geschätzt von den Mächtigen
Von den alten Hochkulturen bis zur Französischen Revolution ließen sich Herrscher bevorzugt von fremden Söldnern beschützen – wenn sie es sich leisten konnten.
Eines der dümmsten Vorurteile über Söldner ist, dass sie feige, treulos und verräterisch sind. Deshalb sind sie Milizen oder anderen regionalen Aufgeboten nicht nur moralisch sondern auch kriegerisch unterlegen. Allerdings ist dies in etwa so, als ob eine Mannschaft internationaler Profifußballer hätte gegen einen lokalen Verein letzten Endes keine Chance hätte, da dessen Spieler ja aus Liebe zu ihrem Verein, die Profis dagegen nur „für Geld“ spielen würden. Beschäftigt man sich jedoch mit dem Thema etwas offener, ohne Geschichtsbücher allein nach Argumenten für patriotische Parolen zu durchkämmen, entdeckt man schnell dass professionelle Söldner oft die besten und zuverlässigsten Truppen gestellt haben.
Die alten Hochkulturen

Bereits in der Schlacht bei Kadesh (1274 n. Chr.) – der ersten bedeutenden Schlacht, von der etwas detaillierte Aufzeichnungen vorhanden sind – retteten die Sherden-Söldner von Pharao Ramses II. durch ihr tapferes Ausharren den Tag. Die Sherden hatten vorher selbst gegen Ägypten gekämpft. Nach einer schweren Niederlage aber hatte Ramses viele Gegangene als Söldner in seine Armee eingereiht. Aufgrund ihrer Kriegstüchtigkeit, dienten sie als Elitetruppen und stellten einen bedeutenden Teil von Ramses Leibgarde. Von noch größerer Bedeutung waren Söldner aus dem Sudan, die oft als Bogenschützen und Elitetruppen verwendet wurden. Die „Medjai“, ein besonders kriegerisches Volk des Sudan, dienten als Polizeitruppe, zur Bewachung der königlichen Gräber und in der Leibwache des Pharao. Sie waren schließlich so typisch für diese Arbeit, dass ihr Name zu einem Synonym für „Polizei“.
Auch in Babylon, Akkad und Assyrien verwendete man Söldner bevorzugt in der Leibgarde der Herrscher oder als Polizeitruppe. Die Ursache dafür liegt auf der Hand. Große Kriege gegen andere Reiche waren meistens seltene Ausnahmen. Ein Herrscher musste vor allem Verschwörungen des eigenen Adels oder Aufstände der Bevölkerung befürchten. Und bei solchen Auseinandersetzungen war auf Fremde, die keine familiären Beziehungen zu den Rebellen hatten, ungleich mehr Verlass.
Die Legende des biblischen Königs David illustriert recht deutlich wie ein Herrscher im vorderen Orient um 1000 v. Chr. agierte. David lebte am Hof von König Saul, fiel dann aber in Ungnade, da er als aufsteigende Konkurrenz empfunden wurde. Er floh daraufhin mit anderen Unzufriedenen und formierte aus ihnen eine eigene Truppe, die sich als Räuberbande im Grenzland durchschlug. Dort wurde er dann von einem Kleinkönig der Philister rekrutiert, der David und seine Männer in seiner Leibgarde beschäftigen wollte. In einem neuen Krieg zwischen den Philistern und Israel, an dem David nicht teilnehmen musste, fand König Saul samt seinen Söhnen den Tod.
David eilte nun mit seiner kampferprobten Gefolgschaft, der sich auch einige Philister angeschlossen hatten, in die Heimat zurück, wo er nach kurzen Kämpfen den Thron besteigen konnte. Nun selbst an der Macht, schützte sich David mit einer Leibgarde aus Söldnern. Als dann später sein Sohn Absalom gegen ihn rebellierte und fast das ganze Volk für sich gewinnen konnte, blieben David nur seine Söldner und alten Kameraden aus der Räuberzeit. Allerdings wurde das Aufgebot Israels dann in der Entscheidungsschlacht von Davids Veteranen vernichtend geschlagen und Absalom starb auf der Flucht.
Ob sich die Geschichte nun wirklich so zugetragen hat, ist stark umstritten. Dennoch kann man davon ausgehen dass die meisten Herrscher zwischen Babylon und Theben vor den gleichen Problemen standen und deshalb ähnliche Methoden anwandten. Fremde, oft „barbarische“ Söldner waren bei internen Kämpfen loyaler, wurden aber auch generell als besonders kriegerisch geschätzt. Dies wird oft auch dadurch verdeutlicht, dass diese wilden Krieger mit ihrer traditionellen Kleidung und Waffen dienten, wie an ägyptischen Darstellungen der Sherden oder der Medjai schön zu sehen ist. Wie gezähmte Raubtiere unterstrichen sie damit Macht und Glanz des beschützten Monarchen.

