{"id":658,"date":"2024-10-11T14:44:32","date_gmt":"2024-10-11T14:44:32","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=658"},"modified":"2025-01-16T14:27:28","modified_gmt":"2025-01-16T14:27:28","slug":"schweizerschlachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/schweizerschlachten\/","title":{"rendered":"Schweizerschlachten"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">In Italien trafen Schweizer Reisl\u00e4ufer und Landsknechte aufeinander.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"440\" height=\"540\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schweizer-bern.jpg\" alt=\"Schweizer Fu\u00dfvolk\" class=\"wp-image-662\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schweizer-bern.jpg 440w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schweizer-bern-244x300.jpg 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Italien schlugen die Landsknechte ihre wildesten und legend\u00e4rsten Schlachten. Dort hatten sie ihre gro\u00dfe Zeit, die sp\u00e4ter von Liedern und Legenden verkl\u00e4rt wurde. Ihre ber\u00fchmtesten Hauptleute wie Georg von Frundsberg, Sebastian Sch\u00e4rtlin, Wilhelm von F\u00fcrstenberg oder Marx Sittich von Ems hatten dort Karriere gemacht. Was danach kam, war eigentlich schon Niedergang. In den italienischen Kriegen gerieten die Landsknechte an ihre schrecklichsten Gegner, ihre alten Lehrmeister &#8211; die Schweizer Reisl\u00e4ufer. Die Schweizerschlachten in Italien z\u00e4hlen mit zu den blutigsten Gemetzeln, die sich S\u00f6ldnerheere je geliefert haben. Kein Ritterheer hatte sich je mit solcher Wut und Erbarmungslosigkeit geschlagen wie diese Haupkonkurrenten um das Gold der F\u00fcrsten. Es hatte vorher schon viel Neid gegeben. Die Landsknechte galten als die schlechteren Schweizer und erhielten geringeren Sold und weniger Beute. Doch der Neid reicht nicht allein als Erkl\u00e4rung f\u00fcr diesen grenzenlosen Ha\u00df. S\u00f6ldner hatten schon immer bunt gemischt den verschiedensten Herren gedient und dabei gerade f\u00fcr die Professionellen in den Reihen der Gegner oft viel Verst\u00e4ndnis gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zerst\u00fcckelte Italien wurde am Ende des Mittelalters zum Zankapfel der neuen Territorialstaaten Frankreich, Spanien, Habsburg und zeitweilig sogar der Schweiz. Einzelne Landsknechtsf\u00e4hnlein dienten zwar schon l\u00e4nger im franz\u00f6sischen Sold als Unterst\u00fctzung der Schweizer. Ihre Bedeutung stieg jedoch schlagartig, als es 1510 zum Bruch zwischen Frankreich und der ebenfalls expandierenden Schweiz kam. Um den Verlust seiner Eliteinfanterie auszugleichen lie\u00df der K\u00f6nig von Frankreich verst\u00e4rkt im Reich werben. Bald verf\u00fcgte er \u00fcber einige Regimenter. Das st\u00e4rkste war die &#8222;Schwarze Bande&#8220;, die ihm der Herzog von Geldern zugef\u00fchrt hatte. Ihren Namen soll sie aufgrund ihrer schwarzen Fahnen und R\u00fcstungen erhalten haben. Wenn man aber bedenkt, da\u00df ein guter Teil von ihnen aus Geldern dem alten Wirkungsgebiet der Schwarzen Garde kam, ist es nicht unwahrscheinlich, da\u00df einige ihrer Veteranen Fahnen und Ruf ihres ber\u00fchmten alten Verbandes mit nach Frankreich genommen hatten. Unter den Hauptleuten lassen sich allerdings keine Gemeinsamkeiten nachweisen. Diese kamen haupts\u00e4chlich aus S\u00fcddeutschland, wie die Schwaben Hans von Brandeck und Wolf von Lupfen oder ihr F\u00e4hnrich der Augsburger Patriziersohn Georg Langenmantel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste schwere Bew\u00e4hrungsprobe der Schwarzen Bande war die Schlacht bei Ravenna 1512 gegen die Spanier. Die Spanier verlie\u00dfen sich weder auf die Kavallerie, noch auf den rohen Ansturm der Gewalthaufen und hatten deshalb eine feste Stellung hinter einem Graben