Die Schlacht am Boyne 1690

und der Flug der Wildgänse.

Nach den bitteren Erfahrungen mit den schwer kontrollierbaren Söldnerheeren des Dreißigjährigen Krieges begannen danach viele europäische Mächte mit dem Aufbau von stehenden Heeren. Da Söldner in in den benötigten Zahlen nicht zur Verfügung standen und über einen längeren Zeitraum auch nicht hätten bezahlt werden können, griff man zunehmend auf die Unterschichten der eigenen Bevölkerung zurück.

französisches Regiment um 1680

Diese „nationalen“ Regimenter bildeten bald das Gros der europäischen Heere. Allerdings waren Söldner damit nicht einfach verschwunden. Erstens mieteten die Großmächte bei Bedarf ständig fremde Soldregimenter zu Verstärkung. So machten in Frankreich, das die stärkste Armee unterhielt, Fremdenregimenter ungefähr ein Fünftel der Stärke aus. Aber auch die nationalen Regimenter enthielten immer Ausländer, da auch im Einsatz geworben wurde und nicht selten Kriegsgefangene und Deserteure gepresst wurden. Kleinere Staaten wie Preußen oder Dänemark rekrutierten sehr gerne Ausländer, um die Wirtschaftskraft der eigenen Bevölkerung zu erhalten.

Da der Unterhalt stehender Truppen äußerst kostspielig war, vermieten kleinere Staaten diese gerne an andere Mächte, um auf diese Weise ihr Militär oder ihren Hofstaat zu finanzieren. Soldaten oder Söldner wurden dabei schnell zur Handelsware, die möglichst kostengünstig angeschafft oder gemietet wurde, um möglichst hohen Nutzen oder Profit zu erwirtschaften.

Die Entwicklung zur Verwendung stehender Heere vollzog sich während der langen Kriege, in denen Frankreich unter Ludwig XIV. gegen eine breite Allianz unter der Führung der Niederlande um die Vorherrschaft in Europa kämpfte. In diesem Konflikt, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckte, waren die Kämpfe in Irland eigentlich nur eine Episode am Rande. Aber gerade wegen dieser zeitlich und geographisch relativ begrenzten Ereignisse, lässt sich an ihnen relativ gut demonstrieren, wie Söldner und Soldaten verwendet wurden.

Zum wichtigsten Gegenspieler von Ludwig XIV. wurde Wilhelm von Oranien der Generalstatthalter der Niederlande, der unermüdlich an einer großen Koalition gegen Frankreich arbeitete. Dabei ergab sich eine ganz große Chance, als der letzte englische Stuart-König Jakob II. mit seinen Versuchen, den Katholizismus wieder zur dominanten Religion in England zu machen, große Teile des Parlaments und der anglikanischen Kirche gegen sich aufbrachte.

Die Unzufriedenen boten nun Wilhelm von Oranien, der mit einer protestantisch erzogenen Tochter von Jakob verheiratet war, die englische Krone an. Dieser handelte schnell und entschlossen. Im Herbst 1688 landete er mit einem großen Heer in Südengland. Da Jakob II. seiner Armee nicht vertraute – einige Offiziere waren zu Wilhelm übergelaufen – wollte er keine Schlacht riskieren und floh ins Exil nach Frankreich. Wilhelm konnte daraufhin kampflos in London einziehen und etwas später den Thron besteigen. Nach dieser so genannten „der Glorreichen Revolution“ verlagerten sich die Auseinandersetzung nach Irland, dessen Parlament weiterhin Jakob als König anerkannte.

In dieser strategisch komplexen Situation ist es nun äußerst interessant, sich etwas genauer mit den eingesetzten Truppen und deren nationaler Zusammensetzung zu beschäftigen. Teilweise waren sie im Land ausgehoben worden, folgten damit einer frühen Form der Wehrpflicht und können deshalb nicht einfach als „Söldner“ bezeichnet werden. Andere, die wie die katholischen und protestantischen Iren als Freiwillige für ihren Besitz und ihre Religion kämpften, sicher auch nicht. Allerdings wurden bestehende Regimenter oft von ihren Eigentümern gegen gute Bezahlung vermietet oder komplett abgetreten. In diesem Fall verwandelten sich ehemals nationale Regimenter umgehend in Söldnereinheiten.

