{"id":4808,"date":"2025-11-01T11:52:16","date_gmt":"2025-11-01T11:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4808"},"modified":"2025-11-01T11:52:17","modified_gmt":"2025-11-01T11:52:17","slug":"die-eroberung-sibiriens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-eroberung-sibiriens\/","title":{"rendered":"Die Eroberung Sibiriens"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Kosaken als Conquistadoren des Ostens.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"587\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Jermak.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4810\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Jermak.jpg 480w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Jermak-300x367.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Liest man von der europ\u00e4ischen Expansion am Beginn der Fr\u00fchen Neuzeit, geht es fast immer um die Eroberung Lateinamerikas und die Gr\u00fcndung von Kolonien und Handelsniederlassungen in Asien und Afrika. Die Eroberung Sibiriens, die eigentlich auch in diesem Kontext zu betrachten w\u00e4re, wird dabei weitgehend au\u00dfer Acht gelassen. Obwohl zwischen Lateinamerika und Sibirien nicht nur geographisch Welten zu liegen scheinen, lassen sich dennoch einige erstaunliche Gemeinsamkeiten\u00a0 beobachten. So diente auch bei der Eroberung Sibiriens eine kleine Schar von Gl\u00fccksrittern und Desperados als Speerspitze, und obwohl die meisten mit Schwert und Pike k\u00e4mpften, gaben doch die neuen Feuerwaffen den Ausschlag. Riesige Entfernungen mussten unter unmenschlichen Strapazen \u00fcberwunden werden, um L\u00e4nder zu unterwerfen, von denen man vorher kaum eine Vorstellung hatte. Den Anf\u00fchrer der ersten Expedition, den Kosakenhetman Timofejewitsch Jermak bezeichnet man deshalb auch als den &#8222;russischen Pizarro&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosaken waren sicher zu guten Teilen russischen Ursprungs. Allerdings waren sie gerade vor der brutalen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung in Russland in die herrenlosen Gebiete im S\u00fcden geflohen. Dort hatten sie sich mit den Tartaren vermischt und weitgehend deren Lebensweise \u00fcbernommen. So soll es sich bei den ersten Kosaken um Tartaren gehandelt haben, die ihrerseits nach ungl\u00fccklichen Machtk\u00e4mpfen im Chanat der Krim nach Norden emigriert waren. Jedenfalls lebten sie lange relativ unabh\u00e4ngig zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten Polen-Litauen, Russland und dem Osmanischen Reich. Die Gro\u00dfm\u00e4chte bek\u00e4mpften die Kosaken als R\u00e4uber und Banditen, bedienten sich ihrer als B\u00fcndnispartner oder warben sie als S\u00f6ldner, je nach den politischen Gegenbenheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Mitte des 16. Jahrhunderts der Zar Iwan IV. (der Schreckliche) die Chanate von Kasan und Astrachan unterworfen hatte, f\u00fchlten sich die Kosaken an Don und Wolga auch alles andere als befreit. Pl\u00f6tzlich wurden sie von den Strelitzen des Zaren wegen Flusspiraterie und Stra\u00dfenraub verfolgt. Russische Adlige, denen die Gunst des Zaren ganze Provinzen beschert hatte, kamen ins Land und erwarteten von ihren neuen Untertanen Gehorsam, Flei\u00df und vor allem Steuern. Viele Kosaken zogen sich deshalb weiter nach S\u00fcden zur\u00fcck oder in die W\u00e4lder im Nordosten. In den folgenden langen Kriegen um Livland fanden auch viele eine Besch\u00e4ftigung als S\u00f6ldner. Allerdings k\u00e4mpften hier die meisten auf polnischer Seite, wo sie dem K\u00f6nig Stefan Bathory wertvolle Hilfe bei der Abwehr russischer Gro\u00dfmachtpolitik leisteten.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Iwan IV. \u00fcber Jahrzehnte fast die gesamten Kr\u00e4fte seines Staates an seinen Westgrenzen verschliss und damit Russland an den Rand des Ruins f\u00fchrte, blieb der Osten weitgehend sich selbst \u00fcberlassen. Dort weitab am Ural im politischen Niemandsland um Perm hatte die Kaufmannsfamilie der Stroganov ein riesiges Gebiet von der Gr\u00f6\u00dfe eines europ\u00e4ischen Herzogtums erhalten. Sie handelten mit Pelzen und versuchten russische Kolonisten anzusiedeln. Vor allem aber suchten sie nach Bodensch\u00e4tzen und betrieben Salzsiedereien, Erzbergwerke, Gie\u00dfereien und Hammerwerke. Die notwendige Arbeitskraft stellten gekaufte russische Leibeigene, Fl\u00fcchtlinge