{"id":4007,"date":"2025-04-11T15:25:44","date_gmt":"2025-04-11T15:25:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=4007"},"modified":"2025-04-11T15:25:45","modified_gmt":"2025-04-11T15:25:45","slug":"fahrende-ritter-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/fahrende-ritter-ii\/","title":{"rendered":"Fahrende Ritter &#8211; II"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Von den Milit\u00e4rtouristen des Imperialismus bis zu den Rambos in Bosnien.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Zeit fanden sich viele Adlige damit ab, ihren F\u00fcrsten als Offiziere in den neuen stehenden Armeen zu dienen. Denn f\u00fcr die F\u00fcrsten hatte sich der Milit\u00e4rdienst als wichtiges Mittel erwiesen, um den eigenen unruhigen Adel etwas zu befrieden, und so waren sie diesem sehr entgegengekommen. Die Offiziersstellen wurden fast ausschlie\u00dflich f\u00fcr den Adel reserviert und die Uniformen immer pr\u00e4chtiger. In jeder Armee gab es exklusive Garderegimenter und vor allem z\u00e4hlte die Kavallerie wieder etwas. Nat\u00fcrlich gab es weiterhin jede Menge Abenteurer und Gl\u00fccksritter, die in fremden Diensten oder auf eigene Faust ihrem Gl\u00fcck hinterher jagten &#8211; vielleicht sogar mehr als jemals zuvor. Es f\u00e4llt jedoch auf, dass sie ihr realit\u00e4tsfernes Gebaren weitgehend verloren haben, das diese Schicht in der Umbruchszeit des 15. und 16. Jahrhunderts so deutlich charakterisierte. Im Ancien R\u00e9gime trifft man kaum auf den Typus des fahrenden Ritters, da sich die adlige Lebenswelt mit all ihren Symbolen und Ritualen im Offizierskorps noch einmal verwirklichte. Auch die Franz\u00f6sische Revolution \u00e4nderte vorerst nur wenig daran. Die ganze Entwicklung erfuhr unter Napoleon eher noch einmal einen letzten hybriden H\u00f6hepunkt. Uniformen und Orden wurden noch pomp\u00f6ser, die Kavallerieattacken noch schneidiger und Abenteuer gab es im Sonderabgebot.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"441\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/napoleon_kavallerie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4012\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/napoleon_kavallerie.jpg 800w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/napoleon_kavallerie-300x165.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/napoleon_kavallerie-768x423.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das b\u00f6se Erwachen kam danach. Eine ganze Generation war von Glanz und Heroismus der napoleonischen Kriege gepr\u00e4gt worden und musste sich nun wieder in die Banalit\u00e4ten des Friedens finden. Fast noch schlimmer war es f\u00fcr die zu sp\u00e4t Geborenen. Sie wurden mit Memoiren und Erz\u00e4hlungen der &#8222;glorreichen Zeit&#8220; gro\u00df gezogen, nur um festzustellen, dass die Welt keine Helden mehr brauchte. Typisch f\u00fcr sie ist vielleicht der dem \u00f6sterreichischen Hochadel entstammende F\u00fcrst Friedrich von Schwarzenberg. Erst 1800 geboren sehnte er sich sein ganzes Leben nach einem &#8222;Gewittersturm&#8220;, was er dann so formulierte: &#8222;F\u00fcr die j\u00fcngeren Leute, welche in dieser Glanzepoche der Dampf- und Eisenbahmmirakel aufgewachsen sind, welche das goldene Zeitalter und das goldene Kalb anbeten, ist dieses Bed\u00fcrfnis weit geringer; aber unsereiner, den die Mutter unter dem Donner der Kanonen einlullte, an dessen Wiege die Riesenschatten der napoleonischen Kaiserzeit vor\u00fcberwandelten, der in der damaligen eisernen Zeit mit der Feuertaufe sub invocatione Schills, Hofers, K\u00f6rners getauft wurde, dem ist und wird nicht wohl in dieser Aktienwelt; mitsamt aller ihrer Dampf-, Gold- und Papierherrlichkeit ist es denn doch eine Misere.