{"id":991,"date":"2024-10-27T12:13:19","date_gmt":"2024-10-27T12:13:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=991"},"modified":"2025-01-16T10:50:06","modified_gmt":"2025-01-16T10:50:06","slug":"frauen-im-tross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/frauen-im-tross\/","title":{"rendered":"Frauen im Tross"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Mutter Courage und ihre Schwestern.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu f\u00fcr einen k\u00fcrzeren Zeitraum mobilisierten Feudalaufgeboten aus Rittern oder st\u00e4dtischen und b\u00e4uerlichen Milizen, waren Frauen in gro\u00dfer Anzahl geradezu ein Charakteristikum professioneller Heere und damit bis in die Neuzeit von S\u00f6ldnern. Sie warteten dabei nicht geduldig in irgendwelchen Garnisonen auf die R\u00fcckkehr ihrer M\u00e4nner, sondern waren gemeinsam mit diesen unterwegs, manchmal \u00fcber Jahre oder sogar Jahrzehnte. Fest vorgesehen oder gar geplant war ihre Anwesenheit allerdings nicht. Das hei\u00dft sie erhielten keinerlei Sold oder Verpflegungsrationen und mussten deshalb selbst f\u00fcr ihr Auskommen sorgen oder waren auf die Unterst\u00fctzung ihrer M\u00e4nner angewiesen, die ja oft selbst wenig genug hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"442\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-tross.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-997\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-tross.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-tross-300x147.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-tross-768x377.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frauen im Tross sind ein geradezu zeitloses Ph\u00e4nomen professioneller Heere, so dass sich ihre Funktionen und ihr Verhalten von der Antike bis ins sp\u00e4te 18. Jahrhundert kaum unterschieden haben d\u00fcrften. Mit den Massenheeren der Neuzeit vergr\u00f6\u00dfert sich der Tross enorm und gleichzeitig gibt es auch immer mehr pers\u00f6nliche Berichte von Soldaten, so dass langsam auch etwas Licht auf die bislang anonyme Masse der Heeresfolger f\u00e4llt. Dennoch lassen auch die karger Hinweise aus fr\u00fcheren Zeiten wenig Zweifel daran, dass die Rolle der Frauen relativ konstant geblieben ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Xenophon erw\u00e4hnt sie mehrfach in seinem Bericht \u00fcber den Zug der zehntausend griechischen S\u00f6ldner, die 401 v.Chr nach Persien gezogen waren. Als 1177 im Limousin eine gro\u00dfe Rotte von Brabanzonen vernichtet wurde, deren Kern Friedrich Barbarossa 11 Jahre zuvor angeworben hatte, sollen mehrere tausend Brabanzonen &#8222;beiderlei Geschlechts&#8220; erschlagen worden sein. Auch Ramon Muntaner berichtet in seiner Chronik von den Eroberungen der Gro\u00dfen Kompanie in Griechenland (1302-1310) immer wieder von Frauen, von denen viele mit ihren M\u00e4nnern anscheinend schon 1282 aus Aragon nach Sizilien gekommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Waren also einige Frauen mit ihren M\u00e4nnern bereits ganz zu Anfang losgezogen, so fand sich der Gro\u00dfteil sicher erst im Laufe der Jahre ein. Wenn S\u00f6ldner irgendwo im Quartier lagen, ergaben sich oft Beziehungen zu Frauen vor Ort. Sicher zerbrachen viele dieser Liebschaften, wieder beim Abmarsch, dennoch vergr\u00f6\u00dferten danach meistens einige Frauen als Geliebte oder als schnell Angetraute den Tross. Andere waren als erst Kriegsbeute mitgeschleppt worden und hatten ihr Schicksal schlie\u00dflich akzeptiert. M\u00f6glicherweise gab es ohnehin keinen Weg mehr zur\u00fcck, da das Dorf abgebrannt und die Familienangeh\u00f6rigen tot waren. Solche Schicksale werden zwar erst durch Untersuchungen \u00fcber moderne Kindersoldaten richtig bekannt; d\u00fcrften sich aber fr\u00fcher recht \u00e4hnlich abgespielt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu diesen Frauen, die in einem festen Verh\u00e4ltnis zu einem bestimmten S\u00f6ldner standen, kamen viele, die sich aus eigenem Antrieb eingefunden hatten. Da waren nat\u00fcrlich zuerst einmal die