{"id":5140,"date":"2026-02-20T17:57:43","date_gmt":"2026-02-20T17:57:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=5140"},"modified":"2026-02-20T17:57:44","modified_gmt":"2026-02-20T17:57:44","slug":"der-soldnerkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/der-soldnerkrieg\/","title":{"rendered":"Der S\u00f6ldnerkrieg"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Rebellion von Karthagos Veteranen.<\/h5>\n\n\n\n<p>Karthago hatte 23 Jahre hart gegen Rom gek\u00e4mpft und schlie\u00dflich 241 v. Chr. ersch\u00f6pft um Frieden gebeten. Sizilien musste aufgegeben werden und die punischen Truppen, die Rom dort in erbitterten K\u00e4mpfen erfolgreich Widerstand geleistet hatten, wurden abgezogen. Ihr ber\u00fchmter Feldherr Hamilkar Barkas wurde seines Postens enthoben, und der Katharger Gisco sollte den Abtransport und die Ausbezahlung der S\u00f6ldner \u00fcbernehmen. Denn ganz anders als in Rom k\u00e4mpften im punischen Landheer nur selten eigene B\u00fcrger, dagegen alles, was die Werber dieser reichen Handelstadt im westlichen Mittelmeerraum rekrutieren konnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"398\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/karthago.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5145\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/karthago.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/karthago-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach und nach trafen die S\u00f6ldner in Karthago ein, um den versprochenen Lohn f\u00fcr ihre jahrelangen Dienste zu erhalten. Da waren die schwerbewaffneten libyschen Infanteristen, leichte numidische und mauretanische Reiter, barbarische Kelten, leichtbewaffnete Iberer, gepanzerte Griechen, Ligurer und Campaner und balearische Schleuderer. Dazu kamen r\u00f6mische Deserteure, Liboph\u00f6niker, Halbhellenen, die Mischlinge und Ausgesto\u00dfenen der punischen und griechischen St\u00e4dte Siziliens und Nordafrikas. Man darf sich aber unter &#8222;den S\u00f6ldnern&#8220; nicht einfach ein Heer vorstellen, obwohl sie diese Formation im Kampf sicher einnahmen. Viel mehr handelte sich es bei ihnen um ein Volk auf der Wanderschaft mit allem was dazu geh\u00f6rt. Viele hatten Frauen und Kinder dabei oder Sklaven. Manche hatten leicht an ihrem pers\u00f6nlichen Besitz zu tragen, andere schleppten auf Packpferden, Eseln oder gar Karren die Beute von Jahren mit sich. Nach 23 Jahren Krieg waren die \u00fcberlebenden Veteranen der ersten Stunde inzwischen \u00e4ltere M\u00e4nner und einige ihrer im Feld geborenen S\u00f6hne f\u00fcllten die Reihen. Urspr\u00fcnglich hatten alle die typischen Trachten und Waffen ihrer V\u00f6lker und St\u00e4mme getragen, doch im Laufe des langen Krieges hatten viele mit r\u00f6mischen R\u00fcstungen nachgebessert und mit erbeuteten Kleidungsst\u00fccken die eigenen zerschlissenen Sachen ersetzt. S\u00e4mtliche Sprachen der bekannten Welt wurden durcheinander gesprochen. Die Afrikaner konnten sich wahrscheinlich rudiment\u00e4r in ph\u00f6nizisch verst\u00e4ndigen, w\u00e4hrend andere eher einige Brocken Griechisch kannten. Die meisten waren jedoch auf Dolmetscher oder ihre H\u00e4nde angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"713\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/karthago_soldner.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5146\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/karthago_soldner.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/karthago_soldner-300x428.