Wilhelms Blaue Garden

Wilhelm von Oranien landete in England mit einer Armee aus erfahrenen Söldnern. Den Großteil stellten zwar niederländische Regimenter, doch auch die bestanden normalerweise zu über der Hälfte aus Ausländern, da die Niederlande mit ihrer relativ kleinen Bevölkerung gar nicht in der Lage waren ausreichend nationale Truppen zu rekrutieren. Das zweitstärkste Kontingent bildete die so genannte „Anglo-Dutch Brigade“, in der seit über einem Jahrhundert schottische und englische Söldner dienten. Sie bestand zu dieser Zeit aus jeweils drei englischen und drei schottischen Regimentern mit insgesamt etwa 3.000 Mann. Dazu kamen einige Regimenter Hugenotten und solche von deutschen Fürsten.

Diese bunt gemischte Armee von gut 15.000 Mann galt nach dem letzten Krieg gegen Frankreich als eine der besten Europas und war den unerfahrenen englischen Truppen weit überlegen. Zur Verteidigung der Niederlande wurden Subsidienregimenter mit insgesamt etwa 13.000 Mann von deutschen Fürsten – hauptsächlich von Brandenburg – gemietet.

Vor allen Dingen aber vertraute Wilhelm seinen Söldnern wesentlich mehr als den Engländern, von denen viele der Loyalität zu den Stuarts verdächtigt wurden. Der Großteil der niederländischen Truppen und die Anglo-Dutch Brigade wurden deshalb fest in englische Dienste übernommen. Das heißt, die Niederländer – sofern es sich um solche handelte – dienten nun als Söldner in England, die englischen und schottischen Söldner dagegen wieder dem Vaterland.

Um diese Truppen in den Niederlanden zu ersetzen, wurden ca. 10.000 Engländer nach Flandern geschickt, wo sie dann als Söldner unter niederländischem Befehl kämpften. Die in England verbliebenen Truppen wurden umgehend einer intensiven Säuberung unterzogen, wobei alle Offiziere, die mit der alten Dynastie sympathisierten oder katholisch waren, entlassen wurden. Sie wurden durch solche von der Anglo-Dutch Brigade, Niederländer und Hugenotten ersetzt.

Bei den Mannschaften war man nicht so gnädig. Dazu war der Bedarf an günstigem Menschenmaterial einfach zu groß. König Jakob II. hatte vor seinem Sturz noch eine größere Zahl irische Truppen nach England geholt, da er ihnen als Katholiken besonders vertraute. Diese wurden nun auf der Insel Wright interniert. Von dort schließlich nach Hamburg verschifft und an den Kaiser in Wien verkauft, der sie fern in Ungarn gegen die Türken verwendete. Auf dem langen Weg gelang einigen die Flucht, die sich dann zur französischen Armee durchschlugen.

Während Wilhelm seine Macht festigte und die Armee für den Krieg auf dem Kontinent vorbereitete, verschärfte sich die Situation in Irland. Es kam zu Kämpfen zwischen irischen Truppen, die Jakob II. unterstützten, und protestantischen Milizen im Norden. Im März 1689 kam Jakob mit französischer Unterstützung auf die Insel, um von hier aus den englischen Thron zurückzuerobern.

Obwohl Wilhelm den Krieg in Irland für ein französisches Ablenkungsmanöver hielt, blieb ihm schließlich nicht anderes übrig, als den stark bedrängten bedrängten Protestanten Hilfe zu schicken. Das Parlament hatte speziell dafür die Aushebung neuer Truppen bewilligt. Für den nötigen Rückhalt sollten einige Bataillone von Wilhelms Veteranen sorgen. Schließlich wurden 14 englische, zwei niederländische und drei hugenottische Infanteriebataillone nach Irland geschickt. Einschließlich der Kavallerie waren es circa 15.000 Mann.

