{"id":4331,"date":"2025-04-25T14:32:09","date_gmt":"2025-04-25T14:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4331"},"modified":"2025-04-25T14:32:11","modified_gmt":"2025-04-25T14:32:11","slug":"die-schrecklichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-schrecklichen\/","title":{"rendered":"Die Schrecklichen"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Der Simbaaufstand und die Rebellion der S\u00f6ldner im Kongo.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/simbas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4334\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/simbas.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/simbas-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch nachdem der Sezessionsversuch Katangas niedergeschlagen worden war, hielt der Frieden im Kongo nicht lange. Die Korruption in der Verwaltung wucherte, die Soldaten der ANC besserten ihren miserablen Sold durch R\u00e4ubereien und Schutzgelderpressungen auf, und f\u00fcr die Oppositionellen wurde der ermordete Lumumba zu einer Art Nationalheiligem. Pierre Mulele ein ehemaliger Minister Lumumbas warb in Osteuropa und China um Unterst\u00fctzung. Anfang 1964 brach im Ostkongo der Aufstand der sogenannten Simbas (L\u00f6wen) aus. Obwohl die F\u00fchrer der Rebellen sich als sozialistische Revolution\u00e4re verstanden, spielten Aberglauben und Zauberei in der Bewegung eine gro\u00dfe Rolle. Die Simbas erhielten von ihren Medizinm\u00e4nnern Amulette, die die feindlichen Kugeln in Wasser verwandeln sollten. Oft nur mit Macheten und Speeren bewaffnet griffen sie im festen Glauben an ihre eigene Unverwundbarkeit die von den USA ausger\u00fcsteten Regierungstruppen an. Da aber bei diesen die wildesten Ger\u00fcchte \u00fcber die Zauberkraft der Simbas kolportiert wurden, flohen sie oft schon bei deren Herannahen. Zudem war die korrupte Regierung bei vielen St\u00e4mmen verha\u00dft. So wurden die Simbas in weiten Gebieten als Befreier empfangen; selbst ganze Einheiten der ANC gingen zu ihnen \u00fcber. Bei ihrem rasanten Siegeszug richteten nun die Simbas unter den regierungstreuen St\u00e4mmen und der schwarzen Oberschicht ein furchtbare Blutbad an. Aber auch zahlreiche Wei\u00dfe, \u00fcberwiegend belgische Siedler, Techniker und Missionare, fielen dem Terror zum Opfer. Die meisten Wei\u00dfen wurden jedoch in Stanleyville und Paulis gefangen gehalten, um bei einem Eingreifen der USA oder Belgiens als Geiseln zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch das Engagement Chinas waren die Amerikaner zwar bereit, der Zentralregierung jede m\u00f6gliche Unterst\u00fctzung zukommen zu lassen, da sie jedoch selbst immer st\u00e4rker in den Vietnamkrieg verstrickt wurden, konnten sie nicht auch noch Soldaten nach Schwarzafrika schicken. Also schickten sie Geld und Flugzeuge, einschlie\u00dflich der dazugeh\u00f6rigen Piloten. Bei diesen Piloten handelte es sich um von der CIA ausgebildete Exilkubaner. Nachdem die geplante Invasion Kubas kl\u00e4glich in der Schweinebucht gescheitert war, findet man die Kubaner als zuverl\u00e4ssige Emigrantens\u00f6ldner in fast allen heimlichen Kriegen der CIA. Aber auch mit dieser massiven Waffenhilfe war der Vormarsch der Simbas nicht zu stoppen. Mobutus Soldaten waren v\u00f6llig demoralisiert, zudem war damit zu rechnen, da\u00df Tschombe in Madrid versuchen w\u00fcrde, die Unruhen auszun\u00fctzen, um erneut ein freies Katanga zu proklamieren. Um sich nicht der Gefahr eines Zweifrontenkrieges auszusetzen