Der Sieg des Geldes

Der Peloponnesische Krieg und seine Folgen.

Hopliten Phalanx Man liegt sicher nicht verkehrt, wenn man die griechischen Bürgersoldaten als einen der absoluten Gegenpole des Söldnertums bezeichnet. Anders als die römischen Legionäre die sich sehr schnell zu Berufssoldaten entwickelten oder zu vielen barbarischen Völkern, bei denen viele Männer ihr ganzes Leben dem Krieg widmeten, blieben die Griechen lange "Zivilisten", die nur in Krisensituationen und dann auch zeitlich sehr begrenzt zur Waffe griffen. Direkte materielle Vorteile hatten diese Milizionäre im Gegensatz zu Legionären oder barbarischen Kriegern, bei denen die Aussicht auf Sold und Beute immer gewichtige Argumente waren, nicht zu erwarten. Bei ihnen waren Bürgerrechte direkt an den Kriegsdienst gekoppelt; dieser war dadurch Pflicht und Privileg zugleich. Die Reichsten dienten in der Hoplitenphalanx und hatten damit die Hauptlast der Kämpfe zu tragen. An eine Bezahlung war unter diesen Umständen nicht zu denken. Der Hoplit zog nicht nur mit seinen eigenen Waffen, sondern auch mit einem persönlichen Diener, der einen Teil der Waffen tragen und für das leibliche Wohl seines Herrn sorgen musste, und eigenen Vorräten ins Feld.

Da der Hoplitendienst Ausdruck des sozialen Status war und auch politischen Einfluss brachte, versuchte sich auch kaum jemand dieser sicher manchmal auch lästigen Pflicht zu entziehen. Im Gegenteil. Neue Untersuchungen haben belegt, dass sogar versucht wurde, den Kreis möglichst klein zu halten. So war die teure Rüstung aus Bronze sicher nicht unbedingt notwendig. Die Makedonen haben später gezeigt, dass Leder- oder Leinenpanzer durchaus ausreichten. Panzer aus Bronze, die natürlich von den Dienern immer auf Hochglanz gebracht werden mussten, waren hauptsächlich Statussymbol, und sollten Kleinverdiener von der illustren Runde ausschließen. Aus einer modernen Perspektive erscheint es dennoch als geradezu paradiesischer Zustand: wenn es Krieg gibt, kämpfen die, um deren Interessen es hauptsächlich geht, in der ersten Reihe. Bei dieses Gedanken kommt man dann zwangsläufig auf die Idee, dass dieses System auf Dauer nicht funktionieren konnte. Denn hätte es Schule gemacht, wären Kriege ja wahrscheinlich schon längst aus der Geschichte verschwunden

Das grundlegende Problem war, dass die Bürgerhopliten keine Soldaten, sondern Amateure waren. Auch wenn sie sich untereinander und sogar gegen die Perser äußerst tapfer schlugen, so hatten die meisten doch von einem richtigen Krieg kaum eine Vorstellung. Normalerweise lagen die Städte der Kontrahenten sehr nahe beisammen. Kam es nun zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, suchte man oft einen geeigneten Platz – die Phalanx benötigte ebenes Terrain – ungefähr in der Mitte, brachte dort die Sache möglichst schnell hinter sich und kehrte wieder zu seinen Alltagsgeschäften zurück. Taktische Manöver, monatelange Kriegszüge oder gar Belagerungen waren praktisch unbekannt. Wenn die Söhne der Reichen das 18. Lebensjahr erreicht hatten, trainierten sie zwar ein Jahr im Gymnasion und versahen dann ein Jahr Wachdienst in Garnisonen, doch diese Ausbildung beschränkte sich auf eine Minderheit und verlor mit den Jahren ihre Wirkung.

