Der Hundertjährige Krieg

Die I. Phase (1339-1389).

"Der Hundertjährige Krieg" (1339-1453) ist eine recht willkürliche Bezeichnung, unter der erst viel später eine ganze Reihe von kriegerischen Konflikten zwischen England und Frankreich zusammengefasst wurden. Genauer betrachtet gehören sie in die lange Reihe der Kämpfe, in denen die Könige von England versuchten ihren Festlandsbesitz der Kontrolle der französischen Krone zu entziehen, was diese wiederum mit allen Mitteln verhindern musste. Die Auseinandersetzungen begannen deshalb bereits schon in der Zeit Wilhelms des Eroberers und seiner Söhne, die immer wieder Krieg um die Normandie führten. Als Heinrich II. Plantagenet - ein Urenkel Wilhelms – dann durch die Heirat mit Eleonore von Aquitanien seinen Besitz auf halb Frankreich ausdehnte, wurde das Zurückdrängen von Heinrichs Söhnen Richard Löwenherz und Johann Ohneland zu einer Überlebensfrage für die französische Krone. Viele Historiker sprechen in diesem Zusammenhang vom "Ersten Hundertjährigen Krieg", in dessen Verlauf die Plantagenets schließlich ihren Besitz bis auf Aquitanien im Südwesten Frankreichs verloren.

Englisches Wappen ab 1340 Die Kämpfe um den englischen Besitz in Frankreich gingen dennoch weiter, und nach und nach wurden andere Regionen mit hineingezogen. Bereits seit dem Ende des 13. Jahrhunderts unterstützte Frankreich die Schotten in ihrem Freiheitskampf, und England wiegelte die Flamen auf. Diese geschlossenen strategischen Allianzen sollten den gesamten Hundertjährigen Krieg mitbestimmen und noch lange darüber hinaus wirksam bleiben. Die Kämpfe am der schottischen Grenze und in Flandern sind bis ins 16. Jahrhundert immer auch Nebenkriegsschauplätze des großen englisch-französischen Konfliktes, als dessen Ende man auch die französische Eroberung von Calais (1558) betrachten kann. Ihren Anspruch auf den französischen Thron gaben die Könige von England offiziell erst im Frieden von Amiens (1802) auf!

Obwohl der Hundertjährige Krieg also in einen weit größeren Zusammenhang gestellt werden muss, lohnt es sich doch, seine einzelnen Phasen etwas genauer zu betrachten, da sich hier das Kriegswesen des Spätmittelalters in seinen verschiedenen Varianten und Entwicklungsstufen so gut wie an keiner anderen Stelle beobachten lässt. Unter dem gewaltigen Druck der Ereignisse waren alle Parteien gezwungen, sich auf Veränderungen bei Taktik und Ausrüstung möglichst schnell einzustellen oder die bitteren Konsequenzen zu tragen.

Söldner spielten dabei von Anfang an eine starke Rolle und wurden mit der zunehmenden Professionalisierung der Heere noch wichtiger. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang auch die offiziellen "Friedensphasen", in denen die arbeitslosen Söldner regelmäßig zum schwersten Problem für Frankreich wurden. Meistens versuchte man dann – mit mäßigem Erfolg - sie in umliegende Regionen zu "entsorgen". Konzentriert man sich auf die Verwendung von Söldnern, so erscheint der Hundertjährige Krieg als ein Mechanismus, eine Art Maschine, die zuerst langsam, dann aber zunehmend schneller Söldner produziert und gleichzeitig andere aus den angrenzenden Ländern ansaugt, nur um sie dann wieder dorthin abzuschieben.

Besonders die englischen Könige, die maximal über ein Lehnsaufgebot von 5.000 Reitern verfügten – gegenüber ca. 27.000 in Frankreich -, warben seit Generationen auf dem Kontinent. Flamen und Brabanzonen hatten immer zahlreich unter Henry I., Stephen, Henry II., Richard und Johann gedient. Als nun Edward III. einen neuen Waffengang kommen sah, begann er bereits 1337 mit umfangreichen Werbungen im Reich. Nach langen kostspieligen Verzögerungen fiel Edward im September 1339 mit einem Heer, das zu über der Hälfte aus fremden Söldnern bestand, in Nordfrankreich ein. Da die Franzosen die Schlacht verweigerten, blieben ihm am Ende nur so gewaltige Schulden, dass er für Jahre von größeren Werbungen im Ausland Abstand nehmen musste.