bezogen. Die Spie\u00dfer aus der Picardie und die gascogner Armbrustsch\u00fctzen der Franzosen erlitten bei ihrem Angriff von Gewehr- und Gesch\u00fctzfeuer schwere Verluste und wurden abgeschlagen. An anderer Stelle erk\u00e4mpften sich 5.000 Landsknechte den \u00dcbergang \u00fcber den Graben. Ihr Hauptmann Jakob von Embs wurde dabei erschossen. Sein Nachfolger Fabian von Schlaberndorf, angeblich ein Riese von Gestalt, nahm eine Lanze mit beiden H\u00e4nden und dr\u00fcckte damit die Spie\u00dfe der Spanier nieder. Er wurde dabei niedergestochen aber die Landsknechte drangen in die Stellung ein. In dem folgendem Handgemenge w\u00fcteten die spanischen Schwertk\u00e4mpfer furchtbar in ihren Reihen, und sie wurden wieder \u00fcber den Graben zur\u00fcckgeworfen. Erst als ein Flankenangriff der franz\u00f6sischen Reiterei Entlastung brachte und die franz\u00f6sische Artillerie die spanische Stellung schwer ersch\u00fcttert hatte, griffen Landsknechte, Gascogner und Picarden noch einmal gemeinsam an, \u00fcberwanden den blutgetr\u00e4nkten Graben und zwangen die Spanier zum Weichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr sp\u00e4ter standen sie den f\u00fcr Mailand k\u00e4mpfenden Schweizern bei Novara gegen\u00fcber. Die Schweizer blieben bei ihrer alten Taktik und \u00fcberfielen das franz\u00f6sische Heer noch bevor es richtig zur Aufstellung gekommen war. Die Infanterie aus der Gascogne und Navarra suchte ohne Widerstand ihr Heil in der Flucht. Auch die adlige Reiterei der ber\u00fchmten Gens d&#8217;Armes brachte sich gr\u00f6\u00dftenteils in Sicherheit. Nur die Landsknechte hielten bei den Gesch\u00fctzen aus. Doch es kam nicht zu mehr als ein oder zwei Salven, dann prallten die Gewalthaufen aufeinander. Die Schwarze Bande hielt eine Zeit lang stand, dann unterlag sie dem Ansturm der unbesiegten Schweizer. Diese metzelten erbarmungslos alles nieder, und nur wenige Landsknechte konnten sich retten. Aber auch die Schweizer hatten mit weit \u00fcber tausend Mann gr\u00f6\u00dfere Verluste als in allen ihren bisherigen Schlachten zusammen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"649\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/marignano-schweizer.jpg\" alt=\"Angriff der Schweizer bei Marignano\" class=\"wp-image-664\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/marignano-schweizer.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/marignano-schweizer-231x300.jpg 231w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Novara war die letzte, schon nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfe Schweizerschlacht. Die taktische Zusammenarbeit von Infanterie, Artillerie und Kavallerie und die Bedeutung einer festen Stellung sollte sich dem rohen Ansturm als \u00fcberlegen erweisen. 1515 bei Marignano war es dann soweit. Die Schweizer hatten sich inzwischen zu Herren Mailands gemacht und Franz I. war entschlossen sie von dort zu vertreiben. Die Hauptmasse seines Heeres bildeten \u00fcber 20.000 Landsknechte, darunter die wieder auf 6.000 Mann verst\u00e4rkte Schwarze Bande. Hinzu kamen die Gens d&#8217;Armes, eine m\u00e4chtige Artillerie und einige tausend gascogner Armbrustsch\u00fctzen. Die Schweizer waren gerade ungef\u00e4hr so stark wie die Landsknechte und verf\u00fcgten nur \u00fcber wenige Gesch\u00fctze und keinerlei Reiterei. Aber im unersch\u00fctterlichen Glauben an die eigene Unbesiegbarkeit z\u00f6gerten sie nicht das \u00fcberlegene franz\u00f6sische Heer anzugreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zentrum der franz\u00f6sischen Schlachtordnung bildeten 72 hinter einem Graben aufgestellte Gesch\u00fctze, die von den Landsknechten gedeckt wurden. Auf sie richtete sich der Angriff der Schweizer. Aber die St\u00fcckkugeln schlugen tiefe L\u00fccken in die dichtgedr\u00e4ngten