Kaperkrieg im Mittelmeer

Ein Kurpfälzer Abenteurer als Galeerensklave.

Sarazenenturm auf Malta Der historisch interessierte Urlaubsreisende kann an den Küsten Südfrankreichs, Spaniens und Italiens sogenannte Sarazenentürme entdecken, die einst dazu dienten, die Bevölkerung vor Überfällen nordafrikanischer Korsaren zu warnen. Auf den griechischen und kanarischen Inseln gleichen die alten Dörfer Fluchtburgen, und die Reiseführer berichten von Raubzügen und Sklavenjagden moslemischer Piraten. Bei einer Besichtigung der gewaltigen Festungen des Johanniterordens auf Rhodos und Malta erfährt man dagegen vom heldenhaften und unermüdlichen Abwehrkampf dieser letzten Kreuzritter. Vom Alltag der einfachen Söldner, dem Elend der Galeerensklaven, dem Schicksal der Räuber und der Geraubten zu dieser unruhigen Zeit berichtet der Kurpfälzer Michael Heberer, der bereits vor gut 300 Jahren als "Tourist" ans Mittelmeer gekommen war.

Die Schreckensberichte und Klagen in den christlichen Archiven täuschten lange darüber hinweg, daß die christlichen Kaper ihren nordafrikanischen Kollegen nur wenig nachstanden, und in manchen Jahren verlor Venedig mehr Schiffe an sie als an die Korsaren. Sklaverei von Christen war im Abendland zwar verboten, aber gegen ungläubige Sklaven hatte niemand etwas einzuwenden. Um 1500 gingen fast alle christlichen Nationen dazu über, ihre freiwilligen Ruderer durch Sklaven und Sträflinge zu ersetzen, und in wohlhabenden Häusern in ganz Europa war ein "Mohr" als Bediensteter ein begehrtes Statussymbol.

Auch unter den christlichen Staaten waren es die Kleinen, die sich unbekümmert über die Abmachungen der Großmächte hinwegsetzen, um ihren Profit zu machen. Angeführt wurde die christliche Kaperei von den Maltesern, wie die Johanniter genannt wurden, seit sie nach dem Fall von Rhodos 1530 Malta zu ihrem Hauptsitz gemacht hatten. Von dort führten sie unentwegt ihren heiligen Krieg gegen die Heiden, egal ob Venedig oder der Kaiser gerade Frieden mit den Türken geschlossen hatten. Auch für den Orden wurde der Kaperkrieg schnell zu einem so lukrativen Geschäft, daß der Großherzog der Toskana 1561 den Orden der Stefansritter gründete, um ebenfalls daran teilhaben zu können. Gegen Ende des Jahrhunderts begann dann auch der Vizekönig von Neapel damit in größerem Stil Kaperschiffe auszurüsten. Doch es ging nicht nur um den Seeraub, ganze Städte lebten vom Handel mit geraubten Gütern, und ohne die Kaufleute in Livorno, Genua und Marseille wäre die Beute der Korsaren in Tripolis oder Algier verrottet. In seiner Geschichte der mediterranen Welt spricht Fernand Braudel denn auch von einem "allgegenwärtigen" Korsarentum und einem dichten "Netz von Hehlern und Komplizen" an allen Küsten.

Nach Lepanto kam der große Krieg im Mittelmeer langsam zum Stillstand. Venedig schloß 1573 einen Sonderfrieden mit der Türkei, Spanien konzentrierte seine Anstrengungen auf den Atlantik sowie Nordeuropa, und die Türkei begann einen langwierigen Krieg gegen Persien. Doch durch den Rückzug der Großmächte erlebte das Korsarentum erst seine eigentliche Blüte. Die alten Machtzentren in Konstantinopel, Madrid und Messina wurden durch die Emporkömmlinge Algier, La Valetta und Livorno ersetzt. Der Kleinkrieg der Raubschiffe dominierte nun vollständig das militärische Geschehen im Mittelmeer. Genau zu dieser Zeit kam Michael Heberer als Reisebegleiter nach Malta, der heimlichen Kapitale der christlichen Kaperei.

