{"id":4795,"date":"2025-10-06T17:03:14","date_gmt":"2025-10-06T17:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4795"},"modified":"2025-10-09T15:47:27","modified_gmt":"2025-10-09T15:47:27","slug":"reverter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/reverter\/","title":{"rendered":"Reverter"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">treuer Diener der Almoraviden.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei all dem romantischen und ideologischen Kitsch mit dem die K\u00e4mpfe zwischen Moslems und Christen zur Zeit der Kreuzz\u00fcge gerne verkl\u00e4rt werden, wird meistens \u00fcbersehen, dass die Fronten nicht immer so eindeutig waren. B\u00fcndnisse zwischen christlichen und islamischen Herrschern gegen Konkurrenten, die der eigenen Religion angeh\u00f6rten, waren absolut nichts Ungew\u00f6hnliches. Unter diesen Umst\u00e4nden \u00fcberrascht es eigentlich nicht, dass die Angeh\u00f6rigen der anderen Religion manchmal gerne als S\u00f6ldner verwendet wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"547\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/christen-moslems.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4798\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/christen-moslems.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/christen-moslems-300x274.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">christliche Ritter als Elite<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei internen Auseinandersetzungen war auf die Fremden oft mehr Verlass als auf die Landsleute und Glaubensbr\u00fcder. So st\u00fctzten sich die Staufer ganz besonders auf die sarazenischen Bogensch\u00fctzen aus Lucera oder die m\u00e4chtigen Araber-Emire von Cordoba auf ihre slawischen Leibgarden. Ein besonders interessantes Beispiel dieser Garden ist die christliche Miliz, die zur wichtigsten St\u00fctze der Almoraviden wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Almoraviden waren eine Berberdynastie, die im 11. Jahrhundert ganz Nordwestafrika und gro\u00dfe Teile Spaniens erobert hatten. Auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Macht begann Emir Ali ibn Yusuf (1106-1143) mit der Aufstellung einer Miliz aus Christen, wozu anfangs haupts\u00e4chlich Kriegsgefangene und Sklaven verwendet wurden, von denen die Almoraviden einige Zehntausend nach Afrika verschleppt hatten. Diese Methode hatte Tradition, denn die Almoraviden verwendeten seit l\u00e4ngerem Elitetruppen aus schwarzen Sklaven, die sie s\u00fcdlich der Sahara gefangen genommen hatten. Die Christen sollten auch nicht in Spanien eingesetzt werden, sondern in Marokko selbst bei Rebellionen und vor allem als Steuereintreiber. Man erwartete von den Fremden hier bessere Resultate als von Einheimischen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Kriegsgefangenen und Sklaven kamen jedoch bald andere. Der Reichtum der Almoraviden war legend\u00e4r und die von ihnen gepr\u00e4gten Golddinare waren im gesamten Abendland begehrt. Es dauerte deshalb nicht lange, bis sich Abenteurer von der anderen Seite des Mittelmeers auf den Weg machten um im fernen Marrakesch ihr Gl\u00fcck zu suchen. Meistens werden es kleinere Gruppen gewesen sein, verarmte Adlige mit kleinem Gefolge oder Fl\u00fcchtlinge vor dem Gesetz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist der katalanische Adlige Reverter de la Guardia. Er war der Sohn des Vizegrafen von Barcelona und kam damit aus einer der besten Familien des Landes. Aber die Familie hatte viel Besitz und Macht an die Grafen von Barcelona verloren, so dass es durchaus Sinn machte, sich nach neuen Einkommensquellen umzusehen. Leider wei\u00df man nicht viel von Reverter. Noch