{"id":630,"date":"2024-10-09T15:46:29","date_gmt":"2024-10-09T15:46:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=630"},"modified":"2025-01-16T14:28:58","modified_gmt":"2025-01-16T14:28:58","slug":"der-sacco-di-roma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/der-sacco-di-roma\/","title":{"rendered":"Der Sacco di Roma"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">1527 pl\u00fcnderten Landsknechte, spanische und italienische S\u00f6ldner Rom.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein diszipliniertes S\u00f6ldnerheer mit Erfahrung, Selbstvertrauen und guter F\u00fchrung erwies sich allen anderen Truppen weit \u00fcberlegen. Mit S\u00f6ldnern unterwarfen die Landesherren ihren rebellischen Adel und machten sich von der Lehnsfolge unabh\u00e4ngig. Die Kehrseite war dabei, dass S\u00f6ldner regelm\u00e4\u00dfig bezahlt werden m\u00fcssen. Falls dies nicht geschah, desertierten sie, liefen zum Feind \u00fcber, pl\u00fcnderten und mutierten zu R\u00e4uberbanden. Ganze Armeen konnten auf diese Art verschwinden. Die allerschlimmste M\u00f6glichkeit aber, sozusagen der Super-GAU des Gesch\u00e4fts, war es, wenn sich eine wirklich gro\u00dfe unbezahlte Armee selbst\u00e4ndig machte und versuchte die Soldr\u00fcckst\u00e4nde auf ihre Weise einzutreiben. Ein fr\u00fches Beispiel war der S\u00f6ldnerkrieg in Karthago, den Polybios als den mit Abstand grausamsten seiner Zeit bezeichnete, aber auch die Raubz\u00fcge der Freien Kompanien, die Frankreich im Hundertj\u00e4hrigen Krieg immer wieder verw\u00fcsteten geh\u00f6ren in diese Reihe. Eines der schrecklichsten Ereignisse dieser Art ist der Sacco di Roma. Man sollte die zahlreichen Quellen und Augenzeugenberichte zum Sacco di Roma also deshalb nicht nur unter dem Aspekt des Einzelereignisses lesen, sondern dabei auch an all die anderen Exzesse denken, die vorher und sp\u00e4ter passierten, wenn ein gro\u00dfes S\u00f6ldnerheer von der Leine gelassen seine niedrigsten Instinkte auslebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Sacco di Roma kam es, als Habsburg 1526 wieder einmal in Italien Krieg gegen Frankreich und den Papst f\u00fchrte. Das Silber aus Amerika und die Kredite hatten gerade dazu gereicht ein starkes Heer haupts\u00e4chlich aus spanischen S\u00f6ldnern und Landsknechten in Norditalien zusammenzuziehen. Als nach harten, schweren K\u00e4mpfen der Sold immer l\u00e4nger ausblieb begannen die S\u00f6ldner zu meutern. Charles de Bourbon unter dessen Kommando die Spanier standen und Georg von Frundsberg der F\u00fchrer der Landsknechte versuchten es mit immer neuen Versprechungen, borgten bei verb\u00fcndeten italienischen F\u00fcrsten, konnten aber den Sold f\u00fcr die mehr als 30.000 Mann nicht mehr aufbringen. Als bei einer Auseinandersetzung seine Knechte sogar drohend die Waffen gegen ihn erhoben, wurde Frundsberg vom Schlag getroffen und musste schwer krank und als gebrochener Mann in die Heimat reisen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"511\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sturm-rom.jpg\" alt=\"die Landsknechte st\u00fcrmen Rom\" class=\"wp-image-633\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sturm-rom.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sturm-rom-294x300.jpg 294w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">die Landsknechte st\u00fcrmen Rom<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bourbon und die anderen Unterf\u00fchrer, denen die Kontrolle \u00fcber die Truppen inzwischen v\u00f6llig aus der Hand geglitten waren, sahen nun als einzigen Ausweg, das Heer gegen Rom zu f\u00fchren, um dort vom Papst eine entsprechende Summe zu erpressen. Schon auf dem Marsch pl\u00fcnderten die S\u00f6ldner zahlreiche Kleinst\u00e4dte und unz\u00e4hlige D\u00f6rfer und Geh\u00f6fte. Doch dabei stieg die Gier nach den wirklichen Sch\u00e4tzen, die in Rom auf sie warten sollten. Als die Verhandlungen mit dem Papst dann vor Rom scheiterten, befahl Bourbon den Sturm auf die schwach verteidigte Stadt. Er selbst fiel beim Angriff und danach ergoss sich eine Woge von niemanden mehr zu kontrollierender S\u00f6ldner in die Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Darstellung der Ereignisse zitieren wir hier aus dem Buch des Historikers <strong>Ferdinand Gregorovius &#8222;Geschichte der Stadt Rom&#8220; (1889).