{"id":5189,"date":"2026-03-13T13:00:55","date_gmt":"2026-03-13T13:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=5189"},"modified":"2026-04-12T17:10:31","modified_gmt":"2026-04-12T17:10:31","slug":"ivan-der-schreckliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/ivan-der-schreckliche\/","title":{"rendered":"Ivan der Schreckliche"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">und die Terrortruppe der Opricniki.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"776\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/iwan.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5193\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/iwan.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/iwan-232x450.jpg 232w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit der Eroberung der Chanate von Kazan (1552) und Astrachan (1556) schien es dem jungen Zaren Ivan IV. endg\u00fcltig gelungen zu sein Russland vom &#8222;Joch der Tartaren&#8220; zu befreien, und viele hofften, dass er sich nach diesen bejubelten Siegen nun auch noch gegen das Chanat der Krim wenden w\u00fcrde. Doch Ivan suchte sich statt dessen ein schw\u00e4cheres Ziel, das zudem freien Zugang zur Ostsee versprach: den Ordensritterstaat in Livland. Der Erfolg schien ihm Recht zu geben. Bereits 1558 wurden Narwa und Dorpat genommen und zwei Jahre sp\u00e4ter das Ordensheer bei Ermes vernichtend geschlagen. Allerdings war es nicht gelungen Reval und Riga die beiden wichtigsten Hafenst\u00e4dte zu erobern, au\u00dferdem war die Bev\u00f6lkerung durch die grausame Kriegsf\u00fchrung der Russen zum \u00e4u\u00dfersten Widerstand entschlossen, und so zerbrach zwar der Ordensstaat aber die einzelnen Teile suchten sich neue Schirmherren. Riga mit Livland unterstellte sich Polen-Litauen, Reval mit Estland Schweden, und die Insel \u00d6sel holte sich Magnus den Bruder des d\u00e4nischen K\u00f6nigs als Herzog ins Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit war die Zahl der Feinde um ein Vielfaches gewachsen. Russland musste nun wieder mit Litauen an der seit langem umstrittenen wei\u00dfrussischen Grenze k\u00e4mpfen, und die Polen animierten die Krimtataren zu neuen Einf\u00e4llen. Doch gerade weil der Krieg so an Raum und Teilnehmern zugenommen hatte, zerfiel er zunehmend in kleinere Aktionen. Raubz\u00fcge und \u00dcberf\u00e4lle bestimmten zunehmend das Geschehen. Durch die verwickelten Besitzverh\u00e4ltnisse in Livland und Wei\u00dfrussland spielten Verrat und Bestechung eine immer wichtigere Rolle. Ivan versuchte Habsburg gegen Polen und England gegen Schweden auszuspielen. Diese wiederum warben um Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihren &#8222;Kreuzzug&#8220; gegen die Barbarei aus dem Osten. Auf beiden Seiten gingen S\u00f6ldner gegen gute Bezahlung zum Gegner \u00fcber oder \u00fcbergaben ihm wichtige Festungen. Es waren aber nicht nur die Kleinen, der hohe Adel suchte wahrscheinlich noch viel skrupelloser seinen Vorteil. So wechselte der russische Oberfeldherr F\u00fcrst Kurbskij nach einer schweren Niederlage zu den Litauern und f\u00fchrte von ihrer Seite aus einen Propagandafeldzug gegen die &#8222;Tyrannei&#8220; Ivans, der dieser Propaganda wahrscheinlich seinen westlichen Beinamen der &#8222;Schreckliche&#8220; verdankt. Einige Jahre sp\u00e4ter ging dann der ehrgeizige Herzog Magnus zu den Russen \u00fcber, nahm sein Land von Ivan zum Lehen und durfte sich daf\u00fcr nun &#8222;K\u00f6nig&#8220; nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders wichtig war auch die Versorgung mit westlichen