{"id":5105,"date":"2026-01-24T13:50:21","date_gmt":"2026-01-24T13:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=5105"},"modified":"2026-01-24T15:15:23","modified_gmt":"2026-01-24T15:15:23","slug":"william-walker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/william-walker\/","title":{"rendered":"William Walker"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Ein Flibustier erobert Nicaragua.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nicaragua-map.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"745\" height=\"534\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nicaragua-transit-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5110\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nicaragua-transit-1.jpg 745w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nicaragua-transit-1-300x215.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nicaragua Transitroute<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Spanien einen Gro\u00dfteil seiner Kolonien aufgegeben hatte, begannen die USA damit sich immer gr\u00f6\u00dfere Brocken aus dem krisengesch\u00fcttelten Mexiko herauszuschneiden. Die kleinen mittelamerikanischen Staaten fristeten dagegen ein weitgehend unbeachtetes Dasein. Teile der von spanischen Kolonisten unbesiedelten Atlantikk\u00fcste &#8211; die nach den dort lebenden Indianern sogenannte Mosquitok\u00fcste &#8211; hatte England schon im 17. Jahrhundert unter seine Schutzherrschaft gestellt und versuchte seine Interessen durch einen H\u00e4uptling der Eingeborenen, den &#8222;Mosquitok\u00f6nig&#8220; und kleinere Siedlungen europ\u00e4ischer Kolonisten zu wahren. Da jedoch viele der Europ\u00e4er am Fieber starben und von den \u00dcberlebenden die meisten bald in angenehmere Regionen weiterzogen, blieben von diesen Kolonisationsversuchen nur eine lose Ansammlung von Baracken und Lehmh\u00fctten mit dem Namen &#8222;Bluefields&#8220;, wo auch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl deutscher Kolonisten aus Ostpreu\u00dfen in dem Vorort &#8222;Carlstadt&#8220; angesiedelt worden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00e4nderte sich jedoch schnell als mit den Goldfunden in Kalifornien das von der Welt vergessene Mittelamerika pl\u00f6tzlich interessant wurde. Die schnellste und billigste Transitroute nach Kalifornien f\u00fchrte mit Dampfschiffen von Greytown (San Juan del Norte) an der Mosquitok\u00fcste \u00fcber den Rio San Juan, der zu dieser Zeit noch schiffbar war, zum Nicaragua See. Von dort war es dann mit Maultierkolonnen nur noch eine Tagereise bis nach San Juan del Sur am Pazifik. Auf dem Weg in den goldenen Westen blieben immer wieder Europ\u00e4er in Mittelamerika h\u00e4ngen. Darunter viele Achtundvierziger und gescheiterte Offiziere auf der Suche nach einer neuen Chance. Ein bekannter Rastplatz auf der Route war zum Beispiel die Herberge des Deutschen Wilhelm Hipp &#8211; &#8222;Hipp&#8217;s Point&#8220;. In Granada betrieb der Berliner Weber das &#8222;Washington-Hotel&#8220;. Diese Herbergen waren bevorzugte Treffpunkte f\u00fcr Abenteurer auf Arbeitsuche. Manche verkamen dort zwischen Fieber und Alkohol, andere erhielten Tipps f\u00fcr die Weiterreise oder Empfehlungen f\u00fcr Stellungen im Dienst Costa Ricas oder des Mosquitok\u00f6nigs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Bedeutung der mittelamerikanischen Landenge, kam es zum Konflikt zwischen England, das nun pl\u00f6tzlich den Wert seines fast vergessenen Protektorats entdeckte, und den USA, die Mittelamerika ihrem Interessengebiet zurechneten. Das machtlose Nicaragua, das ebenfalls leise Anspr\u00fcche erhob, wurde dabei selbstverst\u00e4ndlich nicht beachtet. Da jedoch beide Gro\u00dfm\u00e4chte in einem offenen Konflikt nur verlieren konnten, suchte man nach Stellvertretern, lieferte Waffen und warb auf diplomatischer Ebene um Unterst\u00fctzung. Man befand sich also in einer Situation, die geradezu ideal f\u00fcr den Einsatz von S\u00f6ldnern war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"360\" height=\"451\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/william-walker.