{"id":727,"date":"2024-10-16T09:32:18","date_gmt":"2024-10-16T09:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=727"},"modified":"2025-01-16T14:04:07","modified_gmt":"2025-01-16T14:04:07","slug":"die-hugenottenkriege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-hugenottenkriege\/","title":{"rendered":"Die Hugenottenkriege"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Das Grab des deutschen Adels.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in allen Religionskriegen, die Europa von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges ersch\u00fctterten, ging es auch in den Hugenottenkriegen in Frankreich (1562-1598) nur vordergr\u00fcndig um die richtige Konfession. Viel mehr k\u00e4mpfte der Adel um seine st\u00e4ndischen Freiheiten und Privilegien gegen den Ausbau der zentralistischen Landesherrschaft. Vor allen Dingen fanden sich aber immer neue Koalitionspartner, um die \u00fcberm\u00e4chtige Dominanz des habsburgischen Spaniens zu brechen. Die Auseinandersetzung konzentrierte sich lange auf die Niederlande, wo die n\u00f6rdlichen Provinzen in ihrem achtzigj\u00e4hrigen Freiheitskampf (1568-1648) schlie\u00dflich ihre Unabh\u00e4ngigkeit erreichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die franz\u00f6sischen K\u00f6nige verst\u00e4ndlicherweise so ihre Probleme mit der katholisch-spanischen Allianz hatten, und die Hugenotten nur \u00fcber sehr begrenzte Ressourcen verf\u00fcgten, waren die Hugenottenkriege immer eine Art Nebenkriegsschauplatz. Wenn es ihre M\u00f6glichkeiten erlaubten schickten die Niederl\u00e4nder und K\u00f6nigin Elisabeth von England den Hugenotten Geld und manchmal sogar Truppen, um dadurch die Spanier dazu zu zwingen ihre Kr\u00e4fte zu teilen und von wichtigeren Zielen abzuziehen. Die Art des von ausl\u00e4ndischen M\u00e4chten sporadisch alimentierten Stellvertreterkrieges f\u00fchrte nicht nur dazu, dass die Hugenottenkriege in eine ganze Reihe zeitlich begrenzter Konflikte zerfielen, sondern auch unglaublich schlecht finanziert waren. Jede Partei nutzte die oft nur versprochenen Hilfsgelder um m\u00f6glichst viele Truppen zu werben, mit denen dann eine schnelle Entscheidung erzwungen werden sollte. Da Erfolg und Sold regelm\u00e4\u00dfig ausblieben, begannen die S\u00f6ldner zu pl\u00fcndern, so dass viele gro\u00dfe Unternehmungen bald zu reinen Raubz\u00fcgen degenerierten. Hier kam dann noch der Fanatismus des Religionskrieges verst\u00e4rkend hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die franz\u00f6sische Armee bestand bereits vor dem Ausbruch der K\u00e4mpfe zu guten Teilen aus fremden S\u00f6ldnern. So veranschlagt eine Spezialstudie ihren Anteil bei der gro\u00dfen Heerschau 1558 in der Picardie mit 70%. Das R\u00fcckgrat des Heeres bildeten zwar immer noch die schweren gepanzerten Lanzenreiter, die Gendarmes der alten Ordonanzkompanien; die Infanterie war dagegen v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigt worden und absolut kein Gegner f\u00fcr Schweizer oder Landsknechte, die deshalb hier die gro\u00dfe Masse stellten. Aber auch die Gendarmes reichten l\u00e4ngst nicht mehr, um die Aufgaben der Kavallerie zu erf\u00fcllen. Aus diesem Grund wurden haupts\u00e4chlich die so genannten Schwarzen Reiter, die &#8222;Reitres&#8220;, in deutschen F\u00fcrstent\u00fcmern geworben, die dann auch die Mehrheit der Kavallerie bildeten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"380\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/armee-pflalzgraf.jpg\" alt=\"Truppen des Pfalzgrafen Johann Kasimir\" class=\"wp-image-730\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/armee-pflalzgraf.