Prostituierten, die immer weit mehr Aufmerksamkeit erregten als es ihrer Anzahl entsprochen h\u00e4tte. Weit zahlreicher waren diejenigen, die als Marketenderinnen, Gark\u00fcchenbetreiberinnen oder einfach als W\u00e4scherinnen ihr Auskommen suchten. Eine Armee auf dem Marsch bot viele Verdienstm\u00f6glichkeiten, und wenn das Land verw\u00fcstet war, konnte der Tross zur letzten Zuflucht und \u00fcberlebenschance f\u00fcr viele werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich gab es die verschiedenen Varianten eher selten in Reinform, meistens mischten sie sich und die \u00fcberg\u00e4nge waren flie\u00dfend. So war es durchaus normal, dass Soldatenfrauen nebenher einem Gewerbe nachgingen; d. h. auch f\u00fcr andere kochten und wuschen. Bei schlecht gehendem Gesch\u00e4ft waren Marketenderinnen sicher auch als Prostituierte t\u00e4tig, und Soldaten vermieteten ihre Frauen nicht selten f\u00fcr Liebesdienste. Bei Belagerungen wurden zudem alle zu Schanzarbeiten verpflichtet wof\u00fcr sie dann wiederum einen geringen Lohn erhielten. So wird zum Beispiel in den &#8222;Taten Wilwolts von Schaumburg&#8220; \u00fcber die Belagerung von Neu\u00df berichtet, Karl der K\u00fchne &#8222;lie\u00df den profosen die gemainen weiber, der ob den viertausent im h\u00f6r waren, zu der arbeit beruefen und versameln.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frauen, die einst einem S\u00f6ldner gefolgt waren, blieben auch nach dessen Tod allein schon deshalb oft beim Heer, da sie wenige Alternativen hatten. M\u00f6glicherweise fanden sie einen neuen &#8222;Besch\u00fctzer&#8220;, oder hatten etwas Kapital um als Marketender t\u00e4tig zu werden, wenn nicht, boten sie alle m\u00f6glichen Dienste an, von waschen, kochen, Feuerholz sammeln bis hin zur Prostitution. Wenn andererseits gerade mal wieder von der Heeresf\u00fchrung versucht wurde die Zahl der Heeresfolger zu reduzieren und zumindest die freischaffenden Frauen aus dem Lager zu treiben, konnte dies zu regelrechten Massenhochzeiten f\u00fchren, bei denen dann einige hundert Prostituierte in ehrbare Soldatenfrauen umgewandelt wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"544\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/vivandiere.jpg.jpg\" alt=\"franz\u00f6sische Truppen mit Vivandiere\" class=\"wp-image-999\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/vivandiere.jpg.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/vivandiere.jpg-248x300.jpg 248w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">franz\u00f6sische Truppen mit Vivandiere<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie eng das Schicksal dieser Frauen manchmal mit der Armee verbunden war, zeigt der Bericht eines Fremdenlegion\u00e4rs, der am Ersten Carlistenkrieg (1833-39) in Spanien teilgenommen hatte. Der Legion war bereits eine gro\u00dfe Anzahl Frauen aus Frankreich gefolgt; allerdings traf man unter ihnen ebenso viele Nationalit\u00e4ten wie in der Legion selbst. In Spanien kamen nun jede Menge Spanierinnen hinzu. Die Kommandeure versuchten zumindest die Neuzug\u00e4nge \u00f6fters zu verjagen um den Tross zu verkleinern, aber die L\u00fccken wurden schnell wieder geschlossen. Als die Fremdenlegion dann ein v\u00f6llig disziplinloses franz\u00f6sisches Freikorps aufl\u00f6ste, wurden dessen Marketenderinnen zum Teil einfach \u00fcbernommen. Die \u00e4lteste von diesen &#8211; die alte m\u00e8re Michele &#8211; war schon mit Napoleons Grande Arm\u00e9e in Ru\u00dfland gewesen und hatte 1823 den Feldzug nach Spanien mitgemacht. Ihr Mann war bei Leipzig gefallen und ihre drei S\u00f6hne in Spanien. Sie selbst war mehrfach verwundet worden, soff und fluchte wie ein Legion\u00e4r, schleppte Verwundete und &#8222;schoss auch vorne tapfer mit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Beispiel der alten m\u00e8re Michele wird aber noch etwas anderes deutlich, bei den Frauen im Tross handelte es sich so gut wie nie um zarte, h\u00fcbsche Gesch\u00f6pfe, wie sie manchmal in Filmen vorgef\u00fchrt werden. Abgeh\u00e4rtet und dreckig trugen sie auf dem Marsch