{"id":671,"date":"2024-10-11T15:54:45","date_gmt":"2024-10-11T15:54:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=671"},"modified":"2025-01-16T14:26:50","modified_gmt":"2025-01-16T14:26:50","slug":"die-schwarze-garde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-schwarze-garde\/","title":{"rendered":"Die Schwarze Garde"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Der Weg einer der ersten Landsknechtsformationen durch Nordeuropa.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"444\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-stoke.jpg\" alt=\"schwarz und seine Landsknechte bei Stoke\" class=\"wp-image-674\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-stoke.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-stoke-300x222.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Landsknechte entstanden als eine Art Hausinfanterie der Habsburger. Wenn diese aber keine Verwendung f\u00fcr sie hatten oder sie nicht bezahlen konnten, suchten sie sich auf dem &#8222;freien Markt&#8220; neue Auftraggeber. Die erste selbst\u00e4ndige gr\u00f6\u00dfere Gruppe von Landsknechten f\u00fchrte ein gewisser Martin Schwarz nach England. Damit steht Schwarz am Anfang einer langen Reihe von Kriegsunternehmern und Landsknechtsf\u00fchrern, die diesen neuen S\u00f6ldnertyp im Reich f\u00fcr fast jeden Auftraggeber anwarben. Wie viele in einem neuen Gewerbe war er ein typischer Aufsteiger. Der ehemalige Schuster aus Augsburg hatte sich schon bei der Verteidigung von Neu\u00df ausgezeichnet und war w\u00e4hrend der folgenden K\u00e4mpfe der Habsburger um die Niederlande von Maximilian zum Ritter geschlagen worden. Er war also bereits ein erfahrener und bekannter S\u00f6ldnerf\u00fchrer, als ihn das aus England vertriebene Haus York anwarb, um den verlorenen Thron zur\u00fcckzuerobern. Im Auftrag der englischen Exilanten kam Schwarz mit 2.000 Landsknechten und Schweizern nach Dublin, wo ein Scharlatan als Richard York zum K\u00f6nig gekr\u00f6nt wurde. In Irland wurden noch 6.000 Iren angeworben, die aber nur mit Schwertern und Wurfspie\u00dfen bewaffnet waren. Nach der Landung in England 1487 kam es bei Stoke in der N\u00e4he von Nottingham zur Schlacht mit dem weit \u00fcberlegenen englischen Heer. Die Landsknechte griffen im Gevierthaufen an, konnten aber von den englischen Rittern unter starken Verlusten aufgehalten werden. W\u00e4hrenddessen wurden die ungepanzerten Iren von den Bogensch\u00fctzen zusammengeschossen. Nach der Vernichtung der Iren wurden die Landsknechte von Rittern und Bogensch\u00fctzen in die Zange genommen und vollst\u00e4ndig aufgerieben. Es war ein kurzes Deb\u00fct, aber die Landsknechte waren nicht wie bisher allgemein \u00fcblich vor den Rittern geflohen, sondern hatten Standfestigkeit bewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die Spuren eines anderen Trupps von Landsknechten st\u00f6\u00dft man beim Abwehrkampf des kleinen Ordensstaates Livland gegen das expandierende Gro\u00dff\u00fcrstentum Moskau. Da\u00df der Ordensmeister Wolter von Plettenberg sein Ritterheer mit Landsknechten verst\u00e4rkte, ist nicht weiter erstaunlich. Als er aber 1501 das russische Heer am Smolinasee schlug, k\u00e4mpften in dessen Zentrum ebenfalls deutsche Landsknechte. Sie drangen tief in die Linien des Ordensheeres ein und konnten erst nach hartem Kampf vernichtet werden. Die Schlachten bei Stoke und am Smolinasee sind inzwischen fast vollst\u00e4ndig vergessen. Woher die Knechte kamen und was aus ihren geschlagenen Resten wurde ist unbekannt. Es wird jedoch deutlich, da\u00df schon am Ende des 15. Jahrhunderts kaum ein Krieg zu unbedeutend oder zu abgelegen war, als da\u00df nicht eine Schar von Landsknechten ihr Gl\u00fcck dabei gesucht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl zeitlich wie auch geographisch zwischen diesen beiden Ereignissen st\u00f6\u00dft man auf die Geschichte der sogenannten &#8222;Gro\u00dfen&#8220; oder &#8222;Schwarzen Garde&#8220;, \u00fcber die wesentlich mehr bekannt ist, da sie weitaus erfolgreicher im Dienst verschiedener Herren \u00fcber ein Jahrzehnt die L\u00e4nder an Nord- und Ostsee verheerte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gro\u00dfe Garde war aus einem Zusammenschlu\u00df verschiedener S\u00f6ldnertruppen am Niederrhein entstanden, wo sich Habsburg, Frankreich, St\u00e4dte und F\u00fcrsten um die burgundische Erbmasse schlugen. Es lag im Interesse der Landsknechte und ihrer Hauptleute auch nach Beendigung einer dieser zahllosen Fehden zusammenzubleiben und sich einen neuen Auftraggeber zu suchen. Bei gr\u00f6\u00dferen Unternehmungen schlossen sich mehrere Gruppen zusammen. In der Not suchten sie sich verschiedene Auftraggeber und fanden sich dann auch manchmal in feindlichen Lagern. Am besten war es allerdings geschlossen aufzutreten. Nur als gro\u00dfe Gruppe konnte man gute Konditionen aushandeln und die kurzen Friedensperioden durch Raub und Erpressung \u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"360\" height=\"549\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/doppelsoeldner.jpg\" alt=\"Doppels\u00f6ldner\" class=\"wp-image-677\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/doppelsoeldner.jpg 360w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/doppelsoeldner-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Kern der Garde bildete eine Truppe von Landsknechten, die von Maximilian in Flandern aufgestellt worden war. Es kann also gut sein, da\u00df auch Schwarz aus ihren Reihen hervorgegangen ist und die bei Stoke vernichteten Knechte eine ihrer Splittergruppen waren. Ein anschauliches Bild aus dieser Anfangsphase vermittelt die zeitgen\u00f6ssische Biographie des fr\u00e4nkischen Ritters Wilwolt von Schaumburg. Wilwolt hatte als &#8222;K\u00fcriser&#8220;, das hei\u00dft als schwerer Reiter, unter Karl dem K\u00fchnen und dann als Landsknechtsf\u00fchrer unter Maximilian gedient. Sein Biograph schildert ihn zwar noch in vielem als fahrenden Ritter und berichtet ausf\u00fchrlich vom Leben am Hof, Festen, Turnieren und gro\u00dfartigen Schlachten, doch andererseits erkennt man schon den neuen Typus des S\u00f6ldnerf\u00fchrers, der Krieg f\u00fchrte, um Gewinn zu machen. Als zum Beispiel ein \u00dcberfall auf das reiche Dinant in Brabant gelang, stellt er zufrieden fest, da\u00df Wilwolt &#8222;auch desmal ein redliche gute beut, die ob f\u00fcnf zehen hundert g\u00fclden wert&#8220; gemacht hatte. Aber auch die Beute der einfachen Knechte wird hervorgehoben: &#8222;Der fuesknecht einer, der unter her Wilwolten von Schaunburg was, gewan in eins Lumbarten (Lombarden=Geldwechsler) haus 1600 barer g\u00fclden, verspilt die aber desselben tags und all sein gelt darzue, das er auf den abend das mall nit zu bezallen; bat seiner gesellen einen, im das g\u00f6lch darzu leihenn. Der antwort, solt er hungers sterben, er lihe ime nimmer pfening. Darbei zu erkennen, was glaubens in den fuesbuben sei. Hans Meztzger der profos, was ein armer knecht, vieng einen abt in der stat, gab ime zwelf tausent g\u00fclden zu schatzung (als L\u00f6segeld).