{"id":4872,"date":"2025-11-24T15:06:34","date_gmt":"2025-11-24T15:06:34","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4872"},"modified":"2025-11-24T15:06:34","modified_gmt":"2025-11-24T15:06:34","slug":"friedrich-von-chreutzpeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/friedrich-von-chreutzpeck\/","title":{"rendered":"Friedrich von Chreutzpeck"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">als Ritter, S\u00f6ldner und Pilger durch Europa und den Orient.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"615\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ritter_14jh.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4876\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ritter_14jh.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ritter_14jh-220x450.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im 14. Jahrhundert hatte sich der Solddienst so weit durchgesetzt, dass er f\u00fcr den Adel ein willkommenes Zubrot war. Viele Ritter lie\u00dfen sich von Reichsst\u00e4dten ein Ruhegeld bezahlen, wof\u00fcr sie sich verpflichteten der Stadt im Kriegsfall mit einer bestimmten Anzahl an Helmen zuzuziehen. Aber auch die F\u00fcrsten konnten nur noch mit der Heeresfolge ihrer Lehnsleute rechnen wenn sie diese mit Geld, Geschenken oder mit einem Amt bei Hofe entsch\u00e4digten. Allerdings sahen sich die Ritter immer wieder einmal mit dem Problem konfrontiert, dass es einfach keine richtige Arbeit f\u00fcr sie gab. Als echte Berufskrieger sollten sie zudem das Waffenhandwerk \u00fcben, Erfahrungen und Ehre sammeln. Jagd und Turniere waren da kein vollwertiger Ersatz. Nat\u00fcrlich widmeten sich viele der Verwaltung ihres Besitzes, nahmen gelegentlich an Turnieren teil oder an einer lokalen Fehde. Es gab allerdings auch immer unruhige Gesellen, die den Kriegen regelrecht hinterherreisten. Manche entwickelten dabei eine Mobilit\u00e4t, die selbst einem modernen Touristen einiges abverlangen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der aus dem \u00f6sterreichischen Raum stammende Dichter Peter Suchenwirt hat in seinen Ehrenreden die Rahmendaten der bekanntesten Ritter seiner Heimat \u00fcberliefert. Am weitesten herumgekommen unter seinen Helden war Friedrich von Chreutzpeck. Au\u00dfer im Reich hatte er in Preu\u00dfen, Schottland, Frankreich, Skandinavien, Italien, Spanien und Nordafrika gek\u00e4mpft, hatte mehrmals das heilige Grab in Jerusalem besucht und war von dort sogar Richtung Indien aufgebrochen. Zwei Mal wurde er in der Schlacht gefangen genommen und drei Mal schwer verwundet. Allerdings beschreibt Suchenwirt zwar ausf\u00fchrlich Chreutzpecks Wappen und einige seiner Heldentaten, die weiten Reisen bestehen dagegen oft nur aus einer reinen Aufz\u00e4hlung der verschiedenen L\u00e4nder, angereichert durch Schlachten und die Gesellschaft von K\u00f6nigen. Die bereisten L\u00e4nder dienen, wie die Schlachten, allein dazu den Ruhm des Helden zu mehren. Vieles, was den modernen Leser interessieren w\u00fcrde und wovon Chreutzpeck sicher auch erz\u00e4hlt hat, ist nicht erw\u00e4hnenswert. All die verschiedenen Schiffe, Maultier- und Kamelkarawanen, mit Ochsen und Pferden bespannten Wagenz\u00fcge, die riesigen pr\u00e4chtigen St\u00e4dte, V\u00f6lker mit v\u00f6llig fremden Gebr\u00e4uchen, exotische Fr\u00fcchte, Gew\u00fcrze und Speisen, verschleierten Frauen, Kirchen und Moscheen, Meere, W\u00fcsten und endlose Steppen waren im kleinen \u00d6sterreich sicher ein beliebter Stoff f\u00fcr Erz\u00e4hlungen. Andersartige Waffen und Kampfmethoden m\u00fcssen das Interesse der Berufskrieger gefunden haben. Niedergeschrieben wurde nichts davon. Man erf\u00e4hrt auch nichts \u00fcber Chreutzpeck selbst, \u00fcber seine Motive, seine Gedanken und seine Erfahrungen. Dennoch wollen wir versuchen die Reisen dieses rasenden Rolands zumindest in Teilen nachzuvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name Chreutzpeck leitet sich ab von Chreuzpach, was Krebsbach bedeutet, und so f\u00fchrte die Familie auch den Krebs als Wappen und als Helmzier. Friedrich wurde um 1290 in Nieder\u00f6sterreich geboren. Erste Kriegserfahrungen sammelte er bei den K\u00e4mpfen der Wittelbacher, Luxemburger und Habsburger um die Kaiserkrone in B\u00f6hmen und Bayern. 