Die große Ausnahme waren die Spartaner, die von frühester Jungend an nicht nur den Umgang mit Waffen lernten, sondern auch zum Ertragen körperlicher Strapazen erzogen wurden. Im Unterschied zu den meisten anderen Griechen, blieb ein Spartaner auch nach seiner Ausbildung in erster Linie Krieger. Das Resultat war, dass es eine spartanische Phalanx nicht nur mit einem zahlenmäßig wesentlich stärkeren Gegner aufnahm, sondern auch zu langen Märschen und Manövern während einer Schlacht in der Lage war. Die Spartaner konnten sich diesen Luxus erlauben, da bei ihnen ca. 2% der Bevölkerung den Rest beherrschten (im "demokratischen" Athen regierte immerhin eine Minderheit von ca. 30%). Bei der großen Masse (mind. 75%) handelte es sich dabei um völlig rechtlose Heloten, die einen sklavenähnlichen Status hatten. Waffengewandtheit war schon deshalb eine pure Überlebensnotwendigkeit, da permanent Aufstände der Heloten zu befürchten waren, und zur Ausbildung junger Spartaner gehörte es dann auch, entflohene Heloten in den Bergen zu jagen und mutmaßliche Verschwörer zu Hause zu ermorden. Dennoch lässt sich der Eindruck nicht vermeiden, dass auch die hoch trainierten Spartaner mehr eine Art Hochleistungssportler als richtige Soldaten waren.

Trotz einzelner Schwächen funktionierten die unterschiedlichen Systeme über lange Zeit ganz gut. Die griechischen Staaten konnten sich bei ihren begrenzten Streitigkeiten so stark auf die Wehrwilligkeit ihrer führenden Schichten verlassen, dass für Söldner kaum Verwendung bestand. Es gab zwar auch zu dieser Zeit schon eine Menge davon, doch die mussten ihre Dienste hauptsächlich im Ausland – vorwiegend in Persien oder Ägypten – offerieren. Zur großen Bewährungsprobe wurde dann der Peloponnesische Krieg (431-404), der durch die immensen Anstrengungen aller Beteiligten, die Unzulänglichkeiten der traditionellen Kriegsführung offen legte und während seiner außergewöhnlich langen Dauer schwerwiegende Veränderungen erzwang. Wir wollen hier natürlich nicht den gesamten Peloponnesischen Krieg abhandeln – dazu gibt es Bücher, auch Thukydides lässt sich immer noch gut lesen -, sondern uns darauf konzentrieren, wo die Schwächen der Bürgerhopliten erkennbar werden und wo Söldner zum Einsatz kommen.

Spartaner Während die Flotte des von Athen geführten Attischer Seebundes das Meer beherrschte, war der Peloponnesische Bund - Sparta, Arkadien, Korinth und Theben - mit seinen Landstreitkräften weit überlegen. Daraus ergab sich anfangs das folgende Szenario: die Spartaner und ihre Verbündeten fielen jeden Sommer in Attika ein, brannten alles nieder und zogen dann wieder nach Hause. Die attische Landbevölkerung zog sich vor diesen Angriffen hinter die langen Mauern zurück, die Athen mit dem Hafen Piräus verbanden. Im Gegenzug verwüsteten die Athener mit ihrer Flotte die Küsten des Peloponnes. Bereits hier werden einige Defizite des spartanischen Heeres deutlich. Sie versuchten noch nicht einmal eine Belagerung, wobei die insgesamt über 14 Kilometer langen Mauern mit den entsprechenden Kriegsmaschinen wahrscheinlich leicht zu durchbrechen gewesen wären. Aber diese entsprachen nicht den sportlichen Vorstellungen, die die Spartaner vom Krieg hatten. Noch ungefähr zwei Generationen später soll ein Spartanerkönig beim Anblick eines Katapults aus Syrakus entsetzt gerufen haben: "Wozu dann noch Mut?" Die phantasielosen alljährlichen Einfälle in Attika belegen aber nicht nur das technische Desinteresse der Spartaner, sondern auch das Fehlen jeglicher Strategie. So brauchten sie 17 (!) Jahre, bis sie unter dem Einfluss des Atheners Alkibiades auf die Idee kamen, in der Nähe von Athen mit der Festung Dekeleia einen permanenten Stützpunkt anzulegen.