vor Iwans Terrorherrschaft, gefangene Tartaren und nicht zuletzt, da als Fachkr\u00e4fte besonders gesch\u00e4tzt, Deutsche und Litauer, die bei den russischen Einf\u00e4llen in Kriegsgefangenschaft geraten oder einfach verschleppt worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reichtum der Stroganovs weckte nat\u00fcrlich die Raubgier der Tartaren. Die Krim war zwar zu weit entfernt und in Kasan lag eine Moskauer Garnison, aber hinter dem Ural in Isker (nahe bei dem heutigen Tobolsk) herrschte mit Khan Kutschum noch ein Nachkomme Dschingis Khans. Kutschum stammte zwar aus Buchara, hatte dann aber mit seinen tartarischen Reitern die sibirischen St\u00e4mme zwischen Irtysch und Ob unterworfen und eine eigene Dynastie gegr\u00fcndet. Auf ihren ausgedehnten Raubz\u00fcgen kamen seine Krieger auch ins Gebiet der Stroganovs und machten dort gute Beute. Unter den unterworfenen Tartaren und den eingeborenen St\u00e4mmen der Taiga, die von den Russen erbarmungslos ausgepresst wurden, fanden sie willige Helfer. Bald kamen immer gr\u00f6\u00dfere Gruppen \u00fcber den Ural, verw\u00fcsteten die Siedlungen und Salzsiedereien der Stroganovs und schleppten die Einwohner in die Sklaverei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/pelze.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4814\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/pelze.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/pelze-300x189.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als sie 1574 einen besonders verheerenden \u00dcberfall unter der F\u00fchrung von Kutschums Neffen Mahmetkul nur knapp \u00fcberstanden hatten, begannen sich die Stroganovs nach Sch\u00fctzenhilfe umzusehen. Vom Zaren war nicht viel zu erwarten; dieser war viel zu sehr mit seinen Kriegen im Westen besch\u00e4ftigt, die fast alle Ressourcen seines Reiches verschlangen. Er war zwar bereit, den Stroganovs einen Freibrief f\u00fcr alles zu erobernde Land zu geben, durch den ihnen alle Gewinne f\u00fcr zwanzig Jahre zufallen sollten; helfen sollten sie sich aber selbst. Auf der Suche nach einer geeigneten Schutztruppe stie\u00dfen sie auf die Kosaken. Diese waren nicht nur im Kleinkrieg zu Pferde erfahren, sondern befuhren auch auf ihren Raubz\u00fcgen in flachen K\u00e4hnen die gro\u00dfen Fl\u00fcsse und konnten damit zur Kontrolle dieser oft einzigen Vekehrsadern eingesetzt werden. Vor allem aber bezahlten sie sich weitgehend selbst, indem sie von den unterworfenen St\u00e4mmen Pelze als Steuern eintrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine russische Chronik berichtet von diesen Werbungen: Da &#8222;h\u00f6rten Semjon und Maxim und Nikita Stroganov von vertrauensw\u00fcrdigen Leuten von der Verwegenheit und Tapferkeit Jermak Timofejews und seiner Gef\u00e4hrten, der Kosaken und Atamane von der Wolga, wie sie die Nogaier t\u00f6teten, als sie \u00fcber die Wolga setzten und wie sie die Kaufleute der Goldenen Horde ausraubten und t\u00f6teten. Als sie nun solches \u00fcber ihre Verwegenheit und Tapferkeit geh\u00f6rt hatten, sandten sie ihre Leute zu ihnen mit einem Brief und mit vielen Geschenken, damit sie ihnen zu Hilfe k\u00e4men&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Anf\u00fchrer dieser Privatarmee wurde der Kosakenhetman Jermak. Dieser hatte schon f\u00fcr den Zaren in Livland gek\u00e4mpft, nach den ersten Niederlagen dort jedoch in den S\u00fcmpfen und W\u00e4ldern an Wolga und Don ein unstetes R\u00e4uberleben gef\u00fchrt. Vermutlich hatte er am Don davon erfahren, dass die Stroganovs erfahrenen Krieger suchten, und beschlossen sein Handwerk wieder einmal unter offizieller Flagge auszu\u00fcben. Dieser Schluss liegt nahe, da einige seiner Unterf\u00fchrer nachweislich von den Vertretern des Zaren als Stra\u00dfenr\u00e4uber gesucht worden waren. Es war jedoch kein gro\u00dfes Heer, das er vom Don nach Perm f\u00fchrte, lediglich einige hundert Kosaken. Doch in den Bergwerken und Salzsiedereien der Stroganov schufteten genug Kriegsgefangene. Jermak hatte es vor allem auf Landsknechte abgesehen, die im Umgang mit Kanonen und Arkebusen erfahren waren. Zuerst erprobte er seine S\u00f6ldner in Abwehrk\u00e4mpfen gegen die Tartaren und bei Vergeltungsaktionen gegen aufst\u00e4ndische St\u00e4mme, in deren Verlauf die Kosaken nun ihrerseits immer weiter nach Osten vorstie\u00dfen und Informationen sammelten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 