{"id":4321,"date":"2025-04-25T14:31:02","date_gmt":"2025-04-25T14:31:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4321"},"modified":"2025-04-25T14:31:04","modified_gmt":"2025-04-25T14:31:04","slug":"der-taiping-aufstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/der-taiping-aufstand\/","title":{"rendered":"Der Taiping-Aufstand"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">und die Gr\u00fcndung der Ever Victorious Army.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn in europ\u00e4ischen Geschichtsb\u00fcchern \u00fcberhaupt etwas davon zu lesen ist, bezeichnet man den gro\u00dfen Krieg, der China in der Mitte des 19. Jahrhunderts verw\u00fcstete, verharmlosend als &#8222;Taiping-Aufstand&#8220;. Doch dabei handelte es sich nicht um eine weitere Rebellion verelendeter Bauern und religi\u00f6ser Fanatiker, sondern wahrscheinlich um den blutigsten Krieg, der die Menschheit in ihrer Geschichte heimgesucht hatte, bevor dann im 20. Jahrhundert mit industriellen Massenvernichtungsmitteln neue Dimensionen erreicht wurden. Der Taiping-Aufstand soll 15-20 Millionen Menschenleben gekostet haben; von mehr als einem halben Tausend reicher, bl\u00fchender St\u00e4dte blieben nur verkohlte Ruinen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"540\" height=\"648\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/chin-bogensch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4323\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/chin-bogensch.jpg 540w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/chin-bogensch-300x360.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Taiping waren urspr\u00fcnglich eine von protestantischen Missionaren beeinflusste Sekte. Ihr Anf\u00fchrer f\u00fchrte den Titel &#8222;Himmlischer K\u00f6nig&#8220;, betrachtete sich als Teil der heiligen Dreifaltigkeit und unterhielt sich regelm\u00e4\u00dfig mit seinem \u00e4lteren Bruder Jesus oder mit Gott seinem Vater. Mit der Zeit waren die Taiping jedoch immer mehr zu einer sozialrevolution\u00e4ren Bewegung geworden, und nach ersten Erfolgen \u00fcber die Regierungstruppen richtete sich der Aufstand auch gegen die fremden Mandschus und wurde dadurch zu einer ernsten Bedrohung der Tjing-Dynastie. Dem Fanatismus der Taiping waren die korrupten und unf\u00e4higen kaiserlichen Gener\u00e4le nicht gewachsen, und so eroberten die Taiping schlie\u00dflich 17 Provinzen und 1853 gelang ihnen sogar die Einnahme von Nanking. Wie immer, wenn Religion, Nationalismus und sozialer Protest vermischt werden, verlieh dies der Bewegung zwar eine gewaltige Dynamik, hatte aber auf den Krieg selbst schreckliche Auswirkungen. Er wurde von beiden Seiten mit unvorstellbarer Grausamkeit gef\u00fchrt, wobei im Abschlachten der Zivilbev\u00f6lkerung allerdings den kaiserlichen Truppen eine f\u00fchrende Rolle zukam. Wenn die Taiping eine Stadt eroberten, schlachteten sie meistens gnadenlos alle Einwohner, von denen sie annahmen, Anh\u00e4nger der Mandschus zu sein. Eroberten die kaiserlichen diese Stadt dann irgendwann zur\u00fcck, war der Rest der Bev\u00f6lkerung an der Reihe, da er ja mit dem Gegner fraternisiert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kolonialm\u00e4chte (das waren zuerst England, dann Frankreich und schlie\u00dflich als Newcomer die USA) verhielten sich lange abwartend, da ihnen eine Schw\u00e4chung des Kaiserreichs gelegen kam, und die Taiping als eine Art Christen galten. Wichtig war ihnen vor allem, dass ihre Handelprivilegien und ihre autonomen Niederlassungen, die sie den Mandschus in mehreren Kriegen abgetrotzt hatten, unangetastet blieben. Doch die Taiping dachten nicht