1322 nahm er an der Schlacht von M\u00fchldorf teil, die als eine der gr\u00f6\u00dften des Sp\u00e4tmittelalters gilt. Hier geriet er zusammen mit Friedrich dem Sch\u00f6nen in Gefangenschaft. Wieder in Freiheit zog er zwei Jahre sp\u00e4ter mit Friedrichs Bruder Otto nach Italien, wo die Habsburger mit den della Scala von Verona um Friaul k\u00e4mpften. In Italien machte er dann richtig Bekanntschaft mit dem freien S\u00f6ldnermarkt, vielleicht weil die Habsburger wie so oft den Sold schuldig blieben oder einfach weil ihn das Unbekannte lockte. Jedenfalls k\u00e4mpfte er kurz darauf unter dem florentiner Condottiere Cardona gegen Mailand. In der blutigen Schlacht von Altopascio, soll er tapfer das eigene Banner verteidigt haben, bis sein Pferd erschlagen wurde und er sich bedeckt mit f\u00fcnfzehn Wunden gefangen geben musste. Dieses Mal wechselte er direkt aus der Gefangenschaft in die Reihen der Sieger, denn bald zog er mit den Visconti gegen das p\u00e4pstliche Bologna. F\u00fcr Chreutzpeck hat es sich wahrscheinlich gelohnt, denn vor Bologna wurde nicht nur ein gro\u00dfer Sieg erfochten, sondern mit der Eroberung des feindlichen Lagers auch reichlich Beute gemacht. Nach einigen weiteren Fehden im Jahr 1326 kehrte er dann in die Heimat zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"520\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/muehldorf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4900\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/muehldorf.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/muehldorf-300x195.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/muehldorf-768x499.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schlacht bei M\u00fchldorf 1322, an der auch Chreutzpeck teilnahm<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dort k\u00e4mpfte er dann wieder mit den Habsburgern gegen K\u00f6nig Johann von B\u00f6hmen, der die Gebiete n\u00f6rdlich der Donau verw\u00fcstete. Das hielt ihn aber nicht davon ab, sich 1328 eben diesem Johann bei seinem Zug nach Preu\u00dfen anzuschlie\u00dfen. F\u00fcr einen richtigen Ritter war die Teilnahme an einem dieser sp\u00e4ten Kreuzz\u00fcge ein absolutes muss, denn hier im Kreise illustrer Namen und im Kampf gegen die Heiden, war zwar nicht viel Beute, daf\u00fcr aber umso mehr Ehre zu gewinnen. Viele dieser Kriegsz\u00fcge fanden im Winter statt, da nur in dieser Zeit die zahlreichen Fl\u00fcsse und S\u00fcmpfe in Preu\u00dfen und Litauen gut passierbar waren. Dann veranstalteten die Kreuzritter ihre Heidenjagden, brannten D\u00f6rfer nieder und lie\u00dfen sich von Gefangenen zu den Verstecken ihrer Landsleute f\u00fchren. Es war ein grausamer, schmutziger Kleinkrieg, bei dem ein gut ausger\u00fcstetes Ritterheer au\u00dfer den Unbilden des Wetters keine gro\u00dfen Gefahren zu f\u00fcrchten hatte. Wenn dann auch noch die Einnahme einer Festung gelang oder sich einer der Einheimischen F\u00fcrsten durch den Terror m\u00fcrbe gemacht zur Taufe bereit erkl\u00e4rte, wurde dies als gro\u00dfer Sieg gefeiert. Der Hochmeister des Deutschen Ritterordens wusste, was er seinen G\u00e4sten schuldig war, und so wurden diese nach getaner Arbeit mit zahlreichen Feiern und zeremoniellen Festen auf der Marienburg entsch\u00e4digt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Kreuzzuges hatte sich Chreutzpeck anscheinend K\u00f6nig Johanns Gunst erworben, denn er durfte ihn anschlie\u00dfend nach Frankreich begleiten, wo er in Tours an einem gl\u00e4nzenden Turnier teilnahm. Nach einem kurzen Abstecher in die Heimat, wo wieder einmal gegen B\u00f6hmen und Ungarn gek\u00e4mpft werden musste, zog er gleich weiter an den Hof K\u00f6nig Roberts von Neapel, &#8222;da gesagt wurde, dass sich das Land in offenem Krieg befinde.