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5114\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/william-walker.jpg 360w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/william-walker-300x376.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf amerikanischer Seite wurden die Aktionen in Nicaragua weitgehend von der Wall Street aus betrieben. Das Vanderbilt-Konsortium plante den Bau eines Kanals und unterhielt derweilen den Transport mit Flu\u00dfdampfern und Maultierkarawanen. Um die notwendigen Konzessionen zu erlangen, verteilte das Konsortium Schmiergelder, erpre\u00dfte, erwarb Land und veranla\u00dfte auch einmal ein amerikanisches Geschwader zur Beschie\u00dfung von Greytown. Im Gro\u00dfen und Ganzen aber schwelte der Konflikt unter der Oberfl\u00e4che bis William Walker erschien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Walker galt als Flibustier, womit man in dieser Zeit Leute bezeichnete, die die Grenze zwischen halblegalen Aktionen und organisiertem Banditentum beliebig nach jeder Seite \u00fcberschritten. In fr\u00fcheren Zeiten h\u00e4tte er sich mit der ihm eigenen Mischung aus Raffgier und Skrupellosigkeit vielleicht als Kreuzritter, Conquistador oder Piratenf\u00fchrer hervorgetan; im staatlich durchorganisierten 19. Jahrhundert war er dagegen fehl am Platz. Trotzdem ist es bezeichnend, da\u00df gerade die unruhigen und expandierenden Vereinigten Staaten noch einmal M\u00e4nner seines Schlages anzogen und hervorbrachten. Er kam aus guter Familie und hatte Jura und Medizin studiert, bevor ihn der Goldrausch nach Kalifornien f\u00fchrte. Doch er hatte Gr\u00f6\u00dferes vor, als im Sand nach Goldk\u00f6rnern zu w\u00fchlen. Nach einigen gesch\u00e4ftlichen Fehlschl\u00e4gen, fiel er mit einer Handvoll Abenteurern im n\u00f6rdlichen Mexiko ein und machte sich zum Pr\u00e4sidenten von Niederkalifornien. Das Unternehmen scheiterte zwar kl\u00e4glich, aber Walker hatte dabei erste Erfahrungen als S\u00f6ldnerf\u00fchrer und in der Politik gemacht. Dadurch schien er genau der Richtige f\u00fcr eine nicaraguanische Partei, die nach schlagkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Sturz ihres Pr\u00e4sidenten suchte. Da ihm die verkehrstechnische Bedeutung Nicaraguas bekannt war, rechnete er fest mit neuen Krediten, sobald er dort einmal einen Fu\u00df in der T\u00fcr hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai 1855 verlie\u00df Walker mit 62 Mann San Francisco. Da sich die USA offiziell im Frieden mit der Welt befanden, mu\u00dften Waffen und Munition in Proviantkisten an Bord geschmuggelt werden. Seine &#8222;Soldaten&#8220; hatten das zivile Aussehen, wie man es aus zahlreichen Western kennt. Nach der Landung in Nicaragua schlossen sich ihm noch an die 100 Aufst\u00e4ndische an. Gemeinsam stie\u00dfen sie ins Landesinnere vor. Als die Truppe in Leon auf die etwa 500 Mann starke feindliche Armee stie\u00df, setzten sich Walkers einheimische Verb\u00fcndete ab, und er sah sich einer erdr\u00fcckenden \u00dcbermacht gegen\u00fcber. Nach einem wilden Gefecht konnte er sich mit seiner Truppe in ein Geb\u00e4ude zur\u00fcckziehen. Aber auch dort wurde die Situation immer brenzliger. Man hatte Tote und Verwundete, und der Feind versuchte das Geb\u00e4ude in Brand zu setzen. Schlie\u00dflich wurde ein verzweifelter Ausfall unternommen. Aus allen Rohren um sich feuernd schafften die Nordamerikaner wider Erwarten den Durchbruch. Geschlagen und deprimiert zogen sie sich zur K\u00fcste zur\u00fcck. Anfangs schien ihre Situation alles andere als rosig, doch nach und nach trafen weitere kleine Gruppen von Abenteurern aus Kalifornien ein und au\u00dferdem ganz erstaunliche Nachrichten aus