verfielen die Amerikaner, Pr\u00e4sident Kasavubu und General Mobutu auf eine besonders elegante Idee: sie holten Tschombe aus seinem Exil zur\u00fcck und \u00fcbertrugen ihm die Regierung des gesamten Kongo. Mit Tschombe war offenbar der richtige Mann am richtigen Platz. Er rief seine treuen Katanga-Gendarmen wieder zu den Waffen und verwendete seine alten Kontakte, um mit dem Geld der CIA wieder wei\u00dfe S\u00f6ldner zu werben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst \u00fcberquerte Schramme mit seinen Veteranen und 8.000 Katanga-Gendarmen die Grenze von Angola; Denard folgte erst etwas sp\u00e4ter, da er im Jemen seine Zelte nicht so schnell abbrechen konnte. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Rekruten wurde jedoch unter der Leitung von Hoare in S\u00fcdafrika angeworben. Da die CIA als sicherer Geldgeber galt und die Heldentaten der Schrecklichen inzwischen in gewissen Kreisen von einem wahren Glorienschein umgeben waren, gab es keinen Mangel an Freiwilligen. Unter ihnen befanden sich allerdings nur einige der alten Katangaveteranen. Um sein sogenanntes 5. Kommando m\u00f6glichst schnell auf Sollst\u00e4rke zu bringen, nahm Hoare, was seine Werber in Salisbury und Johannesburg an Gescheiterten und Arbeitsscheuen auftreiben konnten. Die Presse sprach von &#8222;griechischen Kellnern und K\u00fcchenjungen, die Krieg f\u00fchren wollten&#8220; und vom &#8222;Abschaum der Bars von Johannesburg.&#8220; Als ehemaliger britischer Kolonialoffizier klagte Hoare selbst \u00fcber den alarmierend niedrigen Standard und den hohen Anteil an Alkoholikern, Haschischrauchern, Drogens\u00fcchtigen und Homosexuellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"382\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-muller.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4336\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-muller.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-muller-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Typisch f\u00fcr die neuen Rekruten war auch eine Gruppe von ungef\u00e4hr drei Dutzend Deutschen unter der F\u00fchrung von Siegfried M\u00fcller einem ehemaligen Oberleutnant der Wehrmacht. Ihre milit\u00e4rischen Kenntnisse beschr\u00e4nkten sich allerdings auf den Dienst in der Bundeswehr, und M\u00fcllers Erfahrungen von der Ostfront lagen fast 20 Jahre zur\u00fcck und waren in einem modernen Buschkrieg nur von geringem Nutzen. M\u00fcller hatte schon vorher brieflich mit Tschombe Kontakt aufgenommen und ihm seine Dienste angeboten. Da er aber zum Kampf um Katanga zu sp\u00e4t gekommen war, hatte er sich in S\u00fcdafrika niedergelassen und dort eine Stelle als Hotelmanager angenommen. Dort sa\u00df er dann sozusagen in den Startl\u00f6chern und pflegte den Kontakt zu einigen j\u00fcngeren, gleichgesinnten Landsleuten. Als dann endlich wieder S\u00f6ldner geworben wurden sagte man sich: &#8222;wir machen eine J\u00e4gerjagd &#8211; eine &#8211; eine Jagd auf Neger oder so etwas &#8211; wir machen eine dolle Sache &#8211; keine Gefahr alles okay.