La Valetta

Michael Heberer wurde zwischen 1555 und 1560 im kurpfälzischen Bretten geboren. Sein Vater war Ackerbürger und seine Mutter eine Nichte Melanchthons. Obwohl die Eltern arm waren, erhielt Heberer als begabtes Kind ein Stipendium und kam in die Fürstenschule bei Worms. Anschließend studierte er in Wittenberg Rechte, Latein und Philosophie, allerdings ohne einen Abschluß zu machen. 1580 war er Hauslehrer eines jungen schwedischen Grafen in Heidelberg. Nach dessen Rückkehr plagte ihn dann selbst die Reiselust: "und ich dazumal umb andere dienst mich zu bewerben / auß gewissen ursachen nicht gesinnet war / sondern viel mehr begierd hatte / frembde landschaften zu besichtigen. Derowegen trachtete ich nach einer gelegenheit in das Königreich Frankreich mich zu begeben ."

Auf dem Weg dorthin schloß er sich der Gesellschaft einer adligen Dame aus Burgund an, die auf der Heimreise war. In Burgund trat er dann in den Dienst eines französischen Grafen und besuchte mit ihm unter anderem Paris. Von den Grausamkeiten der Hugenottenverfolgungen abgeschreckt, nahm er wieder seinen Abschied. Der Graf gab ihm ein Empfehlungsschreiben an seinen Bruder mit, der sich als Malteserritter in Marseille aufhielt. Im Gefolge des Ordensritters kam Heberer dann nach Malta.

Der Ritter, der seine überfahrt bezahlt hatte, wollte ihn erst weiter reisen lassen, nachdem er sich auf einigen Kaperfahrten nützlich gemacht hatte. Mit einer guten Muskete und anderen Waffen versehen, beteiligte sich Heberer also an einer ersten Fahrt an die nordafrikanische Küste. Dort machten sie schnell gute Beute. Der zehnte Teil ging an den Orden und der Rest wurde nach Rangfolge verteilt. Auch Heberer scheint mit seinem Anteil zufrieden gewesen zu sein, denn er hatte keine Einwände als er sich an einer zweiten, größeren Expedition beteiligen sollte.

Im Gegensatz zu den Barbaresken bevorzugten die christlichen Kaper das östliche Mittelmeer als Jagdrevier, wo sich zwischen Rhodos, der Levante und Alexandria besonders reiche Beute machen ließ. Im Mai 1585 fuhr Heberer auf einer von vier Malteser Galeeren nach Osten, um vor der ägyptischen Küste moslemische Levantefahrer zu jagen. Nach längerem Umherkreuzen stellten sie mehrere türkische Handelsschiffe. Die Taktik war einfach: Zuerst wurde der Gegner sturmreif geschossen und anschließend geentert.

Seeschlacht zwischen Christen und Türken Um die Soldaten zu motivieren, winkten dem ersten, der "einsprang", eine Belohnung von 10 Kronen. Doch dieses Mal war die Beute so verlockend, daß einige zu früh sprangen. Sie fielen ins Wasser und versanken wegen des Gewichts ihrer Rüstungen so schnell, daß sie nicht mehr gerettet werden konnten. Anschließend kam es zu einem kurzen blutigen Gefecht und als die Türken die Waffen streckten, begann das hemmungslose Plündern und Vergewaltigen. Heberer berichtet nur wenig davon; nicht weil er beschönigen möchte, sondern weil er davon ausgeht, daß diese Kriegsbräuche seinen Zeitgenossen bekannt sind. Erst als die Orgie durch das überraschende Auftauchen einer türkischen Flotte abrupt beendet wurde, gibt er eine knappe Beschreibung von den Zuständen auf dem eroberten Schiff: "Da war groß seuffzen und wehklagen von den Weibern / so noch ganz nackend in dem Schiff waren. [...] Es war ein jämmerlicher anblick. Dann das Schiff und das Meer lag voller Todten Cörper / und entferbet sich von dem vergossenen blut."

Angesichts der feindlichen übermacht zogen sich die malteser Galeeren so schnell zurück, daß die Entermannschaft - ein buntes Gemisch aus über zehn verschiedenen Völkern - auf dem eroberten türkischen Schiff zurückgelassen werden mußte. Außer Heberer befand sich auch noch der deutsche Landsknecht Georg Köpke aus Pommern an Bord. Zuerst hatten die Zurückgebliebenen noch Glück im Unglück. Die türkischen Galeeren übersahen ihre Anwesenheit auf dem eroberten Schiff und machten sich mit solchem Eifer an die Verfolgung der Malteser, daß sie mit dem eroberten Schiff flüchten konnten. Dennoch war die Lage alles andere als rosig. In dem zerschossenen Schiff, mit unzureichender Mannschaft, wenig Proviant und Wasser liefen sie vor der afrikanischen Küste Gefahr, einer feindlichen Galeere zu begegnen oder Schiffbruch zu erleiden. Die Lage war so prekär, daß sogar ein sizilianischer Söldner, der bei "Sodomie" überrascht wurde, nach kurzer Diskussion begnadigt wurde und nicht wie sonst üblich in einem Sack über Bord geworfen. Doch jetzt ließen es seine Richter bei einer Bastonade bewenden.