Spezialisten, die Ivan f\u00fcr die Modernisierung seines Landes dringend ben\u00f6tigte. In der Armee dienten zahlreiche Landsknechte als Ausbilder und in kompletten Einheiten, in der Artillerie hatten fremde Gesch\u00fctzgie\u00dfer und Kanoniere eine Schl\u00fcsselrolle und auch der Bergbau war auf Ausl\u00e4nder angewiesen. Fr\u00fcher hatten vor allem die Deutsche und Italiener die begehrten Fachleute und nat\u00fcrlich auch Waffen geliefert. Doch seit dem Krieg gegen Polen und die Tartaren waren die Zufahrtswege versperrt. Auch im Reich wurde die Werbung von S\u00f6ldnern f\u00fcr Russland verboten. Es gab aber wie immer M\u00f6glichkeiten solche Hindernisse zu umgehen. Und so klingt es ziemlich modern, wenn man liest, dass ein gewisser Johann Schlitte aus Golsar beschuldigt wurde, dem Zar statt der erlaubten Doktoren 800 Landsknechte zugef\u00fchrt zu haben. Es war ein schwieriges Gesch\u00e4ft. Mit falschen P\u00e4ssen schleuste man zum Beispiel Kanoniere als Handwerker nach Livland und von dort heimlich \u00fcber die Grenze. Etwas unkomplizierter war der Weg auf holl\u00e4ndischen oder englischen Schiffen \u00fcber das Eismeer. Da dieser Menschenschmuggel aber bei weitem nicht ausreichte, suchte man unter den Kriegsgefangenen nach f\u00e4higen Leuten und warb gezielt \u00dcberl\u00e4ufer von der Gegenseite, die mit f\u00fcrstlichen Geschenken rechnen konnten, wenn sie die notwendigen Talente mitbrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer dieser \u00dcberl\u00e4ufer, die v\u00f6llig unbelastet von moralischen Skrupeln, nur ihr eigenes Fortkommen im Auge hatten, war Heinrich von Staden. Er war der Sohn eines angesehenen B\u00fcrgers im westf\u00e4lischen Ahlen bei M\u00fcnster. Wie sein Bruder sollte Staden studieren und Pastor werden. Bei einem Streit stach er jedoch einen seiner Kommilitonen durch den Arm und hielt es f\u00fcr besser, sich abzusetzen. In Ahlen als Hansestadt gab es nat\u00fcrlich Beziehungen ins Baltikum, und so nahm ihn ein aus Riga stammender Vetter mit nach Livland. Die Familie war offensichtlich froh, den Tunichtgut los zu sein, und Staden kam ungef\u00e4hr f\u00fcnfzehnj\u00e4hrig 1560 \u00fcber L\u00fcbeck in den vom Krieg zerrissenen Ordensstaat. In Riga trat er in den Dienst eines Ratsherren. Da jedoch dort alle B\u00fcrger hart an der Verst\u00e4rkung der W\u00e4lle arbeiten mussten, versuchte er sein Gl\u00fcck kurz darauf auf verschiedenen Landg\u00fctern. Auch dort musste er hart arbeiten und erhielt dabei reichlich Schl\u00e4ge mit der Rute. Bald verhalfen ihm jedoch seine Lateinkenntnissen zu einer Stellung als Verwalter auf einem gro\u00dfen livl\u00e4ndischen Gut.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"423\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kremel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5195\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kremel.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kremel-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">der Kreml um 1500<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nachdem er aber seinen eintr\u00e4glichen Posten bald wieder verloren hatte, beteiligte er sich auf polnischer Seite am Kleinkrieg gegen die Russen. Doch das einfache S\u00f6ldnerleben war nichts f\u00fcr ihn. Als er sich bei der Beuteverteilung benachteiligt f\u00fchlte, entschloss er sich zu den Russen \u00fcberzulaufen. Diese galten zwar als grausame, halb heidnische Barbaren, aber andererseits hatte Staden auch von den reichen Geschenken und Pfr\u00fcnden geh\u00f6rt, die der Zar