{"id":711,"date":"2024-10-15T11:13:55","date_gmt":"2024-10-15T11:13:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=711"},"modified":"2025-01-16T14:04:47","modified_gmt":"2025-01-16T14:04:47","slug":"die-schwarzen-reiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-schwarzen-reiter\/","title":{"rendered":"Die schwarzen Reiter"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Das Comeback der Kavallerie.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der langen Auseinandersetzung zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg war die Infanterie auf den Schlachtfelder Italiens und Flanderns zur entscheidenden Waffe geworden. Im Gegensatz zu den englischen Bogensch\u00fctzen oder den Hussiten, die der Adelsreiterei einige schwere Niederlagen zugef\u00fcgt hatten, gingen diese Spie\u00dfe starrenden Gewalthaufen wie einst die griechische Phalanx auch offensiv vor. Die Schweizer galten nach ihren spektakul\u00e4ren Siegen \u00fcber Burgund als die Erfinder und absoluten Meister dieser Taktik und wurden vor allem von Frankreich geworben, das dar\u00fcber lange den Aufbau einer eigenen Infanterie vernachl\u00e4ssigte. Da die Habsburger traditionell im Streit mit den Schweizern lagen, schufen sie nach deren Vorbild die deutschen Landsknechte und die spanischen Tercios, in denen sich Schweizer Taktik und Erfahrungen des Granadakrieges mischten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"535\" height=\"409\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/gendarmes-schweizer.jpg\" alt=\"Gendarmes im Kampf mit Schweizern\" class=\"wp-image-714\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/gendarmes-schweizer.jpg 535w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/gendarmes-schweizer-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was war aber in dieser Zeit aus der Adelsreiterei geworden? Sie war durchaus nicht verschwunden und spielte auch weiterhin eine wichtige Rolle. Zum Schutz gegen Pfeile und Armbrustbolzen waren zuerst die Plattenpanzer konsequent verst\u00e4rkt worden, so dass sie im Sp\u00e4tmittelalter einen relativ zuverl\u00e4ssigen Schutz boten. Da die Sch\u00fctzen aber zunehmend auf die Pferde zielten, mussten auch diese mit einem Rossharnisch gesch\u00fctzt werden. Gegen die Spie\u00dfe des Fu\u00dfvolks verl\u00e4ngerte man die Lanzen ein gutes St\u00fcck, was durch die Einf\u00fchrung von R\u00fcsthaken erm\u00f6glicht wurde. Eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe derartig ausger\u00fcsteter Reiter war durchaus noch ein ernstzunehmender Gegner f\u00fcr die Infanterie und konnte deren Gewalthaufen zumindest durch Flankenangriffe aufhalten oder sogar beim geringsten Anzeichen von Schw\u00e4che sogar zersprengen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gro\u00dfe Problem dabei war, dass die verbesserte Panzerung von Ross und Reiter nat\u00fcrlich immer mehr Geld kostete. Vor allen Dingen ben\u00f6tigte man aber au\u00dfergew\u00f6hnlich kr\u00e4ftige Pferde, die entsprechend teuer waren. Diese Pferde ben\u00f6tigten au\u00dferdem viel Extrafutter und verendeten deshalb auf den strapazi\u00f6sen Feldz\u00fcgen oft zuerst. Dazu kam, dass jeder Gendarmes (auch Gens d&#8217;Armes) als F\u00fchrer einer Lanze von mehreren anderen Bewaffneten und Dienern begleitet ins Feld zog. Durch die Kosten f\u00fcr Ausr\u00fcstung, Hilfspersonal und Pferdeersatz wurden manche Adlige an den Rand des Ruins getrieben, und die gro\u00dfe Masse des Adels konnte sich diesen Aufwand einfach nicht mehr leisten und diente deshalb als so genannte &#8222;Deminlances&#8220;. Das hei\u00dft, sie verzichteten auf den schweren und teuren Rossharnisch und einen Gro\u00dfteil des Gefolges, trugen leichtere Lanzen und konnten sich deshalb mit billigeren Pferden zufrieden geben. Im Reich nannte man sie auch oft &#8222;Einsp\u00e4nner&#8220; und sprach von &#8222;Ringerpferden&#8220; (geringeren Pferden).