{"id":4950,"date":"2025-12-15T14:27:17","date_gmt":"2025-12-15T14:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4950"},"modified":"2025-12-15T14:31:19","modified_gmt":"2025-12-15T14:31:19","slug":"heinrich-von-kastilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/heinrich-von-kastilien\/","title":{"rendered":"Heinrich von Kastilien"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">und die Schlacht bei Tagliacozzo (1268).<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"580\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/konradin.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4957\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/konradin.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/konradin-300x435.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Konradins Hinrichtung. Romantische Darst,<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Schlacht bei Tagliacozzo (1268) absolut nichts an den bestehenden Verh\u00e4ltnissen \u00e4nderte, fand sie nie viel Beachtung in Geschichtsb\u00fcchern. Wahrscheinlich w\u00e4re sie vollst\u00e4ndig vergessen worden, wenn nicht kurz darauf der Unterlegene, der sechzehnj\u00e4hrige Konradin, der letzte Staufer enthauptet worden w\u00e4re. Der tragische Tod des naiven (man nannte es Tr\u00e4umer) J\u00fcnglings entfachte vor allem die Fantasie der Romantiker; und so gibt es zahlreiche Darstellungen wie er von treuen Freunden abschied nimmt und tapfer das Blutger\u00fcst in Neapel besteigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00e4sst man sich jedoch von diesem R\u00fchrst\u00fcck nicht ablenken, und konzentriert sich statt dessen auf die Zusammensetzung der Streitkr\u00e4fte, so kann man leicht interessante Ver\u00e4nderungen entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Konradin 1267 nach Italien zog, um die Krone von Sizilien zu erobern, war von den beeindruckenden Feudalaufgeboten, die seine Vorfahren angef\u00fchrt hatten, so gut wie nichts geblieben. Konradin musste seine Truppen bezahlen und hatte dazu fast seinen gesamten Besitz verkauft oder verpf\u00e4ndet. Auch die italienischen Ghibellinen hatten Geld geschickt. Vielen seiner Gefolgsleute gen\u00fcgte eine Anfangszahlung, da sie sich Hoffnung machten, vom k\u00fcnftigen K\u00f6nig von Sizilien nach dem Sieg reich belohnt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch S\u00f6ldner m\u00fcssen essen, und da man in verb\u00fcndeten St\u00e4dten nicht pl\u00fcndern konnte, fand der Romzug bereits in Verona ein vorl\u00e4ufiges Ende. W\u00e4hrend Konradin Bettelbriefe schrieb, verkauften viele seiner M\u00e4nner Waffen und Pferde und machten sich entt\u00e4uscht auf den Heimweg. Sein Onkel der Wittelsbacher Herzog Ludwig und sein Stiefvater Graf Meinhard von G\u00f6rz, die ihn mit gro\u00dfem Gefolge begleitet hatten, setzten sich ebenfalls ab, nachdem sie ihn um seine letzten Besitzungen erleichtert hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem nach Monaten von den italienischen Ghibellinen endlich etwas Geld eingetroffen war und der Marsch wieder aufgenommen werden konnte, waren von dem einst pr\u00e4chtigen Heer, das auf bis 10.000 Mann gesch\u00e4tzt worden war, noch etwa 3.000 \u00fcbrig. Die Verbliebenen hatten im Reich wahrscheinlich bestenfalls Schulden hinterlassen und ihre Zukunft und ihre Hoffnungen v\u00f6llig mit dem Schicksal des jungen Staufers verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am deutlichsten wird der S\u00f6ldnercharakter von Konradins Unternehmen jedoch in der Person von Heinrich von Kastilien. Man k\u00f6nnte ihn mit gutem Recht als den ersten Condottiere bezeichnen, als einen dieser selbstst\u00e4ndigen Kriegsunternehmer, die offiziell erst ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter mit Roger die Flor und Werner von Urslingen auf der B\u00fchne der europ\u00e4ischen