&#8220; So zumindest erz\u00e4hlte es M\u00fcller in einem Interview, und man kann sich das Klima vorstellen, in dem der Entschlu\u00df gereift war. Die Realit\u00e4t sah wie immer etwas anders aus, und die beiden Deutschen Nestler und Koethler waren die ersten Gefallenen des 5. Kommandos. Auch der Ru\u00dflandveteran M\u00fcller leistete wenig \u00dcberzeugendes und wurde deshalb in seiner Kommandostelle bald abgel\u00f6st. Trotzdem brachte er es als &#8222;Kongo-M\u00fcller&#8220; zu einer gewissen Ber\u00fchmtheit. Das lag allerdings mehr daran, da\u00df er den Vorstellungen mancher Journalisten entsprach, die \u00fcberall unter den S\u00f6ldnern Ex-Nazis vermuteten. F\u00fcr sie war Kongo-M\u00fcller, der immer deutlich sichtbar sein Eisernes Kreuz trug, geradezu die Idealbesetzung. Unter seinen Kameraden im Kongo sorgte er damit eher f\u00fcr Belustigung; sie erz\u00e4hlten, da\u00df er sein Eisernes Kreuz sogar nachts an seinen Pyjama heften w\u00fcrde. Regelrecht ber\u00fcchtigt wurde er bezeichnenderweise durch ein Interview, das er dem DDR-Fernsehen gab. In dem Glauben verst\u00e4ndnisvollen westdeutschen Journalisten gegen\u00fcberzusitzen erz\u00e4hlte er angetrunken und lachend von den Schl\u00e4chtereien im Kongo und erkl\u00e4rte sich auch dazu bereit, sein Know-How bei einer Befriedung der DDR einzubringen, oder sich an einer &#8222;Legion Vietnam&#8220; zu beteiligen. Diese unter dem Titel &#8222;Der lachende Mann&#8220; am 9.2.1966 ausgestrahlte Sendung wurde in Westdeutschland zuerst als w\u00fcstes Propagandam\u00e4rchen abgetan, bis sie dann durch andere Berichte aus dem Kongo best\u00e4tigt wurde. Doch inzwischen hatte sich ebenfalls herumgesprochen, da\u00df sich im Kongo eine kleine verlorene Schar wei\u00dfer S\u00f6ldner als letztes Bollwerk gegen den Kommunismus bew\u00e4hrte, und man war bereit sich mit Kongo-M\u00fcller als notwendiges \u00dcbel abzufinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der wild zusammengew\u00fcrfelten und zum Gro\u00dfteil unerfahrenen Rekruten wurde der Einsatz der S\u00f6ldner ein \u00fcberw\u00e4ltigender Erfolg. Die Befreiung der wei\u00dfen Geiseln in Stanleyville und Paulis geschah zwar durch regul\u00e4re belgische Fallschirmj\u00e4ger, aber die R\u00fcckeroberung des riesigen Landes und die Zerschlagung der nach Zehntausenden z\u00e4hlenden Rebellenarmee, erledigten ein paar hundert wei\u00dfe S\u00f6ldner, die nur von \u00e4u\u00dferst unzuverl\u00e4ssigen schwarzen Hilfstruppen unterst\u00fctzt wurden. In diesen K\u00e4mpfen wurde das 5. Kommando unter Hoares F\u00fchrung fast zu einer Legende. Hoares Taktik beruhte im wesentlichen auf Geschwindigkeit und Feuerkraft. Mit ihren Jeeps rasten die S\u00f6ldner in feindliche D\u00f6rfer und Stellungen und er\u00f6ffneten beim geringsten Widerstand ein vernichtendes Feuer aus schweren Maschinengewehren und automatischen Waffen. Oft wurden die Simbas von blitzschnellen Auftauchen der S\u00f6ldner v\u00f6llig \u00fcberrascht und dann vom Gefechtsl\u00e4rm in Panik versetzt. Diese Erfolge waren nat\u00fcrlich nur m\u00f6glich, da die Simbas nichts von moderner Kriegf\u00fchrung verstanden und v\u00f6llig unzureichend ausger\u00fcstet waren. Anfangs konnte es vorkommen, da\u00df eine Hand voll S\u00f6ldner mit ihren Maschinengewehren hunderte von Simbas niederm\u00e4hten, die von ihrer Unverwundbarkeit \u00fcberzeugt lediglich mit Speeren bewaffnet \u00fcber offenes Gel\u00e4nde angriffen. Aber auch wenn die Simbas \u00fcber moderne Waffen verf\u00fcgten, feuerten sie diese oft mit geschlossenen Augen ab, da sie glaubten, da\u00df ihr L\u00e4rm und ihre Magie die Feinde t\u00f6ten w\u00fcrden. Als dann China und einige afrikanische Staaten ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Rebellen intensivierten, Waffen lieferten und mit der Ausbildung von Kadern begannen, war es bereits zu sp\u00e4t. Der Aberglaube, der die st\u00e4rkste Waffe der Simbas gewesen war, beschleunigte nun ihre eigene