Der Großteil der Truppen wurde von beiden Parteien auf ganz traditionelle Weise unter den Bürgern rekrutiert. Söldner spielten deshalb zumindest anfangs nur eine sehr untergeordnete Rolle. Dennoch waren vor allem die neutralen Gebiete des Peloponnes (Achaia und Argos) beliebte Werbegebiete für Hopliten, mit denen beide Seite ihre Aufgebote bei Bedarf verstärkten. Betrachtet man aber die Höhe des Soldes, so erkennt man schnell, dass wohl kaum die typischen Bürgerhopliten angeworben wurden. Ein Hoplit erhielt normalerweise 4 Obolen täglich, musste davon aber sich und seinen Diener ernähren; die Ruderer der Flotte erhielten drei pro Tag. Um sich eine Vorstellung davon zu machen, muss man wissen, dass 2 Obolen als Existenzminimum galten, nach heutiger Kaufkraft eine Obole also vielleicht 5, maximal 10,- € entsprach. Da zudem fast nie Städte erobert wurden, waren auch die Aussichten, Beute zu machen äußerst bescheiden. Für dieses Geld wird also kaum ein wohlhabender Bauer oder Handwerker ins Feld gezogen sein. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Söldner hauptsächlich unter den besitzlosen Unterschichten geworben wurden, denen dann oft ein Teil der Ausrüstung gestellt werden musste, was dann wieder mit dem Sold verrechnet wurde.

Eine wesentlich wichtigere Rolle jedoch als geworbene Hopliten spielten die Leichtbewaffneten und Spezialisten, die unter den eigenen Bürgern nicht rekrutiert werden konnten. Sehr beliebt waren Speerwerfer der halbbarbarischen nordwestgriechischen Stämme: der Lokrer, Arkanier und Ätolier. Dazu kamen Bogenschützen aus Kreta und Schleuderer aus Rhodos. Bei entsprechendem Bedarf wurden auch Nichtgriechen – Illyrer, Thraker und Skythen angeworben. So unterhielt Athen als einzigen stehenden Truppenteil ein Korps von über 1.000 skythischen Bogenschützen, die speziell zu diesem Zweck als Sklaven gekauft worden waren. Man sollte allerdings nicht denken, dass es sich bei den Leichtbewaffneten lediglich um einen billigen Ersatz für Hopliten gehandelt habe. Sie erhielten mit 3 Obolen pro Kopf und Tag ungefähr so viel wie jene, manchmal sogar mehr. Thukydides berichtet z.B. von einer größeren Gruppe thrakischer Schwertkämpfer, die mit einer Drache (= 6 Obolen) täglich sogar deutlich besser bezahlt wurden.

Die Thraker – insgesamt 1.300 Mann – waren für die sizilianische Expedition angeworben worden. Da sie aber zur Abfahrt der Flotte zu spät gekommen waren und die Athener knapp bei Kasse waren, sollte sie der Feldherr Dieitrephes per Schiff wieder zurückbringen, allerdings nicht ohne auf dem Weg die Feinde etwas zu schädigen. Wahrscheinlich hatte man die Thraker auch mit einer Teilzahlung abgespeist und wollte sie nun mit Plünderungen entschädigen. Dieitrephes setzte die Truppe dann erstmals bei Tanagra in Böotien an Land, wo sie hastig plünderten. Am nächsten Abend landeten sie dann gegenüber von Chalkis, und näherten sich während der Nacht der kleinen Stadt Mykalessos. Da dort niemand mit einem Überfall rechnete, waren die Mauern, die sich in äußerst schlechtem Zustand befanden völlig unbewacht. Die Thraker drangen deshalb völlig überraschend in Mykalessos ein und hieben dort ohne Unterschied alles nieder: Junge, Alte, Frauen und Kinder; sogar in einer Schule veranstalteten sie ein großes Gemetzel. Thukydides schreibt, dass sie wie alle Barbaren gerade dann besonders blutrünstig gewesen seien, wenn sie nichts zu fürchten gehabt hätten. Doch das ist das übliche Geschwätz über Söldner. Denn man sollte ja nicht vergessen, dass diese Taten im Auftrag der Athener verübt wurden, und dass sich deren "Humanität" oft darauf beschränkte, die männlichen Gefangenen (!) hinzurichten und als gute Händler Frauen und Kinder in die Sklaverei zu verkaufen.