Geschichte erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Sohn des kastilischen K\u00f6nigs Ferdinand III. und dessen Frau Beatrix von Schwaben \u2013 einer Tochter des deutschen K\u00f6nigs \u2013 geh\u00f6rte er zum h\u00f6chsten Adel des Abendlandes. Bereits in jungen Jahren zeichnete er sich in den K\u00e4mpfen der Reconquista aus. Nachdem jedoch sein Vater gestorben war und sein \u00e4lterer Bruder als Alfons X. die Regierung \u00fcbernommen hatte, kam es mit diesem zum Streit \u00fcber das Erbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Jahre versch\u00e4rfte sich der Konflikt, bis Heinrich 1255 zusammen mit anderen unzufriedenen Adligen offen rebellierte. Nach ersten Erfolgen wurden die Rebellen jedoch geschlagen und Heinrich musste ins Exil. Er floh an den Hof des englischen K\u00f6nigs Heinrich III., dessen Sohn, der sp\u00e4tere Eduard I. mit seiner Halbschwester verheiratet war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In England war er jedoch zur Unt\u00e4tigkeit gezwungen und v\u00f6llig von der Gunst der K\u00f6nigs abh\u00e4ngig. Erst als 1257 Abgesandte des Papstes einem j\u00fcngeren Sohn Heinrich III. die K\u00f6nigskrone von Sizilien anboten, schien er der geeignete Mann um englische Truppen nach Italien zu f\u00fchren. Doch dann wurde das Projekt wegen eines Aufstands in Wales aufgegeben. Er reiste nun nach Aragon um dort Unterst\u00fctzung gegen seinen Bruder zu finden. Mit einigen alten Getreuen und katalanischer Hilfe versuchte er noch einmal in Kastilien Fu\u00df zu fassen, wurde aber wieder geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"488\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/moslems-christen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4958\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/moslems-christen.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/moslems-christen-300x366.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Suche nach einem sicheren Exil \u2013 in Aragon wagte man es nicht mehr in aufzunehmen &#8211; fiel sein Blick auf Nordafrika, wo S\u00f6ldner aus dem christlichen Abendland als schwere Kavallerie besonders gesch\u00e4tzt wurden. Die Almohaden in Marokko und die Hafsiden in Ifr\u012bqiya (etwa das moderne Tunesien) zahlten sehr gut und waren seit langem ein sicherer Hafen f\u00fcr Abenteurer, fl\u00fcchtige Kriminelle und Verbannte von der iberischen Halbinsel und S\u00fcditalien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heinrich trat in den Dienst von al-Mustansir, der als Kalif der Hafsiden in Tunis herrschte. Man kann annehmen, dass einige seiner getreuesten Gefolgsleute aus Kastilien gleich mit ihm gereist oder kurz darauf gefolgt waren. Sein Bruder Friedrich traf jedenfalls ungef\u00e4hr zu gleichen Zeit in Tunis ein. Es ist nicht klar, ob er ebenfalls in Heinrichs Verschw\u00f6rungen verwickelt war oder ob er nur nach einer neuen Chance suchte. Er hatte vorher vergeblich versucht das Erbe seiner staufischen Mutter zu reklamieren; anschlie\u00dfend waren seine Heiratspl\u00e4ne mit einer Tochter des K\u00f6nigs von Norwegen gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Br\u00fcder waren Prinzen im Exil. Von ihrer hohen Herkunft waren ihnen einige Gefolgsleute und ein unb\u00e4ndiger Ehrgeiz geblieben. Irgendwie mussten sie versuchen \u00fcber Verwandtschaft, Heirat oder einfach mit dem Schwert ihr Gl\u00fcck zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Tunis wurde Heinrich vom Kalifen wie ein F\u00fcrst empfangen und bewirtet. Er wurde Befehlshaber der christlichen Miliz, in der traditionell viele Katalanen dienten, die aber nun durch sein eigenes Gefolge aus Kastiliern verst\u00e4rkt wurden. Zusammen mit dem Bruder des Kalifen f\u00fchrte er dann eine gro\u00dfe gemischte Armee ins Landesinnere um die rebellische Stadt Miliana zu unterwerfen. Er scheint