an \u00dcberl\u00e4ufer vergab. Ihm war zwar bekannt, dass jeder \u00dcberl\u00e4ufer, der gefasst wurde, erbarmungslos mit dem Tode bestraft wurde, doch die livl\u00e4ndische Sache hielt er l\u00e4ngst vor verloren. So schlich er sich lediglich mit einer &#8222;Schreibfeder auf der Hutschnur&#8220;, etwas Papier und einem Tintenfa\u00df \u00fcber die Grenze, damit &#8222;wan ich gegriffen w\u00fcrde, mich k\u00f6nnte ausreden&#8220;. Auf russischer Seite hatte bereits ein Bekannter von ihm alles vorbereitet und Staden kam \u00fcber Dorpat nach Moskau an den Hof des Zaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dienst des Zaren traf Staden auf eine ganze Reihe von gut situierten Renegaten. Die Deutsch-Livl\u00e4nder Johann Taube und Eilert Kruse waren als Gefangene an den Hof Ivans gekommen, erfreuten sich dann aber seiner Gunst. Der Pommer Albert Schlichting war ebenfalls als Gefangener nach Moskau gekommen und dann zum Dolmetscher von Ivans Leibarzt aufgestiegen. Wie diese erhielt nun auch Staden reiche Geschenke und einige Landg\u00fcter. Zwar r\u00fchmt er sich mehrfach, dem Zaren gro\u00dfe Dienste geleistet zu haben, ohne jedoch genau darauf einzugehen. 1567 war er jedenfalls bei den Verhandlungen zwischen dem Zaren und dem gefangenen Ordensmeister Wilhelm von F\u00fcrstenberg anwesend, um zu kontrollieren, ob der offizielle Dolmetscher alles richtig \u00fcbersetzte. Das hei\u00dft, er muss zu dieser Zeit nicht nur recht gut Russisch gesprochen, sondern auch eine Vertrauensstellung am Hof gehabt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben seiner Arbeit als Dolmetscher versuchte er \u00fcber Verwandte und Bekannte im Reich f\u00fcr den Zaren Fachleute anzuwerben. Wahrscheinlich hat er auch wie Taube und Kruse im Intrigenspiel um Livland mitgemischt und versucht einzelne St\u00e4dte und S\u00f6ldnertruppen zum \u00dcberlaufen zu bewegen. Als Gro\u00dfgrundbesitzer nahm er aber auch mit seinem Gefolge an den Kriegen gegen die Tataren teil. Mit der Zeit machte er Karriere. Stolz schrieb er sp\u00e4ter: &#8222;Der Gro\u00dff\u00fcrst kannte mich und ich ihn.&#8220; Anscheinend n\u00fctze er seine Position, um noch mehr Besitz anzuh\u00e4ufen. Denn als ihn ein Bojar durch eine reiche Mitgift zum Schwiegersohn gewinnen wollte, lehnte er lapidar mit dem Kommentar &#8222;Geldes und Gutes&#8220; habe er genug ab. F\u00fcr seine hohe Stellung spricht aber vor allem, dass er ausgezeichnet \u00fcber die Vorg\u00e4nge bei Hof unterrichtet war, und seine Aufzeichnungen deshalb heute als eine der wichtigsten historischen Quellen f\u00fcr die Ereignisse dort gelten. Als H\u00f6hepunkt seiner Laufbahn wurde er sogar Mitglied bei den gef\u00fcrchteten Opricniki.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie fast alle europ\u00e4ischen Herrscher der Fr\u00fchen Neuzeit stie\u00df auch Ivan der Schreckliche bei dem Versuch, einen modernen zentralistischen Staat aufzubauen, auf den Widerstand des Hochadels, der Bojaren. Speziell in seiner Situation kam erschwerend hinzu, dass er beim Tode seines Vaters erst drei Jahre alt gewesen war. Seine ganze Kindheit und Jugend war gepr\u00e4gt von Intrigen, Palastverschw\u00f6rungen und politischen Morden. Wahrscheinlich verdankte er sein \u00dcberleben nur der Tatsache, dass sich die verschiedenen Cliquen beim Kampf um die Macht nicht einigen konnten, und sich statt dessen in der so genannten &#8222;Bojaren-Anarchie&#8220; gegenseitig zerfleischten. Ein tief verwurzelter Hass auf die Bojaren wurde deshalb zum bestimmenden Element seiner Innenpolitik. Um ihre Macht