Kleopatra hatte später dann eine Leibwache keltischer Söldner aus Galatien. Nach ihrem Tod schenkte Augustus diese Truppe Herodes dem König von Israel. Sie diente ihm anscheinend zuverlässig mehrere Jahrzehnte und sorgte dann noch bei seiner Begräbnisprozession durch ihr exotisch, martialisches Erscheinen für großes Aufsehen. Aber genau dies war auch ein wichtiger Grund für Könige, wilde, „exotische“ Krieger zu beschäftigen.
Die Antike
Im Gegensatz zu den Reichen im vorderen Orient findet man im klassischen Griechenland oder in Rom diese Art von Garden bestenfalls in seltenen Ausnahmefällen. In diesem Staaten waren Kriegsdienst und Bürgerrecht untrennbar verbunden. Das heißt, der Kriegsdienst war die Basis für zahlreiche Privilegien. Unter diesen Umständen war es natürlich kaum möglich Fremde mit noch größeren Privilegien auszustatten. Fremde Garden unterhielten deshalb nur einige griechische Tyrannen, die mächtig und reich genug waren, um mit ihrer Hilfe die eigene Bevölkerung in Schach zu halten.
Das änderte sich aber mit dem Wechsel zur Berufsarmee. In Rom rissen zuerst erfolgreiche Heerführer die Macht an sich, bis dann Julius Cäsar, der erfolgreichste von ihnen, die erste kaiserliche Dynastie gründete. Zur Absicherung ihrer Macht wurde aus bewährten Soldaten die Prätorianergarde geschaffen. Allerdings folgten die Prätorianer auch bald eigenen Interessen. So erwarteten sie für ihre Loyalität immer reichere Geschenke, beteiligten sich an Konspirationen, stürzten und ermordeten schließlich sogar Kaiser.
Es überrascht deshalb nicht, dass sich viele Kaiser noch einmal mit einer persönlichen Leibwache umgaben. Im Idealfall wurde diese während eines erfolgreichen Feldzuges aus besonders bewährten Kämpfern gebildet. Natürlich kamen dazu auch Legionäre in Frage; es fällt jedoch auf, dass oft nichtrömische Barbaren bevorzugt wurden. So hatte bereits Cäsar eine Leibgarde aus germanischen und gallischen Reitern. Marcus Antonius brachte von seinen Feldzügen im Orient eine Garde Ituräer Bogenschützen mit. Bei den julisch-claudischen Kaisern wurde dann die hauptsächlich aus Batavern gebildete germanische Leibgarde eine feste Institution.
Auch danach hielten sich viele Kaiser germanische Leibwachen. Aber manche bevorzugten auch maurische Speerwerfer, parthische oder arabische Bogenschützen. Später wurden auch zunehmend Hunnen verwendet, die als Reiter und Bogenschützen besonders geschätzt wurden. Wichtig scheint vor allem gewesen zu sein, dass die Gardisten aus kriegerischen, barbarischen Gesellschaften stammten. Um dies zu unterstreichen, durften sich Teile ihrer ursprünglichen Waffen, Kleidung und Haartracht beibehalten.
Das Mittelalter
Im europäischen Mittelalter sind diese Leibgarden dann weitgehend verschwunden. Das lag in allererster Linie daran, dass so gut wie niemand über die finanziellen Mittel verfügte, Söldner über längere Dauer zu beschäftigen, was ja die Basis jeder Leibgarde ist.
Auf die wenigen Ausnahmen stößt man deshalb auch dort, wo das Finanzwesen noch funktionierte. So führte Byzanz seine Kriege weiterhin zu einem guten Teil mit fremden Söldnern. Ab dem Beginn des 10. Jahrhunderts trifft man dort auf die berühmte Warägergarde, die bis zum Fall der Stadt im 4. Kreuzzug 1203 unterhalten wurde.
Das andere Beispiel ist das Königreich Sizilien, wo der Stauferkaiser Friedrich II. und seine Nachfolger so genannte „Sarazenen“ im Dienst hatten. Diese Moslems aus Sizilien erwiesen sich bei den Kämpfen gegen die rebellischen Kommunen und den Papst als außerordentlich zuverlässig. Sie dienten deshalb auch als Leibgarden. Neben ihrer Treue schätzte der Kaiser aber auch ihr exotisches Aussehen, wenn sie besonders gekleidet als „barbarische“ Leibgarde aber auch als Führer von Leoparden, Löwen und Elefanten seine universale Macht demonstrierten.
