{"id":4592,"date":"2025-08-28T13:07:18","date_gmt":"2025-08-28T13:07:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4592"},"modified":"2025-09-22T10:17:44","modified_gmt":"2025-09-22T10:17:44","slug":"wellenbrecher-bei-waterloo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/wellenbrecher-bei-waterloo\/","title":{"rendered":"Wellenbrecher bei Waterloo"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die King&#8217;s German Legion verteidigt La Haye Sainte.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"466\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/waterloo-karte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4595\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/waterloo-karte.jpg 640w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/waterloo-karte-300x218.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei Waterloo war Wellington vor allem in der Qualit\u00e4t seiner Truppen und in der Artillerie unterlegen. W\u00e4hrend Napoleons Armee weitgehend aus erprobten und treuen Veteranen bestand, hatte nur ein Teil der Alliierten unter Wellington in Spanien gek\u00e4mpft; viele waren unerfahrene Rekruten oder hatten vorher unter franz\u00f6sischer Fahne gedient.<\/p>\n\n\n\n<p>Wellington bezog deshalb eine gute Verteidigungsstellung auf einem H\u00f6henzug s\u00fcdlich von Br\u00fcssel. Hier hoffte er lange genug standhalten zu k\u00f6nnen, bis die preu\u00dfische Armee unter Bl\u00fccher das Schlachtfeld erreichen w\u00fcrde. Etwas vor seiner Frontlinie befanden sich drei Geb\u00e4udekomplexe, die in die Verteidigung mit einbezogen wurden. Das kleine Schloss Hougoumont vor dem rechten Fl\u00fcgel eignete sich am besten dazu; es war relativ ausgedehnt und hatte starke Mauern. Wellington lie\u00df es durch seine Pioniere zus\u00e4tzlich befestigen und besetzte es mit einigen seiner besten Einheiten. Die Geh\u00f6fte Papelotte und La Haye vor dem linken Fl\u00fcgel wurden ebenfalls mit ein paar tausend Mann besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Verglichen mit den beiden Fl\u00fcgelstellungen war die Besatzung des vor dem Zentrum liegenden Gutshofs La Hay Sainte eher bescheiden. Seine Verteidigung sollte das 2. leichte Bataillon der King&#8217;s German Legion unter Major Georg Baring \u00fcbernehmen. Der Gutshof lag direkt an der Westseite der Stra\u00dfe von Charleroi nach Br\u00fcssel. Mehrere Geb\u00e4ude \u2013 Gutshaus, Stall, Scheune und Schweinestall &#8211; und eine hohe Mauer umgaben einen Innenhof. Auf der S\u00fcdseite (in Richtung der anr\u00fcckenden Franzosen) lag einer gro\u00dfer von einer Hecke umgebener Obstgarten. Auf der anderen Seite, zur englischen Linie hin war ein K\u00fcchengarten, der durch eine T\u00fcr im Gutshaus zu erreichen war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"490\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/la-haye-sainte-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4596\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/la-haye-sainte-1.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/la-haye-sainte-1-276x450.jpg 276w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eigentlich handelte es sich bei La Hay Sainte um eine ideal positionierte, gut zu verteidigende Stellung und es wird manchmal die Frage aufgeworfen, warum sowohl Wellington wie auch Napoleon ihre Bedeutung so lange untersch\u00e4tzten. Der erste lie\u00df sie nur relativ schwach verteidigen, und der andere unternahm lange keine besonderen Anstrengungen zu ihrer Eroberung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich liegt die Antwort einfach in der relativ geringen Gr\u00f6\u00dfe \u2013 Hougoumont war um ein mehrfaches gr\u00f6\u00dfer \u2013 und in der zentralen Lage. Beide Feldherren gingen m\u00f6glicherweise davon aus, dass La Hay Sainte nach einigem Widerstand beim ersten gro\u00dfen Angriff einfach \u00fcberrannt werden w\u00fcrde. Sie sahen in dem Gutshof mehr einen Stolperstein als einen Wellenbrecher.