einzuschr\u00e4nken begann er fr\u00fch mit der Aufstellung einzelner Regimenter aus fest besoldeten Berufssoldaten. Diese &#8222;Strelitzen&#8220; (Sch\u00fctzen) sollten ihn von der Heeresfolge der Bojaren unabh\u00e4ngig machen. Daneben st\u00fctzte er sich bevorzugt auf den niederen Dienstadel, den er durch die Verleihung von \u00c4mtern und Privilegien auf Kosten der Bojaren f\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"399\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5197\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-1.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Opricniki<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Alle Bef\u00fcrchtungen Ivans wurden durch den Seitenwechsel des F\u00fcrsten Kurbskij zu Litauen noch \u00fcbertroffen. Fortan witterte er \u00fcberall Verschw\u00f6rungen und suchte nach einem geeigneten Werkzeug, um gegen den unzuverl\u00e4ssigen Hochadel vorzugehen. Zuerst zog er gro\u00dfe Teile des Landes ein und stellte es unter seine pers\u00f6nliche Kontrolle. Mit diesem Land belehnte er dann besonders getreue Gefolgsleute, die Opricniki. Bei diesen Opricniki handelte es sich allerdings nicht nur um eine Art neuer Beamter oder eine pers\u00f6nlicher Leibgarde. Sie waren viel mehr ein Orden aus pers\u00f6nlich ergebenen Gefolgsleuten, die ohne R\u00fccksicht auf Recht und Gesetz allein im Namen des Zaren Terror verbreiten konnten. Sie leisteten dem Zaren einen besonderen Treueid und trugen als Uniform schwarze H\u00fcte und M\u00f6nchskutten. Weitere Insignien ihrer Macht waren ein Hundekopf und ein Besen. Damit sollten sie symbolisch die Feinde des Zaren zerfleischen und aus dem Reich fegen. Die meisten stammten aus dem Dienstadel, es gab aber auch Aufsteiger aus den untersten Schichten. Dazu kamen einige fremde Abenteurer, die nat\u00fcrlich ganz besonders von Ivans Gunst abh\u00e4ngig waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal versammelte Ivan seine Opricniki zu gottesdienst\u00e4hnlichen Treffen, die dann in w\u00fcste Gelage und Orgien ausarteten, oder sie besuchten gemeinsam den Peinhof und erg\u00f6tzten sich dort an den Folterungen. Die Opricniki waren eine Terrortruppe, die Furcht und Schrecken in der Bev\u00f6lkerung verbreiten sollte. Was ihnen auch bestens gelang. Da sie au\u00dfer dem Zaren niemanden respektieren mussten, \u00fcberfielen sie Bauern und Adlige, mordeten und raubten ohne Unterschied. Der Terror, mit dem die Mongolen so lange geherrscht hatten, feierte unter ihnen neue Triumphe. Moskau erstarrte in Furcht vor diesen sadistischen Verbrechern. Kleine Gruppen von Opricniki streiften in ihren schwarzen Kutten und schwer bewaffnet durch die Stadt und beraubten oder erschlugen jeden, den sie wollten. \u00dcberall, wo Ivan Verschw\u00f6rungen ahnte, schlugen sie \u00fcberraschend zu. Es versteht sich dabei von selbst, dass sich diese Geheimpolizeiaktionen meistens als \u00e4u\u00dferst lukrativ erwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diese Bande aus Folterknechten, M\u00f6rdern und R\u00e4ubern wurden neben Staden nur noch drei Ausl\u00e4nder aufgenommen: Taube, Kruse und Kaspar Elverfeld ein Doktor der Rechte aus Westfalen. Als Opricniki erhielt Staden neue L\u00e4ndereien und nahm an eintr\u00e4glichen Raubz\u00fcgen teil. Ungeschminkt und ohne zu besch\u00f6nigen, ja geradezu prahlerisch, berichtet er von seinen Taten. Einmal als seine Knechte gerade dabei waren eine Kirche zu pl\u00fcndern, bemerkte er, dass einige Opricniki auf dem nahe gelegenen Hof eines Bojaren in Schwierigkeiten gekommen