{"id":4849,"date":"2025-11-13T18:58:45","date_gmt":"2025-11-13T18:58:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4849"},"modified":"2025-11-13T18:59:35","modified_gmt":"2025-11-13T18:59:35","slug":"andrew-battel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/andrew-battel\/","title":{"rendered":"Andrew Battel"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>und seine seltsamen Abenteuer<\/strong>.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit den fr\u00fchesten Tagen der europ\u00e4ischen Entdeckung und Eroberung der Welt findet man immer wieder einzelne, manchmal sogar kleine Gruppen von Europ\u00e4ern, die auf der anderen Seite unter den &#8222;Heiden&#8220;, den &#8222;Wilden&#8220; lebten. Oft waren sie als Gefangene oder Schiffbr\u00fcchige in diese Lage geraten, aber einige hatten auch als Deserteure, Renegaten oder einfach aus Abenteuerlust diesen Weg gew\u00e4hlt. Wenn sie es schafften, die ersten Wochen oder Monate zu \u00fcberleben, gelangen einigen ganz beachtliche Karrieren. Gl\u00fcck, Sprachbegabung, K\u00f6rperkr\u00e4fte und andere Talente waren dabei immer wichtig. In den allermeisten F\u00e4llen lag die Ursache ihres Erfolges jedoch im Besitz von Feuerwaffen und der F\u00e4higkeit damit umgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Europ\u00e4ische Musketiere waren weltweit hoch begehrt. Asiatische K\u00f6nige \u00fcberh\u00e4uften sie mit Privilegien und hatten manchmal ganze Einheiten in ihrem Sold. Es gab aber auch immer Einzelne, die bei einem exotischen Stamm, einem H\u00e4uptling ihr Auskommen fanden. Meistens verschwanden sie dort, ohne Spuren zu hinterlassen. Der VOC-S\u00f6ldner Christoph Schweitzer erw\u00e4hnt fl\u00fcchtig die Deserteure, die beim &#8222;blauen Berg&#8220; in der N\u00e4he Batavias mit einheimischen Frauen lebten, und der Journalist Siegfried Genthe h\u00f6rte von dem getrockneten Kopf eines Engl\u00e4nders in der H\u00fctte eines samoanischen H\u00e4uptlings. Das war das einzige &#8222;\u00dcberbleibsel einer w\u00fcsten Gesellschaft von Beachcombers&#8220;, die in den 1830er Jahren f\u00fcr verschiedene St\u00e4mme auf Samoa gek\u00e4mpft hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"380\" height=\"552\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/jaga.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4855\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/jaga.jpg 380w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/jaga-300x436.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jaga. Zeiten\u00f6ssische Illustration<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinweise und Legenden gibt es einige, konkrete, etwas ausf\u00fchrlichere Informationen sind dagegen \u00e4u\u00dferst selten. Umso interessanter ist deshalb der Bericht des englischen Seemanns Andrew Battel, der als erster Europ\u00e4er von den als Kannibalen gef\u00fcrchteten &#8222;Jaga&#8220; oder &#8222;Imbangala&#8220; in Angola berichtete, denen er als Musketier gute Dienste geleistet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andrew Battel wurde um 1565 in Leigh in Essex geboren. Aufgewachsen in dem Fischerdorf an der Themsem\u00fcndung war es also normal f\u00fcr ihn, sein Auskommen zur See zu suchen. Er war sicher bereits ein erfahrener Seemann, als er im Fr\u00fchjahr 1589 bei Kapit\u00e4n Abraham Cocke anheuerte, der zum Rio de la Plata wollte. Es war ein Jahr nach dem Angriff der Armada und der Krieg mit Spanien war in vollem Gange. Cocke wollte wahrscheinlich die schlechter verteidigten portugiesischen Besitzungen in S\u00fcdamerika \u00fcberfallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Reise war alles andere als gut