Reiter und Schwertkämpfer Von Feigheit kann dagegen kaum die Rede sein, denn als ein thebanisches Aufgebot die Thraker auf dem Rückweg überraschte, gelang es diesem zwar einige Nachzügler zu erschlagen. Am Meer sollen dann viele ertrunken sein, da sich die athener Schiffe außer Schussweite in Sicherheit gebracht hatten. Als die Thraker jedoch merkten, dass sie die Schiffe nicht erreichen konnten, schlossen sie sich fest zusammen und konnten so alle Angriffe der Thebaner abwehren. Letzten Endes sollen sie etwa 250 Mann verloren haben. Das ist für eine Truppe, die Beute beladen auf dem Rückzug überrascht wird, sicher kein schlechter Schnitt. Mit einer undisziplinierten Räuberbande wäre das wohl kaum zu machen gewesen.

Die wachsende Bedeutung der Leichtbewaffneten wurde in der ersten Kriegsphase dadurch unterstrichen, dass sie den Athenern zwei schwere Niederlagen bereiteten – 429 bei Spartolos und 426 Chalkidike. Beinahe kriegsentscheidend wurde jedoch 425 das Gefecht auf der Insel Sphakteria. Dort war es den Athenern gelungen eine spartanische Abteilung von 420 Hopliten einzuschließen. Nach einer Zeit der Belagerung landeten die Athener Bogenschützen, Peltasten und unbewaffnete Ruderer, die den Spartanern hauptsächlich durch Geschrei und Steinwürfe zusetzen. Diese Leichtbewaffneten wichen jeder direkter Konfrontation aus, setzen den Spartanern mit Pfeilen, Speeren und Steinen so zu, dass die letzten schließlich völlig erschöpft kapitulierten. Das Gefecht auf Sphakteria verdeutlicht aber nicht nur die Stärke der Leichtbewaffneten, sondern auch zwei Schwächen der Spartaner. Erstens konnten sich die Spartaner kaum den Verlust dieser eigentlich nicht bedeutenden Truppe leisten, denn sie boten sofort Friedensverhandlungen an, was von Athen nicht akzeptiert wurde. Zweitens wurden die Spartaner auf der sehr kleinen Insel von der Landung der athenischen Truppen im Schlaf überrascht, sonst hätten sie diese wahrscheinlich abwehren können. Das zeigt, dass es sich bei den Spartanern wahrscheinlich um gute Kämpfer aber nicht gerade um besonders disziplinierte Soldaten handelte.

Dass es auch anders ging und man dazu noch nicht einmal die hoch gezüchteten Elitekrieger brauchte, zeigte der spartanische Feldherr Brasidas im kommenden Jahr. Er entwarf den Plan in Athens Hinterland einzufallen und dadurch dessen Bundesgenossen, die zunehmend unter Steuern und Abgaben litten, zum Abfall zu bewegen. In Sparta wollte ihm dafür niemand Truppen geben, da man hauptsächlich an der Auslösung der Gefangenen von Sphakteria interessiert war und einen Helotenaufstand fürchtete. Um die Heloten in den Griff zu bekommen, verfielen die Spartaner auf eine besonders perfide Idee. Sie versprachen als Zugeständnis den Tapfersten die Freiheit und gingen dabei von der Annahme aus, dass die die sich melden würden auch die rebellischsten sein müssten. Nachdem sich etwa 2.000 bei den Tempeln eingefunden hatten und ihre Freiheit feierten, schickten sie 700 zu Brasidas, um sich in seinen Diensten ihre Freiheit zu erkämpfen. Die anderen verschwanden in der folgenden Zeit spurlos, d.h. sie wurden ermordet. Zu diesen Heloten erhielt Brasidas dann noch die Mittel um 1.000 Söldner auf dem Peloponnes anzuwerben.