daran, diese f\u00fcr China \u00e4u\u00dferst unvorteilhaften Vertr\u00e4ge einfach zu best\u00e4tigen. Das schlimmste aus der Sicht der Kolonialm\u00e4chte war jedoch, dass die Taiping in den von ihnen kontrollierten Gebieten den Opiumhandel gnadenlos bek\u00e4mpften. Die Europ\u00e4er hielten es f\u00fcr ihr gutes Recht, den Chinesen so viel Opium zu verkaufen, wie diese bezahlen konnten, und machten riesige Profite damit. England hatte sogar den ber\u00fcchtigten Opiumkrieg (1840-42) gef\u00fchrt, um diese Version der freien Marktwirtschaft in China durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings waren die Europ\u00e4er nicht bereit, einen kostspieligen Krieg gegen die Taiping zu finanzieren. Nat\u00fcrlich verkauften sie der kaiserlichen Armee gegen gutes Geld Waffen und Kanonenboote und unterst\u00fctzen diese auch hie und da mal mit ihrer Schiffsartillerie. Eigene Truppen wollten sie jedoch nur zur Verteidigung ihrer Handelsniederlassungen in Shanghai einsetzen. W\u00e4hrend die Europ\u00e4er also abwarteten und die Taiping immer weiter siegreich Richtung Shanghai vordrangen, f\u00fcllte sich die Stadt mit hunderttausenden von Fl\u00fcchtlingen, die Versorgung wurde zunehmend schwieriger, Hunger und Kriminalit\u00e4t wuchsen be\u00e4ngstigend. Jeden Tag trieben mit der Ebbe zahllose Leichen durch die Kan\u00e4le des Deltas Richtung Meer, nur um am n\u00e4chsten Tag mit der Flut wieder zur\u00fcckzukehren. Es waren un\u00fcbersehbare Zeichen der sich n\u00e4hernden K\u00e4mpfe. Zeitweilig war der Gestank so bestialisch, dass die meisten Bewohner Shanghais parf\u00fcmierte Gazemasken vor dem Gesicht trugen. Als die reichen chinesischen Kaufleute und Bankiers beobachteten, wie ihre L\u00e4ndereien im Umland verw\u00fcstet wurden und der Handel in der isolierten Stadt zusammenbrach, entschlossen sie sich etwas dagegen zu unternehmen und sahen sich nach ausl\u00e4ndischen Fachkr\u00e4ften um. Sie fanden Frederick Townsend Ward.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"479\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ward.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4325\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ward.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ward-300x359.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Frederick Townsend Ward<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ward wurde 1831 in Salem Massachusetts geboren. Er war bereits als Kind sehr unruhig und versuchte erfolglos an die Milit\u00e4rakademie von West Point zu kommen. Als er mit 15 von zu Hause weglief, um am Krieg gegen Mexiko teilzunehmen, schickte ihn sein Vater als Schiffsjunge auf einem Clipper nach China. Damit begann sein abenteuerliches Leben. Er fuhr mehrmals zur See, schmuggelte Kulis in die Staaten, suchte Gold in Kalifornien und diente als Ausbilder in Walkers Flibustier-Armee in Nicaragua. Einigen Quellen zufolge war er auch Texas-Ranger, Milit\u00e4rberater in Mexiko und franz\u00f6sischer Offizier w\u00e4hrend des Krimkrieges. 1859 kam er wieder nach Shanghai. Die Nachrichten vom Krieg und den Gesch\u00e4ften, die sich damit machen lie\u00dfen, hatten zu dieser Zeit eine Menge Abenteurer und zweifelhafte Gestalten nach Shanghai gef\u00fchrt. Einige nahmen Dienst als Artilleristen bei der kaiserlichen Armee oder als Offiziere auf deren Kanonenbooten westlicher Bauart, andere schmuggelten Opium oder versorgten die Taiping illegal mit Waffen. Das war zwar gef\u00e4hrlich, brachte aber eine Menge Geld. F\u00fcr eine alte Muskete aus den Restbest\u00e4nden der napoleonischen Kriege, die in Shanghai f\u00fcr wenige Dollar zu haben