{"id":424,"date":"2024-10-05T14:44:46","date_gmt":"2024-10-05T14:44:46","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=424"},"modified":"2024-12-24T11:36:32","modified_gmt":"2024-12-24T11:36:32","slug":"die-kelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-kelten\/","title":{"rendered":"Die Kelten"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr und gegen Rom, Karthago und die Diadochen.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"306\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/la-tene-map.jpg\" alt=\"Wanderungen der Kelten\" class=\"wp-image-428\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/la-tene-map.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/la-tene-map-300x230.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein wichtiges Reservoir zur Rekrutierung von S\u00f6ldnern waren f\u00fcr die alten Hochkulturen schon immer barbarische St\u00e4mme gewesen, die jenseits ihrer Grenzen lebten. So hatten die \u00c4gypter gerne Libyer und Nubier geworben und die Herrscher des Zweistromlandes Semiten oder nomadische St\u00e4mme, die aus S\u00fcdrussland und Zentralasien gekommen waren. Leider ist das Wissen \u00fcber diese St\u00e4mme sehr rudiment\u00e4r, da niemand daran dachte, die Taten der Fremden, die ihr Blut f\u00fcr Pharaonen und Gro\u00dfk\u00f6nige vergossen, in Inschriften zu verewigen. Das \u00e4nderte sich erst, als die Kelten die B\u00fchne betraten. Aber auch hier ist man auf das angewiesen, was ihre Arbeitgeber oder Gegner von ihnen berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ursprungsgebiet der Kelten, die so genannte La T\u00e8ne Kultur, erstreckte sich n\u00f6rdlich der Alpen zwischen den Oberl\u00e4ufen von Rhone, Rhein und Donau (als Gallier bezeichnet man inzwischen lediglich die im Gebiet des heutigen Frankreich siedelnden Kelten, w\u00e4hrend die R\u00f6mer meist allgemein von &#8222;Galliern&#8220; sprachen). In der keltischen Gesellschaft z\u00e4hlten eigentlich nur die Adligen und Druiden, der Rest galt nicht viel mehr als Sklaven. Die Aristokraten waren fast st\u00e4ndig mit Fehden oder Kriegen besch\u00e4ftigt. Durch Raubz\u00fcge gewannen sie Prestige und neue Anh\u00e4nger, wodurch sie wiederum mehr Truppen sammeln konnten. Ein Historiker h\u00e4lt diese Raubz\u00fcge f\u00fcr &#8222;essentiell f\u00fcr das keltische Sozialsystem&#8220;, und kommt zu dem Schluss: &#8222;Der Zwang zu rauben, war ein zentraler Punkt der keltischen Gesellschaft&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser kriegerischen Grundeinstellung kam, dass die Kelten Meister der Metallverarbeitung waren und ihre Schmiede produzierten eiserne Schwerter, Helme und Panzerhemden, die allerdings nur von H\u00e4uptlingen getragen wurden. Damit unterwarfen sie ihre Nachbarn und dehnten ihr Siedlungsgebiet nach und nach \u00fcber ganz Frankreich, die britischen Inseln und entlang der Donau aus. So entfernte Regionen wie Galizien in Nordspanien und eine Provinz gleichen Namens in S\u00fcdostpolen erinnern noch heute an diese Zeit. Um 400 v. Chr. \u00fcberstiegen sie die Alpen und kamen nach Italien. Dort versuchten gerade die Etrusker, Rom, das griechische Syrakus und auch Karthago ihren Machtbereich zu vergr\u00f6\u00dfern. Die Kelten scherten sich nicht weiter darum. Zuerst vertrieben sie die Etrusker aus der Po-Ebene und lie\u00dfen sich dort nieder. Dann zogen sie auf der Suche nach Beute weiter nach S\u00fcden. Im Jahr 387 v. Chr. schlugen sie die R\u00f6mer vernichtend an der Allia, pl\u00fcnderten Rom und brannten es nieder. Die R\u00f6mer konnten nur das Kapitol halten und mussten sich schlie\u00dflich einen sch\u00e4ndlichen Frieden mit 1.000 Pfund Gold erkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch war der Vormarsch der Kelten zum Stehen gekommen. Die Apenninen bildeten eine Art nat\u00fcrliche Barriere, R\u00f6mer und Etrusker verst\u00e4rkten hektisch ihre