geplant. Die Engl\u00e4nder wussten zu dieser Zeit noch wenig von den Seerouten und den damit verbundenen Problemen. Bereits vor Westafrika gerieten sie in windstille Zonen, hatten Probleme mit Proviant und Wasser und Skorbut forderte die ersten Opfer. Ein Landungsversuch auf der Insel S\u00e3o Tom\u00e9 wurde von der portugiesischen Garnison abgeschlagen. Erst als sie Brasilien erreichten konnten sie sich mit Wasser und Fr\u00fcchten versorgen. Danach lauerten sie bei Buenos Aires erfolglos auf spanische Karavellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich fuhren sie wieder weiter nach Norden und schickten eine Gruppe &#8211; darunter Battel &#8211; an Land, um dringend notwendige Lebensmittel zu beschaffen. Die Gruppe wurde von Indianern \u00fcberfallen, die f\u00fcnf von ihnen gefangen nahmen. Nach diesem Misserfolg setzte Kapit\u00e4n Cocke die Segel und wurde nie wieder gesehen, wie Battel verbittert anmerkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gefangenen wurden nach Rio de Janeiro gebracht und dort den Portugiesen \u00fcbergeben. In einer spanischen Kolonie w\u00e4ren sie wahrscheinlich vor einem Tribunal der Inquisition gelandet, doch die Portugiesen waren da etwas weniger dogmatisch und gedachten das &#8222;Menschenmaterial&#8220; nutzbringender zu verwenden. Vor allem die Forts in Afrika, die bezeichnenderweise wie Gef\u00e4ngnisse &#8222;Presidios&#8220; genannt wurden, hatten einen uners\u00e4ttlichen Bedarf an Rekruten, und wurden von Portugal auch genutzt um unerw\u00fcnschte Personen zu entsorgen. Viele der Soldaten dort waren ehemalige Str\u00e4flinge, zwangsgetaufte Juden oder stammten aus den staatlichen Waisenh\u00e4usern. Ein paar englische Piraten waren da sicher nicht fehl am Platz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"902\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/battel-karte-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4858\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/battel-karte-1.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/battel-karte-1-249x450.jpg 249w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Engl\u00e4nder wurden deshalb nach ein paar Monaten mit dem n\u00e4chsten Schiff nach Luanda in Angola (damals: S\u00e3o Paulo de Luanda) transportiert. Von dort wurde Battel den Cuanza flussaufw\u00e4rts geschickt um dort in einer Garnison zu dienen. Als nach ein paar Monaten der Steuermann der Pinasse starb, mit der die Verbindung mit Luanda aufrecht erhalten wurde, musste Battel diese Aufgabe \u00fcbernehmen. Anscheinend waren brauchbare Seeleute \u00e4u\u00dferst knapp, denn nachdem er sich von einer l\u00e4ngeren Krankheit erholt hatte, wurde er vom Gouverneur beauftragt eine Pinasse nach Norden zur M\u00fcndung des Kongo zu f\u00fchren und dort Elfenbein, Palm\u00f6l und Weizen im Tauschhandel zu erwerben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er muss seine Sache gut gemacht haben, denn nun wurde er vom Gouverneur noch weiter nach Nordenm nach Loango geschickt, um dort bunte Glasperlen und Textilien gegen Elfenbein und andres zu tauschen. Die Gesch\u00e4fte gingen hervorragend, und der Gouverneur war so zufrieden, dass er Battel die Freiheit f\u00fcr seine Dienste in Aussicht stellte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser betrieb nun f\u00fcr den Gouverneur zweieinhalb Jahre Tauschhandel an der K\u00fcste, und wird dabei auch selbst ein paar Gesch\u00e4fte gemacht haben. Doch die versprochene Freilassung lie\u00df auf sich warten. M\u00f6glicherweise konnte der Gouverneur nicht so einfach Ersatz finden. Als deshalb ein holl\u00e4ndisches Schiff im Hafen lag, versteckte sich Battel mit der Hilfe einiger