&#8220; Doch kaum war er eingetroffen, wurde Frieden gemacht. Chreutzpeck freundete sich daraufhin mit einem Franzosen an, der offensichtlich wie er auf Arbeitssuche war, und fuhr mit ihm nach Spanien. Doch leider kamen sie auch dort zu sp\u00e4t. Da sich im Moment kein Krieg finden lie\u00df, beschloss Chreutzpeck etwas f\u00fcr sein seelisches Heil zu tun und machte sich mit dem Schiff auf die Reise nach Jerusalem. Er besuchte dort das heilige Grab und au\u00dferdem noch das Katharinenkloster auf dem Sinai. Der Orient muss ihm gefallen haben, denn er zog weiter nach Babylon, womit wahrscheinlich Bagdad gemeint war. Wahrscheinlich schloss er sich dazu einer Karawane von Kaufleuten an, die so einen erfahrenen Haudegen als Begleitschutz sicher gerne mitnahmen. Aber auch in Babylon lie\u00df ihn das Fernweh nicht los und er machte sich auf den Weg nach Indien, ein Land, das in Europa bestenfalls durch Legenden bekannt war. Man sollte nicht glauben, dass Chreutzpeck so naiv war und dachte er k\u00f6nne in Indien mit Drachen k\u00e4mpfen und Jungfrauen befreien. Dazu war er inzwischen viel zu weit gereist und zu welterfahren. Aber St\u00e4dte wie Damskus oder Bagdad m\u00fcssen ihm im Vergleich zu den mitteleurop\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten wie M\u00e4rchenwelten erschienen sein. Er sah den Reichtum der Kaufleute, den Schmuck, die kostbaren Stoffe und die Gew\u00fcrze in den Basaren und er h\u00f6rte die Erz\u00e4hlungen der Kaufleuteie, wo alle diese Sch\u00e4tze herkamen. Vielleicht ging ihm dabei dasselbe durch den Kopf, wie einem S\u00f6ldner im 17. Jahrhundert, der Hammer und Mei\u00dfel mit nach Indien nehmen wollte, &#8222;da\u00df man darmit solle die Diamnant von den Klippen kriegen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"304\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/karawane.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4902\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/karawane.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/karawane-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber dieses Mal hatte er kein Gl\u00fcck. Auf dem Weg nach Osten verlie\u00df er den sicheren Herrschaftsbereich der Ilchane und kam in ein Gebiet, wo zahlreiche Kleinf\u00fcrsten und R\u00e4uberbanden die Stra\u00dfen unsicher machten. Die Karawane, mit der er reiste, wurde \u00fcberfallen und er kam in Gefangenschaft. Wahrscheinlich wussten die R\u00e4uber nicht so recht, was sie mit diesem landfremden Abenteurer anfangen sollten: in der W\u00fcste aussetzen, erschlagen oder als Sklave verkaufen. Sechs Monate soll er in Gefangenschaft gewesen sein und dabei jeden Tag um sein Leben gebangt haben. Also betete er in seiner Not jeden Tag zu Maria und gelobte bis ans Ende seines Lebens sechs Tage die Woche zu fasten. Schlie\u00dflich hatte der Herr ein Einsehen und es kamen Kaufleute, die ihn freikauften. Diese begleitete er auf einigen Reisen, bis sie ihm Geld f\u00fcr eine Fahrt nach Venedig liehen. Wahrscheinlich konnte er dort \u00fcber deutsche Kaufleute oder \u00f6sterreichische Soldritter seine Schulden mit einem neuen Wechsel begleichen. Jedenfalls schloss er sich in Venedig einer Gruppe von S\u00f6ldnern an, die zum Kriegsdienst nach Armenien zogen. Als die K\u00e4mpfe in Armenien zu Ende waren, fuhr er wieder kurz nach Jerusalem und weiter nach Zypern und Konstantinopel, beides Orte an denen Ritter als Schwerbewaffnete gesch\u00e4tzt wurden. In Konstantinopel f\u00fcr den Kleinkrieg gegen T\u00fcrken, Bulgaren und rebellische Adlige; in Zypern f\u00fcr den Kaperkrieg gegen t\u00fcrkische Galeeren.