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/armee-pflalzgraf-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Hugenottenkriege wurde dieser Trend weiter verst\u00e4rkt. Die k\u00f6niglich-katholische Partei verzichtete zwar sehr schnell auf den Einsatz von Landsknechten zu Gunsten der Schweizer, da sich diese als weit \u00fcberlegen erwiesen hatten, und erhielt auch spanische Infanterie aus Flandern. Den Hugenotten blieb dagegen lange keine Alternative zu den Landsknechten. Manchmal erhielten sie zwar auch kleinere Kontingente aus England, doch meistens beschr\u00e4nkte sich Elisabeth darauf mit ihrem Geld die Werbung deutscher S\u00f6ldner zu finanzieren. Immer wichtiger wurden jedoch f\u00fcr beide Parteien die Schwarzen Reiter, die mit ihrem disziplinierten Pistolenfeuer nicht nur Schlacht entscheidend sein konnten, sondern auch f\u00fcr weiten Truppenman\u00f6ver und Beutez\u00fcge ideal geeignet waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Voraussetzungen f\u00fcr die Werbung waren hervorragend. Da sich die deutschen Lande in der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts einer langen Periode relativen Friedens erfreuten und der Adel weiterhin \u00f6konomisch in der Krise steckte, bestand an Freiwilligen kein Mangel. Obwohl die protestantischen Kurf\u00fcrsten gegen\u00fcber den Hugenotten auf Neutralit\u00e4t bedacht waren, um den Frieden im Reich nicht zu gef\u00e4hrden, gab es doch gen\u00fcgend kleinere F\u00fcrsten und Adlige, die sogar bereit waren auf eigene Kosten Truppen aufzustellen, um ihren Glaubensbr\u00fcdern zu helfen. Nat\u00fcrlich sollten sich diese Investitionen sp\u00e4ter lohnen, und ohnehin reichten sie bestenfalls bis zur ersten Musterung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Provisorische dieser Aktionen wird dadurch unterstrichen, dass es in den insgesamt acht Hugenottenkriegen lediglich zu sechs gr\u00f6\u00dferen Schlachten kam. Wesentlich charakteristischer sind dagegen die ungez\u00e4hlten Scharm\u00fctzel, Belagerungen, Raubz\u00fcge und \u00dcberf\u00e4lle. Und immer wieder f\u00fchrten deutsche Adlige wie die Grafen von Nassau, Wolfgang von Zweibr\u00fccken, Fabian von Dohna, der Pfalzgraf Johann Kasimir oder Christian von Anhalt neue Heere aus Reitern und Landsknechten nach Frankreich. Die blutigen Schlachten aber viel mehr noch Kleinkriege, Hinterhalte, Streitereien im Lager, Hunger und Seuchen forderten ihren Tribut. Bald bezeichnete man deshalb Frankreich auch als das &#8222;Grab des deutschen Adels&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00f6chten nun zwei dieser Feldz\u00fcge etwas genauer betrachten; den von 1587 unter Fabian von Dohna und den von 1591 unter Christian von Anhalt. Sie vermitteln nicht nur ein eindrucksvolles Bild von den Hugenottenkriegen und der im Gegensatz zur &#8222;gro\u00dfen Landsknechtszeit&#8220; weniger bekannten Kriegsf\u00fchrung im sp\u00e4ten 16. Jahrhundert, sondern geben durch die pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen Dohnas auch einen Einblick in die Welt der kleineren Adligen, die ihr Gl\u00fcck in der Fremde suchten und dann bei den ber\u00fcchtigten schwarzen Reitern landeten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabian von Dohna