<\/strong> Als typischer Bildungsb\u00fcrger des 19. Jahrhunderts ist er nicht nur mit den Quellen bestens vertraut, sondern verf\u00fcgt auch \u00fcber die angemessene Sprache um die Ereignisse besser zu beschreiben als wir es heute k\u00f6nnten. Man sollte lediglich hinzuf\u00fcgen, dass der Sacco di Roma ein vielbeachtetes Gro\u00dfereignis war, ein Sakrileg. Auf \u00e4hnliche Weise haben sich S\u00f6ldner aber immer wieder verhalten, und oft traf es einen kleinen Bauern h\u00e4rter, dessen Hof abgebrannt wurde, als einen Kardinal, der seine Kunstsch\u00e4tze verlor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Morgen des 7. Mai enth\u00fcllte einen Anblick zu furchtbar f\u00fcr jedes Wort: die Stra\u00dfen bedeckt mit Tr\u00fcmmern, mit Toten und Sterbenden; brennende H\u00e4user und Kirchen, widerhallend von Geschrei; ein gr\u00e4\u00dfliches Gew\u00fchl von Raub und Flucht; trunkene Kriegsknechte belastet mit Beute oder fortschleppend Gefangene. Eine eroberte Stadt nicht nur zu pl\u00fcndern, sondern ihr gesamtes Volk als dem Schwert verfallen anzusehen, war damals Kriegsrecht. Kein Landsknecht w\u00fcrde begriffen haben, da\u00df es unmenschlich sei, wehrlose B\u00fcrger als Kriegssklaven zu behandeln. Wer sein Leben lieb hatte, mu\u00dfte es abkaufen. Mit der rohesten Einfalt schrieb der Ritter <a href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/neuzeit\/schertlin.htm\">Schertlin<\/a> in seinen Aufzeichnungen: &#8222;Den 6. Tag May haben wir Rom mit dem Sturm genommen, ob 6.000 Mann darin zu todt geschlagen, die ganze Stadt gepl\u00fcndert, in allen Kirchen und ob der Erd genommen was wir gefunden, einen guten Teil der Stadt abgebrannt.&#8220;<br><br>Nichts und niemand wurde verschont. Die H\u00e4user von Spaniern und Deutschen pl\u00fcnderte man wie die der R\u00f6mer. In viele Pal\u00e4ste kaiserlich Gesinnter hatten sich Menschen jedes Standes gefl\u00fcchtet, zu Hunderten und mehr. Die Spanier brachen sie auf, pl\u00fcnderten oder brandschatzten sie. So geschah es gleich in der ersten Nacht mit dem Palast des Markgrafen von Mantua und dem des portugiesischen Gesandten, wo man eine Beute von 500.000 Dukaten machte, wenn dies glaublich ist. Einige hundert Personen sch\u00fctzte der Kardinal Andrea della Valle in seinem gro\u00dfen Palast, dessen Pl\u00fcnderung er von Fabrizio Maramaldo um viele tausend Dukaten abkaufte. Die Geldsumme verpflichteten sich durch gerichtlichen Akt, wie \u00fcberhaupt in allen solchen F\u00e4llen, die gefl\u00fcchteten Personen dem Besitzer des Palasts zur\u00fcckzuzahlen, nach Ma\u00dfgabe der Schatzung, welche jede von ihnen betraf.<br><br>Ungl\u00fccklicher erging es Pal\u00e4sten, welche Widerstand zu leisten wagten; man sprengte sie selbst mit Pulver. Ein Turm am Kapitol flog so in die Luft. Im Campo Marzo verteidigte sich der Palast Lomellina; die Kriegsknechte erst\u00fcrmten ihn; fliehend lie\u00df sich die Besitzerin an einem Seil in den Hof hinab; man erscho\u00df sie mit Flintenkugeln. Die reichste Beute gaben Kirchen und Kl\u00f6ster her, sowohl eigenes als dorthin gefl\u00fcchtetes Gut. Man pl\u00fcnderte sie s\u00e4mtlich; nicht einmal die \u00bbAnima\u00ab, die Nationalkirche der Deutschen, wurde verschont, noch St. Jakob auf der Navona, die Nationalkirche der Spanier, wo man die Leiche Bourbons niedersetzte. S. Maria del Popolo wurde sofort ganz ausgeleert, die dortigen M\u00f6nche metzelte man nieder. Die Nonnenkl\u00f6ster Santa Maria in Campo Marzo, S. Silvestro und das auf Monte Citorio wurden mit namenlosen Greueln erf\u00fcllt. Wo man in arme Kl\u00f6ster einbrach, r\u00e4chte man die T\u00e4uschung mit emp\u00f6render Wut.