{"id":5548,"date":"2026-06-25T13:48:54","date_gmt":"2026-06-25T13:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=5548"},"modified":"2026-07-05T11:29:55","modified_gmt":"2026-07-05T11:29:55","slug":"die-englischen-bogenschuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/renaissance\/die-englischen-bogenschuetzen\/","title":{"rendered":"Die englischen Bogensch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Legenden um eine &#8222;Wunderwaffe&#8220;.<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nach den spektakul\u00e4ren Erfolgen der englischen Bogensch\u00fctzen im Hundertj\u00e4hrigen Krieg wurde der Langbogen zu einer begehrten S\u00f6ldnerwaffe. Allerdings wurde seine Wirkung oft ma\u00dflos \u00fcbertrieben. Bogensch\u00fctzen mussten auch im Nahkampf als Leichtbewaffnete ihren Mann stehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den beeindruckendsten Ereignissen der Milit\u00e4rgeschichte des Mittelalters geh\u00f6ren sicher die Siege, die den Engl\u00e4ndern mit Hilfe ihrer Langbogensch\u00fctzen gegen weit \u00fcberlegene franz\u00f6sische Ritterheere gelangen. Am Anfang des Hundertj\u00e4hrigen Krieges hatte der englische K\u00f6nig Edward III. bei seinem Einfall in Nordfrankreich 1339 sein Heer noch mit zahlreichen Ritters\u00f6ldnern aus dem Reich verst\u00e4rkt. Da die Franzosen aber eine Entscheidungsschlacht vermieden und den Engl\u00e4ndern die Einnahme von St\u00e4dten nicht gelang, waren ausgedehnte Verw\u00fcstungen das einzige Resultat dieser Kriegsz\u00fcge. Bei der Anwerbung der teuren Ritters\u00f6ldner hatte sich Edward jedoch finanziell derart \u00fcbernommen, dass er vorerst auf sie verzichten musste. Als er nun zur Entlastungen seiner s\u00fcdfranz\u00f6sischen Besitzungen 1346 in die Normandie einfiel, hatte er neben Rittern aus England und der Gascogne haupts\u00e4chlich Bogensch\u00fctzen geworben, die aus seiner Sicht vor allem den Vorteil hatten billiger zu sein. Durch ausgiebige Pl\u00fcnderungen, die wahrscheinlich zum Teil den Sold ersetzen mussten, gelang es den Engl\u00e4ndern schlie\u00dflich die Truppen des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs auf sich zu ziehen. Doch dieser hatte ein so imposantes Heer zusammengebracht, dass es die Engl\u00e4nder vorzogen sich mit ihrer Beute nach Flandern in Sicherheit zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Crecy und Azincourt: die Geburt der Legende<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"558\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Crecy_1346-1.jpg\" alt=\"Schlacht bei Crecy 1346\" class=\"wp-image-5554\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Crecy_1346-1.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Crecy_1346-1-300x279.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schlacht bei Crecy 1346<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Verfolger immer n\u00e4her kamen, w\u00e4hlte Edward eine gute Verteidigungsstellung auf einem H\u00fcgel bei Crecy und erwartete den Angriff. Die franz\u00f6sischen Ritter waren sich des Sieges so sicher, dass sie nicht versuchten ihre genuesischen Armbrustsch\u00fctzen vern\u00fcnftig zum Einsatz zu bringen, oder gar die eigenen Truppen richtig zu positionieren: Sie griffen direkt aus dem Aufmarsch an, 15 bis 16 mal sollen sie es versucht haben und wurden dabei regelm\u00e4\u00dfig von den Bogensch\u00fctzen zusammengeschossen. Am Ende bedeckten weit \u00fcber 1.000 tote Ritter und hohe Adlige das Schlachtfeld, w\u00e4hrend die Engl\u00e4nder nur verschwindend geringe Verluste gehabt hatten. Als das franz\u00f6sische Ritterheer 1356 dann noch einmal bei Poitiers und schlie\u00dflich 1415 bei Azincourt \u00e4hnlich vernichtende Niederlagen hinnehmen musste, war f\u00fcr England der Hundertj\u00e4hrige Krieg zwar dennoch nicht zu gewinnen, die Welt aber um eine Legende reicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem bei modernen Geschichtsinteressierten befl\u00fcgelt der Langbogen immer wieder die Phantasie. Da mischen sich Vorstellungen von Robin Hood mit Halbwahrheiten und weitererz\u00e4hlten Anekdoten. Man kann dann lesen, dass ein Langbogensch\u00fctze im Kampf hunderte wenn nicht sogar tausend Gegner t\u00f6tete. Die eingefleischten Fans glauben zudem, dass die Pfeile Kettenhemden und sogar Plattenpanzer durchschlagen konnten. Eine der fatalsten und immer wieder gern kolportierten Geschichten setzte der Sohn Napoleons III. in die Welt, als er feststellte, dass ein Bogensch\u00fctze in einer Minute 12 mal \u00fcber eine Distanz von mehr als 200 Meter schie\u00dfen konnte und dabei nur einmal sein Ziel verfehlte. Ein (selbstverst\u00e4ndlich) englischer Historiker hat sich von seiner Begeisterung sogar zu der Behauptung verstiegen, dass der Langbogen noch im 18. Jahrhundert schlachtentscheidend h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, und englische Bogensch\u00fctzen bei Waterloo ein Massaker unter ihren Gegnern angerichtet h\u00e4tten. In der entsprechenden Publikation des Osprey-Verlags vergleicht der Autor den Langbogen in Durchschlagskraft und Feuergeschwindigkeit sogar mit dem Lee Enfield Gewehr vom Anfang des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommt man bei solchem Geschwafel dann zu der Frage, warum denn irgendwann auf diese Wunderwaffe verzichtet wurde, kann man lesen, dass vielleicht die Technik des Bogenbaus verloren gegangen sei oder es an den notwendigen Rekruten gefehlt habe. M\u00f6glicherweise war der Verzicht auch der Ignoranz einiger Heerf\u00fchrer zuzuschreiben, die nicht einsehen wollten, dass ein Langbogen einer Arkebuse, mit der man bei geradezu unglaublich langsamer Feuergeschwindigkeit auch noch meistens das Ziel verfehlte, haushoch \u00fcberlegen war. Nun gibt es sicher immer wieder bornierte Heerf\u00fchrer, aber in den Kriegen der Renaissance wurde so ziemlich alles ausprobiert, was an neuen Taktiken und Waffen zur Verf\u00fcgung stand, und die, die nicht schnell genug lernten, verschwanden meistens sehr schnell von der Bildfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch steht fest, dass der Langbogen zu seiner Zeit eine sehr effektive Waffe war. Zudem war er eine typische S\u00f6ldnerwaffe. Die englischen Bogensch\u00fctzen wurden als S\u00f6ldner angeworben, und nach ihren spektakul\u00e4ren Erfolgen in den Schlachten des Hundertj\u00e4hrigen Krieges versuchten auch andere Feldherren ihre Dienste zu kaufen. Es lohnt sich also die Geschichte dieser Waffe etwas genauer zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Anf\u00e4nge des Langbogens<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das grundlegende Problem bei Bogensch\u00fctzen ist, dass sie sehr viel Training und Erfahrung haben m\u00fcssen. Man kann sie also nicht schnell ausbilden, sondern nur dort rekrutieren, wo das Bogenschie\u00dfen fest in der Kultur verankert ist. Gerade sesshafte V\u00f6lker mussten deshalb Bogensch\u00fctzen meistens bei ihren nomadischen Nachbarn anwerben. Ber\u00fchmt sind hier die nubischen Bogensch\u00fctzen in den Heeren der Pharaonen. Die Griechen besch\u00e4ftigten Skythen und Bogensch\u00fctzen aus Rhodos, wo sich diese Kunst anscheinend aus \u00e4lteren Zeiten gehalten hatte, denn auch noch die R\u00f6mer griffen gerne auf diese Spezialisten zur\u00fcck, neben denen aus ihren Provinzen im vorderen Orient. Auch bei den Germanen scheint der Bogen in der Schlacht kaum Verwendung gefunden zu haben. Lediglich von den Goten wird berichtet, dass sie in gr\u00f6\u00dferer Anzahl \u00fcber Bogensch\u00fctzen verf\u00fcgten, aber auch bei ihnen war der Bogen eine zweitklassige Waffe des Fu\u00dfvolkes.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"318\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogen-ausbildung.jpg\" alt=\"Bogensch\u00fctzen beim Training\" class=\"wp-image-5603\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogen-ausbildung.