stammte aus einer alten brandenburgischen Adelsfamilie und wurde 1550 in Stuhm geboren. Nach dem fr\u00fchen Tod der Eltern \u00fcbernahm Fabians \u00e4ltester Bruder Achatius die Verwaltung der Familieng\u00fcter. Die drei anderen S\u00f6hne suchten wie viele Adlige Kriegsdienst im Ausland. Heinrich fiel auf polnischer Seite 1562 in den livl\u00e4ndischen Kriegen, Abraham kam aus den Hugenottenkriegen krank nach Hause und starb, Hans verletzte sich t\u00f6dlich bei einem Jagdunfall in Holstein und Friedrich ertrank in D\u00e4nemark. Fabian der j\u00fcngste kam unter die Vormundschaft von Achatius. Dieser schickte ihn an den Hof des Markgrafen von Brandenburg, und dann zum Studium nach Stra\u00dfburg. Dort sa\u00df er mit seinen 14 Jahren mit einigen anderen S\u00f6hnen des m\u00e4rkischen Adels. Zu Hause hatte man sie mit einem Diener und gutem Zehrgeld ausgestattet und war froh sie f\u00fcr einige Jahre los zu sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"508\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schwemme.jpg.jpg\" alt=\"In der &quot;Schwemme&quot;\" class=\"wp-image-733\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schwemme.jpg.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schwemme.jpg-266x300.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Aufsicht lie\u00df der Lerneifer nat\u00fcrlich bald nach, daf\u00fcr wurde das Geld um so schneller ausgegeben. Dohna klagte sp\u00e4ter, dass er in &#8222;b\u00f6se Gesellschaft&#8220; geraten sei &#8222;und mit dem Gelde, das ich aus Unverstand mehr, als aus Mutwillen verzehret, hette man drey praeceptores unterhalten k\u00f6nnen.&#8220; Als die Studenten wegen der Pest von Stra\u00dfburg f\u00fcr einige Monate nach Frankfurt wechselten, geriet er &#8222;vollends gar in die Schwemme und in ein w\u00fcstes Leben.&#8220; Mehrmals musste er seinem Bruder schreiben und um mehr Geld bitten. Trotzdem hinterlie\u00df er in Stra\u00dfburg eine Menge Schulden und f\u00fcrchtete den Zorn des Bruders. Der musste jedoch erst einem wichtigeren Problem nachgehen: Ihm war zu Ohren gekommen, dass Fabian &#8222;ein Weib genommen&#8220; habe. Es ist unklar, ob Fabian das Ger\u00fccht entkr\u00e4ften konnte, oder ob man die Sache mit Geld aus der Welt schaffen konnte. Jedenfalls hielt es Achatius f\u00fcr angebracht den Tunichtgut nach Italien abzuschieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Italien traf er wieder auf eine Reihe junger deutscher Adliger. Sie besuchten Neapel, Florenz und Rom, feierten mit Musik und Wein. Bald musste er zur\u00fcck in Heimat, um Geld zu holen. Doch als auch das aufgebraucht war, blieb ihm nichts anderes \u00fcbrig, als dem sch\u00f6nen Land endg\u00fcltig Lebewohl zu sagen. &#8222;Daheimen musst ich ein Zeitlang verharren mit mechtigem grossen Verdruss. Dieweil ich aber kein Geld hatte, wu\u00dfte auch keines aufzubringen, mu\u00dfte ich Patienz haben, dann die Zeit der arrenda meiner G\u00fcter war noch nicht aus, und das Geld, dessen nicht viel war, war schon verthan.