{"id":4990,"date":"2025-12-15T14:32:22","date_gmt":"2025-12-15T14:32:22","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4990"},"modified":"2025-12-15T14:32:23","modified_gmt":"2025-12-15T14:32:23","slug":"umworbene-feinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/umworbene-feinde\/","title":{"rendered":"Umworbene Feinde"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>die Japaner im B\u00fcrgerkriegs-China<\/strong><\/strong>.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"491\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_kapitulation.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4996\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_kapitulation.jpg 350w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_kapitulation-300x421.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kapitulation der Japaner in Peking<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im August 1945 hatte Japan den siegreichen Amerikanern weder in der Luft noch zur See etwas entgegen zu setzen; Hiroshima und Nagasaki waren von Atombomben ausradiert worden. Zudem hatte die Sowjetunion in einer Bitzoffensive die japanische Armee in der Mandschurei \u00fcberrannt und bedrohte \u00fcber die Kurilen den Norden Japans. Schlie\u00dflich war die Lage so verzweifelt, dass der Kaiser am 15. August die Kapitulation im Radio verk\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch w\u00e4hrend Japans Streitkr\u00e4fte an fast allen Fronten v\u00f6llig zerschlagen oder auf dem R\u00fcckzug waren, standen in China noch weit \u00fcber eine Million Mann unter Waffen, die sich absolut als Herr der Lage fanden. Weder die KMT (Kuomintang) unter Chiang Kai-shek noch die Kommunisten unter Mao Zedong hatten ihnen auf dem Schlachtfeld etwas entgegenzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gr\u00f6\u00dfte Trumpf der japanischen Gener\u00e4le war aber, dass der bestenfalls notd\u00fcrftig beigelegte Machtkampf zwischen KMT und Kommunisten nun nach der Niederlage Japans in seine entscheidende Runde gehen w\u00fcrde. Die Partei, die die Kapitulation einer japanischen Einheit annahm, w\u00fcrde nicht nur deren Territorium \u00fcbernehmen sondern vor allem auch deren Waffen und Ger\u00e4tschaften. So konnten die Kommunisten ihre Feuerkraft vervielfachen, nachdem ihnen die Sowjetunion die Best\u00e4nde der in der Mandschurei geschlagenen japanischen Armee \u00fcberlassen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Japaner hatten in China viele Jahre aufs grausamste gehaust. Gefangene hatten sie praktisch nie gemacht, und beim Massaker von Nanking wurden 1937 in einer perversen Gewaltorgie \u00fcber Wochen hunderttausende friedlicher Zivilisten ermordet. In den folgenden Jahren kam es zu zahlreichen weiteren Kriegsverbrechen und zur brutalen Ausbeutung der besetzten Regionen. Ab 1941 galt f\u00fcr den Krieg in China der kaiserliche Befehl Nr. 575, der die &#8222;dreifache Ausl\u00f6schung: alles niederbrennen, niedermetzeln und auspl\u00fcndern\u201c befahl. So gesehen w\u00e4re nach der Kapitulation eigentlich mit Vergeltungsma\u00dfnahmen zu rechnen gewesen. Die Sowjetunion transportierte ihre 600.000 japanischen Kriegsgefangenen nach Sibirien, wo viele von ihnen an Hunger und K\u00e4lte starben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In China, das so viel mehr unter den Japanern gelitten hatte, dagegen nichts davon. Chiang Kai-shek hatte befohlen, sie mit Samthandschuhen anzufassen, denn es ging um viel mehr als nur die Waffen. Oft waren keine Truppen der KMT in der N\u00e4he, um eine von der Japanern ger\u00e4umte Stadt zu \u00fcbernehmen, so dass diese an die Kommunisten fallen musste. Aus Sicht der KMT war deshalb ein schneller Abzug der Japaner und das damit verbundene Machtvakuum unbedingt zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die japanischen Offiziere behielten also erst einmal ihre Villen, ihre Dienstwagen und ihr Personal. Viele waren damit besch\u00e4ftigt, ihre Kriegsbeute zu Geld zu machen, um m\u00f6glichst viel davon mitnehmen zu k\u00f6nnen. Andere suchten sich chinesische Strohm\u00e4nner, denen sie wertvolle Immobilien \u00fcberschrieben in der Hoffnung, diese nach einer l\u00e4ngeren Krise wieder zur\u00fcckzuerhalten. Die selbsterkl\u00e4rten &#8222;Samurai&#8220; hatten sicher mehr Stil als deutsche Gauleiter, die moralfreie Gier war allerdings ziemlich die gleiche.