Haufen und die Armbrustbolzen der Gascogner lichteten zus\u00e4tzlich die Reihen. Trotzdem \u00fcberwanden sie den Graben und warfen sich auf die Landsknechte, deren Namen sie an diesem Tag auszul\u00f6schen gelobt hatten. Aber die Landsknechte schlugen sie wider Erwarten zur\u00fcck und gingen selbst zum Angriff \u00fcber. Die Schweizer zerschlugen den Haufen und dr\u00e4ngten erneut \u00fcber den Graben. In einem blutigen Ringen wurden die Landsknechte zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und die Schweizer bem\u00e4chtigten sich einiger Gesch\u00fctze. Da trat der franz\u00f6sische K\u00f6nig und mit ihm viele Adlige in die Reihen der schwarzen Bande und f\u00fchrte sie zum Gegenangriff. W\u00e4hrend der m\u00f6rderische Nahkampf um die Gesch\u00fctzte tobte, attackierten die Gens d&#8217;Armes die Schweizer von den Flanken. Als es ihnen endlich gelang einen Gewalthaufen zu zersprengen, brach der Angriff zusammen. Aber der Kampf ging weiter bis in der Dunkelheit Freund und Feind nicht mehr zu unterscheiden waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Nacht lagerten die Heere dicht beieinander. Tausende von Toten bedeckten das Schlachtfeld, man h\u00f6rte das Geschrei und Gewimmer der Verwundeten. Das Wasser in den B\u00e4chen soll so blutig gewesen sein, da\u00df es niemand trinken wollte. Trotz ihrer Verluste st\u00fcrmten die Schweizer an n\u00e4chsten Tag gleich wieder gegen die Gesch\u00fctze. Noch einmal wiederholte sich das Gemetzel vom Vortag. Schweizer und Landsknechte rangen um jeden Handbreit Boden, w\u00e4hrend die Sch\u00fctzen und Reiter die Ordnung der Gewalthaufen zu ersch\u00fcttern versuchten. Bei jeden neuen Angriff ri\u00df das Artilleriefeuer furchtbare L\u00fccken in die Haufen der Schweizer, danach liefen sie sich an den Spie\u00dfen der Landsknechte fest. Unbeirrt st\u00fcrmten sie immer wieder. Erst als franz\u00f6sische Verst\u00e4rkungen eintrafen zogen sie sich zur\u00fcck. Weit \u00fcber die H\u00e4lfte von ihnen, mindestens 12.000 blieb tot auf dem Schlachtfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Werbungen f\u00fcr Frankreich waren allerdings nur in der Anfangszeit unproblematisch, als der deutsche Kaiser noch zu seinen B\u00fcndnispartnern z\u00e4hlte. Als Maximilian jedoch das Lager wechselte und damit der jahrzehntelange Dauerkonflikt zwischen Habsburg und Frankreich begann, befahl er den deutschen Hauptleuten den franz\u00f6sischen Dienst zu verlassen und heimzukehren. Nur wenige f\u00fcgten sich dieser Anweisung. Das &#8222;Vaterland&#8220; war ihnen unbekannt und auch der Kaiser konnte nicht allen eine fest besoldete Stelle versprechen. Jakob von Embs ignorierte den Brief Maximilians und fiel kurz darauf bei Ravenna. Die Landsknechte in franz\u00f6sischem Sold wurden daraufhin mit Acht und Bann belegt und die Reichsbeh\u00f6rden versuchten weitere Werbungen zu unterbinden. Aber trotz der angedrohten Strafen und Kontrollen an den Grenzen, lockten die franz\u00f6sischen Sonnenkronen st\u00e4ndig neue Landsknechte nach Frankreich. Sie kamen als einzelne Abenteurer, in F\u00e4hnlein und ganzen Regimentern. Selbstherrliche F\u00fcrsten, vertriebene und ge\u00e4chtete Adlige warben Truppen und f\u00fchrten sie heimlich \u00fcber die Grenze. Bald konnte sich die Schwarze Bande mit vielen illustren Namen schm\u00fccken. Der vornehmste unter ihnen war der verbannte letzte Spro\u00df des Hauses York, der eigentliche englische Thronfolger, Richard de la Pole, der die Schwarze Bande seit 1521 f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der gr\u00f6\u00dften Landsknechtsschlacht der Epoche bei Pavia war es dann so weit, und die Schwarze Garde stand gemeinsam mit den Schweizern den Spaniern und Landsknechten des Kaisers gegen\u00fcber. Pavia wurde zum gr\u00f6\u00dften Triumph