Gefangene und/oder Rekruten

Diese Armee stand unter dem Befehl des Grafen Friedrich von Schomberg, der in vielem typisch für die internationale Zusammensetzung des professionellen Offizierskorps der Zeit war. Er stammte aus einer alten kurpfälzischen Adelsfamilie, hatte aber über seine englische Mutter auch Verwandtschaft im englischen Adel. Er hatte sein Handwerk unter den Oraniern in den Niederlanden gelernt und später Schweden gedient. Seine eigentliche Kariere machte er dann nach dem Dreißigjährigen Krieg in Frankreich, wo er es bis zum Marschall brachte. Als überzeugter Calvinist musste er jedoch mit den Hugenotten 1685 das Land verlassen. Wie viele von ihnen kam er nach Brandenburg, wo er sofort zum Oberbefehlshaber aller Truppen ernannt wurde. 1688 führte er dann die brandenburgischen Hilfstruppen in die Niederlande. Von dort begleitete er Wilhelm von Oranien als stellvertretender Kommandeur nach England.

Mitte August 1689 landete er mit seinen Truppen bei Belfast, wo er weitere Unterstützung erhielt. Dann rückte er langsam nach Süden vor, bis er auf halbem Weg nach Dublin bei Dundalk ein festes Lager bezog. Dafür hatte er vor allem zwei Gründe. Erstens überschätze er die Stärke seiner Gegner weit. Vor allen Dingen aber befürchtete er, dass bei einer Schlacht Teile seiner Hugenotten zum Feind übergehen könnten.

Das Verhalten der Hugenotten demonstriert sehr anschaulich, welche Probleme Söldnerregimenter damals mit sich brachten. Eigentlich galten die Hugenotten als Glaubensflüchtlinge als äußerst loyal und militärisch erfahren. Schomberg selbst fühlte sich in erster Linie als Hugenotte, und sein persönliches Leibregiment bestand aus hugenottischer Kavallerie, die er für weitaus besser als englische hielt.

Die Schwierigkeiten begannen bei dem Ersatz. Normalerweise schickten Regimenter Rekrutierungsoffiziere in den Ort ihrer Aufstellung, die dann dort mit Überredung, Gewalt oder mit Hilfe der Behörden den Nachschub beschafften. Exilantenregimenter hatten dagegen meistens keinen Zugriff mehr auf die Rekruten der Heimat und mussten deshalb nehmen, was sie irgendwie bekommen konnten. Die Hugenottenregimenter waren französischsprachig und deshalb ein guter Anlaufpunkt für belgische Deserteure und Kriegsgefangene. Natürlich wurden auch Deutsche, Niederländer, Schweizer, Engländer und in Irland zur Not auch irische Katholiken genommen. Es gab sicher Vorschriften, doch die Rekrutierungsoffiziere hatten in allererster Linie ihre Quoten zu erfüllen.

Im Lager in Dundalk wurden einige Hugenotten verhaftet, die mit den Jakobiten Briefe gewechselt hatten. Einer hatte sich erboten für eine Amnestie in Frankreich mit 400 anderen Hugenotten überzulaufen. Schomberg ließ schließlich einen Aufruf verlesen, dass sich alle Katholiken umgehend stellen sollten. Alle die später entdeckt werden würden, würden umgehend hingerichtet werden. Daraufhin meldeten sich 150 Mann, die nach England zurückgeschickt wurden. Natürlich wollte man auch auf sie nicht verzichten und verwendete sie später im Garnisonsdienst in den Niederlanden.

Viel verhängnisvoller als die Deserteure wurden in Dundalk jedoch Krankheiten und Lagerseuchen, die in wenigen Monaten ein gutes Drittel von Schombergs Arme dahinrafften (die Schätzungen schwanken zwischen 5 und 9.000 Toten). Wahrscheinlich fiel der Großteil Typhus oder Dysenterie zum Opfer. Einige starben sicher auch an Lungenentzündung oder verhungerten einfach. Denn die Versorgungslage war katastrophal. Schombergs Agenten in England waren unfähig, ausreichend Schiffe zu mieten, um Material und Lebensmittel zu schicken. Geld für Lazarette war unterschlagen worden. So blieb die große Masse ohne Zelte, mit unzureichenden Rationen sich selbst überlassen.

