{"id":437,"date":"2024-10-05T16:32:24","date_gmt":"2024-10-05T16:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=437"},"modified":"2026-05-25T08:39:16","modified_gmt":"2026-05-25T08:39:16","slug":"die-germanische-leibgarde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-germanische-leibgarde\/","title":{"rendered":"Die germanische Leibgarde"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">der julisch-claudischen Kaiser.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"240\" height=\"367\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/augustus-1.jpg\" alt=\"Kaiser Augustus - Wikipedia\" class=\"wp-image-451\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/augustus-1.jpg 240w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/augustus-1-196x300.jpg 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als nach den Kriegen um die Nachfolge C\u00e4sars der Sieger Oktavian unter dem Titel Augustus 30. v. Chr. die Macht \u00fcbernahm begann mit ihm die Herrschaft der julisch-claudischen Kaiser (Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero), die das Imperium ca. 100 Jahre regieren sollten. Diesen ersten Kaisern der r\u00f6mischen Geschichte stand zwar zu ihrem Schutz die Pr\u00e4torianergarde in Rom zur Verf\u00fcgung, dennoch zogen sie es vor, sich in ihrer unmittelbaren Umgebung von barbarischen S\u00f6ldnern bewachen zu lassen. Diese germanische Leibgarde wurde bereits von Oktavian geschaffen und erfreute sich auch unter seinen Nachfolgern einer solchen Beliebtheit, dass die Einheit bis zum Ende der Dynastie beibehalten wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass man Fremden mehr vertraute als den eigenen Landsleuten, hatte in Rom durchaus Tradition. Bereits zu Zeiten der Republik hatten die Feldherren zu ihrem pers\u00f6nlichen Schutz eine so genannte Feldherrnkohorte, in der immer eine gro\u00dfe Zahl italischer Bundesgenossen diente. Nachdem die Italiker dann 89 v. Chr. das B\u00fcrgerrecht erhalten hatten, stieg der Anteil der Nichtitaliker in den Feldherrnkohorten. In diesen an politischen Intrigen und Verschw\u00f6rungen nicht gerade armen Zeiten setzten viele Feldherren offensichtlich nicht allzu sehr auf die Loyalit\u00e4t der R\u00f6mer. Der B\u00fcrgerkrieg unter C\u00e4sar und der um seine Nachfolge versch\u00e4rften die Situation noch einmal gewaltig. Jeder der Thronaspiranten versuchte durch Verrat, Bestechung, \u00dcberl\u00e4ufer, wechselnde B\u00fcndnisse und politischen Mord seine Position zu st\u00e4rken. Dazwischen k\u00e4mpften die alten Anh\u00e4nger der Republik mit den gleichen Mitteln, womit ihnen ja immerhin die Ermordung C\u00e4sars gelungen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Schutz der Kaiser sollten zwar die Pr\u00e4torianer sichern, doch diese erwiesen sich schnell als \u00e4u\u00dferst unzuverl\u00e4ssiges Instrument. Zunehmend nutzten sie ihre Macht, um Kaiser zu ermorden und neue auf den Thron zu heben. Hier hatten die Barbaren entscheidende Vorteile; sie waren nicht in politische Intrigen involviert, hatten keine Verwandten im Senat oder auf der Gegenseite, und waren als Fremde von ihrem Herrn meistens vollkommen abh\u00e4ngig. Einer ihrer wichtigsten Pluspunkte war allerdings, dass sie aus relativ primitiven Stammesgesellschaften kamen, in denen pers\u00f6nliche Loyalit\u00e4t und Gefolgschaftstreue wesentliche h\u00f6here Bedeutung hatten als in der r\u00f6mischen Gesellschaft. C\u00e4sar hatte aus diesen Gr\u00fcnden eine iberische Leibwache und Brutus eine aus Galliern. Auch Kleopatra besa\u00df