der kaiserlichen Landsknechte unter Georg von Frundsberg und zum grausamen Ende der Schwarzen Bande. Zu ihrem Ungl\u00fcck konnten die Franzosen ihre Truppenteile nur nacheinander in die Schlacht f\u00fchren. So wurden zuerst ihre Reiter von den kaiserlichen Sch\u00fctzen zerstreut und als die 6.000 Mann starke Schwarze Bande anr\u00fcckte wurde sie von den zwei ungef\u00e4hr gleich starken Gewalthaufen in die Zange genommen. Die kaiserlichen Landsknechte ha\u00dften ihre Kollegen im franz\u00f6sischen Sold fast noch mehr als die Schweizer und waren nicht gewillt Pardon zu geben. Viele kannten sich und hatten in anderen Schlachten unter derselben Fahne gek\u00e4mpft. Einige waren sogar verwandt. So k\u00e4mpften der Vetter von Wolf von Lupfen und der Bruder von Karl zu Orttenburg bei den Kaiserlichen. Aber es gab keine Absprachen wie bei den Schweizern, die den Kampf gegeneinander immer vermieden hatten. Es gab nur wilden Ha\u00df. Kurz bevor sie aufeinanderstie\u00dfen trat Langenmantel vor die Front und forderte Frundsberg zum Zweikampf. Die kaiserlichen Landsknechte schrien emp\u00f6rt auf und hieben ihn in St\u00fccke. Seinen Arm als Siegeszeichen erhoben drangen sie auf die Schwarze Bande ein. Der Kampf war kurz und erbarmungslos. Der Gro\u00dfteil der Schwarzen Bande und die meisten ihrer Hauptleute wurden erschlagen. So ihr F\u00fchrer Richard de la Pole, der Herzog von Lothringen, der Graf von Nassau und \u00fcber 50 deutsche Adlige. Nur einige wenige wie der alte Hans von Brandeck und Wolf von Lupfen wurden schwer verwundet gefangen genommen. Als endlich die Schweizer kamen, war bereits alles vorbei. Erstmals in ihrer Geschichte suchten die Schweizer jetzt ihr Heil in der Flucht; aber auch von ihnen entkamen nur wenige. Ein Franzose bemerkte sp\u00e4ter bedauernd: &#8222;wie anders w\u00e4re die Schlacht verlaufen, wenn unsere Schweizer wie die Landsknechte gek\u00e4mpft h\u00e4tten.&#8220; Das war sicher falsch, denn die Schweizer h\u00e4tten angesichts der \u00dcbermacht auch nur noch den Heldentod sterben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gefangenen wurden sp\u00e4ter von Franz I. freigekauft und durch neue Werbungen verst\u00e4rkt. Der Graf Vaud\u00e9mont f\u00fchrte bald wieder 6.000 nach Italien. Fast alle fanden ihr Ende 1528 bei dem ungl\u00fccklichen Feldzug gegen Neapel. Sie starben an der Pest oder unter den Spie\u00dfen und Kugeln der kaiserlichen Landsknechte und Arquebusiere. Dort fielen dann auch Hans von Brandeck und Wolf von Lupfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wohl nirgendwo in der S\u00f6ldnergeschichte wird der Schrecken und das Grauen einer Schlacht so deutlich wie bei den Gemetzeln in Italien. Landsknechte und Schweizer k\u00e4mpften in bis zu 50 Gliedern tiefen Gewalthaufen. Vorne standen die Pikeniere mit ihren f\u00fcnf Meter langen Spie\u00dfen, dahinter kamen die Hellebardentr\u00e4ger und Schwertk\u00e4mpfer mit langen Zweih\u00e4ndern. Das erste und oft auch das letzte Glied bildeten gepanzerte Doppels\u00f6ldner. Der Zusammenprall zweier Gewalthaufen war furchtbar. Der alte Frundsberg umschrieb es in einfachen Worten so: &#8222;Wo unter den langen Wehren etliche Glieder zu grund gehen, werden die Personen, die dahinter stehen, etwas zaghaft.