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"560\" height=\"393\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_material.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4998\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_material.jpg 560w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_material-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">japanisches Kriegsmaterial<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf h\u00f6chster Ebene hatte man aber viel weitreichendere Pl\u00e4ne. General Okamura Yasuji, der japanische Oberbefelshaber in China, bot Chiang Kai-shek f\u00fcr den Schutz japanischen Besitzes den Dienst von fast 1,5 Millionen Mann an. Nur die Angst vor den USA, die dies (zumindest zu dieser Zeit) auf keinen Fall toleriert h\u00e4tten, lie\u00df Chiang Kai-shek letzten Endes zur\u00fcckschrecken. Aber man fand trotzdem eine Reihe von M\u00f6glichkeiten, Japaner zu verwenden, ohne die Aufmerksamkeit der Amerikaner allzu sehr auf sich zu ziehen. So wurde ihre Demobilisierung gerne l\u00e4nger verz\u00f6gert. Oft wurden aber japanische Soldaten direkt f\u00fcr die nationalchinesischen Truppen rekrutiert. Dabei wurde sicher manchmal auch Zwang angewendet, aber f\u00fcr viele Japaner war eine schnelle Heimkehr nicht besonders attraktiv. In Japan erwartete sie Elend und Arbeitslosigkeit. In China dagegen erhielten sie gute Rationen und wurden umgehend bef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am erfolgreichsten bei der Verwendung von Japanern war der Warlord Yan Xishan, der als Verb\u00fcndeter der KMT in der nordwestlichen Provinz Shanxi regierte. Er verf\u00fcgte \u00fcber ein komplettes japanisches Milit\u00e4rkorps von ca, 15.000 Mann und hatte zudem noch zahlreiche japanische Offiziere und Techniker f\u00fcr seine chinesischen Truppen. Einige waren ihm dabei behilflich die Kommunisten erfolgreich mit Giftgas zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sich die Amerikaner schlie\u00dflich f\u00fcr die Vorg\u00e4nge im abgelegenen Shanxi interessierten und die Lage vor Ort kontrollierten, versuchte man die japanischen Soldaten in den Bergen zu verstecken. Einige tausend nutzten jedoch die Gelegenheit, sich von den Amerikanern Richtung Heimat transportieren zu lassen. Dazu kamen die schweren Verluste im Kampf gegen die Kommunisten, trotzdem waren 1949, als die Hauptstadt Taiyuan kapitulierte, immer noch 3.000 Japaner dort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die KMT konnte sich bei der Rekrutierung japanischer Kriegsgefangener weitgehend auf die Kollaboration hoher japanischer Offiziere st\u00fctzen, denen sie im Gegenzug Besitz und Privilegien garantierte und au\u00dferdem vor Strafverfolgung sch\u00fctzte. Als sich zum Beispiel General Okamura Yasuji vor dem Tribunal f\u00fcr Kriegsverbrechen verantworten sollte, hielt Chiang Kai-shek pers\u00f6nlich seine sch\u00fctzende Hand \u00fcber ihn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommunisten hatten es da nicht so einfach. Aber auch sie ben\u00f6tigten dringend japanische Fachkr\u00e4fte, um das erbeutete Kriegsmaterial zu bedienen und zu reparieren. So waren Artilleristen besonders gesucht. Als Basis konnten sie dabei auf die zahlreichen Kriegsgefangenen zur\u00fcckgreifen, die ihnen bereits vor Kriegsende in die H\u00e4nde gefallen waren. Ganz anders als die Japaner behandelten sie die Gefangenen relativ gut. Die Parteileitung vertrat die Ansicht, dass es sich bei ihnen ebenfalls um Opfer der herrschenden Klasse handelte. Die Schuld an den zahlreichen Kriegsverbrechen wurde ausschlie\u00dflich den Offizieren angelastet, w\u00e4hrend man versuchte, die einfachen Soldaten f\u00fcr die eigene Sache zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"421\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_gefangene.