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gelangweilt vom andauernden Frieden nahm Schwarzenberg als Hauptmann seinen Abschied und schlo\u00df sich den Franzosen bei der Eroberung von Algier an. 1838 ging er dann nach Spanien zu den Carlisten. In den 40er Jahren nahm er als Tourist lediglich an mehreren preu\u00dfischen und \u00f6sterreichischen Man\u00f6vern teil. 1846 diente er wieder in der \u00f6sterreichischen Armee w\u00e4hrend des galizischen Aufstandes. Dann eilte er zum Aufstand der katholischen Kantone in die Schweiz und k\u00e4mpfte anschlie\u00dfend in Ungarn und Italien. Seine Memoiren betitelte er bezeichnenderweise &#8222;Aus dem Wanderbuch eines verabschiedeten Landsknechts&#8220;, wodurch seine r\u00fcckw\u00e4rts gewandte romantisierende Einstellung unterstrichen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00e4nner wie Schwarzenberg waren absolut keine Seltenheit. Zu ihm und seinen Standesgenossen waren sogar noch jede Mange b\u00fcrgerliche Ex-Offiziere gesto\u00dfen, und da die Gro\u00dfm\u00e4chte in Europa in der ersten H\u00e4lfte des Jahrhunderts gro\u00dfe Konflikte vermieden, kann man f\u00fcr diese Zeit wahrscheinlich in jeder noch so unbedeutenden Revolution oder noch so vergessenem Kleinkrieg im letzten Winkel der Welt einige Veteranen der napoleonischen Kriege entdecken. Viele erwiesen sich als gute Soldaten und passten sich den neuen Gegebenheiten an. Andere wurden jedoch als echte fahrende Ritter auf einer Woge von Idealismus herangesp\u00fclt. So diskutierten die Freiwilligen, die Simon Bolivar zu Hilfe eilen wollten, wochenlang Farbgebung und Zuschnitt ihrer neuen Uniformen und zerstritten sich \u00fcber die Rangordung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am deutlichsten wird der Bruch zwischen Vorstellung und Realit\u00e4t aber bei den sogenannten Philhellenen, die nach dem griechischen Aufstand von 1821 nach Griechenland zogen. Sold war dort nicht zu erwarten und die meisten mu\u00dften sich selbst ausr\u00fcsten und auf eigene Kosten reisen. Aber viele ehemalige Offiziere tr\u00e4umten von einer steilen Karriere in einer noch zu gr\u00fcndenden griechischen Armee und von glorreichen Heldentaten, von einem Kampf um Troja, von Perserkriegen und Alexanderz\u00fcgen. Doch wie immer, wenn Tr\u00e4umer in den Krieg ziehen, folgte die Ern\u00fcchterung auf dem Fu\u00df. Statt einem von edlen Hellenen bewohnten bl\u00fchenden Arkadien fanden sie ein Land mit wildem Dornengestr\u00fcpp und stinkenden Sch\u00e4fern. Niemand hatte auf sie gewartet und die Bev\u00f6lkerung zeigte nur wenig Enthusiasmus, war unfreundlich und verlangte gutes Geld f\u00fcr Unterkunft und Verpflegung. Viele der Neuank\u00f6mmlinge reisten deshalb, nachdem sie ihr ganzes Geld ausgegeben hatten, unverrichteter Dinge und entt\u00e4uscht wieder ab. Andere starben in dem Fischerdorf Missolunghi am Fieber. Unter ihnen der ber\u00fchmte englische Dichter Lord Byron, den ebenfalls das Fieber hinwegraffte, bevor er gro\u00dfe Heldentaten vollbringen konnte. Zudem f\u00fchrten die Griechen einen \u00e4u\u00dferst grausamen Partisanenkrieg, in dem t\u00fcrkische Gefangene gefoltert und Zivilisten massenhaft abgeschlachtet wurden. In den wenigen Gefechten schlugen sich die Philhellenen zwar tapfer, indem sie sich der t\u00fcrkischen \u00dcbermacht entgegenstellten, wie das europ\u00e4ische Infanterie eben so machte. Die Griechen verachteten sie dagegen als Feiglinge, da diese lediglich aus der Deckung ein paar Sch\u00fcsse abgaben und dann das Weite suchten. Zu der Einsicht, dass diese einen der Situation angemessen Kampf f\u00fchrten, konnten sie sich nicht durchringen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"538\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/offiziere-preussen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4014\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/offiziere-preussen.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/offiziere-preussen-300x269.