dort reiche Beute gemacht zu haben. Diesen Gewinn und die betr\u00e4chtlichen Belohnungen des Kalifen investierte er in Tunis in den Handel mit genuesischen Kaufleuten. Dabei wurde er anscheinend richtig reich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch allein mit Reichtum und einer privilegierten Stellung am Hof, war ein Mann seiner Herkunft nicht zufrieden zu stellen. Es muss ihm deshalb als ganz gro\u00dfe Chance erschienen sein, als der Kampf um Sizilien in eine neue Phase trat. Dem Papst war es endlich gelungen Karl von Anjou, den j\u00fcngeren Bruder des K\u00f6nigs von Frankreich, dazu zu bewegen, die Krone von Sizilien anzunehmen. Bei dem zu erwartenden Kampf zwischen dem regierenden K\u00f6nig Manfred von Hohenstaufen und Karl von Anjou suchten beide Parteien nach Verb\u00fcndeten und warben S\u00f6ldner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kastilischen Prinzen waren als erfahrene S\u00f6ldnerf\u00fchrer mit eigenen Truppen f\u00fcr beide Seiten \u00e4u\u00dferst interessante Kandidaten. Au\u00dferdem waren sie sowohl mit Karl von Anjou &#8211; seine Mutter war ihre Gro\u00dftante Blanca von Kastilien &#8211; und mit den Staufern Manfred und Konradin \u00fcber ihre eigene Mutter Beatrix von Schwaben relativ eng verwandt und konnten alle Kontrahenten als &#8222;Vettern&#8220; bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Friedrich schloss sich Manfred an. Man kann bezweifeln, dass er dies wegen der staufischen Familienbeziehungen tat, da er bei einem fr\u00fcheren Italienaufenthalt w\u00e4hrend seiner Erbstreitigkeiten schon mal in guelfische Lager gedient hatte. Wahrscheinlich hatte er von Manfred einfach das bessere Angebot erhalten. M\u00f6glicherweise spielten auch die engen Beziehungen zwischen den Hafsiden in Tunis und den sizilischen Staufern eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heinrich hatte dagegen gr\u00f6\u00dferes vor, als seine Truppen an Manfred zu vermieten und daf\u00fcr eine Grafschaft in S\u00fcditalien zu erhalten. Er wollte ein eigenes F\u00fcrstentum, am besten ein K\u00f6nigreich, und genau das hatte ihm Karl von Anjou in Aussicht gestellt. Er hatte ihm zugesichert sich beim Papst daf\u00fcr einzusetzen, ihm nach dem Sieg die Insel Sardinien als Lehen zu geben. Mit der Hoffnung auf eine eigene Krone unterst\u00fctzte Heinrich also Karl von Anjou mit Truppen vor allem aber mit viel Geld, das dringend ben\u00f6tigt wurde um Karls franz\u00f6sische S\u00f6ldner zu bezahlen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Manfred in der Schlacht von Benevent (1266) gefallen war und Karl von Anjou triumphierend als K\u00f6nig in Neapel eingezogen war, hoffte Heinrich auf die ihm versprochene Belohnung. Doch Karl von Anjou war inzwischen entschlossen Sardinien seinem eigenen Reich einzuverleiben und beeinflusste den Papst in dieser Richtung. Nat\u00fcrlich dachte er auch nicht daran die immensen Summen, die er sich von Heinrich geliehen hatte, zur\u00fcckzuzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zutiefst verletzt zog Heinrich mit seinem Gefolge nach Rom, wo es ihm dank seines Geldes gelang, als Senators \u2013 Leiter der weltlichen Stadtverwaltung \u2013 gew\u00e4hlt zu werden. Auf Rache sinnend nahm er Verbindung zum ghibellinischen Lager auf, wo heimlich an einem Aufstand gegen Karl von Anjou und seine Franzosen gearbeitet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfe Hoffnung der Ghibellinen war Konradin, der als Enkel und einziger legitimer Erbe des Stauferkaisers Friedrich II. Anspruch auf die Krone Siziliens erheben konnte. Boten wurden nach Schwaben geschickt, um den jungen Staufer mit Geld und Versprechungen zum Aufbruch zu bewegen. Unter Konradins italienischen Verb\u00fcndeten kam Heinrich eine entscheidende Position zu. Er war nicht nur ein erfahrener Feldherr mit eigenen Truppen, sondern er