Lasten von bis zu 60 Pfund: Kleinkinder, Essen, Kleider, Pfannen, Bettzeug, Zelt und was sonst irgendwie von Wert war. Zeitzeugen verglichen sie manchmal mit Maultieren, und \u00e4hnlich schlecht wurden sie meistens behandelt; Schl\u00e4ge waren an der Tagesordnung, wovon zahlreiche blaue Augen Zeugnis ablegten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die Frauen oft als Sexualpartnerinnen dienten, worauf schon die zahlreichen Tross- und Lagerkinder verweisen, so waren sie doch in allererster Linie Arbeitstiere. Soldaten tendieren zur Faulheit, vor allem wenn sie im Krieg der Meinung sind allein schon durch ihre Bereitschaft zum Kampf das Wichtigste auf sich genommen zu haben. Dieser Einstellung zum Trotz gab es im Feldlager und auf dem Marsch zahlreiche m\u00fchselige und \u00e4u\u00dferst zeitaufwendige Arbeiten. Man musste Kleider und Waffen in Ordnung halten, das Lager aufschlagen, und schlie\u00dflich das Essen zubereiten. Dazu musste man Fleisch kochen, Getreide mahlen, Brot backen, Holz und Wasser holen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kriegsleute hatten sich mit diesen Arbeiten noch nie gerne abgegeben. Griechische Hopliten zogen mit mindestens einem Sklaven ins Feld, Ritter hatten stets Knappen und Diener, und auch einfache S\u00f6ldner hatten, wenn sie es sich nur irgendwie leisten konnten, zumindest einen Jungen. Wahrscheinlich waren Frauen einfach die billigste L\u00f6sung, da sie nicht nur kr\u00e4ftiger und damit bessere &#8222;Lasttiere&#8220; als Jungen waren, sondern auch durch ihre Arbeitskraft wesentlich zur Ern\u00e4hrung beitrugen. So arbeiteten sie nat\u00fcrlich f\u00fcr geringe Betr\u00e4ge auch f\u00fcr andere S\u00f6ldner, erhielten manchmal sogar Sold f\u00fcr Schanzarbeiten und durchstreiften das Land nach Essbarem. Grimmelshausen berichtet, dass die Frauen im Wald nach Schnecken und Kr\u00e4utern suchten, um damit die kargen Rationen aufzubessern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"515\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknecht_frau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-995\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknecht_frau.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknecht_frau-233x300.jpg 233w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frauen transportierten und organisierten aber nicht nur den Haushalt, sie bewachten auch den kargen Besitz, halfen beim Pl\u00fcndern und anschlie\u00dfendem Verkauf der Beute, und pflegten die S\u00f6ldner bei Verwundung und Krankheit. In Zeiten als ein Gro\u00dfteil der Heere noch Krankheiten und Seuchen zum Opfer fiel und sich die offizielle medizinische Versorgung auf einen gelegentlichen Feldscher beschr\u00e4nkte, war eine f\u00fcrsorgende Frau oft lebensrettend. Ganz besonders, da man davon ausgehen kann, dass gerade die Veteraninnen wahrscheinlich mehr Kenntnisse als die ber\u00fcchtigten Feldschere hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit erledigten die Frauen also im Bereich Transport, Versorgung, Gesundheit und noch einigem mehr \u00e4u\u00dferst wichtige Aufgaben, die erst in modernen Armeen vom Milit\u00e4r selbst \u00fcbernommen wurden. Deshalb waren auch alle Versuche von Heerf\u00fchrern den l\u00e4stigen Tross zu verkleinern, von vorneweg zum Scheitern verurteilt. Nat\u00fcrlich fehlte es nicht an solchen Versuchen. Der Tross war unglaublich langsam und schwerf\u00e4llig, manchmal dauerte es Tage bis die zahllosen Wagen, Handkarren, Lasttiere oder einfach die Menschen zu Fu\u00df eine Furt \u00fcberquert hatten. H\u00e4ufig kam es zu Ausschweifungen und Streit, und nicht zuletzt ben\u00f6tigte man zus\u00e4tzliche Truppen zum Schutz, da der Tross ein beliebtes Objekt feindlicher \u00fcberf\u00e4lle war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tross und Frauen im Heer hatte es wie gesagt schon immer gegeben. Auch an den Kreuzz\u00fcgen hatten sich viele Nichtkombattanten beteiligt, H\u00e4ndler und Prostituierte waren mitgezogen, und nicht wenige Adlige hatten ihre Ehefrauen mitgenommen ganz zu schweigen vom entsprechenden Dienstpersonal. Mit dem Aufkommen der Massenheere in der Fr\u00fchen Neuzeit erreichte der Tross jedoch v\u00f6llig neue Dimensionen. Schon der ber\u00fchmten Schwarzen Garde sollen bei einer Kampfst\u00e4rke von 5.000 Mann 1.000 Wagen, Karren und Schlitten gefolgt sein. Das kaiserliche Heer bestand am Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges aus 40.000 Mann dazu geh\u00f6rten aber noch einmal 140.000 Menschen im Tross.