war, bezahlten die Taiping bis zu hundert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ward diente zuerst als Maat auf einem Kanonenboot auf dem Yangste. Dieses Boot geh\u00f6rte zu einer kleinen Flotte, die von chinesischen Kaufleuten finanziert wurde, um die Piraterie einzud\u00e4mmen, die durch den Krieg gewaltig zugenommen hatte. Nachdem er dabei mit der politischen Situation vertraut geworden war und auch gesehen hatte, was einige wenige mit modernen Waffen versehene Europ\u00e4er ausrichten konnten, machte er seine eigenen Pl\u00e4ne. Im Mai 1860 unterbreitete er in Shanghai dem Sprecher der chinesischen Gesch\u00e4ftsleute dem reichen Bankier Taki sein Angebot. Bei entsprechender Finanzierung wollte er eine eigene S\u00f6ldnertruppe aus Europ\u00e4ern aufstellen und mit ihr die Taiping aus dem Delta um Shanghai vertreiben. Taki willigte nach kurzer R\u00fccksprache ein, und Ward erhielt 100$ im Monat f\u00fcr jeden Gemeinen und bis zu 600$ f\u00fcr die Offiziere. Das war viel Geld in einer Zeit, in der ein Facharbeiter in den USA 30-40$ monatlich verdiente. Dazu kamen noch Pr\u00e4mien zwischen 45.000 und 133.000$ f\u00fcr die zu erobernden St\u00e4dte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reichlich mit Geld versehen rekrutierte Ward zuerst als Unterf\u00fchrer die amerikanischen Gl\u00fccksritter Henry Burgevine und Edward Forrester; der letztere hatte schon mit ihm in Nicaragua gedient. Auch die Mannschaften waren kein Problem. Shanghai war st\u00e4ndig voller europ\u00e4ischer Matrosen, von denen immer wieder viele desertierten oder unfreiwillig die Schiffe wechselten. Die Zwangsrekrutierung von Seeleuten erhielt damals nicht ohne Grund die Bezeichnung &#8222;Shanghaien&#8220;. Die geradezu f\u00fcrstliche Bezahlung und die Aussicht auf die Pl\u00fcnderung reicher chinesischer St\u00e4dte f\u00fchrte schnell genug Rekruten in Wards Lager. Die Chinesen, die die Seeleute meistens nur als Kulis im Hafen kennen lernten, galten als feige und ausgesprochen unsoldatisch. Es galt deshalb als sicher, dass jeder Europ\u00e4er in einer Schlacht Dutzende von ihnen aufwiegen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Ward ungef\u00e4hr 300 Mann zusammen hatte &#8211; haupts\u00e4chlich Amerikaner, Briten und Franzosen &#8211; und diese notd\u00fcrftig einexerziert hatte, unternahm er den ersten Vorsto\u00df auf die Stadt Sungkiang, die etwa 40 Km s\u00fcdwestlich von Shanghai lag. Da man wusste, dass ein Gro\u00dfteil der Taiping nur mit Bambuslanzen, alten Schwertern und rostigen Musketen bewaffnet war, zweifelte niemand am kommenden Sieg. Die Europ\u00e4er hatten zur Feier des kommenden Sieges bereits reichlich Alkohol mitgenommen, marschierten volltrunken und gr\u00f6lend durch die Nacht und malten sich bereits die reiche Beute aus. Auf diese Weise vorgewarnt empfingen die Taiping die Angreifer beim Erklettern der Sturmleitern mit einem m\u00f6rderisches Feuer. Schon nach wenigen Minuten hatte sich Wards stolze Truppe in wilder Flucht aufgel\u00f6st. Trotzdem blieben \u00fcber hundert Tote zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"320\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gefecht-taiping.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4327\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gefecht-taiping.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gefecht-taiping-300x120.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gefecht-taiping-768x307.