Holl\u00e4nder an Bord, um nach Europa zu entkommen. Leider wurde er von portugiesischen Seeleuten verraten und dann verhaftet. Anschlie\u00dfend lag er zwei Monate mit Ketten im Kerker und wartete auf seine Hinrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber in den Kolonien verzichtete man nicht gerne auf brauchbare M\u00e4nner. Also wurde er in das entlegene Fort Massangano verbannt. Er diente dort sechs, lange, &#8222;miserable&#8220; Jahre bei der Unterwerfung des Landes. Viel mehr schreibt er nicht dazu. Es waren also kleine Strafexpeditionen gegen rebellische St\u00e4mme, die Begleitung von Gesandtschaften zu H\u00e4uptlingen und K\u00f6nigen und sicher nicht zuletzt die Jagd auf Sklaven und deren Transport. Das waren endlose M\u00e4rsche durch die Buschsavanne Angolas, gl\u00fchend hei\u00dfe Sommer, Durst, Hunger und Krankheiten, denen mit Abstand die meisten S\u00f6ldner in Afrika zum Opfer fielen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Garnison bestand aus Roma, denen seit 1526 der Aufenthalt in Portugal verboten war, und die deshalb gerne in die Kolonien verschickt wurden. Dazu kamen zwangsgetaufte Moslems und portugiesische Str\u00e4flinge. Normale Portugiesen gingen nicht in die Kolonien. Und wenn doch, dann vielleicht nach Indien aber nicht nach Afrika und schon gar nicht in eines der entlegenen Forts. Eine begrenzte Dienstzeit war deshalb nicht vorgesehen; sie endete normalerweise mit dem Tod.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00f6ldner w\u00e4ren unter diesen Umst\u00e4nden schnell desertiert. Zu dieser Zeit gab es jedoch in Afrika zu den Portugiesen praktisch keine Alternative. Trotzdem war Battel nach sechs Jahren bereit, ins Unbekannte aufzubrechen. Er fand einige Gleichgesinnte und riskierte schlie\u00dflich mit vier Roma und sieben Portugiesen die Flucht. Sie schlugen sich Richtung Norden durch. Das K\u00f6nigreich Kongo scheint dabei so eine Art vages Ziel gewesen zu sein. Ob sie dort in den Dienst des K\u00f6nigs treten wollten, oder hofften irgendwann ein europ\u00e4isches Schiff an der K\u00fcste zu finden bleibt unklar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"580\" height=\"428\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/massangano.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4860\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/massangano.jpg 580w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/massangano-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fort Massangano heute<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit ihren Musketen konnten sie Angriffe der Eingeborenen abwehren oder Lebensmittel von ihnen erpressen. Doch schlie\u00dflich wurden die Portugiesen auf sie aufmerksam und verfolgten sie zu Pferde. Als ihnen dann zugesagt wurde, ihr Leben zu schonen, ergaben sie sich und wurden nach Luanda geschafft. Battel und die Roma landeten f\u00fcr Monate im Kerker; die portugiesischen Deserteure scheinen glimpflicher davongekommen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Unterwerfung Angolas lief nicht gut. Die Portugiesen hatten im Krieg mit dem m\u00e4chtigen K\u00f6nigreich Ndongo einige schwere Niederlagen einstecken m\u00fcssen. F\u00fcr eine neue Offensive hatte man aus Portugal 400 Str\u00e4flinge geschickt. Da schien es nur sinnvoll auch in Luanda die Gef\u00e4ngnisse zu leeren, und so wurde Battel wieder an die Front geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00e4mpfe waren hart. Auf portugiesischer Seite bildeten tausende einheimischer Krieger das Gros des Heeres. Die europ\u00e4ischen Musketiere waren nur eine relativ kleine Elite, die allerdings mit den gef\u00fcrchteten Feuerwaffen