{"id":5029,"date":"2026-01-09T15:06:06","date_gmt":"2026-01-09T15:06:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=5029"},"modified":"2026-01-09T15:06:07","modified_gmt":"2026-01-09T15:06:07","slug":"jorg-von-ehingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/jorg-von-ehingen\/","title":{"rendered":"J\u00f6rg von Ehingen"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Ein fahrender Ritter sucht Abenteuer.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"398\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/turnier.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5033\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/turnier.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/turnier-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein richtiger Ritter musste Reisen (im urspr\u00fcnglichen Sinne des Wortes von Kriegszug) und Abenteuer bestehen. Und je mehr das Rittertum im Sp\u00e4tmittelalter \u00f6konomisch in Bedr\u00e4ngnis geriet und milit\u00e4risch an Bedeutung verlor, desto mehr gewannen die alten Werte an Bedeutung. Ritterromane erfreuten sich immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit, und viele Adlige nannten ihre S\u00f6hne nach den Helden der Alexander- oder Artusromane. Aber wie so oft, wenn sich Vorstellung und Realit\u00e4t auseinander bewegen, wurde es immer schwieriger, die Schaupl\u00e4tze echter Abenteuer und ruhmreicher Heldentaten zu finden. Es gab zwar fast konstant irgendwelche Kleinkriege und Fehden; doch beim Viehraub und dem Abbrennen einiger Bauernh\u00f6fe war nun einmal nicht viel Ehre zu gewinnen. Einen gewissen Ersatz boten Turniere und ritterliche Zweik\u00e4mpfe, und einige, die es sich leisten konnten, zogen als Turnierchampions durch halb Europa oder f\u00fchrten einen ausgiebigen Briefwechsel, um w\u00fcrdige Partner f\u00fcr einen ehrenvollen Zweikampf zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen sehr hohen Stellenwert hatten auch Pilgerreisen zum Heiligen Grab in Jerusalem und zum Katharinenkloster auf dem Sinai. Besonders wichtig bei allen Reisen war der Besuch fremder F\u00fcrstenh\u00f6fe, der huldvolle Empfang und als Kr\u00f6nung sozusagen die besondere Auszeichnung durch spezielle Geschenke oder die Verleihung von Orden, die zunehmend in Mode gekommen war. Die beste Gelegenheit, bei der man viele dieser erstrebten Dinge kombinieren konnte, war ein Kreuzzug oder zumindest ein kurzer \u00fcberschaubarer Feldzug, der im Namen eines K\u00f6nigs oder des Christentums gef\u00fchrt wurde. Das Problem in der Mitte des 15. Jahrhunderts war nur, dass diese wunderbaren Kriege, die es in den guten alten Zeiten gegeben haben sollte, von der Bildfl\u00e4che verschwunden waren. Der letzte richtige Kreuzzug hatte 1396 bei Nicopolis in einem Desaster geendet; der Deutsche Orden, der fast allj\u00e4hrlich eine Art Abenteurerurlaub f\u00fcr den europ\u00e4ischen Adel veranstaltet hatte, f\u00fchrte einen langwierigen Krieg gegen Polen und die eigenen B\u00fcrger; selbst die Hussitenkriege, in denen das Rittertum eine wenig glanzvolle Rolle gespielt hatte, waren vorbei; in Italien hatten l\u00e4ngst knallharte Profis das Gesch\u00e4ft \u00fcbernommen, und in Frankreich lag der Hundertj\u00e4hrige Krieg in seinen letzten Z\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich war die Suche nach Krieg und Abenteuer nicht einfach ein leerer Wahn des Adels. Auf diesen Reisen sammelten sie Erfahrungen, lernten h\u00f6fisches Verhalten und Fremdsprachen und kn\u00fcpften Beziehungen. Nicht zuletzt sollten sie als geborene Berufssoldaten etwas vom realen Krieg mitbekommen, was Turniere und Zweik\u00e4mpfe nicht vermitteln konnten. Ganz nebenbei sammelten sie dann noch den Stoff f\u00fcr sp\u00e4tere Geschichten, was in dieser an Unterhaltungsmedien nicht gerade reichen Zeit \u00e4u\u00dferst