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck in Shanghai entlie\u00df Ward einen Gro\u00dfteil seiner S\u00f6ldner und begann nun damit, seine M\u00e4nner mit mehr Sorgfalt auszuw\u00e4hlen. Er bevorzugte Deserteure von Kriegsschiffen und solche, die auf anderen Kontinenten oder den Weiten der S\u00fcdsee bereits einschl\u00e4gige Erfahrungen gemacht hatten. Die Nachrichten vom Krieg zogen auch viele Beachcomber an, die vorher als Schmuggler oder Blackbirder ihrem Gl\u00fcck hinterher gejagt waren. Eine besonders zuverl\u00e4ssige Gruppe f\u00fchrte ihm der Filipino Vicente Macanaya zu. Dabei handelte es sich um 200 so genannte &#8222;Manilamen&#8220;, Seeleute von den Philippinen, die nicht nur auf europ\u00e4ischen Schiffen als Seeleute beliebt waren, sondern auch einen guten Ruf als K\u00e4mpfer hatten. Im Juli stand er mit seiner neuen Truppe und einigen Gesch\u00fctzen wieder vor Sunkiang. Eine Bresche in die mittelalterlichen Mauern zu schie\u00dfen, war f\u00fcr die Artillerie kein gro\u00dfes Problem und seine Scharfsch\u00fctzen s\u00e4uberten inzwischen die W\u00e4lle. Dennoch wehrten sich die Taiping tapfer, bevor es schlie\u00dflich gelang sie in blutigem Nahkampf aus der Stadt zu treiben. Danach war die Beute allerdings immens, und Wards Seeleute kehrte die Taschen voller Silber und mit kostbaren Stoffen beladen nach Shanghai zur\u00fcck. Dazu kam eine Pr\u00e4mie von 133.000 Dollar, von der ebenfalls jeder seinen Anteil erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Sieg und nat\u00fcrlich die Hoffnung auf neue Beute sorgten f\u00fcr gro\u00dfen Zulauf an Deserteuren und Abenteurern in Shanghai. So verst\u00e4rkt griff Ward kurz darauf die gr\u00f6\u00dfere Stadt Tsingpu an. Doch nun waren die Taiping besser vorbereitet; ihre Artillerie wurde von einem ehemaligen britischen Leutnant namens Savage kommandiert. Nach dem Erst\u00fcrmen der Mauern gerieten Wards M\u00e4nner in einen Hinterhalt und wurden unter schweren Verlusten wieder aus der Stadt geworfen. Dennoch war Ward nicht bereit aufzugeben; er eilte nach Shanghai und rekrutierte jeden, der bereit war sein Geld anzunehmen. Dieses Mal waren es haupts\u00e4chlich griechische und italienische Seeleute ohne jede milit\u00e4rische Ausbildung (die Nationalit\u00e4t der S\u00f6ldner hing immer stark davon ab, welche Schiffe gerade eingetroffen waren). Mit diesen Truppen unternahm er kurz darauf einen neuen verzweifelten Angriff auf Tsingpu, der in einem noch gr\u00f6\u00dferen Desaster endete. Er selbst wurde schwer verwundet und verlor ein Drittel seiner Leute und alle Boote und Kanonen. Der R\u00fcckzug wurde zur Flucht, die erst vor den Toren von Sungkiang endete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit schien das Ende dieser S\u00f6ldnertruppe gekommen. Ward hatte sich gerade von seinen Verwundungen etwas erholt, als ihn der Oberbefehlshaber der britischen Marine in Shanghai Admiral Hope verhaften lie\u00df. Gleichzeitig wurden seine S\u00f6ldner als Deserteure verfolgt. Eine Zeitung schrieb \u00fcber sie: &#8222;Einige wurden von den Chinesen hingerichtet, einige fielen im Kampf, einige warten auf ihren Prozess im Gef\u00e4ngnis. Wir hoffen, dass die wenigen, die entkommen sind, damit ausreichende Beispiele haben, dass sie nie mehr versuchen, auf solch illegale Weise ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich von so ber\u00fcchtigten Truppen anwerben lassen wie der Chinesischen Fremdenlegion.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"468\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/taip-map.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4328\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/taip-map.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/taip-map-300x234.