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er war jetzt Mitte Zwanzig, konnte italienisch, franz\u00f6sisch und etwas Latein, litt an chronischem Geldmangel und Langeweile. Er wollte reisen und etwas erleben. Viele seiner Alters- und Standesgenossen waren in einer \u00e4hnlichen Situation. Ein Krieg erschien da als L\u00f6sung aller Probleme. Doch Kriege waren nicht immer so einfach zu finden. Als er endlich von einem geplanten Zug in die Niederlande h\u00f6rte, lieh er sich von seinem Bruder Geld und machte sich mit vier Pferden auf den Weg. Aber der Krieg in den Niederlanden erwies sich schnell als leeres Ger\u00fccht. Dohna h\u00f6rte von einem anderen Kriegszug, den der Pfalzgraf Johann Kasimir nach Frankreich plane. Er zog nach Frankfurt und kn\u00fcpfte Kontakte. Am Hof des Pfalzgrafen wurde zwar flei\u00dfig konspiriert aber das Geld reichte nicht. W\u00e4hrenddessen lag Dohna mit Pferden und Gesinde in Frankfurt und machte Schulden. Bald war er so weit &#8222;alles zu Gelde zu machen, und den Rhein hinab zu fahren und mich unter die Landsknechte zu mischen.&#8220; Aber man machte ihm Hoffnungen auf einen neuen Feldzug nach Frankreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Endlich war es so weit. Man befahl Reiter und Landsknechte nach Zutphen zur Musterung. Dort fanden sich dann 6.000 Reiter und 10 F\u00e4hnlein Landsknechte zusammen. Aber der Sold lie\u00df auf sich warten. Dohna war inzwischen in das engere Gefolge des Pfalzgrafen aufger\u00fcckt, so dass in Courtray wenigstens gut f\u00fcr sein leibliches Wohl gesorgt wurde. Das einfache Kriegsvolk war da schon schlechter dran; es lebte vom Ersparten, machte Schulden und pl\u00fcnderte im Umland. Als der Pfalzgraf nach England reiste, um bei K\u00f6nigin Elisabeth Geld loszueisen, kam es zur Meuterei. Die Spanier hatten die protestantische Armee von Anfang an mit Misstrauen be\u00e4ugt und Werber ins Lager geschickt. Nach der Abreise des Pfalzgrafen lie\u00dfen sich viele Reiter und Landsknechte von ihnen abwerben oder zur Heimkehr bewegen, und in kurzer Zeit l\u00f6ste sich das Heer von selbst auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ihn aber zu Hause nichts erwartete, blieb Dohna am Hof des Pfalzgrafen &#8222;zwar nicht mit stattlicher Besoldung, (dann er vermocht es nicht) aber sonsten gehalten, nicht wie ein Diener.&#8220; Nach und nach wurde er dort zum Kenner der protestantischen Diplomatie: Verhandlungen mit hugenottischen Abgesandten und deutschen F\u00fcrsten, Besuche von Land- und Reichstagen und immer wieder Versuche Geld f\u00fcr einen neuen Krieg aufzutreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischendurch lie\u00df er sich einmal von seinem Bruder Achatius dazu \u00fcberreden, sich an den livl\u00e4ndischen Kriegen des polnischen K\u00f6nigs Stephan Bathory zu beteiligen. Bei der langwierigen Belagerung von Pleskau (Pskow) lernte Dohna dann erstmals den Krieg kennen. Er beobachtete den Einsatz der Artillerie, das Vorantreiben von Laufgr\u00e4ben und beteiligte sich am Sturm auf die Breschen. Noch mehr lernte er beim Kleinkrieg im Hinterland und durch die Beobachtung der internationalen Mischung im Feldlager. Dort befanden sich neben Polen, Ungarn und Kosaken auch zahlreiche deutsche und schottische S\u00f6ldner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pskow konnte nicht genommen werden. In dem armen Land gab es nicht viel zu pl\u00fcndern und Bathory zahlte nur unregelm\u00e4\u00dfig. Letztendlich lag Dohna in Riga und machte wieder Schulden. Denn er musste nicht nur sich selbst versorgen, sondern auch sein pers\u00f6nliches Gefolge. Das wurde teuer. &#8222;Ich schickte all mein Gesinde von mir; denn sie hetten mich zum Bettler gefressen&#8220;, schreibt er. Ein vorl\u00e4ufiger Frieden entband ihn dann seiner Verpflichtungen und er kehrte wieder an den Hof des Pfalzgrafen zur\u00fcck, nicht ohne seinem Bruder vorher heftige Vorhaltungen gemacht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"387\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/lk-tross.jpg\" alt=\"Landsknechte mit Tross auf dem Marsch\" class=\"wp-image-735\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/lk-tross.