waren. Er kam ihnen zu Hilfe und drang mit einem Beil in der Hand in das Haus ein. Die Frau des Bojaren wollte sich ihm zu F\u00fc\u00dfen werfen, erschrak aber vor seinem Anblick und fl\u00fcchtete. In seiner Wut hieb Staden sie erbarmungslos nieder und machte seinen Genossen den Weg frei. Stolz verweist er auf die reiche Beute. Obwohl er zu diesem Raubzug nur mit zwei Knechten aufgebrochen war, kehrte er mit 49 Pferden und 22 beutebeladenen Schlitten zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"475\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5199\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-2.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-2-300x158.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-2-768x405.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Opricniki pl\u00fcndern das Haus eines Bojaren<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es blieb aber nicht bei \u00dcberf\u00e4llen auf einzelne Familien oder Geh\u00f6fte. 1570 erregte Nowgorod Ivans Verdacht. Mit seinen Opricniki fiel er in der Stadt ein und hielt ein furchtbares Strafgericht. Mehrere Wochen dauerten die Folterungen und Massenhinrichtungen, bei denen 60.000 Menschen umgekommen sein sollen. Tausende unter das Eis des Wolchov gesto\u00dfen, Kirchen und Kl\u00f6ster gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt, M\u00f6nche zu Tode gepr\u00fcgelt, die Vorr\u00e4te vernichtet und das Vieh geschlachtet. &#8222;In dieser stat und cl\u00f6stern muste nichts \u00fcberbleiben. Und alles, was das krigsvolk nicht konte mit sich f\u00fchren, dasselb muste ins wasser geworfen werden oder vorbrante&#8220;, schreibt Staden, der dabei auch seinen Schnitt machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Tataren 1571 Moskau bis auf die Grundmauern nieder brannten, irrte Staden mit seinem Gefolge durch die Flammenh\u00f6lle. In einem gemauerten Gew\u00f6lbe, das durch eine eiserne T\u00fcr Schutz versprach, dr\u00e4ngten sich Fl\u00fcchtlinge mit Frauen und Kindern. Ohne zu z\u00f6gern, jagte Staden mit der Waffe die H\u00e4lfte von ihnen nach drau\u00dfen und schuf Platz f\u00fcr sich und sein Gefolge. Einen deutschen Bergmann dagegen, den er f\u00fcr den Zaren angeworben hatte und der zu l\u00f6schen versuchte, riss er zu sich herein. F\u00fcr ihn hatte er immerhin eine Menge Geld ausgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>In ruhigeren Zeiten verdiente Staden, wie viele Ausl\u00e4nder eine Menge Geld durch das Schankprivileg. Mit einen Teil seiner Gewinne erkaufte er sich die Gunst m\u00e4chtiger M\u00e4nner am Hof. Denn es herrschte oft kein besonders freundschaftliches Verh\u00e4ltnis unter den deutschen Renegaten. Sie intrigierten gegeneinander und versuchten, sich um Geld und Pfr\u00fcnden zu bringen. Staden berichtet, dass ihm ein anderer Deutscher im Alkoholgesch\u00e4ft eine Menge Kunden abwarb, wodurch ihm gro\u00dfer Schaden entstand. Elverfeld, der schon vor ihm den Opricniki angeh\u00f6rte, ben\u00fctzte seine Macht, um ihn zu erpressen. Nachdem Staden jedoch selbst Opricniki geworden war und \u00fcber gute Beziehungen verf\u00fcgte, stach er Elverfeld bei einer guten Gelegenheit nieder und sorgte daf\u00fcr, dass dieser im Gef\u00e4ngnis umkam. Er beherrschte dieses Intrigenspiel bestens. \u00dcber den Umgang mit dem launischen Zaren schreibt er geradezu weise: &#8222;Welcher nahe bei dem Gro\u00dff\u00fcrsten war, der verbrannte sich, und der fern von ihm war, der erfror.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5201\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-3.