{"id":5005,"date":"2026-01-09T15:09:20","date_gmt":"2026-01-09T15:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=5005"},"modified":"2026-01-09T15:09:21","modified_gmt":"2026-01-09T15:09:21","slug":"die-englander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-englander\/","title":{"rendered":"Die Engl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">S\u00f6hne des Empire.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"541\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/british-heroes-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5016\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/british-heroes-1.jpg 350w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/british-heroes-1-291x450.jpg 291w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als der britische Autor James Grant Mitte des 19. Jahrhunderts ein Buch \u00fcber den Fremdendienst seiner Landsleute schrieb, nannte er es: &#8222;The Cavaliers of Fortune. British Heroes in Foreign Wars&#8220;. Solche B\u00fccher wurden in dieser Zeit in vielen L\u00e4ndern ver\u00f6ffentlicht, sie entsprachen dem patriotisch-militaristischen Zeitgeist. Das Interessante an Grants Buch ist allerdings, dass darin zwar jede Menge Schotten und Iren zu finden sind, allerdings kein einziger Engl\u00e4nder, obwohl diese ja immer den L\u00f6wenanteil der Bev\u00f6lkerung Gro\u00dfbritanniens stellten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gab es immer wieder auch Engl\u00e4nder in fremden Kriegen, dennoch ist die Tendenz von Grants Buch charakteristisch. W\u00e4hrend Iren und Schotten ihre Haut in fremden Kriegen zu Markte trugen &#8211; vor allem in englischen -, hatten die Engl\u00e4nder selbst einfach besseres zu tun. Sie geh\u00f6rten zu den wenigen gl\u00fccklichen V\u00f6lkern, die aufgrund einer expansiven Au\u00dfen- und Wirtschaftspolitik nicht nur die eigenen unruhigen S\u00f6hne praktisch komplett absorbierten, sondern auch zunehmend S\u00f6ldner von au\u00dferhalb besch\u00e4ftigten, wobei dann zuerst auf Iren und Schotten zur\u00fcckgegriffen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Englische S\u00f6ldner selbst &#8211; von einzelnen Abenteurern selbstverst\u00e4ndlich abgesehen &#8211; findet man deshalb fast nur, wenn nach einem gro\u00dfen Krieg so viele Truppen demobilisiert werden mussten, dass sie der zivile Bereich nicht schnell genug absorbieren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Welle &#8222;englischer&#8220; S\u00f6ldner wurde bereits durch die normannische Eroberung nach der Schlacht von Hastings (1066) ausgel\u00f6st. Zahlreiche angels\u00e4chsische Adlige flohen in den n\u00e4chsten Jahren ins Exil. Sie fanden Aufnahme bei Verwandten in Schottland, Flandern, D\u00e4nemark oder Norwegen. Als besitzlose Berufskrieger werden viele von ihnen froh gewesen sein, wenn sie im Haushalt eines F\u00fcrsten unterkommen konnten. Recht popul\u00e4r wurde &#8222;Hereward the Wake&#8220;, der als S\u00f6ldner in Flandern diente und sich sp\u00e4ter in England an Aufst\u00e4nden gegen William beteiligte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten scheinen allerdings in der War\u00e4gergarde in Byzanz gelandet zu sein. Wahrscheinlich einfach deshalb, da Byzanz zu dieser Zeit der einzige Staat in Europa war, der eine gr\u00f6\u00dfere Zahl S\u00f6ldner unterhalten konnte. 1081 trafen sie in der Schlacht bei Dyrrachion (Durr\u00ebs im heutigen Albanien) auf die Normannen aus S\u00fcditalien unter Robert Guiscard. Wahrscheinlich von Rachegef\u00fchlen getrieben warfen sie sich auf die Normannen, wurden dann aber nach ersten Erfolgen vom Hauptheer abgeschnitten und fast vollst\u00e4ndig aufgerieben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"620\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hastings_1066.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5017\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hastings_1066.jpg 1000w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hastings_1066-300x186.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hastings_1066-768x476.