Die anderen europäischen Herrscher konnten sich einen solchen Luxus einfach nicht leisten. Sie stützten sich hauptsächlich auf ihr persönliches Gefolge, die „familia regis“, das im Krieg durch Söldner verstärkt wurde.
Der Islam

Ganz anders war die Lage dagegen in der Welt des Islam. Von Nordindien über den Irak, bis nach Marokko und Spanien unterhielten die meisten Herrscher starke Leibgarden aus Fremden. Ihr Reichtum erlaubte es ihnen sogar, für diese Kinder zu kaufen, die dann über Jahre ausgebildet wurden und ihr ganzes Leben im Dienst der Dynastie verblieben. Die Kinder stammten normalerweise von Völkern, die als besonders kriegerisch betrachtet wurden. Im Orient stammten sie hauptsächlich von den türkischen Stämmen Zentralasiens, später den Tscherkessen im Kaukasus, in Nordafrika bediente man sich südlich der Sahara, im „Sudan“, und in Spanien schätzte man besonders slawische Krieger, so genannte „Saqualiba„, die von fränkischen Sklavenhändlern oder Wikingern geliefert wurden.
Wichtig an diesen Garden war, dass sie ihrem Herrn treu ergeben waren, aber zur Bevölkerung oder dem lokalen Adel keine Beziehung hatten. Die von al-Hakam I. (796–822), dem mächtigen Emir von Córdoba, gegründete Sklavengarde wurde „Khurs“ (die Stummen) genannt, das sie kein Arabisch sprachen. Mit dieser mehrere tausend Mann starken Truppe konnte er eine Adelsverschwörung und später einen Volksaufstand blutig niederschlagen.
Natürlich konnte es auch vorkommen, dass Sklavengarden rebellierten und sogar die Macht an sich rissen. Doch dazu kam es eigentlich nur, wenn sie über mehrere Generationen Teil der etablierten Machtstrukturen und sich ihrer eigentlichen Macht bewusst geworden waren. Sie waren aber sicher um vieles zuverlässiger als die römischen Prätorianer, die 15 von 48 Kaisern verrieten oder ermordeten, und heute vor allem ein Synonym für machtgierige Militärs sind.
Die Verwendung von Militärsklaven, so genannter „Mamluks“, als Elitetruppen und Garden lässt sich bereits für das Kalifat der Abbasiden im 8. Jahrhundert belegen und erstreckt sich bis ins 19. Jahrhundert, wo der Vizekönig von Ägypten mit der Eroberung des Sudan beginnt, um dort die Sklaven für seine Armee zu finden.
Erklärungen für dieses Phänomen gibt es einige. So verstärkten die Araber als äußerst erfolgreiche Eroberer ihre Armeen von Anfang an mit großen Kontingenten von Kriegsgefangenen. Später war es wichtig, dass Mamluks nicht zum Adel gehörten und von der Erbfolge ausgeschlossen waren. Die Verwendung von Klerikern, Ritterorden oder der Ministerialen, die ja oft Unfreie waren, in Europa ist sicher etwas Ähnliches.
Da die Herrscher oft zahlreiche männliche Nachkommen hatten, waren blutige Kämpfe um die Erbfolge fast die Regel. Brudermord (Fratrizid) war deshalb weit verbreitet und wurde im ottomanischen Reich schließlich sogar zum Gesetz erhoben. Natürlich kämpften auch christlich-abendländische Herrscher – entgegen patriotischer Mythen – vorwiegend gegen Familienangehörige und rebellische Adlige, allerdings landeten die Besiegten dann eher im Exil oder im Kerker. Wenn gemordet wurde, so geschah es heimlich.
Bei der Suche nach zuverlässigen Rekruten, frei von lokalen Bindungen, bewährten sich solche aus armen, unzivilisierten Randgebieten am besten. Ein arabischer Chronist schrieb: „Immer wenn sich Menschen in fruchtbaren Ebenen niederlassen, Bequemlichkeiten ansammeln und sich an ein Leben in Luxus und Überfluss gewöhnen, geht ihre Tapferkeit in dem selben Ausmaß zurück wie Wüsten- und Wildnisgewohnheiten abnehmen.“ Es waren die gleichen Eigenschaften, die man später in Europa an Söldnern aus Schottland, der Schweiz oder vom Balkan schätzte.
Von den Garden zu den „Gardes du Corps“
Allerdings fehlte es in Europa lange an staatlicher Organisation um die notwendigen Steuern einzutreiben, die man für den permanenten Unterhalt einer Streitmacht notwendig war. Die Herrscher waren auf die Heeresfolge des Adels angewiesen, der gleichzeitig das größte Hindernis für den Ausbau der Zentralgewalt war.