In der folgenden Zeit verwendete Edward vor allem englische Truppen mit einem starken Anteil an Bogenschützen, die den enormen Vorteil hatten billiger zu sein. Man kann diese Männer, die ihrem König wenn auch gegen Bezahlung in den Krieg folgten, zwar nicht pauschal als Söldner bezeichnen, dennoch bildeten gerade sie oft das ideale Reservoir. Natürlich kehrten viele am Ende eines Feldzuges zurück, aber auch nicht wenige blieben in Frankreich und lernten dort vom Krieg zu leben.

Einen guten Teil der englischen Streitkräfte stellten zudem die kriegerischen Gascogner. Viele von ihnen, besonders die mächtige Familie der d’Albret, hatten lange geschwankt, welcher Seite sie sich anschließen sollten, und sich dann für England entschieden, da dessen König weiter weg war. Die Gascogner waren ständig in irgendwelche Fehden verwickelt und nutzten nun die Gelegenheit um im großen Stil in den Nachbarprovinzen einzufallen. Waffenstillstände kümmerten sie nur selten, meistens suchten sie sich dann nur einen neuen Herrn, einen neuen Streit, um den Krieg in gewohnter Weise weiterzuführen.

Frankreich im Hundertjährigen Krieg Zu der starken Hilfe aus Aquitanien und Flandern, kamen noch eine ganze Reihe interner feudaler Konflikte in Frankreich wie die Kriege um die Bretagne (1341-1364), Burgund (1361-1365) und um die Normandie (1353-1378), und die Dauerfehde zwischen den Grafen von Foix und Armagnac. Bei den Truppen, die von England zur Unterstützung dieser Fehden und Kleinkriege in die Bretagne und die Normandie geschickt wurden, handelte es sich ohnehin um Söldner. Edward übernahm vielleicht die Transportkosten und den ersten Sold, anschließend wurden sie gelegentlich von ihren neuen Dienstherren bezahlt, meistens aber lebten sie vom Raub.

Es waren vor allem diese permanenten Kleinkriege, die zur großen "Söldnerschule" werden sollten. Engländer wie Hugh Calveley und Robert Knolles lernten in der Bretagne ihr Handwerk. Im Südwesten tummelten sich mehr die Einheimischen wie der Gascogner Bernard de la Salle, Angehörige der d’Albret oder Séguin de Badefol aus dem Périgord. Dazu kamen Basken, die Charles von Navarra geworben hatte, die aber auch von den Engländern gerne in Dienst genommen wurden. Die Beute zog weiterhin viele Deutsche an, die fast in jeder englischen Garnison anzutreffen waren. Bei ihnen handelte es sich aber nicht mehr um mächtige Fürsten mit gut dotierten Soldverträgen, sondern meistens um namenlose Aufsteiger.

Der König von Frankreich stand zumindest in den ersten Kriegsjahren vor einer ganz anderen Situation. Zwar hatte auch er sofort im Reich Unterstützung geworben, sich aber mit wesentlich kleineren Zahlen zufrieden gegeben, dafür aber dauerhafter illustre Adlige an sich gebunden. König Johann von Luxemburg kämpfte mit starkem Gefolge bereits 1338 in Aquitanien und fiel später bei Crécy. Aber auch bei Poitiers stößt man noch auf ein starkes Kontingent deutscher Adliger. Neben Rittern aus dem Reich, wozu damals auch Böhmen, Savoyen und die Niederlande zu rechnen waren, dienten in Frankreich auch gerne Emigranten mit ihrem Gefolge wie der Kastilier Enrique de Trastámara, der Waliser Owain Lawgoch (auch Ywain le Gallois) oder der Schotte William Douglas. Sie warben am Königshof zwar auch um Unterstützung für die Sache in ihrer Heimat, waren aber im Exil dennoch auf Sold für ihre Dienste angewiesen.