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Angelsachsen gegen Normannen. Schlacht bei Hastings 1066<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von diesen angels\u00e4chsischen Exilanten abgesehen ist in den n\u00e4chsten Jahrhunderten von englischen S\u00f6ldnern nichts zu h\u00f6ren. Ganz im Gegenteil st\u00fctzten sich Wilhelms S\u00f6hne und Nachfolger bei ihren K\u00e4mpfen untereinander und gegen die rebellischen Barone stark auf S\u00f6ldner vom Kontinent: Flamen, Bretonen, Gascogner und die ber\u00fcchtigten Brabanzonen. Richard L\u00f6wenherz und sein Bruder Johann hatten f\u00fcr englische Robin Hoods wenig Verwendung, daf\u00fcr aber umso mehr f\u00fcr den franz\u00f6sischen Brabanzonenf\u00fchrer Mercadier.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Edward III. dann mit dem so genannten Hundertj\u00e4hriger Krieg (1337-1453) begann, die unter Johann verlorenen franz\u00f6sischen Besitzungen zur\u00fcckzuerobern, warb er erst einmal bei deutschen F\u00fcrsten um Unterst\u00fctzung. Bei seinen ersten beiden Feldz\u00fcgen nach Nordfrankreich bestand sein Heer fast zur H\u00e4lfte aus deutschen S\u00f6ldnern. Da sich die Franzosen aber nicht zur Schlacht stellten, waren riesige Schulden das einzige Resultat.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst jetzt lie\u00df Edward fast nur noch in England und Wales werben. Hier hatte er den Vorteil, dass m\u00e4chtige Adlige als Subunternehmer in Vorlage traten. Vor allen Dingen aber lie\u00df er verst\u00e4rkt Fu\u00dfvolk rekrutieren, da dies wesentlich preisg\u00fcnstiger war. Bei den Werbungen konnte er auf erfahrenes Personal zur\u00fcckgreifen. In den langen Kriegen in Wales, Irland und Schottland hatten sich nicht nur die Bogensch\u00fctzen zu einer beeindruckenden Waffengattung entwickelt, auch viele Schwerbewaffnete und Truppenf\u00fchrer hatten dort ihr Handwerk gelernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der fundamentale Unterschied zum franz\u00f6sischen Feudalheer war jedoch, dass der \u00fcberwiegende Teil der englischen Streitkr\u00e4fte von selbstst\u00e4ndigen Hauptleuten aufgebracht wurden. Sie hatten Vertr\u00e4ge, so genannte &#8222;indentures&#8220;, mit der Krone und warben f\u00fcr eine bestimmte Zeit eine bestimmte Zahl von M\u00e4nnern. Obwohl sie also ihrem K\u00f6nig dienten, hatten diese Truppen bereits die Struktur von eigenst\u00e4ndigen S\u00f6ldnerformationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ergab sich deshalb praktisch von selbst, dass einige dieser Gruppen auf eigene Faust weiter Krieg f\u00fchrten, auch wenn von der Krone kein Feldzug gef\u00fchrt wurde. Edward erlaubte es einigen Hauptleuten im Dienst verb\u00fcndeter Herrscher zu k\u00e4mpfen. So st\u00f6\u00dft man im B\u00fcrgerkrieg in der Bretagne (1341-45) bereits auf Hugh Calveley und Robert Knolles, die sp\u00e4ter zwei der ber\u00fchmtesten englischen S\u00f6ldnerf\u00fchrer werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe Stunde dieser selbst\u00e4ndigen Kompanien kam aber als die Franzosen in der Schlacht bei Poitiers (1356) vernichtend geschlagen wurde. Viele hohe Adlige waren gefallen und der K\u00f6nig in Gefangenschaft, was praktisch zu einem v\u00f6lligen Zusammenbruch der Zentralgewalt f\u00fchrte. In diesem Ambiente prosperierten die S\u00f6ldner, f\u00fcr die die siegreichen Engl\u00e4nder nur wenig Verwendung hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>1358 pl\u00fcnderte und verw\u00fcstete Robert Knolles mit mehreren tausend Mann auf eigene Rechnung das Loiretal und im folgenden Jahr gemeinsam mit Calveley das der Rhone. Die reiche Beute lockte weitere Verst\u00e4rkungen aus England, der Gascogne und anderen Regionen Europas an. Die Neuank\u00f6mmlinge nannten sich nun &#8222;Tard Venus&#8220;, da sie bef\u00fcrchteten f\u00fcr die gro\u00dfen Raubz\u00fcge zu sp\u00e4t gekommen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"384\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/weisse_kompanie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5019\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/weisse_kompanie.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/weisse_kompanie-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">romantische Darsatellung der Wei\u00dfen Kompanie<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Frieden von Br\u00e9tigny (1360) machte die Sache nur schlimmer, denn jetzt wurden von beiden Parteien Truppen entlassen, von denen viele den Krieg zu ihrem Haupterwerb gemacht hatten. In den &#8222;Freien Kompanien&#8220;, die in den folgenden Jahren Frankreich verw\u00fcsteten, waren Engl\u00e4nder neben Gascognern und Bretonen sicher am st\u00e4rksten vertreten. 