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogen-ausbildung-300x119.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogen-ausbildung-768x305.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bogensch\u00fctzen beim Training<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelalter wird der Bogen dann zwar immer mal wieder erw\u00e4hnt, so wurde er in den karolingischen Kapitularien sogar vorgeschrieben, es ist jedoch nur ganz selten von seinem Einsatz im Krieg zu lesen. Allerdings scheinen ihn die Wikinger bei ihren Raubz\u00fcgen gerne verwendet zu haben, und m\u00f6glicherweise gibt es von hier eine Verbindung zu seinem ersten bedeutenden Einsatz im Mittelalter: der Schlacht bei Hastings 1066. Da die normannischen Ritter nicht in der Lage waren in die geschlossenen angels\u00e4chsischen Heerhaufen einzudringen, zerm\u00fcrbten sie diese so lange mit dem massiven Feuer ihrer Bogensch\u00fctzen, bis sie begannen sich aufzul\u00f6sen. Sonst ist allerdings nur von dem Stauferkaiser Friedrich II. bekannt, dass er in gr\u00f6\u00dferem Umfang und mit Erfolg Bogensch\u00fctzen verwendete. Er rekrutierte sie unter den immer noch in Sizilien ans\u00e4ssigen Sarazenen, die dazu in eigenen Milit\u00e4rkolonien angesiedelt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant dabei ist allerdings, dass sich der Bogen dennoch nie als Waffe durchsetzte. Sowohl die Nachfolger Wilhems des Eroberers oder Friedrichs II. haben entweder ganz auf Sch\u00fctzen verzichtet oder lieber Armbrustsch\u00fctzen verwendet. Ganz anders verhielt es sich allerdings im Osten, wo Byzanz in seinen Auseinandersetzungen mit den T\u00fcrken und anderen Reiternomanden gelernt hatte die Waffen seiner Gegner zu sch\u00e4tzen. In Byzanz wurden deshalb st\u00e4ndig Kumanen, Patzinaken oder Magyaren als berittene Bogensch\u00fctzen angeworben. Die Europ\u00e4er machten dann bei den Kreuzz\u00fcgen auch schnell die Erfahrung, dass Sch\u00fctzen dringend notwendig waren, um die feindliche Reiterei auf Distanz zu halten. Der bekannteste Kreuzritter &#8211; Richard L\u00f6wenherz &#8211; kam von dort als eifriger Verfechter der Armbrust zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den Kreuzz\u00fcgen scheint auf jeden Fall die Armbrust profitiert zu haben, die eine h\u00f6here Durchschlagskraft als der Bogen hatte und deren Gebrauch vor allem viel einfacher zu erlernen war. Die Armbrust wurde eine typische Waffe der St\u00e4dter und Seefahrer und deshalb konnte man auch in Katalonien, den italienischen Hafenst\u00e4dten oder am Niederrhein immer ausreichend Sch\u00fctzen anwerben. Bei den Bogensch\u00fctzen fehlte dagegen lange ein entsprechend ergiebiges Rekrutierungsreservoir. Das \u00e4nderte sich erst als die Engl\u00e4nder bei der Eroberung von Wales (1278-1284) mit der dort verbreiteten Version des Langbogens Bekanntschaft machten. Es w\u00e4re hier noch anzumerken, dass in modernen Texten manchmal von der Bedeutung englischer Bogensch\u00fctzen w\u00e4hrend der Kreuzz\u00fcge zu lesen ist. Das ist jedoch v\u00f6lliger Quatsch, da die Engl\u00e4nder den wirkungsvollen Einsatz des Langbogens erst richtig lernten, als die Kreuzz\u00fcge bereits so gut wie vorbei waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Waliser galten als wilde Barbaren und hatten sich erfolgreich gegen Angelsachen und Normannen zur Wehr gesetzt. Mit dem Resultat, dass die Bev\u00f6lkerung vom Feudalismus noch relativ unber\u00fchrt den Umgang mit ihren traditionellen Waffen noch nicht verlernt hatte \u2013 wie in den Bergen der Schweiz oder Aragons. Sie benutzten den Bogen oft bei der Jagd aber auch bei den zahlreichen lokalen Fehden, wo er durch die Armut des Landes eine der wichtigsten Waffen war. Mit der Zeit hatten die Waliser gelernt den Bogen so aus Eibenst\u00e4mmen herauszuarbeiten, dass durch die Kombination von hartem Kernholz und elastischem Splintholz eine \u00e4hnliche Wirkung wie bei dem aus verschiedenen Materialien verleimten Reflexbogen erzielt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"595\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogenschutze.jpg\" alt=\"mittelalterlicher Bogensch\u00fctze\" class=\"wp-image-5602\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogenschutze.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogenschutze-300x446.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sich nun der englische K\u00f6nig Edward I. entschloss seinem Reich eine neue gro\u00dfe Provinz einzuverleiben, sah er sich pl\u00f6tzlich in einen heimt\u00fcckischen Kleinkrieg verstrickt. Das Gel\u00e4nde war oft schwer zug\u00e4nglich und stark bewaldet und deshalb schlecht f\u00fcr den Einsatz schwerer Kavallerie geeignet. Vor allem dachten die Waliser auch gar nicht daran sich den viel besser ausger\u00fcsteten Engl\u00e4ndern zu einer gro\u00dfen Schlacht zu stellen. Sie beschr\u00e4nkten sich auf \u00dcberf\u00e4lle und zogen sich vor \u00fcberlegenen Kr\u00e4ften schnell in Berge und Wald zur\u00fcck. Und bei dieser Art des Kampfes brachten sie ihre Langbogen h\u00f6chst wirkungsvoll zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den ersten R\u00fcckschl\u00e4gen begann Edward I. selbst damit Waliser anzuwerben. Anfangs scheint er allerdings mehr ihre Ortskenntnis und ihre niedrigen L\u00f6hne gesch\u00e4tzt zu haben, denn es wurden auch weiterhin viele Armbrustsch\u00fctzen eingesetzt, die zudem mehr Sold als die Waliser erhielten. Im Laufe der Jahre lernten die Engl\u00e4nder jedoch w\u00e4hrend der zahlreichen Gefechte und Belagerungen gerade die Kombination aus Rittern und Bogensch\u00fctzen vorteilhaft einzusetzen. Diese Taktik erwies sich als so vorteilhaft, dass man auch bald in England damit begann Langbogen zu bauen und sich in ihrem Umgang zu \u00fcben. Nach der vollst\u00e4ndigen Unterwerfung von Wales, wurde das Land selbst zur ergiebigsten Quelle f\u00fcr anspruchslose erfahrene Bogensch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Edward machte auch bald Gebrauch davon, als er 1292 damit begann Schottland zu unterwerfen. Die Schotten hatten w\u00e4hrend ihres Aufstandes gelernt sich in geschlossenen Spie\u00dferhaufen erfolgreich gegen Ritter zur Wehr zu setzen und 1297 gelang ihnen unter William Wallace sogar ein gro\u00dfer Sieg, als sie das englische Heer beim \u00dcbergang des Stirling \u00fcberraschen konnten. Ein Jahr sp\u00e4ter wurden die schottischen Spie\u00dferhaufen jedoch bei Falkirk so lange von Edwards Walisern zusammengeschossen, bis sie dem Angriff der Ritter nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Man sollte bei den Erfolgen des Langbogens in den walisischen und schottischen Kriegen Edwards jedoch beachten, dass Schotten und Waliser nur \u00fcber wenige voll gepanzerte K\u00e4mpfer verf\u00fcgten, einige hatten sicher Panzerhemden aber die gro\u00dfe Masse sch\u00fctzte sich lediglich mit ihren Schilden. Der Milt\u00e4rhistoriker Hans Delbr\u00fcck hat das Problem folgenderma\u00dfen auf den Punkt gebracht, dass Richard L\u00f6wenherz die Armbrust favorisierte und sein Nachfolger Edward dagegen den Langbogen wahrscheinlich daran lag, dass der erste gegen Ritter k\u00e4mpfte, der andere aber gegen schlecht gepanzertes Fu\u00dfvolk.