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4999\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_gefangene.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japan_gefangene-300x253.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">japanische Kriegsgefangene in China<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gro\u00dfteil der japanischen Soldaten stammte aus einfachsten Verh\u00e4ltnissen und hatte in der streng hierarchischen Armee oft Verachtung und Brutalit\u00e4t erfahren. So ist nur allzu verst\u00e4ndlich, dass viele Sympathien f\u00fcr den Kommunismus entwickelten. Man wird nat\u00fcrlich nie feststellen k\u00f6nnen wie viele Japaner aus echter \u00dcberzeugung f\u00fcr die Kommunisten k\u00e4mpften. Man sollte aber nicht vergessen, dass sie nicht als Interbrigadisten an die Front geeilt waren, sondern als Gefangene meistens der Not gehorchten. So ergaben sich in der Mandschurei viele Japaner den Kommunisten, um nicht den Russen in die H\u00e4nde zu fallen. Als der B\u00fcrgerkrieg dann wieder richtig ausgebrochen war, gab es sicher oft gar keine andere M\u00f6glichkeit, als die Fronten zu wechseln oder erschossen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie diese Dinge laufen konnten zeigt das Schicksal des Japaners Yoshinori Chiba. Bei der Kapitulation diente er als Unteroffizier in einer schweren Maschinengewehrkompanie und k\u00e4mpfte sowohl gegen die KMT wie gegen die Kommunisten. Da er anscheinend einige Spione der KMT erschossen hatte, hielt er es f\u00fcr angebracht zu den Kommunisten \u00fcberzulaufen. Er hatte sich aber kaum einer kommunistischen Guerillaeinheit angeschlossen, als er von der KMT gefangen genommen wurde. Die ben\u00f6tigten dringend erfahrene Leute und machten ihn zum Offizier. Nachdem er aber mit Vorgesetzten aneinander geraten war, desertierte er erneut und schlug sich in Zivilkleidung als Landarbeiter durch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier kam er wieder in Kontakt mit kommunistischen Guerillas, die ihn, nachdem sie seine Geschichte erfahren hatten, zum Chef einer Maschinengewehreinheit machten. Sie sch\u00e4tzten seine taktische Erfahrung vor allem aber seine F\u00e4higkeit, die japanischen Beutewaffen zu reparieren. So kam er schlie\u00dflich in eine regul\u00e4re Einheit der Volksbefreiungsarmee und nahm in deren Reihen nicht nur an einigen der wichtigsten Schlachten des B\u00fcrgerkriegs teil, sondern auch noch am Koreakrieg (1950-1953).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie\u00dfend arbeitete er noch einige Jahre als Maschinist in einer Fabrik in China, bevor er 1962 nach Japan zur\u00fcckkehrte. Er sagte sp\u00e4ter, dass ihn die Opferbereitschaft der Kommunisten tief beeindruckt habe, dennoch habe er aus der langen Zeit in China lediglich Desillusionierung und ungef\u00e4hr 600 Yen mit nach Hause gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u00e4hnliches Beispiel ist Matsushita Kazutoshi. Er wurde 1944 eingezogen und in die Manschurei geschickt. Als ehemaliger Stahlarbeiter diente er bei einer Transporteinheit und nahm mit dieser an der letzten Offensive gegen die KMT teil. Nach acht Monaten siegreicher K\u00e4mpfe waren die Kr\u00e4fte verbraucht und f\u00fcr die ersch\u00f6pften Truppen begann ein 800 Kilometer langer R\u00fcckmarsch durch ausgepl\u00fcndertes und verw\u00fcstetes Gebiet. Matsushita hatte offensichtlich genug gelitten und gesehen, denn in einer Nacht setzte er sich heimlich ab. Er versteckte sich in einem verlassenen Dorf und schaffte es irgendwie dort alleine bis zum Kriegsende zu \u00fcberleben. Kurz darauf wurde er von KMT-Truppen entdeckt und umgehend als Fachmann f\u00fcr eine ihrer Transporteinheiten rekrutiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"287\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/chinesen_yalu.