&#8220; Nach diesem gelungenen Raubzug blieb das Heer noch acht Tage in der Stadt, damit jeder in Ruhe seine Beute tauschen, verkaufen oder an einen sicheren Ort schicken konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dieser eintr\u00e4glichen Art der Kriegf\u00fchrung erstaunt es nicht, da\u00df die Landsknechte wenig Lust hatten, nach Hause zu gehen &#8211; falls sie diese M\u00f6glichkeit \u00fcberhaupt hatten &#8211; als Maximilian die Niederlande verlie\u00df und sie damit ohne Arbeit waren. Sie blieben zusammen und w\u00e4hlten Neidhart Fuchs zu ihrem Anf\u00fchrer. Dieser wu\u00dfte Rat: Da der Herzog von Geldern mit Maximilian verfeindet war, zogen sie einfach in dessen Land und raubten und pl\u00fcnderten dort. Um sein Land zu sch\u00fctzen oder weil keine bessere Truppe zur Hand war, nahm sie der Herzog von Geldern selbst in Sold und f\u00fchrte sie gegen J\u00fclich und Cleve. Bei den K\u00e4mpfen in Geldern im Jahr 1494 werden sie dann erstmals von einem Chronisten als Gro\u00dfe Garde bezeichnet: &#8222;In derselben Zeit, als Nijkerk erobert wurde, hat auch in diesen Gegenden eine gro\u00dfe Konzentration von Kriegsvolk stattgefunden, das vier, f\u00fcnf oder mehr M\u00e4nner gew\u00e4hlt hatte, denen es unterstand. Zu ihnen schlug sich allerlei Volk, Reiter und Fu\u00dfknechte, verdorbene Priester und M\u00f6nche und auch Weiber, Welsche und Deutsche, und sie wurden genannt die Gro\u00dfe Garde. Sie schonten weder Fremde noch Freunde und verheerten alles, was in ihre N\u00e4he kam.&#8220; Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen taucht neben Neidhart Fuchs auch der Junker Thomas Slentz als einer ihrer wichtigsten Hauptleute auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Friesland warb dann D\u00e4nemark Teile der Garde, um die rebellischen Schweden wieder zu unterwerfen. Sie setzten 1497 nach Schweden \u00fcber und schlugen das Bauernaufgebot Sten Stures bei Rotebro n\u00f6rdlich von Stockholm. Nach ihrer R\u00fcckkehr kamen sie unter ihren Hauptleuten Fuchs und Slentz wieder in Friesland zum Einsatz. Von dort wandten sie sich frei pl\u00fcndernd nach S\u00fcden, fanden aber schnell wieder neue Auftraggeber. Bald waren sie wieder in Friesland. Sie erlitten Verluste durch Gefechte und Krankheiten, manchmal wurden kleinere Gruppen von Bauern nieder gemacht oder dem Henker \u00fcbergeben. Aber sie erhielten ausreichend neuen Zulauf. In ihren Reihen standen Oberdeutsche, Friesen, Niederl\u00e4nder, Lombarden, Spanier, Schweizer, Engl\u00e4nder, Schotten und sogar einigen Mauren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war nicht leicht einen solchen wilden und bunt gemischten Haufen zu f\u00fchren. Immer wieder gab es Streit um die Beute und um den ausbleibenden Sold. Ganz besonders schwierig konnte es werden, dieses aufr\u00fchrerische Volk in den Kampf zu f\u00fchren, wenn es dort nichts zu gewinnen, selbst aber einiges zu verlieren hatte. Als Wilwolt zum Beispiel seine Knechte zu einem Ausfall aus einer Stadt, in der sie wohlversorgt mit Beute und Frauen lagen, bewegen wollte, mu\u00dfte er feststellen: &#8222;Die Weinwirt, Metzger, Hurnf\u00fchrer und ander gros Hansen wollten nit auf, hetten Sorg, die in der Stat mochten ihnen den Cramschatz nemen oder die Hurn n\u00fctzen. [\u2026] Sa\u00dfen auf iren Erschen still.&#8220; Wilwolt mu\u00dfte sein Unternehmen nicht nur abbrechen, sondern in der Stadt dann auch noch die Frauen beruhigen, die einen Aufruhr angezettelt hatten, da sie f\u00fcrchteten, er wolle ihre M\u00e4nner in den Tod f\u00fchren. Von den Hauptleuten, F\u00e4hnrichen und Weibeln schob &#8222;einer die schult auf den andern&#8220;. Wie alle guten Kriegsleute dachten die Landsknechte erst einmal an sich und ihren Besitz, und dabei hatten die Tro\u00dfangeh\u00f6rigen offensichtlich ein gewichtiges W\u00f6rtchen mitzureden. Wenn sie Beute und Einkommen in Gefahr sahen, schreckten sie auch vor Verschw\u00f6rungen mit dem Feind nicht zur\u00fcck. Wilwolts Biograph berichtet von einem solchen &#8222;Judasrat&#8220;. Als das friesische Groningen kurz vor der Kapitulation stand, trafen sich einige Abgesandte der Gro\u00dfen Garde mit Landsknechten aus der belagerten Stadt. Sie sagten sich: &#8222;Wir sint kriegsleut. Solt der herzog die stat