kontrollierte auch Rom, das f\u00fcr den Weg nach Neapel von allergr\u00f6\u00dfter Bedeutung war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Konradin im Juli 1268 mit seinem Heer in Rom eintraf, wurde er von Heinrich mit gro\u00dfem Pomp empfangen und aufs beste bewirtet. In Rom wurde Konradins Heer noch einmal durch zahlreiche Freiwillige verst\u00e4rkt. Vor allen Dingen aber schloss sich ihm Heinrich selbst mit seinem Gefolge an. Dabei handelte es sich um 300 kampferprobten Spanier, von denen viele schon unter Heinrich in Nordafrika gek\u00e4mpft hatten. Diese M\u00e4nner waren alle professionelle S\u00f6ldner und man kann sie zweifelsohne als die Elitetruppe des gesamten Heers bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"445\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/tagliacozzo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4959\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/tagliacozzo.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/tagliacozzo-300x267.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach mehreren Wochen in Rom verlie\u00df das verst\u00e4rkte Heer Rom und \u00fcberquerte den Apennin nach Osten. Man wollte sich vor der entscheidenden Schlacht erst mit den Rebellen in Apulien vereinen. Karl von Anjou war aber durch Spione \u00fcber die Route unterrichtet und zog seinen Gegnern entgegen. Er wollte sie abfangen, bevor sie Apulien erreichen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der N\u00e4he der Ortschaft Tagliacozzo trafen die beiden Heere dann aufeinander. Karl verf\u00fcgte \u00fcber etwas mehr als 3.000 Berittene, mit denen er auf einer Ebene hinter einem Bach Stellung bezogen hatte. Er teilte sie in drei Treffen. Das erste unter der F\u00fchrung des franz\u00f6sischen Marschalls Henri de Courances bestand aus Provencalen und italienischen Guelfen. Henri de Courances trug au\u00dferdem Karls Wappen \u2013 das Lilienemblem &#8211; auf Schild und Waffenrock, so dass ihn die Gegner f\u00fcr den K\u00f6nig halten mussten. Das zweite Treffen bestand haupts\u00e4chlich aus franz\u00f6sischen S\u00f6ldnern. Im dritten Treffen, das Karl selbst kommandierte, hatte er seine erfahrensten und zuverl\u00e4ssigsten Ritter zusammengefasst. Mit diesen zog er sich in einiger Entfernung hinter einen H\u00fcgel zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Staufer hatten ihr Heer in drei Treffen gegliedert. Im ersten standen die Deutschen und die Ghibellinen aus der Toskana. Das zweite bildete Heinrich von Kastilien mit seinen spanischen S\u00f6ldnern und den r\u00f6mischen Ghibellinen. Im dritten und letzten befanden sich der junge Konradin und seine Leibwache. Die Staufer waren an Zahl etwas \u00fcberlegen, und \u00fcbersch\u00e4tzten den Unterschied noch weiter zu ihren Gunsten, da sie von Karls versteckter Reserve nichts wussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zusammensto\u00df der beiden Heere wurde aber zuerst durch den Bach verhindert. Wegen der steilen B\u00f6schung wagten es die Staufer nicht, ihn zu \u00fcberqueren, und so kam es nur an der Holzbr\u00fccke zu einzelnen Scharm\u00fctzeln. W\u00e4hrend sich die Aufmerksamkeit beider Seiten also auf die Ereignisse an der Br\u00fccke konzentrierte, f\u00fchrte Heinrich sein Treffen weiter bachabw\u00e4rts, wo er den Bach, von Buschwerk am Ufer verdeckt, unbemerkt \u00fcberqueren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die an der Br\u00fccke wartenden Franzosen wurden vom Flankenangriff Heinrichs v\u00f6llig \u00fcberrascht und zur\u00fcckgeworfen. Heinrich sah endlich die Stunde der Vergeltung gekommen und warf sich auf Henri de Courances, den er f\u00fcr Karl von Anjou hielt. Er schlachtete seinen Gegner regelrecht ab, und seine M\u00e4nner verst\u00fcmmelten anschlie\u00dfend noch die Leiche. W\u00e4hrenddessen hatten die restlichen Truppen der