wichtig war. Viele, die bei Hofe empfangen werden wollten oder dort gar ein Amt anstrebten, sollten nicht nur reich an Erfahrungen sein, sondern auch davon erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Die sp\u00e4tmittelalterliche &#8222;Aventiure&#8220; hatte zwar durchaus realit\u00e4tsferne und verblasene Z\u00fcge, diente aber dennoch als eine Vorform der sp\u00e4teren Kavalierstour oder der Bildungsreise der Vorbereitung auf sp\u00e4tere \u00c4mter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Idealfall waren diese fahrenden Ritter nat\u00fcrlich keine S\u00f6ldner, da sie auf eigene Kosten reisten und f\u00fcr ihre Dienste auch keinen Sold empfingen. Beim Deutschen Orden in Preu\u00dfen hatte man immer genau zwischen bezahlten S\u00f6ldner und &#8222;G\u00e4sten&#8220; unterschieden. Nur die letzteren konnten damit rechnen beim Hochmeister an der Tafel zu sitzen und die begehrten Auszeichnungen zu empfangen. Dennoch ist die Unterscheidung nicht so einfach. Es versteht sich von selbst, dass sich beides immer mehr untrennbar vermischte. So nahmen viel fahrende Ritter Sold, um ihre Reisekasse aufzubessern, oder machten einige der reichen &#8222;Geschenke&#8220; zu Geld. Zudem sollte der abstrakte Ruhm dann ja oft sp\u00e4ter in Form einer gut dotierten Stelle kapitalisiert werden. Selbst der Deutsche Orden, der immer so viel Wert auf Etikette gelegt hatte, umwarb im Dreizehnj\u00e4hrigen St\u00e4dtekrieg S\u00f6ldnerf\u00fchrer mit den h\u00f6chsten Ehrungen. Zudem ist es gerade aus heutiger Sicht, wo der S\u00f6ldner als Negativfigur dem hehren Idealisten entgegen gestellt wird, kaum einzusehen, warum man jemanden schlechter beurteilen sollte, der sich seine Weltreise erarbeitet, als den, der von Papa mit dem entsprechenden Kleingeld ausgestattet wird. Es ist sogar anzunehmen, dass der &#8222;Arbeitende&#8220; der Realit\u00e4t des normalen Lebens etwas n\u00e4her kommen wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"572\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ehingen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5036\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ehingen.jpg 350w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ehingen-275x450.jpg 275w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Stifterbild J\u00f6rgs von Ehingen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer dieser S\u00f6hne aus guter Familie, die es nicht n\u00f6tig hatten ihr Schwert gegen schn\u00f6den Sold zu vermieten, war der 1428 geborene schw\u00e4bische Ritter J\u00f6rg von Ehingen. In seinem Buch &#8222;Reisen in die Ritterschaft&#8220; berichtet er ausf\u00fchrlich von den Abenteuern, die ein Adliger am Ende des 15.Jahrhunderts erwarten konnte. Dabei wird deutlich, dass es gar nicht so einfach war, einen richtigen Krieg zu finden, und Ehingen musste zum Teil weite vergebliche Wege auf sich nehmen, um echte Abenteuer zu erleben. Er reiste nach Jerusalem und beteiligte sich unterwegs an den Kaperfahrten der Johanniter auf Rhodos. Sp\u00e4ter k\u00e4mpfte er in Nordafrika vor Ceuta und beteiligte sich anschlie\u00dfend an einem Kriegszug gegen Granada. Zu einem guten Teil verdankte er es sicher diesen Reisen, dass er sp\u00e4ter im Dienst des Herzogs von W\u00fcrttemberg Karriere machen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ehingens Vater war ein wohlhabender Adliger, der gro\u00dfen Wert auf eine standesgem\u00e4\u00dfe Ausbildung seines Sohnes legte. Deshalb schickte er ihn mit drei Pferden an den Hof Herzogs Albrecht von \u00d6sterreich. Dort gab es jedoch wenig M\u00f6glichkeiten sich hervorzutun und mit Ruhm zu bedecken. Eine erste Chance bot sich dem jungen Ehingen mit der Kr\u00f6nung K\u00f6nig Ladislaus&#8216;, die mit einem besonders pr\u00e4chtigen Fest in Prag gefeiert wurde. Die m\u00e4chtigen F\u00fcrsten des Reichs erschienen mit zahlreichem Gefolge. So auch Herzog Albrecht mit 500 Pferden. Ehingen schrieb seinem Vater und bat ihn um eine standesgem\u00e4\u00dfe Ausr\u00fcstung. Dieser wollte, dass sich der Sohn, wie es sich geh\u00f6rte, in allen ritterlichen Dingen bew\u00e4hrte. Also lie\u00df er sich nicht lumpen und Ehingen konnte stolz notieren: &#8222;Also ward ich mit einem ganzen Harnisch und K\u00fcra\u00df, auch mit Hengsten, Pferden, Knechten, Kleidern und anderem ritterlich und wohl ausger\u00fcstet.