nicht einmal sein richtiger Name ist bekannt; denn &#8222;Reverter&#8220; bedeutet der &#8222;Zur\u00fcckgekehrte&#8220;. Wahrscheinlich wurde er um 1090 geboren und hatte sp\u00e4ter mindestens zwei S\u00f6hne. Nach einer sp\u00e4ter verfassten kastilischen Chronik geriet er Mitte der 1120er Jahre in Gefangenschaft als eine gro\u00dfe Flotte der Almoraviden die katalanische K\u00fcste pl\u00fcnderte. Manchmal wird auch vermutet, dass er bei den K\u00e4mpfen am Ebro gefangen genommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neuere Forschungen halten es jedoch f\u00fcr wahrscheinlicher, dass er aus freien St\u00fccken nach Marokko gegangen ist, um dort den Almoraviden seine Dienste anzubieten. Dass so eine Handlung sp\u00e4ter mit einer vorgeblichen Gefangenschaft erkl\u00e4rt und gerechtfertigt wurde, ist nur allzu verst\u00e4ndlich. Allerdings musste Reverter nicht bef\u00fcrchten in Spanien gegen Christen zu k\u00e4mpfen, denn inzwischen waren die Almoraviden im Atlasgebirge in einen aufreibenden Kleinkrieg gegen die Almohaden verwickelt, in dem christlichen S\u00f6ldner ihre verl\u00e4sslichsten Truppen sein sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den Almohaden handelte es sich um eine religi\u00f6se Reformbewegung, die ihre Anh\u00e4nger vorwiegend unter den Berbern des hohen Atlas fand. An der Spitze stand der Prediger und Mahdi (der Rechtgeleitete) Ibn Tumart, der gegen die Dekadenz und Sittenlosigkeit der herrschenden Almoraviden hetzte. Angeblich fragte er die M\u00e4nner des Ortes Tinmel, warum denn viele ihre Kinder ganz anders als sie selbst helle Haut und blaue Augen h\u00e4tten. Als sie nicht antworteten, wies er sie darauf hin, dass dies deshalb so sei, weil die fr\u00e4nkischen Steuereintreiber des Emirs sich an ihren Frauen und T\u00f6chtern vergriffen. Schlie\u00dflich brachte er die M\u00e4nner so weit, dass sie in einer Nacht alle Steuereintreiber ermordeten und sich gegen die Herrschaft der Almoraviden erhoben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"337\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Burg-Atlas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4800\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Burg-Atlas.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Burg-Atlas-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Burg im Atlas<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Almoraviden daraufhin ein starkes Aufgebot nach Tinmel schickten, geriet dies auf einer der engen Passstra\u00dfen in einen Hinterhalt. Die leicht bewaffneten und schnellen Fu\u00dfk\u00e4mpfer waren hier der Kavallerie der Almoraviden weit \u00fcberlegen, die sich schlie\u00dflich unter schweren Verlusten zur\u00fcckziehen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ibn Tumart machte Tinmel daraufhin zu seinem Hauptsitz und begann von hier aus mit der langsamen Eroberung des Atlas. Es war ein dreckiger Kleinkrieg \u00fcber mehrere Jahre, bei dem beide Parteien versuchten einzelne D\u00f6rfer oder ganze St\u00e4mme durch Bestechung, Repressalien und grausame Vergeltungsma\u00dfnahmen zur Loyalit\u00e4t oder zum Frontwechsel zu bewegen. Das Kriegsgeschehen wurde von \u00dcberf\u00e4llen, Hinterhalten und Verrat gepr\u00e4gt. Die Almoraviden waren sicher lange Zeit die St\u00e4rkeren, doch in dem unwegsamen Gel\u00e4nde gewannen die ortskundigen Almohaden langsam an Boden. Da inzwischen viele St\u00e4mme mit den Almohaden sympathisierten oder heimlich mit ihnen verhandelten, gewannen die christlichen S\u00f6ldner f\u00fcr Emir Ali ibn Yusuf immer mehr an Bedeutung und er \u00fcberh\u00e4ufte sie mit Privilegien und Geschenken. &#8222;Er gab ihnen Gold und Silber, St\u00e4dte und