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein deutscher Feldherr schrieb 1615: &#8222;Wan man heutiges Tages ein Regiment Teutsches Kriegsvolck wirbt \/ hastu dreytausend Mann \/ so wirstu gewi\u00df vier tausend Huren vnd Jungen finden \/ vnd das abgefeimte leichtlosest Gesindlein \/ was nirgends in Landen vnd Staetten bleiben will \/das laufft dem Krieg zu \/ ist alles gut genug. Da hoeret man vnter demselbigen Gesindlein solches fluchen \/ schweren \/ zotten \/ mausen \/ packen \/ stehlen \/ pluendern \/ Haeuser vnd Kisten fegen \/ vnd andere leichtfertige \/ lose \/ boese Haendel \/ davon vor unsern Zeiten \/ so es ein heidnischer Kriegsmann hette gsehen \/ solte er erstarret seyn.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"396\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/callot_tross.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1001\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/callot_tross.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/callot_tross-300x132.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/callot_tross-768x338.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Frauen und Kinder im Tross<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem allgemeinen Sittenverfall klagt der Autor vor allem \u00fcber das pl\u00fcndern und kommt damit zweifelsohne zu einem zentralen Problem. Wenn die Heeresfolger nicht gerade f\u00fcr Schanzarbeiten oder andere als eines Kriegsmannes unw\u00fcrdige Arbeiten ben\u00f6tigt wurden, erhielten sie weder Sold noch Verpflegungsrationen. Das hei\u00dft, sie waren noch in weit gr\u00f6\u00dferem Ma\u00df als S\u00f6ldner auf Pl\u00fcnderungen angewiesen und dabei sicher mit vielem zufrieden, was andere verschm\u00e4hten. Es waren die Heeresfolger, die auf den Schlachtfeldern die Toten bis auf die nackte Haut auszogen und die in eroberten St\u00e4dten absolut nichts zur\u00fccklie\u00dfen. Nat\u00fcrlich wurde im Tross auch bei Gelegenheit gefeiert und geprasst, dennoch war er gerade in langen Kriegen oft mehr ein Ort des Elends. Wenn den Truppen die kargen Rationen gek\u00fcrzt wurden, gab es f\u00fcr die Frauen und die anderen Trossangeh\u00f6rigen schon lange nichts mehr. Wenn irgendein Landstrich den Durchzug einer Armee \u00fcberstanden hatte, dann gaben ihm oft die Heeresfolger den Rest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die europ\u00e4ischen Staaten im sp\u00e4ten 17. Jahrhundert damit begannen Kriege auf etwas rationalere Weise zu organisieren, um die damit verbundenen wirtschaftlichen Sch\u00e4den zu begrenzen, r\u00fcckte nat\u00fcrlich auch der Tross als anarchisches Relikt aus finsteren Landsknechtszeiten ins Visier der Reformer. Dies war allerdings nur m\u00f6glich, da die staatliche Organisation inzwischen so weit fortgeschritten war, dass sie selbst nach und nach viele der Aufgaben, die man vorher einfach freien Unternehmern oder sich selbst \u00fcberlassen hatte, \u00fcbernehmen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorbildlich wurde Frankreich, dessen Heeresreformen schlie\u00dflich von allen europ\u00e4ischen M\u00e4chten \u00fcbernommen wurden. Bereits unter Kardinal Richelieu war damit begonnen worden, die Soldaten regelm\u00e4\u00dfig mit Brot als Grundnahrungsmittel zu versorgen, wodurch die umst\u00e4ndliche Arbeit des Backens entfiel. Unter Ludwig XIV. entstand schlie\u00dflich ein regelrechtes Netz aus Magazinen, zentralen B\u00e4ckereien und Transportkolonnen. Die Soldaten wurden nun mit Waffen, Stiefeln und Uniformen ausger\u00fcstet, die am besten zuvor in staatlichen Manufakturen produziert worden waren. Gleichzeitig