1361 zog die &#8222;Wei\u00dfe Kompanie&#8220;, die zum Gro\u00dfteil aus Engl\u00e4ndern bestand, nach Italien, wo sie dann unter der F\u00fchrung von John Hawkwood viele Jahre eine bedeutende Rolle spielte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wegen seiner etwas exotischen Rolle als englischer Condottiere ist Hawkwood heute wahrscheinlich der ber\u00fchmteste englische S\u00f6ldnerf\u00fchrer \u00fcberhaupt. Hugh Calveley und Robert Knolles waren in der Zeit sicher bedeutender. Calveley spielte bei den Kriegen um die spanische Krone (1365-67) eine \u00e4u\u00dferst wichtige Rolle, wo er L\u00e4ndereien sammelte und schlie\u00dflich den Grafentitel erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch als sich in 1370er Jahren das Kriegsgl\u00fcck gegen die Engl\u00e4nder wendete und sie fast alle Eroberungen auf dem Kontinent verloren, blieb der Ruf ihrer S\u00f6ldner trotzdem geradezu legend\u00e4r. Das beruhte sicher zu einem guten Teil auf dem Erfolg ihrer Bogensch\u00fctzen, vor allem aber auf den disziplinierten Schwerbewaffneten, den &#8222;Men-at-arms&#8220;, die meistens in fester Formation zu Fu\u00df k\u00e4mpften. Einige waren mit Hawkwood in Italien geblieben, andere standen im Dienst fl\u00e4mischer St\u00e4dte, und eine Kompanie war 1385 entscheidend beim Sieg der Portugiesen bei Aljubarrota.<\/p>\n\n\n\n<p>Sogar in Frankreich sch\u00e4tzte man den Wert der alten Feinde. Nachdem dort 1407 der Machtkampf zwischen den Armagnac und Burgund 1407 zum B\u00fcrgerkrieg eskaliert war, warben beide Parteien Kompanien englischer S\u00f6ldner auf dem freien Markt. Schlie\u00dflich erhielt der Herzog von Burgund ein Hilfskontingent von etwa 1.200 Mann, das ihm bei der Besetzung von Paris 1411 sehr gute Dienste leistete. Danach stiegen die Angebote und als die Armagnacs Henry IV. schlie\u00dflich die R\u00fcckgabe aller Besitzungen in Aquitanien versprachen, stellte er ihnen \u00fcber 8.000 S\u00f6ldner zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Sohn Henry V. nahm den Krieg gegen Frankreich wieder in gro\u00dfem Stil auf, wodurch der Export englischer S\u00f6ldner f\u00fcr mehrere Jahrzehnte zum Erliegen kam. Als sich England dann schlie\u00dflich geschlagen zur\u00fcckziehen musste, bildeten ehemalige S\u00f6ldner und die Heimkehrer, die ihren gesamten Besitz in Frankreich verloren hatten, das ideale Rekrutierungsreservoir f\u00fcr neue Armeen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese oft mittellosen Veteranen waren wahrscheinlich mit ein Grund f\u00fcr den Ausbruch der Rosenkriege (1455-85) kurz darauf. Ein guter Teil von ihnen fand in den teilweise \u00e4u\u00dferst verlustreichen Schlachten sein Ende. Trotz dieser lokalen Probleme, fanden sich problemlos einige tausend, als ein Herrscher auf dem Kontinent wieder f\u00fcr englische S\u00f6ldner Verwendung hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Karl der K\u00fchne, der m\u00e4chtige Herzog von Burgund war mit den Geschichten des Hundertj\u00e4hrigen Krieges aufgewachsen. Also lie\u00df er sich davon leiten, als er mit dem Aufbau einer schlagkr\u00e4ftigen Armee begann. Bald verf\u00fcgte er \u00fcber eine starke Artillerie und \u00fcber zahlreiche schwere gepanzerte Reiter. Da durften nat\u00fcrlich auch die legend\u00e4ren englischen Bogensch\u00fctzen nicht fehlen. Karls warb f\u00fcr jeden seiner Feldz\u00fcge Kompanien von ihnen und hatte hunderte allein in seiner pers\u00f6nlichen Garde. Nachdem er die Schwester des englischen K\u00f6nigs geheiratet hatte, vermittelte ihm dieser bei Bedarf mehrere tausend.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"506\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/murten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5021\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/murten.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/murten-300x380.