&#8220; Wenn die Spie\u00dfe und Hellebarden im Gedr\u00e4nge nicht mehr bewegt werden konnten, w\u00fctete man mit kurzen Schwertern, die aus gutem Grund &#8222;Katzbalger&#8220; genannt wurden, &#8222;Mord\u00e4xten&#8220;, Messern, Z\u00e4hnen und blo\u00dfen H\u00e4nden. Selbst die Schwerverwundeten wehrten sich manchmal noch bis zum letzten Atemzug. So berichtet Sch\u00e4rtlin, da\u00df er einmal von einem Schweizer durch den Fu\u00df gestochen wurde, den er vorher mit einem Fausthammer niedergeschlagen und als tot liegengelassen hatte. Viele wurden von der schiebenden Masse aber auch einfach erdr\u00fcckt oder zu Tode getrampelt. Richtig m\u00f6rderisch wurde es, wenn einer der Gewalthaufen anfing zu wanken. Dann gab es bald kein Halten mehr. Meistens gelang nur ganz wenigen die Flucht; der \u00fcberwiegende Teil wurde gnadenlos abgeschlachtet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"522\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schweizer-landsknechte.jpg\" alt=\"Schweizer gegen Landsknechte\" class=\"wp-image-666\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schweizer-landsknechte.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schweizer-landsknechte-300x196.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/schweizer-landsknechte-768x501.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles kam also darauf an, standzuhalten und den gegnerischen Haufen m\u00f6glichst schnell zum Weichen zu bringen. Dabei kam es nicht auf die Fechtk\u00fcnste des Einzelnen an &#8211; dreinschlagen konnte jeder &#8211; sondern auf das Selbstvertrauen der eigenen Leute und die Furcht des Gegners. Die Schweizer hatten den Glauben an die eigene Unbesiegbarkeit \u00fcber Generationen kultiviert, aber auch mit Terror die Moral ihrer Feinde untergraben. Schon bei ihren ersten Einf\u00e4llen in Italien hatten sie Angst und Schrecken verbreitet, weil sie, ganz anders als die Condottieri, den sogenannten &#8222;b\u00f6sen Krieg&#8220; f\u00fchrten, bei dem entgegen der ritterlichen Praktiken keine Gefangenen gemacht wurden. An diesem Grundsatz hielten sie so eisern fest, da\u00df sie sogar manchmal Gefangene allen Abmachungen zum Trotz noch nach der Schlacht erschlugen. Eine Kriegsvorschrift der Berner brachte es auf den Punkt: &#8222;Wir w\u00f6lten gern den eren nach, das jederman erstochen und niemand gevangen were; das wurd allweg den schrecken in unsern vinden meren und unser guet lob behalten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange sie ein Monopol auf diese Gewalthaufen hatten und nicht gegeneinander antraten \u00fcberrannten sie fast jeden Gegner mit relativ geringen Eigenverlusten. Das \u00e4nderte sich erst als die Landsknechte auf dem Markt erschienen. Deren kurzes Standhalten 1513 bei Novara bezahlten sie mit bislang unbekannt hohen Blutzoll. Gut zwei Jahre sp\u00e4ter hielten die Landsknechte die franz\u00f6sische Artilleriestellung bei Marignano und zwangen damit die Schweizer zum ersten R\u00fcckzug ihrer Geschichte. Als die Schweizer im franz\u00f6sischen Dienst 1522 bei Bicocca auf die kaiserlichen Landsknechte und Spanier unter Frundsberg stie\u00dfen, forderten sie ungest\u00fcm den Angriff. Angesichts der vorz\u00fcglichen feindlichen Stellung war es eigentlich Wahnsinn, aber sie wollten mit aller Gewalt den Mythos ihrer Unbesiegbarkeit wieder herstellen. Dem zaudernden franz\u00f6sischen Feldherren warfen sie Feigheit vor und st\u00fcrzten sich ohne das Eintreffen der Artillerie abzuwarten in wildem Ha\u00df auf ihre Erzfeinde. Sie wurden unter schrecklichen Verlusten geschlagen. Drei Jahre sp\u00e4ter flohen sie bei Pavia, nachdem die Schwarze Bande vernichtet worden war. Es war ein Kampf um Selbstvertrauen. Und genau hier ist sicher die Hauptursache f\u00fcr den gegenseitigen Ha\u00df zu suchen. Landsknechte und Schweizer waren ihre jeweiligen Angstgegner.