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/lk-tross-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgesehen von einer kurzen Episode im K\u00f6lner Krieg verbrachte er Jahre am Hofe und mit der Verwaltung seiner G\u00fcter, bis 1587 endlich die Aufstellung eines gro\u00dfen Heeres zur Unterst\u00fctzung der Hugenotten beschlossen wurde. Einige protestantische F\u00fcrsten aber vor allem die K\u00f6nigin von England hatten Geld gegeben, um diesen Feldzug auf den Weg zu bringen. Man versammelte 6.000 Reiter, ein Regiment Landsknechte und drei Regimenter Schweizer. Im Elsass stie\u00dfen dann noch Truppen der Hugenotten dazu. Dohna wurde dem franz\u00f6sischen Oberbefehlshaber als Vertreter der Deutschen an die Seite gegeben, da er das uneingeschr\u00e4nkte Vertrauen des Pfalzgrafen besa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Anfang an war der Feldzug schlecht geplant. Deutsche und Franzosen lagen st\u00e4ndig im Streit \u00fcber die Ziele; Regen verwandelte die Wege in Morast; der Nachschub blieb aus, und Sold gab es sowieso keinen. Langsam und pl\u00fcndernd bewegte sich das Heer durch das Elsass und durch Lothringen. Katholische Reiter unter dem Herzog von Guise folgten dem Tross und machten Nachz\u00fcgler und einzelne Streifscharen nieder. Die Katholiken verhandelten mit den unzufriedenen Schweizern und konnten sie mit einer Zahlung zum Abzug bewegen. Kaum waren die Schweizer weg, wurde das Heer von Guises Reitern bei Chartres \u00fcberfallen. Neben vielen Landsknechten und Reitern ging dabei der ganze Tross verloren. Danach begann der R\u00fcckzug. St\u00e4ndig verfolgt von Guises Reitern schleppte sich das Heer entlang der Loire nach Burgund. N\u00e4sse, Hunger und Seuchen waren st\u00e4ndige Begleiter. Kranke und Verwundete mussten zur\u00fcckgelassen werden und wurden von der ausgepl\u00fcnderten Bev\u00f6lkerung oder Guises Reitern massakriert. Schlie\u00dflich boten nur noch Verhandlungen einen Ausweg. Die Katholiken erlaubtem dem immer noch gef\u00fcrchteten Gegner freien Abzug. So dass Dohna schlie\u00dflich mit 2.000 Mann Genf erreichte. Das war der erb\u00e4rmliche Rest des einst stolzen Heeres von \u00fcber 30.000.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch diese Katastrophe tat dem Zustrom an S\u00f6ldnern nach Frankreich keinen Abbruch. Kleine Gruppen folgten st\u00e4ndig den Werbern oder zogen selbst\u00e4ndig \u00fcber die Grenze. Zu einem gro\u00dfen Feldzug kam es erst wieder 1591 unter der F\u00fchrung von Christian von Anhalt, als nach langwierigen Versuchen das notwendigste Geld zusammen gekommen war. Unter den vielen adligen Hauptleuten befand sich auch Dohna. Dieses Mal pl\u00fcnderten und brannten die Reiter schon beim Anmarsch durch die protestantischen Gebiete des Reichs. Da noch kein Sold ausbezahlt worden war, blieben auch die Abwerbeversuche katholischer Agenten nicht ohne Erfolg. Das einzige Mittel, um die z\u00fcgellosen Gewaltt\u00e4tigkeiten und Desertionen einzud\u00e4mmen, w\u00e4re die Musterung gewesen. Erst mit dem ersten Sold und dem Fahneneid begann die Befehlsgewalt. Aber diesen Termin wollten die Auftraggeber