mit gwalt oder t\u00e4dung (durch \u00dcbergabe) gewinnen, so ist sonst allenthalben im lant fride, mochten nit dienst bekommen und m\u00fcsten wieder bossen rais laufen (\u00fcbel umherziehen). Wo aber der herzog die stat nit erobert, w\u00fcrden sie zu beiden teilen leut bedurfen&#8220;. Nachdem die Landsknechte den Friesen die heimliche Unterst\u00fctzung von Teilen der Garde zugesichert hatten, wurde die Kapitulation abgelehnt und der Krieg ging weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es allerdings zum Kampf kam, mu\u00dften sie sich ihren Sold sauer verdienen. Die Friesen waren tapfere Gegner und nutzten geschickt S\u00fcmpfe und Kan\u00e4le zur Verteidigung. Auf Deichen und um Schleusen konnte es zwischen den Spie\u00dfe starrenden Gewalthaufen zu blutigen Gemetzeln kommen. Wilwolts Biograph \u00fcberliefert davon ein recht anschauliches Bild. Als Neidhart Fuchs mit seinem F\u00e4hnlein von einer groninger \u00dcbermacht gestellt wurde, stieg er wie alle Hauptleute vom Pferd, legte seine R\u00fcstungen bis auf Krebs (Brustpanzer) und Goller (Halsschutz) ab und stellte sich zwischen die einfachen Knechte ins erste Glied. &#8222;Sie tratten zu hauff, und Fuchs knecht stachen die Gr\u00fcnigerischen ir knecht drei glider bis an das vorder fendlein darnieder. Aber lieber got, der hauf was zu gro\u00df, sprungen zu beiden seiten zu Fuchs fendlein, stachen sie zum weichen, und wart Neidhart mit einer b\u00fcchsen gescho\u00dfen, das er viele. Als bald der lag, fluhen sein knecht dahin, und woliche bei im bliben, wurden erstochen und vil wurden in si gehauen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzten Endes waren die Friesen aber der \u00fcberlegenen Kriegstechnik der F\u00fcrsten und dem Terror der Garde nicht gewachsen; sie mu\u00dften sich unterwerfen. Wilwolt \u00fcbernahm andere Aufgaben, aber die Landsknechte blieben unbesch\u00e4ftigt zur\u00fcck. Im Winter 1499 lagen sie unter der F\u00fchrung von Thomas Slentz ohne Sold s\u00fcdlich der Elbe und litten wie berichtet wird &#8222;gro\u00dfe Not und gro\u00dfen Hunger&#8220;. In dieser Situation waren die Abgesandten des D\u00e4nenk\u00f6nigs Johann willkommen, die sie zu einem Feldzug gegen die reiche Bauernrepublik Dithmarschen anwerben wollten. Die Dithmarscher hatten bereits mehrere Ritteraufgebote der Holsteiner vernichtend geschlagen und damit \u00e4hnlich wie die Schweizer ihre Freiheit \u00fcber Jahrhunderte gewahrt. Seit Holstein allerdings d\u00e4nisches Lehen geworden war, sahen sie sich der \u00dcbermacht dieses ganz Skandinavien umfassenden K\u00f6nigreichs gegen\u00fcber. Nachdem der Aufstand in Schweden niedergeschlagen war, wollte K\u00f6nig Johann nun auch die kleine Bauernrepublik unterwerfen. Er hatte allerdings aus den Niederlagen seiner Vorg\u00e4nger gelernt und wollte sich nicht allein auf den Adel st\u00fctzen, sondern vor allem die im Kampf gegen rebellische Bauern bestens bew\u00e4hrte Garde einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese bezeichnete sich jetzt auch manchmal als &#8222;Schwarze Garde&#8220;, was vielleicht darauf zur\u00fcckgeht, da\u00df Wilwolt einmal alle Knechte in schwarzem und wei\u00dfem Tuch hatte einkleiden lassen, das er als Soldzahlung erhalten hatte. Auf jeden Fall pflegte die Garde ihren neuen Beinamen, da sie dadurch unter ihren Gegnern noch mehr Schrecken zu verbreiten hoffte. Wie viele S\u00f6ldnertruppen setzte sie den Terror gezielt als Waffe ein. Sie hatte meistens gegen Bauern- oder Stadtmilizen gek\u00e4mpft und dabei war es bereits der halbe Sieg, wenn der Gegner bei ihrem Anmarsch den Mut verlor. Ein dithmarscher Chronist schrieb: &#8222;sie hatten so bekannte Namen und einen m\u00e4chtigen Ruhm, da\u00df man vor diesem Volk erschrak, wenn man nur seinen Namen