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende des 15. Jahrhunderts konnten nur noch Frankreich und Burgund, dessen Erbe dann die Habsburger antraten, durch ihre fest besoldeten Ordonanzkompanien eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl voll ger\u00fcsteter Gendarmes mustern. Vor allem aber im Bereich des freien S\u00f6ldnertums, wo hart kalkuliert werden musste, setzte sich zunehmend das billigere Modell durch. Schlie\u00dflich wurde sogar auf die volle R\u00fcstung verzichtet, und man beschr\u00e4nkte sich auf den leichteren Trabharnisch. Durch die steigende Bedeutung der Feuerwaffen experimentierte man gleichzeitig mit berittenen Arkebusieren, die zum Teil auch mit gewissem Erfolg eingesetzt wurden. F\u00fcr eine regelrechte Revolution sorgte dann die Erfindung der Radschlosspistole (angeblich 1520 in N\u00fcrnberg), durch die es nicht nur m\u00f6glich wurde feuerbereite Waffen mit sich zu f\u00fchren, sondern diese auch w\u00e4hrend des Reitens zu laden und abzufeuern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es dauerte zwar einige Zeit, bis sich die neue Bewaffnung durchgesetzt hatte, doch dann wurde sie vor allem in Deutschland zum Standard der Reiterei. Frankreich und Burgund &#8211; d.h. die habsburgischen Niederlande &#8211; setzten dagegen weiterhin auf ihre Gendarmes, Spanien auf seine Tercios und England mietete unter Heinrich VIII. ohnehin fremde S\u00f6ldner, wenn es auf dem Kontinent Krieg f\u00fchren wollte. Um 1540 waren die mit zwei Pistolen und einem Schwert bewaffneten deutschen Reiter auch f\u00fcr die Spie\u00dferhaufen zu einem gef\u00fcrchteter Gegner geworden. Im Gegensatz zu den Gendarmes griffen sie nicht in einer breiten Linie sondern in einem tief gestaffelten Block an. Kurz vor dem Gegner feuerten sie dann ihre Pistolen ab, schwenkten zur Seite und gliederten sich wieder hinten in die Formation ein. Dieses Man\u00f6ver nannte man Karakole oder karakolieren, und es sorgte daf\u00fcr, dass um die Jahrhundertmitte die Reiterei wieder zur \u00fcberlegenen Waffe wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"592\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/reitergefecht.jpg\" alt=\"Reitergefecht\" class=\"wp-image-716\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/reitergefecht.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/reitergefecht-253x300.jpg 253w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sich der gro\u00dfe Landsknechtsf\u00fchrer Sebastian Sch\u00e4rtlin bereits zur Ruhe gesetzt hatte aber immer noch die kriegerischen Ereignisse in Europa mit Interesse verfolgte, berichtet er mehrfach von Reitern auf Ringerpferden. Von der Schlacht in der L\u00fcneburger Heide (1553) in der Kurf\u00fcrst Moritz von Reitern erschossen wurde schreibt er: &#8222;In dieser Schlacht haben die Sch\u00fctzen zu Ro\u00df gro\u00dfen Schaden getan&#8220;. Von den Knechten dagegen sei nicht viel gutes zu h\u00f6ren gewesen. Im Ausland k\u00e4mpften die Reiter zuerst f\u00fcr die Spanier in Flandern und in Nordfrankreich. Doch bald standen die ersten \u00dcberl\u00e4ufer in franz\u00f6sischem Sold, wo sie schnell als &#8222;Reitres&#8220; so bekannt wurden, dass man auch heute noch mit &#8222;Reitre&#8220; diesen speziellen Typus des Kavalleristen bezeichnet. Auch in England warb man gerne die begehrten &#8222;swart reiters&#8220;. 