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5001\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/chinesen_yalu.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/chinesen_yalu-300x172.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">die Chinesen \u00fcberqueren den Yalu<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitte 1946 nahm er in den Reihen der 74. Division an K\u00e4mpfen weiter im S\u00fcden teil. Die 74. Division war anfangs erfolgreich, wurde dann aber eingekesselt und unter schwersten Verlusten vernichtet. Die \u00dcberlebenden, darunter Matsushita, wurden in die Volksbefreiungsarmee eingegliedert. Er hatte nun allerdings das Gl\u00fcck, dass ihn die Chinesen als Japaner hinter der Front einsetzten, wo er S\u00fc\u00dfkartoffeln als Proviant kultivierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erlebte er das Kriegsende. Bevor er sich aber um seine Repatriierung k\u00fcmmern konnte, brach der Koreakrieg aus, und Mao schickte 2 Millionen&#8220;Freiwillige&#8220;, um die Amerikaner zur\u00fcckzutreiben. Matsushita \u00fcberquerte mit der 58. Division im Dezember das Eis des Yalu und nahm mit ihr an dem blutigen Gemetzel am Chosin Reservoir teil, wo es den Chinesen gelang, die Amerikaner zur\u00fcckzutreiben. Die Verluste der Chinesen waren furchtbar, wobei die meisten in der eisigen K\u00e4lte erfroren waren. Anschlie\u00dfend r\u00fcckten die Chinesen weiter vor, aber die Versorgungslage war katastrophal. Es gab kaum zu essen, wenig Ausr\u00fcstung; manchmal teilten sich mehrere Soldaten einen alten japanischen Karabiner. Dazu kam die schreckliche K\u00e4lte und die erdr\u00fcckende Luft\u00fcberlegenheit der Amerikaner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matsushita, der Japaner, der in Korea unter chinesischer Flagge gegen Amerikaner k\u00e4mpfte, hatte irgendwann genug und desertierte wieder. Es kann nicht leicht gewesen sein, aber er schaffte es, sich ohne Ortskenntnis in dem verw\u00fcsteten Land zwischen chinesischen Patrouillen nach S\u00fcden durchzuschlagen. Im Mai 1951 ergab er sich in der N\u00e4he von Seoul den Amerikanern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"405\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/matsushita_kazutoshi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5000\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Matsushita Kazutoshi<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er kam als &#8222;Prisoner Number 600,001&#8220; in eines der gro\u00dfen Lager (6 bedeutete Japaner, wovon er der einzige war und blieb). Da niemand etwas mit ihm anzufangen wusste, gelang es ihm erst nach fast einem Jahr mit Hilde des Roten Kreuzes Kontakt mit seiner Familie in Japan aufzunehmen. Diese hatte ihn l\u00e4ngst f\u00fcr tot gehalten. Nun erschienen \u00fcber den verlorenen Sohn aber Artikel in Zeitungen und Politiker setzten sich publikumswirksam f\u00fcr ihn ein, so dass er im August 1954 &#8211; 10 Jahre nachdem er angeblich an der Front gefallen war &#8211; endlich in sein heimatliches Dorf zur\u00fcckkehren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich sind die Schicksale von Yoshinori Chiba und Matsushita Kazutoshi au\u00dfergew\u00f6hnlich, sie zeigen aber, dass den Kriegsgefangenen meistens gar keine Wahl blieb; nach ihrer ideologischen Einstellung wurde bestenfalls rhetorisch gefragt. Der Milit\u00e4rdienst war f\u00fcr sie in allererster Linie eine \u00dcberlebensfrage. Auch die Zahlen sind recht beachtlich. Man sch\u00e4tzt, dass auf Seiten der KMT<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">an