stark befestigte Burgen, damit sie Krieg gegen die Almohaden und ihren K\u00f6nig f\u00fchren k\u00f6nnten, die seine L\u00e4nder ohne Unterbrechung angriffen,&#8220; berichtet eine kastilische Chronik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem ging der Atlas nach und nach verloren. Lediglich die flache Ebene, die Marrakesch vom Gebirge trennte und den Einsatz von Kavallerie beg\u00fcnstigte, hielt die Almohaden von einem Angriff auf die Hauptstadt ab. Gegen die drohende Gefahr hatte Ali ibn Yusuf bereits 1122 eine beeindruckende Stadtmauer errichten lassen. Als jedoch 1130 im Atlas ein Heer der Almoraviden eine schwere Niederlage erlitt, verfolgten die Almohaden die geschlagenen Reste bis nach Marrakesch und begannen siegessicher mit der Belagerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie dauerte 40 Tage und dann traf endlich der Entsatz aus dem Norden ein. Bei al-Buhayra vor Marrakesch trafen beide Heere aufeinander. Ali ibn Yusuf leitete selbst den Kavallerieangriff auf die Almohaden, und man kann sicher davon ausgehen, dass die schwer gepanzerten Reiter seiner christlichen S\u00f6ldner dabei eine entscheidende Rolle spielten. Dem hatten die Almohaden nichts entgegen zu setzen. Ihre Verluste betrugen Tausende, viele ihrer Anf\u00fchrer wurden get\u00f6tet, und der Mahdi erlag einige Monate sp\u00e4ter seinen Verletzungen oder den Strapazen der Flucht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"530\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schlacht-wuste.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4801\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schlacht-wuste.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schlacht-wuste-300x199.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schlacht-wuste-768x509.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit war die unmittelbare Gefahr zwar abgewehrt, an der Gesamtlage \u00e4nderte sich allerdings wenig. Trotz ihres gro\u00dfen Siegen waren die Almoraviden nicht in der Lage die Kontrolle \u00fcber den Atlas zur\u00fcckzugewinnen. Bei den Almohaden wurde der Tod des Mahdi mehrere Jahre geheim gehalten, konkret \u00fcbernahm aber dessen f\u00e4higster General Abd al-Mu&#8217;min das Kommando. Dieser vermied neue Vorst\u00f6\u00dfe ins Tiefland und versuchte statt dessen den Machtbereich der Almohaden im Atlasgebirge nach Nordosten auszudehnen und die dortigen St\u00e4mme unter seine Kontrolle zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man wei\u00df leider nicht mit Sicherheit ob Reverter zur Zeit der Schlacht bei al-Buhayra bereits in Marokko war. Sein Hauptbiograph Ruiz-Dom\u00e8nec geht davon aus, dass er bereits bei den K\u00e4mpfen im Atlas und um Tinmel eine f\u00fchrende Position innehatte. Sicher ist jedenfalls, dass er 1133 wieder nach Barcelona kam, wo man ihn nun &#8222;Reverter&#8220;, den &#8222;Zur\u00fcckgekehrten&#8220; nannte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab viel f\u00fcr ihn zu tun, denn sein Vater war bereits 1126 gestorben, und es war deshalb dringend notwendig, sich um den verstreuten Familienbesitz zu k\u00fcmmern. Allerdings hatte Reverter kein pers\u00f6nliches Interesse daran. Er \u00fcberschrieb alles seinem Neffen Guillem und machte sich mit seinem Sohn Berenguer wieder auf den Weg nach Marokko.