500 von ihnen unter dem ehemaligen Hamburger Kaufmann Thomas Lightmaker stellten die Leibwache Heinrichs VIII. 1563 f\u00fchrten die S\u00f6ldnerf\u00fchrer Georg von Holle, Hilmar von M\u00fcnchhausen und G\u00fcnther von Schwarzburg mit einem gro\u00dfen Landsknechtsheer auch einige tausend Reitres f\u00fcr den K\u00f6nig von D\u00e4nemark in einen neuen erfolglosen Krieg um Schweden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu den Landsknechten kamen die Reitres mehr aus den n\u00f6rdlichen und \u00f6stlichen Gebieten des Reichs, aus Brandenburg, Sachsen, Hessen, Magdeburg oder Pommern, wo es genug verarmte Adlige gab und wo die Pferdezucht eine lange Tradition hatte. Der Kriegsdienst als Reitre wurde schnell zu einer unverzichtbaren Erwerbsquelle des niederen Adels und seiner zahlreichen S\u00f6hne. Wenn die Landesherren aus politischen \u00dcberlegungen Werbeverbote erlie\u00dfen, wurden sie auf den Landtagen vom Adel immer wieder gezwungen, diese aufzuheben. Der Krieg war f\u00fcr viele die einzige M\u00f6glichkeit, einen gewissen Lebensstandard aufrecht zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem gesteigerten Bedarf der Zeit entsprechend entwickelten sich die Reitres wie die Landsknechte &#8211; wenn auch nicht in so gro\u00dfer Zahl &#8211; bald zu einem Massenprodukt. Der Adel stellte zwar einen guten Teil der Reitres, zog aber wieder mit seinen Dienstmannen in den Krieg und warb in seiner Region. Sehr oft mussten die Geworbenen nat\u00fcrlich auch ausger\u00fcstet werden. Da man deshalb viel preisg\u00fcnstige R\u00fcstungen ben\u00f6tigte, wurden die Reiterharnische aus minderwertigem Stahl gefertigt, der dann geschw\u00e4rzt wurde damit er nicht so schnell rostete. Aus dieser typische R\u00fcstung entstand schlie\u00dflich die Bezeichnung &#8222;Schwarze Reiter&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre gr\u00f6\u00dften Erfolge aber auch ihre schwersten Verluste hatten die Reitres in den Hugenottenkriegen (1562-1598) in Frankreich. Wie die Landsknechte erwiesen sie sich dabei schnell als Landplage und wurden f\u00fcr ihre Grausamkeit und Beutegier ber\u00fcchtigt. Dennoch wurde keine Schlacht geschlagen, an der sie nicht entscheidenden Anteil hatten &#8211; oft k\u00e4mpften sie sogar auf beiden Seiten. In erster Linie unterst\u00fctzten nat\u00fcrlich die protestantischen deutschen F\u00fcrsten die Werbungen der Hugenotten in ihren Gebieten und f\u00fchrten diesen manchmal sogar ganze Heere aus Landsknechten und Reitres zu. Doch das Reich war in zahllose Territorien zerfallen, und den Hugenotten standen nur selten ausreichende Mittel zur Verf\u00fcgung. Deshalb hatten auch Protestanten manchmal keine Bedenken, das spanische Gold der Katholiken zu nehmen. Zudem wurden deren Werbungen ja wiederum durch den Kaiser gef\u00f6rdert. Das hei\u00dft, zur Not konnte es sich protestantische Reiterf\u00fchrer einfach aussuchen, ob sie es lieber mit dem Kaiser oder mit der Religion halten wollte. F\u00fcr Katholiken war die Sache ohnehin klar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits in der ersten Schlacht der Hugenottenkriege 1562 bei Dreux bewiesen die Reitres, dass sie eine gef\u00e4hrliche Waffe waren. Die Katholiken waren mit 19.000 Mann deutlich \u00fcberlegen. Davon stellten die Schweizer mit etwa 6.600 den gr\u00f6\u00dften Teil. Dazu kamen Landsknechte, Spanier und franz\u00f6sische