Niederlage. Die S\u00f6ldner waren inzwischen zu den &#8222;wei\u00dfen Riesen&#8220; geworden, zu unverwundbaren, magischen Kriegern. Und so n\u00fctzten auch die chinesischen Gesch\u00fctze und Granatwerfer wenig. Sobald die Trommeln das Nahen der wei\u00dfen Riesen ank\u00fcndigten, begannen die Simbas zu fliehen, obwohl sie den Tod sonst nicht f\u00fcrchteten. Dennoch war die R\u00fcckeroberung des Ostkongo kein Spaziergang. Immer wieder gerieten kleine Trupps in Hinterhalte, oder konnten einzelne Stellungen erst nach schweren Gefechten eingenommen werden. Zwar fielen dabei meistens nur Einzelne, aber bei der kleinen Anzahl summierte sich auch das zu empfindlichen Verlusten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"419\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-jeep.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4338\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-jeep.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-jeep-300x251.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Oktober 1965 war der Simba-Aufstand fast vollst\u00e4ndig niedergeschlagen und die wei\u00dfen Riesen wurden in der westlichen Welt als Helden gefeiert. Nach all den dem\u00fctigenden Niederlagen der Entkolonialisierung hatten sie anscheinend noch einmal die \u00dcberlegenheit des wei\u00dfen Mannes bewiesen. Journalisten reisten in den Kongo und berichteten wie die S\u00f6ldner Missionare und Nonnen befreiten und Recht und Ordnung wieder herstellten. Doch mit der Publicity drangen auch Geschichten an die \u00d6ffentlichkeit, bei deren Lekt\u00fcre der zivilisierte Leser in Europa zwar sein Schaudern nicht unterdr\u00fccken konnte, die aber eigentlich nur belegen, da\u00df S\u00f6ldner ihr Handwerk immer noch auf die gleiche Weise aus\u00fcbten. Da waren zuerst einmal die Folterungen und Exekutionen. Sicher \u00fcberlie\u00dfen die S\u00f6ldner die schmutzigste Arbeit vorwiegend ihren schwarzen Hilfstruppen, trotzdem gab es auch unter ihnen einige leidenschaftliche Killer. Ein S\u00f6ldner wurde dabei ertappt, wie er K\u00f6pfe von toten Schwarzen auskochte. Die gereinigten Sch\u00e4del verkaufte er dann an amerikanische Piloten und Journalisten, die ein passendes Souvenir aus dem Kongo w\u00fcnschten. Da aber das belgische FN-Gewehr seine Ware ruinierte, hatte er sich extra ein Kleinkaliber angeschafft und meldete sich damit immer gerne zu Exekutionen. Auch Kongo-M\u00fcller besa\u00df einen Sch\u00e4del als Blumenst\u00e4nder und manche Jeeps zierten sie als K\u00fchlerfiguren. Bei der Beliebtheit dieser Troph\u00e4en, denkt man an die Gesch\u00e4fte mit T\u00fcrkenhaut w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe auf Kreta und der Morea, und fragt sich, ob sich wirklich in den vergangenen 300 Jahren so wenig ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber fr\u00f6nten die S\u00f6ldner ihrer Lieblingsbesch\u00e4ftigung seit Urzeiten: dem Pl\u00fcndern. Die Mannschaften wurden zwar mit umgerechnet etwa 2.600,- DM Sold und Gefahrenzulage in Devisen und 37.000 Kongo-Franken f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf relativ gut bezahlt; den wirklichen Anreiz bot aber nach wie vor die Beute. Beim Vormarsch wurden die Leichen der Simbas ausgepl\u00fcndert, die oft noch ihren Sold in den Taschen trugen. In den St\u00e4dten lockten die verlassenen Villen der wei\u00dfen Siedler und der wohlhabenden Schwarzen und nat\u00fcrlich die Banken. Sobald eine Stadt &#8222;befreit&#8220; wurde, rasten die Jeeps des 5. Kommandos zuerst zu den