&#8220; Nach ausgiebigen Turnieren und Ritterspielen wurden zahlreiche Knappen von ihren Herren zum Ritter geschlagen. Herzog Albrecht belohnte damit f\u00fcnf aus seinem Gefolge, unter ihnen Ehingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit war das Wichtigste erledigt. Doch ein Ritter, der etwas auf sich hielt, sollte auch einige Reisen und Kriegsabenteuer vorweisen k\u00f6nnen. Der Vater wollte nicht, dass der Sohn &#8222;an der F\u00fcrsten H\u00f6f und in Herbergen&#8220; unt\u00e4tig herumsa\u00df. Einige Jahrzehnte vorher w\u00e4re jetzt eine nette kleine Heidenfahrt beim Deutschen Orden in Preu\u00dfen gefolgt. Doch dieses beliebte Abenteuer des Adels war leider entfallen. Aber der Vater wusste Rat; er hatte davon geh\u00f6rt, dass die Johanniter auf Rhodos im kommenden Fr\u00fchjahr einen &#8222;trefflichen&#8220; Zug gegen die T\u00fcrken planten. Dieser Zug lie\u00dfe sich au\u00dferdem mit dem Ausflugsziel schlechthin &#8211; dem Besuch von Jerusalem &#8211; verbinden, wozu der Vater zu seinem gro\u00dfen Bedauern selbst nie gekommen war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"560\" height=\"307\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/rhodos.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5037\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/rhodos.jpg 560w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/rhodos-300x164.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rhodos<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sohn nahm sich den Rat zu Herzen, lie\u00df sich von Herzog Albrecht beurlauben und zog neu ger\u00fcstet nach Venedig. Dort war er unter einer ganze Reihe von Rittern aus Frankreich und Spanien der einzige Deutsche. Gemeinsam fuhren sie nach Rhodos, wo sie vom Hochmeister der Johanniter dankend empfangen wurden. Zum gro\u00dfen Feldzug gegen die T\u00fcrken kam es zwar nicht, aber Ehingen hatte ausreichend Gelegenheit sich in &#8222;mancherlei H\u00e4ndel auf Wasser und auf Land&#8220; im Krieg zu \u00fcben. Elf Monate beteiligte er sich am eintr\u00e4glichen Kaperkrieg des Ordens, bevor er vom Hochmeister mit reichen Geschenken, darunter einem Dorn aus der Krone von Christus, verabschiedet wurde. Mit einem Empfehlungsschreiben des Hochmeisters fuhr er von Rhodos nach Zypern und von dort \u00fcber Tyros nach Jerusalem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit w\u00e4re es eigentlich genug gewesen, doch Ehingen wollte wie viele Reisende seiner Zeit, die Pilgerfahrt nutzen, um sich weitere L\u00e4nder anzusehen. Er traf einen M\u00f6nch aus Basel und beschlo\u00df mit ihm gemeinsam Babylon und das Katharinenkloster auf dem Berg Sinai zu besuchen. Sie kamen nach Damaskus, wurden aber von Arabern gefangen genommen und mussten sich freikaufen. Dadurch von den Gefahren einer Landreise \u00fcberzeugt fuhren sie mit dem Schiff nach Alexandria. Ehingen war sichtlich beeindruckt vom Hafen, dem Nil, den starken Befestigungen der Stadt und den vielen Mameluckens\u00f6ldnern des Sultans. Auf der R\u00fcckfahrt starb sein Reisegef\u00e4hrte. Ehingen hatte damit die gr\u00f6\u00dften Gefahren des Reisens kennen gelernt &#8211; Gefangenschaft und Krankheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1454 war er wieder in der Heimat am Hofe Herzog Albrechts. Er war