Solche Desaster waren meistens viel schlimmer als die legendären Schlachten. Interessant ist allerdings, dass sich auch hier der Wert von professionellen Söldnern zeigte. Die Verluste gab es hauptsächlich in den neu rekrutierten englischen Regimentern. Während die Engländer zu tausenden starben, hatten Holländer und Franzosen (d.h. Hugenotten) relativ geringe Verluste.

So schreibt ein Beobachter über die Errichtung des Lagers in Dundalk: „unsere holländischen und französischen Regimenter bauten sich sofort gute, warme Hütten. Aber unsere englischen Regimenter – alles unerfahrene Soldaten, die nichts von der Bedeutung guter Unterkünfte wussten – vernachlässigten dies, bis weder Stroh noch Holz zu finden war. Als dann der Regen kam, starben unsere Männer wie verrottete Schafe.“ Ein schweizer Söldner beschreibt, wie er während der Krankheit Hühnerbrühe kochte oder Schiffszwieback von Matrosen kaufte, wie er und seine Kameraden fouragierten, bei Bauern nach Lebensmitteln suchten, sich aber auch zur Not mit Kresse zufrieden gaben, während die Engländer manchmal noch nicht einmal die primitive Hafergrütze der Iren essen wollten.

Aber auch für die Jakobiten war der Krieg nicht gut gelaufen. Sie waren mit der Belagerung von Derry gescheitert und hatten dann auch noch eine schwere Niederlage durch protestantische Milizen erlitten. Beiden Parteien kamen deshalb zu der Einsicht, dass sie eine größere Zahl professioneller Truppen benötigen wurden, um eine Entscheidung zu erzwingen.

Die Jakobiten konnten professionelle Truppen nur aus Frankreich erhalten, aber dort war man inzwischen selbst an mehreren Fronten in schwere Kämpfe verstrickt. Dennoch war es für Ludwig XIV. von Vorteil seinen Hauptgegner Wilhelm mit seinen besten Truppen weiter in Irland zu beschäftigen. Er bot deshalb an, sechs Regimenter mit insgesamt gut 6.000 Mann erfahrener Truppen zu schicken. Im Gegenzug verlangte er aber, dass dafür 6.000 Iren nach Frankreich kommen sollten.

Regiment Zurlauben

Im April 1690 landete das französische Korps in Cork unter der Führung des Herzogs von Lauzun, der zwar militärisch völlig unterfahren war, dafür aber beste Beziehungen bei Hof hatte. Ungefähr die Hälfte der geschickten Truppen waren keine Franzosen. Das Regiment Famechon war im letzten Krieg aus Wallonen gebildet worden, und das Regiment Zurlauben, das als einziges aus zwei Bataillonen und damit ca. 2.000 Mann bestand, wird oft irrtümlich als „Schweizer Regiment“. bezeichnet. Schweizer waren aber nur der Inhaber, der Graf von Zurlauben, und einige seiner Offiziere. Die Mannschaften aber waren hauptsächlich deutsche und niederländische Kriegsgefangene und Deserteure von den Kämpfen in den spanischen Niederlanden im Jahr zuvor.

Dennoch sollte man nicht annehmen, dass es sich um zweitklassige Truppen handelte. Ludwig XIV. selbst schätzte den Kampfwert der Fremdenregimenter wesentlich höher als den französischer Linienregimenter. Dementsprechend erhielten sie auch mehr Sold. Allerdings hatte Lauzun Anweisungen, die Truppen zu schonen und möglichst intakt zurückzubringen.