nat\u00fcrlich m\u00f6glichst weit hinausschieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">St\u00e4ndig fanden sich mehr S\u00f6ldner im Gebiet von Mainz ein und wurden zu einer immer gr\u00f6\u00dferen Plage f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Am Tag der Musterung z\u00e4hlte man 5.500 Reiter, 6.000 Landsknechte, 3.000 Wallonen und \u00fcber 1.000 Schanzgr\u00e4ber; dazu kam die Artillerie und ein riesiger Tross. Eine endlose Karawane von Planwagen, kleinen Karren, Maultieren, Packpferden und schwer beladenen Fu\u00dfg\u00e4ngern folgte dem Heer. Invaliden und Vagabunden schlossen sich dem Tross an, um durch Betteln ihr armseliges Leben zu fristen oder am Rande der Heerstra\u00dfen selbst etwas Beute zu machen. Da f\u00fcr die Heeresfolger keine Verpflegung geliefert wurde, konnten sie sich nur mit Dienstleistungen oder Raub ern\u00e4hren. Meist wurden sie als &#8222;Bagage&#8220; oder &#8222;Canaille&#8220; verachtet. Ein deutscher Heerf\u00fchrer dieser Zeit entwirft kein sehr vorteilhaftes Bild von ihnen: &#8222;Wan man heutiges Tages ein Regiment Teutsches Kriegsvolck wirbt \/ hastu dreytausend Mann \/ so wirstu gewi\u00df vier tausend Huren vnd Jungen finden \/ vnd das abgefeimte leichtlosest Gesindlein \/ was nirgends in Landen vnd Staetten bleiben will \/das laufft dem Krieg zu \/ ist alles gut genug. Da hoeret man vnter demselbigen Gesindlein solches fluchen \/ schweren \/ zotten \/ mausen \/ packen \/ stehlen \/ pluendern \/ Haeuser vnd Kisten fegen \/ vnd andere leichtfertige \/ lose \/ boese Haendel \/ davon vor unsern Zeiten \/ so es ein heidnischer Kriegsmann hette gsehen \/ solte er erstarret seyn.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"369\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-streit.jpg\" alt=\"streitende S\u00f6ldner\" class=\"wp-image-736\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-streit.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-streit-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im August begann endlich der Marsch nach Frankreich. Wieder weichte Regen die Stra\u00dfen auf und der Tross kam nur langsam von der Stelle. Bereits am Anfang mussten einige Wagen und Gesch\u00fctze zur\u00fccklassen werden, da die Bespannung nicht ausreichte. Sobald lothringisches Gebiet erreicht war, fielen die S\u00f6ldner v\u00f6llig enthemmt \u00fcber die Bev\u00f6lkerung her. H\u00f6fe und D\u00f6rfer wurden niedergebrannt, die Menschen misshandelt oder erschlagen. Christian von Anhalt lie\u00df zwar den einen oder anderen \u00dcbelt\u00e4ter h\u00e4ngen, meistens waren aber keine Verantwortlichen zu ermitteln. Sicher hat auch kein Vorgesetzter allzu intensiv nach ihnen gesucht. Deutsche und Wallonen gerieten beim Pl\u00fcndern aneinander und lieferten sich regelrechte Gefechte. Vor Metz meuterte ein wallonisches Regiment, um endlich seinen Sold zu erhalten. Da kein Geld vorhanden war, verlie\u00dfen die Wallonen das Heer und zogen auf eigene Faust pl\u00fcndernd nach Norden, wobei allerdings die meisten von w\u00fctenden Bauern erschlagen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfes Problem war die Versorgung mit Lebensmitteln, da die Einwohner die Ernte bereits an sichere Pl\u00e4tze gebracht hatten. Die Verteidiger dieser Burgen und Schl\u00f6sser waren anfangs bereit, sich durch die Herausgabe von Lebensmitteln die eigene Sicherheit zu erkaufen. Nachdem die S\u00f6ldner in ihrer Mordlust und Gier jedoch