begann man mit dem Bau von Kasernen, in denen die Truppen konstanter Kontrolle unterworfen waren. Eine absolute Novit\u00e4t war die Errichtung von Lazaretten und die Anf\u00e4nge einer medizinischen Versorgung. Besonders spektakul\u00e4r war die Errichtung des &#8222;H\u00f4tel des Invalides&#8220; 1674 in Paris, in dem schlie\u00dflich 9.000 Veteranen unterkamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die ersten Kasernen meist feuchte und finstere L\u00f6cher waren, in denen weiterhin manchmal Soldaten verhungerten, so ging der Prozess doch in eine bestimmte Richtung. Das selbstst\u00e4ndige Unternehmertum wurde zunehmend ausgeschaltet und von staatlichen Monopolen \u00fcbernommen. Die S\u00f6ldner wurden nur noch selten f\u00fcr einzelne Feldz\u00fcge geworben, sondern konstant unter Waffen gehalten und kontrolliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter diesen Umst\u00e4nden wurde die Zahl der Heeresfolger und dies hie\u00df vor allem die der Frau schlie\u00dflich drastisch eingeschr\u00e4nkt. Eheschlie\u00dfungen wurden meistens nur noch Offizieren und Unteroffizieren erlaubt, Prostituierte nach M\u00f6glichkeit verjagt und manchmal \u00e4u\u00dferst drastisch bestraft. Gern gesehen waren dagegen genehmigte Soldatenfrauen, die nebenher als W\u00e4scherinnen, N\u00e4herinnen oder Krankenpflegerinnen arbeiteten. Ebenfalls erlaubt waren Kleinh\u00e4ndler, die so genannten &#8222;vivandi\u00e8re&#8220;, die die Soldaten vor allem mit Alkohol und dem neu in Mode gekommene Tabak versorgten. In diesem Gewerbe waren zwar auch M\u00e4nner t\u00e4tig, trotzdem wurde es vorwiegend von Frauen ausge\u00fcbt. 1653 wurde ihre Anzahl auf 4 pro Regiment verkleinert. Man sch\u00e4tzt, dass in den 1770er Jahren schlie\u00dflich nur noch ca. 20 Frauen auf ein Bataillon kamen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"336\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tote_marketenderin.jpg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1004\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tote_marketenderin.jpg.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tote_marketenderin.jpg-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">tote Marketenderin in Russland<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sich \u00e4hnliche Vorschriften in allen europ\u00e4ischen Armeen durchsetzten, wurden Frauen und Kinder zu einer kleinen Randgruppe, waren jedoch nach wie vor \u00fcberall pr\u00e4sent. Sobald jedoch die Kontrolle etwas nachlie\u00df, nahm ihre Zahl meistens schnell wieder zu. So waren den \u00e4u\u00dferst disziplinierten Hessen beim Transport nach Amerika zwar nur sechs Frauen pro Kompanie erlaubt, dennoch d\u00fcrften es in Realit\u00e4t einige mehr gewesen sein und in Amerika kamen dann noch viele Einheimische hinzu. Schlie\u00dflich wurden in den Feldlagern sogar Schulen eingerichtet, da genug Kinder vorhanden waren. Relativ gro\u00dfz\u00fcgig war auch Napoleon, dessen Armeen st\u00e4ndig von zahlreichen Frauen begleitet wurden. Viele von ihnen starben beim R\u00fcckzug von Moskau, und einige folgten ihren M\u00e4nnern sogar auf die spanische Gefangeneninseln Cabrera.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den nationalen Armeen des 19. Jahrhunderts wurden Frauen dann zunehmend zu Ausnahmen. Es gab zwar immer noch Offiziere und Unteroffiziere, deren Frauen in den Garnisonen wohnten, in den Krieg folgten sie ihren M\u00e4nnern aber nur noch ganz selten. Wie bei den S\u00f6ldnern selbst erwiesen sich aber auch f\u00fcr die Frauen die Kolonien als eine Art letztes Refugium.