Stadtw\u00e4lle und bildeten mit anderen italischen V\u00f6lkern Schutzb\u00fcndnisse gegen die Keltengefahr. Wahrscheinlich hatten die Kelten auch mehr als ausreichend gutes Siedlungsland erobert, so dass eine weitere Ausdehnung nach S\u00fcden f\u00fcr sie nicht besonders wichtig war. Sie verzichteten allerdings nicht auf ihre Raubz\u00fcge und die R\u00f6mer und ihre Nachbarn mussten sich noch f\u00fcr Generationen mit den Kelten herumschlagen. F\u00fcr die eher sieggewohnten R\u00f6mer wurden die Kelten daher zum Angstgegner schlechthin. W\u00e4hrend sie gegen Etrusker, Griechen oder Samniten tapfer zu Felde zogen, scheinen sie vor den wesentlich schlechter bewaffneten Kelten einen regelrechten Horror gehabt zu haben. Die r\u00f6mischen Autoren, auf die wir ja heute bei unserem Wissen \u00fcber die Kelten haupts\u00e4chlich angewiesen sind, haben ihnen das \u00fcbrigens nie verziehen. Immer wieder berichten sie von Geldgier und Verrat der Kelten, von Zweik\u00e4mpfen, die nat\u00fcrlich immer von R\u00f6mern gewonnen wurden und \u00fcbertreiben ma\u00dflos bei den Zahlenangaben keltischer Heere. Wenn man dann liest, dass die Kelten nur im allerersten Ansturm stark gewesen seien, danach aber schnell den Mut verloren h\u00e4tten, so entlarvt sich das schnell als r\u00f6mische Propaganda, mit der man den eigenen Legion\u00e4ren Mut machen wollte. Denn schlie\u00dflich standen die Kelten in Hannibals Heer bei Cannae im Zentrum und hielten dort weitgehend ungepanzert so lange dem furchtbaren Druck der Legionen stand, bis diese von Hannibals Reitern eingeschlossen waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"519\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelte-kopf.jpg\" alt=\"Kelte mit erbeutetem Kopf\" class=\"wp-image-429\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelte-kopf.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelte-kopf-231x300.jpg 231w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">keltischer Krieger mit Kopftroph\u00e4e<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie erkl\u00e4rt sich nun diese Angst der R\u00f6mer vor den Kelten? Zum Teil lag es einfach daran, dass diese einfach gr\u00f6\u00dfer und kr\u00e4ftiger waren, was von den antiken Autoren auch immer wieder betont wird. Dazu kam die ungest\u00fcme Wildheit dieser barbarischen Krieger, mit der sonst niemand in Italien k\u00e4mpfte. Im Gegensatz zu den R\u00f6mern und Etruskern zogen die Kelten meistens zumindest mit freiem Oberk\u00f6rper in die Schlacht, manche St\u00e4mme scheinen es sogar als Ehrensache angesehen zu haben, ganz nackt zu k\u00e4mpfen. Daf\u00fcr waren viele t\u00e4towiert oder hatten sich Kriegsbemalung angelegt. Wenn sie zum Kampf vorr\u00fcckten, machten sie mit ihren Carnyxen (Kriegstrompeten) einen schrecklichen L\u00e4rm; dazu stimmten sie ihre Kriegsrufe an. Und dann st\u00fcrzten sie sich meistens ohne gr\u00f6\u00dferes Taktieren in einem schnellen Anlauf auf ihre Gegner, denen sie nach dem Sieg bevorzugt die K\u00f6pfe abschnitten, um diese als kostbarste <a href=\"https:\/\/www.kriegsreisende.de\/krieger\/hunde.htm\">Siegestroph\u00e4en<\/a> mit nach Hause zu nehmen. Gefangene wurden zwar meistens wie \u00fcberall versklavt, aber manchmal auch von den Druiden auf grausamste Weise geopfert. Das war es, was den R\u00f6mern Angst machte, und weshalb ihre Autoren schrieben, man m\u00fcsse nur den ersten Ansturm aushalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Kelten \u00fcber die Apenninen nicht dauerhaft vordrangen, aber weiterhin nach kriegerischer Besch\u00e4ftigung suchten, wurden sie zu einem idealen S\u00f6ldnerreservoir. Der erste, der sich dort bediente war Dionysios I. der Tyrann von Syrakus (405-367), der mit Karthago um die Vorherrschaft auf Sizilien k\u00e4mpfte. Dionysios verf\u00fcgte \u00fcber eine Handelsniederlassung in Ancona, die direkt an das Siedlungsgebiet der Kelten grenzte. Dort