Militärisch weitaus wichtiger als diese ritterlichen Söldner waren dagegen Verstärkungen bei der Flotte und der Infanterie. Immer wieder wurden Galeeren und Armbrustschützen von den Doria in Genua und den Grimaldi in Monaco gemietet. Das grundlegende Problem dabei war allerdings, dass der französische Adel diesen "minderwertigen" Truppen keine entscheidende Bedeutung einräumen wollte. Schon in Schlacht bei Courtrai 1302 hatten die französischen Ritter die genuesischen Armbrustschützen, die den Kampf sehr erfolgreich eröffnet hatten, zurückgerufen, um selbst den Sieg zu erringen und waren vernichtend geschlagen worden. Als die 1337 geworbenen Galeerenbesatzungen dann ihren Sold nicht erhielten und eine Abordnung zum König schickten, ließ er diese kurzerhand ins Gefängnis werfen. Daraufhin desertierten viele und einige Galeeren fuhren nach Hause, wodurch die französische Flotte bei Sluys entscheidend geschwächt war. Die taktische Verwendung der genuesischen Armbrustschützen bei Crécy war ein einziges Desaster. Sie würden überhastet gegen den Feind geworfen und dann vom ungeduldigen französischen Adel niedergeritten.

Die vernichtenden Niederlagen und der Niedergang Frankreichs haben hier ihre Hauptursache. Auch die Katastrophe bei Nicopolis 1396 ist in diese Reihe zu stellen. Dort ging es zwar nicht gegen die englischen Bogenschützen, dafür aber gegen die disziplinierte Infanterie des Sultans Bayazid. Gegen den ausdrücklichen Rat erfahrener Krieger bestanden die französischen Ritter auf dem Frontalangriff – und stürmten wie bei Crécy ins Verderben. Der Großmeister der Johanniter stellte später fest: Wir haben die Schlacht durch den Stolz und die Eitelkeit der Franzosen verloren.“

Ganz anders die Engländer. In 50 Jahren Krieg gegen Waliser und Schotten hatten sie ihre Taktiken den modernen Erfordernissen angepasst. Von den Walisern hatten sie den Langbogen und von den Schotten die Technik des Fußkampfes übernommen. Dazu kamen leichte Reiter, so genannte "Hobelars", die sich besonders bei Aufklärung, kleinen Scharmützeln und dem Fouragieren bewährten. Sie hatten gelernt Geländevorteile auszunutzen und schnell zu manövrieren. Die Führung lag normalerweise in den Händen erfahrener Adliger, deren Befehlen dann auch Folge geleistet wurde. Entscheidend war das gut geplante Zusammenwirken der verschiedenen Truppenteile.

Das französische System fand bei Poitiers 1356 zumindest vorläufig sein Ende. Zahlreiche Adlige waren gefallen und noch mehr mit dem König in Gefangenschaft geraten. Die englischen und gascogner Söldnerbanden, die von Calais oder Aquitanien immer ausgedehntere Raubzüge nach Frankreich unternahmen trafen kaum noch auf gut organisierten Widerstand. Unter diesen Umständen wurde nun auch von französischer Seite der Krieg immer mehr selbständigen Söldnerbanden überlassen. An potentiellen Rekruten fehlte es nicht. Die hohen Lösegelder oder die Verwüstungen ihrer Ländereien hatten viele Adlige an den Rand des Ruins getrieben, so dass sie nun versuchten sich als selbständige Kriegsunternehmer durchzuschlagen.

Bertrand du Guesclin Wie bei den Engländern war es auch bei den Franzosen der Kleinkrieg in der Bretagne, der diese Tendenz wesentlich mehr förderte als die großen Feldzüge. Dort bildeten sich bereits in den 40er Jahren die bretonischen Kompanien, die zwar manchmal von Charles von Blois oder dem französischen König in Sold genommen wurden, meistens jedoch auf eigene Rechnung kämpften. Zur dominierenden Figur unter ihnen wurde der Bretone Bertrand du Guesclin. In seinen Anfängen war er lediglich eine Art Räuberhauptmann gewesen und wurde wegen seiner Kriegslisten mindestens genauso berühmt wie wegen seiner Tapferkeit.