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es war ein bunter und verwilderter Haufe, der dort bei Karthago zusammenkam. Keiner war daran gewohnt f\u00fcr das zu bezahlen, was er brauchte und die Waffen waren schnell zur Hand. Um der Ausschreitungen wieder Herr zu werden, \u00fcberredeten die Karthager die S\u00f6ldner gegen den Empfang eines Goldst\u00fcckes in das s\u00fcdwestlich von Karthago gelegene Sikka abzuziehen und dort auf ihr Geld zu warten. Das Problem war n\u00e4mlich, dass die Republik nach dem langen Krieg die notwendigen Summen nicht so schnell aufbringen konnte und auch nicht wollte. Deshalb erhielt der Feldherr Hanno den Auftrag in Verhandlungen die S\u00f6lder zu einem Verzicht auf einen Teil ihres Soldes zu bewegen. Diese hatten jedoch staunend die unermesslichen Reicht\u00fcmer Karthagos gesehen und in den ruhigen Wochen in Sikka immer wieder ihre Anspr\u00fcche durchgerechnet. Zudem hatte ihnen Hamilkar bei den K\u00e4mpfen in Sizilien immer wieder Pr\u00e4mien versprochen, um sie zum Durchhalten zu bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ihnen nun Hanno die Not der Republik schilderte, ging ein Sturm der Entr\u00fcstung durch das Lager. Die Veteranen zeigten ihre Wunden und die Frauen hoben die Kinder empor, deren V\u00e4ter in Sizilien geblieben waren. Alle dachten an Hunger und K\u00e4lte und die grausamen Schlachten. Es erschien ihnen wie Hohn, dass diese reichen und satten H\u00e4ndler mit ihnen um ihr vergossenes Blut feilschten. Hanno war f\u00fcr diese Angelegenheit sicher auch die falsche Person, als typischer Punier brachte er die Masse durch seine Arroganz nur noch mehr gegen sich auf. Zudem hatte er seine Erfahrungen als Feldherr haupts\u00e4chlich bei der Niederschlagung libyscher Volksaufst\u00e4nde erworben. Bald hatte sich die Emp\u00f6rung so gesteigert, dass die S\u00f6ldner zu dem dicht bei Karthago gelegenen Tunis zogen, um dort ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Nun begann der Rat einzulenken, er schickte Lebensmittel ins Lager und versprach alles zu bezahlen. Doch inzwischen waren w\u00e4hrend der vielen Diskussionen die Anspr\u00fcche der S\u00f6ldner gewachsen. Sie verlangten nun auch Bezahlung f\u00fcr verlorene Pferde und f\u00fcr Getreidelieferungen, die sie nicht erhalten hatten &#8211; nat\u00fcrlich zu den h\u00f6chsten Kornpreisen des Krieges &#8211; und die Frauen bestanden auf dem Sold ihrer gefallenen M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regelung der Angelegenheit wurde nun wieder dem bei den Truppen beliebten Gisco \u00fcbertragen, der mit einer gro\u00dfen Summe in Tunis erschien. Doch einige M\u00e4nner bem\u00fchten sich weiter die Stimmung noch mehr aufzuheizen. Unter ihnen traten vor allem zwei hervor: der Campaner Spendios und der Libyer Mathos. Der r\u00f6mischische Geschichtsschreiber Polybius bezeichnet Spendios als entlaufenen Sklaven. Wahrscheinlich war er jedoch ein r\u00f6mischer \u00dcberl\u00e4ufer, der nach einem Frieden seine Auslieferung f\u00fcrchten musste. Auf Sizilien waren S\u00f6ldner von und zu allen Parteien desertiert, was allerdings von Polybios f\u00fcr die r\u00f6mische Seite verst\u00e4ndlicherweise nach M\u00f6glichkeit unterschlagen wird. Mathos hatte andere Gr\u00fcnde. Als Libyer kannte und f\u00fcrchtete er die Karthager, die ihr Hinterland mit immer neuen Steuern gnadenlos auspressten und gelegentliche Aufst\u00e4nde grausamst niederschlugen. Nun sollten die Libyer als letzte bezahlt werden, und viele fragten sich sicher nicht zu unrecht, was wohl mit ihnen passieren w\u00fcrde, wenn ihre Kameraden aus den anderen L\u00e4ndern erst abgezogen w\u00e4ren. Die Furcht der Libyer und ihren alten Hass auf ihre Unterdr\u00fccker sch\u00fcrte Mathos, w\u00e4hrend Spendios, der sich durch sein Sprachtalent und seine Redegewandtheit auszeichnete, die anderen Volksgruppen aufwiegelte. Bald war das ganze Lager in hellem Aufruhr und einzelne, die sich f\u00fcr Verhandlungen einsetzten, wurden von der aufgebrachten Masse gesteinigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die S\u00f6ldner setzten Gisco und seine Begleiter gefangen und schickten Boten in die libyschen St\u00e4dte mit der Forderung sich ihrem Aufstand anzuschlie\u00dfen. Und dort war der Hass auf Karthago so gro\u00df, dass sich sofort alle bis auf Utika und Hippo Diarrhytos erhoben, und den S\u00f6ldnern Geld und Hilfstruppen