Infanterie. Die 2.500 Mann starke Kavallerie bestand haupts\u00e4chlich aus schwer bewaffneten franz\u00f6sischen Gendarmes und einigen hundert deutschen Reitres. Die Hugenotten konnten dem nur etwa 8.500 Mann Infanterie &#8211; etwa jeweils zur H\u00e4lfte Franzosen und Landsknechte &#8211; und 4.500 Kavalleristen &#8211; etwa 2\/3 deutsche Reitres &#8211; entgegenstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Heer der Hugenotten bestand also zur Mehrzahl aus deutschen S\u00f6ldnern, die der hessische Oberst Friedrich von Rolshausen im August nach Frankreich gef\u00fchrt hatte. Die Hugenotten waren vorher gegen Paris gezogen, hatten sich dort mit der Garnison einige Scharm\u00fctzel geliefert und ein wenig die Vorst\u00e4dte gepl\u00fcndert. Als die Katholiken aber immer mehr Truppen sammelten, zogen sie sich Anfang Dezember in Richtung Normandie zur\u00fcck, da dort Hilfsgelder der K\u00f6nigin von England eingetroffen waren. Vor allem die Deutschen wurden immer aufs\u00e4ssiger, da sie seit langem keinen Sold erhalten hatten. Aber auch unter den Franzosen h\u00e4uften sich die Desertionen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"467\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/dreux-1562.jpg\" alt=\"Schlacht bei Dreux 1562\" class=\"wp-image-718\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/dreux-1562.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/dreux-1562-300x234.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Dreux wurden die \u00e4u\u00dferst sorglos marschierenden Hugenotten dann \u00fcberraschend von den Katholiken gestellt. Die Schlacht begann an einem kalten Dezembertag nach langem beiderseitigen Z\u00f6gern mit einem vehementen Kavallerieangriff der Hugenotten auf den linken Fl\u00fcgel der Katholiken. Sie schlugen nach kurzem harten Kampf die katholische Kavallerie in die Flucht; die franz\u00f6sische Infanterie floh sofort und wurde dabei fast v\u00f6llig aufgerieben. Es gelang den hugenottischen Lanzenreitern sogar die Phalanx der Schweizer an mehreren Stellen zu zerbrechen. Damit befand sich fast der gesamte linke Fl\u00fcgel der Katholiken in Aufl\u00f6sung. Lediglich die Schweizer hatten sich zu mehreren kleineren Bl\u00f6cken formiert und hielten einsam aus. Sie wurden nun von den Reitres attackiert, die ohne Unterbrechung ihre Pistolen in ihre dicht gedr\u00e4ngten Reihen abfeuerten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da jedoch viele der Hugenotten bei der Verfolgung der Katholiken den feindlichen Tross weit hinter der Front erreicht hatten und dort sofort mit dem Pl\u00fcndern begannen, schlossen sich diesem lohnenden Gesch\u00e4ft immer mehr Reitres an. Deshalb schickten die Hugenotten nun ihre Landsknechte gegen die angeschlagenen Schweizer. Doch die Schweizer warfen sich mit solchem Ingrimm auf die Landsknechte, dass diese nach kurzem Gefecht in ein nahe liegendes Dorf flohen. Daraufhin griffen die Hugenotten die Schweizer wieder mit ihrer verbliebenen Kavallerie an. Diese konnte die Schweizer weiter zersprengen und zum R\u00fcckzug zwingen. Als die Schweizer langsam zur\u00fcckwichen, hielten die Reitres die Schlacht bereits f\u00fcr gewonnen. Sie wollten nun auch endlich an der Pl\u00fcnderung des katholischen Lagers teilhaben und entfernten sich zunehmend vom Schlachtfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die hugenottische Reiterei fast vollst\u00e4ndig verschwunden waren und die Schweizer immer noch ihre Stellung behaupteten, setzte sich langsam der rechte katholische Fl\u00fcgel in Bewegung. Ihm