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Engl\u00e4nder bei Murten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es n\u00fctzte wenig. Seine S\u00f6ldner waren nicht in der Lage das relativ kleine Neuss einzunehmen, und als Karls Heere schlie\u00dflich von den Schweizer Gewalthaufen bei Grandson. Murten und Nancy \u00fcberrannt wurden, waren auch seine englischen Bogensch\u00fctzen nicht in der Lage diese zu stoppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter wurde viel dar\u00fcber geschrieben, dass die Burgunderkriege milit\u00e4risch das Ende der schweren, ritterlichen Reiterei bedeuteten. Dass dabei aber auch der Bedeutungsverlust der mittelalterlichen Bogensch\u00fctzen sichtbar wurde, wird gerne \u00fcbersehen. In England wurden die Rosenkriege mit den Waffen und Taktiken einer vergangenen Zeit ausgetragen, und als danach die Tudors auf den Thron kamen, sonnte man sich weiterhin im Ruhm von Cr\u00e9cy und Agincourt und sah wenig Grund f\u00fcr Reformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Heinrich VIII. dann 1513 dann ganz im Geiste seiner Vorfahren den Krieg gegen Frankreich wieder aufnahm, war zwar jeder Engl\u00e4nder fest davon \u00fcberzeugt, es leicht mit einem halben Dutzend Franzosen aufnehmen zu k\u00f6nnen, mit der Realit\u00e4t hatte dies allerdings nichts zu tun. Um die Schw\u00e4chen der eigenen Truppen auszugleichen, wurden vor allem schwere Reiter in Burgund und Landsknechte im Reich geworben. Sp\u00e4ter kamen dann zunehmend italienische und spanische Arkebusiere hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit des englischer Milit\u00e4rwesens &#8211; Bewaffnung, Ausbildung, Versorgung, Rekrutierung &#8211; wurde dann richtig offensichtlich, als unter Elisabeth I. (1559-1603) damit begonnen wurde, die Protestanten auf dem Kontinent mit Truppen zu unterst\u00fctzen. In England gab es starke Sympathien f\u00fcr die Calvinisten in den Niederlanden. Dazu kamen Handelskonflikte mit Spanien und die Angst, dass die Niederlande als Basis f\u00fcr eine spanische Invasion dienen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Anfang an hatten deshalb Engl\u00e4nder auf Seite der Rebellen gek\u00e4mpft. Teilweise hatten Adlige auf eigene Kosten Kompanien geworben und selbst in die Niederlande gef\u00fchrt. Au\u00dferdem wurden in England niederl\u00e4ndische Werbungen geduldet und oft unterst\u00fctzt. Von offizieller Seite wurden erst ab 1585 Truppen geschickt, die dann aber bereits nach vier Jahren an die Niederl\u00e4nder abgetreten wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>In den folgenden Jahrzehnten schickte England zur Unterst\u00fctzung der Niederlande, der Hugenotten in Frankreich und der Protestanten w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges viele tausend S\u00f6ldner auf den Kontinent. Ihr Ruf war denkbar schlecht. W\u00e4hrend irische S\u00f6ldner f\u00fcr H\u00e4rte und Gen\u00fcgsamkeit bekannt waren, Schotten als die Elite Gustav Adolfs galten, sagte man von den Engl\u00e4ndern, dass sie ohne ihre &#8222;3 Bs&#8220; (Bed, Beef, Beer) nicht k\u00e4mpfen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die notwendigen Truppen zusammen zu bekommen wurde in der Regel gepresst, das hei\u00dft Vagabunden und Betrunkene wurden aufgegriffen und nicht zuletzt regelm\u00e4\u00dfig die Gef\u00e4ngnisse geleert. Entsprechend niedrig waren Ausbildung und Motivation. Aber auch die Versorgung war denkbar schlecht oder gar nicht organisiert, so dass st\u00e4ndig viele an Krankheiten starben oder einfach verhungerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonders eklatantes Beispiel ist das Kontingent, das Ende 1624 aufgestellt wurde, um unter dem deutschen S\u00f6ldnerf\u00fchrer Mansfeld dem Kurf\u00fcrsten Friedrich V. von der Pfalz, der ein Schwiegersohn des englischen K\u00f6nigs war, bei der R\u00fcckeroberung seiner Besitzungen zu helfen. Mit den \u00fcblichen Methoden hatte man schlie\u00dflich 12.000 Mann zusammengebracht und Richtung K\u00fcste in Marsch gesetzt. Ein Zeitzeuge berichtet:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"393\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/falstaff_rekruten-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5024\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/falstaff_rekruten-1.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/falstaff_rekruten-1-300x197.