Im Spätmittelalter gelang es dann langsam hier und da, die Privilegien von Adel und Ständen einzuschränken und damit an die begehrten Steuern zu kommen. Diese Mittel wurden vorwiegend zur Anwerbung professioneller Truppen verwendet, unter denen man dann auch bald die ersten fremden Garden findet. Verglichen mit den Tausenden im Dienst der Kalifen von Bagdad oder Córdoba waren es aber äußerst bescheidenen Formationen. Dennoch demonstrieren sie, wem Herrscher gerne vertrauten.

Eine der ersten Einheiten war die schottische Garde (Gardes Écossaises) der französischen Könige. Sie wurde 1418 während des Hundertjährigen Krieges gebildet, als tausende schottischer Söldner Frankreich vor der Niederlage retteten. Die lediglich hundert Mann starke Garde war sicher auch ein Zeichen der Anerkennung, mit dem der Dienst aller Schotten honoriert werden sollte. Allerdings wurde bei den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der Zeit die Loyalität der Fremden sicher auch geschätzt.
Als dann 1471 Ludwig XI. seiner Garde die Hundertschweizer (Cent-Suisses) hinzufügte wollte er damit auch seine guten Beziehungen zu den Schweizern verstärken, auf die er in seinem Kampf gegen Karl den Kühnen setzte. Dieser hatte wiederum eine größere Zahl englischer Bogenschützen in seiner Leibgarde, da er sie wahrscheinlich für das beste Mittel gegen Franzosen hielt.
Die Könige von Kastilien unterhielten im 15. Jahrhundert eine maurische Garde (guardia morisca), die ihre „maurische“ Kleidung auch noch dann beibehielt, als bereits die meisten zum Christentum konvertiert waren. Die Tyrannen, die nach und nach die Macht in den italienischen Stadtstaaten an sich rissen, setzten fast ausschließlich auf fremde Garden. Allerdings bedeutete „fremd“ hier lediglich, dass sie meistens aus anderen Regionen kamen.
Aber in Europa war der Ausbau der Zentralgewalten verbunden mit einem funktionierenden Steuersystem und einem stehenden Heer ein äußerst langwieriger Prozess, der mit großen Risiken und Rückschlägen verbunden war. Die spanischen Habsburger verloren dabei mit den Niederlanden ihre reichsten Provinzen. Ihre österreichischen Vettern die Herrschaft im Reich, und der englische König Karl I. sogar seinen Kopf. Am erfolgreichsten war sicher Frankreich, wo sich Ludwig XIV. als absoluter Herrscher durchsetzen konnte. Aber auch seine Macht war bei weitem nicht so absolut wie die orientalischer Sultane oder Kalifen. Bereits 74 Jahre nach seinem Tod führte der Versuch einer Steuererhöhung zur Französischen Revolution.
Europäische Herrscher mussten also taktieren und Bündnisse schließen. Am wichtigsten war es dabei den stets rebellischen Adel, der viel Macht eingebüßt hatte, zu kompensieren. Die einfachste Art waren prestigeträchtige Stellen am Hof, wobei das neue professionelle Militär natürlich die meisten zu bieten hatte. Viele Adlige führten deshalb Regimenter, die sie jedoch eher selten bei Paraden zu Gesicht bekamen. Am begehrtesten waren die Leibgarden der Herrscher. In ihnen zu dienen galt bereits als Auszeichnung, dazu war man in bester Gesellschaft und befand sich im direktem Kontakt mit dem Herrscher. Die Könige von Frankreich bildeten deshalb neben ihre schottischen und Schweizer Garde noch eine „Garde francaise“, die ausschließlich Adligen aus den vornehmsten Familien vorbehalten war.
Diese „Gardes du Corps“, wie sie meistens nach französischem Vorbild genannt wurden, waren bald der Standard an allen europäischen Höfen. In ihren eleganten Uniformen, höfischen Umgangsformen und Traditionen dienten sie jedoch in allererster Linie dazu, die Eitelkeiten des Adels zu befriedigen. Wenn daneben noch Leibgarden aus Fremden unterhalten wurden, so dienten sie eher der Traditionspflege oder sollten Paraden einen exotischen Aspekt verschaffen.
Mit dem Patriotismus kam das vorläufige Ende
All diese noblen Garderegimenter nützten jedoch wenig, als 1792 in Paris das Volk die Tuilerien stürmte. Einige hatten sich schon vorher dem Volk angeschlossen, andere ins Exil abgesetzt. Lediglich Teile der Schweizergarde leisteten erbitterten Widerstand und wurden dabei regelrecht abgeschlachtet. Dies führte jedoch lediglich dazu, dass Söldner nun endgültig als skrupellose Werkzeuge von Tyrannen betrachtet wurden.