1581 war es dann so weit: Jermak hielt an den Ufern der Kama Heerschau. Er verf\u00fcgte \u00fcber gut 500 Kosaken, dazu kamen etwa 300 Deutsche, Polen, Litauer und Tataren &#8211; ehemalige Kriegsgefangene, die sich auf diese Weise ihre Freiheit verdienen wollten &#8211; und drei kleine Kanonen. Da die Beteiligung der Fremden (immerhin mehr als 1\/3!) von der russisch- patriotischen Geschichtsschreibung gerne \u00fcbergangen wird, m\u00f6chten wir hier noch einmal die russische Chronik zitieren: &#8222;Und sie [die Stroganovs] versammelten ihre Soldaten aus den St\u00fctzpunkten, Litauer und Westeurop\u00e4er und Tartaren und Russen, verwegene und tapfere und hervorragende Krieger, 300 Mann, und entsandten sie zusammen mit den Atamanen und Kosaken von der Wolga, und durch diese Vereinigung ergaben sich 840 verwegene und tapfere M\u00e4nner.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese kleine Armee fuhr nun in flachen K\u00e4hnen von der Kama die Tschusowaja aufw\u00e4rts und dann auf deren Nebenfl\u00fcssen immer tiefer in den Ural hinein. Es war auch f\u00fcr die erfahrenen Wolgapiraten ein schwieriger Weg. Oft mussten sie ihre K\u00e4hne ziehen, manchmal sogar \u00fcber Land schleppen, um Stromschnellen zu umgehen, was durch die umfangreichen Vorr\u00e4te an Lebensmitteln und Pulver und Blei besonders zeitraubend war. Deshalb versuchten sie, wenn es m\u00f6glich war, die kleinen Fl\u00fcsse aufzustauen, um auf diese Weise wieder ein paar tausend Meter zu gewinnen. Schlie\u00dflich ging es nicht mehr weiter und sie \u00fcberquerten zu Fu\u00df die Wasserscheide, bis sie den Oberlauf eines Zuflusses der Tura erreichten. Dort bauten sie sich dann neue K\u00e4hne und begannen mit der Fahrt stromab ins unbekannte Sibirien.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich erreichten sie das sibirische Tiefland und kamen damit in den Machtbereich des Khans Kutschum. Erste \u00dcberf\u00e4lle der sibirischen St\u00e4mme konnten sie mit ihren Feuerwaffen leicht abschlagen. Im Gegenzug brannten die Kosaken einige der vereinzelten Siedlungen nieder. Als die Tundra fror, richteten sie sich in einer dieser Siedlungen zum \u00dcberwintern ein. Mittlerweile hatte auch der alte Khan Kutchum in seiner Hauptstadt Sibir an den Ufern des Irtysch von den Eindringlingen erfahren. Er sandte seine Pfeilboten durchs Land und rief die Steppenv\u00f6lker zur Heeresfolge. Tausende von Kriegern kamen zusammen. Als im Mai das Eis geschmolzen war und die Kosaken ihren Weg fortsetzten, gerieten sie in einen Hinterhalt. Die Tataren hatten mit Baumst\u00e4mmen den Flu\u00df versperrt und \u00fcbersch\u00fctteten vom Ufergeh\u00f6lz die K\u00e4hne mit Pfeilen. Doch auch hier erwiesen sich die unbekannten Musketen und Kanonen als schreckliche Waffen, vor denen die Tataren schnell die Flucht ergriffen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"382\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Sibirien-Yermak.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4813\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Sibirien-Yermak.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Sibirien-Yermak-300x143.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Sibirien-Yermak-768x367.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Siege wurde die Lage schwierig. Die Kosaken hatten vor allem durch Krankheiten bereits viele Leute verloren, und die Munition ging zur Neige. Andererseits war der R\u00fcckweg \u00fcber den Ural vor Einbruch des Winters kaum noch zu schaffen. Wenn sie noch einen Winter \u00fcberleben wollten, brauchten sie ein festes Lager und Proviant. Jermak entschloss sich, alles auf eine Karte zu setzen und Sibir zu erobern. Dieses Mal wichen die Tataren nicht. Lange wogte der Kampf hin und her. Die Kosaken waren ersch\u00f6pft und hatten viele Verwundete. Doch f\u00fcr sie bedeutete eine Niederlage den sicheren Tod. Schlie\u00dflich wichen die sibirischen St\u00e4mme als erste. Sie wollten nicht f\u00fcr ihre tartarischen Herren sterben. Von ihren Verb\u00fcndeten im Stich gelassen konnten auch die Tataren nicht mehr lange stand halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Schlacht besetzten die Kosaken ohne weiteren Widerstand zu finden Sibir. In dieser von einem Palisadenwall umgebenen Ansammlung von Lehmh\u00fctten und Holzh\u00e4usern fanden sie reiche Beute an Schmuck, Proviant