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Zeiten \u00e4nderten sich schnell. Unter einem neuen f\u00e4higen General r\u00fcckten die Taiping weiter vor und schienen auch bereit, sich bei der Interpretation der Religion dem Protestantismus weiter anzun\u00e4hern. Zudem kontrollierten sie inzwischen weite Gebiete mit Seiden- und Porzellanindustrie. Admiral Hope verhandelte sogar pers\u00f6nlich mit einigen ihrer Repr\u00e4sentanten, musste aber feststellen, dass die Taiping bei der Garantie der westlichen Handelprivilegien und ihrem Verbot des Opiumhandels zu keinen Zugest\u00e4ndnissen bereit waren. Damit war klar, dass die Briten die Mandschus unterst\u00fctzen und dazu Truppen ben\u00f6tigen w\u00fcrden. Schlie\u00dflich mussten Engl\u00e4nder und Franzosen sich sogar aktiv an der Verteidigung Shanghais beteiligen und mit ihren Schiffsgesch\u00fctzen und Marineinfanterie die Taiping wieder etwas zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Hope war nun bereit mit Ward zu verhandeln. Dieser machte ihm ein \u00fcberraschendes Angebot: Er wollte weitgehend auf die Rekrutierung britischer Deserteure verzichten und k\u00fcnftig haupts\u00e4chlich Chinesen ausbilden. Die Briten sollten ihn daf\u00fcr im Gegenzug gro\u00dfz\u00fcgig mit Waffen beliefern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wards Vorhaben war aus der Sicht jedes Europ\u00e4ers l\u00e4cherlich. Alle hielten Chinesen f\u00fcr v\u00f6llig unkriegerisch und betrachteten es als hoffnungsloses Unterfangen, aus ihnen Soldaten zu machen. Doch Ward hatte die Taiping als harte K\u00e4mpfer kennen gelernt und zeigte nun hier sein eigentliches Talent. Wie einige der wirklich gro\u00dfen S\u00f6ldnerf\u00fchrer und im Gegensatz zu vielen seiner Offiziere hatte er keine rassischen Vorurteile, sondern war der Ansicht, dass man mit Disziplin guter Ausbildung und geregelter Bezahlung aus den meisten Menschen gute Soldaten machen konnte. Vom Rest seiner alten Truppe, den Forrester und Burgevine in Sunkiang zusammen gehalten hatten, wurden nur diejenigen behalten, die man als Offiziere oder Ausbilder gebrauchen konnte. Der Rest wurde entlassen. Die Manilamen wurden in einer eigenen Einheit zusammengefasst und dienten k\u00fcnftig als Wards Leibwache und als Elitesto\u00dftruppe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entgegen den allgemeinen Erwartungen ging die Ausbildung der Chinesen z\u00fcgig voran. Sie entwickelten sich schnell zu guten Sch\u00fctzen und wurden sogar als Artilleristen ausgebildet. Bald wurden die besten zu Unteroffizieren bef\u00f6rdert. Aber die Chinesen verhielten sich nicht nur disziplinierter als die permanent aufr\u00fchrerischen Seeleute, sie waren vor allem auch billiger und anspruchsloser was die Versorgung betraf. Der Sold reichte von 8$ monatlich f\u00fcr die Gemeinen bis zu 20$ f\u00fcr die Sergeanten. Das war zwar nicht viel verglichen mit den 150$, die der niedrigste wei\u00dfe Offizier erhielt, aber immer noch ein vielfaches von dem, was ein Chinese normalerweise verdienen konnte. Bereits Ende 1861 hatte Ward eine kleine Armee von ungef\u00e4hr 3.000 Mann beisammen; bis auf etwa 100 Europ\u00e4er und 200 Manilamen waren alle Chinesen. Dazu kamen einige Batterien Artillerie und eine kleine Flotte Dampf betriebener Kanonenboote.