Mit dieser Truppe aus zwangsverpflichteten Sklaven und Söldnern zog Brasidas nach Thrakien und demonstrierte eine neue Art der Kriegsführung als die üblichen Sommerfeldzüge nach Attika. Seine Männer marschierten bei Sturm, Regen und Schnee, waren entsprechend schnell und zeichneten sich bald durch überraschend Angriffe und nächtliche Überfälle aus. Nach einer Reihe kleinerer Erfolge, gelang Brasidas schließlich die Einnahme von Amphipolis, wodurch der gesamte Besitz Athens auf Chalkidike und damit der Nachschub an Holz und Getreide in Gefahr kam. Sparta ließ ihn ohne den erbetenen Nachschub, während Athen eine Armee schickte. Brasidas besiegte sie trotzdem in der Entscheidungsschlacht bei Amphipolis, bezahlte den Erfolg aber mit dem Leben. Seine Helotenveteranen galten inzwischen als ausgesprochene Elitetruppe, die "Brasideioi". Aber Sparta war kriegsmüde und schloss 421 einen brüchigen Frieden. Als die Brasideioi anschließend heimkehrten, hatte man tatsächlich so viel Anstand, ihnen die Freiheit zu geben. Man siedelte sie aber außerhalb Spartas an der Grenze zu Elis an, mit dem man gerade im Streit war. Man kann mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass zumindest einige dieser Veteranen, denen das Leben auf den kargen Feldern nicht schmeckte, weiterhin den Söldnermarkt in Griechenland bereicherten.

Die Athener hatten bisher die Oberhand behalten, waren aber nicht bereit, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Deshalb ließen sie sich unter dem Einfluss der ehrgeizigen Alkibiades dazu bewegen, Sizilien ihrem Imperium einzuverleiben und rüsteten 415 zu einer Expedition gegen Syrakus. Der größte Teil dieser beeindruckenden Streitmacht – allein 5.100 Hopliten – wurde auf die übliche Weise durch Aushebung der Athener und Bundesgenossen aufgebracht. Lediglich Speerwerfer, Bogenschützen und Schleuderer mussten in größerer Zahl geworben werden. Die Kämpfe um Sizilien interessieren uns deshalb hier nicht im Detail. Es bleibt nur festzuhalten, dass die ganze Expedition in einem furchtbaren Desaster endete. Nach schweren Verlusten kamen immer noch mindestens 7.000 Mann in Gefangenschaft, von denen die Syrakuser viele in den Steinbrüchen erbärmlich zu Grunde gehen ließen. Alkibiades, der bereits kurz nach der Ausfahrt zurückgerufen worden war, um sich vor Gericht zu verantworten, hatte sich zu den Spartanern abgesetzt und diesen seine Dienste angeboten. In gewisser Weise verkörpert Alkibiades einen besonders widerwärtigen Söldnertypus: den des rumsüchtigen, gewissenlosen Abenteurers. Bevorzugt gebärden sich solche Leute als "Retter der Vaterlandes", das aber lediglich ihrer eigenen Karriere dienen soll, und wenn das nicht funktioniert, haben sie keine Probleme, die Fronten zu wechseln.

Nach der furchtbaren Niederlage auf Sizilien war die Chancen in Griechenland wieder relativ ausgeglichen. Sparta unternahm deshalb wieder einen Einfall in Attika und errichtete dort auf Alkibiades Anraten hin die Festung Dekeleia , wodurch die Wirtschaftskraft von Athen sehr schnell empfindlich getroffen wurde. Allerdings kam es bis zum Kriegsende zu keinem grundsätzlichen Umschwung in Richtung Söldnerheer. Denn die Masse der Krieger wurde weiterhin von den Hopliten der Beteiligten gestellt. Die Veränderung war mehr eine schleichende. Langsam stieg die Bedeutung der Leichtbewaffneten, die sich meistens aus Söldnern zusammensetzten, zudem wurden zunehmend Hopliten unter den Neutralen geworben. Vor allen Dingen begann man aber unter der eigenen Bevölkerung die ärmeren Schichten zum Hoplitendienst heranzuziehen. Diesen Leuten musste dann nicht nur die Ausrüstung gestellt werden; man musste sie auch bezahlen. Der Militärhistoriker Hans Delbrück spricht deshalb von einer "Versöldnerung", allerdings handelte es sich eher um eine Professionalisierung der einstigen Bürgeraufgebote.