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Falstaff mit Rekruten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;Unsere Soldaten marschieren von allen Seiten nach Dover. Gott gebe ihnen gute Schifffahrt und Erfolg, aber solch einen Haufen ungebildeter und armer Schurken hat man nicht oft gesehen, und sie ziehen so widerwillig mit, dass man sie eher treiben als f\u00fchren muss. Man kann sich vorstellen, wie verkommen wir sind, wenn sich einer, der unter Druck gesetzt wurde, aus Angst oder Verzweiflung erh\u00e4ngte, ein anderer in die Themse rannte und sich nach langem Hin und Her mit den Polizisten und den Offizieren ertr\u00e4nkte, als er nicht entlassen wurde. Ein anderer schnitt sich alle Finger einer Hand ab, und ein weiterer brannte sich mit Salz die Augen aus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tten sie von Calais in die Pfalz marschieren sollen. Nachdem aber die Franzosen den Hafen sperrten, wurden sie nach Vlissingen transportiert. Dort war man aber nicht auf so viele Truppen vorbereitet, so dass sie im Januar zusammengepfercht bei eisiger K\u00e4lte und ohne Verpflegung \u00fcber Wochen in den Schiffen ausharren mussten. Die S\u00f6ldner erfroren, verhungerten oder starben an den Krankheiten, die sich in der Enge rasch verbreiteten. Einige st\u00fcrzten sich ins eisige Wasser um dem Elend zu entgehen. Schlie\u00dflich erkl\u00e4rten sich die Niederl\u00e4nder bereit, den kl\u00e4glichen Rest zum Entsatz von Breda zu \u00fcbernehmen. Da waren aber nur noch etwa 3.000 Mann \u00fcbrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der hohen Verluste durch Hunger, Krankheiten und Desertionen wurde der Krieg in den Niederlanden sozusagen zur hohen Schule englischer S\u00f6ldner. Unter den Oraniern hatte sich dort das Milit\u00e4r zum fortschrittlichsten in Europa entwickelt. Vor allen Dingen englische Offiziere, die im Gegensatz zu den meist gepressten Truppen, freiwillig dienten, lernten dort ihr Handwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es dann in England 1642 zum B\u00fcrgerkrieg zwischen den K\u00f6niglichen und dem Parlament kam, spielten bei beiden Parteien Offiziere, die in den Niederlanden gek\u00e4mpft hatten, entscheidende Rollen. Am st\u00e4rksten wurden die Neuerungen auf Seiten des Parlaments umgesetzt, wo sie dann zur Aufstellung der so genannten &#8222;New Model Army&#8220; f\u00fchrten, die schlie\u00dflich den Krieg entscheiden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem B\u00fcrgerkrieg verlegte England seine expansiven Bem\u00fchungen zunehmend nach \u00dcbersee. Mann begann mit dem Erwerb eines Kolonialreichs in Nordamerika, dem Gew\u00fcrzhandel mit Ostasien und dem \u00e4u\u00dferst lukrativen Dreieckshandel mit Sklaven, Zucker und europ\u00e4ischen Industriewaren. Zur Absicherung dieser Expansion wurde in wechselnden Konstellationen auf dem Kontinent gegen die Niederlande, Spanien und dann vor allem Frankreich Krieg gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich herrschte England \u00fcber ein gigantisches weltumspannendes Imperium, mit dem enorme Reicht\u00fcmer gewonnen wurden. Allein zum Unterhalt diese Imperiums war ein gewaltiges Heer notwendig, dazu eine riesige Flotte und nat\u00fcrlich all die Arbeiter in den H\u00e4fen, den Lagerh\u00e4usern, den Werften und den Webst\u00fchlen. Kurz und gut, in England befand sich das Milit\u00e4r in einem harten Konkurrenzkampf mit dem Gewerbe, der Seefahrt und nicht zuletzt den gro\u00dfen Handelskompanien, die ihre eigenen Truppen unterhielten. Es gab deshalb keine \u00fcberz\u00e4hligen S\u00f6hne, die in der Fremde ihr Auskommen suchen mussten. England hatte ganz im Gegenteil einen geradezu uners\u00e4ttlichen Bedarf an fremden S\u00f6ldnern. Man mietete in Deutschland ganze Regimenter, rekrutierte skandinavische Seeleute, viele Iren und Schotten, die inzwischen offiziell zum Empire geh\u00f6rten, und schlie\u00dflich immer mehr unter den besiegten V\u00f6lkern, wobei sich Indien zum ganz gro\u00dfen Menschenreservoir entwickelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gab es bei der gro\u00dfen Masse an Engl\u00e4ndern, die irgendwie im Dienste des Imperiums unterwegs waren, fast in jedem Winkel einen schiffbr\u00fcchigen Seemann, Deserteur oder Abenteurer, der einem lokalen Herrscher als S\u00f6ldner diente. Bereits unter Magellans Besatzung befand sich ein Engl\u00e4nder; man denke auch an Andrew Battel und seine Abenteurer in Angola oder an William Adams, der im Dienst des Sh\u014dguns Karriere machte. Man kann viele weitere Namen anf\u00fchren, aber es handelt sich immer um einzelne Au\u00dfenseiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"380\" height=\"504\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/man_king.