schickten. Inzwischen w\u00e4hlten die Aust\u00e4ndischen Mathos, Spendios und Autarit den F\u00fchrer der Kelten zu ihren Feldherren. Dann teilten sie das Heer in drei Gruppen, von denen zwei Utika und Hippo Diarrhytos belagerten, w\u00e4hrend die dritte im Lager bei Tunis blieb. Karthago mobilisierte inzwischen seine Reserven. Die Flotte wurde instand gesetzt, neue S\u00f6ldner geworben und die B\u00fcrger bewaffnet. Schlie\u00dflich konnte Hanno mit einem starken Heer, das zudem \u00fcber etwa 100 Elefanten und zahlreiche Kriegsmaschinen verf\u00fcgte, zum Entsatz von Utika ausr\u00fccken. Mit seinen Elefanten gelang es ihm tats\u00e4chlich das feindliche Lager zu st\u00fcrmen und die S\u00f6ldner in die Flucht zu schlagen. W\u00e4hrend sein Heer das eroberte Lager pl\u00fcnderte ging Hanno nach Utika, um dort mit einem gro\u00dfen Gelage seinen Sieg zu feiern. Doch die S\u00f6ldner waren nicht das einfache libysche Landvolk, gegen das Hanno bisher gek\u00e4mpft hatte, sondern in vielen Schlachten erfahrene Veteranen. Sie sammelten sich auf einem H\u00fcgel und machten einen neuen Gegensto\u00df, bei dem sie das punische Lager eroberten und zahlreiche Gegner und Elefanten t\u00f6teten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun endlich sah sich Karthago gen\u00f6tigt dem bislang kalt gestellten Hamilkar Barkas das Kommando \u00fcber ein neues Heer zu \u00fcbergeben. Obwohl Hamilkar \u00fcber weniger Truppen als Hanno verf\u00fcgte, gelang es ihm den S\u00f6ldnern vor Utika eine schwere Niederlage zu bereiten, die Stadt zu entsetzen und eine ganze Reihe der aufst\u00e4ndischen St\u00e4dte wieder zu unterwerfen. Dabei erwies er sich sicher als \u00fcberlegener Feldherr, aber auch niemand kannte die Gegner besser als er. Schlie\u00dflich hatten sie unter ihm ihr Handwerk gelernt. Fast alle von ihnen f\u00fcrchteten oder bewunderten ihn, und als er eine Amnestie anbot und Gefangene ohne Strafe in sein eigenes Heer aufnahm, gab es bald eine Menge \u00dcberl\u00e4ufer, die wieder unter ihrem alten Herrn dienen wollten. Auf einer gro\u00dfen Versammlung brachten deshalb die Anf\u00fchrer &#8211; allen voran Spedios und Autarit &#8211; die S\u00f6ldner dazu nun endg\u00fcltig alle Br\u00fccken abzubrechen und alle karthagischen Gefangenen einschlie\u00dflich des Gesandten Gisko grausam zu ermorden. Ferner wurde beschlossen k\u00fcnftig keine Gefangenen mehr zu machen, was die Aufst\u00e4ndischen auch bis zum bitteren Ende durchgef\u00fchrt haben sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Grausamkeit der S\u00f6ldner ist von den sp\u00e4teren r\u00f6mischen Chronisten, die als einzige von diesen Ereignissen berichten, aufs sch\u00e4rfste verurteilt worden. Man sollte dabei aber bedenken, dass die alten Veteranen des punischen Krieges zwar das R\u00fcckgrat des Heeres bildeten aber inzwischen eine Minderheit waren, den weitaus gr\u00f6\u00dften Teil stellten die Aufgebote der libyschen St\u00e4dte, ruinierte Bauern und entlaufene Sklaven. Wie Rom mit rebellischen St\u00e4dten und Provinzen umsprang, kann man ausgiebig nachlesen. Wer nur in die Sklaverei verkauft wurde, hatte Gl\u00fcck gehabt. Oft wurde alles &#8211; Greise, Frauen, Kinder manchmal sogar die Haustiere &#8211; abgeschlachtet. Die Karthager hatten sich in Libyen \u00fcber Generationen \u00e4hnlich benommen. W\u00e4hrend des Krieges auf Sizilien sollen sie sogar eine Gruppe von 3.000 des Verrats verd\u00e4chtiger libyscher S\u00f6ldner auf einmal gekreuzigt haben. Wenn Hamilkar also am Anfang ungew\u00f6hnliche Milde gezeigt hatte, so hatte er als echter Condottiere damit nur versucht, dem Feind die besten Truppen abzuwerben. Die aufst\u00e4ndischen Libyer h\u00e4tten die Rechnung ohnehin bezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"534\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/soldenr_elefanten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5151\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/soldenr_elefanten.