Mit den selben Schiffen, mit denen das französische Korps gekommen war, wurden kurz darauf die 6.000 zugesagten Iren nach Brest transportiert. Bei ihrer Rekrutierung war es vielleicht noch etwas rauher zugegangen als im restlichen Europa. Viele waren gegen ihren Willen gepresst worden, es gab eine Menge Kranke, dazu kamen Frauen und Kinder. Gut tausend gelang die Flucht, wodurch danach besonders hemmungslos rekrutiert wurde. Dabei verfiel man sogar auf die Idee, einigen gefangenen irischen Protestanten die Freiheit zu versprechen, wenn sie jeweils acht Rekruten lieferten. 14 Gefangene waren anscheinend reich genug, um die entsprechenden Söldner zu kaufen.

Die Franzosen waren von den erhaltenen Truppen alles andere als begeistert. Kaum einer hatte Waffen, und die meisten trugen zerrissene Lumpen. Ein Bericht beschreibt sie als: „ohne Hemden, Schuhe oder Hüte und voll mit Ungeziefer“. 700 wurden sofort zurückgeschickt, dann wurden sie neu organisiert und weitere ausgesondert bis schließlich drei Regimenter mit insgesamt 4.800 Mann übrig waren. Sie bildeten den Grundstock der später legendären „Irischen Brigade“ in Frankreich.

Da war das Korps unter Lauzun sicher von besserer Qualität. Doch auch unter seinen Leuten brachen bald Seuchen aus, und er verlor über 500 Mann auf dem Marsch nach Dublin. Weitere mussten krank zurückgelassen werden, und so wurde umgehend damit begonnen, die Lücken mit Iren zu füllen. In Dublin mussten die Offiziere dann zu ihrem Entsetzen feststellen, dass über 500 ihrer Männer protestantische Gottesdienste besuchte, und damit ihre Sympathien für die Orangisten zum Ausdruck brachten.

Auch Wilhelm von Orange hatte es für notwendig gehalten, weitere professionelle Truppen zu mieten. Da seine deutschen Söldnerlieferanten aber inzwischen an Rhein und Mosel gebunden waren, brauchte er eine neue Quelle. Er verfiel auf Dänemark. Dort hatte der König während der langen Auseinandersetzung mit Schweden eine starke Armee aufgebaut, die seine Finanzen aber auf Dauer überforderte. Deshalb erschien es ihm eine gute Lösung einen Teil davon an England zu vermieten. Dort würden sie nicht nur ihren Sold und weitere Praxis erhalten, sondern auch dringend benötigte Subsidien verdienen.

Man wurde sich schnell handelseinig, und Dänemark verpflichte sich insgesamt 7.000 Mann für den Krieg in Irland zu liefern. Diese wurden mit einer großen Flotte im November nach England transportiert. Ironischerweise wurde die Flotte von einem Sturm zerstreut, weshalb französische Kaper ein Schiff erbeuten konnten. Auf ihm befanden sich vier Kompanien, die nach Brest gebracht und dort zum Dienst im französischen Regiment „Royal Danois“ gepresst wurden.

Bei der Bedeutung des dänischen Kontingents lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es stand unter dem Kommando von Ferdinand Wilhelm von Württemberg, einem nicht erbberechtigten Sohn des Herzogs von Württemberg, der wie viele seiner Klasse als Berufssoldat im Dienst verschiedener Mächte Karriere zu machen versuchte. Die anderen Offiziere waren meisten Deutsche und Hugenotten, ein paar Schotten und sehr wenig Dänen. Bei den Mannschaften gab es sicher ein paar Dänen mehr, dennoch stellten sie auch dort eine Minderheit. Dänemark hatte eine relativ kleine Bevölkerung und nutzte deshalb seine deutschen Besitzungen zur Rekrutierung. Ein Zeitzeuge schreibt über die dänische Infanterie: „Zum Großteil waren es Fremde aus allen Ländern, die Wahl oder Zufall hierher gebracht hatte: Deutsche, Polen, Kurländer, Holländer, Schweden, Schotten, Iren und der eine oder andere englische Seemann, den sie nach einer langen Reise betrunken gemacht hatten.“

Mit den „Dänen“ als Kern, einigen weiteren niederländischen, einem brandenburgischen und neuen englischen Regimentern landete Wilhelm im Juni 1690 in Belfast, fest entschlossen dem unter Schomberg festgefahrenen Feldzug neuen Schwung zu geben. Ohne viel Zeit zu verlieren marschierte er nach Süden Richtung, bis er am Boyne auf die Armee der Jakobiten stieß.