Die Not an Bord wurde immer schlimmer, und als das Schiff schließlich von einem Sturm an die Küste getrieben wurde, mußte es aufgegeben werden. Die Ordensritter und die anderen Adligen machten ihre Privilegien geltend und setzten sich mit den letzten Vorräten in einem kleinen Beiboot ab. Die anderen - noch ungefähr 40 Mann stark - versuchten ihr Glück an Land. Dort wurden sie jedoch bald von Arabern gefangen genommen, ausgeplündert und als Sklaven nach Alexandria verkauft.

Ihnen wurden zur Kennzeichnung Bart und Haare abrasiert, zudem schmiedete man sie paarweise zusammen. Heberer ließ sich an seinen Landsmann Köpke ketten. Während des Winters waren sie in einem Gefängnis für Galeerensklaven - einem Bagno - untergebracht und wurden von ihren Wächtern tagsüber zur Arbeit in die Stadt geführt. Dort mußten sie zumeist alte Häuser abreißen. Dabei sammelten sie Holz, Metall und Lumpen. Diese Dinge durften sie auf eigene Rechnung verkaufen, um sich für das Geld im Bagno gekochte Bohnen als Zusatzration zu erwerben. Die Wachen, selbst arme Teufel, waren an diesen kleinen Geschäften selbstverständlich beteiligt. Deshalb führten sie ihre Sklaven auf dem Weg zur Arbeit oft durch den Markt, damit diese etwas stehlen konnten. Nachdem die Wächter die empörten Händler verscheucht hatten, wurde brüderlich geteilt.

Aber der Winter im Bagno war auch in Alexandria hart. Viele Sklaven wurden krank und starben. Vor allem die arabischen Sträflinge litten furchtbar unter der Kälte. Im Frühling mußten die Sklaven dann die Galeeren frisch kalfatern. Nachdem der Rumpf mit Werg und Teer abgedichtet war wurde er eingefettet. Für die Sklaven war das ranzige Fett ein willkommenes Zubrot, um sich abends eine Suppe davon zu kochen. Nachdem die Zeit der Winterstürme zu Ende und die Galeere seeklar war, begannen die Fahrten zwischen Alexandria, den Levantehäfen und Konstantinopel.

Heberer saß mit Köpke und zwei verurteilten arabischen Straßenräubern an einem Ruder. Da die beiden mit der Sprache und den Sitten noch unvertraut waren, bekamen sie reichlich Schläge und beim täglichen Streit um Brot und Wasser, das je Ruderbank ausgegeben wurde, ständig zu kurz: "Da nahmen die beide Mohren daß beste / und gaben mir und meinem Pommern / was die Meuß und Würm hatten außgenaget und ubergelassen / dessen wir uns mußten begnügen lassen / [...] und nach dem sie beyde genug gesoffen / und ihre schwartze Düssel drinn geweschen hatten / gaben sie uns zweyen die Grundsupp / Damit wir auch mußten zu frieden sein. War also unser ordentliche tractation, verdorben Brot / und desselben wenig / stinckend Wasser / und Streich genug."

Doch Heberer lernte schnell die notwendigen überlebenskünste. Ein Franzose zeigte ihm, Strümpfe zu stricken. Für 2 Asper kaufte er sich eine Hammelhaut, schnitt die Wolle ab, wusch und spann sie. Daraus strickte Heberer drei Paar Strümpfe, für die er je nach Qualität und Nachfrage 30-60 Asper bekam. Es war ein geringes Einkommen, das sich er sich in seiner ruderfreien Zeit zusammenstricken konnte, denn 120 Asper entsprachen einem Dukaten und drei Dukaten etwa einem Monatssold. Aber es sicherte Heberer das überleben. Mit dem Geld kaufte er sich Käse, Zwiebeln und Brot als Zusatzverpflegung. Erstaunt stellte Heberer fest, daß die meisten Sklaven zu faul zum stricken waren. Mit der Zeit baute er sich zusammen mit dem Franzosen einen regelrechten Wollhandel auf. Dem folgte dann ein Weinhandel: Sie kauften eine Flasche und verkauften einzelne Becher an betuchte Sklaven oder Aufseher weiter. Die Wachen duldeten es, werden aber auch daran beteiligt gewesen sein.