standen nun nur noch die franz\u00f6sische Infanterie und die Landsknechte der Hugenotten gegen\u00fcber. Die franz\u00f6sische Infanterie floh nachdem die Spanier ein paar Salven auf sie abgegeben hatten. Danach zogen sich auch die Landsknechte zur\u00fcck, ohne den geringsten Versuch eines Widerstandes. Eine vollst\u00e4ndige Niederlage der Hugenotten wurde nur durch die Reitres verhindert, die langsam zur\u00fcckkehrten und nun um ihren eigenen Tross f\u00fcrchteten. Sie zwar zu schwach, um den Gegner noch zu schlagen, erm\u00f6glichten aber noch mit einigen Attacken einen geordneten R\u00fcckzug der Hugenotten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verluste waren sehr schwer. Die Katholiken hatten viele hochrangige Adlige bei den Gendarmes verloren, und auf beiden Seiten war die zum Einsatz gekommene franz\u00f6sische Infanterie auf der Flucht fast vollst\u00e4ndig aufgerieben worden. Aber auch Schweizer hatten ihre Standhaftigkeit teuer bezahlt. Vor allem die Pistolenkugeln der Reitres, hatten einen enormen Blutzoll gefordert. An den Verletzungen, die im Gegensatz zu Hieb- oder Stichwunden die meistens t\u00f6dlich endeten, starben in den n\u00e4chsten Tage noch viele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Resultat von Dreux war, dass die Katholiken in Zukunft auf Landsknechte verzichteten, deren Feigheit von allen beklagt wurde. Die franz\u00f6sische Infanterie war zwar noch viel schlechter, aber das war man ja gewohnt. So blieben zumindest die Hugenotten auf Landsknechte angewiesen, wenn sie den Schweizern etwas entgegenstellen wollten. Erfolg hatten sie damit keinen. Die Hugenotten sollten erst Schlachten gewinnen, als die Schweizer auf in gro\u00dfen Zahlen auf ihrer Seite k\u00e4mpften. Allerdings war auch bei den Schweizern zumindest ein gravierendes Defizit deutlich geworden. Da sie durch ihren sturen Konservatismus immer noch weitgehend auf Arkebusen verzichteten, waren sie dem Feuer der Reitres ziemlich hilflos ausgeliefert. Wesentlich besser angepasst waren da die Spanier, die sich durch einen Anteil von 20-30% Sch\u00fctzen die Reitres ganz gut vom Hals halten konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr gut hatten sich die Gendarmes bew\u00e4hrt, die mit ihren Lanzen und gepanzerten Pferden mehrfach die Phalanx der Schweizer durchbrochen hatten. Allerdings standen gut ger\u00fcstete Gendarmes nur in sehr begrenztem Umfang zur Verf\u00fcgung. Ein eher unerwarteter Erfolg war der Einsatz der relativ neuen Reitres, die durchaus die Schlacht h\u00e4tten gewinnen k\u00f6nnen, wenn sie sich nicht aus Beutegier bei der Verfolgung und der Pl\u00fcnderung des feindlichen Trosses zerstreut h\u00e4tten. Beide Parteien warben deshalb k\u00fcnftig so viele Reitres, wie sie bekommen konnten. Dass man sich dabei \u00fcber eine geregelte Bezahlung nicht den Kopf zerbrach, versteht sich von selbst. Irgendwie war wohl jeder der Ansicht, dass sich das leidige Geldproblem nach einem schnell gewonnen Krieg von selbst erledigen w\u00fcrde. Aber die Hugenottenkriege wurden nicht schnell gewonnen, und so kamen immer neue Wellen deutscher S\u00f6ldner nach Frankreich, die sich zunehmend selbst entsch\u00e4digen mussten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"614\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/hugenotten-reitre.jpg\" alt=\"Reitre im Kampf\" class=\"wp-image-723\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/hugenotten-reitre.