<br><br>Man mu\u00df sich die Menge kostbarer Kirchenger\u00e4te in den Sakristeien Roms vorstellen, um die Masse der Beute zu begreifen: all dies ward geraubt, zerst\u00f6rt und gesch\u00e4ndet. Die Apostelh\u00e4upter im Lateran, das Andreashaupt im St. Peter und das Johanns in S. Silvestro teilten das gleiche Schicksal. Die sogenannte heilige Lanzenspitze befestigte ein deutscher Kriegsknecht an seinem eigenen Spie\u00df; das Tuch der Veronika wanderte durch tausend H\u00e4nde und alle Tavernen Roms. Das gro\u00dfe Kreuz Constantins aus dem St. Peter ward durch den Borgo geschleppt und ging dann verloren. Die Deutschen behielten als Andenken manche Reliquien, und die l\u00e4cherlichste Beute war wohl der dicke und zw\u00f6lf Fu\u00df lange Strick, mit dem sich Judas erhenkt hatte. Schertlin nahm ihn aus dem St. Peter mit sich in die Heimat. Auch die heiligste Kapelle Roms, Sancta Sanctorum, wurde ausgeraubt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"520\" height=\"507\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sacco-roma-spanier.jpg\" alt=\"die Spanier pl\u00fcndern die Gr\u00e4ber\" class=\"wp-image-634\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sacco-roma-spanier.jpg 520w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sacco-roma-spanier-300x293.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Spanier pl\u00fcndern die Gr\u00e4ber<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Im St. Peter hatten einst die Sarazenen nicht \u00e4rger gehaust. Die Spanier durchw\u00fchlten hier sogar die Gr\u00e4ber, selbst das Grab Petri, wie es einst die Mauren getan hatten. Julius II. ward im Sarg ausgepl\u00fcndert. Den toten Sixtus IV. sch\u00fctzte nur die Festigkeit seines bronzenen Grabmals. Man w\u00fcrfelte auf den Hochalt\u00e4ren, man zechte mit Dirnen aus Me\u00dfpokalen. In den Seitenschiffen und Kapellen, wie im Vatikanischen Palast stellte man Pferde ein. Zur Streu dienten Bullen oder Handschriften, die einst humanistische P\u00e4pste gesammelt hatten. Nur mit M\u00fche rettete Oranien die Vatikanische Bibliothek, da er im Palast Wohnung genommen hatte. Die Stra\u00dfen sah man \u00fcberstreut mit Fetzen von Schriften und Registern p\u00e4pstlicher Kanzleien.<br><br>Viele Archive in Kl\u00f6stern und Pal\u00e4sten gingen zugrunde, wodurch f\u00fcr die Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter ein unersetzlicher Verlust entstand. Der Mangel an Urkunden im Archiv des Kapitols wird heute nur durch diese Pl\u00fcnderung erkl\u00e4rt. Auch Kunstwerke gingen verloren. Die flandrischen Tapeten Raffaels wurden geraubt und verkauft, die sch\u00f6nen Glasmalereien Wilhelms von Marcillat zertr\u00fcmmert. Sinnloser Nationalha\u00df hat freilich den Landsknechten angedichtet, was sie niemals ver\u00fcbt haben. Nicht einmal der Qualm von Fackeln der Kriegsknechte hat die Fresken Raffaels geschw\u00e4rzt, und die geh\u00e4ssige Beschuldigung, da\u00df die Deutschen mutwillig die sch\u00f6nsten Statuen zerschlagen haben, wird durch die Fortdauer aller damals vorhandenen Meisterwerke des Altertums wie der Renaissance widerlegt.