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Besatzung handelte es sich um leichte Infanterie, die normalerweise in aufgel\u00f6ster Formation als Aufkl\u00e4rer und Pl\u00e4nkler vor der Linieninfanterie k\u00e4mpften. Sie trugen deshalb Uniformen in gedeckten Farben (dunkelgr\u00fcn und grau) und nicht das sonst bei den Briten so beliebte Rot. Statt mit den \u00fcblichen Musketen waren sie mit Baker Rifles bewaffnet, die einen gezogenen Lauf hatten. Diese B\u00fcchsen waren zwar viel treffsicherer als Musketen, daf\u00fcr aber schwieriger zu laden, wodurch die Schussfolge auf etwa die H\u00e4lfte reduziert wurde. Auf freiem Feld und in fester Fromation waren leichte, mit B\u00fcchsen bewaffnete Infateristen deshalb der Linieninfanterie unterlegen. In un\u00fcbersichtlichem Gel\u00e4nde jedoch oder aus einer festen Stellung heraus waren sie in eindeutig im Vorteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Leichte Infanteristen hatte als deutsche J\u00e4ger, franz\u00f6sische Voltigeurs oder englische Riflemen w\u00e4hrend der napoleonischen Kriege stark an Bedeutung gewonnen und galten in allen Armeen als Elitetruppen. Von ihnen wurden ungleich mehr Eigeninitiative, Zuverl\u00e4ssigkeit und nicht zuletzt Mut erwartet als von den Linientruppen, die ja immer R\u00fcckhalt in der Formation fanden und st\u00e4ndig unter der Kontrolle ihrer Offiziere waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"260\" height=\"502\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/leichte-kings-german-legion.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4597\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/leichte-kings-german-legion.jpg 260w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/leichte-kings-german-legion-233x450.jpg 233w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das 2. leichte Bataillon der King&#8217;s German Legion war in der Schlacht bei Quatre-Bras nicht zum Einsatz gekommen, hatte dann aber in str\u00f6mendem Regen den R\u00fcckzug der alliierten Armee gedeckt. Am n\u00e4chsten Abend waren die M\u00e4nner dann v\u00f6llig durchn\u00e4sst, ausgehungert und ersch\u00f6pft in Wellingtons Stellung vor Waterloo angekommen, wo sie dann sofort nach La Haye Sainte geschickt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diejenigen, die etwas Gl\u00fcck hatten, konnten in einem der Geb\u00e4ude schlafen, die anderen mussten nass und frierend im Freien die Nacht verbringen. Zur gro\u00dfen Erleichterung h\u00f6rte es am Morgen auf zu regnen und einige versuchten Feuer zu entfachen um abzukochen und etwas zu essen. Bald waren jedoch alle unter der Anleitung ihrer Offiziere damit besch\u00e4ftigt den Gutshof zu befestigen. Leider waren alle Pioniereinheiten auch die der King&#8217;s German Legion zur Befestigung von Hougoumont abkommandiert worden. Die M\u00e4nner mussten also, so gut es ging, improvisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter den Mauern wurden Plattformen errichtetet, um dar\u00fcber schie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Zus\u00e4tzlich wurden Schie\u00dfscharten in die Mauern gebrochen. Die Stra\u00dfe wurde mit einer Barrikade aus Wagenteilen, Baumst\u00e4mmen und Buschwerk versperrt. Das gr\u00f6\u00dfte Problem war aber, dass das Tor, das von der Scheune auf die dahinter liegenden Felder f\u00fchrte, von fr\u00fcher durchziehenden Truppen als Brennholz verfeuert worden war. Ohne die Materialien der Pioniere konnte diese Schwachstelle nur mit einer provisorischen Barrikade blockiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das 2. leichte Bataillon bestand aus sechs Kompanien mit zusammen knapp 400 Mann. Major Georg Baring positionierte drei Kompanien im Obstgarten, zwei im Gutshof und eine im K\u00fcchengarten. Die alliierte Hauptstellung entlang des Hohlwegs auf dem H\u00f6henr\u00fccken lag ca. 200 Meter hinter dem K\u00fcchengarten. Die Verbindung wurde von zwei Kompanien Scharfsch\u00fctzen vom 95th Rifle Regiment gehalten, die etwas weiter nach hinten auf der anderen Stra\u00dfenseite in einer Sandgrube Position bezogen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anfang der Schlacht verz\u00f6gerte sich, da der aufgeweichte Boden den Aufmarsch der franz\u00f6sischen Artillerie behinderte. Gegen 