Banken, als n\u00e4chstes folgten die H\u00e4user der Reichen. Mit Bazookas und Dynamit wurden dann die Safes geknackt. In Stanleyville waren tagelang die Explosionen dieser Fischz\u00fcge zu h\u00f6ren. Von einem Unteroffizier wird berichtet, da\u00df er ein ganzes Transportflugzeug voller K\u00fchlschr\u00e4nke, Kameras, M\u00f6beln und sogar einigen Autos nach Stanleyville schaffen lie\u00df und die Beute dort an indische H\u00e4ndler verkaufte. Zwei S\u00fcdafrikaner sollen, nachdem sie in einem Safe 65.000$ gefunden hatten, einen Sanit\u00e4ter bestochen haben und anschlie\u00dfend auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein. Die Offiziere waren entweder selbst beteiligt oder sahen dar\u00fcber hinweg, um die Moral ihrer Truppen nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es blieb nicht allein bei diesen oberfl\u00e4chlichen Parallelen. Wie ihre historischen Vorg\u00e4nger, die Freien Kompanien oder die Landsknechte, dachten auch die Kongos\u00f6ldner nicht daran, bei Kriegsende auf ihr lukratives Gesch\u00e4ft zu verzichten. In guter alter Tradition meuterten sie und versuchten, den gesamten Staat in ihre Hand zu bekommen. Es begann damit da\u00df Tschombe, der ja nun seinen Zweck erf\u00fcllt hatte von Mobutu gest\u00fcrzt wurde. Tschombe ging wieder nach Madrid ins Exil, und kurz darauf \u00fcbernahm Mobutu durch einen Milit\u00e4rputsch als Alleinherrscher die Macht. Einen Tag sp\u00e4ter erhielt Hoare seinen Abschied. Da Mobutu noch nicht v\u00f6llig auf die S\u00f6ldner verzichten wollte, entledigte er sich vorerst haupts\u00e4chlich der S\u00fcdafrikaner, unter denen Tschombe seine treuesten Anh\u00e4nger gehabt hatte. Das war nicht besonders schwierig, denn wegen der Sechs-Monats-Vertr\u00e4ge der S\u00f6ldner herrschte ein st\u00e4ndiges Kommen und Gehen, wobei nun die S\u00fcdafrikaner durch Spanier und Italiener ersetzt wurden. Als Gegengewicht zu dem englischsprachigen 5. Kommando, dienten das franz\u00f6sischsprachige 6. unter Denard und die Belgier in Schrammes 10. Kommando. Nach dem Ende der K\u00e4mpfe f\u00fchrten alle ein relativ ruhiges Leben in den Garnisonen, vertranken ihren Sold und am\u00fcsierten sich mit ihren schwarzen Geliebten. Trotzdem wurde eifrig konspiriert. Denard besuchte Tschombe heimlich in Madrid, und Schramme errichtete im Zentralkongo eine feste Basis. Im Juli 1966 meuterte eine Einheit Katanga-Gendarmen, der sich auch einige S\u00f6ldner angeschlossen hatten. Da sich die \u00fcbrigen S\u00f6ldner jedoch abwartend verhielten, versuchten sich die Meuterer nach Katanga durchzuschlagen, ergaben sich dann aber unterwegs Schramme, der ihnen Straffreiheit zugesichert hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"420\" height=\"532\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-bukavu.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4339\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-bukavu.jpg 420w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-bukavu-300x380.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mobutu hatte zwar einmal gro\u00dfspurig behauptet: &#8222;Was bedeuten schon 1.000 fremde Freiwillige in einer Armee von 31.500 Soldaten.