jetzt 26 Jahre alt und wurde aufgrund seiner Reisen und Abenteuer als erfahrener Ritter hoch geachtet. Der Herzog machte ihn zu seinem obersten K\u00e4mmerer und lie\u00df sich oft von seinen Reisen erz\u00e4hlen, von den fremden F\u00fcrsten und den exotischen St\u00e4dten. Doch Ehingen war voller Unruhe und wollte zu neuen Abenteuern aufbrechen. Aber leider musste er feststellen: &#8222;Und in den Zeiten begab sich keine Handlung oder kriegerischer Aufruhr bei keinem K\u00f6nig oder F\u00fcrsten, so weit ich es in Erfahrung bringen konnte. Es war guter Friede in allen Reichen der Christenheit.&#8220; Also verbrachte er seine Zeit bei Hofe mit Turnieren, Stechen, Tanzen und anderen Dingen im Bewusstsein, dass sein Vater M\u00fc\u00dfiggang bei Jung und Alt f\u00fcr ein gro\u00dfes Laster gehalten hatte. Am Hof lernte er den jungen Ritter J\u00f6rg von Ramsyden aus Salzburg kennen. Dieser wandte sich voller Begeisterung an den bekannten Ehingen und bat ihn, ihn auf der n\u00e4chsten Reise mitzunehmen und ihn dabei in allen wichtigen Dingen zu unterrichten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"394\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/reisende_ritter.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5038\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/reisende_ritter.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/reisende_ritter-300x197.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">reisende Ritter<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gab anscheinend den Ausschlag. Ehingen beschloss, Krieg hin oder her, mit dem jungen Ramsyden loszuziehen. Da dieser auch aus einer wohlhabenden Familie kam, konnten sie sich entsprechend ausr\u00fcsten. Sie hatten zehn Pferde, viel Gep\u00e4ck, einen Herold und einen Sackmann. Von Herzog Albrecht und K\u00f6nig Ladislaus lie\u00dfen sie sich eine ganze Reihe von Empfehlungsschreiben ausstellen, denn man konnte ja noch nicht wissen, wo ein Krieg zu finden sein w\u00fcrde. Zuerst zogen sie an den Hof von Karl VII. von Frankreich. Doch dieser war mit dem Wiederaufbau seines verw\u00fcsteten Landes besch\u00e4ftigt und hatte wenig im Sinn mit Turnieren und Kriegen. W\u00e4hrend die beiden wieder gelangweilt bei Hofe sa\u00dfen &#8222;kam eine treffliche Botschaft von dem K\u00f6nig von Spanien&#8220;, der einen Krieg gegen die Mauren in Granada vorbereitete. Sofort machten sich die beiden mit dem Segen und einigen Geschenken K\u00f6nig Karls auf den Weg. Leider mussten sie in Pamplona erfahren, dass der Krieg mit Granada schon beendet war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber in Pamplona wusste man Rat: der K\u00f6nig von Portugal sollte gerade einen Kriegszug nach Afrika planen. Erleichtert zogen sie weiter nach Lissabon, wo sie hocherfreut aufgenommen wurden. K\u00f6nig Alfons sorgte wie einst der Deutsche Orden bestens f\u00fcr seine ausl\u00e4ndischen Kriegsg\u00e4ste, denn Portugal setzte bei seinen Eroberungen in Afrika fest auf die Hilfe von abenteuernden Kreuzfahrern. Schon Oswald von Wolkenstein hatte von seiner Aufnahme am portugiesischen Hof geschw\u00e4rmt. Auch Ehingen berichtet begeistert: &#8222;Uns ward so viel Ehre erwiesen und Freuden bereitet, wie es vorher bei keinem K\u00f6nig oder F\u00fcrsten je geschah.