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5025\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/man_king.jpg 380w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/man_king-300x398.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">britische Abenteurer in Indien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Besonders auff\u00e4llig wird dies, wenn man die Situation in Indien betrachtet, das im 18. Jahrhundert eine Art Paradies f\u00fcr europ\u00e4ische Abenteurer war. Unter ihnen gab es nat\u00fcrlich auch den einen oder anderen Engl\u00e4nder. Konzentriert man sich jedoch auf die bekannten Namen, so findet man vor allem Franzosen, Niederl\u00e4nder, Iren, Schotten, Italiener, Deutsche, aber keinen einzigen Engl\u00e4nder. F\u00fcr die war es viel einfacher im Dienst der Britischen Ostindien-Kompanie reich zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf komplette Einheiten englischer S\u00f6ldner st\u00f6\u00dft man erst wieder, als nach dem Ende der Napoleonischen Kriege die riesigen Armeen demobilisiert wurden. In England standen pl\u00f6tzlich hunderttausende ehemaliger Soldaten auf der Stra\u00dfe. Allerdings waren in Europa mit dem Aufkommen des Patriotismus S\u00f6ldner aus der Mode gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da traf es sich gut, dass englische Gesch\u00e4ftsleute, denen der Krieg als Absatzmarkt weggebrochen war, damit begonnen hatten, die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen in Lateinamerika zu unterst\u00fctzen. F\u00fcr neue Absatzm\u00e4rkte und Handelsprivilegien waren sie gerne bereit Simon Bolivar und andere mit Waffen und Geld zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Papieren s\u00fcdamerikanischer Exilpolitiker und englischen Krediten begannen bald Werbungen. Unter den Werbern dominierten Menschenh\u00e4ndler der \u00fcbelsten Sorte wie der Schotte Gregor McGregor und der Ire John D\u2019Evereux, die ihre Rekruten mit vielen leeren Versprechungen nach \u00dcbersee schickten und sie dort sich selbst \u00fcberlie\u00dfen, oder sie von einer Katastrophe in die n\u00e4chste f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt wurden gut 7.000 Mann geworben und nach Lateinamerika geschickt. Bei der H\u00e4lfte handelte es sich aber um Iren, dazu kamen andere Europ\u00e4er; die Engl\u00e4nder selbst stellten nur etwa 20%. Der Gro\u00dfteil dieser Rekruten desertierte oder starb elend an Krankheiten, ohne jemals einen Feind gesehen zu haben. Diejenigen, die Hunger, Fieber und die Strapazen der endlosen M\u00e4rsche \u00fcberstanden, schlugen sich sp\u00e4ter hervorragend und entwickelten sich sich zu einer Elitetruppe. Allerdings sch\u00e4tzt man, dass von ihnen nur etwa 150 (!) den Krieg \u00fcberlebten.<\/p>\n\n\n\n<p>Historisch ist aber das Interessanteste an diesen britischen Legionen, die relativ geringe Zahl der Engl\u00e4nder. Bei der immensen Masse an entlassenen Soldaten und Seeleuten ist es \u00fcberraschend, dass sich nur so wenige Freiwillige f\u00fcr dieses Unternehmen fanden. Au\u00dferdem waren von diesen nur bestenfalls ein Drittel Veteranen mit milit\u00e4rischer Erfahrung. Die englische Wirtschaft muss also in der Lage gewesen, sein den allermeisten Veteranen eine bessere Alternative zu bieten als den Solddienst in \u00dcbersee.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gro\u00dfteil der Freiwilligen bestand dagegen aus jungen Romantikern, die das Gef\u00fchl hatten, die Napoleonischen Kriege &#8222;verpasst&#8220; zu haben. Au\u00dferdem waren die Engl\u00e4nder nach Wellingtons Siegen in Spanien und bei Waterloo nat\u00fcrlich mal wieder davon \u00fcberzeugt, dass jeder von ihnen mindestens 10 Spanier wert war. Romantische Abenteuerlust war immer ein nicht zu untersch\u00e4tzendes Motiv f\u00fcr S\u00f6ldner gewesen, aber sicher nie so bedeutend wie Hunger und Armut. Dass sie nun zum Hauptmotiv wird, ist ein neuer Trend, der sich zumindest im immer satteren Abendland bis in unsere Tage fortsetzt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"540\" height=\"383\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/brit_legion.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5026\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/brit_legion.jpg 540w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/brit_legion-300x213.