Trieren

Der große Umbruch, sozusagen der Sieg des Geldes, kam dagegen im Bereich der Flotte. Normalerweise dienten die, die sich die Hoplitenrüstung nicht leisten konnten, als Ruderer und wurden dafür auch bezahlt, da sie kein Vermögen hatten. Der Menschenbedarf der Tieren war enorm. Allein von den 32.000 Mann der Sizilienexpedition waren mehr als 25.000 Ruderer. Da kamen gigantische Summen zusammen, schnell mehr als bei einem voll besoldeten Hoplitenheer. Zwar kosteten auch Schiffe eine Menge Geld, die wirklichen Kosten entstanden aber durch die Besoldung der Besatzung. Ruderer waren erfahrene Leute. Sie benötigten nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch viel Training, um nicht aus dem Takt zu geraten und die komplizierten Manöver mit größter Schnelligkeit auszuführen. Athen und seine Verbündeten besaß die besten Mannschaften, aber auch die reichten schnell nicht mehr aus, und so begann man zunehmend damit, Ruderer in anderen Regionen anzuwerben. Für viele arme Bauern und Hirten waren die drei Obolen täglich gutes Geld, und so wurde der Flottendienst für sie eine Art Saisonarbeit während der Kriegsmonate. Aber auch hier war Athen gewaltig im Vorteil, denn durch die im Seebund erhobenen Abgaben, verfügte es regelmäßig über große Einkünfte.

Mit der Zeit wurde klar, dass Athen nur auf dem Meer zu schlagen sein würde. Die Frage war nur woher Sparta und seine Verbündeten die immensen Mittel zum Unterhalt einer entsprechend starken Flotte nehmen sollten. Auch hier war es wieder einmal Alkibiades, der den entscheidenden Anstoß machte. Er initiierte Verhandlungen zwischen Sparta und dem persischen Satrapen von Kleinasien Tissaphernes. Persien hatte nicht nur Interesse an den Griechenstädten Kleinasiens, sondern verfügte auch über beinahe unerschöpfliche Reichtümer. Mit persischen Subsidien konnte der Peloponnesische Bund nun nicht nur zahlreiche Galeeren bauen, sondern auch seinen Gegnern immer mehr Ruderer abwerben. Tissaphernes erhöhte ihren Sold gleich auf vier Obolen täglich, teilweise als Lockangebot sogar auch eine Drache (6 Obolen).

Letzten Endes wurde der Krieg dadurch entschieden. Alkibiades, der zunehmend Schwierigkeiten in Sparta hatte, nutzte zwar eine innenpolitische Krise, um im Triumph nach Athen zurückzukehren, und konnte noch einige Erfolge erzielen. Auch Tissaphernes, der keinen vollständigen spartanischen Sieg wollte, verzögerte immer wieder seine Zahlungen. Als sich aber die Spartaner mit Kyros dem Jüngeren einem Sohn des Großkönigs einigten und auf die Griechenstädten Kleinasiens verzichtete, floss das persische Gold in Strömen. Obwohl die Athener noch einige Siege erfochten, konnten die Spartaner die Verluste meistens bis zum nächsten Jahr ersetzen. Als es ihnen schließlich gelang, die athenische Flotte vernichtend zu schlagen, musste Athen kapitulieren.

Persische Goldmünze Obwohl der Peloponnesische Krieg selbst wie gesagt noch keinen grundlegenden Durchbruch zum Söldnertum zeigt, so legte er doch das Fundament dafür. Wie nach jedem langen Krieg gab es auch jetzt eine große Anzahl erfahrener Veteranen, die zudem nicht den vermögenden Schichten entstammten und deshalb den Krieg als Erwerbsmöglichkeit betrachteten. Die ersten ließen sich gleich von Kyros anwerben, um ihn bei seinem Putsch gegen seinen Vater zu unterstützen. Es waren jene Zehntausend, von deren Schicksal Xenophon berichtet. Doch sie bildeten nur den Anfang. Geld und damit Söldner waren durch den Peloponnesischen Krieg zum wichtigsten Mittel geworden, Kriege zu entscheiden. Diese bittere Erfahrung musste bald auch der Spartanerkönig Agesilaos machen. Er hatte die Reste der Zehntausend in Sold genommen und führte mit ihnen in Kleinasien erfolgreich Krieg gegen Persien. Die Perser finanzierten daraufhin die Gegner Spartas. Als Agesilaos deshalb mit seinem Heer nach Griechenland zurückkehren musste, soll er verbittert gesagt haben: "Es sind 30.000 persische Bogenschützen, die mich aus Kleinasien vertreiben." Er bezog sich dabei nicht auf Krieger, sondern auf die persischen Goldmünzen, auf denen ein kniender Bogenschütze abgebildet war.

© Frank Westenfelder  
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