h\u00f6rte. Weil man es f\u00fcr ein un\u00fcberwindliches Volk hielt, das greulich Raub, Mord und Brand aus\u00fcbte. Sie verw\u00fcsteten die St\u00e4dte und das Land, verschonten weder Kirchen noch Kl\u00f6ster. Sie gingen erb\u00e4rmlich und unchristlich mit den Leuten und Gefangenen um, verschonten keinen Stand oder Geschlecht&#8220;. Lange bevor es zum Kampf kam erz\u00e4hlten sich die Bauern schon Schauergeschichten von der gnadenlosen und unbesiegbaren Garde. Und wenn es dann so weit war, sahen sie den schwarzen Gewalthaufen mit einem Wald von Spie\u00dfen auf sich zur\u00fccken, die Trommeln dr\u00f6hnten dumpf und die Garde stimmte ihren Schlachtruf an: &#8222;Wahre di Bure, de Garde de kumbt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Feldzug sollte im Winter stattfinden wenn das Moor und die vielen Wassergr\u00e4ben gefroren und passierbar waren. Anfang Februar r\u00fcckte das d\u00e4nische Heer \u00fcber die trockene h\u00f6her gelegene Geest auf Meldorf, den Hauptort des Landes vor. Die Garde bestand aus 16 F\u00e4hnlein mit zusammen gut 4.000 Mann; der d\u00e4nische und holsteinische Adel war mit 2.000 Berittenen erschienen; hinzu kam noch die Landwehr mit 5.000 bewaffneten Bauern, zahlreiche Gesch\u00fctze und ein gewaltiger Tro\u00df von an die 1.000 Wagen mit Knechten, Fuhrleuten und Dienern. Diesem Heer konnten die Dithmarscher lediglich 6.000 Bauern und einige wenige Gesch\u00fctze entgegenstellen, zudem mu\u00dften sie ihr Aufgebot verteilen, da sie nicht wu\u00dften, welchen Weg der Feind w\u00e4hlen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"657\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-dorf.jpg\" alt=\"S\u00f6ldner terrorisiren ein Dorf\" class=\"wp-image-684\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-dorf.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-dorf-300x219.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-dorf-768x561.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts der \u00dcbermacht r\u00e4umten die Dithmarscher die hoch liegende Geest und gaben Meldorf auf. Ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung war geflohen, nur Alte, Kranke, Kinder und einige Unbelehrbare waren zur\u00fcckgeblieben. Die Garde begann sofort damit die D\u00f6rfer und Bauernh\u00f6fe zu pl\u00fcndern. Am Massaker an der Zivilbev\u00f6lkerung beteiligten sich alle: Holsteiner, D\u00e4nen und die Garde. Selbst die an die grausamen Kriege der Zeit gew\u00f6hnten Chronisten waren entsetzt. Einer schrieb ersch\u00fcttert von &#8222;Herodianischer Tyrannei&#8220;. S\u00e4uglinge wurden ihren M\u00fctter entrissen, erstochen, auf den Spie\u00dfen herumgetragen und an Mauern zerschmettert. Der Adel, vor allem der holsteinische ha\u00dfte diese Bauern, die sich gegen die gottgewollte Ordnung aufgelehnt und ihm schon zwei blutige Niederlagen bereitet hatten. Man wollte sich r\u00e4chen und ein Exempel statuieren. Im Gro\u00dfen Bauernkrieg in S\u00fcddeutschland sah man \u00e4hnliche Szenen in weit gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df. Man erkennt aber auch die Handschrift der Garde, die mit solchen Methoden unter ihren Gegnern Furcht und Schrecken verbreiten wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend das d\u00e4nische Heer sich in Meldorf austobte, setzte Tauwetter ein. Einige der F\u00fchrer, so auch Slentz, rieten zum Aufschub. Doch viele d\u00fcrstete es nach der Beute und der K\u00f6nig wollte seine teuren Hilfstruppen m\u00f6glichst bald entlassen k\u00f6nnen. Am 17. Februar begann bei Hagel und Schneeregen der Weitermarsch nach Hemmingstedt. Der Weg dorthin f\u00fchrte auf einem Dammweg durch die sumpfige von Gr\u00e4ben durchzogene Marsch. Die Spitze bildete die Garde, ihr folgte die Landwehr, dann kam die Reiterei und am Schlu\u00df w\u00fchlten sich die Wagen durch den inzwischen knietiefen Morast. Der Tro\u00df hatte Meldorf noch nicht ganz verlassen, als die Garde kurz vor Hemmingstedt auf einen Graben und eine Schanze stie\u00df, die die Bauern quer \u00fcber den Weg gezogen hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"357\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schanze-hemmingstedt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-687\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schanze-hemmingstedt.