wurde dann mit unternehmungslustigen H\u00e4uptlingen verhandelt und diese stellten unter ihrer F\u00fchrung die ben\u00f6tigten Truppen, die dann mit dem Schiff nach S\u00fcditalien oder Sizilien transportiert wurden. Die Kelten lieferten auch Reiterei, normalerweise dienten sie aber als schwere Infanterie in der Phalanx. Dort waren sie durchaus in der Lage, den <a href=\"https:\/\/www.kriegsreisende.de\/antike\/hopliten.htm\">griechischen Hopliten<\/a>, die zu dieser Zeit die begehrtesten Infanteristen waren, Paroli zu bieten, hatten aber zudem den Vorteil, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach viel billiger waren. Dionysios verwendete die Kelten aber nicht nur bei seinen eigenen K\u00e4mpfen, er &#8222;exportierte&#8220; auch mehrmals gr\u00f6\u00dfere Gruppen nach Griechenland, die er dort den Spartanern als Unterst\u00fctzung gegen Theben zur Verf\u00fcgung stellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Haupteinsatzgebiet blieb jedoch Italien. In den zahlreichen Kriegen, mit denen Rom seine Vorherrschaft auf der Halbinsel erk\u00e4mpfte, findet man die Kelten fast immer auf der Seite seiner Gegner, als Bundesgenossen oder als S\u00f6ldner. Nachdem die R\u00f6mer dann im 3. Samnitenkrieg (298-290) alle ihre Gegner in Mittelitalien unterworfen hatten, r\u00fcckten die Kelten selbst ins Visier. Zuerst wurden die bei Ancona siedelnden Senonen besiegt und ins Imperium eingegliedert. Neue Konflikte Roms mit den Griechen S\u00fcditaliens verschafften den Kelten dann noch einmal eine Gnadenfrist. Nach der Eroberung ganz S\u00fcditaliens fielen die Blicke der R\u00f6mer fast automatisch auf Sizilien, und sie nutzten einen unbedeutenden Anlass, um sich in die&nbsp; Generationen w\u00e4hrende, furchtbare Auseinandersetzung mit Karthago zu st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"279\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelten_beute.jpg\" alt=\"Kelten mit Beute\" class=\"wp-image-431\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelten_beute.jpg 350w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelten_beute-300x239.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im so genannten 1. Punischen Krieg (264-241) k\u00e4mpften R\u00f6mer und Karthager zur See und sonst haupts\u00e4chlich auf Sizilien. Hier stellten die keltischen S\u00f6ldner nach den Afrikanern das st\u00e4rkste Kontingent Karthagos. Man kann annehmen, dass viele \u00fcber die alten Verbindungen von Syrakus geworben worden waren, der Solddienst auf Sizilien war f\u00fcr die Kelten der Poebene zu dieser Zeit bereits ein altehrw\u00fcrdiges Gesch\u00e4ft. Zudem war Korsika eine karthagische Kolonie und von dort gab es beste Verbindungen nach Ligurien und S\u00fcdfrankreich. Da bei wechselndem Kriegsgl\u00fcck die Verbindungen mit Karthago manchmal sehr lange unterbrochen waren, blieben Sold und Verpflegung oft f\u00fcr Jahre aus. Viele Kelten desertierten deshalb zu den R\u00f6mern oder versuchten ihnen einzelne Festungen zu verkaufen. R\u00f6mische Autoren berichten gerne von diesen &#8222;Verr\u00e4tereien&#8220;, aber schlie\u00dflich k\u00e4mpften die Kelten als echte S\u00f6ldner nicht wie ihre Arbeitgeber um die Vorherrschaft im Mittelmeer, sondern f\u00fcr bares Geld. Bei den blutigen K\u00e4mpfen am Eryx gingen sogar einmal 3.000 Kelten zu R\u00f6mern \u00fcber und verkauften ihnen das befestigte Heiligtum auf dem Berg. Obwohl diese Gruppe f\u00fcr ihre Disziplinlosigkeit und Raublust ber\u00fcchtigt war, nahmen sie auch die R\u00f6mer gerne in Sold, schoben sie aber am Ende des Krieges nach Epirus ab. Dennoch blieben einige tausend Kelten bis zum bitteren Ende bei Karthago, die dann im <a href=\"https:\/\/www.kriegsreisende.de\/antike\/karthago.htm\">S\u00f6ldnerkrieg<\/a> unter ihrem F\u00fchrer Autarit immer noch ein schlagkr\u00e4ftiges Kontingent stellten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zwischenkriegszeit