eine Leibwache aus 400 Galliern, die sie wahrscheinlich von C\u00e4sar oder Antonius erhalten hatte. Nach ihrem Tod verschenkte sie Oktavian dann an Herodes, der au\u00dferdem noch Germanen und Thraker in seinem Dienst hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses \u00dcberlassen und Verschenken barbarischer Leibgarden deutet auf Sklaven, die speziell zu diesem Zweck gekauft oder direkt unter Kriegsgefangenen rekrutiert worden waren. Das trifft sicher auf einige zu und auch im Fall julisch-claudischen Garde ist der &#8222;Sklavenstatus&#8220; lange diskutiert worden. Inzwischen ist von der Forschung jedoch festgestellt worden, dass es sich bei ihr um einen ethnisch relativ homogenen Verband handelte, der haupts\u00e4chlich aus freiwilligen Batavern und einigen Ubiern und Sueben rekrutiert wurde. Wahrscheinlich wurde die Garde aber bei Bedarf manchmal mit Sklaven erg\u00e4nzt. Da sich germanische Sklaven aber auch als pers\u00f6nliche Leibw\u00e4chter bei r\u00f6mischen Adligen einer gro\u00dfen Beliebtheit erfreuten, konnte es vorkommen, dass beim Machtantritt eines neuen Kaisers Teile seines Gesindes in die Garde integriert wurden. Allerdings wurden sie dann frei gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oktavian hatte bereits im B\u00fcrgerkrieg germanische Hilfstruppen in seinem Heer, von denen die Bataver als alte Bundesgenossen Roms einen guten Teil gestellt haben werden. Im den langen Kriegesjahren hat er anscheinend ihre Zuverl\u00e4ssigkeit sch\u00e4tzen gelernt, denn man nimmt an, dass dann aus diesen Truppen die germanische Leibgarde in der St\u00e4rke einer Kohorte von 500-1000 Mann gebildet wurde. Obwohl sie in erster Linie den Kaiser in Rom zu besch\u00fctzen hatten, dienten sie dennoch wie viele Germanen als Kavallerieeinheit. Das lag daran, dass sie den Kaiser auf seinen Reisen begleiten mussten und als eine Art schnelle Eingreiftruppe auch an anderen Orten einsetzbar sein sollten. Wie sehr Augustus seine Garde sch\u00e4tzte wurde w\u00e4hrend der gro\u00dfen Germanenpanik nach der vernichtenden Niederlage der R\u00f6mer im Teutoburger Wald deutlich. Da viele einen neuen Germaneneinfall bef\u00fcrchteten, war die Bestand der Garde untragbar geworden. Augustus l\u00f6ste die Truppe aber nicht auf, wie allgemein gefordert wurde, sondern lie\u00df sie abziehen und &#8222;versteckte&#8220; sie in einem abgelegenen Teil Italiens. Als sich die Wogen dann gegl\u00e4ttet hatten, holte er sie wieder zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"297\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/germanen-leibgarde.jpg\" alt=\"Germanen der Leibgarde\" class=\"wp-image-442\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/germanen-leibgarde.jpg 640w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/germanen-leibgarde-300x139.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Garde zu einer festen Institution geworden war, musste sie konstant mit Nachschub vom Niederrhein versorgt werden. Denn obwohl der Dienst an sich nicht sehr gef\u00e4hrlich war, starben dennoch sehr viele an dem ungesunden Klima in Rom \u2013 haupts\u00e4chlich wohl an der Malaria.. Die wenigen Grabsteine deuten darauf hin, dass an die 50% vor dem 25. Lebensjahr starben. Vergleiche mit Grabsteinen der Pr\u00e4torianer haben gezeigt, dass diese das Klima wesentlich besser vertrugen. An geeigneten Kandidaten wird dennoch wohl kaum Mangel geherrscht haben, da der Dienst beim m\u00e4chtigen Kaiser in Rom sicher als \u00e4u\u00dferst ehrenvoll galt. Zudem gab es Heimkehrer, die nicht nur von