und vor allem an Pelzen. Damit hatten die Kosaken die &#8222;Hauptstadt&#8220; Sibiriens erobert, und bald erschienen auch die ersten H\u00e4uptlinge der sibirischen St\u00e4mme, um den neuen Herren ihren Tribut in Marder-, Schneefuchs-, Hermelin- und Zobelfellen zu entrichten. Dennoch waren sie in einer \u00e4u\u00dferst prek\u00e4ren Sitation. In der letzten gro\u00dfen Schlacht hatten sie \u00fcber hundert Mann verloren; Pulver und Blei gingen zur Neige, und das Umland wurde weiterhin von Kutschums Tartaren beherrscht. Jermak schickte deshalb seinen Stellvertreter Iwan Kolzo nach Perm, um dort Verst\u00e4rkungen zu werben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kolzo gelang es, sich mit einer kleinen Gruppe durch die feindlichen Linien zu schlagen und nach unendlichen Strapazen Perm zu erreichen. Doch dort hatte sich die Stimmung inzwischen gewandelt. Sibirische St\u00e4mme waren zur Vergeltung in russisches Gebiet eingefallen und hatten dort schlimm gehaust. Iwan bef\u00fcrchtete nun wegen der Eroberungen der Stroganovs in einen Zweifrontenkrieg verwickelt zu werden. Wie nicht anders zu erwarten, wuschen die reichen H\u00e4ndler ihre H\u00e4nde in Unschuld und schoben alle Verantwortung auf die Raublust der Kosaken. Sie schickten Kolzo deshalb gleich weiter nach Moskau, um dort dem Zaren seinen Kopf vor die F\u00fc\u00dfe zu legen. Als Kolzo jedoch dem Zaren berichtete, dass Kutschum der gef\u00fcrchtete Khan von Sibirien von ein paar hundert Kosaken geschlagen worden war, und dann noch einige tausend kostbare Felle vor dem Zaren ausbreiten lie\u00df, wandelte sich dessen Stimmung schnell. Er begnadigte die ge\u00e4chteten Kosaken und gab Kolzo dreihundert Soldaten mit auf den R\u00fcckweg, Vorr\u00e4te und Munition, und eine vergoldete R\u00fcstung f\u00fcr Jermak, der zum F\u00fcrsten von Sibirien ernannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"376\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/tribut-zar.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4815\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/tribut-zar.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/tribut-zar-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch das Eintreffen dieser Verst\u00e4rkungen bedeutete nur einen kurzen Aufschub. Oft gerieten kleinere Trupps beim Eintreiben der Tribute in Hinterhalte und wurden niedergemacht. Iwan Kolzo, der mit 40 Kosaken einem verb\u00fcndeten Stamm zur Hilfe eilen sollte, wurde von diesem ermordet. Im Winter lichteten Fieber und Skorbut die Reihen. Mehrmals lie\u00df Jermak gefasste Deserteure im Fluss ertr\u00e4nken. Bald waren von der alten Truppe nur noch 150 Mann am Leben. Schlie\u00dflich wurde Jermak selbst bei einem Streifzug \u00fcberfallen. Es gelang ihm zwar, sich bis zum Irtysch durchzuschlagen, da seine R\u00fcstung Pfeile und Schwerthiebe abhielt; als er aber versuchte schwimmend das andere Ufer zu erreichen, wurde er von seiner R\u00fcstung unter Wasser gezogen und ertrank.<br><br>Nach seinem Tod r\u00e4umten die letzten Kosaken Sibir und machten sich auf den langen Heimweg. Aber die Eroberung Sibiriens war nicht mehr aufzuhalten. Der Zar schickte immer neue Kontingente \u00fcber den Ural. In der N\u00e4he von Sibir entstand die Festung Tobolsk. Vom weiteren Schicksal der fremden S\u00f6ldner ist nichts bekannt. Einige der wenigen \u00dcberlebenden werden in Moskau ihre Pelze verkauft und vertrunken haben, um dann wieder in Kriegsdienst zu treten, andere lie\u00dfen sich vielleicht mit den Kosaken in Tobolsk als Steuereintreiber und Pelzh\u00e4ndler nieder. F\u00fcr Nachschub wurde jedenfalls gesorgt. Denn nach Sibirien schickte man nicht nur russische Str\u00e4flinge und Verbannte, sondern auch immer wieder gefangene S\u00f6ldner.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kosaken als Conquistadoren des Ostens.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4812,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,67],"tags":[154,91],"class_list":["post-4808","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-neuzeit-artikel","tag-kolonialismus","tag-russland"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Eroberung Sibiriens - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-eroberung-sibiriens\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Eroberung Sibiriens - 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