türkische Galeere Man findet in Heberers Bericht mehrere Stellen, die auf ein gewisses gegenseitiges Verständnis zwischen Sklaven und Aufsehern hindeuten. Mit ihnen, die ebenfalls am unteren Rand der Gesellschaft standen, ließen sich offenbar viele Geschäfte machen und bei Gelegenheit sogar auf Verständnis hoffen. In einem ganz anderen Licht erscheint dagegen der Schiffseigner - der "Patron". Er hatte Geld investiert und wollte Gewinn machen. Als die Sklaven auf einer Fahrt wegen allzu knapper Verpflegung schlecht ruderten, befahl er dem Aufseher, die Peitsche zu gebrauchen. Doch dieser weigerte sich, die Jammergestalten auch noch zu schlagen: "Weil sie aber keine Nahrung hetten / köndte er sie höher nit treiben / Dann Brod were ihnen mehr vonnöten als Streich / deren sie zuvor nur zuviel einnemen müsten." Als der Patron daraufhin erklärte, daß die Sklaven sein Eigentum seien, mit dem er tun könne was er wolle, antwortete der Aufseher: "Die arme Chiaven seind menschen / Ich bin auch ein mensch / und begere menschlich mit menschen zu handeln / und nicht viehisch /." Danach warf er seine Peitsche weg und dem Patron blieb nichts anderes übrig als selbst zuzuschlagen.

Die armselige Existenz der Sklaven rief immer wieder Mitleid in der Bevölkerung hervor. Einzelne türkische Händler duldeten wohlwollend, wenn sie etwas stahlen, ein Jude steckte ihnen Brot zu. Ein anderer Jude in Alexandria, der in Schwaben geboren war, schenkte den beiden Deutschen eine Silbermünze. Vor allem aber erregten die Sklaven das Mitgefühl der Frauen. Als einmal eine Frau des Sultans die Galeere benützte, spendierte sie den Sklaven mehrmals zu Essen und am Ende der Reise jedem einen Dukaten, wovon allerdings der Kapitän und die Aufseher die Hälfte behielten. Während Bauarbeiten im Haus eines reichen Türken, steckten ihnen die Frauen des Gesindes Essensreste, Brot und manchmal auch etwas Geld zu. Auch die Eunuchen im Serail versorgten sie aus Mitleid mit Reis und Fleisch.

Kriegsgefangene auf dem Weg nach Konstantinopel Trotzdem war das Leben von unglaublicher Härte. Ständig starben Sklaven an Entbehrungen, Krankheiten oder einfach am "Kummer", wie Heberer schreibt. Im Winter mußten sie in der Nähe Konstantinopels Schnee in große Gruben füllen. Dieser wurde dann im Sommer, wenn er zu Eis geworden war, in der Stadt zum Kühlen der Getränke verkauft. Einige der halbnackten Sklaven erfroren, anderen verloren ihre Zehen und mußten trotzdem weiter arbeiten. Nachts wurden sie durchnäßt auf der Galeere angekettet. In einem Jahr wütete die Pest in Konstantinopel und forderte vor allem unter den geschwächten Sklaven zahlreiche Opfer. Durch einen erfolgreichen Feldzug in Ungarn, kam jedoch neuer Nachschub auf den Markt. Der Patron kaufte sieben kräftige Deutsche zum Spottpreis von 120 Dukaten. Da sie jedoch die Sprache nicht verstanden und auch das Essen nicht vertrugen, starben bereits in den ersten zwei Wochen drei von ihnen aus Hunger und Verzweiflung. Heberer konnte lediglich versuchen, die überlebenden so gut wie möglich aufzumuntern.

Die Sklaven hatten nur drei Möglichkeiten, dem vorzeitigen Tod zu entkommen: den übertritt zum Islam, die Flucht oder den Freikauf. Die Gesandten der christlichen Staaten und einige religiöse Orden kauften ständig Sklaven frei. Nur war dies, Angesichts der Masse der Gefangenen, eine äußerst geringe Hoffnung. Andere wurden Moslem. Viele dieser christlichen Renegaten führten ein angenehmes Leben. Heberer traf in Alexandria und Konstantinopel mehrfach auf italienische, spanische und deutsche Renegaten. Er und seine Schicksalsgenossen waren gleich nach ihrer Gefangennahme aufgefordert worden, zum Islam überzutreten und zwei Franzosen hatten diesen Weg gewählt. Am schwierigsten war die Flucht. Ohne Einheimische Helfer war sie praktisch aussichtslos und den wieder eingefangenen Sklaven drohten drakonische Strafen.