wunderbaren Dingen zu berichten wussten, sondern die auch \u00e4u\u00dferst wertvolle Geschenke vorweisen konnten, die ihnen der Kaiser gemacht hatte. Es wird angenommen, dass das Eintrittsalter bei 17-18 Jahren und die Dienstzeit wie bei den Pr\u00e4torianern bei 16 Jahren lag. Danach gab es eine Pr\u00e4mie und das r\u00f6mische B\u00fcrgerrecht. Dennoch scheinen die meisten in ihre Heimat zur\u00fcckgekehrt zu sein. Wahrscheinlich haben sie dann dort geheiratet und sich als relativ wohlhabende und weit gereiste M\u00e4nner niedergelassen, da die aktiven Gardisten von einzelnen Ausnahmen abgesehen ledig bleiben mussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus praktischen Gr\u00fcnden erhielten die Germanen bei ihrem Eintritt zwar lateinische oder griechische Namen, ansonsten sollten sie aber m\u00f6glichst exotisch, barbarisch wild und gef\u00e4hrlich aussehen. Deshalb wurde schon bei der Rekrutierung Wert auf langes rotblondes Haar und die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe gelegt &#8211; man kann hier durchaus vom &#8222;Gardema\u00df&#8220; sprechen -, und ganz im Gegensatz zur r\u00f6mischen Mode hatten sie B\u00e4rte. Auch durch ihre Bewaffnung und Kleidung sollten diese Aspekte unterstrichen werden. Sie trugen Langschwerter, Wurfspie\u00dfe und germanische Rundschilde. Auf einer Abbildung der Trajans\u00e4ule ist sogar einer mit einer Keule bewaffnet, dazu sind sie mit &#8222;barbarischen&#8220; Hosen und zum Teil mit den Fellen wilder Tiere gekleidet. Man sollte nun nat\u00fcrlich nicht glauben, dass einige Gardisten mit Keulen in den Kampf gezogen sind. Die Keulen dienten viel mehr der Dekoration, und wurden deshalb vielleicht manchmal beim Wachdienst im Palast getragen. Um ihre Wildheit und Kampfkraft vor der r\u00f6mischen Bev\u00f6lkerung zu demonstrieren, lie\u00df sie Nero zumindest einmal in der Arena auftreten. Dort erlegten sie dann mit Wurfspeeren 400 B\u00e4ren und 300 L\u00f6wen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"380\" height=\"553\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/gladiatoren.jpg\" alt=\"Gladiatoren\" class=\"wp-image-444\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/gladiatoren.jpg 380w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/gladiatoren-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verwendung exotisch ausstaffierter Leibgarden aus Fremden war weit mehr als eine dekadente Marotte r\u00f6mischer Kaiser. Man findet Vergleichbares von der War\u00e4gergarde der byzantinischen Kaiser oder den sarazenischen Bogensch\u00fctzen des Stauferkaisers Friedrich II. bis hin zu den Kosaken der Zaren und der marokkanischen Leibwache Francos. Alle diese Truppen galten nicht nur als besonders tapfer und zuverl\u00e4ssig, sondern waren auch f\u00fcr ihre Grausamkeit ber\u00fcchtigt und bei Unruhen der Schrecken der Bev\u00f6lkerung. Genau f\u00fcr diese Mischung aus Mut, Treue und Wildheit waren die Germanen in Rom bekannt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass diese Furcht nicht unbegr\u00fcndet war, zeigte sich bei der Ermordung Caligulas. Dieser war bei der Garde besonders beliebt gewesen, da er sie mit Gunstbeweisen und Geschenken geradezu \u00fcberh\u00e4uft hatte, und es hie\u00df, sie seinen ihm so treu ergeben gewesen, dass sie gerne ihr Leben f\u00fcr ihn gegeben h\u00e4tten. Als Caligula dann auf dem Weg vom Palast ins Theater von den Pr\u00e4torianern niedergestochen wurde \u2013 seine Leibwache hatte er im Palast zur\u00fcckgelassen -, verfielen die Germanen in eine Art