Staufer die Gelegenheit genutzt und den Bach \u00fcberquert. Dem konnten die Franzosen nicht standhalten, und bald flohen ihre zerschlagenen Reste nach Norden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl hatte wahrscheinlich geplant, dass seine ersten Treffen die Staufer durch eine vorget\u00e4uschte Flucht im aufgel\u00f6ster Formation an seinem Hinterhalt vorbeif\u00fchren sollten. Doch inzwischen konnte von einer vorget\u00e4uschten Flucht nicht mehr die Rede sein. Seine ersten beiden Treffen waren v\u00f6llig geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Heinrich, der den Feind vernichten wollte, mit seinen M\u00e4nnern die Fl\u00fcchtenden verfolgte, waren die anderen Staufer von ihren Sieg v\u00f6llig \u00fcberzeugt. Sie stiegen von ihren Pferden und begannen zu pl\u00fcndern, wobei sich vor allem die Deutschen hervorgetan haben sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl von Anjou wartete eine gute Zeit, bis sich die Verfolger weit vom Schlachtfeld entfernt hatten und die anderen sich beim Pl\u00fcndern zerstreut hatten. Als er dann mit seiner Truppe in geschlossener Formation hinter dem H\u00fcgel hervorstie\u00df, traf er die Staufer v\u00f6llig unvorbereitet. Viele wurden einfach niedergeritten oder wandten sich zur Flucht; nur dort wo sich Gruppen sammeln konnten kam es zu erbittertem Widerstand. Dennoch war die Sache relativ schnell vorbei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"430\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ritterschlacht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4960\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ritterschlacht.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ritterschlacht-300x143.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ritterschlacht-768x367.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Heinrich von Kastilien endlich die Verfolgung einstellte und seine M\u00e4nner sammelte, war der Kampf auf dem Schlachtfeld l\u00e4ngst vorbei. Er hielt die Truppen, die er dort erkennen konnte, f\u00fcr Konradins siegreiches Heer. Erst als er wieder n\u00e4her gekommen war, erkannte er seinen Irrtum. Obwohl ihm Karls Heer nun sicher zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegen war, dachte er nicht an R\u00fcckzug. Er formierte seine von der Augusthitze ersch\u00f6pften Spanier und warf sich dann auf den Feind, der ihn in guter Ordnung erwarte. Es wurde ein langer und erbitterter Kampf. Erst als Karl die Spanier durch eine Scheinflucht dazu veranlasste, ihre feste Formation aufzugeben, konnte er die Schlacht f\u00fcr sich entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verluste waren auf beiden Seiten furchtbar; die Chroniken sprechen von insgesamt 4.000 Toten. Entsprechend grausam war die Rache der Sieger. Karl lie\u00df verwundete und gefangene Staufer noch auf dem Schlachtfeld niedermachen. Heinrich von Kastilien hatte sich durchschlagen k\u00f6nnen und war entkommen. Doch er wurde wie Konradin und einige andere in den n\u00e4chsten Tagen gefangen genommen und an Karl ausgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konradin und die anderen hohen Gefangenen wurden bald darauf in Neapel \u00f6ffentlich hingerichtet. Lediglich bei Heinrich von Kastilien wurde eine Ausnahme gemacht. Das lag sicher nicht an irgendwelchen Sympathien, aber Heinrich war nun mal der Bruder des K\u00f6nigs von Kastilien, ein Vetter des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs und seine Halbschwester Leonore war die k\u00fcnftige K\u00f6nigin von England. F\u00fcr Karl von Anjou waren gute Beziehungen zu diesen K\u00f6nigsh\u00e4usern von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Also wurde Heinrich verschont, und verbrachte die n\u00e4chsten 23 Jahre im Kerker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"499\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/heinrich-kastilien.