Nicaragua. W\u00e4hrend Walkers Leute in dem stundenlangen Kugelhagel nur zehn Tote verloren hatten, hatten sie unter den Nicaraguanern ein wahres Gemetzel angerichtet. Das lag vor allem an den neuen amerikanischen Gewehren, die den alten Musketen der Einheimischen in Schu\u00dfweite, Ladegeschwindigkeit und Treffsicherheit um Jahrzehnte voraus waren. Zudem konnten Walkers Scharfsch\u00fctzen aus dem Westen hervorragend damit umgehen. Die Nordamerikaner sahen pl\u00f6tzlich ihre alten Vorurteile best\u00e4tigt, da\u00df einer von ihnen mindestens 100 dieser &#8222;dammed greasers&#8220; wert sei, und ihre Gegner waren durch die blutigen Verluste schockiert und gel\u00e4hmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sich seine Leute nun fast unbesiegbar f\u00fchlten, nahm Walker die Offensive wieder auf. Und tats\u00e4chlich waren die Regierungstruppen leicht zu schlagen, und schlie\u00dflich marschierte er kampflos in der Hauptstadt Granada ein. Als Sieger begn\u00fcgte er sich mit dem milit\u00e4rischen Oberbefehl und lie\u00df einen Marionettenpr\u00e4sidenten im Amt. Den ehemaligen kommandierenden General Nicaraguas lie\u00df er aber, trotz vorher zugesicherter Amnestie, vorsichtshalber an die Wand stellen. Die Gesch\u00e4fte entwickelten sich und damit kam neuer Nachschub an Waffen und Rekruten, mit dem er seine kleine Truppe weiter ausbauen konnte. Ende 1856 verf\u00fcgte diese Armee \u00fcber 1.200 Ausl\u00e4nder, deren Zahl schlie\u00dflich auf an die 2.000 steigen sollte. Angesichts der sp\u00e4rlichen Anf\u00e4nge waren dies beachtliche Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"487\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nicaragua-hotel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5115\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nicaragua-hotel.jpg 620w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nicaragua-hotel-300x236.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Woher kamen all diese M\u00e4nner? Im wesentlichen aus drei Gebieten. Walkers Agenten rekrutierten weiterhin in Kalifornien und unter den Durchreisenden und Zur\u00fcckgebliebenen in Mittelamerika. In den Kneipen und Pensionen entlang der Transitstrecke konnten sie manchen \u00fcberreden, auf das vage Gl\u00fcck in Kalifornien zu verzichten und sich statt dessen der ruhmreichen Armee Walkers anzuschlie\u00dfen. Diese M\u00e4nnern waren oft seit Jahren unterwegs und waffengewohnt. Sie stellten Walkers beste Soldaten, seine Scharfsch\u00fctzen. Doch mit ihnen allein konnte der Bedarf nicht gedeckt werden. Nach der Eroberung des Landes ben\u00f6tigte man starke Garnisonen, und England intrigierte weiter in Costa Rica und Honduras. Also warb man auch unter den Einwanderern, die gerade in New vom Schiff gekommen waren. Diejenigen, die ein klares Ziel hatten oder ein Handwerk beherrschten, lie\u00dfen sich nur selten \u00fcberreden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber unter den Einwanderern befanden sich auch genug unruhige Elemente und solche, die man schlicht und ergreifend aus ihrer Heimat abgeschoben hatte. So war es in Deutschland zu dieser Zeit nicht gerade un\u00fcblich, dem mi\u00dfratenen Sohn, wenn er wie schon lange vorausgesagt in Schwierigkeiten geraten war, ein Ticket nach New York zu kaufen. Ganze L\u00e4nder und Gemeinden praktizierten diese Methode sogar im Gro\u00dfen. So errechneten zum Beispiel die Stadtv\u00e4ter im hessischen Gro\u00dfzimmern, da\u00df die \u00dcberfahrt nach Amerika weniger kostete als das Armenhaus oder das Gef\u00e4ngnis. Kurz entschlossen schafften sie 1846 hunderte dieser unerw\u00fcnschten Kostg\u00e4nger nach New York und setzten sie dort ohne Geld an Land, wo sie gleich wieder im Obdachlosenasyl landeten. Manchmal war man auch so christlich und versah die Deportierten noch mit einer Bibel und einem Gesangbuch. Mit solchen Menschen hatten die Werber leichtes Spiel. Sie