Raserei. Sie riegelten Palast und Theater ab und suchten nach den Attent\u00e4tern. Dabei erschlugen sie ohne zu Z\u00f6gern viele, die ihnen in den Weg kamen, darunter allein drei Senatoren, an denen sich sonst kaum jemand zu vergreifen wagte. Im Theater herrschte panischer Schrecken, und die Germanen standen kurz davor unter den zusammengepferchten Massen ein Blutbad anzurichten. Gerade noch rechzeitig erhielten sie die Nachricht, dass Caligula seinen Verletzungen erlegen sei und die Pr\u00e4torianer bereits Claudius zum Kaiser gemacht hatten. Erst jetzt lie\u00dfen sie die Besucher gehen, wurden aber fortan von der ganzen Bev\u00f6lkerung gef\u00fcrchtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den zentralen Aufgaben der Garde geh\u00f6rte aber nicht nur der unmittelbare Schutz des Kaisers; sie hatten wie die Pr\u00e4torianer auch die Funktion einer Polizeitruppe, mit deren Hilfe der Kaiser bei Verschw\u00f6rungen und Putschversuchen blitzschnell zuschlagen konnte. Da die Germanen ohne zu fragen jeden Befehl des Kaisers ausf\u00fchrten und es dabei auch nicht an der gew\u00fcnschten Brutalit\u00e4t fehlen lie\u00dfen, waren sie f\u00fcr politische S\u00e4uberungen und Morde ideal. Vor allem w\u00e4hrend der Regierung von Caligula und Nero wird mancher R\u00f6mer nach dem Besuch einiger Gardisten verschwunden sein. Tacitus schrieb dann auch, dass Nero den Germanen als Fremden als besonders vertraue. In diesen Zusammenhang passt, dass sowohl Caligula wie auch Nero ehemaligen Gladiatoren hohe Offiziersstellen bei der Garde \u00fcbertrugen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"342\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/nero_circus.jpg\" alt=\"Nero im Circus Maximus\" class=\"wp-image-446\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/nero_circus.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/nero_circus-300x205.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ber\u00fchmte Gladiatoren waren beim Volk oft \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r, und einige machten als G\u00fcnstlinge von Kaisern gro\u00dfe Karrieren. So machte Nero den Ex-Gladiator Spiculus nicht nur zu einem Offizier seiner Leibgarde, sondern schenkte ihm neben zahllosen anderen Dingen ganze Pal\u00e4ste. Viele reiche R\u00f6mer sch\u00e4tzten Ex-Gladiatoren jedoch auch als Leibw\u00e4chter. Wahrscheinlich konnte kaum jemand so gut mit Waffen umgehen wie sie und war so schnell zum T\u00f6ten bereit. Im Dienst von Politikern und nat\u00fcrlich ganz besonders der Kaiser fanden sie deshalb auch als Meuchelm\u00f6rder Verwendung. Unter Caligula hatte der Ex-Gladiator Sabinus eine f\u00fchrende Position in der Garde. Dieser Sabinus leitete dann auch nach Caligulas Ermordung die Racheaktion der Germanen im Kaiserpalast. Er wurde deshalb von Claudius als einziger der Garde bestraft und zum Tod in der Arena verurteilt. Allerdings wusste Claudius Gattin Messalina diese Schicksal zu verhindern, da Sabinus zu ihren zahlreichen Liebhabern geh\u00f6rte. Man kann allerdings annehmen, dass er neben Liebesdiensten noch andere Auftr\u00e4ge f\u00fcr diese intrigante Kaiserin erledigen musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verst\u00e4ndlicherweise wei\u00df nicht viel von diesen Aktivit\u00e4ten. Im Rom dieser Zeit verschwanden laufend Menschen, wurden nachts auf der Stra\u00dfe oder sogar in ihren H\u00e4usern ermordet. Anl\u00e4sse gab es genug. Der r\u00f6mische Adel wollte sich nicht so einfach mit der Entmachtung des Senats abfinden, und viele planten eine R\u00fcckkehr