mehrere dieser Besatzungen samt Frauen und Kindern massakriert hatten, musste viel Zeit f\u00fcr langwierigen Belagerungen aufgewendet werden. Im September stie\u00df K\u00f6nig Heinrich zum Heer, doch auch er hatte au\u00dfer guten Worten nichts dabei. Die Truppen streiften marodierend durchs Land und verlangten immer aufr\u00fchrerischer nach Geld. Im September lockte man sie dann mit der Aussicht auf die Pl\u00fcnderung des reichen Rouen in die Normandie, ohne allerdings zu erw\u00e4hnen, dass die Stadt bereits f\u00fcr fr\u00fchere Subsidien an die englische K\u00f6nigin verpf\u00e4ndet war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen hatte der Herbst begonnen und vor allem die Fu\u00dftruppen litten sehr unter K\u00e4lte und Hunger. Jeder Nachz\u00fcgler oder schlecht bespannte Wagen wurde von den katholischen Reitern geschnappt. Im Oktober kam es zur offenen Meuterei eines ganzen Regiments. Die Landsknechte verjagten ihre Offiziere und machten sich auf den Weg in die Niederlande. Da man f\u00fcrchtete, dass sie dort von den Spaniern in Dienst genommen werden k\u00f6nnten, wurden sie sofort verfolgt und mit viel Zureden und etwas Gewalt zur Umkehr gezwungen. &#8222;Darnach liess man etliche henken, da wurden sie wieder fromm,&#8220; schreibt Dohna. Obwohl seit Monaten ohne Sold, hatten die Knechte kein Recht ihrerseits den Dienst aufzuk\u00fcndigen. Die einzige Chance, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, w\u00e4re eine gro\u00df angelegte Meuterei gewesen. Doch dazu war das Heer zu uneinig. Die Reiter erhielten mehr Sold als die Landsknechte und diese mehr als die Wallonen. Durch die Spannungen unter den verschiedenen Truppenteilen blieben den Kommandeuren immer genug S\u00f6ldner, um einzelne Regimenter wieder zum Gehorsam zu zwingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Belagerung von Rouen begann im Winter. Nach langen Verhandlungen hatte K\u00f6nig Heinrich wenigstens den Sold f\u00fcr einen Monat bezahlt. Aber es war kalt und Lebensmittel knapp und teuer. Feldlager im Winter waren fast immer erb\u00e4rmliche St\u00e4tten, deren Elend jedes Vorstellungsverm\u00f6gen \u00fcbersteigt. Hunger und Seuchen zerst\u00f6rten in diesen Lagern weitaus mehr Heere als die m\u00f6rderischen Schlachten. Die Landsknechte hausten unter undichten Zeltplanen, andere hatten kleine H\u00fctten aus Reisig und Stroh. Warme Kleidung besa\u00dfen nur die Reichsten; viele hatten weder Decken noch M\u00e4ntel und gingen auch im Winter barfu\u00df. Geregelten Nachschub gab es praktisch nie.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"379\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldener-winter.jpg\" alt=\"S\u00f6ldner im Winter\" class=\"wp-image-738\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldener-winter.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldener-winter-300x126.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldener-winter-768x323.