11.30 war die Artillerie dann in Position und begann mit ihrem vernichtenden Feuer auf den H\u00f6henzug. Gleichzeitig erfolgte ein starker Infanterieangriff auf Schloss Hougoumont, durch den Wellington dazu veranlasst werden sollte, Reserven vom Zentrum abzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gro\u00dfangriff im Zentrum begann kurz nach 13.00. Unter dem Befehl von Marschall d&#8217;Erlon setzten sich vier Divisionen mit fast 18.000 Mann in Bewegung und marschierten in dichten Kolonnen auf die alliierten Stellungen zu. W\u00e4hrend die Masse \u00f6stlich an La Haye Sainte vorbeizog, hatte die H\u00e4lfte der ersten Division den Auftrag den Gutshof einzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Zeit lang konnten die Legion\u00e4re unter Baring den Obstgarten gegen die anst\u00fcrmende Masse von Pl\u00e4nklern hatten, w\u00e4hrend die Besatzung des Gutshofs in die vorbei marschierenden Kolonnen feuerte. Nachdem aber immer mehr Franzosen die Hecke erreicht hatten, f\u00fchrte die h\u00f6here Feuergeschwindigkeit ihrer Musketen zu empfindlichen Verlusten und Baring musste sich mit den \u00dcberlebenden langsam in den Gutshof zur\u00fcckziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser war kurz darauf v\u00f6llig eingeschlossen. Die Franzosen versuchten die Tore aufzubrechen und \u00fcber die Mauern zu klettern. Doch alle Versuche wurden abgeschlagen. Besonders blutig wurde in der Scheune gek\u00e4mpft. Immer wieder st\u00fcrmten die Franzosen durch das offene Tor und wurden vom konzentrierten Feuer der Verteidiger und manchmal auch mit Bajonetten zur\u00fcckgetrieben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/La_Haye_Sainte_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4599\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/La_Haye_Sainte_1.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/La_Haye_Sainte_1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der K\u00fcchengarten war bald gefallen und auch die englischen Scharfsch\u00fctzen wurden aus der Sandgrube vertrieben. Ein Bataillon L\u00fcneburger, das zur Unterst\u00fctzung geschickt worden war, wurde beim Anmarsch von franz\u00f6ischer Kavallerie zersprengt, und nur einige wenige konnten sich in den Gutshof retten. Dort wurde der Kampf immer verzweifelter. Die Verteidiger hatten starke Verluste und bemerkten, dass die Munition langsam knapp wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rettung kam mit dem alliierten Kavallerieangriff gegen 14.00. D&#8217;Erlons Kolonnen, die bereits zum Teil den H\u00f6henzug \u00fcberschritten hatten, wurden von diesem Gegenangriff v\u00f6llig \u00fcberrascht und unter schweren Verlusten zur\u00fcckgeworfen. Die Franzosen vor La Haye Sainte wurden von der gro\u00dfen R\u00fcckw\u00e4rtsbewegung mitgerissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem das Gros der Franzosen abgezogen war , kamen dringend ben\u00f6tigte Verst\u00e4rkungen. Zwei Kompanien vom 1. leichten Bataillon besetzten den K\u00fcchengarten und eine weitere leichte Kompanie der King&#8217;s German Legion verst\u00e4rkte die Besatzung im Gutshof. Da auch die Scharfsch\u00fctzen der 95th Rifles in die Sandgrube zur\u00fcckgekehrt waren, war die Verbindung nach hinten wieder hergestellt. Doch trotz dieser neuen Truppen f\u00fchlte sich Baring nicht stark genug, die verbleibenden Franzosen aus dem Obstgarten zu vertreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem war jedoch die fehlende Munition, und davon war nichts angekommen. Da die Baker Rifles der leichten Kompanien ein anderes Kaliber als die Musketen hatten, konnte die normale Munition nicht verwendet werden. Zudem war ein Munitionswagen der King&#8217;s German Legion beim hastigen R\u00fcckzug von Quatre-Bras verloren gegangen. Die Legion\u00e4re waren mit 60 Schuss pro Mann ins Gefecht gezogen und hatten nichts dazu erhalten, obwohl Baring bereits mehrfach Munition angefordert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl nach dem R\u00fcckzug der franz\u00f6sischen Sturmkolonnen die gr\u00f6\u00dfte Gefahr gebannt war, konnte von Ruhe keine Rede sein. Im