Wilhelm war mit ca. 36.000 Mann seinen Gegnern um gut 12.000 Mann und an Artillerie überlegen. Seine größte Stärke lag aber bei seinen professionellen Söldnertruppen, die mit etwa 7.000 Dänen, 6.000 Niederländern und Brandenburgern und 3.000 Hugenotten fast die Hälfte seiner Streitmacht stellten. Die Jakobiten hatten dafür hinter dem Fluss eine gute Verteidigungsposition. Ihre irischen Regimentern waren aber oft unerfahren und schlecht ausgerüstet. Manche verfügten nur über Spieße. Ihre Stärke waren ihre sechs französischen Regimenter und die irische Kavallerie, die hoch motiviert und auch gut bewaffnet war.

Die Schlacht wurde aber durch ein taktisches Flankenmanöver entschieden. Während das Zentrum seiner Truppen unter Friedrich von Schomberg gegenüber des kleinen Ortes Oldbridge aufmarschierte, schickte Wilhelm dessen Sohn Meinhard mit ca. 7.000 Mann flüssaufwärts, um dort den Boyne bei Rosnaree oder Slane zu überqueren. Als die Jakobiten den Marsch von Meinhard von Schombergs Korps – darunter viel Kavallerie – beobachteten, gingen sie davon aus, dass es sich um das Gros von Wilhelms Truppen handelte. Lauzun überzeugte daraufhin Jakob, ihn mit dem gesamten französischen Korps und der Artillerie ebenfalls flussaufwärts zu schicken, um dort die gefährdete Flanke zu decken.

Nachdem sich die Truppen unter Meinhard von Schomberg den Übergang über den Boyne bei Rosnaree und Slane freigekämpft hatte, marschierten sie südlich des Flusses Richtung Oldbridge. Etwa auf halben Weg stießen sie auf die französischen Regimenter unter Lauzun, die ihnen hinter einer sumpfigen Niederung den Weg versperrten. Da das Gelände für einen Angriff äußerst ungünstig war, verbrachten beide Parteien die nächste Zeit weitgehend untätig.

Währenddessen hatte bei Oldbridge der eigentliche Großangriff begonnen. Nach und nach begann Schomberg seine Bataillone über den Fluss zu schicken. Zuerst kamen die niederländischen Garden, ihnen folgten die Hugenotten, dann die Veteranen der Anglo-Dutch Brigade, und schließlich setzten sich die Dänen mit acht Bataillonen Infanterie und zwei Regimentern Kavallerie in Bewegung.

Die Jakobiten wurden relativ schnell aus ihren Uferstellung gedrängt, konnten sich dann aber wieder konsolidieren. Gegenangriffe ihrer Kavallerie brachten sowohl die niederländischen Garden, wie auch die Hugenotten in schwere Bedrängnis. Um ihnen zu Hilfe zu eilen führte Friedrich von Schomberg persönlich sein Kavallerieregiment über den Fluss und fand in dem Chaos mit 74 Jahren den Tod.

Jetzt erwies es sich als fatal, dass Lauzun mit allen professionellen Regimentern abgezogen war. Nur wenige der kaum ausgebildeten und oft unzureichend bewaffneten irischen Regimenter waren bereit, professionelle Söldnerregimenter im Nahkampf anzugehen, und ihre Kavallerie wurde zunehmend schwächer, während ständig neue Bataillone über den Fluss kamen.

Während fast alle Kräfte der Jakobiten in einem verzweifelten Abwehrkampf bei Oldbridge gebunden waren, führte Wilhelm seinen linken Flügel etwas weiter flussabwärts über den Boyne. Nun bedroht abgeschnitten zu werden, begannen die Jakobiten mit dem Rückzug, dem sich dann auch die Regimenter unter Lauzun anschlossen, nachdem sie von den Ereignissen erfahren hatten. Obwohl sie von der feindlichen Kavallerie verfolgt wurden, gab es beim Rückzug relativ wenige Verluste, da das Regiment Zurlauben die Verfolger in bester Ordnung abwehrte.