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"260\" height=\"365\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/hakenschuetze.jpg\" alt=\"Hakensch\u00fctze\" class=\"wp-image-668\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/hakenschuetze.jpg 260w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/hakenschuetze-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heldenhafte Angriffe geh\u00f6ren zumeist in den Bereich der Legende, und dort wo es tats\u00e4chlich einmal dazu kam, war der Angreifer eigentlich immer sicher, den Gegner beim ersten Zusammenprall in die Flucht zu schlagen. Als diese Gewi\u00dfheit nicht mehr gegeben war gingen die Gewalthaufen nur noch ungern aufeinander los. Wenn die Angst vor dem Wall aus blanken Eisen zu gro\u00df war, drohte man, fuchtelte mit den Waffen und schlug ein wenig mit Schwertern und Hellebarden nach den Spie\u00dfen. Die Landsknechte waren ber\u00fcchtigt daf\u00fcr, da\u00df sie sich nur z\u00f6gernd schlugen, wenn sie auf beiden Seiten etwa gleich stark waren. Aber auch Reiter belie\u00dfen es fast immer bei Drohgeb\u00e4rden. Ein Landsknecht \u00fcberlieferte ein typisches Scharm\u00fctzel zwischen Fu\u00dfvolk und spanischen Reitern: &#8222;Ihr Officier kam weit vor seiner Reiterei her auf uns zu gallopieret, vermeinet gewi\u00dflich, uns mit seiner Lanzen zu erschrecken. Als er sich aber zu uns n\u00e4herte und auf der unsrigen Zurufen nicht stillhalten wollte und ohngef\u00e4hr noch drei Piquen lang von uns war, wurde er aus dem ersten Glied solchergestalt mit drei Kugeln empfangen, da\u00df er zur Erden fiel. Als nun die Reiterei nahe genug kam, wurde von etlichen Gliedern Feuer unter sie gegeben, welches sie nicht lange vertragen konnten, sondern gingen alle durch&#8220;. Aus diesem Zaudern der Krieger vor dem selbstm\u00f6rderischen Angriff erkl\u00e4rt sich auch der gro\u00dfe Erfolg der Sch\u00fctzen in dieser Zeit. Die schweren und unhandlichen Hakenb\u00fcchsen hatten zwar eine wesentlich langsamere Schu\u00dffolge als Armbrust oder Bogen, konnten aber mit ihren circa 30 Gramm schweren Geschossen Harnische bis auf 150 Meter durchschlagen. Von den Spie\u00dftr\u00e4gern gesch\u00fctzt, wurden die Arquebusiere immer mehr zu den eigentlichen K\u00e4mpfern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zusammenprall zweier Gewalthaufen war also eher die Ausnahme. Meistens versuchte man sich zuerst Mut zu machen und wartete auf Anzeichen der Schw\u00e4che beim Gegner. Man rief sich Beschimpfungen zu, drohte, schwenkte die Waffen und besonders gerne Teile von erschlagenen Gegnern. Bei Bicocca rief ein schweizer Oberst als er Frundsberg erkannte: &#8222;ee du allter b\u00f6swicht, fynd ich dich do! Hat dein Leben noch kain endt? Du muest hie sterben von meine hennt.&#8220; Oft waren es archaische, ja geradezu animalische Rituale, mit denen man sich selbst Mut machen und den Feind einsch\u00fcchtern wollte. Als die Landsknechte bei Marignano einen Angriff der Schweizer abgeschlagen hatten, schnitten sie einem gefallenen Schweizer Hauptmann den Bauch auf und schmierten mit seinem K\u00f6rperfett ihre Spie\u00dfe. Einen anderen zerhackten sie, brieten und fra\u00dfen die St\u00fccke. Dazu gab es Salat aus einer eroberten gr\u00fcnen schweizer Fahne. Nat\u00fcrlich alles demonstrativ im Angesicht des Gegners. Das Rittertum hatte als relativ abgeschlossene Kriegerkaste solche uralten Rituale fast bis zur Unkenntlichkeit verfeinert. Im einfachen Fu\u00dfvolk traten sie wieder geballt hervor. Es ist anzunehmen, da\u00df sich Almogavaren, Brabanzonen oder vergleichbare Truppen \u00e4hnlich verhalten hatten. Belegt sind solche Szenen allerdings erst von Schweizern und Landsknechten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"478\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-tod.jpg\" alt=\"Landsknechte mit Tod und hure\" class=\"wp-image-669\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-tod.jpg 280w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-tod-176x300.jpg 176w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte dar\u00fcber streiten ob sich in Schweizern und Landsknechten altgermanisches Brauchtum erhalten hat, oder ob Krieger in der st\u00e4ndigen Spannung zwischen Angst und \u00dcberheblichkeit nicht immer