Obstgarten und in den Feldern lagen feindliche Scharfsch\u00fctzen, mit denen st\u00e4ndig Sch\u00fcsse gewechselt wurden. Verwundete mussten versorgt und nach M\u00f6glichkeit zur\u00fcckgebracht werden. Ab und zu schlugen Kanonenkugeln ein, die aber dank der dicken Mauern relativ wenig Schaden anrichteten. Um den Gutshof, vor allem auf der Stra\u00dfe lagen Massen toter und verwundeter Franzosen. Das Geschrei muss unertr\u00e4glich gewesen sein. Einige besonders verwegene Legion\u00e4re nutzten die Gelegenheit, um drau\u00dfen gefallene Offiziere zu pl\u00fcndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag kam es im Osten zu ersten Gefechten mit preu\u00dfischen Truppen, und Marschall Ney wollte nun endlich den Gutshof aus dem Weg r\u00e4umen, der jeden Angriff auf das feindliche Zentrum behinderte. Gegen 15.00 befahl er er neuen Angriff von fast 3.000 Mann auf La Haye Sainte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sich dieser Angriff allein gegen den Gutshof richtete, erhielten die Verteidiger nun die Unterst\u00fctzung der Scharfsch\u00fctzen in der Sandgrube. Immer wieder versuchten die Franzosen , die Tore aufzubrechen, \u00fcber die Mauern zu klettern und durch die offene Scheune in den Hof vorzudringen, wurden aber jedes mal unter schweren Verlusten zur\u00fcckgeschlagen. Aber auch bei den Verteidigern h\u00e4uften sich Tote und Verwundete. Besonders empfindlich machte sich der Munitionsmangel bemerkbar. So war es l\u00e4ngst nicht mehr m\u00f6glich alle Schie\u00dfscharten zu besetzen, so dass durch einige die Angreifer in den Hof feuern konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gewisse Atempause verschaffte der gro\u00dfe Kavallerieangriff der Franzosen. Eine riesige Woge von Kavalleristen st\u00fcrmte gegen 16.00 zwischen Hougoumont und La Haye Sainte gegen die alliierten Stellungen auf dem H\u00f6henr\u00fccken. Die Legion\u00e4re feuerten in diese Masse und vor allem die Scharfsch\u00fctzen auf den D\u00e4chern versuchten Offiziere zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend auf dem H\u00f6henr\u00fccken den Kampf zwischen franz\u00f6sischen K\u00fcrassieren und alliierten Karrees tobte, erneuerten die franz\u00f6sische Infanterie ihre Angriffe auf den Gutshof. Erst als die franz\u00f6sische Kavallerie nach fast einer Stunde langsam zur\u00fcckflutete, lie\u00dfen auch die ersch\u00f6pften Angreifer von La Haye Sainte ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Baring lie\u00df nun Verwundete zur\u00fcckbringen und bat erneut um die dringend ben\u00f6tigte Munition. Doch wieder trafen nur einige Verst\u00e4rkungen ein aber keine Munition. Die Verst\u00e4rkungen wurden vorwiegend dazu eingesetzt, den von den Franzosen entfachten Brand in der Scheune zu l\u00f6schen. Anschlie\u00dfend wurden wieder einmal alle Toten und Verwundeten nach Munition durchsucht. Nach einer Bestandsaufnahme verblieben ganze 4 Schuss pro Mann!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"560\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kampf-um-La_Haye_Sainte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4600\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kampf-um-La_Haye_Sainte.jpg 1000w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kampf-um-La_Haye_Sainte-300x168.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Kampf-um-La_Haye_Sainte-768x430.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf franz\u00f6sischer Seite machten sich zunehmend die Preu\u00dfen an der \u00f6stlichen Flanke bemerkbar und Napoleon erteilte Ney den Befehl endlich dieses l\u00e4stige Hindernis vor dem alliierten Zentrum zu st\u00fcrmen. Ney setzte daraufhin gegen 18.00 ein neues, unverbrauchtes Regiment in Bewegung, das au\u00dferdem von einer Kompanie Pioniere unterst\u00fctzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Angreifern gelang es zwar das Tor an der R\u00fcckseite aufzubrechen, doch dann wurden sie mit einer provisorischen Barrikade und einem vernichtenden Salvenfeuer gestoppt. Auch ihre Angriffe durch die Scheune wurden zun\u00e4chst abgewiesen. Doch bald machte sich der Munitionsmangel