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4961\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/heinrich-kastilien.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/heinrich-kastilien-300x333.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">der alte Heinrich von Kastilien als Berater des K\u00f6nigs<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den ersten Jahren scheint die Haft relativ ertr\u00e4glich gewesen zu sein. Vor allem nachdem seine Halbschwester Leonore 1272 auf dem Weg ins Heilige Land Neapel besucht und sich f\u00fcr seine Freilassung eingesetzt hatte. Erst 1291 nachdem sein alter Feind Karl bereits mehrere Jahre tot war, wurde er endlich entlassen. Er war jetzt 61 Jahre alt. Zuerst ging er wieder an den Hof der Hafsiden in Tunis denen er als Botschafter in Aragon diente. 1295 kehrte er dann nach Kastilien zur\u00fcck, wo inzwischen sein Neffe als Sancho IV. auf dem Thron sa\u00df. Von ihm erhielt er gro\u00dfe Besitzungen und verbrachte seine letzten Jahre hoch geachtet als treuer Diener und Ratgeber der k\u00f6niglichen Familie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass das unruhige Leben eines Gl\u00fccksritters und S\u00f6ldnerf\u00fchrers wohl eher selten ein so vers\u00f6hnliches Ende fand, zeigt das Schicksal seines Bruders Friedrich. Der hatte sich, wie bereits erw\u00e4hnt zuerst dem Stauferk\u00f6nig Manfred angeschlossen und mit ihm in der ungl\u00fccklichen Schlacht von Benevent gek\u00e4mpft. Allerdings war er nach der Niederlage entkommen und wieder nach Tunis zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Tunis diente er wie mit anderen staufischen Fl\u00fcchtlingen in der christlichen Garde des Kalifen. Viele dieser Emigranten arbeiteten an einem Umsturz in Sizilien. Als Konradin dann mit seinem Heer nach Italien kam, fielen Friedrich von Kastilien mit mehreren hundert deutschen. arabischen und spanischen S\u00f6ldnern von Tunis aus in Sizilien ein. Sie k\u00e4mpften dort recht erfolgreich. Friedrich hielt mit seinen S\u00f6ldnern noch ein Jahr nach Konradins Niederlage Agrigent, bevor sie die Stadt schlie\u00dflich gegen freien Abzug nach Tunis r\u00e4umten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als dann 1270 der franz\u00f6sische K\u00f6nig Ludwig der Heilige einen Kreuzzug gegen Tunis f\u00fchrte, z\u00e4hlten Friedrich von Kastilien und viele staufische Emigranten dort zu den zuverl\u00e4ssigsten Verteidigern. Vom Papst gebannt und vom Kalifen gut besoldet k\u00e4mpften sie gegen die christlichen Kreuzritter. Friedrich diente dabei als Kriegsrat im innersten Kreis des Kalifen. Trotzdem, oder gerade wegen ihrer milit\u00e4rischen Qualit\u00e4ten, musste sich der Kalif im Friedensschluss dazu verpflichten seine christlichen S\u00f6ldner zu entlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Friedrich kehrte also nach Kastilien zur\u00fcck und vers\u00f6hnte sich dort mit seinem Bruder Alfons. Bald war er jedoch wieder an politischen Verschw\u00f6rungen beteiligt, woraufhin ihn sein Bruder 1277 heimlich hinrichten lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Literatur:<\/strong><br><br>Herde, Peter<br>Die Schlacht von Tagliacozzo<br>in: ZBLG 25 (1962); S.679ff<br><br>Lower, Michael<br>The Tunis Crusade of 1270: A Mediterranean History<br>2018<br><br>Runciman, Steven<br>Die Sizilianische Vesper<br>1959<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und die Schlacht bei Tagliacozzo (1268).<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5010,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,37],"tags":[59,111,13],"class_list":["post-4950","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-mittelalter","tag-abenteurer","tag-islam","tag-italien"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - 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