Napoleon selbst verwandte zwar eine Schwadron Mameluken, die er aus Ägypten mitgebracht hatte, als persönliche Leibgarde. Doch dies war nur ein kleiner exotischer Farbtupfer – sie waren auffällig als Orientalen uniformiert – innerhalb der nach tausenden zählenden kaiserlichen Garde.
Nachdem im Gefolge der Napoleonischen Kriege Patriotismus und Nationalismus zu den dominierenden Idelogien geworden waren, hätte kaum ein europäischer Herrscher wagen können sich mit fremden Söldnern zu umgeben. Lediglich während der Restauration in Frankreich erinnertern sich die Bourbonen der Treue ihrer Schweizer und begannen umgehend mit der Neuaufstellung einer Schweizergarde. Gegen sie als Symbole der Monarchie richtete sich dann während der Julirevolution von 1830 ganz besonders der Hass der Aufständischen. Dieses Mal flohen die Schweizer jedoch bevor es zu schweren Zusammenstößen kommen konnte. Viele von ihnen wurden anschließend in der neu aufgestellten Fremdenlegion diskret nach Algerien entsorgt.
In Italien stellte sich der Vatikanstaat mit einer bunt gemischten Söldnertruppe, zu der auch die päpstliche Schhweizergarde zählte, der nationalen Einigungsbewegung entgegen. Garibaldi und seine Patrioten nutzten dies geschickt für ihre Propaganda und riefen dazu auf, die „päpstlichen Söldner“ und „fremden Feiglinge“ aus dem Land zu treiben.
Fremde Leibgarden verschwanden damit praktisch völlig von der europäischen Bühne. Eine ganz seltene Ausnahme war lediglich der spanische Diktator Francisco Franco, der sich ganz im Stil mittelalterlicher Könige eine marokkanische Garde (Guardia Mora) hielt. Die Marrokaner hatten bereits im Bürgerkrieg als Elitetruppen Schrecken unter seinen Gegnern verbreitet. Ihre orientalischen Uniformen deuten jedoch wie bei Napoleons Mameluken und vielen anderen Garden darauf hin, dass sie auch als Paradesoldaten dienten.
Sein alter Verbündeter Adolf Hitler setzte zwar eher im Stil einer Prätorianergarde auf die nationalen Weltanschauungssoldaten der Waffen-SS. Deshalb so klingt es heute eher wie ein Treppenwitz der Weltgeschichte, dass in der Schlacht um Berlin die letzten Stellungen beim Reichstag von Resten der SS-Divisionen Charlemagne und Nordland verteidigt wurden.
Man sollte dies aber nicht für das Ende fremder Leibgarden halten. Dass diese uralte Geschichte nicht zu Ende gekommen ist, entdeckt man schnell, wenn man die Betrachtung etwas über die Grenzen den guten, alten Abendlandes ausweitet.

Eine ganze Reihe afrikanischer Diktatoren wie Idi Amin, Mobutu, Charles Taylor stützten sich auf afrikanische Söldner und europäische, amerikanische oder israelische Sicherheitsberater. In der Zentralafrikanischen Republik bilden russische Söldner zur Zeit das Rückgrat der Präsidentengarde.
Interessanter wird es noch, wenn man die Golfstaaten betrachtet, denen es nicht an Geld dafür aber an willigem Menschenmaterial fehlt. Der ehemalige australische General Michael Hindmarsh kommandiert zum Beispiel die Präsidentengarde der Vereinigten Arabischen Emirate. Von dort organisiert er die Anwerbung fremder Söldner aus Südamerika und Afrika mit denen der dreckige Krieg im Jemen geführt wird.
In dem relativ kleinen Bahrain rekrutiert man seit langem Söldner aus Pakistan, Jordanien und dem Jemen fürs Militär und bei Bedarf auch für die Polizei. Als dann die Proteste des Arabischen Frühlings begannen, wurden innerhalb Wochen über 2.000 Pakistaner für die Nationalgarde rekrutiert. Auf die Ausländer war dann wie so oft Verlass; sie zerstreuten Demonstrationen, setzten Ausgangssperren durch und alles was sonst notwendig war, um die Regierung an der Macht zu halten. Es war so gesehen genau der „Job“, für den man fremde Garden schon vor über 3.000 Jahren im Zweistromland und Ägypten angeworben hatte.
© Frank Westenfelder