<\/p>\n\n\n\n<p>Chreutzpecks Biograph berichtet lediglich, dass sich seine M\u00fche und Not dort gelohnt haben und er sich viel Lob erworben habe. Also m\u00fcssen Sold und Beute gut gewesen sein. Chreutzpeck verlie\u00df nun den Osten und machte sich wieder auf den Weg nach Norden. Mit dem Schiff fuhr er nach Kaffa auf der Krim und von dort zog er auf dem Landweg weiter durch Litauen und Polen nach Livland, wo er wieder einmal zu einem Kriegszug gegen die Heiden richtig kam. Dort h\u00f6rte er dann anscheinend, dass K\u00f6nig Magnus von Schweden zu einem gro\u00dfen Kriegszug gegen Novgorod r\u00fcstete. Dazu war auch eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe deutscher Soldritter unter Graf Heinrich von Holstein angeworben worden. Bei diesem Unternehmen des Jahres 1348 gelang zwar die Einnahme von Orekhov. Doch als der K\u00f6nig danach abgezogen war, fiel der Festung im kommenden Winter. Aber da waren die deutschen S\u00f6ldner bereits l\u00e4ngst wieder zu Hause oder wie Chreutzpeck auf der Suche nach neuen Abenteuern. Denn er fuhr nun \u00fcber Norwegen und Schottland nach England, wo der K\u00f6nig Verwendung f\u00fcr in hatte. Er beteiligte sich an einem Feldzug nach Irland und k\u00e4mpfte in einer Seeschlacht gegen spanische Schiffe. \u00dcber Holland reiste er dann nach Rom und anschlie\u00dfend wieder mal kurz in die Heimat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"549\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/christen-moslems.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4904\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/christen-moslems.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/christen-moslems-300x275.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christen und Moslems im selben Heer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bleiben wollte er allerdings nicht. Als erfahrener Ritter begleitete er 1351 K\u00f6nig Ludwig von Ungarn auf einem Kriegszug nach Preu\u00dfen. Wieder besuchte er Skandinavien und zog dann \u00fcber Holstein, Holland und Frankreich nach Spanien, wo er gegen die Mauren von Granada k\u00e4mpfte. Anschlie\u00dfend fuhr er von Valencia \u00fcber Mallorca und Sardinien nach Tunis. Die Moslems in Tunis nahmen die schweren Reiter aus Spanien gerne in Sold. Dass Chreutzpeck ebenfalls dort gedient hat ist sehr wahrscheinlich. Suchenwirt schreibt dezent, man h\u00e4tte ihn dort &#8222;mit Ehren&#8220; gesehen, was eigentlich nur so zu interpretieren ist. Allgemein galt es nicht als unehrenhaft Moslems zu dienen, so lange man dabei gegen andere Moslems k\u00e4mpfte, wurde es sogar als eine Art des Heidenkampfes akzeptiert. Wenn das Geld stimmte, hatte jedenfalls niemand etwas daran auszusetzen.<br><br>Trotzdem fragt sich der moderne Leser, was ihn wohl getrieben haben mag. Immerhin muss er inwischen ungef\u00e4hr sechzig Jahre alt gewesen sein und es geh\u00f6rte sicher mehr als eine Pferdenatur dazu, sowohl in der Hitze Nordafrikas oder Pal\u00e4stinas, wie auch der N\u00e4sse und K\u00e4lte Skandinaviens und des Baltikums zu reisen und zu k\u00e4mpfen. Obwohl die K\u00e4mpfe in Suchenwirts Lobrede im Mittelpunkt stehen, war der Tod in der Schlacht sicher das mit Abstand geringste Risiko. Gef\u00e4hrlicher waren da schon \u00dcberf\u00e4lle auf den endlosen Stra\u00dfen, oder ein Dolchsto\u00df beim W\u00fcrfelspiel in einer der Absteigen, die er auch immer wieder aufgesucht haben muss. Die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Gefahr waren jedoch die Krankheiten. Wer Reiseberichte aus sp\u00e4teren Jahrhunderten liest, kann sich eine kleine Vorstellung von den Krankheiten machen, dem verdorbenen Essen und dem stinkenden Wasser auf den Galeeren im Mittelmeer und den Koggen im Norden. Chreutzpeck wurde mehrmals im Gefecht verwundet, wie oft aber bei Schl\u00e4gereien und Unf\u00e4llen? Wie oft war er krank &#8211; Lebensmittelvergiftung, Grippe, Lungenentz\u00fcndung, Blutvergiftung, Typhus, Malaria? Wer also von Chreutzpecks gro\u00dfen Abenteuern liest, sollte auch an die vielen anderen denken, die an einer kleiner Infektionen gestorben sind, die von ihren Reisegef\u00e4hrten irgendwo am Wegrand verscharrt wurden, die ertranken, von Wegelagerern oder ausgepl\u00fcnderten Bauern erschlagen wurden, die einfach verschwanden.