Im Süden machte der entlaufene Kleriker Arnaud de Cervole, von sich reden. Er stand sehr lose im Dienst Frankreichs, führte aber zunehmend Krieg auf eigene Rechnung. Ihm gelang es als erstem, viele der unabhängigen Kompanien zusammenzufassen. 1357 hatte Cervole in der Dauphiné über 2.000 Mann versammelt, verwüstete mit dieser "Großen Kompanie" die Provence und erpresste große Summen von Marseille und dem Papst in Avignon. Danach löste sich diese Kompanie erst einmal auf.

Für die Söldner war dies kein größeres Problem, denn die Kompanien waren fast überall auf dem Vormarsch. Die Gascogner hatten sich längst im Zentralmassiv festgesetzt und stießen von dort ins Rhonetal vor. Nördlich von Paris hausten Engländer und Navarresen. Von Westen zogen bretonische Kompanien das Loiretal hoch Richtung Orleans. Einem anderen Verbund unter Robert Knolles gelang sogar die Einnahme von Auxerre, wobei immense Beute gemacht wurde. In der Champagne plünderten Hennegauer, Brabanter und Rheinländer und zogen durch ihre Erfolge neue Landsleute nach.

Als Frankreich im Mai 1360 dann den Frieden von Brétigny unterzeichnete, waren die englischen Ansprüche bereits das geringere Problem. Es galt nun das Land selbst zu befrieden und die Söldner zu vertreiben. Doch das erwies sich als fast unlösbares Problem. Viele Engländer dachten gar nicht daran in ihre Heimat zurückzukehren, und die Navarresen, Gascogner, Bretonen und Deutschen interessierte es ohnehin wenig, was die Könige wünschten.

Einige zogen in die Bretagne und kämpften dort weiter für Blois oder Montfort. Die meisten aber schlossen sich zu Freien Kompanien zusammen und wurden "Routiers", wie man diese selbständigen Söldner nannte. Nach dem Frieden sammelten sich immer mehr von ihnen nördlich von Lyon und nannten sich wieder "Große Kompanie". Nun stark genug trieben sie von Städten und ganzen Regionen Schutzgelder ein. Schließlich bewegten sie sich langsam Richtung Avignon, wo der Hof des Papstes reiche Lösegelder versprach. Der Papst belegte sie mit dem Bann und rief zum Kreuzzug gegen sie auf, lediglich mit dem Effekt, dass große Teile der unbesoldeten Kreuzritter selbst zu den Routiers überliefen.

In seiner Verzweiflung kam der Papst schließlich auf die Idee die Routiers zum Kampf um seine Besitzungen in Italien zu verwenden. Mit neuen Krediten gelang es ihm, etwa 6.000 - vorwiegend Engländer und Deutsche - unter der Führung von Albert Sterz in Sold zu nehmen und nach Italien abzuschieben, wo sie wegen ihrer überlegenen Plattenpanzer als "Weiße Kompanie" bekannt wurden. Unter ihnen befand sich auch John Hawkwood, der Sterz’ Nachfolger und einer der berühmtesten Condottiere Italiens werden sollte.

Auf der Suche nach neuen reichen Gebieten bewegte sich die verbliebenen Teile der Großen Kompanie nun langsam nach Norden Richtung Burgund. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, sammelte der König von Frankreich noch einmal, was er an Truppen bekommen konnte; auch eine Kompanie Bretonen unter Arnaud de Cervole wurde in Sold genommen. Als dieses Heer dann überraschend im April 1362 bei Brignais geschlagen wurde, machten die Routiers nicht nur riesige Gewinne durch die Lösegelder, sondern hatten auch fürs erste keinen Gegner mehr zu fürchten.

plündernde Söldner Dennoch hätte man ihrer wahrscheinlich auf Dauer Herr werden können. Aber die inneren Feudalkonflikte sorgten ständig für neue Auftraggeber. Der Krieg in der Bretagne dauerte an, im Süden kämpften die Grafen von Foix und Armagnac gegeneinander, und Charles von Navarra versuchte Ansprüche auf Burgund durchzusetzen – durch seine Besitzungen in der Normandie wurde auch die mit hineingezogen. Alle Seiten stützten sich inzwischen hauptsächlich auf die Routiers und führten ihnen durch die Werbungen und die folgenden Verwüstungen nur neuen Nachschub zu. Es gab nun praktisch kaum noch eine Provinz, die nicht von den Routiers durchzogen und ausgeplündert wurde.