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/opricniki-3-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Allerdings ging auch die Zeit der Opricniki zu Ende. Der gro\u00dfe Tartareneinfall hatte deutlich gezeigt, dass sie milit\u00e4risch nicht einsetzbar waren. Und auch durch ihre Terroraktionen im Inneren hatten sie den Staat schwere \u00f6konomische Sch\u00e4den zugef\u00fcgt. Ganz davon abgesehen, dass das Klima des Schreckens, das sie verbreiteten, letzten Endes wahrscheinlich mehr \u00dcberl\u00e4ufer und Verr\u00e4ter produzierte als verhinderte. Als Ivan dann die Terrortruppe 1572 aufl\u00f6ste, musste Staden viele seiner G\u00fcter an die alten Besitzer zur\u00fcckgeben und dachte wahrscheinlich jetzt langsam daran sich abzusetzen. Seine Situation hatte sich au\u00dferdem dadurch verschlechtert, dass Taube und Kruse einen Feldzug in Livland dazu benutzt hatten, zu den Polen \u00fcberzulaufen. Schlichting hatte vorher schon die Fronten gewechselt. Im Dienst des polnischen K\u00f6nigs verfassten die \u00dcberl\u00e4ufer nun Propagandaschriften \u00fcber die Gr\u00e4uel und das Terrorregime Ivans des Schrecklichen. Dadurch war die Stellung der Ausl\u00e4nder schwer ersch\u00fcttert, und Staden musste so langsam die Rache alter Feinde f\u00fcrchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch seit der Flucht von Taube und Kruse wurden die Grenzen bewacht und jeder Ausl\u00e4nder, der bei einem Fluchtversuch gefangen genommen wurde, zum Tod verurteilt. Pl\u00f6tzlich musste Staden feststellen: &#8222;Es geschieht selten, da\u00df sich ein auslender unterstehet, aus dem lande zu laufen; denn der wegk ins land ist weit und breit, aus dem land ist der weg ganz enge.&#8220; Da die Westgrenze scharf \u00fcberwacht wurde, verlegte Staden seine Gesch\u00e4fte zielsicher nach Norden, an die Eismeerk\u00fcste. Dort gelang es ihm dann auf einem holl\u00e4ndischen Schiff zu entkommen. Seinen immer noch ausgedehnten Besitz musste er jedoch zur\u00fccklassen. Der Boden unter seinen F\u00fc\u00dfen muss wirklich sehr hei\u00df geworden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Reich bot er seine Dienste K\u00f6nig Karl IX. von Schweden und dem polnischen K\u00f6nig Stephan B\u00e1thory, die beide im Krieg mit Russland standen, seine Dienste als Fachmann an. Au\u00dferdem&nbsp; versuchte er sich im Russlandhandel und verfasste eine eher phantastische Denkschrift f\u00fcr den Kaiser \u00fcber die Eroberung des Moskauer Staates. Er veranschlagte daf\u00fcr 100.000 Mann und hob hervor, dass dies zudem eine gute M\u00f6glichkeit sei, das Reich von &#8222;gartenden&#8220; Landsknechten zu befreien. Aber niemand wollte sich f\u00fcr seine Projekte erw\u00e4rmen. Irgendwie war er dieses Mal zu sp\u00e4t gekommen. W\u00e4hrend Taube und Kruse in Polen wieder gro\u00dfe G\u00fcter besa\u00dfen, hatte er all seinen Reichtum verloren. Als diplomatischer Intrigant stand er schlie\u00dflich im Dient des Pfalzgrafen Georg Hans von Veldenz-L\u00fctzelstein und f\u00fchrte dort, verbittert \u00fcber die Ungerechtigkeit des Schicksals, ein recht bescheidenes Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und die Terrortruppe der Opricniki.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5191,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[107,91,172],"class_list":["post-5189","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-renegaten","tag-russland","tag-techniker"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ 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