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schanze-hemmingstedt-300x119.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schanze-hemmingstedt-768x305.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der Schanze schlug ein vernichtendes Gesch\u00fctzfeuer in die dichten Reihen der Garde. Doch die alten Veteranen waren so leicht nicht zu ersch\u00fcttern. Sie begannen mit Spie\u00dfen, Schanzk\u00f6rben und Brettern die Gr\u00e4ben zu \u00fcberbr\u00fccken, und Slentz lie\u00df einige Gesch\u00fctze in Stellung bringen. W\u00e4hrend sich die Kanoniere damit abm\u00fchten im Regen ihre Lunten zu entz\u00fcnden, unternahmen die Dithmarscher einen Ausfall gegen die Gesch\u00fctze, der aber an den Spie\u00dfen der Garde scheiterte. Erst in einem zweiten Anlauf gelang es den Bauern in die Reihen der Garde einzudringen und die Gesch\u00fctze in die Gr\u00e4ben zu st\u00fcrzen. Die Landsknechte brauchten Raum, um sich f\u00fcr den Angriff aufstellen zu k\u00f6nnen. Das war jedoch nicht einfach. Die Bauern hatten die Schleusen ge\u00f6ffnet und das Wasser war am steigen. In Sturm und Regen donnerten die Gesch\u00fctze, br\u00fcllten die Verwundeten, die K\u00e4mpfenden und die Hauptleute. Trotz dieses zunehmenden Chaos gelang es Slentz rechts der Stra\u00dfe einen Gewalthaufen zu formieren, um die Schanze zu umgehen. Die Bauern auf der Schanze sahen die Gefahr aber sie kannten auch die Schwierigkeiten und T\u00fccken des teilweise \u00fcberfluteten Gel\u00e4ndes. Sie legten Harnische, Helme und sogar Schuhe ab und st\u00fcrzten sich halb nackt auf die Garde, die zwischen den Gr\u00e4ben versuchte Ordnung in ihre Reihen zu bringen. Zweimal st\u00fcrmten sie verzweifelt gegen die von Spie\u00dfen starrende Phalanx und wurden zur\u00fcckgeschlagen. Doch da trafen Verst\u00e4rkungen ein, die andere Stra\u00dfen besetzt gehalten hatten. Jetzt mehrere tausend Mann stark rannten sie noch einmal gegen die Garde an. Slentz trieb sein Pferd nach vorne, um seine M\u00e4nner zusammenzuhalten, da ri\u00df ihn der lange Reimer von Wimmerstedt mit der Hellebarde samt seinem Pferd um. Da er die R\u00fcstung nicht durchsto\u00dfen konnte setzte er ihm die Hellebarde auf die Brust und trat sie mit dem Fu\u00df durch den Panzer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Kompanien der Garde waren bereits v\u00f6llig aufgerieben und die meisten ihrer Hauptleute gefallen. Dazu stieg das Wasser und die Landfremden konnten die Gr\u00e4ben nicht mehr erkennen. Die Dithmarscher ben\u00fctzten ihre Spie\u00dfe als Springst\u00f6cke und setzten zielsicher \u00fcber die t\u00fcckischen Untiefen. Von allen Seiten drangen sie auf die S\u00f6ldner ein mit dem leicht ver\u00e4nderten Schlachtruf der Garde: &#8222;Wahre di Garde, de Bure de kumbt&#8220;. Bald l\u00f6sten sich deren Reihen auf und die Landsknechte begannen zu fliehen. Sie stolperten den schmalen Deichweg zur\u00fcck und bahnten sich mit Gewalt einen Weg durch die Landwehr, die sofort von der Panik angesteckt wurde und ebenfalls floh. Doch weiter hinten stauten sich die festgefahrenen Wagen bis weit nach Meldorf hinein. Man fuhr sie in die Gr\u00e4ben oder st\u00fcrzte sie um. Dazwischen standen die d\u00e4nischen und holsteinischen Ritter, die vom Kampf bisher nur entferntes Donnern und Geschrei vernommen hatten. Verzweifelt versuchten sie die Fl\u00fcchtenden aufzuhalten, waren aber noch mehr damit besch\u00e4ftigt in dem Chaos und Schlamm auf ihren Pferden zu bleiben. Doch bald fielen von allen Seiten die Dithmarscher \u00fcber sie her. Zuerst hielten sich diese an die Losung &#8222;schone den Man, schlae de Pferde&#8220;, um reiche Gefangene zu machen. Aber beim Anblick des Adels in seiner ganzen Pracht, kam der alte Ha\u00df wieder hoch und man gab die Losung weiter &#8222;schlae den Mann, schone der Pferde.