bei den Verteidigern bemerkbar. Einzelne Franzosen waren auf das Scheunendach geklettert und feuerten von da aus in den Hof, ohne dass dort jemand das Feuer erwidern konnte. Schlie\u00dflich war auch die Scheune allein mit Bajonetten nicht zu halten, und die Angreifer konnten durch sie endlich in den Hof vordringen. Fast gleichzeitig gelang es den Pionieren, das Haupttor aufzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser verzweifelten Situation sammelte Baring seine verbliebenen Truppen und zog sich mit ihnen durch das Hauptgeb\u00e4ude und den K\u00fcchengarten zu den alliierten Stellungen auf dem H\u00f6henr\u00fccken zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>La Haye Sainte war gefallen und das bereits angeschlagene alliierte Zentrum kam kurz darauf durch vorgezogene Scharfsch\u00fctzen und Artillerie gewaltig unter Druck. Aber f\u00fcr Wellington war es in allererster Linie darum gegangen, in einer starken Verteidigungsstellung lange genug auszuhalten bis die Preu\u00dfen die Schlacht entscheiden konnten, und man kann davon ausgehen, dass das z\u00e4he Aushalten der Verteidiger von La Haye Sainte viel zu diesem Erfolg beigetragen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der wichtigen Rolle, die die King&#8217;s German Legion insgesamt und speziell bei Waterloo gespielt hatte, konnte es nat\u00fcrlich nicht ausbleiben, dass ihre &#8218;Heldentaten&#8216; bald von deutsch-nationaler Seite proklamiert wurden. Man erkl\u00e4rte die Legion\u00e4re zu echten Patrioten, die nichts andres wollten als ihr geliebtes Vaterland vom Napoleonischen Joch zu befreien.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist wie so viele nationale Mythen ein an den Haaren herbeigezogenes Konstrukt. Bei der King&#8217;s German Legion handelte es sich um eine typische S\u00f6ldnerformation politischer Emigranten. Man kann hier Parallelen ziehen von den Athenern, die f\u00fcr Dareios gegen Alexander den Gro\u00dfen k\u00e4mpften, \u00fcber die irischen Wildg\u00e4nse bis hin zu Exil-Kubanern und Katanga-Gendarmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich herrschte in der Legion eine antinapoleonische oder antifranz\u00f6sische Stimmung, aber das machte aus den Legion\u00e4ren noch lange keine Patrioten. Soweit sie patriotische Gef\u00fchle hatten bezogen sich diese ohnehin mehr auf Hannover. W\u00e4hrend des Krieges in Spanien hatte man ihre Reihen dann immer wieder mit zwangsrekrutierten Kriegsgefangenen und Deserteuren aufgef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings waren sie auch kein zusammengew\u00fcrfelter S\u00f6ldnerhaufen wie viele der franz\u00f6sischen Fremdenregimenter. Bei Waterloo bestand die Einheit seit 12 Jahren und hatte w\u00e4hrend zahlloser Gefechte Erfahrungen gesammelt und Korpsgeist entwickelt. Die meisten Legion\u00e4re kannten sich seit Jahren, vertrauten einander und ihren Offizieren. Wie einst die Schweizer oder Gustav Adolfs Schotten waren sie eine Truppe erprobter Veteranen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Simms, Brendan<br>The Longest Afternoon: The 400 Men Who Decided the Battle of Waterloo<br>2015<\/p>\n\n\n\n<p>Pfannkuche, Adolf<br>Die K\u00f6niglich Deutsche Legion 1805-1816<br>Hannover 1926<\/p>\n\n\n\n<p>Lindau, Friedrich<br>Erinnerungen eines Soldaten aus den Feldz\u00fcgen der K\u00f6niglich-deutschen Legion<br>Hameln 1846<\/p>\n\n\n\n<p>Gareth Glover<br>Waterloo. Myth and Reality<br>2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die King&#8217;s German Legion verteidigt La Haye Sainte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4623,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[118,8],"tags":[12,58],"class_list":["post-4592","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-absolutismus-artikel","category-artikel","tag-deutsche","tag-napoleon"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wellenbrecher bei Waterloo - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/wellenbrecher-bei-waterloo\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Wellenbrecher bei Waterloo - 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