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/hugenotten-reitre-244x300.jpg 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem verdeutlicht das Schicksal der bei Dreux geschlagenen Hilfstruppe unter Rolshausen. Nach der Schlacht sammelten sich die \u00fcberlebenden Reitres und Landsknechte langsam wieder und setzten ihren bereits seit Monaten andauernden Raubzug durch Frankreich fort. Ungef\u00e4hr jeweils zehn Mann teilten sich einen Wagen, auf dem sie Proviant, Zelte und Beute mitschleppten. Da die Hugenotten st\u00e4ndig mit dem Sold im R\u00fcckstand waren, \u00fcberlie\u00dfen sie den Deutschen ganze Landstriche und St\u00e4dte zur Pl\u00fcnderung. Wein, Stoffe und Kirchensch\u00e4tze f\u00fcllten die Wagen. In der Hoffnung auf englische Hilfsgelder marschierte das Heer weiter in die Normandie. Da die englischen Schiffe aber ausblieben, besch\u00e4ftigte und entlohnte man die S\u00f6ldner durch die Eroberung von Caen. In kleinen Trupps durchzogen die Reitres die Normandie und verw\u00fcsteten sie auf das Barbarischste. Auch als das Geld aus England endlich kam, und ihnen ein Teil ihres Soldes ausgezahlt wurde, waren sie davon nicht mehr abzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Katholiken machten mit ihren S\u00f6ldnern \u00fcbrigens \u00e4hnliche Erfahrungen. Als es endlich zum Frieden kam, wollten beide Parteien vor allem ihre deutschen S\u00f6ldner aus dem Land schaffen, bevor sie sich zusammenschlie\u00dfen konnten, um den Krieg auf eigene Rechnung weiterzuf\u00fchren, wie allgemein bef\u00fcrchtet wurde. Die Hugenotten, die noch gro\u00dfe Au\u00dfenst\u00e4nde hatten, brauchten alle \u00dcberredungsk\u00fcnste um Rolshausens Reitres auf den Empfang ihres Goldes jenseits der Grenze zu vertr\u00f6sten. Trotz des fehlenden Solds hatte sich f\u00fcr diese der Feldzug gelohnt. In 2.000 schwer beladenen Wagen schleppten sie ihre Beute mit sich. Viele Reitres hatten ihre Satteltaschen prall gef\u00fcllt und f\u00fchrten Packpferde mit sich. Trotzdem wollten sie das Land noch nicht verlassen. Manche schlugen vor, den spanischen Niederlanden einen Besuch abstatten, andere wollten gegen Paris ziehen. Erst nach einer Abschlagszahlung, B\u00fcrgschaften und nachdem sie einen k\u00f6niglichen Kammerherrn als Geisel genommen hatten, zogen sie \u00fcber den Rhein. Frankreich atmete auf &#8222;endlich befreit zu sein von den deutschen Reitres, welche \u00fcberall auf ihrem Wege ein Trauerged\u00e4chtnis zur\u00fcckgelassen hatten&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der chronische Geldmangel und die zum Teil dadurch verursachten Pl\u00fcnderungen wurden symptomatisch f\u00fcr die folgenden sieben Hugenottenkriegen. In Frankreich w\u00fcteten Landsknechte, Wallonen, Spanier, Engl\u00e4nder und viele andere, aber am schlimmsten waren die Reitres. Leicht ger\u00fcstet und auf schnellen Pferden waren sie f\u00fcr Raubz\u00fcge wie geschaffen. In der franz\u00f6sischen Sprache wurde Reitre zu einem Synonym f\u00fcr brutale Kriegf\u00fchrung, und der &#8222;Havresac&#8220;, in den die Reitres alles Kostbare stopften, als Lehnwort \u00fcbernommen. Oft bezeichnete man sie wegen ihrer Grausamkei auch als &#8222;diables noirs&#8220; &#8211; als schwarze Teufel. Aber auch sie versuchten bald aus dem Schrecken ihrer Gegner Nutzen zu ziehen. So wird berichtet, dass sie sich bevorzugt schwarz kleideten und manchmal sogar ihre Gesichter mit Ru\u00df f\u00e4rbten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem erwiesen sie sich im Einsatz als so effektiv, dass bald keine Seite mehr auf sie verzichten konnte. W\u00e4hrend die Landsknechte nach und nach an Bedeutung verloren, stieg das