Die Lage begann sich ganz langsam zu ändern, als im September 1364 mit der Schlacht bei Auray der Krieg in der Bretagne entschieden wurde. Charles von Navarra schloss ein gutes halbes Jahr später wieder einmal Frieden mit der Krone, wodurch den Kämpfen in Burgund und der Normandie der Nährboden entzogen wurde. Trotzdem wusste man immer noch nicht, was man mit den nun zunehmend arbeitslosen Söldnern anfangen sollte.

Schließlich kam man auf die gute alte Idee eines Kreuzzuges zurück – die Idee Jerusalem zu befreien, spielte dabei allerdings bestenfalls eine kleine Nebenrolle; hauptsächlich ging es darum, die Störenfriede möglichst weit weg zu schicken. Die große Masse sollte deshalb unter Arnaud de Cervole durch Süddeutschland und Ungarn gegen die Türken ziehen. Nachdem etwas Sold bezahlt worden war, setzte sich im Herbst 1365 tatsächlich eine große Gruppe in Bewegung. Sie kamen nur bis ins Elsass. Dort hatte sich die Landbevölkerung größtenteils in die Städte geflüchtet und diese hielten ihre Tore nun fest verschlossen. Die Rheinbrücken waren abgebrochen und nördlich Straßburgs wurde das Reichsaufgebot zusammengezogen. Unter diesen Umständen waren sie bald wieder zurück in Burgund.

Wesentlich erfolgreicher entwickelten sich dagegen die Pläne eines Kreuzzuges nach Spanien. Das lag erstens näher und zweitens war der Krieg zwischen Aragon und Kastilien wieder ausgebrochen, so dass der König von Aragon bereit war, einen guten Teil des Soldes zu übernehmen, allerdings nicht für den Kampf gegen die Mauren, sondern gegen Pedro I. von Kastilien. Auch der Papst und der König von Frankreich zahlten kräftig, um Frankreich von möglichst vielen Söldnern zu befreien. Die Leitung übertrug man Bertrand du Guesclin, der viele Bretonen mitbrachte, aber auch seine ehemaligen englischen Gegner waren unter der Führung von Hugh Calveley zahlreich vertreten. Dazu kamen viele Gascogner, einige Deutsche und als wichtigste Person Enrique de Trastámara, der nun als Halbruder Pedros des Grausamen auf den Thron Kastiliens gebracht werden sollte.

1365 konnte du Guesclin dann über 10.000 Mann nach Aragon führen. Der Feldzug war ein voller Erfolg. Städte öffneten den vorrückenden Truppen die Tore, der Adel unterwarf sich Enrique de Trastámara, der bald als Enrique II. den Thron besteigen konnte. Dem von allen im Stich gelassenen Pedro blieb nur die Flucht. Der Nachteil für Frankreich war, dass das Gros der Söldner bald wieder auf dem Rückweg war. Als ausgesprochener Glücksfall erwies sich deshalb, dass Pedro I. an den Hof des Schwarzen Prinzen in Bordeaux geflohen war. Es war für Pedro nicht schwierig, den Prinzen zu einem neuen Feldzug nach Kastilien zu überreden, da er versprach, für alle Kosten großzügig aufzukommen.

der Schwarze Prinz Da nun unter dem schon legendären Namen des Prinzen geworben wurde, war der Zulauf enorm. Viele der Heimkehrer eilten sofort zu seinen Fahnen, aber auch andere, die nach wie vor in den Cevennen saßen, schlossen sich jetzt an, Robert Knolles kam aus der Bretagne; sogar aus England trafen neue Kontingente ein, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten. Anfang 1367 führte der Prinz ein prächtiges Heer über die Pyrenäen. Die folgende Entscheidungsschlacht bei Nájera gilt zwar als äußerst blutig, die Verluste hatten jedoch hauptsächlich die Kastilier zu tragen. Die Verluste des Prinzen waren angeblich sehr gering. Weitaus verhängnisvoller waren dagegen die Krankheiten, die seinen Truppen in den nächsten Monaten zusetzten, und von denen auch er selbst sich nicht mehr erholen sollte.