&#8220; Aber die Meuterei hatte in der Armee eine Panik ausgel\u00f6st und aller Welt demonstriert, wie gef\u00e4hrlich die S\u00f6ldner waren. Um keinen neuen Aufstand zu provozieren, versuchte Mobutu seine fremden Freiwilligen nach und nach los zu werden. Als erstes wurde das 5. Kommando aufgel\u00f6st und der Mannschaftsbestand der anderen Einheiten reduziert. Dann erhielt Denard den Befehl, Schrammes Truppen zu entwaffnen. Doch als echte Condottieri verst\u00e4ndigten sich die beiden und planten den ganz gro\u00dfen Coup. Gemeinsam wollten sie Stanleyville und einige St\u00e4dte im Ostkongo erobern dann nach Katanga vorsto\u00dfen. Dort sollte Tschombe aus Madrid einfliegen und gemeinsam w\u00fcrde man mit einem Heer aus Katanga-Gendarmen die Macht im Kongo an sich rei\u00dfen. Doch wahrscheinlich hatte die CIA, die ihre sch\u00fctzende Hand \u00fcber Mobutu hielt, Wind von dem Unternehmen bekommen. Denn kurz darauf wurde Tschombe bei einem Flug von Ibiza nach Mallorca durch seinen Leibw\u00e4chter, einen franz\u00f6sischen S\u00f6ldner, gekidnappt und nach Algerien verschleppt, wo er im Gef\u00e4ngnis landete. Ohne ihr politisches Aush\u00e4ngeschild waren die S\u00f6ldner zuerst ratlos. Aber die Stimmung hatte sich inzwischen so weit verschlechtert, da\u00df sie den Putsch nicht mehr aufschieben wollten.<br><br>Am 5. Juli 1967 griff das 10. Kommando die Kasernen der ANC in Stanleyville (inzwischen in Kisangani umbenannt) an und feuerte auf alles, was sich bewegte. Wieder flohen die Truppen der ANC in Panik. An anderen Orten wurden jedoch die S\u00f6ldner von einer erdr\u00fcckenden \u00dcbermacht zur\u00fcckgeschlagen. Denard, der verwundet worden war, wurde mit einigen anderen Verletzten nach Rhodesien ausgeflogen. Schramme hielt Stanleyville, um anderen Einheiten die M\u00f6glichkeit zu geben, zu ihm zu sto\u00dfen. Schlie\u00dflich sammelten sich ungef\u00e4hr 150 wei\u00dfe S\u00f6ldner und etwa 800 Katanga-Gendarmen. Sie wurden nun von Mobutus Luftwaffe und seinen von Israelis ausgebildeten Fallschirmj\u00e4gern bedr\u00e4ngt. Die USA stellten Transportflugzeuge, so da\u00df Mobutu seine Reserven schnell zum Einsatz bringen konnte. Als die Situation immer brenzliger wurde, schlugen sich die S\u00f6ldner durch die feindlichen Linien und verschwanden f\u00fcr mehrere Wochen im Busch. Dann tauchten sie \u00fcberraschend am Kiwu-See wieder auf und eroberten die reiche Grenzstadt Bukavu. Aber auch jetzt war Schramme noch nicht bereit aufzugeben. Er forderte den R\u00fccktritt Mobutus und protegierte die Gegenregierung eines weitgehend unbekannten Katangesen. W\u00e4hrenddessen sammelte Denard in Nordangola S\u00f6ldner und Katanga-Gendarmen, um von S\u00fcden im Kongo einzufallen. Schrammes erprobte Veteranen schlugen alle Angriffe von Mobutus Fallschirmj\u00e4gern zur\u00fcck, und nachdem ein deutscher Ex-Legion\u00e4r, der wegen seiner kleinen Statur als Mini-Schmidt bekannt war, drei feindliche Flugzeuge abgeschossen hatte, wagte auch Mobutus Luftwaffe keine Angriffe mehr. Doch bei diesen verzweifelten K\u00e4mpfen wurde allm\u00e4hlich die Munition knapp, und alle Hoffnung richtete sich auf Denards Entsatzangriff. Als dieser jedoch in einem Hinterhalt zerschlagen wurde, mu\u00dfte auch Schramme aufgeben. Mit knapp 130 wei\u00dfen S\u00f6ldnern, 800 Katanga-Gendarmen und 1.500 Frauen und Kindern \u00fcberquerte er die Grenze nach Ruanda, wo die Truppe interniert wurde.