Ansehen der Reitres. Alle franz\u00f6sischen Parteien hatten Abgesandte im Reich, die st\u00e4ndig auf Reichstagen und bei einzelnen F\u00fcrsten warben. Mit der Zeit schickten sogar franz\u00f6sische Adlige ihre S\u00f6hne an deutsche H\u00f6fe, um die neue Kriegskunst zu lernen. Dabei konnte es nicht ausbleiben, dass deutsche Reitres auf dem Schlachtfeld aufeinander trafen. Durch die Art des Gesch\u00e4ftes konnte es dann dazu kommen, dass sich Veteranen, die fr\u00fcher in der selben Einheit gedient hatten, nun gegen\u00fcber standen. Von Landsknechten und Schweizern -trotz der Reislaufverbote dienten meistens auch welche bei den Hugenotten &#8211; wird mehrfach berichtet, dass sie in solchen F\u00e4llen in die Luft schossen, sich auf Drohgeb\u00e4rden beschr\u00e4nkten oder einfach den Angriffsbefehl verweigerten. Auch die Reitres sollen manchmal in die Luft geschossen haben, allerdings eher die in katholischen Diensten, da sie dann doch nicht richtig bei der Sache waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"455\" height=\"383\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/moncontour.jpg\" alt=\"Schlacht bei Moncontour 1569\" class=\"wp-image-725\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/moncontour.jpg 455w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/moncontour-300x253.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch konnte es passieren, dass sich die Reitres ohne R\u00fccksicht gegenseitig abschlachteten. Ein besonders eklatantes Beispiel ist hier die Schlacht von Moncontour (1569), in der auf der Seite der Hugenotten etwa 4.500 Reitres k\u00e4mpften, die Herzog Wolfgang von Zweibr\u00fccken nach Frankreich gebracht hatten. Bei den Katholiken standen 3.000 Reitres unter dem Markgrafen von Baden und dem Rheingrafen. \u00dcber ihren Zusammensto\u00df schreibt ein zeitgen\u00f6ssischer franz\u00f6sischer Chronist: &#8222;Die Reitres und Hugenotten griffen zuerst die franz\u00f6sischen Gendarmen und Arkebusiere mit einer solchen Wucht an, dass diese zur\u00fcckweichen mussten; aber dessen ungeachtet f\u00fchrte sie die Tapferkeit ihrer F\u00fchrer zweimal in den Kampf zur\u00fcck. Dann bekamen diese erprobten Truppen von beiden Seiten her durch die k\u00f6niglichen Reitres Unterst\u00fctzung, so dass jetzt Deutsche mit Deutschen handgemein wurden. Sie wurden auf beiden Seiten von einem Mansfeld befehligt; aber verschieden nach Glauben und Fahne lie\u00dfen sie ihren Zorn und Ingrimm an dem Leibe ihrer n\u00e4chsten Verwandten aus. Man kann es nicht glauben, mit welcher Hitze und Wut sie k\u00e4mpften; oft stie\u00df der Bruder auf den Bruder, der Freund auf den ehemaligen Freund, der jetzt zum Feind geworden war, jeder aber auf einen Landsmann. [&#8230;] W\u00e4hrend so die Deutschen einander zerfleischten, lassen die franz\u00f6sischen Lanzenreiter der Aufr\u00fchrer ihre Verb\u00fcndeten mitten im Kampf im Stich. Da ergreifen auch die Reitres mutlos die Flucht&#8220;.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Comeback der Kavallerie.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":721,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[87,81,88],"class_list":["post-711","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-frankreich","tag-landsknechte","tag-reiter"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die schwarzen Reiter - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-schwarzen-reiter\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die schwarzen Reiter - 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