der Republik oder strebten gar selbst nach dem Thron. Mord war dabei zu einem relativ normalen Mittel der politischen Auseinandersetzung geworden. Es war aber nicht gut, allzu viel dar\u00fcber zu sprechen oder es niederzuschreiben. Berichtet wird deshalb nur von den gro\u00dfen Ereignissen, die ganz Rom ersch\u00fctterten, wie z.B. der pisonischen Verschw\u00f6rung Anfang 65. Einige Angeh\u00f6rige des r\u00f6mischen Adels planten seit l\u00e4ngerem unter der F\u00fchrung des reichen Anwalts Piso die Ermordung Neros. Auch Seneca zog im Hintergrund seine F\u00e4den. Nero sollte am Abschlusstag der Spiele im Circus Maximus get\u00f6tet werden. Allerdings wurde das Komplott dann doch noch einen Tag vorher entdeckt. Nero handelte sofort. Die Pr\u00e4torianer und die Germanen schw\u00e4rmten aus und verhafteten die ersten Verd\u00e4chtigungen. Mit dem entsprechenden Druck erhielten sie schnell die notwendigen Gest\u00e4ndnisse und konnten damit auch den Rest verhaften. Es gab anschlie\u00dfend eine ganze Reihe von Todesurteilen; Piso und Seneca begingen Selbstmord. Da Nero aber nicht zu streng gegen einige Familien und die beteiligten Offiziere der Pr\u00e4torianer vorgehen wollte, kamen auch einige mit Verbannung davon. Dass die germanische Garde an diesen Aktionen entscheidenden Anteil hatte, belegen einige erhaltene Gedenkm\u00fcnzen, auf denen Gardisten deutlich zu erkennen sind. Nero hatte sie extra aus diesem Anlass pr\u00e4gen lassen und sie wahrscheinlich dann als Dankesgaben an seine treuen Diener verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzten Endes waren die alten Republikaner noch das kleinere Problem. Sp\u00e4testens seit den Gracchen und Sullas Diktatur waren die Herrschenden in Rom dagegen immer mal wieder mit der unzureichenden Entlohnung der Veteranen konfrontiert worden. Augustus hatte die Zahl der Legionen zwar verringert, aber die immensen Steuereinnahmen verschwanden in den Taschen korrupter Staatsdiener oder wurden zunehmend dazu gebraucht, mit Brot und Spielen die Ruhe in der Hauptstadt aufrecht zu erhalten. Die Situation der Legion\u00e4re verschlechterte sich dabei rapide. Eine gro\u00dfe Meuterei mehrerer Legionen war sicher eine gr\u00f6\u00dfere Gefahr als die Verschw\u00f6rung einiger Senatoren. Deshalb schickte Kaiser Tiberius seinen Sohn Drusus mit einem Teil der Pr\u00e4torianer und der germanischen Leibgarde nach Pannonien, als die Legionen dort meuterten, nachdem man ihnen die Dienstzeit verl\u00e4ngert hatte, um die Abfindungen zu sparen. Es war nicht einfach, mit aufgebrachten Legion\u00e4ren zu verhandeln, denn diese neigten dazu, ihrer Emp\u00f6rung mit Steinw\u00fcrfen Ausdruck zu verleihen. Wie Tacitus berichtet retteten auch die Germanen mit M\u00fche einen Offizier vor der Steinigung. Als die Verhandlungen schlie\u00dflich zu scheitern drohten, ermordeten die Germanen und Pr\u00e4torianer nachts \u00fcberraschend die R\u00e4delsf\u00fchrer, worauf die Ruhe wieder hergestellt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"350\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/legionaere.jpg\" alt=\"Kaiser und Legion\u00e4re\" class=\"wp-image-448\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/legionaere.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/legionaere-300x233.