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits viele der europ\u00e4ische S\u00f6ldner der VOC in Asien hatten mit einheimischen Frauen zusammengelebt. Daran \u00e4nderte sich auch im 19. Jahrhundert wenig. Die Kolonialverwaltung duldete diese Konkubinate; normalerweise erhielten die Frauen sogar Reisrationen und begleiten die S\u00f6ldner auf den Kriegsz\u00fcgen, wo sie dann sogar an der Beute beteiligt waren. Ein deutscher Arzt, der in den 1870er Jahren in Indonesien diente, schrieb dazu, die S\u00f6ldner seien dadurch &#8222;weniger Liebeskrankheiten, Excessen und Masturbation ausgesetzt&#8220;, Die Frauen erledigten alle anfallenden Arbeiten im Haushalt und seien ihren M\u00e4nnern &#8222;ein Lasttier auf Reisen&#8220;. Anscheinend hatte sich dort seit den Tagen der Landsknechte zumindest an der Rolle der Frauen nicht so viel ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"312\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/askari_frauen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1003\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/askari_frauen.jpg 320w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/askari_frauen-300x293.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Frauen von Askaris<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Afrika wurden einheimische S\u00f6ldner manchmal sogar zusammen mit ihren Frauen rekrutiert, da diese als gute Tr\u00e4gerinnen gesch\u00e4tzt wurden und allgemein zur Stabilisierung der Verh\u00e4ltnisse beitrugen. Bei Feldz\u00fcgen z\u00e4hlten Frauen zur beliebtesten Beute, die normalerweise im Besitz der S\u00f6ldner blieb, auch wenn die Sklaverei l\u00e4ngst abgeschafft war. In K\u00f6nig Leopolds Kongokolonie unterschieden sich die Kolonnen der Force Publique lange nur wenig von denen der Sklavenj\u00e4ger, die sie angeblich bek\u00e4mpften. Und als 1918 die deutschen Kolonialtruppen unter Lettow-Vorbeck kapitulierten, schrieb ein britischer Beobachter: &#8222;Eine lange bunt zusammengew\u00fcrfelte Kolonne, Europ\u00e4er und Askaris, alles Veteranen von hunderten von K\u00e4mpfen [&#8230;], Frauen, die durch all diese entbehrungsreichen Jahre fest bei ihren M\u00e4nnern geblieben waren, trugen gewaltige Lasten, einige hatten sogar Kinder, die w\u00e4hrend des Feldzuges geboren waren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Katanga-Gendarmen, die in den 1960er Jahren gemeinsam mit wei\u00dfen S\u00f6ldnern wesentlich an den K\u00e4mpfen im Kongo beteiligt waren, zogen sich nach ihrer Niederlage mit Frauen und Kindern nach Angola zur\u00fcck, wo sie \u00fcber Jahrzehnte S\u00f6ldnerdienste f\u00fcr verschiedene Seiten leisteten. Nach dem Ende des Krieges in Angola, mussten viele der einheimischen Verb\u00fcndeten S\u00fcdafrikas ins Exil gehen. Die s\u00fcdafrikanische Regierung siedelte sie mit Familien in der asbestverseuchten Kleinstadt Pomfret an, wo dann S\u00f6ldnerfirmen wie Executive-Outcomes und andere ihr Personal rekrutierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies m\u00f6gen heutzutage zwar exotische Randerscheinungen sein, dennoch sollte man nicht denken, dass solche Ereignisse in einer modernen Welt keinen Platz mehr haben. Nach wie vor versuchen Staaten und Konzerne mit Hilfe ethnische Minderheiten in Konflikte einzugreifen und dabei das eigene Personal zu schonen. Die Frage ist nur, was passiert, wenn die Sache schlecht ausgeht. Zuletzt passierte dies nach dem Vietnamkrieg als tausende so genannter Montagnards, die als S\u00f6ldner f\u00fcr die Amerikaner gek\u00e4mpft hatten, mit Frauen und Kindern in die USA kamen. In den schmutzigen Kriegen um Coltan und andere Rohstoffe in Zentralafrika kommen immer wieder Milizen zum Einsatz, die aus Emigranten der Nachbarl\u00e4nder gebildet werden, u.a. schickte Angola 1997 die Reste der alten Katanga-Gendarmen. Die Lager und famili\u00e4ren Situationen dieser Leute erinnern nicht ohne Grund an Szenen aus dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mutter Courage und ihre Schwestern.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":994,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[94,8],"tags":[99,100],"class_list":["post-991","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archetypen","category-artikel","tag-frauen","tag-versorgung"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Frauen im Tross - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/frauen-im-tross\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Frauen im Tross - 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