<br><br>Vielleicht sp\u00fcrte auch Chreutzpeck so langsam die Jahre. Denn von Tunis fuhr er \u00fcber Sizilien, S\u00fcditalien, Rhodos und Zypern ein drittes Mal nach Jerusalem und danach endg\u00fcltig in die Heimat. Verglichen mit seinen vorherigen Fahrten war diese Reise \u00fcber Konstantinopel, Bulgarien, Siebenb\u00fcrgen und Ungarn sicher eine Kleinigkeit. 1358 wurde ihm dann von Herzog Rudolf IV. das Landj\u00e4germeisteramt in \u00d6sterreich verliehen. Er hatte allerdings nicht mehr viel davon, denn 1360 ist er gestorben. Da er zwei S\u00f6hne hinterlie\u00df, muss er verheiratet gewesen sein. Allzuviel kann er sich aber weder f\u00fcr seine Frau noch f\u00fcr seine Kinder interessiert haben. F\u00fcr ihn gab es anscheinend haupts\u00e4chlich den Krieg, dem er durch ganz Europa hinterherreiste. Daneben m\u00fcssen ihn allerdings auch fremde L\u00e4nder interessiert haben, denn sonst h\u00e4tte er wie viele seiner Kollegen, st\u00e4ndig in Italien bleiben k\u00f6nnen, wo es zu dieser Zeit f\u00fcr Ritters\u00f6ldner konstant Arbeit gab. Wahrscheinlich wollte er aber nach M\u00f6glichkeit die ganze Welt bereisen, und der Kriegsdienst versorgete ihn mit dem n\u00f6tigen Kleingeld dazu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"329\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/graffiti.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4906\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">mittelalterliche Graffiti in Jerusalem (Ehlers)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Angesichts dieser f\u00fcr ihre Zeit geradezu unvorstellbaren Mobilit\u00e4t, m\u00f6gen manchem Leser Zweifel kommen, ob der gute Chreutzpeck oder sein Lobredner nicht etwas zu dick aufgetragen haben. Dabei sollte man allerdings beachten, dass Chreutzpecks Taten gemeinsam mit denen anderer ber\u00fchmter Ritter seiner Zeit gepriesen werden. Unter anderem steht er in einer Reihe mit K\u00f6nig Ludwig von Ungarn, Herzog Albrecht von \u00d6sterreich und Burggraf Albrecht von N\u00fcrnberg. Man kann sicher davon ausgehen, dass die Familien dieser Ritter eifers\u00fcchtig \u00fcber den Ruhm ihrer Angeh\u00f6rigen wachten. Zudem war Chreutzpeck sicher nur ganz selten wirklich allein. Es gab wohl kaum einen Krieg, in dem sich nicht auch noch andere Ritter aus seiner \u00f6sterreichischen Heimat tummelten. Es war \u00fcblich, dass Ritter in den Herbergen der popul\u00e4ren Reiseziele wie Venedig, Rhodos, Jerusalem ihr Wappen als Graffiti hinterlie\u00dfen. Man kann wahrscheinlich recht sicher sein, dass seine ebenfalls reise- und kriegserfahrenen Zeitgenossen darauf geachtet haben, dass nicht zu sehr \u00fcbertrieben wurde. Wer es nicht glauben wolle, solle die besten lebenden Ritter fragen, untermauert Suchenwirt deshalb auch den Wahrheitsgehalt seiner Geschichte. Zudem ist es in Anbetracht dieser Reisen m\u00fc\u00dfig, der Frage nachzugehen, ob Chreutzpeck tats\u00e4chlich drei oder nur zwei Mal am heiligen Grab war oder die Liste um das eine oder andere Land erweitert wurde.<br><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Literatur:<\/strong><br><br>Ehlers, Joachim<br>Die Ritter. Geschichte und Kultur<br>2006<br><br>Suchenwirt, Peter<br>Peter Suchenwirts Werke aus dem 14. Jahrhundert<br>hrg. von Alois Primisser<br>Wien 1827 (bei Archive)<br><br>Paravicini, Werner<br>Fahrende Ritter. Literarisches Bild und gelebte Wirklichkeit im 14. und 15. Jahrhundert.<br>in: Martina Neumeyer (Hrg.) Mittelalterliche Menschenbilder; Regensburg 2000; S.205-254<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>als Ritter, S\u00f6ldner und Pilger durch Europa und den Orient.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4875,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,114],"tags":[59,116],"class_list":["post-4872","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-renaissance","tag-abenteurer","tag-ritter"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Friedrich von Chreutzpeck - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/friedrich-von-chreutzpeck\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Friedrich von Chreutzpeck - 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