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/soldenr_elefanten-300x200.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/soldenr_elefanten-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem Gesandtenmord lie\u00df jedoch auch Hamilkar k\u00fcnftig alle Gefangenen niedermetzeln, kreuzigen oder von seinen Elefanten zertreten. Aber es n\u00fctzte nicht viel. Wegen gegenseitiger Intrigen und Eifers\u00fcchteleien waren er und Hanno zu keinen gemeinsamen Aktionen f\u00e4hig. Schlie\u00dflich erhoben sich sogar die bislang treuen St\u00e4dte Utika und Hippo Diarrhytos gegen ihre Ausbeuter, erschlugen die karthagische Besatzungen und \u00f6ffneten den Aust\u00e4ndischen die Tore. Die nach diesem Erfolg begannen Karthago selbst zu belagern. Doch ohne schweres Belagerungsger\u00e4t hatten sie keine Chancen, die gigantischen Stadtmauern im Sturm zu nehmen. Mittlerweile waren jedoch Kathagos alte Gegner, Rom und Syrakus, anscheinend zu der Einsicht gekommen, dass ein erfolgreicher Aufstand in Libyen auch ihre eigene Autorit\u00e4t untergraben k\u00f6nnte, und sie begannen ihre einstige Rivalin massiv zu unterst\u00fctzen. Sie lieferten Lebensmittel und Waffen &#8211; Syrakus sogar S\u00f6ldner &#8211; und untersagten den Handel mit den aufst\u00e4ndischen St\u00e4dten. In Karthago hatte sich der Senat endlich dazu durchgerungen, Hanno durch den Feldherrn Hannibal zu ersetzen, der besser mit Hamilkar zusammenarbeitete. Gemeinsam gelang es ihnen die Belagerer immer mehr vom Hinterland abzuschneiden, so dass sie schlie\u00dflich abziehen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufst\u00e4ndischen teilten nun ihre Kr\u00e4fte. W\u00e4hrend ein gro\u00dfer Teil unter Mathos mit dem Tro\u00df in Tunis blieb, zogen Spendios und Autarit mit 50.000 Mann der besten Truppen, unter ihnen sicher auch die meisten \u00fcberlebenden S\u00f6ldner, ins Atlasgebirge. Da ihnen Hamilkar an Reiterei und vor allem durch seine Elefanten \u00fcberlegen war, hofften sie ihn dort in dem unwegsamen Gel\u00e4nde zu einer Entscheidungsschlacht stellen zu k\u00f6nnen. Doch bei den folgenden taktischen Man\u00f6vern stellte der erfahrene Feldherr wieder einmal seine \u00dcberlegenheit unter Beweis. Es gelang ihm das feindliche Heer in eine tiefe Schlucht zu locken, die wegen der umliegenden schroffen Berge &#8222;die S\u00e4ge&#8220; genannt wurde, und dort einzuschlie\u00dfen. Nachdem alle Ausbruchsversuche gescheitert waren, warteten die Eingeschlossenen auf Entsatz aus Tunis. Doch wahrscheinlich kamen ihre Boten nicht durch die feindlichen Linien, denn sie warteten vergeblich. Als der Hunger immer schlimmer wurde, schlachteten sie zuerst ihre Gefangenen und dann die Sklaven. Als sie jede Hoffnung aufgegeben hatten, beschlossen sie Hamilkar ihre Kapitulation anzubieten. Sie schickten zehn ihrer Anf\u00fchrer ins feindliche Lager und boten Hamilkar an, dass er stellvertretend zehn von ihnen ausw\u00e4hlen und bestrafen k\u00f6nne und daf\u00fcr die anderen ohne Waffen in ihre Heimat ziehen lassen solle. Hamilkar antwortete, dass er die zehn Unterh\u00e4ndler ausw\u00e4hle und lie\u00df diese fesseln, dann fiel er mit seinem Heer \u00fcber die Rebellen her.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde ein furchtbares Gemetzel. Vom Hunger entkr\u00e4ftet, ohne eine M\u00f6glichkeit zur Flucht, ihrer Anf\u00fchrer beraubt und v\u00f6llig verzweifelt leisteten die S\u00f6ldner und die Libyer nur noch wenig Widerstand. Aber auch die, die sich ergeben wollten, lie\u00df Hamilkar erbarmungslos von seinen Elefanten zertrampeln. \u00dcber 40.000 von ihnen sollen hier den Tod gefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesem gro\u00dfen Sieg zogen Hamilkar und Hannibal gegen Tunis, um hier Mathos mit den letzten Truppen zu vernichten. Sie errichteten an gegen\u00fcber liegenden Seiten der Stadt zwei befestigte Feldlager und begannen mit der Belagerung. Um den Rebellen ihr kommendes Schicksal deutlich vor