versprachen Land zum siedeln, erz\u00e4hlten vom Gold, das man sicher auch in Nicaragua finden k\u00f6nne, und von Walkers glorreichen Siegen. Jeder Europ\u00e4er werde dort spielend mit hundert Mann fertig und sei praktisch zum Plantagenbesitzer geboren. Nat\u00fcrlich waren diese Leute alles andere als gute Soldaten. Bei der Ankunft von 200 neuen Rekruten aus New York, mu\u00dfte Walker mi\u00dfvergn\u00fcgt feststellen: &#8222;ein gro\u00dfer Teil waren Europ\u00e4er, meistens Deutsche aus den \u00e4rmsten Schichten, die sich mehr um den Inhalt ihrer Brotbeutel als um den ihrer Patronentaschen k\u00fcmmerten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"368\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-soldaten-drill.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5116\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-soldaten-drill.jpg 640w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-soldaten-drill-300x173.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausbildung von Walkers Truppen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr anzufangen war dagegen mit jenen, die bereits einige Kriege oder Jahre des Umhertreibens hinter sich hatten. So befanden sich unter Walkers Offizieren eine ganze Reihe von deutschen Veteranen. Zum Beispiel der ehemalige Husarenleutnant Bruno von Natzmer, den Walker f\u00fcr einen seiner besten Unterf\u00fchrer hielt und schlie\u00dflich zum Oberst in seinem Stab machte. \u00c4hnlich lobend erw\u00e4hnt er einen Major Schwarz, der sich bei der Artillerie hervortat. Schwarz hatte sein Handwerk beim badischen Milit\u00e4r gelernt und war nach der gescheiterten Revolution gefl\u00fcchtet. Bis zum Oberst brachte es Louis Schlesinger, der sich als \u00f6sterreichischer Unteroffizier an der ungarischen Revolution beteiligt hatte. Die schillerndste Figur war sicher Karl Friedrich Henningsen. Er bezeichnete sich selbst als Engl\u00e4nder von Geburt, war aber wahrscheinlich als Hannoveraner erst als Kind nach England gekommen. Gerade siebzehnj\u00e4hrig hatte er am Carlistenkrieg teilgenommen, anschlie\u00dfend auf Seiten der Aufst\u00e4ndischen im Kaukasus gegen die Russen gek\u00e4mpft und sich schlie\u00dflich den ungarischen Revolution\u00e4ren angeschlossen. Mit ihnen war er dann in die USA gekommen, wo es ihn nur so lange hielt, bis er von Walker in Nicaragua h\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Walkers Armee war also am wachsen, aber auch seine Gegner waren nicht unt\u00e4tig. Eine ganze Reihe von deutschen Offizieren bildeten das Heer von Costa Rica nach preu\u00dfischem Muster aus, und englische H\u00e4ndler lieferten moderne Gewehre. An der Mosquitok\u00fcste hatte der amerikanische Abenteurer Henry L. Kinney mit seiner &#8222;Central American Land &amp; Mining Company&#8220; eine Art Konkurrenzunternehmen gegr\u00fcndet. Gest\u00fctzt auf die beliebten Landverschreibungen des Mosquitok\u00f6nigs hatte er sich als Herrscher in Greytown etabliert. Auch er rekrutierte seine Truppen unter den Durchreisenden und den europ\u00e4ischen Einwanderern in New York. Walker bezeichnete sie allerdings, ganz im Gegensatz zu seinen eigenen Leuten, abf\u00e4llig als &#8222;reine S\u00f6ldner&#8220;. Kinney war aber nicht besonders erfolgreich, und nachdem Walker seine B\u00fcndnisangebote ausgeschlagen hatte, wurde er von den Milizen der Mosquitok\u00fcste, in deren Reihen auch eine Prussian Company deutscher Siedler aus Carlstadt k\u00e4mpfte, verjagt. Einige seiner Leute aber auch Siedler zogen danach nach Nicaragua, da Walkers Unternehmungen unter einem g\u00fcnstigeren Stern zu stehen schienen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"388\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-quartier.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5119\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-quartier.