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Reverter seinen gesamten Besitz, einschlie\u00dflich der Stammburg Guardia de Montserrat, von der heute noch ein paar Grundmauern zu sehen sind, seinem Neffen \u00fcbergab und statt dessen seinen Sohn mit nach Afrika nahm, zeigt deutlich, dass ihn dort an Reicht\u00fcmern, Macht und Einfluss viel mehr erwartete. Er musste also bereits eine bedeutende Stellung am Hof des Emirs bekleidet haben. Es ist deshalb gut m\u00f6glich, dass er seine Reise nach Barcelona auch dazu benutzte, um neue S\u00f6ldner f\u00fcr den Krieg in Afrika zu rekrutieren. Er selbst war ja ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr, dass man dort sein Gl\u00fcck machen konnte. Wahrscheinlich begleiteten ihn nun au\u00dfer seinem Sohn einige \u00fcberz\u00e4hlige S\u00f6hne des katalanischen Adels, Gl\u00fccksritter und Abenteurer, um in den Dienst des Emirs zu treten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck in Marrakesch wurde Reverter zu einem der wichtigsten Heerf\u00fchrer und Ratgeber des Emirs. Die kastilische Chronik schreibt: &#8222;Der K\u00f6nig gab ihm das Kommando \u00fcber alle gefangenen christlichen Ritter und die Barbaren, da er der Befehlshaber in allen seinen Kriegen sein sollte, weil er noch nie in einer Schlacht besiegt worden war. Alle Kriege von K\u00f6nig Ali wurden von ihm oder durch seinen Rat gef\u00fchrt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"673\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/marocco.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4803\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/marocco.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/marocco-300x404.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl der christliche Chronist verst\u00e4ndlicherweise wieder einmal den Gefangenenstatus der S\u00f6ldner betont, d\u00fcrfte die Realit\u00e4t eine andere gewesen sein. Die St\u00e4rke der Miliz wird f\u00fcr diese Zeit auf 4.000 Mann gesch\u00e4tzt, wodurch sie neben den Angeh\u00f6rigen seines eigenen Stammes die wichtigste St\u00fctze von Ali ibn Yusuf war. Kriegsgefangene hatten sicher anfangs die Basis gebildet, doch inzwischen erfreuten sich die ehemaligen Sklaven zahlreicher Freiheiten und Privilegien. Dazu kamen neue Freiwillige aus Europa. Mit der Zeit sollte sich der gesamte Maghreb zu einem beliebten Exil f\u00fcr s\u00fcdeurop\u00e4ische Adlige entwickeln, die in ihrer Heimat in Schwierigkeiten geraten waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reverter oder &#8222;al-Ruburtayr&#8220;, wie er in den arabischen Chroniken genannt wird, war &#8222;Qa&#8217;id al-R\u00fcm&#8220; (Kaid der R\u00f6mer, d.h. der Hauptmann der Christen). Zusammen mit Tashfin ibn Ali, dem Sohn des Emirs f\u00fchrte er den gnadenlosen Krieg gegen die Almohaden. Manchmal wurde um befestigte Pl\u00e4tze gek\u00e4mpft, vor allen Dingen ging es jedoch um Schnelligkeit. Man musste dem Gegner den Weg abschneiden, bedrohten St\u00e4mmen zu Hilfe eilen, andere durch Pr\u00e4senz vom \u00dcberlaufen abhalten. Das waren \u00fcber die Jahre tausende von Kilometern im Sattel, Staub und gl\u00fchende Sonne. Die Verluste durch Durst und Hitzschlag waren sicher h\u00f6her als die im Gefecht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Almohaden hatten ihre Lektion gelernt und vermieden die weiten Ebenen von Nordwestmarokko. Stattdessen dehnten sie ihren Machtbereich zuerst im Hohen Atlas aus und drangen dann in den Mittleren Atlas Richtung Fez und von dort weiter nach Osten vor. Die K\u00e4mpfe verlagerten sich damit immer weiter in diese Region. Anfang 1143 starb Ali ibn Yusuf. Sein Sohn Tashfin und Nachfolger verlegte seinen Regierungssitz nach Tlemcen um hier den Einfluss der Almohaden zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Tlemcen aus unternahm Reverter 1144 eine Strafexpedition gegen ein paar St\u00e4mme Zenata-Berber. Bereits auf dem R\u00fcckweg und schwer mit Beute beladen wurde seine Truppe von einer starken Streitmacht der Almohaden angegriffen und v\u00f6llig aufgerieben. Angeblich sollen nur sechs seiner M\u00e4nner lebend entkommen sein, darunter drei christliche S\u00f6ldner. Nach dem Bericht des arabischen Chronisten Ibn Khaldun kreuzigten die Almohaden anschlie\u00dfend den Leichnam ihres gef\u00fcrchteten Gegners.