Augen zu f\u00fchren, lie\u00df Hannibal die zehn gefangenen Anf\u00fchrer dicht vor der Stadtmauer foltern und ans Kreuz schlagen. Danach begannen die Karthager wahrscheinlich damit ihren sicheren Sieg zu feiern. Aber Mathos verf\u00fcgte anscheinend immer noch \u00fcber einen kleinen Kern erprobter Veteranen. Denn als er die Nachl\u00e4ssigkeit der Karthager bemerkte, machte er mit seinen Truppen einen \u00fcberraschenden Ausfall und eroberte Hannibals Lager. Viele Karthager wurden erschlagen, aber Hannibal und einige seiner Offiziere wurden gefangen genommen. Die S\u00f6ldner nahmen daraufhin den toten Spedios vom Kreuz ab und nagelten Hannibal an eben dieses. \u00dcber Spendios\u2019 Leiche schlachteten sie 30 vornehme Karthager als Blutopfer f\u00fcr ihren get\u00f6teten Feldherrn.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"673\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/soldner_kreuzigung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5149\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/soldner_kreuzigung.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/soldner_kreuzigung-300x450.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Jetzt waren die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse wieder ausgeglichen und beide Heere zogen wieder durch das Hinterland Karthagos, belagerten St\u00e4dte und lieferten sich kleinere Gefechte. Aber nach mittlerweile \u00fcber drei Jahren Krieg, waren beide Parteien ersch\u00f6pft. Unz\u00e4hlige waren gefallen oder ermordet; alle waren bis an die \u00e4u\u00dferste Grenze ihrer Leistungsf\u00e4higkeit gegangen, und \u00fcber die ihrer Leidensbereitschaft noch weit hinaus. So wurde eine letzte, entscheidende Schlacht vereinbart. Die Karthager bewaffneten alle B\u00fcrger, die Waffen tragen konnten, und die Libyer zogen die letzten Aufgebote der aufst\u00e4ndischen St\u00e4dte zusammen. S\u00f6ldner werden nicht mehr viele in diesem Heer gewesen sein. Wahrscheinlich noch ein paar Gallier und Griechen, die zusammen mit den libyschen Veteranen eine Phalanx bilden konnten, die gro\u00dfe Masse aber bestand aus verzweifelten B\u00fcrgern, schlecht bewaffneten Bauern und ehemaligen Sklaven. Der Kampf wurde mit aller Verzweiflung gef\u00fchrt, denn Gnade war nicht zu erwarten, und als die Libyer am Ende unterlagen gab es nur sehr wenige \u00dcberlebende. Unter ihnen war Mathos. Er wurde mit den anderen Gefangenen im Triumphzug durch Karthago geschleift und dann von der Jugend der Stadt zu Tode gemartert.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit endete der &#8222;unvers\u00f6hnliche Krieg&#8220; wie er auch manchmal genannt wurde. Polybios, der in einer an Krieg und Zerst\u00f6rung wirklich \u00fcberreichen Zeit lebte, meinte er habe &#8222;soweit unsere geschichtliche Kunde zur\u00fcckreicht, in seinen Methoden alle anderen an Grausamkeit und Ruchlosigkeit weit \u00fcbertroffen.&#8220; Die Geschichte der S\u00f6ldner im Dienste Kathagos war damit allerdings noch nicht zu Ende. Ziemlich genau 20 Jahre nach dem Ende des libyschen Aufstandes f\u00fchrte Hamilkars Sohn Hannibal ein neues Heer \u00fcber die Alpen, ein Heer aus Iberern, Libyern, Nubiern, Balearen, Kelten und allem, was der westliche Mittelmeerraum so zu bieten hatte. Seine Elite waren seine &#8222;alten Afrikaner&#8220; &#8211; die libysche Infanterie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rebellion von Karthagos Veteranen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5148,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68,8],"tags":[74],"class_list":["post-5140","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antike","category-artikel","tag-karthago"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der S\u00f6ldnerkrieg - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/der-soldnerkrieg\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der S\u00f6ldnerkrieg - 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