nutzten die R\u00f6mer, um nun endlich die Kelten der Poebene zu &#8222;befrieden&#8220;. Diese warben nun ihrerseits mit reichen Beuteversprechungen zur Verst\u00e4rkung keltische S\u00f6ldner von jenseits der Alpen. Da sie es aber nach einem ersten Sieg vorzogen, ihre Beute in Sicherheit zu bringen, wurden sie von den R\u00f6mern getrennt geschlagen. Schlie\u00dflich wurden alle Kelten bis zu den Alpen unterworfen und die neue Provinz &#8222;Gallia Cisalpina&#8220; gebildet. Mit dem Solddienst war es damit vorerst vorbei, denn nun mussten die Kelten wie all die anderen V\u00f6lker Italiens als Bundesgenossen Roms ins Feld ziehen. Das r\u00e4chte sich, als im 2. Punischen Krieg (218-201) Hannibal in Italien erschien. Ganze Truppenteile desertierten zu den Karthagern, nachdem sie nachts ihre r\u00f6mischen Begleittruppen erschlagen hatten. Au\u00dferdem war es f\u00fcr Hannibal einfach unter den Kelten Italiens st\u00e4ndig neue Truppen anzuwerben. Allerdings scheint auch er ihnen nicht richtig getraut zu haben, denn er lie\u00df sie gerne beim Marsch von seinen afrikanischen Reitern bewachen und stellte sie in den Schlachten immer an die Stellen, wo die meisten Verluste zu erwarten waren. So sollen bei Cannae von den 5.700 Toten auf karthagischer Seite 4.000 Kelten gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Karthago endg\u00fcltig geschlagen war und Rom alles beherrschte, verschwanden auch die keltischen S\u00f6ldner im westlichen Mittelmeerraum von der B\u00fchne. Im Osten war ihnen dagegen noch etwas mehr Zeit beschieden. Dort hatten nach dem Tod Alexanders des Gro\u00dfen (323) seine Nachfolger, die so genannten &#8222;Diadochen&#8220;, damit begonnen, das Riesenreich in endlosen Kriegen neu zu verteilen. Am Ende bildeten sich dabei mehrere neue Reiche mit st\u00e4ndig wechselnden Grenzen heraus: \u00c4gypten unter den Ptolem\u00e4ern, die asiatischen Provinzen unter den Seleukiden und Makedonien unter den Antigoniden. Dazwischen gab es noch mehr oder weniger langlebige K\u00f6nigreiche in Kleinasien wie Pontos, Bithynien und Pergamon. Alle Parteien hatten einen gro\u00dfen Bedarf an S\u00f6ldnern, vor allem an schwerer Infanterie, den die griechischen St\u00e4dte nur zum Teil decken konnten. Da erschienen um 280 v. Chr. auch hier die Kelten in gro\u00dfem Stil auf dem Markt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"360\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelten-reiter.jpg\" alt=\"keltische Reiter\" class=\"wp-image-432\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelten-reiter.jpg 350w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelten-reiter-292x300.jpg 292w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie in Italien kamen sie zuerst als Eroberer und als sie dabei gebremst wurden, vermieteten sie ihre Dienste. Auf ihren Wanderungsz\u00fcgen waren einzelne St\u00e4mme entlang der Donau immer weiter nach Osten vorgesto\u00dfen und hatten sich angesiedelt und schlie\u00dflich sogar im Gebiet des alten Thrakien das Schwarze Meer erreicht. 280 v. Chr. fielen sie dann mit drei gro\u00dfen Heeren in Nordgriechenland ein. Ptolem\u00e4us Keraunos, der kurz zuvor den Thron von Makedonien an sich gerissen hatte, stellte sich ihnen zwar entgegen, wurde aber geschlagen und verlor sein Leben. Daraufhin pl\u00fcnderten die Kelten ungehindert die nordgriechischen und makedonischen St\u00e4dte, lediglich einige, die wie Byzanz besser befestigt waren, konnten sich durch gro\u00dfe Summen loskaufen. Eine Gruppe zog sogar unter ihrem Heerf\u00fchrer Brennus nach Zentralgriechenland, um dort das Heiligtum von Delphi zu pl\u00fcndern. Den Griechen gelang es, sie an den Thermopylen so lange aufzuhalten, bis sie durch K\u00e4lte und Hunger zum R\u00fcckzug gezwungen wurden. Erst als es dem makedonischen Thronanw\u00e4rter Antigonos Gonatas gelang, ein gro\u00dfes keltisches Heer bei Lysimacheia (277) vernichtend zu schlagen, blieb Griechenland von ihren Einf\u00e4llen verschont.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kelten hatten wahrscheinlich einfach akzeptiert, dass die Diadochen m\u00e4chtige Heerf\u00fchrer waren, in deren Armeen man ebenfalls Beute machen konnte und zudem noch guten Sold erhielt. Antigonos Gonatas hatte nach seinem gro\u00dfen Sieg gleich die keltischen Gefangenen rekrutiert, und bald versorgten sich auch seine Konkurrenten aus dieser Quelle. Sie dienten den Seleukiden in Asien und den Ptolem\u00e4ern in \u00c4gypten. Oft schlugen sie sich tapfer, manchmal meuterten sie. Fast immer waren sie ein scharfes, aber auch ein zweischneidiges Schwert in den H\u00e4nden ihrer Auftraggeber. So meuterten 274 v. Chr. in \u00c4gypten 4.000 keltische S\u00f6ldner, die Ptolem\u00e4us II. angeworben hatte, als sie dachten, dieser sei in einer schwachen Position. Vor allen Dingen hatte sie der Reichtum des Landes dazu verlockt, und sie begannen nach Herzenslust die St\u00e4dte zu pl\u00fcndern. Als jedoch Ptolem\u00e4us wieder ausreichende Kr\u00e4fte gesammelt hatte, trieb er sie auf eine Nilinsel, wo &#8222;sie durch Hunger und ihre Schwerter verschwanden,&#8220; wie ein Chronist berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitreichende Folgen hatten die Werbungen des bithynischen K\u00f6nigs Nikomedes, der 279 v. Chr. eine gro\u00dfe Gruppe unter 17 H\u00e4uptlingen samt Frauen und Kindern nach Kleinasien holte, die als Galater in die Geschichte eingehen sollten. Nach ihren Diensten f\u00fcr Nikomedes bildeten sie drei St\u00e4mme und wurden zu einer gef\u00fcrchteten Landplage in Kleinasien. Ohne jeden Respekt f\u00e4llten sie heilige Haine und pl\u00fcnderten Tempel, brannten ganze Landstriche nieder und trieben von den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Brandschatzungen ein. Durch ihre Grausamkeiten waren sie bald so gef\u00fcrchtet, dass ihnen niemand mehr entgegentreten wollte. In manchen Provinzen wurde eine Galatersteuer eingef\u00fchrt, die offensichtlich dazu diente, sich von ihren Einf\u00e4llen loszukaufen. M\u00f6glich war dies allerdings lediglich, da in Kleinasien mehrere kleinere K\u00f6nige ihren Machtbereich auszuweiten versuchten, w\u00e4hrend die Ptolem\u00e4er von \u00c4gypten und die Seleukiden von Asien aus intervenierten. So konnte niemand seine Kr\u00e4fte gegen die Galater konzentrieren, und zudem wurden sie immer von zumindest einer Seite als S\u00f6ldner angeworben. Als es dem Seuleukidenherrscher Antiochos I. gelang, seinen Herrschaftsbereich nach Kleinasien auszudehnen, sahen sich die Galater dem wahrscheinlich m\u00e4chtigsten Herrscher dieser Zeit gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Reich der Seleukiden erstreckte sich bis nach Indien, und so verf\u00fcgten sie \u00fcber eine gro\u00dfe Zahl von Kampfelefanten. Mit deren Hilfe gelang es Antiochos, zuerst die Reiterei der Galater in die Flucht zu schlagen, anschlie\u00dfend sollen sich die Elefanten einen blutigen Weg durch die Infanterie gebahnt haben. Es ist anzunehmen, dass die Kelten noch nie zuvor solche Tiere gesehen hatten und deshalb nicht wussten, wie sie reagieren sollten. Antiochos erhielt nach diesem gro\u00dfen Sieg (wahrscheinlich 268 v. Chr.) den Beinamen &#8222;der Retter&#8220; und lie\u00df ein gro\u00dfes Monument errichten, das einen Elefanten zeigt, der einen Galater zertritt. Allerdings dachte Antiochos nicht daran, das Galaterproblem endg\u00fcltig zu l\u00f6sen, sondern er schloss mit ihnen B\u00fcndnisvertr\u00e4ge und in Zukunft wurden sie zu einem Hauptreservoir zur Rekrutierung seleukidischer S\u00f6ldner.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Seleukiden aber nicht in der Lage waren, Kleinasien auf Dauer zu beherrschen, blieben die Galater dort weiterhin als S\u00f6ldner und auf eigene Rechnung der Schrecken der Bev\u00f6lkerung. 