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">British Auxiliary Legion in Spanien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im gro\u00dfen Ganzen hatte man in England bis zum Ende des Empires mehr als genug Verwendung f\u00fcr alle die sich aus Not oder Abenteuerlust f\u00fcr das Milit\u00e4r rekrutieren lie\u00dfen. Die einzige gr\u00f6\u00dfere Ausnahme war die so genannte &#8222;British Auxiliary Legion&#8220;, die 1835 f\u00fcr den Dienst in Spanien rekrutiert wurde. Dort war zwischen den regierenden Liberalen unter K\u00f6nigin Isabella II. und den Ultrakonservativen unter dem Thronpr\u00e4tendenten Don Carlos ein B\u00fcrgerkrieg ausgebrochen. W\u00e4hrend die konservativen Gro\u00dfm\u00e4chte &#8211; Preu\u00dfen, Russland und \u00d6sterreich &#8211; Don Carlos unterst\u00fctzen, erhielten die Liberalen Hilfe von Frankreich, Portugal und England. Da aber alle Parteien eine direkte Konfrontation und einen gro\u00dfen europ\u00e4ischen Krieg vermeiden wollten, beschr\u00e4nkten sie sich auf die Lieferung von Geld, Waffen und Freiwilligen. Frankreich \u00fcberlie\u00df den Liberalen seine Fremdenlegion und England erlaubte ihnen 1835 die Werbung von 10.000 Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Engl\u00e4nder stellten ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Legion\u00e4re, die anderen waren Schotten und vor allem Iren. In Spanien waren sie von keinem gro\u00dfen Nutzen. Dem schmutzigen Guerillakrieg dort und den Strapazen waren sie in keiner Weise gewachsen. Die schwersten Verluste hatten sie dann auch gleich im ersten Winterlager im Baskenland. Ansonsten machten sie mehr durch ihre Trinkgelage und ihre R\u00fcckz\u00fcge von sich reden. Nachdem ihre Vertr\u00e4ge nach zwei Jahren abgelaufen waren, kehrten die meisten entt\u00e4uscht nach England zur\u00fcck. Lediglich 1.500 konnten mit viel Alkohol zum Bleiben \u00fcberredet werden. Man formierte aus ihnen eine neue Legion, die sich aber nach ein paar Monaten selbst aufl\u00f6ste, nachdem der Sold ausgeblieben war.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Eingreifen in Spanien hatten sich englisches Geld und Waffenlieferungen als viel wichtiger erwiesen als die S\u00f6ldner. F\u00fcr \u00fcber 100 Jahre hielt man sich an diese Erkenntnis. Empire, Industrie und Handel wuchsen mit atemberaubender Geschwindigkeit. Also ben\u00f6tigte man in England jeden Mann selbst, dazu kamen immer mehr S\u00f6ldner aus den Kolonien. In den beiden Weltkriegen dienten mehrere Millionen Inder und hunderttausende von Afrikanern. Schlie\u00dflich zerbrach das Empire genau daran, dass man ihnen nach dem Kriegsdienst auch die entsprechenden politischen Rechte und schlie\u00dflich die Unabh\u00e4ngigkeit zugestehen musste.<\/p>\n\n\n\n<p>England hatte zwar den II. Weltkrieg glorreich (mit)gewonnen, danach aber das Weltreich verloren. Wie am Ende der meisten gro\u00dfen Konflikte, h\u00e4tte man also auch jetzt ein verst\u00e4rktes Auftreten von S\u00f6ldnern erwarten k\u00f6nnen. Doch im England um 1960 lebte es sich trotz Wirtschaftskrise sicher viel besser als zu Zeiten Napoleons oder gar des Hundertj\u00e4hrigen Krieges. Das Hauptproblem war aber, dass mitten im Kalten Krieg mit all den gro\u00dfen Ideologien S\u00f6ldner nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie dann dann doch pl\u00f6tzlich wieder v\u00f6llig \u00fcberraschend in den postkolonialen Konflikten Afrikas auf der weltpolitischen B\u00fchne erschienen, waren auch zunehmend Engl\u00e4nder beteiligt. Allerdings handelte es sich dabei immer nur um ein paar Dutzend. Dennoch schafften sie es durch ihr m\u00f6rderisches Vorgehen &#8211; vor allem in Angola &#8211; und die damit verbundenen Skandale, dass sich die UN schlie\u00dflich zu einem generellen Verbot der Verwendung von S\u00f6ldnern aufraffte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich blieb die UN-Resolution weitgehend wirkungslos. Sie f\u00fchrte bestenfalls dazu, dass sich S\u00f6ldner und solche, die es gerne w\u00e4ren, fortan als &#8222;Freiwillige&#8220; deklarierten. Unter diesen &#8222;Freiwilligen&#8220; vom Krieg in Rhodesien, \u00fcber die in Ex-Jugoslawien bis hin zu dem in der Ukraine findet man immer einen relativ hohen Anteil von Briten und damit auch Engl\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber w\u00e4hrend diese Thrill-Sucher zumindest gelegentlich die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zogen, blieb die historisch bedeutsame Entwicklung des Gewerbes lange weitgehend unbeachtet, und