&#8220; Sie durften die K\u00f6nigin und ihre Damen in ihren Gem\u00e4chern besuchen, es gab T\u00e4nze, Jagden, Bankette, Pferderennen, Ringen, Werfen, Zweik\u00e4mpfe zu Fu\u00df und zu Pferd, Massenk\u00e4mpfe und andere Ritterspiele. Vor allen beim Weitwurf mit schweren Steinen erregte der b\u00e4renstarke Ramsyden als echter Sohn der Alpen gro\u00dfes Aufsehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sie einige Zeit mit Lustbarkeiten und der Besichtigung von Sehensw\u00fcrdigkeiten verbracht worden war, kam die Nachricht, dass die Mauren die Stadt Ceuta bedrohten. K\u00f6nig Alfons schenkte jedem der beiden Rittern ein Pferd und ihren Knechten Kettenhemden. Dann wurde das Heer nach Ceuta transportierte. Vor der Stadt lag bereits ein riesiges maurisches Heer. Die Belagerung begann mit Schanzarbeiten und Beschie\u00dfungen. Auf christlicher Seite kamen bereits Handfeuerwaffen, so genannte &#8222;Steinb\u00fcchsen&#8220;, zum Einsatz, durch die eine Menge Mauren erschossen wurden. Die Mauren hatten vor allem Bogen aus Stahl und Eibenholz, Armbr\u00fcste aber auch einige Steinb\u00fcchsen. Jeder, der sich auf der Mauer zeigte, wurde beschossen. W\u00e4hrenddessen w\u00fchlten sich die Sappeure hinter gro\u00dfen Schilden immer n\u00e4her an die Mauern. Die Gr\u00e4ben lagen voller Leichen, deren Gestank die Luft verpestete. Bevor neue Verst\u00e4rkungen aus Portugal eintreffen konnten, versuchten die Mauren den Sturm. Drei Tage berannten sie von fr\u00fch morgens bis in die Nacht die W\u00e4lle. Es kam zu Einbr\u00fcchen und harten K\u00e4mpfen. Schlie\u00dflich gaben die Angreifer auf und zogen ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Christen verfolgten die abziehenden Mauren. Bei K\u00e4mpfen mit der Nachhut verlangte ein starker maurischer Ritter nach einem Christen zum Zweikampf. Das Gefecht wurde eingestellt und Ehingen ritt dem Mauren entgegen. Nach einem schwierigen Kampf zu Pferd und zu Fu\u00df konnte er seinen Gegner t\u00f6ten und die letzten Mauren flohen. Ehingen wurde als Held gefeiert, und beim Einzug in Ceuta wurden der Kopf des Mauren und dessen Schild vor ihm hergetragen. Es mag sein, dass Ehingen diese Ereignisse in seinen Erinnerungen sp\u00e4ter ein wenig aufpoliert hat. Erfunden hat er sie jedenfalls nicht, denn seine Anwesenheit und die von Ramsyden in Ceuta wird auch in einem anderen Reisebericht \u00fcberliefert. Nach einigen Monaten kehrte er jedenfalls hoch geehrt mit seinem Gef\u00e4hrten nach Portugal zur\u00fcck. Dort hielten sie sich wieder bei Hof auf, bis aus Kastilien die Nachricht von einem neuen Krieg gegen Granada kam. K\u00f6nig Alfons entlie\u00df sie gegen das Versprechen wiederzukommen und gab ihnen ein Empfehlungsschreiben an den kastilischen K\u00f6nig mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Zug gegen Granada kam es wie so oft in der Zeit zu keiner gro\u00dfen Schlacht. Man schlug sich in kleinen Gefechten und Scharm\u00fctzeln. Ansonsten war es ein dreckiger Krieg, in dem kleine St\u00e4dte und Burgen erst\u00fcrmt und das Land der &#8222;Heiden&#8220; grausam verw\u00fcstet wurde. Die Mauren wussten, was sie erwartete und wehrten sich verzweifelt. &#8222;Darum mussten wir die St\u00e4dtlein und Kastelle zum Gro\u00dfteil st\u00fcrmen und erschlugen die Heiden alle, die Knechte hatten den Befehl, Weib und Kind tot zu schlagen, was auch geschah.&#8220; Schreibt Ehingen unverbl\u00fcmt \u00fcber diese Art der Kriegf\u00fchrung. Da das maurische Heer den Weg nach Granada blockierte, begn\u00fcgten sich die Christen mit der Verw\u00fcstung des Landes. &#8222;Wir zogen also neben Granada durch das K\u00f6nigreich und zerst\u00f6rten, verbrannten und schlugen tot, was wir fanden, und besonders beim Abzug lie\u00dfen wir nichts aufrecht stehen, es wurde alles verw\u00fcstet.&#8220; Beim Sturm auf eine kleine Stadt wurde Ehingen durch einem Schleuderstein am Schienbein verwundet und diese Wunde heilte bis in sein Alter nicht mehr richtig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"460\" height=\"492\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/handrohre.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5039\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/handrohre.jpg 460w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/handrohre-300x321.