<br><br>Nach den ersten drei Tagen erlie\u00df der Prinz von Oranien das Verbot, ferner zu pl\u00fcndern; alle Truppen sollten sich nach dem Borgo und Trastevere zur\u00fcckziehen; doch niemand gehorchte ihm. Man fuhr fort, Gefangene fortzuschleppen, man pl\u00fcnderte alle H\u00e4user bis auf die \u00e4rmlichste Wohnung des Wassertr\u00e4gers. Auch drang Landvolk von den G\u00fctern der Colonna in die Stadt, wo es auf den Spuren der Kriegsknechte seine \u00c4hrenlese hielt. Pierluigi Farnese, ein Epigone Cesare Borgias, der gr\u00e4\u00dfliche Bastard des Kardinals, welcher ihn sp\u00e4ter als Papst gro\u00df machen sollte, griff in Rom gierig zu. Der kaiserlichen Partei hatte er sich aus Raublust angeschlossen. Mit einer Beute, die man auf 25.000 Dukaten sch\u00e4tzte, zog er von Rom ins Patrimonium ab, sie in einem Kastell seiner Familie zu bergen. Das Volk von Gallese aber pl\u00fcnderte diese Karawane aus.<br><br>Acht Tage lang blieben die Pal\u00e4ste der Kardin\u00e4le Valle, Cesarini, Enkevoirt und Siena verschont, da sie spanische Hauptleute aufgenommen und je 35.000 und mehr Dukaten daf\u00fcr gezahlt hatten. Als aber die Landsknechte sahen, da\u00df sich die Spanier der besten H\u00e4user bem\u00e4chtigten, gerieten sie in Wut; vier Stunden lang best\u00fcrmten sie den Palast Siena, pl\u00fcnderten ihn, nahmen alles darin gefangen und schleppten den Kardinal Piccolomini nach dem Borgo mit sich fort. Hierauf entwichen die andern drei Kardin\u00e4le in den Palast Pompeos, worauf die Landsknechte auch in ihre Wohnungen einbrachen. Die Beute im Haus Valle wurde auf 200.000 Dukaten, auf ebensoviel die bei Cesarini, auf 150.000 der Wert des Palasts Enkevoirt gesch\u00e4tzt, wozu noch die L\u00f6sungen der Gefangenen kamen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Gl\u00fccklich rettete sich Isabella Gonzaga aus diesen Greueln. Noch am 5. November hatte sie den f\u00fcr ihren Sohn Ercole erkauften roten Hut vom Papst in den Palast Colonna geschickt erhalten, welchen sie damals bewohnte, nachdem sie vorher im Palast Urbino bei S. Maria in Via Lata gewohnt hatte. Durch ihren zweiten Sohn Don Ferrante, den General der Reiterei im Heere Bourbons, l\u00e4ngst gewarnt, hatte die Markgr\u00e4fin diesen Palast mit Lebensmitteln versehen, bewaffnen und vermauern lassen. Sie sch\u00fctzte darin 3.000 Fl\u00fcchtlinge, darunter auch Domenico Massimo. Vier italienische Gesandte hatten sich zu ihr gerettet, der Bevollm\u00e4chtigte Mantuas Francesco Gonzaga, die Vertreter Ferraras und Urbinos und der venetianische Botschafter Domenico Venier, welcher die Engelsburg nicht mehr hatte erreichen k\u00f6nnen. Noch in der Schreckensnacht eilten dorthin der Graf Alessandro von Nuvolara, dessen sch\u00f6ne Schwester Camilla bei der Markgr\u00e4fin war, und ein Verwandter des Herzogs von Sessa, Don Alonso de Cordoba, welchem noch Bourbon den Schutz der edlen F\u00fcrstin anbefohlen hatte. Man zog diese Kapit\u00e4ne an einem Seil in den Palast. Sie verlangten 50.000 Goldgulden f\u00fcr sich selbst, 10.000 von den venetianischen Fl\u00fcchtlingen und ebensoviel als Anteil Don Ferrantes. Dieser selbst kam erst in der zweiten Stunde der Nacht, von der Wache an der Engelsburg herbeieilend, die ihm \u00fcbertragen worden war. Nuvolara und Alonso wollten ihn nicht eher einlassen, bis er ihnen versprach, niemand anders als seine eigne Mutter von der Schatzung auszunehmen. \u00bbEs war schwer\u00ab, so schrieb sp\u00e4ter Ferrante an seinen Bruder in Mantua, \u00bbMadame zu befreien, denn Ger\u00fcchte sagten im Lager, da\u00df sich in diesem Palast f\u00fcr mehr als zwei Millionen Wert bef\u00e4nde, und daran war allein ihr Erbarmen schuld, da sie mehr als 1200 Edelfrauen Roms und 1.000 M\u00e4nner aufgenommen hatte.