an ihr hatten Engl\u00e4nder entscheidenden Anteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sich das Emire in voller Aufl\u00f6sung befand, ging es f\u00fcr die Realisten unter den Strategen darum, die wertvollsten Teile davon zu retten, und das waren in allererster Linie die gigantischen \u00d6lreserven am Golf. Man f\u00f6rderte deshalb die Bildung von Kleinstaaten, die ohne britische Hilfe nicht lebensf\u00e4hig waren. Gro\u00dfbritannien musste deshalb mehrmals in Oman mit Truppen eingreifen, und seine sch\u00fctzende Hand \u00fcber Kuwait und die Emirate halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings wurde es zunehmend schwieriger koloniale Milit\u00e4roperationen zu rechtfertigen. Andererseits war Geld in den Golfstaaten im \u00dcberfluss vorhanden. Als es deshalb notwendig wurde, Saudi Arabien im Krieg Nordjemenitischer B\u00fcrgerkrieg (1962-70) zu unterst\u00fctzen, beschr\u00e4nkte man sich auf die Lieferung von Waffen und die Vermittlung von Privatpersonen als Ausbilder und anderem Fachpersonal. An vorderster Front war dabei der ehemalige Oberstleutnant David Stirling aktiv. Er war durch die Gr\u00fcndung des SAS (der britischen Special Forces) w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges bereits eine Legende. Nach dem Krieg war er dann haupts\u00e4chlich als Waffenh\u00e4ndler im Nahen Osten t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"460\" height=\"298\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/jemen_soldner.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5027\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/jemen_soldner.jpg 460w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/jemen_soldner-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Watchguard Mitarbeiter im Jemen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Bereich Sicherheit kannte Stirling Angebot und Nachfrage wie kein zweiter. Er vermittelte seit Jahren Waffen und erfahrenes Personal zwischen britischen Firmen, Milit\u00e4r und Geheimdienst und den Golfstaaten. Deshalb war es nur ein logischer Schritt zur Gr\u00fcndung der Firma &#8222;Watchguard International Ltd&#8220;, die dann f\u00fcr den britischen Geheimdienst den Krieg im Nordjemen organisierte. Watchguard gilt heute als die erste moderne PMC der Geschichte und blieb auch nach dem Krieg im Nordjemen weiter im Gesch\u00e4ft. Andere Firmen folgten bald.<\/p>\n\n\n\n<p>Das neue an Firmen wie Watchguard, Keenie Meenie Services und sp\u00e4ter Sandline war die enge Kooperation mit Regierung und Wirtschaft. Sie waren keine unabh\u00e4ngige S\u00f6ldnertruppe, sondern eher eine inoffizielle Unterabteilung des Geheimdienstes, von der sich die Regierung jederzeit distanzieren konnte. Charakteristisch ist dann auch die Diskretion mit der gearbeitet wurde. So gibt es \u00fcber den \u00e4u\u00dferst erfolgreichen Einsatz der S\u00f6ldnern im Nordjemen nur sehr wenige Zeitungsartikel oder gar B\u00fccher, w\u00e4hrend man mit den Skandalberichten zum Kongo Regale f\u00fcllen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die britischen PMCs rekrutieren vorwiegend ehemalige Elitesoldaten von SAS, Paras, Marines aber auch der Polizei. Vor allem wegen des langen Konflikts in Nordirland gibt es viele Ex-Soldaten, die gro\u00dfe Erfahrung im Einsatz gegen Terrorismus haben. Die leitenden Figuren haben oft in elit\u00e4ren britischen Regimentern gedient, stammen aus guten Soldatenfamilien und haben beste Kontakte zu Wirtschaft und Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfbritannien, und das bedeutet hier vor allem England und London, ist heute nach den USA sicher der bedeutendste Anbieter auf dem internationalen S\u00f6ldnermarkt. Der Erfolg beruht zum Teil auf der guten Beziehung zu den USA, aber auch der engen Verflechtung von Milit\u00e4r, Politik und Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00f6hne des Empire.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5006,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,104],"tags":[131],"class_list":["post-5005","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-volker","tag-englander"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Engl\u00e4nder - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-englander\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Engl\u00e4nder - 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