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Legend\u00e4re Wirkung<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch hatte sich der Langbogen als wirkungsvolle Waffe erwiesen. Viel wichtiger war aber die Erfahrung die die Engl\u00e4nder in diesen langen und schwierigen Kriegen im Einsatz kombinierter Waffengattungen gewonnen hatten. Trotzdem st\u00fctzte sich Edward III. am Anfang des Hundertj\u00e4hrigen Krieges zuerst wie gesagt haupts\u00e4chlich auf Soldritter und griff erst auf die Bogensch\u00fctzen zur\u00fcck, als er die teuren Ritter nicht mehr bezahlen konnte. Nach den gro\u00dfen Siegen bei Crecy und Poitiers \u00e4nderte sich das nat\u00fcrlich und Bogensch\u00fctzen waren nun f\u00fcr Generationen \u00fcberall auf dem Markt gefragt. Dennoch war der Langbogen keine Wunderwaffe. Man nimmt zwar an, dass seine Pfeile Anfang des 14. Jahrhunderts Panzerhemden durchschlagen konnten. Aber auch hier gab es sicher gro\u00dfe Qualit\u00e4tsunterschiede. Es versteht sich von selbst, dass z. B. ein Graf, der mit 100 Reitern zu einem Kriegszug erschien, selbst eine sehr gute R\u00fcstung hatte, w\u00e4hrend einige seiner ritterlich ger\u00fcsteten Knechte sich mit wesentlich \u00e4lteren und schlechteren Modellen zufrieden geben mussten. Auf einem zeitgen\u00f6ssischen Bild der Schlacht von M\u00fchldorf (1322) sind diese unterschiedlichen R\u00fcstungen sehr deutlich zu erkennen, vor allem auch die weit verbreiteten konischen Helme (Barbute), die das Gesicht frei lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"456\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/muhldorf-schlacht.jpg\" alt=\"Schlacht bei M\u00fchldorf 1322\" class=\"wp-image-5585\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/muhldorf-schlacht.jpg 1000w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/muhldorf-schlacht-300x137.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/muhldorf-schlacht-768x350.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schlacht bei M\u00fchldorf 1322<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn nun wie bei Crecy immer nur einige hundert Ritter eine Stellung von 6.000 Bogensch\u00fctzen, die 12 mal pro Minute gefeuert und fast immer getroffen haben sollen, angriffen, wie konnten diese Ritter dann mehrmals in die englische Stellung einbrechen, wenn Pfeile so t\u00f6dlich waren? In der Schlacht bei Poitiers 1356 griffen die Franzosen haupts\u00e4chlich zu Fu\u00df an, schickten aber zwei Gruppen Berittener, jeweils 200-250 Mann stark, unter Clermont und Audrehem voraus. Die Engl\u00e4nder hatten sich gut hinter einer f\u00fcr Pferde undurchdringlichen Hecke verschanzt und verf\u00fcgten \u00fcber ca. 2.000 Bogensch\u00fctzen. Dennoch gelang es einigen Rittern unter Clermont bis an die Hecke heranzukommen, wo sie dann in dem engen Weg, den nur maximal f\u00fcnf Reiter gleichzeitig passieren konnten von den englischen Men-at-arms niedergemacht wurden. Die andere Gruppe kam am linken englischen Fl\u00fcgel vorbei. Eine zeitgen\u00f6ssische englische Chronik berichtet: &#8222;Die franz\u00f6sischen Reiter waren durch Eisenplatten und Lederschabracken so gut gesch\u00fctzt, dass die Pfeile zerbrachen oder in die Luft abprallten, von wo sie wieder auf Freunde wie Feinde herabfielen.&#8220; Die Bogensch\u00fctzen konnten die Reiter erst wirksam bek\u00e4mpfen, als ihnen die Pferde die relativ ungesch\u00fctzten Flanken als Ziel boten. Die Schlacht musste schlie\u00dflich in einem harten Kampf an der Hecke und einem englischen Gegensto\u00df zu Pferde entschieden werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Historiker Jonathan Sumption, den wir f\u00fcr den besten Spezialisten auf diesem Gebiet halten, kommt abschlie\u00dfend zu dem Urteil: &#8222;Der Langbogen, der der Schl\u00fcssel der meisten englischen Siege im 14. Jahrhundert war, spielte eine vergleichsweise kleine Rolle. Die Bogensch\u00fctzen des Prinzen waren sehr effektiv gegen die anf\u00e4ngliche Attacke der franz\u00f6sischen Reiterei und im Endstadium der Schlacht, als die Franzosen von Audley und dem Captal de Buch den H\u00fcgel hinab getrieben wurden. Aber sie erwiesen sich als wesentlich weniger effektiv gegen die M\u00e4nner zu Fu\u00df als gegen Pferde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Schlacht bei Auray 1364 wird Sumption noch deutlicher: &#8222;Die englischen Bogensch\u00fctzen, obwohl stark vertreten, trugen fast nichts zum Ausgang der Schlacht bei. Pfeile waren gegen M\u00e4nner zu Fu\u00df nie so effektiv gewesen wie gegen Reiter, deren Pferde ungepanzert waren und leicht erschreckt werden konnten. Und die Franzosen wurden langsam besser im Kampf zu Fu\u00df und besser darin sich selbst zu sch\u00fctzen. Du Guesclin dr\u00e4ngte seine schwer gepanzerten M\u00e4nner in dichte Reihen unter einen Dach von hoch gehaltenen Schilden nach vorne. Nach Froissart warfen die Bogensch\u00fctzen nachdem sie mit ihren Bogen nichts erreicht hatten, diese weg und st\u00fcrzten sich ins Get\u00fcmmel.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Bedeutung der Bogensch\u00fctzen war eine taktische. In einem gut gef\u00fchrten Verband zwangen sie den Gegner auf sein wichtigstes Kampfmittel zu verzichten: die Sto\u00dfkraft der schweren Kavallerie. Aber auch abgesessen verloren die nun immer schwerer gepanzerten Ritter viel von ihrer Beweglichkeit &#8211; manch einer starb sogar am Hitzschlag unverletzt in seiner R\u00fcstung. Wenn es zum Nahkampf kam, wurde auch dort von den Bogensch\u00fctzen viel erwartet. Mit Schwertern, Messern und Kampfh\u00e4mmern r\u00fcckten sie ihren schwerf\u00e4lligen Gegnern zu Leibe, anstatt sie aus k\u00fcrzester Distanz zusammenzuschie\u00dfen, was ja mit einem Lee Enfield Gewehr eine Kleinigkeit gewesen w\u00e4re. Man kann also davon ausgehen, dass ein Ritter gegen Pfeile relativ gut gesch\u00fctzt war und vor allem bei den neueren Plattenpanzern sicher auf die Pferde gezielt werden oder aus k\u00fcrzester Distanz eine Schwachstelle getroffen werden musste. Gute R\u00fcstungen wurden bezeichnenderweise mit einer Windenarmbrust auf Beschussfestigkeit getestet. Allerdings kann man sich vorstellen, dass manche Pfeile vielleicht nur ein paar Zentimeter in den Panzer eindrangen und dann fest stecken blieben. So etwas sorgt f\u00fcr \u00e4u\u00dferst schmerzhafte Wunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt mehrere Berichte, dass Bogensch\u00fctzen hingerichtet wurden, weil sie in vor dem Nahkampf geflohen waren. Man wird ihnen also nicht gerecht, wenn man denkt, sie h\u00e4tten ihre Gegner wie Hasen schie\u00dfen k\u00f6nnen. Das Schie\u00dfen war nur ein Teil ihrer Aufgabe, dann mussten sie als leichte Infanterie ihren Mann stehen. Erst unter guter F\u00fchrung und sicher auch mit Gl\u00fcck gewannen sie das Selbstvertrauen, das Infanteristen in dieser Zeit immer ben\u00f6tigten, wenn sie es \u00fcberhaupt wagen wollten, sich den Herren hoch zu Ross entgegenzustellen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Taktische Fehler<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem guten Teil verdanken die Bogensch\u00fctzen ihre Erfolge auch der Arroganz des franz\u00f6sischen Adels, der sich am liebsten ohne Taktik und Disziplin auf den Gegner st\u00fcrzte. Die Schlachten bei N\u00e1jera (1367) Aljubarrota (1385) zeigten, dass die Kastilier nicht besser waren. Die blutige Niederlage von Nicopolis w\u00e4hrend des Kreuzzugs von 1396 war \u00fcbrigens der gleichen uneinsichtigen Arroganz zu verdanken, und wird inzwischen gerne unter taktischen Gesichtspunkten mit den englischen Siegen des Hundertj\u00e4hrigen Krieges verglichen. Auch wenn es der Adel nur sehr schwer einsehen wollte, hatte die Kriegsf\u00fchrung inzwischen eine Komplexit\u00e4t erreicht, die ein einge\u00fcbtes Zusammenwirken verschiedener Waffengattungen erforderte. Nachdem die Franzosen ihre Lektion endlich gelernt hatten, gelang es ihnen 1450 bei Formigny die englischen Bogensch\u00fctzen mit nur 2 Feldgesch\u00fctzen aus ihrer sicheren Position zu locken und dann niederzureiten. Die Franzosen sollen dabei nur 200-300 Mann verloren haben, obwohl ihnen fast 3.000 Bogensch\u00fctzen gegen\u00fcber standen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"613\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogen-16jh.jpg\" alt=\"englischer B\u00f6gensch\u00fctze im  16. Jahrhundert\" class=\"wp-image-5604\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogen-16jh.