&#8220; Die Ritter konnten sich nicht wehren. Wer nicht rechtzeitig sein Pferd wendete und sich den Weg freihauen konnte, fand ein ruhmloses Ende. Pardon wurde nicht gegeben, selbst die nackten, ausgepl\u00fcnderten Leichen wurden noch verst\u00fcmmelt. Wie gro\u00df der Ha\u00df der Bauern war, ist auch daran zu ersehen, da\u00df die Leichen des Adels sp\u00e4ter als Fra\u00df f\u00fcr die Hunde und Raben liegengelassen wurden, w\u00e4hrend die der Knechte beerdigt wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"442\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/garde-hemmingstedt.jpg\" alt=\"Der letzte Kampf der Schwarzen Garde\" class=\"wp-image-689\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/garde-hemmingstedt.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/garde-hemmingstedt-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Niederlage war vollkommen. Nur mit M\u00fche rettete der K\u00f6nig sein Leben und die Reste seines Heeres. Allerdings war die Garde nicht, wie oft berichtet wird, vernichtet worden. Angesichts des blutigen Kampfes und des katastrophalen R\u00fcckzuges waren ihre Verluste mit etwa 800 Mann sogar relativ gering. Das lag daran, da\u00df bei dem weit auseinandergezogenen Aufmarsch wahrscheinlich nur sechs F\u00e4hnlein ins Gefecht kamen. Diese verloren aber \u00fcber die H\u00e4lfte ihrer Mannschaften und alle Hauptleute. Die anderen F\u00e4hnlein schafften einen geschlossenen R\u00fcckzug und gliederten die Versprengten bei sich ein. Schlimmer als die Verluste war, da\u00df die Garde ihren Nimbus als unbesiegbare Elitetruppe verloren hatte. Die Schwarze Garde h\u00f6rte mit Hemmingstedt auf zu existieren; ihre Teile aber suchten sich neue Kriege.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gros k\u00e4mpfte bald wieder in Friesland. Andere zogen 1502 im d\u00e4nischen Heer wieder gegen die aufst\u00e4ndischen Schweden. Bald fand man im Norden die Landsknechte in jedem Krieg und bei jeder Partei. Denn auch die Schweden verst\u00e4rkten bald ihre Aufgebote mit Landsknechten. In diesen Feldz\u00fcgen verloren sich die Spuren der F\u00e4hnlein und einzelnen S\u00f6ldner. Wo Geld und Beute versprochen wurden kamen sie zusammen, zerstreuten sich anschlie\u00dfend wieder und traten in andere Verb\u00e4nde ein. Es ist deshalb gut m\u00f6glich, da\u00df ehemalige Veteranen der Schwarzen Garde auch \u00fcber Polen oder Nowgorod in den Dienst des Gro\u00dff\u00fcrstentums Moskau gekommen waren, um dann am Smolinasee ihr Ende zu finden. Andere verschlug es wohl nach Italien, wo bald die &#8222;Schwarzen Banden&#8220; von sich reden machten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weg einer der ersten Landsknechtsformationen durch Nordeuropa.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":683,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[81,84],"class_list":["post-671","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-landsknechte","tag-schlacht"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Schwarze Garde - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-schwarze-garde\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Schwarze Garde - 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