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-quartier-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Walkers Truppen im Quartier<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bald f\u00fchlte sich Walker stark genug, selbst die Initiative zu ergreifen und erkl\u00e4rte Costa Rica den Krieg. Einer feindlichen Truppe schickte er Schlesinger mit vier Kompanien entgegen. Doch diese bestanden zum Gro\u00dfteil aus unerfahrenen Rekruten, die gerade aus den Staaten gekommen waren, darunter eine deutsche und eine franz\u00f6sische Kompanie. Die Rekruten ben\u00fctzen ihre Gewehre als St\u00fctzen beim Durchqueren von Fl\u00fcssen, wodurch die Munition im Lauf verklebte. Sie waren erb\u00e4rmliche Sch\u00fctzen und wu\u00dften oft noch nicht einmal an welchem Ende sie die Patronen aufbei\u00dfen sollten. Schlesinger verzichtete auf jegliche auch noch so kurze Instruktion oder Ausbildung. Jeder schien sich des Sieges gewi\u00df. Bei einer Farm wurden sie dann \u00fcberraschend von den gut gef\u00fchrten und pr\u00e4zise feuernden Costa Ricanern angegriffen. Schlesinger suchte als erster das Weite, dann warfen die Rekruten ihre nutzlosen Waffen weg und t\u00fcrmten, ihnen folgte nach kurzem Widerstand der Rest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war ein vollkommenes Desaster. Die Verluste waren zwar nicht bedeutend aber die Nordamerikaner hatten den Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit eingeb\u00fc\u00dft. Walker lie\u00df anschlie\u00dfend die deutsche und die franz\u00f6sische Kompanie aufl\u00f6sen und alle, die kein Englisch verstanden, entlassen. Schlesinger wurde verhaftet und sp\u00e4ter wegen Konspiration mit dem Feind zum Tod verurteilt und erschossen. Gl\u00fccklicherweise wurden die Truppen Costa Ricas derma\u00dfen von der Cholera dezimiert, da\u00df sie sich zur\u00fcckziehen mu\u00dften. Nachdem diese Krise \u00fcberwunden war, scheint Walker v\u00f6llig den Kopf verloren zu haben. Er machte sich nun selbst zum Pr\u00e4sidenten, lie\u00df seine politischen Gegner hinrichten, erh\u00f6hte die Steuern und f\u00fchrte die Sklaverei wieder ein. Sein schwerster Fehler war aber, da\u00df er sich mit der m\u00e4chtigen Transitgesellschaft anlegte. Diese war verpflichtet einen bestimmten Prozentsatz ihrer Gewinne an Nicaragua abzuf\u00fchren, was in dem kleinen Land einen Gro\u00dfteil der Staatseink\u00fcnfte ausmachte. Walker ben\u00f6tigte das Geld dringend, um seine unruhigen S\u00f6ldner bei der Stange zu halten, um neue zu werben und um Waffen und Munition zu kaufen. Aber f\u00fcr die Buchhalter der Transitgesellschaft war es ein Leichtes die Gewinne in Verluste zu verwandeln, und so bekam er keinen Cent zu Gesicht. Als seine Drohungen und Mahnungen zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, lie\u00df er kurzerhand das gesamte Eigentum der Transitgesellschaft in Nicaragua beschlagnahmen. Doch damit machte er sich den m\u00e4chtigen Cornelius Vanderbilt und seine Genossen zu Feinden, und f\u00fcr die Herren von der Wall Street war der selbsternannte Pr\u00e4sident von Nicaragua nur ein unbedeutender Kleinkr\u00e4mer. Sie sperrten ihm seine Kredite und den Nachschub, unterst\u00fctzten seine Gegner in Costa Rica und sch\u00fcrten die Unruhen im Land selbst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"422\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-gefecht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5117\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-gefecht.jpg 620w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/walker-gefecht-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit waren Walkers Tage gez\u00e4hlt. Obwohl sich seine Scharfsch\u00fctzen weiterhin gut schlugen, erlitten nun auch sie schwere Verluste in den K\u00e4mpfen und durch die Cholera. Vor allem die Auswanderer, die man mit falschen Versprechungen geworben hatte, begannen in Scharen zu desertieren oder gingen zum Feind \u00fcber, wo ja ebenfalls viele ihrer Landsleute dienten. Als Walker mit all seinen Kr\u00e4ften versuchte die Truppen Costa Ricas wieder aus dem Land zu dr\u00e4ngen, brach in der Hauptstadt Granada die Revolution aus. Jetzt fielen seine letzten Hemmungen. Er wurde zum zornigen Condottiere, der seinen M\u00e4nnern eine feindliche Stadt zur Vernichtung \u00fcbergibt. Granada sollte zur Strafe und als warnendes Beispiel bis auf die Grundmauern niedergebrannt werden. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit hatten die Offiziere jegliche Kontrolle \u00fcber die rasende Soldateska verloren. Die vollst\u00e4ndig betrunkenen S\u00f6ldner zogen raubend und mordend durch die brennende Stadt. Selbst Walker mu\u00dfte in seinen sch\u00f6nf\u00e4rberischen Memoiren einr\u00e4umen, da\u00df &#8222;die Stadt mehr einer trunkenen Orgie, als einem Milit\u00e4rlager glich&#8220;. Als die letzten Einheiten die rauchenden Tr\u00fcmmer r\u00e4umten, rammte Henningsen theatralisch eine Lanze mit der Aufschrift &#8222;Hier war Granada&#8220; in den Boden. Walker stellte sp\u00e4ter befriedigt fest, da\u00df den Einheimischen noch nach Jahren Tr\u00e4nen in die Augen traten, wenn sie an das einstmals bl\u00fchende Granada dachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Walker konzentrierte daraufhin seine Truppen in Rivas, aber jetzt begannen auch seine bislang zuverl\u00e4ssigen Kalifornier zum Gegner \u00fcberzulaufen. Schlie\u00dflich zog er sich mit seinen letzten Leuten, darunter Natzmer und Henningsen, an die K\u00fcste zur\u00fcck, wo sie von einem Schiff der US-Marine in Sicherheit gebracht wurden. Doch Walker war nicht bereit, so schnell aufzugeben. Ende 1857 landete er noch einmal in Nicaragua, wurde aber von einem amerikanischen Kriegsschiff aufgegriffen und in die Staaten zur\u00fcckgebracht. Als er 1858 zu einem neuen Versuch in Honduras einfiel, hatte er weniger Gl\u00fcck. Auf Druck eines englischen Kriegsschiffs mu\u00dfte er seine Operationsbasis aufgeben und schlug sich mit seinen Getreuen durch den Dschungel an der K\u00fcste, bis er sich schlie\u00dflich den Engl\u00e4ndern ergeben mu\u00dfte. Diese hatten f\u00fcr den amerikanischen Freibeuter weniger Verst\u00e4ndnis als seine Landsleute. Sie lieferten ihn seinen Gegnern aus, die ihn als Freibeuter erschie\u00dfen lie\u00dfen. Die gro\u00dfe Zeit der Flibustier, Conquistadoren und S\u00f6ldnerf\u00fchrer, die sich eigene K\u00f6nigreiche eroberten, war eben schon lange vorbei. Ungestraft rauben und erobern konnte nur noch der, der die gro\u00dfen Kolonialm\u00e4chte und Kapitalgesellschaften hinter sich hatte. Wie sehr sich die Zeit ge\u00e4ndert hatte wird auch dadurch deutlich, da\u00df alle Parteien in diesem Konflikt immer nur ihre Gegner als &#8222;S\u00f6ldner&#8220; oder &#8222;Flibustiere&#8220; diffamierten, sich selbst dagegen als Patrioten ausgaben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Literatur:<\/strong><br><br>Dando-Collins, Stephen<br> Tycoon&#8217;s War: How Cornelius Vanderbilt Invaded a Country to Overthrow<br>\u00a0 America&#8217;s Most Famous Military Adventurer<br> 2008<br><br>Gobat, Michel<br> Empire by Invitation: William Walker and Manifest Destiny in Central America<br> 2018<br><br>Rosengarten, Frederick<br> Freebooters must die! The life and death of William Walker<br> 1976<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Flibustier erobert Nicaragua<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5107,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,127],"tags":[128],"class_list":["post-5105","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-imperialismus","tag-lateinamerika"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>William Walker - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/william-walker\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"William Walker - 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