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/bogen-16jh-294x450.jpg 294w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">englischer B\u00f6gensch\u00fctze im 16. Jahrhundert<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Frankreich und England 1360 dann vor\u00fcbergehend Frieden geschlossen hatten, zogen gro\u00dfe Gruppen arbeitsloser S\u00f6ldner nach Italien und nahmen dabei auch viele der bew\u00e4hrten Bogensch\u00fctzen mit. In Italien trafen sie aber nicht mehr auf die ignorante Feudalreiterei Frankreichs, sondern auf andere professionelle S\u00f6ldnerkompanien und so wurden die Engl\u00e4nder auch erst einmal von der Kompanie &#8222;Vom Stern&#8220; geschlagen. Der italienische Chronist Filippo Villani lobt bei den Engl\u00e4ndern vor allem die schweren R\u00fcstungen, die sie aus Frankreich mitgebracht hatten und zum Schrecken ihrer leichter gewappneten Gegner st\u00e4ndig auf Hochglanz brachten \u2013 daher ihr Name &#8222;Wei\u00dfe Kompanie&#8220;. \u00dcber die &#8222;ber\u00fchmten&#8220; Bogensch\u00fctzen in ihrem Gefolge schreibt er dagegen: &#8222;Man machte die Erfahrung, dass sie besser n\u00e4chtliche \u00dcberf\u00e4lle machten und stahlen als das Feld zu behaupten; sie hatten mehr Erfolg durch die Feigheit unserer Leute als ihre eigene Tapferkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Karl der K\u00fchne warb f\u00fcr seine Kriege tausende englischer Bogensch\u00fctzen. Dennoch wurden seine Heere 1476 bei Grandson und Murten und 1477 bei Nancy vom schweizer Fu\u00dfvolk einfach \u00fcberrannt. Und niemand wird wohl behaupten, dass ein schweizer Fu\u00dfknecht besser gepanzert als ein Ritter war. Allerdings war er zu Fu\u00df beweglicher und weitaus disziplinierter. In der letzten Schlacht der Rosenkriege bei Stoke 1487 w\u00e4re 2.000 Schweizern und Landsknechten fast das gleiche gegen eine erdr\u00fcckende \u00dcbermacht gelungen. Dennoch sonnte man sich in England noch lange im Glanz der gro\u00dfen Siege. Als aber <a href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/langbogen-und-arkebuse\/\">Heinrich VIII.<\/a> an die alten Erfolge ankn\u00fcpfen wollte und 1544 in Frankreich einfiel, musste er feststellen, dass mit seinen weltber\u00fchmten Bogensch\u00fctzen allein nicht mehr viel auszurichten war. Landsknechte, Spanier und S\u00f6ldner aus aller Herren L\u00e4ndern mussten angeworben werden. Seine Tochter Elisabeth I. zog dann die Konsequenz und schloss den Bogen per Dekret von der Musterung aus. Dennoch gab es in England noch 1590 eine literarische Kontroverse \u00fcber die Vor- und Nachteile von Bogen und Arkebuse, wobei der Verteidiger der Arkebuse anf\u00fchrte, es k\u00f6nne ja sein, dass durch Pfeile die Pferde mehr erschreckt w\u00fcrden, die M\u00e4nner allerdings mehr durch Kugeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\"><br>\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Legenden um eine &#8222;Wunderwaffe&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5552,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,114],"tags":[131,117],"class_list":["post-5548","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-renaissance","tag-englander","tag-hundertjahriger-krieg"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.1 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die englischen Bogensch\u00fctzen - Legenden um eine &quot;Wunderwaffe&quot;.<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Nach den spektakul\u00e4ren Erfolgen der englischen Bogensch\u00fctzen im Hundertj\u00e4hrigen Krieg wurde der Langbogen zu einer begehrten S\u00f6ldnerwaffe. 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