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese neue Truppe begann er dann bald in Angriffen auf kleinere St\u00e4dte zu erproben. Dabei muss man sich vorstellen, dass die ganze Provinz Kiangsu von tausenden von Kan\u00e4len durchzogen wurde. Diese hatten zum Teil die Gr\u00f6\u00dfe europ\u00e4ischer Fl\u00fcsse, wurden dann aber in einem gigantischen Netz immer mehr verkleinert bis hin zu kleinen Gr\u00e4ben mit denen die Felder bew\u00e4ssert wurden. Schiffe als Transportmittel und Pontonbr\u00fccken waren deshalb von elementarer Bedeutung. Vor allem die vom Wind unabh\u00e4ngigen und gut best\u00fcckten Kanonenboote verschafften Ward dabei unsch\u00e4tzbare Vorteile. Die St\u00e4dte selbst waren meistens von hohen mittelalterlichen Stadtmauern und Wassergr\u00e4ben umgeben. Die Tore und Mauern waren zwar f\u00fcr moderne Gesch\u00fctze kein Hindernis, dennoch mussten Sturmleitern benutzt werden, um die Gr\u00e4ben zu \u00fcberwinden und um \u00fcber die zerschossenen W\u00e4lle einzudringen. Sehr oft wurden gro\u00dfe Feldbefestigungen aufgeworfen, die aus Erdw\u00e4llen mit Bambuspalisaden bestanden. Haupts\u00e4chlich wurde jedoch um einzelne St\u00e4dte gek\u00e4mpft, die mit ihren Br\u00fccken meistens wichtige Knotenpunkte in dem Kanalnetz waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"401\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/chin-sold.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4329\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/chin-sold.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/chin-sold-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Taiping f\u00fchrten oft Zehntausende manchmal sogar \u00fcber hunderttausend K\u00e4mpfer in die Schlacht. Man sollte diese Zahlen jedoch nicht \u00fcberbewerten. Denn gerade wenn sie besonders gro\u00df werden, handelte es sich um zwangsrekrutierte Bauernmassen, die lediglich mit Bambuslanzen ausger\u00fcstet und v\u00f6llig undiszipliniert in der Schlacht keinerlei Wert hatten. Aber auch die besseren Truppen der Taiping verf\u00fcgten oft nur \u00fcber Schwerter, Pfeil und Bogen und veraltete Musketen. Die Kanonen stammten noch zum Teil aus dem 17. Jahrhundert. Von den kaiserlichen Truppen, die sicher wesentlich besser ausger\u00fcstet waren, wird z.B. einmal berichtet, dass bei der Verteidigung einer Stadt die Kanonenkugeln zu klein waren. Als die Gesch\u00fctze dann abgefeuert wurden, gab es zwar viel Rauch, aber die Kugeln fielen v\u00f6llig harmlos in den Wassergraben. Allgemein kann man sicher sagen, dass zwar viele Einheiten der Taiping sehr tapfer k\u00e4mpften, sie aber gegen modern ausger\u00fcstete Truppen mit ausreichender Feuerkraft keine Chance hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ward wurde bald zu einem Experten in dieser Art der Kriegsf\u00fchrung. Er lernte es, seine Artillerie und Kanonenboote effektiv einzusetzen und seine Truppen schnell auf Kan\u00e4len und Deichen zu bewegen. Er selbst war dabei oft an vorderster Front, immer in Zivilkleidung und lediglich mit einem kleinen Spazierstock &#8222;bewaffnet&#8220;. Doch auch dieses Auftreten war k\u00fchl kalkuliert, denn seine M\u00e4nner hielten ihn f\u00fcr unverwundbar und schrieben ihm magische Kr\u00e4fte zu. Nach den ersten Erfolgen wurde Ward vom Kaiser dann offiziell zum &#8222;General&#8220; ernannt und seine kleine Armee erhielt den Titel &#8222;Chang-shen-chung&#8220;, was im Englischen so viel wie &#8222;Ever Victorious Army&#8220; bedeutet, und unter diesem Namen sollte sie dann ber\u00fchmt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und die Gr\u00fcndung der Ever Victorious Army.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4324,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,127],"tags":[133],"class_list":["post-4321","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-imperialismus","tag-china"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.1 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der Taiping-Aufstand - 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