\u00ab Alle \u00fcbrigen Gefangenen mu\u00dften sich mit 60.000 Gulden abkaufen. Venier, der sich dem Nuvolara gefangen gegeben, sollte 5.000, Marcantonio Giustiniani 10.000 Dukaten erlegen. Spanische Wache sch\u00fctzte den Palast dem Abkommen gem\u00e4\u00df. Aber die Landsknechte drohten, ihn zu st\u00fcrmen, und nur mit M\u00fche hielt sie Oranien und der Graf Lodron zur\u00fcck. Aus Furcht verlie\u00df deshalb Isabella mit ihrem Hofstaat und den italienischen Gesandten den Palast am 13. Mai, geleitet von ihrem Sohn, der sie auf einem Tiberkahn nach Ostia brachte. Von dort zogen die Fl\u00fcchtlinge, unter ihnen auch der als Sacktr\u00e4ger verkleidete Venier, zu Pferde nach Civitavecchia.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"536\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-sacco-di-roma.jpg\" alt=\"Landsknechte beim Sacco die roma\" class=\"wp-image-636\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-sacco-di-roma.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-sacco-di-roma-300x201.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/landsknechte-sacco-di-roma-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Landsknechtsspektakel in einer Kirche<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Venier traf in Ostia andere Fl\u00fcchtlinge, Caraffa und Tiene mit den Theatinern. Nach vielen Mi\u00dfhandlungen, welche sie in ihrem Ordenshause auf dem Pincio und dann als Gefangene erduldet hatten, waren auch sie auf einem Tiberkahn entronnen. Der Botschafter bewog sie, sich auf einem venetianischen Fahrzeug einzuschiffen, und so gelangten die Theatiner in das Asyl Venedig. Nach Civitavecchia entrann auch Domenico de Cupis, der Kardinal von Trani, mit den S\u00f6hnen der Madonna Felice Orsini, die im Hause Enkevoirts eine hohe Schatzung hatten erlegen m\u00fcssen. Sie wanderten viele Meilen zu Fu\u00df, bis sie den Hafen erreichten, welchen die Schiffe Dorias sicherten. Dort befand sich auch der Kardinal Scaramuccia Trivulzio, der Rom kurz vor der Katastrophe verlassen hatte, um sich nach Verona zu begeben. Dort war auch Machiavelli, welchen Guicciardini zu Andrea Doria abgesandt hatte.<br><br>Derselbe Kardinal Caetanus, der in Augsburg Luther so hochfahrend behandelt hatte, wurde von Landsknechten durch Rom geschleppt, bald mit Fu\u00dftritten fortgesto\u00dfen, bald herumgetragen, eine Sacktr\u00e4germ\u00fctze auf dem Kopf. So zerrte man ihn fort zu Wechslern oder Freunden, sein L\u00f6segeld aufzubringen. Weinend lie\u00df der Papst die Deutschen bitten, \u00bbdas Licht der Kirche nicht auszul\u00f6schen\u00ab. Auch der alte kaiserlich gesinnte Kardinal Ponzetta von S. Pancrazio wurde erst seiner 20.000 verscharrten Dukaten beraubt, dann mit auf den R\u00fccken gebundenen H\u00e4nden durch Rom geschleppt. Nach vier Monaten starb er elend in seinem leeren Hause. Cristoforo Numalio, der Franziskaner-Kardinal, wurde aus seinem Bett gerissen, auf eine Totenbahre gelegt und in Prozession fortgetragen. Die Landsknechte sangen ihm dabei, Kerzen in den H\u00e4nden, possenhaft die Exequien. So brachten sie ihn nach Aracoeli, wo sie ihn niedersetzten und ihm die Leichenrede hielten. Sie \u00f6ffneten ein Grab, in welches sie ihn zu versenken drohten, wenn er nicht das Verlangte zahlte. Der Kardinal bot seine ganze Habe; die Peiniger trugen ihn in sein Haus zur\u00fcck, um ihn dann wieder zu allen denen umherzuschleppen, von welchen er Geld aufzunehmen hoffen konnte.<br><br>Die Pl\u00fcnderung Roms in den barbarischen Zeiten Alarichs und Geiserichs war menschlich zu nennen im Vergleich zu den Greueln, welche das Heer Karls V. beging. Man wird sich an jenen Triumphzug der christlichen Religion mitten durch das von den Goten gepl\u00fcnderte Rom erinnern, aber keine solche Handlung der Piet\u00e4t im Jahre 1527 entdecken. Hier sah man nur bacchantische Aufz\u00fcge von Landsknechten, welche von halbnackten Het\u00e4ren begleitet zum Vatikan ritten, dem Papst Tod oder Gefangenschaft zuzutrinken. Lutheraner wie Spanier und Italiener erg\u00f6tzten sich damit, die heiligen Zeremonien nachzu\u00e4ffen. Man sah Landsknechte auf Eseln als Kardin\u00e4le einherreiten, einen als Papst verkleideten Knecht in ihrer Mitte; so zogen sie oftmals bis vor die Engelsburg, wo sie schrien, da\u00df sie jetzt nur fromme und dem Kaiser gehorsame P\u00e4pste und Kardin\u00e4le machen w\u00fcrden, welche keine Kriege mehr f\u00fchren sollten, und wo sie Luther zum Papst ausriefen. Trunkene S\u00f6ldner bekleideten einen Esel mit geistlichen Gew\u00e4ndern und zwangen einen Priester, ihm das Sakrament zu geben, w\u00e4hrend das Tier auf Knien lag. Der unselige Geistliche verschluckte jedesmal die Hostie, bis ihn seine Qu\u00e4ler zu Tode marterten. Andern Priestern pre\u00dfte man unter gr\u00e4\u00dflichen Martern die Beichte wirklicher oder erdichteter Verbrechen ab.<br><br>Der Zustand Roms w\u00e4hrend der ersten Woche der Pl\u00fcnderung h\u00e4tte Steine zum Erbarmen r\u00fchren k\u00f6nnen, doch das entmenschte Kriegsvolk f\u00fchlte dieses nicht. Der Franzose Grolier, der sich in das Haus des spanischen Bischofs Cassador gerettet hatte, stieg oft auf das Dach hinauf, und was er dort h\u00f6rte und sah, hat er in diesen Worten ausgedr\u00fcckt: \u00bb\u00dcberall Geschrei, Waffenget\u00f6se, Geheul von Weibern und Kindern, Knistern von Flammen, Gekrach fallender D\u00e4cher, so starrten wir voll Furcht und lauschten, als w\u00e4ren wir allein vom Schicksal aufbewahrt, den Untergang des Vaterlands zu schauen.\u00ab Als ein Hiob in Sack und Asche konnte jetzt Clemens VII. von der Engelsburg zum Himmel seufzen, weil so furchtbare Tage des Gerichts \u00fcber das in Selbstverg\u00f6tterung versunkene Papsttum hereingebrochen waren. Er blickte auf die Flammen seiner sch\u00f6nen Villa am Monte Mario, welche der Kardinal Pompeo aus Rache f\u00fcr seine verbrannten Schl\u00f6sser anz\u00fcnden lie\u00df; doch was waren sie gegen die Feuers\u00e4ulen Roms!<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"318\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sacco-di-roma-engelsburg.jpg\" alt=\"Belagerung der Engelsburg beim Sacco di Roma\" class=\"wp-image-637\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sacco-di-roma-engelsburg.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/sacco-di-roma-engelsburg-300x191.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Belagerung der Engelsburg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Um sich gegen Ausf\u00e4lle aus der Engelsburg zu sch\u00fctzen, hatten die Kaiserlichen vor dem Ponte S. Angelo von der Torre di Nona bis zum Palast Altoviti einen Laufgraben aufgeworfen, aus dem sie unaufh\u00f6rlich feuerten. Dies Kastell bot ein unbeschreibliches Bild der Verwirrung dar, von mehr als 3.000 gefl\u00fcchteten Menschen, in ihrer Mitte der Papst und dreizehn Kardin\u00e4le. Auf seiner Spitze wehte neben dem Friedensengel die rote Kriegsfahne, und st\u00fcndlich h\u00fcllten es die donnernden Gesch\u00fctze in Pulverdampf. Neunzig Schweizer und 400 Italiener bildeten seine Besatzung; die Artillerie befehligte der R\u00f6mer Antonio S. Croce, und unter ihm diente Benvenuto Cellini als Bombardier. Es fehlten die Lebensmittel. Eselsfleisch wurde zum Leckerbissen f\u00fcr Kardin\u00e4le und Bisch\u00f6fe. Die Spanier sperrten alle Zufuhr ab; sie erschossen sogar Kinder, die im Graben des Kastells Kr\u00e4uter an Stricke banden f\u00fcr die Hungernden dort oben, und ein Hauptmann erhenkte mit eigener Hand ein altes Weib, welches dorthin f\u00fcr den Papst ein wenig Salat gebracht hatte.<br><br>Am 10. Mai kamen Pompeo, Ascanio und Vespasiano mit Kriegsvolk. Der Anblick seiner verw\u00fcsteten Vaterstadt pre\u00dfte dem rachs\u00fcchtigen Kardinal Tr\u00e4nen aus: er fand das ganze r\u00f6mische Volk wie auf einer einzigen Folterbank ausgespannt: Tausende unbegrabener Leichen verpesteten die Stra\u00dfen. Er nahm Wohnung in der Cancellaria, die er zu einem Asyl machte; in einem einzigen Saal dr\u00e4ngten sich dort 500 Nonnen zusammen, die alle geborgen wurden. Selbst von den Santa Croce, durch die einst sein Vater umgekommen war, nahm er eine Matrone und deren sch\u00f6ne Tochter auf und kaufte sie los. Jovius hat den am Ungl\u00fcck Roms mitschuldigen Kardinal als einen Rettungsengel dargestellt und wohl m\u00e4\u00dfigte sein Erscheinen die Frevel hie und da. Es wurde auch eine milit\u00e4rische und zivile Obrigkeit eingesetzt: La Motte war Befehlshaber der Stadt und Philibert des Heers. Seinen Rat bildeten Bemelberg, Nagera, Lodron, Urbina, Pompeo und Vespasiano, Morone, Gattinara und andere. Zu richten gab es genug, denn Eifersucht entzweite die Nationen im Heer; mit den Schwertern entrissen sie einander den Raub. Die Deutschen fuhren eines Tags Kanonen im Campo di Fiore auf, den Spaniern eine Schlacht zu liefern, und kaum verhinderten die F\u00fchrer den Massenkampf.<br><br>Acht Tage lang dauerte die eigentliche Pl\u00fcnderung. In so kurzer Zeit ward erbeutet, was lange Raubsucht in dieser Priesterstadt aufgeh\u00e4uft hatte. Ger\u00e4te, Gew\u00e4nder, Tapeten, Bilder, eine ganze Welt von Kunstwerken der Renaissance, wurden wie Plunder aufgeh\u00e4uft und so auch behandelt. \u00bbSpanier und Landsknechte teilten sich Perlen mit Schaufeln zu; der elendeste Knecht besa\u00df 3-4.000 Dukaten.\u00ab Auf Pl\u00e4tzen und Stra\u00dfen sah man Gruppen von Landsknechten, welche \u00fcber Brettern oder auf dem nackten Boden w\u00fcrfelten. Um Spottpreise schleppten den Reichtum Roms die lachenden Juden in ihren Ghetto. Auf zwanzig Millionen Goldgulden sch\u00e4tzte man die Beute der Stadt. Und mit nur 250.000 Dukaten h\u00e4tte der Papst zur rechten Zeit diesen grenzenlosen Untergang verhindern k\u00f6nnen. Als die H\u00e4user geleert waren, durchsuchte man die G\u00e4rten, die Kan\u00e4le, selbst die Gr\u00e4ber. Mit ihren eigenen H\u00e4nden mu\u00dften vornehme R\u00f6mer Kloaken aussch\u00f6pfen, denn auch dort konnte Gold versteckt sein. Mancher Schatz entging den R\u00e4ubern, ohne doch wieder in die H\u00e4nde der Besitzer zu gelangen, weil Tod sie hingerafft hatte.<br><br>Gleich nach der ersten Furie des Mordens war den Gefangenen die Schatzung aufgelegt worden, ihre gr\u00f6\u00dfte, weil l\u00e4ngste Qual. \u00bbIn ganz Rom\u00ab, so sagt ein Bericht, \u00bbward kein Sterblicher \u00fcber drei Jahre gefunden, der sich nicht loskaufen mu\u00dfte.\u00ab Die Spanier verschonten selbst ihre Landsleute nicht; Perrenot, der nachmals ber\u00fchmte Granvella, des Kaisers Sekret\u00e4r, wurde um 2.000 Dukaten abgesch\u00e4tzt. Viele kauften sich mehrmals los. Der kaiserlich gesinnte Bischof von Potenza ward dreimal gesch\u00e4tzt und zuletzt doch umgebracht. Zu Hunderten wurden diese Elenden an Stricken hin und her gef\u00fchrt. Man verkaufte sie in den Soldatenlagern oder w\u00fcrfelte um sie. Man marterte sie mit teuflischer Grausamkeit. Manche gaben sich selbst den Tod. Der Florentiner Ansaldi entri\u00df seinem Qu\u00e4ler den Dolch und erstach erst ihn und dann sich selbst. Girolamo von Camerino, Familiar Cib\u00f2s, st\u00fcrzte sich mit heroischer Kraftanstrengung r\u00fccklings durch das Fenster auf die Stra\u00dfe. Viele verschmachteten im Gef\u00e4ngnis. Tausende, die sich losgekauft, wanderten aus Rom, nach einer H\u00f6lle von Leiden das Mitleid der italienischen St\u00e4dte anzusehen, wie ihre Vorfahren in Alarichs Zeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"480\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-sacco-di.roma_.jpg\" alt=\"S\u00f6ldner beim Sacco di Roma\" class=\"wp-image-639\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-sacco-di.roma_.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/soldner-sacco-di.roma_-300x240.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Vornehme Frauen wurden vor den Augen der Eltern und M\u00e4nner die Opfer des ersten besten Knechts. Als dies Los auch die T\u00f6chter des Domenico Massimo traf, erblickte man darin die Strafe f\u00fcr den Geiz des Vaters. Vergebens umklammerten edle R\u00f6merinnen die Alt\u00e4re der Kl\u00f6ster; man ri\u00df sie samt den Nonnen hinweg, um sie in die Lagerh\u00f6hlen trunkener Soldaten abzuf\u00fchren. Herrliche Frauengestalten, g\u00f6ttergleiche Ideale f\u00fcr Raffael und Michelangelo, sah man nackt und weinend von Kriegsknechten durch Rom schleppen, dagegen Kurtisanen lachend einhergehen, in Purpurm\u00e4ntel oder goldne Me\u00dfgew\u00e4nder geh\u00fcllt, w\u00e4hrend Landsknechte wiederum Priester in Weiberkleidern mit sich zerrten. Marquisen, Gr\u00e4finnen und Baronessen, so sagt Brant\u00f4me, bedienten jetzt die ausgelassenen Krieger, und noch lange nachher nannte man die vornehmen Damen der Stadt \u00bbdie Reliquien des Sacco von Rom\u00ab. Man mag sich heroische Frauen vorstellen, die sich von einem Altan oder einer Br\u00fccke in den Tod hinabst\u00fcrzen, und es ist wohl nur Lust an Bosheit, wenn ein Geschichtschreiber des Sacco sagt, da\u00df von solchen Lucrezien auch nicht eine mit Namen zu verzeichnen sei. [&#8230;]<br><br>In der menschlichen Geschichte gibt es kaum ein gleich furchtbares Schauspiel vom Wechsel des Gl\u00fccks als dieses im Sacco Roms. Seine M\u00f6glichkeit konnte ein Mann wie Poggius nicht ahnen, als er sein Buch &#8222;De Varietate Fortunae&#8220; schrieb. Es verwandelte sich pl\u00f6tzlich \u00fcbervolles Gl\u00fcck in jammervolles Elend, zerlumpte Armut in prangenden Reichtum. Jene Krieger Frundsbergs und Bourbons, welche wie hungernde W\u00f6lfe bei Regen und Sturm durch die Provinzen Italiens gewandert waren, zogen jetzt in Rom einher in Purpurkleidern, die Taschen gef\u00fcllt mit Edelsteinen, funkelnde B\u00e4nder um die nervigen Arme, den Hals umwunden mit dem goldenen Schmuck edler Frauen oder heiliger Madonnen. Man sah Landsknechte, welche die kostbarsten Perlen in ihre Schnurrb\u00e4rte eingeflochten hatten. Sie tafelten in Prachtpal\u00e4sten vom Gold und Silber der Kardin\u00e4le, bedient von zitternden Gro\u00dfen. In einer einzigen Nacht war die gl\u00e4nzende H\u00fclle von Rom gefallen, und wie in mittelalterlichen Schauspielen, welche man Moralit\u00e4ten nennt, war die \u00fcppige Gestalt der Roma als ein moderndes Gerippe, das nackte Laster, sichtbar geworden. Was waren jetzt diese Schw\u00e4rme von Pharis\u00e4ern und H\u00f6flingen, Kardin\u00e4le, Bisch\u00f6fe, Monsignoren, Protonotare, Ordensgenerale, Richter, Barone und Signoren, alle diese im Pomp der Etikette mit Protektormienen einherwandelnden Herren und Herrendiener, welche gewohnt gewesen, sich f\u00fcr die Bl\u00fcte der Welt zu halten und auf Nichtr\u00f6mer mit Geringsch\u00e4tzung herabzusehen! Zerlumpt und zerschlagen wankten sie in den Stra\u00dfen umher oder lagen sie auf den Foltern, oder sie dienten dem rohen Kriegsvolk als K\u00f6che, Stallknechte, Wassertr\u00e4ger in ihren eigenen ausgeraubten Pal\u00e4sten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1527 pl\u00fcnderten Landsknechte, spanische und italienische S\u00f6ldner Rom.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":641,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[81],"class_list":["post-630","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-landsknechte"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der Sacco di Roma - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/der-sacco-di-roma\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der Sacco di Roma - 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