König Jakob flieht ins Exil

Die Verluste waren mit 1.500 Mann alles andere als dramatisch – die Orangisten hatten nur 500 Mann verloren – und der Krieg war dadurch noch lange nicht verloren. Doch Jakob flüchtete von Dublin aus per Schiff nach Südirland und von dort direkt weiter nach Frankreich. Böse Zungen behaupteten, dass er als erster die Nachricht von seiner Niederlage nach Paris brachte. Anstatt um Hilfe zu bitten, überzeugte er Ludwig davon, dass alles verloren war. Dieser befahl daraufhin die Rückkehr der Fremdenregimenter

Die geschlagene irische Armee zog sich nach Limerick zurück und verlor nun sehr viele Leute durch Desertion. Die Iren tauchten im Land unter, aber von den gepressten Söldnern der französischen Fremdenregimenter liefen mehr als 500 zu den Orangisten über. Dort versuchte man sie natürlich sofort wieder zu rekrutieren. Doch die meisten hatten anscheinend vom Krieg genug und baten nur um ein Schiffspassage nach Deutschland. Lediglich 100 konnten von den Werbern letztlich überzeugt werden. Mit ihnen wurden vor allem die Lücken in der dänischen Brigade aufgefüllt.

Der Krieg ging dennoch über ein Jahr weiter. Die Jakobiten kämpften auch ohne ihren König und französische Hilfe. Sie schlugen sich erbittert in den blutigen Schlacht bei Aughrim im Juli 1691 und verteidigten sich in Limerick, bis ihnen bessere Bedingungen zugesagt worden waren. Nach der Kapitulation von Limerick gingen über 10.000 Mann mit 4.000 Frauen und Kindern nach Frankreich ins Exil, um dort als Söldner zu dienen.

Die „Wildgänse“ gehen ins Exil

Später bezeichnete man diesen Exodus als den „Flug der Wildgänse“, und er wurde zu einem der großen, romantischen Mythen der irischen Geschichte. Doch bei aller Sympathie für die irischen Emigranten, die in der Fremde ihre Haut zu Markte trugen, sollte man nicht vergessen, dass sie für die französischen Militärs in allererster Linie billiges Kanonenfutter waren. Man erzählte ihnen natürlich, dass sie Teil einer Exilarmee seien und eines Tages unter König Jakob triumphal nach Irland zurückkehren würden. Doch das war nie der Plan. Sie wurden verstreut an allen Fronten verheizt. Dabei erhielten sie auch nicht den besseren Sold der anderen Fremdenregimenter oder gar den der Schweizer.

1697 nach dem Frieden von Ryswick wurden die einfachen Soldaten einfach entlassen. Einige schlugen sich bis nach Spanien oder Österreich durch, wo ebenfalls irische Regimenter dienten. Die anderen bettelten, hungerten und wussten nicht wie sie ihre Familien durchbringen sollten. In den Friedensjahren wurden irische Straßenräuber deshalb zu einer echten Landplage in Frankreich. Währenddessen residierte König Jakob, für den viele noch nach seiner schmählichen Flucht tapfer gekämpft hatten, mit einer königlichen Pension in einem prächtigen Schloss in der Nähe von Paris. Erst als 1701 der spanische Erbfolgekrieg begann, hatte man wieder für die Iren Verwendung. In Italien und Katalonien trafen sie dann auf irische Regimenter im Dienst der Habsburger, was beide Seiten dazu nutzten um Überläufer zu werben.

Literatur:

Childs, John
The Williamite Wars in Ireland, 1688-91
2007

Ellis, Peter Berresford
Boyne Water: Battle of the Boyne, 1690
1976

Galster, Kjeld Hald
Danish Troops in the Williamite Army in Ireland, 1689-91: For King and Coffers
2012

Graham, D. P.
The Irish Brigade 1670 1745. The Wild Geese in French Service
2019

© Frank Westenfelder  

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert