{"id":4284,"date":"2025-04-25T14:27:03","date_gmt":"2025-04-25T14:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4284"},"modified":"2025-04-25T14:27:05","modified_gmt":"2025-04-25T14:27:05","slug":"die-romer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-romer\/","title":{"rendered":"Die R\u00f6mer"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Legion\u00e4re in der Fremde.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"701\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/legionaer-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4289\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/legionaer-1.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/legionaer-1-289x450.jpg 289w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Rom verf\u00fcgte sicher \u00fcber die beeindruckendste Milit\u00e4rmaschinerie der Antike. Geradezu unaufhaltsam \u00fcberrollte es mit seinen Legionen einen Konkurrenten nach dem andren, bis es fast die gesamte bekannte Welt beherrschte. Es gab zwar auch Niederlagen, doch von ihnen erholte sich Rom meistens schneller als seine Gegner und zog noch verbissener in den Kampf. Die antiken Autoren (d.h. zu der Zeit nat\u00fcrlich R\u00f6mer) werden deshalb auch nicht m\u00fcde Heldenmut, Tapferkeit und Opferbereitschaft der R\u00f6mer zu betonen. F\u00fcr Polybios \u2013 einen Griechen in r\u00f6mischen Diensten \u2013 war diese patriotische Vaterlandsliebe der Hauptgrund weshalb die R\u00f6mer die Karthager, die sich ja auf fremde S\u00f6ldnertruppen st\u00fctzten, besiegen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die R\u00f6mer also so etwas wie die Erzpatrioten der Antike waren, konstanten Bedarf an Soldaten hatten, schlie\u00dflich praktisch konkurrenzlos herrschten und au\u00dferdem jeden Krieg gewannen, gab es eigentlich keinen Grund f\u00fcr sie fremde Dienste zu suchen. Die Realit\u00e4t sah allerdings wie so oft anders aus<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst war da einmal der r\u00f6mische Adel selbst. Stolz und machtgierig waren die Patrizier nur allzu oft an Intrigen beteiligt. Sahen sie sich nun in ihrem Ehrgeiz verletzt oder lediglich keine M\u00f6glichkeit ihre hoch fliegenden Pl\u00e4ne zu verwirklichen, so hatten zumindest einige von ihnen keine Skrupel, ihre Dienste auch den Gegnern Roms anzubieten. Bereits Plutarch berichtet aus der Zeit der r\u00f6mischen Fr\u00fchgeschichte von einem gewissen Gnaeus Marcius Coriolanus (um 500 v.Chr.), der nach inneren Machtk\u00e4mpfen verbittert zu den feindlichen Volkskern \u00fcberlief und die so erfolgreich gegen Rom f\u00fchrte, dass ihm seine Heimatstadt die Erf\u00fcllung aller politischen W\u00fcnsche versprach. Bevor er sich jedoch daf\u00fcr entscheiden konnte, wurde er von den Volkskern verst\u00e4ndlicherweise ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Endphase der Republik f\u00fchrte der Ehrgeiz verschiedener Feldherren zunehmend zu B\u00fcrgerkriegen, die dann wiederum konstant neue Exilanten produzierten. Dieses Schicksal beschr\u00e4nkte sich aber nicht nur auf einige wenige Patrizier, sondern traf auch oft die Legion\u00e4re, die auf der falschen Seite gek\u00e4mpft hatten. So wechselten viele der Veteranen des Gaius Flavius Fimbria nach dessen Tod in Kleinasien (85 v.Chr.) zu Mithradates oder schlossen sich den Piraten an. Quintus Sertorius, ein anderer Parteig\u00e4nger des Marius, errichtete mit ihm treu gebliebenen Truppen ein eigenes Reich in Spanien und f\u00fchrte bis zu seiner Ermordung (74 v.Chr.) erfolgreich Krieg gegen Rom.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allen Dingen war es jedoch die gigantische Milit\u00e4rmaschine selbst, die Roms Gegner st\u00e4ndig mit Deserteuren versorgte. Die r\u00f6mischen Autoren verschweigen diese Tatsache gerne oder bagatellisieren sie zumindest. Dennoch st\u00f6\u00dft man praktisch konstant auf Hinweise. So ist die Herausgabe der \u00dcberl\u00e4ufer stets eine der ersten Bedingungen, die die R\u00f6mer bei Friedensverhandlungen stellten. Das ist typisch: Obwohl in den heroischen Berichten meistens nicht von Deserteuren die Rede ist, wird dann irgendwann ihre Auslieferung verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im Ersten Punischen Krieg (264-241 v.Chr.) hatte es auf Sizilien auf beiden Seiten zahlreiche \u00dcberl\u00e4ufer gegeben. Bei Polybios ist zwar von r\u00f6mischen Deserteuren nichts zu lesen, doch beim Frieden war dann die Auslieferung derselben eine zentrale Forderung. Der karthagische Feldherr Hamilkar befand sich jedoch noch in einer ausreichend starken Position, so dass er entschieden ablehnte. Das bedeutet, dass sich die \u00dcberl\u00e4ufer unter seinen Truppen befanden. Bei der anschlie\u00dfenden Rebellion der S\u00f6ldner in Karthago, spielte der Campaner Spendios eine entscheidende Rolle. Polybios bezeichnet ihn als entlaufenen Sklaven; es besteht wenig Grund das zu glauben. Ganz im Gegenteil kann man von einigen Deserteuren ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zweiten Punischen Krieg (219-202 v.Chr.) ist dann wieder in den Quellen kaum etwas von r\u00f6mischen \u00dcberl\u00e4ufern zu lesen, dennoch m\u00fcssen sie einschlie\u00dflich der ehemaligen Bundesgenossen am Schluss den Gro\u00dfteil von Hannibals Truppen gestellt haben. Als in Syrakus ein interner Machtkampf tobte, ob man sich f\u00fcr Rom oder f\u00fcr Karthago entscheiden sollte, brachten die fremden S\u00f6ldner die Entscheidung. Die zahlreichen r\u00f6mischen \u00dcberl\u00e4ufer unter ihnen, die eine Auslieferung an Rom bef\u00fcrchten mussten, sorgten daf\u00fcr dass die Stadt in das Lager der Karthager wechselte. Da die gro\u00dfe Zahl der \u00dcberl\u00e4ufer also nicht ganz zu bestreiten ist, behaupten r\u00f6mische Autoren wenigstens Hannibal h\u00e4tte diese vor seiner R\u00fcckkehr nach Karthago grausam ermorden lassen. Die Forschung tut diese Geschichte inzwischen als Propagandam\u00e4rchen ab [Seibert 450]. In der Entscheidungsschlacht bei Zama stellten dann \u00dcberl\u00e4ufer aus Italien \u2013 haupts\u00e4chlich Bruttier \u2013 Hannibals beste Truppen, aus denen er seine dritte Linie bildete.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch als sich die R\u00f6mer anschlie\u00dfend gegen Philipp von Makedonien wandten, hatte dieser sein Heer mit zahlreichen r\u00f6mischen \u00dcberl\u00e4ufern verst\u00e4rkt. So wurde die wichtige Zitadelle von Korinth haupts\u00e4chlich von italischen S\u00f6ldnern verteidigt. Auch als die Mauern durchbrochen waren, leisteten diese \u00dcberl\u00e4ufer noch so lange verzweifelt Widerstand bis makedonischer Entsatz eintraf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"551\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/karthago.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4291\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/karthago.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/karthago-300x413.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine gewisse Vorstellung von der hohen Anzahl r\u00f6mischer \u00dcberl\u00e4ufer vermittelt der Fall von Karthago (146 v.Chr.). \u00dcber Jahrzehnte hatte sich die Stadt bem\u00fcht allen r\u00f6mischen Forderungen nachzukommen um der alten Rivalin keinen Kriegsgrund zu liefern. Denn es war klar, dass sie einen neuen Waffengang nicht \u00fcberstehen w\u00fcrde. Als die R\u00f6mer dennoch den Krieg begannen, stand der Sieger sicher f\u00fcr jeden fest, und Karthagos vollst\u00e4ndige Vernichtung war nur noch eine Frage von wenigen Jahren. Dennoch k\u00e4mpften am Schluss immer noch 900 r\u00f6mische Deserteure in der Stadt. Als die Karthager ihren verzweifelten Widerstand endlich aufgaben und kapitulierten, zogen sich diese 900 Deserteure in den gr\u00f6\u00dften Tempel zur\u00fcck und k\u00e4mpften weiter. Die letzten setzten den Tempel in Brand und kamen in den Flammen um.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beispiel zeigt, dass R\u00f6mer sogar in \u00e4u\u00dferst aussichtslosen Situationen zu Feind \u00fcberliefen. Standen die Chancen nur ein wenig besser \u2013 richtig gut waren sie gegen\u00fcber die r\u00f6mischen \u00dcbermacht wohl nie -, konnten wesentlich h\u00f6here Zahlen zusammen kommen. Vor allem wenn der Gegner Zeit und Mittel hatte, die r\u00f6mische Moral etwas aufzuweichen. Als es zum Beispiel 111 v.Chr. zum Krieg gegen den Numidierk\u00f6nig Jugurtha kam, hatte dieser Roms milit\u00e4rische Aktionen \u00fcber Jahre durch Bestechung verz\u00f6gert. Nachdem dann endlich ein Heer gegen ihn in Marsch gesetzt worden war, unterwarf er sich ohne Widerstand. Er bezahlte eine hohe Kriegsentsch\u00e4digung und lieferte 3.000 (!) r\u00f6mische \u00dcberl\u00e4ufer aus, die sofort hingerichtet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Krieg flammte jedoch bald wieder auf und zog sich in die L\u00e4nge. Jugurtha bestach weiter Politiker in Rom und Truppenf\u00fchrer in Numidien. Erst unter der F\u00fchrung des energischen Konsuls Metellus wurde er 107 v.Chr. entscheidend geschlagen und musste sich nun immer weiter in die W\u00fcste zur\u00fcckziehen. Metellus konnte ihn schlie\u00dflich in der Oase Thala stellen. Zwei Wochen dauerte die Belagerung, bei der die Stadt am hartn\u00e4ckigsten von den r\u00f6mischen \u00dcberl\u00e4ufern verteidigt wurde. Als die R\u00f6mer schlie\u00dflich die W\u00e4lle st\u00fcrmten, verbrannten sich die \u00dcberl\u00e4ufer betrunken im Palast oder st\u00fcrzten sich in ihre Schwerter.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Roms letzter gro\u00dfer Gegner der klassischen Welt Mithridates VI. von Pontus hatte tausende r\u00f6mische Deserteure in seinen Heeren. Wie auch in anderen F\u00e4llen z\u00e4hlten sie zu seinen besten Truppen. Normalerweise wurden sie mit lokalen Rekruten verst\u00e4rkt, die dann auf r\u00f6mische Weise ausger\u00fcstet und ausgebildet wurden. Den \u00dcberl\u00e4ufern kam also beim Aufbau einer schweren Infanterie oft eine entscheidende Rolle zu. Da sie im Falle einer Niederlage keine Gnade erwarten durften, waren sie weit mehr als andere Truppen bereit bis zum bitteren Ende durchzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen schweren Niederlagen musste Mithridates 84 v.Chr. Sulla um Frieden bitten und dabei s\u00e4mtliche Deserteure ausliefern. Das scheint jedoch andere R\u00f6mer nicht davon abgehalten zu haben erneut ihr Gl\u00fcck in Mithridates\u2018 Heer zu versuchen. Der B\u00fcrgerkrieg und die Fraktionsk\u00e4mpfe in Rom sorgten gerade in dieser Zeit f\u00fcr einen st\u00e4ndigen Zulauf an Exilanten, und so stellten r\u00f6mische \u00dcberl\u00e4ufer und von ihnen ausgebildete Truppenteile schlie\u00dflich den Gro\u00dfteil von Mithridates\u2018 Heer. Der r\u00f6mische Rebell Sertorius schickte sogar Ausbilder aus Spanien. Der nicht gerade nahe liegende Kontakt war ebenfalls von Deserteuren vermittelt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Pompeius 66 v.Chr. mit gro\u00dfer \u00dcbermacht begann, die asiatischen Provinzen endg\u00fcltig zu erobern, wurde Mithridates schlie\u00dflich wieder zu Verhandlungen gezwungen. Doch angesichts der gro\u00dfen Anzahl von Deserteuren in seinem Heer, war es f\u00fcr ihn unm\u00f6glich die Forderung nach deren Herausgabe zu erf\u00fcllen. Hart verfolgt von Pompeius zog sich Mithridates nach Armenien zur\u00fcck, und konnte sich schlie\u00dflich \u00fcber den Kaukasus bis zur Krim durchschlagen. Dieser Marsch steht dem von Xenophons Zehntausend sicher nur wenig nach, und auch jetzt befand sich noch eine gr\u00f6\u00dfere Truppe von R\u00f6mern in seinem Gefolge.<\/p>\n\n\n\n<p>Da alle Verhandlungen mit Pompeius scheiterten, schmiedete der alte K\u00f6nig zunehmend phantastische Pl\u00e4ne. Mit seinen geretteten Sch\u00e4tzen lie\u00df er neue Truppen werben und zum Teil sogar Sklaven bewaffnen. Dieses neue Heer wurde r\u00f6misch bewaffnete und ausgebildet, wobei den \u00dcberl\u00e4ufern wieder eine wichtige Rolle zufiel. Mit diesen Truppen plante er nun der Donau entlang zu ziehen und dabei Skythen und Kelten zu einem gro\u00dfen Eroberungszug gegen Rom aufzuwiegeln. Diese V\u00f6lkerlawine wollte er wie ein neuer Hannibal \u00fcber die Alpen f\u00fchren und damit Rom zerst\u00f6ren. Es waren Allmachtsfantasien eines alten, gebrochenen Mannes, die in seinem Gefolge auf wenig Resonanz stie\u00dfen. Auf besondere Skepsis stie\u00dfen die Pl\u00e4ne nat\u00fcrlich bei den \u00dcberl\u00e4ufern. Sie waren alle alte Soldaten und hielten nichts davon nun bei einem solch hoffnungslosen Unternehmen in den sicheren Tod zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"690\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/belagerung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4293\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/belagerung.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/belagerung-300x414.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei dieser Truppe, nach Mommsen &#8222;vielleicht die t\u00fcchtigste unter den Mithradatischen Heerhaufen&#8220; fanden die Verschw\u00f6rer deshalb die dringend n\u00f6tige Unterst\u00fctzung. Als Mithridates seinen Sohn Pharnaces wegen Verschw\u00f6rung verhaften lassen wollte erkl\u00e4rten sich die \u00dcberl\u00e4ufer f\u00fcr diesen und l\u00f6sten damit die Meuterei der gesamten Armee aus. Von allen verlassen blieb dem alten K\u00f6nig nur noch der Selbstmord.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem jedoch Roms gro\u00dfe Gegner nach und nach verschwunden waren, ging auch der Fremdendienst der R\u00f6mer zur\u00fcck. Es fehlte schlicht und ergreifend an Abnehmern f\u00fcr ihre Dienste. Dennoch blieb das Problem bestehen. Die Deserteure versuchten sich nun allerdings meistens im Inneren des Imperiums als Stra\u00dfenr\u00e4uber durchzuschlagen und waren nat\u00fcrlich st\u00e4ndig bereit sich Aufst\u00e4ndischen anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich gibt es keine Rebellion im R\u00f6mischen Reich die keinen Zulauf von Deserteuren hatte oder gar wesentlich von ihnen getragen wurde. Was ein r\u00f6mische Autor \u00fcber die Karriere des Sklavenf\u00fchrers Spartacus schreibt, hat wahrscheinlich auf viele zugetroffen: &#8222;Als thrakischer S\u00f6ldner, war er r\u00f6mischer Soldat geworden, dann ein Deserteur und Stra\u00dfenr\u00e4uber und schlie\u00dflich wegen seiner St\u00e4rke Gladiator.&#8220; Spartacus soll dann auch gleich starken Zulauf von Deserteuren erhalten haben, die er allerdings nicht aufnehmen wollte. Auch bei Tacfarinas, der 17 n.Chr. einen Aufstand in Nordafrika anf\u00fchrte, handelte es sich um einen Deserteur einer Auxilia, dem sich viele seiner ehemaligen Kameraden anschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 180er Jahren verst\u00e4rkte sich das Ph\u00e4nomen derartig, dass in einigen Quellen von einem &#8222;bellum desertorum&#8220;, einem &#8222;Krieg der Deserteure&#8220;; zu lesen ist. In Gallien hatte der Legion\u00e4r Julius Maternus einige seiner Kameraden dazu \u00fcberredet gemeinsam zu desertieren und ihr Gl\u00fcck als R\u00e4uber zu versuchen. Bei seinen ersten Raubz\u00fcgen war er so erfolgreich, dass er bald weiteren Zulauf erhielt; Verbannte, R\u00e4uber, entlaufene Sklaven und nat\u00fcrlich Deserteure. Da sich Maternus als umsichtiger Anf\u00fchrer erwies und auch allen eine gerechte Teilung der Beute versprach, vergr\u00f6\u00dferte sich seine Truppe st\u00e4ndig, so dass er schlie\u00dflich sogar richtige St\u00e4dte \u00fcberfiel und seine Raubz\u00fcge bis ins n\u00f6rdliche Spanien ausdehnte. Erst als er angeblich selbst nach der Kaiserkrone strebte, soll er von seinen eigenen Leuten verraten und hingerichtet worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Leben als R\u00e4uber in den Bergen war sicher hart und entbehrungsreich. Man deshalb annehmen, dass Legion\u00e4re in grenznahen Regionen auch zu barbarischen St\u00e4mmen fl\u00fcchteten, wenn diese etwas mit ihnen anfangen konnten. Es ist nur deshalb kaum etwas dar\u00fcber bekannt, da r\u00f6mische Autoren so gut wie nichts \u00fcber diese V\u00f6lker schreiben, wenn nicht gerade ein Krieg ausreichenden Anlass bot.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nach einer langen Zeit relativer Ruhe an den Grenzen Kaiser Trajan 101 n.Chr. mit der Eroberung Dakiens begann, stie\u00df er bei den Dakern sofort auf eine gro\u00dfe Anzahl entlaufener Sklaven und ehemaliger Legion\u00e4re. Diese leisteten wie so oft den h\u00e4rtesten Widerstand, wobei sich vor allem r\u00f6mische Ingenieure hervortaten, die den Dakern Kriegsmaschinen gebaut hatten. Als der Dakerk\u00f6nig Decebalus schlie\u00dflich kapitulierte, durfte er sein Land zwar behalten, musste aber eine hohe Entsch\u00e4digung bezahlen und alle r\u00f6mischen Deserteure ausliefern. Diese wurden anschlie\u00dfend im Triumphzug durch Rom gef\u00fchrt und fanden dann ihr Ende in der Arena. Lediglich drei Jahre sp\u00e4ter, als Decebalus noch einmal Krieg gegen Rom f\u00fchrte, verf\u00fcgte er erneut \u00fcber eine starke Truppe von Legion\u00e4ren und Ingenieuren, was an seiner endg\u00fcltigen Niederlage allerdings nichts \u00e4nderte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"414\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kreuzigung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4294\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kreuzigung.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kreuzigung-300x207.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Auslieferung der Deserteure war wie gesagt immer eine der wichtigsten Friedensbedingungen Roms, und so wurden sie von den Besiegten meistens geopfert. Wieder in r\u00f6mischen H\u00e4nden konnten sie von Gl\u00fcck sagen, wenn sie schnell enthauptet oder in Massen von Felsen gest\u00fcrzt wurden. Gerne zelebrierte Rom zur St\u00e4rkung der Kampfmoral ihre Hinrichtung als \u00f6ffentliches Spektakel. Oft wurden sie deshalb im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen, manchmal lie\u00df man sie auch von Elefanten zertreten; am \u00fcblichsten war jedoch die Kreuzigung.<br><br>Man fragt sich nat\u00fcrlich, was die Legion\u00e4re angesichts dieser drakonischen Strafen und der geringen Erfolgsaussichten immer wieder dazu trieb zum Feind \u00fcberzulaufen. Feigheit kann es kaum gewesen sein, denn ihr Leben bei den Gegnern Roms war sicher viel gef\u00e4hrlicher. Und wer kannte die realen Machtverh\u00e4ltnisse besser als ehemalige Legion\u00e4re.<br><br>Das Problem der r\u00f6mischen \u00dcberl\u00e4ufer kann man wahrscheinlich nur verstehen, wenn man akzeptiert dass der r\u00f6mische Milit\u00e4rdienst sehr viel mit Unterdr\u00fcckung zu hatte. Die Legion\u00e4re wurden einer gnadenlosen Disziplin unterzogen, waren tyrannischen Vorgesetzten praktisch hilflos ausgeliefert, mussten zum Teil schwerste Zwangsarbeit verrichten, wurden dabei sehr schlecht bezahlt und um Teile ihres Lohns auch noch gerne betrogen. Manches an den Legionen erinnert an die Regimenter Friedrichs des Gro\u00dfen, auch dort jagte und bestrafte man ja Deserteure gnadenlos, was an ihrer hohen Zahl nichts \u00e4nderte.<br><br>Ein britischer Milit\u00e4rhistoriker schreibt dass das r\u00f6mische Feldlager nicht nur vor Feinden sch\u00fctzen sollte, sondern vor allem auch Desertionen verhindern. Auch das erinnert an Preu\u00dfen. Als wichtigster Grund f\u00fcr Desertionen wird die Angst vor Strafe genannt. Das hei\u00dft ein Legion\u00e4r hatte sich also etwas zu Schulden kommen lassen, einen Vorgesetzten beleidigt, etwas gestohlen oder sich vor einem Dienst gedr\u00fcckt, und musste deshalb bereits eine grausame Bestrafung erwarten. Also floh er, m\u00f6glicherweise in Panik, und dann gab es keinen Weg zur\u00fcck. Es gab mehr als genug Gr\u00fcnde warum ganze Legionen rebellierten oder den Gehorsam verweigerten, und nat\u00fcrlich konnte so etwas auch einzelnen passieren. Ein immer gr\u00f6\u00dferes Problem war die schlechte Bezahlung, die willk\u00fcrliche Verl\u00e4ngerung der Dienstzeit, die Abfindung mit unbrauchbarem Ackerland und das Eheverbot, wodurch Frauen und Kinder der Legion\u00e4re von der Erbfolge ausgeschlossen waren.<br><br>Wahrscheinlich waren die r\u00f6mischen Legionen lange Zeit die beste Infanterie der Antike, dennoch wird man den Legion\u00e4ren nicht gerecht, wenn man einfach nur die perfekte Milit\u00e4rmaschine bewundert. Man sollte auch ein wenig die Unterdr\u00fcckung und das Elend dahinter sehen. Denn ohne dies kann man kaum erkl\u00e4ren, warum sich Legion\u00e4re scharenweise fast jeder noch so aussichtslosen Rebellion anschlossen.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Legion\u00e4re in der Fremde.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4287,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68,8],"tags":[262],"class_list":["post-4284","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antike","category-artikel","tag-romer"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die R\u00f6mer - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-romer\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die R\u00f6mer - 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