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">B\u00fcchsensch\u00fctzen bei einer Belagerung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Arbeit verrichtet war, wurde wieder ausgiebigst bei Hof gefeiert. Zum Abschied wurden den beiden Rittern die h\u00f6chsten spanischen Orden verliehen, dazu erhielt jeder ein Pferd und 300 Dukaten. Fast schon wie ein Buchhalter notiert Ehingen den Wert seiner Geschenke. So erhielten sie zum Beispiel beim Abschied in Portugal ein goldenes Tuch, das 200 Dukaten Wert war, ein rotes Samttuch, 100 Ellen schwarzen Samt, au\u00dferdem jeder einen Hengst und 300 Dukaten. Auf der R\u00fcckreise verkauften sie einige der T\u00fccher f\u00fcr 500 Dukaten. Manches hatte einen mehr ideellen Wert und wurde von ihm aufbewahrt, andere Sachen wurden oft gleich zu Geld gemacht. Es war also Sold, der als &#8222;Geschenk&#8220; verbr\u00e4mt bezahlt und auch erwartet wurde. Ehingen war nicht arm und man will ihm gerne glauben, dass es ihm vor allem um seine Ritterschaft ging. Doch die Reisen und die notwendige Ausr\u00fcstung waren teuer. Zur direkten Verg\u00fctung der Unkosten und der von Ehingen diskret verschwiegenen Beute kam au\u00dferdem, dass sich der erworbene Ruhm auch in einer Stellung bei Hofe bezahlt machen konnte. Sicher aufgrund seiner Reiseerfahrungen fand Ehingen nach seiner Heimkehr im diplomatischen Dienst des Herzogs von W\u00fcrttemberg Verwendung und stieg dort schnell auf, bis er schlie\u00dflich als Berater zu dessen rechter Hand und zum reichsten Adligen des Landes wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ehingens Reisen in die Ritterschaft waren in vielem vorbildlich. Mit Turnieren, Empf\u00e4ngen bei K\u00f6nigen, K\u00e4mpfen gegen die Heiden, der Pilgerfahrt nach Jerusalem und der Ordensverleihung wurde praktisch der ganze Kanon abgearbeitet, den ein Ritter in seinem Leben vollbringen konnte &#8211; \u00e4hnliche Stationen finden sich auch bei Kreuzpeck und Wolkenstein. Zahlreiche Ritterromane bem\u00e4chtigten sich des Themas und f\u00fcgten gelegentlich den Kampf gegen Drachen und die Befreiung von Jungfrauen hinzu. Das Kriegertum dieser sp\u00e4tmittelalterlichen S\u00f6ldner und Abenteurer erstarrte immer mehr in formelhaften Ritualen und romantischen Hirngespinsten. Ehingen hebt sich einerseits davon ab, wenn er vom Gestank der Leichen in den Gr\u00e4ben vor Ceuta und den Massakern in Granada berichtet. Andererseits bleibt er fest in dieser formelhaften Welt verhaftet. Er erw\u00e4hnt zwar die B\u00fcchsensch\u00fctzen, die vor Ceuta auf beiden Seiten viele Leute erschossen, legte aber viel mehr Wert auf den v\u00f6llig anachronistischen Zweikampf mit dem maurischen Ritter. All die Empf\u00e4nge und Ritterspiele geben der harten Kriegswirklichkeit etwas abgehobenes, irreales. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, da\u00df die Berufskrieger seit den Zeiten der Gro\u00dfen Kompanie deutlich den Boden unter den F\u00fc\u00dfen verloren hatten. M\u00e4nner wie Roger di Flor, Werner von Urslingen, Fra Moriale und Konrad von Landau wollten ihr Gl\u00fcck machen und dazu war ihnen jedes Mittel recht. Doch was taten Ehingen und Ramsyden, die wohlhabenden S\u00f6hne aus gutem Haus? Sie tanzten, spielten und warteten sehns\u00fcchtig auf einen Krieg.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein fahrender Ritter sucht Abenteuer.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5034,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,114],"tags":[59,12],"class_list":["post-5029","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-renaissance","tag-abenteurer","tag-deutsche"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>J\u00f6rg von Ehingen - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/jorg-von-ehingen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"J\u00f6rg von Ehingen - 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