oft entscheidend waren. Zu Anfang k\u00e4mpften sie gegen kleinere Herrscher, die zur Unterwerfung gezwungen wurden und dann selbst Hilfstruppen stellen mussten. Sie zogen durch das Land, pl\u00fcnderten, brannten Siedlungen nieder und hatten immer wieder Gefechte, in denen sie manchmal auch schwere Verluste hatten. Nach zwei Jahren wurde Battel verletzt und zusammen mit anderen Verwundeten zur\u00fcck nach Luanda gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner Genesung wurde er wieder als Seemann verwendet, und dieses mal als Teil der Besatzung mit einem gr\u00f6\u00dferen Schiff nach S\u00fcden, nach Benguela geschickt, um dort Handel zu treiben. Sie tauschten recht erfolgreich Glasperlen und Textilien gegen Lebensmittel und Kupfer. Das ganz gro\u00dfe Gesch\u00e4ft entwickelte sich jedoch bei ihrer zweiten Fahrt. S\u00fcdlich der Flussm\u00fcndung des Cuvo sahen sie ein gro\u00dfes Heerlager. Die Fremden nannten sich &#8222;Jaga&#8220; und hatten die begehrteste aller Handelswaren zu bieten: Sklaven. Sklaven waren der eigentliche Grund f\u00fcr den aufw\u00e4ndigen Unterhalt der Kolonie Angola. Hier sollten vor allem die Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr die Zuckerplantagen in Brasilien beschafft werden, und die Jaga hatten eine Menge davon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jaga waren eine rein nomadische Kriegergesellschaft. Sie erg\u00e4nzten ihre eigenen Reihen, indem sie die Kinder der besiegten St\u00e4mme nach einem langem Training aufnahmen. Eigene, im Lager geborene Kinder wurden dagegen get\u00f6tet. Zumindest bei rituellen Zeremonien kam es zu Menschenopfern und Kannibalismus. Wenn sie eine Siedlung erobert hatten, verzehrten sie alle Vorr\u00e4te und Vieh und sicher auch einige der Unterworfenen. Trotzdem hatten sie immer eine gro\u00dfe Zahl Sklaven \u00fcbrig, wodurch sie zu idealen Gesch\u00e4ftspartnern der Portugiesen wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"540\" height=\"418\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sklaven.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4861\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sklaven.jpg 540w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/sklaven-300x232.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Battel ger\u00e4t dann auch richtig ins Schw\u00e4rmen, wie billig die Sklaven gewesen seien. Sieben Tage beluden sie ihr Schiff mit der begehrten Ware. Vor ihrer Abfahrt hatte der &#8222;Gro\u00df-Jaga&#8220;, wie ihn Battel nennt, noch eine kleine Bitte. Die Jaga ben\u00f6tigten neue Jagdgr\u00fcnde und wollten deshalb den Cuvo \u00fcberqueren, um das Reich von Benguela auszupl\u00fcndern und zu verw\u00fcsten. Doch die Krieger von Benguela hatten sich am anderen Ufer versammelt und verwehrten den Jaga die \u00dcberfahrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Portugiesen waren gerne behilflich. Von ihrem Beiboot aus unterst\u00fctzten sie dann die Jaga mit Musketenfeuer, w\u00e4hrend diese auf Fl\u00f6\u00dfen \u00fcbersetzten. Es wurde ein blutiges Gemetzel an dessen Ende die Jaga siegreich blieben. Danach lie\u00dfen sie sich in den D\u00f6rfern der Besiegten nieder. Die Portugiesen pendelten danach zwischen Luanda und den Jaga und kauften so viele Sklaven, wie sie in ihr Schiff packen konnten. Doch bei ihrer vierten Fahrt mussten sie leider feststellen, dass die Jaga weitergezogen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht bereit auf diese lukrative Quelle zu verzichten, zogen sie ihnen mit 50 Mann hinterher. Auf ihrem Weg trafen sie auf einen Stamm, der gerade dabei war, seine von den Jaga zerst\u00f6rten Siedlungen wieder aufzubauen. Mofarigosat, der