wieder <a href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/krieger\/hunde.htm\">\u00e4hnliche Rituale<\/a> entwickeln. Es w\u00e4re ein Streit um graduelle Wichtungen, denn wahr ist sicher beides. Gerade die des \u00f6fteren berichtete Verwendung des &#8222;Schmeers&#8220;, des Fettes der Erschlagenen, kam \u00fcber das Mittelalter aus \u00e4lteren Zeiten. Man schrieb ihm magische Wirkungen zu, und die Henker betrieben mit dem Schmeer von Hingerichteten schon seit langem ein eintr\u00e4gliches Nebengesch\u00e4ft. Andererseits liegt in der Beliebtheit von Amuletten, Troph\u00e4en, Wahrsagerei und Magischem zwar etwas atavistisches, aber etwas das vom Kriegsvolk anscheinend stets wieder aufs neue entdeckt wird. Also etwas, das das Gewerbe zwangsl\u00e4ufig mit sich bringt. Besonders auff\u00e4llig ist dies an den \u00fcberdimensionierten Schamkapseln, mit denen die Landsknechte ihre M\u00e4nnlichkeit zur Schau stellten. Sie erinnern sicher nicht zuf\u00e4llig an die Penisk\u00f6cher papuanischer Kopfj\u00e4ger. \u00c4hnlich ist es mit den gro\u00dfen Landsknechtstrommeln. Ihr Gebrauch kam aus dem Orient und war vorher in den europ\u00e4ischen Heeren unbekannt. Die Landsknechte waren von dem rhythmischen Dr\u00f6hnen fasziniert und machten sie zu einem festen Bestandteil ihrer Kultur. Die Schweizer wiederum verwendeten weit hallende Schlachth\u00f6rner, wie den &#8222;Stier von Uri&#8220;, &#8222;die Kuh von Schwyz&#8220; oder &#8222;das Kalb von Unterwalden&#8220;, die m\u00f6glicherweise aus germanischer Tradition kamen. Auch die von den Schweizern zuerst eingef\u00fchrte typische Kleidung, mit all ihrer primitiven Protzerei und ihrem l\u00e4stigen Pomp hat wenige Vorbilder. Sie war ein Ausdruck der Angeberei der Krieger. Stolz schrieb ein Landsknecht, da\u00df man ihn und seine Gesellen in Spanien f\u00fcr &#8222;wilde M\u00e4nner&#8220; gehalten h\u00e4tte. Wilde M\u00e4nner waren finstere M\u00e4rchengestalten, mit denen man Kindern Angst machte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei all diesen teilweise archaischen Vorlieben f\u00fcr mystisches, Schrecken erregendes Auftreten ist es unwahrscheinlich, da\u00df der Name der Schwarzen Garde allein auf eine zuf\u00e4llige schwarz-wei\u00dfe Einkleidung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Vor allem, da kurz danach die Schwarzen Banden im Dienst Frankreichs auftraten. Bezeichnenderweise w\u00e4hlten nicht die frommen Knechte Frundsbergs, die f\u00fcr Kaiser und Reich k\u00e4mpften, diese Farbe, sondern die vom Kaiser mit Acht und Aberacht belegten, im Sold des Feindes stehenden. Schwarz war die mystisch m\u00e4chtige Farbe des Todes. Europa wurde immer wieder von der Pest, dem &#8222;schwarzen Tod&#8220;, heimgesucht, die Magie galt als &#8222;schwarze Kunst&#8220;, Henker trugen manchmal schwarze Amtskleidung. All dies sind keine neuzeitlich nihilistisch-romantische Verkl\u00e4rungen, wie etwa Florian Geyers &#8222;schwarzer Haufen&#8220;. Es waren wohlbekannte Symbole dieser Zeit. Tod und Teufel waren schwarz, und es pa\u00dft dazu, wenn von der Schwarzen Bande berichtet wird, da\u00df sie gesagt haben sollen: &#8222;Gott k\u00f6nne nit mehr regieren, er w\u00e4r&#8216; zu alt und darumb h\u00e4tte er ihnen das Regiment empfohlen&#8220;.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Italien trafen Schweizer Reisl\u00e4ufer und Landsknechte aufeinander.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":680,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[81,83],"class_list":["post-658","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-landsknechte","tag-schweizer"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.1 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Schweizerschlachten - 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