Pedro erhielt also seinen Thron zurück und die Söldner machten sich leicht geschwächt im Hebst wieder auf den Weg nach Frankreich. Aber dort hatte man die Zeit genutzt, um sich auf sie vorzubereiten. Man hatte Truppen geworben – oft ebenfalls unter den Freien Kompanien -, Städte und Burgen in Verteidigungsbereitschaft versetzt und Flussübergänge gesichert. So gelang es den königlichen Streitkräften, die übliche Ausbreitung und das Festsetzen der Söldner zu verhindern. Ohne feste Basen, von denen sie ihrem Geschäft nachgehen konnten, und konstant bedrängt schlugen sie sich letztlich in die Normandie durch. Kleinere Gruppen wurden vernichtet, und immer mehr lösten sich auf.

Ihre Not sollte aber bald ein Ende haben. Der Schwarze Prinz hatte bei seinem spanischen Abenteuer immense Schulden angehäuft, und Pedro I. dachte gar nicht daran, seine Versprechen einzulösen. Um nun seinen dringendsten Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, begann der Prinz in Aquitanien neue Steuern zu erheben und trieb dadurch seine wichtigsten Lehnsleute – den Gafen von Armagnac und die d’Albret – ins französische Lager. Während beide Seiten mit den Werbungen begannen, führte du Guesclin mit Enrique II. erneut eine größere Söldnertruppe nach Kastilien. Pedro wurde geschlagen und als Gefangener zur Sicherheit von Enrique sofort eigenhändig erstochen. Damit waren die Hoffungen des Schwarzen Prinzen auf Rückzahlung seiner Außenstände zunichte gemacht.

Als der Krieg zwischen Frankreich und England 1369 wieder aufgenommen wurde, sahen sich die Engländer völlig anderen Gegnern gegenüber. Die französischen Truppen bestanden nun hauptsächlich aus erfahrenen Söldnern, Veteranen aus der Bretagne, der Normandie und der Gascogne. Nach Froissart stand nun sogar die Mehrzahl der Freien Kompanien auf französischer Seite. Die Führung hatte du Guesclin als Connetable übernommen, unterstützt von dem Bretonen Olivier de Clisson. Dieser hatte vorher lange auf englischer Seite gekämpft. Für diese Profis waren Ruhm und Ehre nebensächlich, in erster Linie wollten sie gewinnen – im Sinne von "Gewinn machen". Sie ritten deshalb keine schneidigen Kavallerieattacken gegen einen gut verschanzten Gegner; sie manövrierten, schnitten einzelne Abteilungen ab und rieben sie auf. 1372 vernichtete eine kastilisch-genuesische Flotte die englische vor La Rochelle und errang dadurch die Seeherrschaft im Kanal. In relativ kurzer Zeit verloren die Engländer fast alle ihre Besitzungen in der Bretagne und der Normandie und einen Großteil Aquitaniens.

1374 schlossen die erschöpften Gegner wieder einen Waffenstillstand. Frankreich litt trotz der letzten Erfolge an den schweren Verwüstungen und musste sich dringend um seine inneren Probleme kümmern. Das gravierendste waren wieder einmal die Routiers, von diesen hatten viele den Krieg genutzt um ihr altes Gewerbe wieder aufzunehmen. Dabei gelang es ihnen zwar nicht mehr, ganze Provinzen zu kontrollieren und auszupressen, aber in abgelegeneren Gegenden wie dem Zentralmassiv waren sie relativ sicher und hatten guten Zulauf, der durch den Waffenstillstand wie immer deutlich verstärkt wurde.

Coucys Söldner vor Straßburg Da traf es sich gut, dass der mächtige Adlige Enguerrand de Coucy, der sich als Schwiegersohn Edwards III. bislang aus dem Krieg herausgehalten hatte, eine alte Erbstreitigkeit mit den Habsburgern zu regeln hatte. Coucy war zwar reich, hätte aber dennoch keinen richtigen Krieg finanzieren können. Also stellte ihm der französische König eine große Summe zur Verfügung, um auf diese Weise das Land von den überzähligen Söldnern zu befreien. Die Werbungen liefen gut, und Coucy rekrutierte viele von du Guesclins Bretonen, dazu Gascogner, Waliser und sogar einige englische Kompanien. Ende 1375 schickte er weit über 10.000 Mann ins Elsass. Nachdem sie das offene Land ausgeraubt hatten und kaum noch Nahrungsmittel fanden, zogen sie weiter in die Westschweiz, wo die Schweizer einige Gruppen vernichteten.