233 v. Chr. gelang Attalos I., dem Herrscher von Pergamon, dann ein gro\u00dfer Sieg \u00fcber die Galater, an den noch heute der Pergamonaltar und die ber\u00fchmte Marmorstatue des sterbenden Galliers erinnern. Doch auch Attolos ben\u00f6tigte keltische S\u00f6ldner, die allerdings meistens im europ\u00e4ischen Thrakien angeworben wurden, wodurch wieder neue Gruppen in Kleinasien erschienen. Das wichtigste Resultat dieser Niederlagen war, dass das Siedlungsgebiet der Galater auf Zentralanatolien um das heutige Ankara beschr\u00e4nkt wurde. Dort blieben sie allerdings ein Unruheherd und eine Gei\u00dfel ihrer Nachbarn, bis die R\u00f6mer ab 190 v. Chr. auch diesen Teil der Welt unter ihre Herrschaft brachten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"225\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelte-7.jpg\" alt=\"sterbender Galater\" class=\"wp-image-433\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelte-7.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/kelte-7-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Interessante an den Galatern ist, dass sie ihre S\u00f6ldnerdienste meistens als wandernde St\u00e4mme offerierten. Sie kamen mit Frauen und Kindern und dabei gelang es ihnen offenbar, sehr lange ihre kulturelle Identit\u00e4t zu behalten. Wenn man die Statue des sterbenden Galliers betrachtet, erkennt man deutlich den typisch keltischen Halsreif, der auch in europ\u00e4ischen Keltengr\u00e4bern gefunden wurde. In \u00c4gypten hat man keltische Schilde gefunden, woraus zu schlie\u00dfen ist, dass die keltischen S\u00f6ldner dort immer noch auf die gleiche Art und Weise k\u00e4mpften, wie in Italien, Spanien oder den britischen Inseln. Das \u00fcberraschendste aber ist, wie lange sich die keltische Sprache in Kleinasien gehalten hat. Noch im 4. Jahrhundert n. Chr. (!) wird ihre Sprache als sehr \u00e4hnlich mit der der bei Trier lebenden Kelten bezeichnet. Wenn man dabei an all ihre blutigen Schlachten denkt und die zahlreichen S\u00f6ldner, die irgendwo auf Nimmerwiedersehen in den asiatischen Provinzen der Seleukiden oder in Afrika verschwanden, so war das sicher nur m\u00f6glich, wenn sie eine gro\u00dfe Anzahl keltischer Frauen bei sich hatten, die dem Nachwuchs die Muttersprache beibrachten.<br><br>Eine wesentliche Grundlage f\u00fcr den Solddienst der Kelten war immer gewesen, dass sie sich verschiedenen zerstrittenen, aber zahlungskr\u00e4ftigen M\u00e4chten anbieten konnten. So gesehen bildeten die langen Kriege in Sizilien, Italien, Griechenland und Kleinasien das ideale Biotop, in dem sie wirken konnten. Je mehr die R\u00f6mer allerdings jede Konkurrenz ausschalteten und den ganzen Mittelmeerraum unter ihre Herrschaft brachten, kam den Kelten einfach die Kundschaft abhanden. Es blieb eigentlich nur Rom, das zu dieser Zeit aber nur in Ausnahmef\u00e4llen S\u00f6ldner besch\u00e4ftigte. Es ist deshalb eine Ironie der Geschichte, dass die Eroberung&nbsp; Galliens durch C\u00e4sar (58-51) haupts\u00e4chlich mit Legionen durchgef\u00fchrt wurde, die in den Provinzen &#8222;Gallia Cisalpina&#8220; und &#8222;Gallia Narbonensis&#8220; ausgehoben worden waren. Es waren also meist keltische Legion\u00e4re, mit denen C\u00e4sar die Kelten Galliens unterwarf, die dann ebenfalls f\u00fcr lange Zeit die Reihen der Legionen f\u00fcllten.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr und gegen Rom, Karthago und die Diadochen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":435,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68,8],"tags":[72,69,74,73],"class_list":["post-424","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antike","category-artikel","tag-antike","tag-barbaren","tag-karthago","tag-rom"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Kelten - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-kelten\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Kelten - 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