<br><br>Da\u00df es diese Hand voll M\u00e4nner in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts noch einmal gewagt hatte, ein riesiges Land zu erobern und dabei die Interessen der Weltm\u00e4chte wie auch die Proteste der UNO ignoriert hatte, ist der eigentliche Anachronismus, der durch die Pl\u00fcnderungen und gesammelten Troph\u00e4en nur untermalt wird. Aber auch ihre verschwindend geringe Anzahl zeigt \u00fcberdeutlich, da\u00df es sich mehr um eine Randerscheinung als um ein Wiederaufleben der Condottieri und Freien Kompanien handelte. Den ganzen Medienrummel, den die wei\u00dfen Riesen verursachten, beruht zu guten Teilen darauf, da\u00df der zivilisierten Welt etwas vorgef\u00fchrt wurde, was sie l\u00e4ngst auf der M\u00fcllhalde der Geschichte geglaubt hatte. Selbst die spektakul\u00e4ren S\u00f6ldneraktionen des 19. Jahrhunderts, die Erfolge der Ever Victorious Army in China oder die Eroberung Nicaraguas, hatten kein ann\u00e4hernd vergleichbares Echo ausgel\u00f6st. Nach zwanzig Jahren Frieden und Wohlstand produzierte Europa nur noch wenige S\u00f6ldner. Diese Rolle \u00fcbernahmen nun andere. Von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung im Kongo waren die Gurkhas, die kubanischen Piloten und die Katanga-Gendarmen. Den Gurkhas als einstiger Elitetruppe der britischen Kolonialarmee fehlt es bis heute nicht an Angeboten arabischer und malaiischer \u00d6lscheichs, die am liebsten ganze Bataillone \u00fcbernehmen w\u00fcrden. Die Kubaner flogen weiter f\u00fcr die CIA in Laos, Kambodscha und schlie\u00dflich in Nicaragua, und die heimatlosen Katanga-Gendarmen traten in die Dienste der Portugiesen in Angola. Diese geborenen Krieger aus den Bergen Nepals und den Savannen Katangas waren f\u00fcr den historischen Zustand des Gewerbes weitaus charakteristischer als die vereinzelten Relikte aus Europa.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Simbaaufstand und die Rebellion der S\u00f6ldner im Kongo.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4332,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[132,8],"tags":[140,135],"class_list":["post-4331","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-20-jahrhundert","category-artikel","tag-afrika","tag-kongo"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Schrecklichen - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-schrecklichen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Schrecklichen - Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der Simbaaufstand und die Rebellion der S\u00f6ldner im Kongo.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-schrecklichen\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php\/?id=100078852462894\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2025-04-25T14:32:09+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-04-25T14:32:11+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kongo-ft.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"admin\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"admin\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"15\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/die-schrecklichen\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/die-schrecklichen\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"admin\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/388b4cee2eb722fc8a240bd0191d3ed8\"},\"headline\":\"Die Schrecklichen\",\"datePublished\":\"2025-04-25T14:32:09+00:00\",\"dateModified\":\"2025-04-25T14:32:11+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/die-schrecklichen\\\/\"},\"wordCount\":2924,\"commentCount\":0,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#organization\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/die-schrecklichen\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2025\\\/04\\\/kongo-ft.jpg\",\"keywords\":[\"Afrika\",\"Kongo\"],\"articleSection\":[\"20. 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