H\u00e4uptling hatte sofort starkes Interesse 50 portugiesische Musketiere in seinen Dienst zu nehmen. Trotz der Verw\u00fcstungen der Jaga war der Stamm immer noch stark genug, dass sie sich seinen W\u00fcnschen nicht widersetzen konnten, und so bek\u00e4mpften sie f\u00fcr einige Monate die Feinde von Mofarigosat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Zeit verhandelten sie stets \u00fcber ihren Abzug. Sie versprachen Mofarigosat sp\u00e4ter mit Handelswaren, Waffen und noch mehr Musketieren zur\u00fcckzukehren. Schlie\u00dflich willigte Mofarigosat ein, allerdings bestand er auf einer Geisel als Garantie der Versprechungen. Nach kurzer Diskussion waren sich die Portugiesen einig, dass f\u00fcr diese Rolle nur Battel, der Engl\u00e4nder in Frage kam. Er wurde also mit reichlich Munition versehen und zur\u00fcckgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Portugiesen verschwanden auf Nimmerwiedersehen und Battel f\u00fcrchtete nach Ablauf der zugesagten Frist einige Zeit um sein Leben. Doch Mofarigosat hielt es anscheinend f\u00fcr besser, den m\u00e4chtigen Fremden nicht zu ermorden, sondern weiter zu warten. Battel hielt es schlie\u00dflich dennoch f\u00fcr besser sich abzusetzen. Er floh heimlich bei Nacht und machte sich dann auf die Suche nach den Jaga.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"668\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/kongo_krieger.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4862\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/kongo_krieger.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/kongo_krieger-269x450.jpg 269w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war wahrscheinlich nicht so schwer, der Spur ihrer Verw\u00fcstungen zu folgen. Battel traf jedenfalls nach einer l\u00e4ngeren Wanderung auf eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe von ihnen. Sie bestaunten ihn wie ein exotisches Tier, da sie noch nie einen Wei\u00dfen gesehen hatten. Anscheinend konnte er sich aber so weit verst\u00e4ndlich machen, dass er ins Lager des Gro\u00df-Jaga weitergeschickt wurde. Der empfing ihn wie einen alten Freund und erlaubte ihm, sich seinem Heer anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jaga hatten kurz zuvor eine gro\u00dfe, reiche Siedlung erobert. Battel schreibt \u00fcber die Situation: &#8222;Die Jaga blieben vier Monate an diesem Ort, mit gro\u00dfem \u00dcberfluss an Vieh, Getreide, Wein und \u00d6l, vielen Feiern mit trinken, tanzen und Festgelagen mit Menschenfleisch, was ein beeindruckendes Schauspiel war.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Battel blieb bei ihnen und erfreute sich ihrer Gastfreundschaft. Auch nachdem wie \u00fcblich alle Vorr\u00e4te aufgezehrt waren und die Jaga ihre Wanderung wieder aufnahmen, zog er mit ihnen. Er nahm in ihren Reihen an den K\u00e4mpfen teil. Schlie\u00dflich stie\u00dfen sie s\u00fcdlich des Cuanza auf einen m\u00e4chtigen Stamm, der sogar die Portugiesen zur\u00fcckgeschlagen hatte. In den K\u00e4mpfen, die sich \u00fcber Monate hinzogen, leistete ihnen Battel mit seiner Muskete hervorragende Dienste. Der Gro\u00df-Jaga war bem\u00fcht ihm jeden Wunsch zu erf\u00fcllen, da er so viele Feinde erschossen hatte. Einige Krieger hatten den Auftrag, ihn vom Schlachtfeld zu tragen, wenn er in ein zu dichtes Get\u00fcmmel geriet. Auf diese Weise retteten sie mehrmals sein Leben, wie er nicht ohne Stolz berichtet. Er scheint also nicht nur als Scharfsch\u00fctze t\u00e4tig gewesen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den K\u00e4mpfen n\u00e4herten sich die Jaga auf drei Tagesm\u00e4rsche dem portugiesischen Fort Massagano am Cuanza. Die