die 100.000 Japaner gek\u00e4mpft haben, bei den Kommunisten etwa 8-10.000, und einige davon haben unter den chaotischen Verh\u00e4ltnissen sicher mehrmals die Fronten gewechselt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Methode Kriegsgefangene als S\u00f6ldner zu verwenden l\u00e4sst sich bereits f\u00fcr die Pharaonen und andere fr\u00fche Hochkulturen belegen. Sie wurde in der Geschichte praktisch immer verwendet, wenn der Milit\u00e4rdienst nicht ausdr\u00fccklich mit sozialen Privilegien verbunden war. Im Absolutismus war das &#8222;Unterstecken&#8220; aber auch der Verkauf gefangener S\u00f6ldner eine wesentliche Rekrutierungsmethode. Allerdings kamen diese Praktiken dann mit dem Nationalismus und dem gro\u00dfen Kult ums Vaterland etwas aus der Mode. Wenn der Bedarf an &#8222;Menschenmaterial&#8220; aber gro\u00df genug war, griff man immer wieder gerne auf diese altbew\u00e4hrte Methode zur\u00fcck. So dienten im Russischen B\u00fcrgerkrieg Zehntausende ehemalige Kriegsgefangene auf beiden Seiten, in Hitlers Ostlegionen fast eine Million, und der Pragmatiker Churchill lie\u00df bereits im Mai 1945 Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Angriff auf die Sowjetunion entwickeln, f\u00fcr den 10 Divisionen deutscher Kriegsgefangener verwendet werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Literatur:<\/strong><br><br>Gillin, Donald G. und Charles Etter<br>  Staying On: Japanese Soldiers and Civilians in China, 1945-1949<br>  The Journal of Asian Studies, Vol. 42, No. 3 (May, 1983), pp. 497-518<br><br>Morris-Suzuki, Tessa<br>  Prisoner Number 600,001: Rethinking Japan, China, and the Korean War 1950-1953<br>  The Journal of Asian Studies, Vol. 74, No. 2 (MAY 2015), pp. 411-432<br><br>Dreyer, Edward L.<br>  China at War 1901\u20131949<br>  1995<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>die Japaner im B\u00fcrgerkriegs-China.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5003,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[132,8],"tags":[133,290,115],"class_list":["post-4990","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-20-jahrhundert","category-artikel","tag-china","tag-japaner","tag-kriegsgefangene"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Umworbene Feinde - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/umworbene-feinde\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Umworbene Feinde - Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"die Japaner im B\u00fcrgerkriegs-China.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/umworbene-feinde\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php\/?id=100078852462894\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2025-12-15T14:32:22+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-12-15T14:32:23+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/japaner-ft.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"admin\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"admin\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"10\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/umworbene-feinde\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/umworbene-feinde\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"admin\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/388b4cee2eb722fc8a240bd0191d3ed8\"},\"headline\":\"Umworbene Feinde\",\"datePublished\":\"2025-12-15T14:32:22+00:00\",\"dateModified\":\"2025-12-15T14:32:23+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/umworbene-feinde\\\/\"},\"wordCount\":2018,\"commentCount\":2,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#organization\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/umworbene-feinde\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2025\\\/12\\\/japaner-ft.jpg\",\"keywords\":[\"China\",\"Japaner\",\"Kriegsgefangene\"],\"articleSection\":[\"20. 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