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reverters \u00e4ltester Sohn Berenguer ben Reverter scheint kurz darauf nach Barcelona zur\u00fcckgekehrt zu sein, wo er wieder als Erbe seines Vaters eingesetzt wurde. Da er in Marokko erzogen worden war, beherrschte er die Lateinische Schrift nicht und unterzeichnete seine Dokumente in Arabisch. Sein j\u00fcngerer Bruder Abul Hassan Al\u00ed ibn al-Ruburtayr &#8211; sein christlicher Name ist nicht \u00fcberliefert &#8211; blieb in Marokko, wo er von Emir Tashfin als Nachfolger seines Vaters zum Befehlshaber der christlichen Miliz ernannt wurde.<br><br>Trotzdem war der Norden nicht zu halten. Tashfin verungl\u00fcckte t\u00f6dlich im kommenden Jahr. Fez fiel nach langer Belagerung, andere St\u00e4dte durch Verrat. 1147 wurde Marrakesch im Sturm genommen und die Herrschaft der Almoraviden in Marokko beendet.<br><br>Da die Almohaden den Islam viel radikaler auslegten, wurden die Kirchen in Marrakesch zerst\u00f6rt und die Christen vor die Wahl gestellt, entweder nach Spanien zur\u00fcckzukehren oder zum Islam zu konvertieren. Einige Historiker nehmen an, dass die christlichen S\u00f6ldner den Almohaden ein Stadttor ge\u00f6ffnet hatten und ihnen der freie Abzug sozusagen als Lohn f\u00fcr ihren Verrat gew\u00e4hrt wurde.<br><br>Al\u00ed \u00adibn al-Ruburtayr hatte damit sicher nichts zu tun. In Marokko aufgewachsen, eventuell sogar dort geboren, waren ihm Spanien und seine Kultur fremd. Er zog es deshalb vor, seinen Glauben zu wechseln und in den Dienst der Almohaden zu treten. Er machte dort Karriere und diente ihnen wie sein Vater zuvor den Almoraviden treu bis zum bitteren Ende. Er fiel 1187 in einer Schlacht im Gebiet des heutigen Tunesien.<br><br>Die Verwendung christlicher S\u00f6ldner in den Maghrebstaaten war damit jedoch noch lange nicht vorbei. Sie stand eher am Anfang. Selbst die Almohaden lernten bald den Wert von Fremden bei internen Kriegen zu sch\u00e4tzen; Anfang des 13. Jahrhunderts sollen sie 12.000 christliche S\u00f6ldner im Dienst gehabt haben.<br><br><br><br><strong>Literatur:<\/strong><br><br>Bennison, Amira K.<br>Almoravid and Almohad Empires<br>2016<br><br>Burns, Robert I.<br>Renegades, adventurers and sharp businessmen: the thirteenth-century Spaniard In the cause of Islam<br>In: Catholic historical review LVII (1972); S.341-66<br><br>Clement, F.<br>Reverter et sons fils deux officiers Catalans au service des Sultans de Marrakech<br>in: Medieval Encounters v.9 n.1 (2003) S.76-106<br><br>Dufourcq, Charles-Emanuel<br>L&#8217;Espagne catalane et le Maghrib aux XIIIe et XIVe si\u00e8cles<br>Paris 1966<br><br>Messier, Ronald A.<br>The Almoravids and the Meanings of Jihad <br>2010<br><br>Ruiz Domen\u00e8c, Jos\u00e9<br>Las cartas de Reverter, vizconde de Barcelona<br>in: Bolet\u00edn de la Real Academia de Buenas Letras de Barcelona vol. 39 (1983\/84); S.93-118<br><br>Ruiz Domen\u00e8c, Jos\u00e9<br>Atardeceres rojos: Cuatro vidas entre el islam y la christianidad<br>Barcelona 2007<br><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>treuer Diener der Almoraviden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4797,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,37],"tags":[281,107,149],"class_list":["post-4795","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-mittelalter","tag-maghreb","tag-renegaten","tag-spanien"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - 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