Christen zusammen und schlug sich mit ihnen zur Küste durch. Sie entdeckten ein christliches Handelsschiff und konnten mit einem Feuer auf sich aufmerksam machen. Auf dem Schiff zögerte man die verwilderten Tataren, die sich als Christen ausgaben, an Bord zu nehmen. Und erst nachdem sie das Paternoster und die zehn Gebote aufgesagt hatten, glaubte man ihnen und nahm sie mit.

Nach längerer Schiffsreise erreichten sie endlich Konstantinopel. Dort führte man die interessanten Gestalten gleich vor den Kaiser, der immer daran interessiert war Neuigkeiten aus der Türkei und den anderen östlichen Ländern zu erfahren. Der Kaiser hörte den Weitgereisten gerne zu und versprach ihnen, für ihr Weiterkommen zu sorgen. Drei Monate mußte Schiltberger in Konstantinopel warten bis eine Galeere zur Verfügung stand. Man hielt ihn und seine Gefährten im Haus des Patriarchen versteckt, damit die Türken die Entflohenen nicht zurückfordern konnten. Schiltberger bedauerte sehr, daß er deshalb nur wenig von der Stadt zu sehen bekam. Anschließend ging es über die Walachei und die Bukowina nach Lemberg, von dort nach Krakau, Breslau, Meißen, Eger und Regensburg nach Freising.

1427 war er mit 44 Jahren endlich wieder in der Heimat angekommen. Dort staunte man kräftig über den braungebrannten Weltreisenden, der so wundersame Geschichten erzählen konnte, vom Prunk am Hofe des Sultans Bayazid, von den Grausamkeiten des hinkenden Timur, von Ländern, in denen Pfeffer und Seide wuchsen, von Elefanten, Kamelen, Schlittenhunden und Brieftauben. Die Menschen waren verrückt nach solchen Geschichten und man wird ihn gerne eingeladen haben, um immer wieder davon zu erzählen. Der spätere Bayernherzog Albrecht III. versorgte ihn sogar mit einer Stelle als Kämmerer. Irgendwann gab er ihm wahrscheinlich auch einen Schreiber und einige Reisebücher, darunter das von Marco Polo, und ließ ihn die ganze Geschichte aufschreiben. Der alte Schiltberger verwechselte inzwischen manches und schrieb auch ganze Passagen ab, doch das war in der Zeit allgemein üblich. Zuerst wurden seine beliebten Erlebnisse handschriftlich verbreitet, bis 1476 der erste Druck erschien. Ihn hat der alte Kämpe sicher nicht mehr erlebt. Über sein Todesdatum ist nichts bekannt. Es ist zu vermuten, daß er seine letzten Jahre als exotischer Gast und Geschichtenerzähler verbrachte. Viele weitgereiste Söldner hatten dasselbe getan und sind unbekannt geblieben, aber mit der Verbreitung gedruckter Bücher sollten es dann immer mehr werden.

Es wäre falsch in Schiltbergers Erlebnissen ein untypisches Einzelschicksal sehen zu wollen. Untypisch war es bestenfalls durch die unglaublich weiten Reisen und dadurch, daß es niedergeschrieben wurde. Kriegsgefangene stellten seit Urzeiten einen beträchtlichen Anteil in den meisten Söldnerheeren. Von den Rittern, die in Gefangenschaft gerieten, konnten sich nur die wohlhabenden auslösen; die anderen mußten sehen wo sie blieben und nahmen oft freiwillig Solddienst beim ehemaligen Gegner. Man mag zwar den Gegensatz zwischen Christentum und Islam für eine schwer zu überschreitende Grenze halten. Doch die Hauptgegner der Türken - Konstantinopel und die Kreuzritterstaaten - beschäftigten ständig türkische und arabische Söldner. Andererseits dienten auch in moslemischen Staaten christliche Ritter gegen gute Bezahlung. In den Maghrebstaaten Nordafrikas waren die schweren Rittersöldner so beliebt, daß sie oft als Eliteeinheiten und Leibgarde der Fürsten dienten. Der weitgereiste Chreutzpeck hat sich wie erwähnt wahrscheinlich unter ihnen aufgehalten.

Zu diesen Freiwilligen kamen die Sklavensoldaten, die seit den Pharaonen in den militärischen Strukturen des vorderen Orients und Nordafrikas ihren festen Platz hatten. 1340 gründete Sultan Orhan die Janitscharen, sie wurden am Anfang vollständig aus gefangenen Christenkindern aufgestellt. Wobei der Begriff des Kindes sehr weit ausgelegt werden konnte. Neben Schiltbergers Bericht gibt es noch den des Serben Konstantin der 1455 von den Türken gefangen genommen und noch mit 20 Jahren zum Janitschar gemacht wurde. Es ist nicht schwer, hier eine Parallele zu der Bemerkung Schiltbergers zu ziehen, daß alle Gefangenen unter 20 Jahren geschont werden sollten. Wenn er nicht ausdrücklich auf seinen Solddienst als Reiter hinweisen würde, müßte man Schiltberger den Janitscharen zuordnen. Konstantin berichtet ausführlicher über die reichen Plünderungen, die sich im türkischen Heer machen ließen. Er hatte es sogar schon zum Unterführer gebracht, als er 1463 von den Ungarn gefangen wurde. Natürlich betonte er dann seine Freude, endlich wieder unter Christen zu sein. Es besteht jedoch kein Anlaß zwischen seiner Einstellung und der Schiltbergers große Unterschiede zu sehen. Trotz allen Aufrufen zum Heiligen Krieg, hatte der Krieg eben seine eigenen Gesetze und die Söldner, die überleben wollten, waren harte Realisten.

Bei der Einnahme von Konstantinopel 1453 dienten freiwillig Tausende christlicher Abenteurer, sogenannte Baschi-Bazuks, aus vielen europäischen Ländern im türkischen Heer. Sie galten als äußerst disziplinlos und wurden beim Sturm an vorderster Front eingesetzt. In den moslemischen Staaten gab es immer tausende von Renegaten. Schwierig war nur die Heimkehr. Die Kirche verzieh den Dienst bei den Heiden nur ungern und deshalb mußte man das Unfreiwillige, die Versklavung herausstellen. Andere wollten gar nicht heimkehren, es lebte sich gut in der Türkei und Nordafrika. Hier liegt das eigentliche Problem, wenn man sich für die Spuren der europäischen Söldner in der Welt des Islam interessiert. Nur ganz wenige kehrten zurück und die hatten oft gute Gründe zu schweigen. In der Heimat des Serben Konstantin war die Türkei näher und vertrauter, vielleicht konnte er deshalb offener von seinem Leben dort berichten. Als Schiltberger zurückkam hatte man einige Jahre vorher Jan Hus öffentlich verbrannt und führte gerade Krieg gegen die hussitischen Ketzer. Geradezu entschuldigend schrieb er in seiner Vorrede, daß er in diesen Ländern nicht alles erfahren konnte, "darum ich ein gefangener Mann war und meiner selbst nicht war."

© Frank Westenfelder  
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