Portugiesen schickten daraufhin eine Gesandtschaft ins Lager um Gefangene als Sklaven zu kaufen. Battel nutzte diese Gelegenheit und folgte ihnen nach Massangano. Der Gro\u00df-Jaga scheint ihm dabei keine Schwierigkeiten gemacht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ungef\u00e4hr eineinhalb Jahren Abwesenheit wurde Battel von den Portugiesen wieder umgehend ins Heer eingegliedert. Er war gerade zur rechten Zeit gekommen, denn ein neuer Gouverneur hatte gerade damit begonnen Portugals Machtbereich weiter nach Osten auszudehnen. Anscheinend sch\u00e4tzte er Battels Erfahrungen, denn er machte ihn zum Sergeanten. Nach einem l\u00e4ngeren Feldzug und weiteren blutigen Schlachten wurde schlie\u00dflich bei Cambambe ein neues Fort errichtet, zu dessen Besatzung auch Battel geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier diente er weitere zwei Jahre, bis schlie\u00dflich die Nachricht kam, dass K\u00f6nigin Elizabeth gestorben sei und ihr Nachfolger Frieden mit Spanien geschlossen habe. Battel reichte sofort eine Petition ein und bat um seine Entlassung. Die wurde genehmigt und er durfe nach Luanda reisen. Doch w\u00e4hrend er noch auf eine Transportm\u00f6glichkeit nach Europa wartete, wurde eine neue Offensive geplant; seine Entlassung wurde widerrufen und er sollte wieder an die Front.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er desertierte also erneut. Dieses Mal hatte er jedoch mehr Gl\u00fcck und sicher auch viel mehr Erfahrung. So gelang es ihm schlie\u00dflich &#8211; zuerst zu Fu\u00df, dann per Schiff &#8211; sich bis in das Reich Loango n\u00f6rdlich des Kongo durchzuschlagen. Dort war er drei Jahre Gast des K\u00f6nigs, f\u00fcr den er bei der Jagd viel Wild schoss und sich deshalb gro\u00dfer Beliebtheit erfreute. Schlie\u00dflich gelang ihm 1610 mit einem europ\u00e4ischen Schiff die Heimreise. Er lie\u00df sich in seinem heimatlichen Leigh nieder, wo er dann Samuel Purchas kennenlernte, der sp\u00e4ter seinen Reisebericht ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl sp\u00e4ter vieles an diesem Bericht angezweifelt wurde, so wurden doch die meisten Namen, Daten und Ereignisse durch sp\u00e4tere Berichte und die historische Forschung best\u00e4tigt. Vor allem die Jaga, von denen er als erster berichtete, wurden zu einem festen Teil der Geschichte Angolas. Sie wurden als S\u00f6ldner und Lieferanten von Sklaven von den Kolonialm\u00e4chten Portugal und der niederl\u00e4ndischen WIC, aber auch von einheimischen Herrschern umworben. Sogar die legend\u00e4re K\u00f6nigin Nzinga &#8211; heute eine Ikone der angolanischen Geschichte &#8211; heiratete einen ihrer H\u00e4uptlinge, um sich ihre Unterst\u00fctzung zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><br><strong>Literatur:<\/strong><br> <br>Vansina, Jan<br>More on the Invasions of Kongo and Angola by the Jaga and the Lunda<br>in: The Journal of African History , 1966, Vol. 7, No. 3 (1966), S. 421-429<br> <br>Vansina, Jan<br>On Ravenstein&#8217;s Edition of Battell&#8217;s Adventures in Angola and Loango<br>in: History in Africa , 2007, Vol. 34 (2007), S. 321-347<br> \n<br>Battel, Andrew<br>The Strange Adventures of Andrew Battell of Leigh, in Angola and the Adjoining Regions<br>1901 (1.Aufl. 1589)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und seine seltsamen Abenteuer.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4854,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[140,154,20],"class_list":["post-4849","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-afrika","tag-kolonialismus","tag-straeflinge"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - 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