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als es im Jahr 39 zu einer Verschw\u00f6rung hoher Offiziere in Gallien kam, r\u00fcckte Caligula selbst mit den Pr\u00e4torianern und seiner Garde im Gefolge an, lie\u00df die Beteiligten verhaften und hinrichten. An Hand dieser Eins\u00e4tze zeigt sich, warum die Garde beritten sein musste. Der Kaiser oder seine Abgesandten mussten in der Lage sein, auch in weiter entfernten Provinzen \u00fcberraschend zuschlagen zu k\u00f6nnen. Dazu brauchten sie keine Kampftruppen, sondern solche, die nicht mit den Rebellen fraternisierten und die ohne Z\u00f6gern die notwendige Henkersarbeit verrichteten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die germanische Leibgarde diente auf diese Weise treu und zuverl\u00e4ssig f\u00fcnf Kaisern. Ihr Ende kam, als sie sich 69 mit den Pr\u00e4torianern vom Senat in eine Verschw\u00f6rung gegen Nero hineinziehen lie\u00df. Man wei\u00df nicht, was man ihnen versprochen hatte, vielleicht wollten sie auch einfach nur abwarten. Wieder hatten die Legionen in einigen Provinzen rebelliert, dieses mal gewannen sie jedoch rasch an Boden, und die spanischen Legionen riefen Galba zum Kaiser aus. Als sich immer mehr Provinzen dem Aufstand anschlossen, wurden schlie\u00dflich die Pr\u00e4torianer und die Germanen vom Kaiserpalast abgezogen. Lediglich der ehemalige Gladiator Spiculus widersetzte sich und blieb bei Nero, bis sich dieser von allen verlassen das Leben nahm. Spiculus wurde sp\u00e4ter verhaftet und dem Volk \u00fcbergeben, das an ihm seinen Zorn auslie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Galba, der neue Kaiser h\u00e4tte der Garde f\u00fcr ihre Neutralit\u00e4t eigentlich dankbar sein m\u00fcssen, dennoch l\u00f6ste er sie kurze Zeit sp\u00e4ter auf. Das lag zum Teil daran, dass die Germanen wie auch viele Pr\u00e4torianer einen anderen Thronkandidaten favorisiert hatten. Zudem wurde die Garde vom Volk gef\u00fcrchtet. Es war also eine \u00e4u\u00dferst popul\u00e4re Ma\u00dfnahme, diese Schrecken erregenden Krieger, die so eng mit der alten Dynastie verbunden waren, nach Hause zu schicken. Der wichtigste Punkt war aber, dass sich die Garde als unzuverl\u00e4ssig erwiesen hatte. Durch ihren Seitenwechsel hatten sich selbst ihre wichtigste Basis entzogen, ihre unbedingte Treue. Galba gab dann auch zur Begr\u00fcndung an, dass er die Garde mit der Aufl\u00f6sung f\u00fcr ihren Verrat an Nero bestrafen wollte (bliebe die dumme Frage, warum er sich nicht selbst bestrafte). Dennoch war der Verzicht auf die Garde keine besonders gute Idee gewesen, denn Galba wurde noch im selben Jahr von den Pr\u00e4torianern erschlagen, denen er die nach einer Thronbesteigung \u00fcblichen Geschenke verweigert hatte. Die Gardisten selbst wurden in ihre Heimat entlassen, und man kann annehmen, dass die meisten mit Entt\u00e4uschung und einem gewissen Groll auf dieses unr\u00fchmliche und ihrer Meinung nach sicher auch ungerechte Ende ihres privilegierten Ehrendienstes reagierten. Es wurde deshalb schon vermutet, dass diese ehemaligen Gardisten eine Kernstruppe in dem gro\u00dfen Bataveraufstand stellten, der bald darauf ausbrach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>der julisch-claudischen Kaiser.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5515,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68,8],"tags":[72,69,75,73],"class_list":["post-437","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antike","category-artikel","tag-antike","tag-barbaren","tag-germanen","tag-rom"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die germanische Leibgarde - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-germanische-leibgarde\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die germanische Leibgarde - 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