Manchmal halfen Landsleute. In Alexandria begegneten Heberer und Köpke zwei Büchsenmeister aus Bremen, die auf einer genuesischen Galeere dienten. Einer von ihnen kannte Köpke vom gemeinsamen Kriegsdienst in Portugal und schenkte ihm eine Feile. Lange schmiedeten die beiden Pläne und warteten auf eine günstige Gelegenheit. Die ergab sich aber erst, als sie den in Konstantinopel ansässigen Goldschmied Hans Rattich aus Pommern trafen. Rattich kümmerte sich um seine Landsleute, steckte ihnen Proviant und Geld zu. Als Köpke mit Hilfe der Feile in einer dunklen Nacht die Flucht gelang, verbarg ihn Rattich so lange in seinem Haus, bis Haare und Bart wieder gewachsen waren. Anschließend wurde der Flüchtling auf ein griechisches Schiff geschmuggelt, mit dem er wieder nach Malta kam. Heberer hörte nichts mehr von ihm, doch es ist anzunehmen, daß der alte Landsknecht sein gewohntes Räuberleben wieder aufnahm.

Heberer blieb zurück. Als gebildeter Mensch verlegte er sich auf Bittbriefe und Gesuche an die Gesandten in der Stadt während Rattich und ein deutscher Renegat die Boten spielten. Zunächst erlebte er eine Enttäuschung. Der kaiserliche Gesandte war nicht bereit Protestanten auszulösen. Heberer wandte sich daraufhin an die Franzosen. Von seinen Reisen kannte er französische Adlige, und außerdem war die Kurpfalz mit Frankreich verbündet. Nach einem ausgiebigen Schriftwechsel war es dann endlich so weit und Heberer wurde durch den französischen Gesandten losgekauft. Da er so eine "arme, elende Creatur" war, konnte der Preis sogar auf 100 Dukaten gedrückt werden.

Drei Jahre hatte er als Galeerensklave gelitten. Trotzdem hatte er es nicht eilig mit der Heimreise. Er hielt sich noch einige Monate in der französischen Botschaft auf und nützte die Zeit, um sich Konstantinopel anzusehen. Bei dieser Gelegenheit machte er die Bekanntschaft einiger deutscher Adliger aus Franken, die auf der Rückreise von einer Pilgerfahrt waren. Einer von ihnen - Johann Ludwig von Münster - war von Heberers Erzählungen so angetan, daß er ihn überredete, ihn nach Malta zu begleiten.

Der Mohr als Luxussymbol Als letzter militärisch noch aktiver der alten Ritterorden zogen die Malteser immer viele junge europäische Adlige an, die ihre Kavalierstour in Südeuropa mit einem standesgemäßen Kriegsabenteuer abrunden wollten. Schon allein diesen Gästen, die später einmal Macht und Einfluß hatten, war der Orden mehr als einige pompöse Feiern schuldig. Auch von Münster langweilte sich bei den Festlichkeiten und wollte noch ein wenig Kreuzritter spielen und beteiligte sich an einem Raubzug der Malteser an die afrikanische Küste. Heberer wollte sich diesem Risiko anscheinend nicht mehr aussetzen, denn er blieb auf Malta zurück. Er vermittelte aber von Münster noch den Kauf zweier gefangener "Mohren", die dieser als Souvenir mit nach Franken zu nehmen gedachte, um dort den Erfolg seiner Heidenfahrten zu belegen. Für den ehemaligen Sklaven Heberer war dies eine Selbstverständlichkeit.

Danach hielt es Heberer nicht mehr lange auf Malta. Er reiste über Spanien nach Italien, wo er in Padua sein Jurastudium beendete. 1589 kehrte er nach siebenjähriger Abwesenheit nach Heidelberg zurück und erregte als Türkenkämpfer und ehemaliger Sklave größtes Aufsehen. Am Hof des Kurfürsten berichtete von seiner Odyssee und erhielt sogar eine gut bezahlte Stellung am Hofgericht. Jahre später begann er damit, seine Erlebnisse schriftlich zu bearbeiten, die dann 1610 unter dem Titel "Aegyptiaca Servitus" erschienen. Wie in der Zeit üblich, benützte er dabei zahlreiche andere Reisebeschreibungen und geographische Werke, um möglichst viele Fakten in sein Buch zu packen. Für den modernen Leser sind diese Informationen von relativ geringem Interesse. Beeindruckender sind dagegen seine lebendigen Schilderungen vom Raubkrieg der Malteser, dem Leben der Sklaven, ihren Leiden und überlebenskünsten.

© Frank Westenfelder  
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