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Belagerungen und Feldz\u00fcgen durch Landstriche, in denen es nicht viel zu pl\u00fcndern gab, war der Hunger das gr\u00f6\u00dfte Problem. Manchmal verhungerten tausende in den Lagern oder entlang der Marschwege durch ausgesogenes Gebiet. Die vom Hunger geschw\u00e4chten und eng zusammengepferchten Menschen waren f\u00fcr Seuchen besonders anf\u00e4llig. Hitze, N\u00e4sse, K\u00e4lte und Ungeziefer trugen das ihre dazu bei. Viele S\u00f6ldner waren chronisch krank, litten an Tuberkulose, Rheuma, Syphilis, Kr\u00e4tze oder an alten Verwundungen. Ruhr, Hungertyphus oder die als Br\u00e4une bezeichnete Diphtherie rafften tausende hinweg. Besonders verheerend waren Pocken, Pest und im S\u00fcden die Malaria. Aber es mussten keine gro\u00dfen Seuchen sein. Oft gen\u00fcgte eine einfache Erk\u00e4ltung, um den ausgezehrten Knechten auf ihren fauligen Strohlagern den Rest zu geben. Zuerst starben allerdings die Heeresfolger, die Invaliden, Frauen und Kinder.<br><br>W\u00e4hrend die Reiter bei ihren Streifz\u00fcgen immer noch die Chance hatten etwas aufzutreiben, trugen die Landsknechte die Hauptlast der K\u00e4mpfe in den Laufgr\u00e4ben und um die Schanzen. Als Ende Februar ein Ausfall der Belagerten nahezu alle bisherigen Erfolge zunichte machte, hatten wieder die Landsknechte die schwersten Verluste. Verzweifelt versuchte Heinrich Geld aufzutreiben, um die S\u00f6ldner zum Aushalten zu bewegen. Doch es reichte noch nicht einmal f\u00fcr einen Sold. Man versuchte die S\u00f6ldner bei der Umrechnung der W\u00e4hrungen zu betr\u00fcgen und zum Teil mit \u00fcberteuerten Stoffen zu bezahlen, was die Stimmung im Lager nicht besserte. Das gesamte Umland war ausgepl\u00fcndert und Lebensmittel kaum noch zu bekommen. Unter den ausgehungerten und frierenden Knechten grassierten Seuchen. Selbst die Offiziere waren inzwischen verschuldet und hatten einen Gro\u00dfteil ihrer Habe verkauft. Da n\u00fctzte es wenig, dass es in der Stadt noch schlimmer aussah. Als dann noch im April ein spanisches Heer anr\u00fcckte, wurde die Belagerung aufgegeben.<br><br>Die beiden gegnerischen Heere durchstreiften daraufhin die Normandie und lieferten sich kleinere Gefechte. Zu einer richtigen Schlacht waren die demoralisierten Deutschen jedoch nicht mehr zu bewegen. Schlie\u00dflich zog man in die Champagne, wo das Heer dann im Juli entlassen wurde. Nicht einmal drei Monate waren bezahlt worden, f\u00fcr den Rest erhielten die S\u00f6ldner Schuldverschreibungen, die allerdings sp\u00e4ter nur zu geringen Teilen eingel\u00f6st wurden. Die Verluste waren dieses Mal nicht ganz so verheerend wie bei Dohnas erstem Feldzug und hatten vor allem die Landsknechte getroffen, die allerdings bis zu zwei Drittel ihres Bestandes verloren hatten.<br><br>Landsknechte entschieden keine Schlacht mehr. Sie waren zum billigen Fu\u00dfvolk geworden, das vor allem bei Belagerungen gnadenlos verheizt wurde. Die notwendigen Massen konnten aber weder regelm\u00e4\u00dfig bezahlt noch anst\u00e4ndig versorgt werden. 100.000 Gulden waren im Sp\u00e4tmittelalter f\u00fcr Urslingens Gro\u00dfe Kompanie noch eine \u00e4u\u00dferst reiche Beute gewesen. Jetzt warb man Zehntausende an, aber unterhalten konnte sie auf Dauer niemand. Die Kosten des Kriegszuges unter Christian von Anhalt beliefen sich fast auf drei Millionen Gulden.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Grab des deutschen Adels.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":728,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[87,81,88],"class_list":["post-727","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-frankreich","tag-landsknechte","tag-reiter"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Hugenottenkriege - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-hugenottenkriege\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Hugenottenkriege - 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