Weit schwerer aber als die Verluste im Kampf wogen die durch Kälte und Hunger auf dem langen Rückmarsch durch das bereits ausgeplünderte Elsass. Erst nach Monaten traf das stark dezimierte und demoralisierte Heer im Rhonetal ein. Dort rekrutierte der Papst dann einige bretonische Kompanien, um seine verlorenen Territorien in Italien zurückzuerobern. Viele Gascogner zogen etwa um die gleiche Zeit mit Charles von Navarras Bruder Louis, der durch eine Heirat zu Thronansprüchen auf Albanien gekommen war, nach Griechenland und schlugen dort die Catalanen, die einst Roger di Flor in den Orient geführt hatte.

Obwohl England wieder im Bündnis mit dem Herzog der Bretagne und Charles von Navarra die Offensive im nächsten Jahr noch einmal aufnahm, war die Niederlage nicht mehr aufzuhalten. Zuerst wurde Charles Navarra zum Frieden gezwungen und schließlich auch die Bretagne. Entscheidende Auswirkungen hatte 1382 die Schlacht bei Roosebeke, in der die Flamen vernichtend geschlagen wurden. England hatte damit seinen wichtigsten Bündnispartner auf dem Kontinent verloren. In Frankreich konzentrierte man sich deshalb immer stärker darauf, die Söldner aus dem Land zu schaffen. Auch hier waren die Chancen günstig. Ab 1378 sorgte das päpstliche Schisma für neue Kämpfe in Italien, die man mit Truppen versorgen konnte. Kurz darauf erwarb der Herzog von Anjou Ansprüche auf die Krone von Neapel, die natürlich auch erst erobert werden wollte. Zuerst führte er selbst ein Heer in den Süden; 1384 folgte Coucy mit einem zweiten. Anjou und viele der Söldner starben am Fieber, so dass nur wenige zurückkehrten.

1390 zogen dann viele der unruhigen Gascogner unter Bertucat d’Albret und Bernard de la Salle in den Krieg zwischen Mailand und Florenz. Im selben Jahr finanzierte Genua einen "Kreuzzug" gegen Mahdia bei Tunis, um das Korsarenproblem in den Griff zu bekommen. Erreicht wurde dabei zwar nichts, aber in Frankreich konnte man immer zufrieden sein, wenn wieder einige Söldner in der Fremde verschwanden. Der Kreuzzug nach Ungarn mit der Niederlage bei Nicopolis 1396 erfüllte trotz aller hehren Ziele eine ähnliche Funktion.

Ironischerweise war es ausgerechnet das kleinste, oft in diesem Kontext übersehene Unternehmen, das die größten Folgen hatte. Bei der Belagerung von Mahdia hatte einer dieser Veteranen – ein gewisser Gadifer de la Salle aus dem Poitou – den normannischen Adligen Jean de Béthencourt kennen gelernt. Auf der Suche nach neuen Verwendungsgebieten für ihre inzwischen wenig gefragten Talente, rüsteten sie schließlich gemeinsam eine Expedition in La Rochelle aus und begannen 1402 mit der Eroberung der Kanarischen Inseln, 90 Jahre später wurden die dann zum Sprungbrett für die Entdeckung Amerikas.

© Frank Westenfelder  
amz Bücher zur mittelalterlichen Geschichte mit guten Abbildungen.
Buch Historische Waffen und Rüstungen

Liliane und Fred Funcken

Waffen und Ausrüstung vom 8. bis ins 16. Jahrhundert

Buch Wikinger und Normannen

Ian Heath

Doppelband mit zahlreichen Abbildungen

Buch Söldnerleben im Mittelalter

Gerry Embleton

Ein schönes Buch nicht nur für Reenactor