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">preussische Offiziere<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch nachdem die von der napoleonischen Zeit direkt gepr\u00e4gten Generationen in die Jahre gekommen war, riss der Strom an gelangweilten Offizieren nicht ab. Sehr beliebt war es, sich beurlauben zu lassen und sich der Armee einer kriegsf\u00fchrenden Macht als &#8222;Beobachter&#8220; anzuschlie\u00dfen. Hierzu boten die Kolonialkriege der Engl\u00e4nder und Franzosen immer mal wieder Gelegenheit. Mit etwas Gl\u00fcck kam man dabei auch wirklich mal zum Schuss und konnte ein paar exotische Troph\u00e4en mit nach Hause bringen. Gro\u00dfe Risiken waren mit diesen Expeditionen selten verbunden. So schreibt die China Mail 1862 \u00fcber die Feldz\u00fcge der Europ\u00e4er gegen die Taiping in China: &#8222;An expedition against the rebels is now shown to be so harmless to those engaged in it that we may expect to hear of gentlemen giving their wives and sisters a pic-nic in front of the next town that is besieged, when we have no doubt that much amusement could be had among the engineers and artillery by allowing the girls to point the guns. And this is the sort of warfare in which the heart of the jaded and harassed soldier is to be cheered with loot!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sollte nicht glauben, dass sich diese Herren bei ihren Abenteuern immer &#8222;gentlemanlike&#8220; benahmen, gerade die Kolonialkriege erwiesen sich als ein Refugium, wo einige ihre niedrigsten Instinkte ungehemmt ausleben konnten. Es zahlreiche Berichte \u00fcber die Massaker und Pl\u00fcnderungen europ\u00e4ischer Truppen in China oder Indien. In Nordamerika versuchten einige einen echten Indianerskalp zu erbeuten und in Neuseeland waren sie hinter den K\u00f6pfen der Maoris her. Als Stanley 1887 zu einer neuen Kongo-Expedition aufbrach, war der Andrang britischer Gentlemen gro\u00df. Sp\u00e4ter spielten sich dann am Kongo Szenen von solcher Grausamkeit ab, dass selbst der nicht gerade zart besaitete Stanley dar\u00fcber schrieb, seine Offiziere h\u00e4tten Dinge getan, die zu schrecklich und barbarisch gewesen seien um sie zu beschreiben. Joseph Conrad lie\u00df sich dann unter anderem von diesen Ereignissen zu seinem Roman &#8222;Im Herz der Finsternis&#8220; anregen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur in seltenen Ausnahmen ereilte den einen oder anderen sein Schicksal in einer archaischen Form, die dieser Art von Abenteurreise angemessen erscheint. So als die Briten 1883 ein Expeditionskorps zum Entsatz des belagerten Khartoum unter Colonel Hicks in den Sudan schickten. Unter den wenigen Europ\u00e4ern in diesem Korps befanden sich zwei \u00f6sterreichische Hauptleute und der deutsche Major Goetz Burckhard Baron von Seckendorff. Seckendorff hatte bereits 1867\/68 die britische Expedition nach Abessinien als offizieller Beobachter begleitet und dar\u00fcber ein Buch geschrieben. Als das ganze Korps dann von den Mahdisten \u00fcberrannt und v\u00f6llig aufgerieben wurde, brachten diese Seckendorffs Kopf, den sie wegen seines langen blonden Bartes f\u00fcr den von Hicks gehalten hatten, im Triumph zum Mahdi.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"388\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/lance-omdurman.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4016\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/lance-omdurman.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/lance-omdurman-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Angriff der 21. Lancers<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich waren diese M\u00e4nner meistens tapfere schneidige Kavalleristen &#8211; schlie\u00dflich hatten sie nicht viel mehr gelernt. Aber sie waren es nur zu oft auf eine weltfremde arrogante Art und Weise, die sich nur mit der des sp\u00e4tmittelalterlichen Rittertums vergleichen l\u00e4sst. Ein treffendes Beispiel dieser Geisteshaltung ist die Schlacht von Omdurman, in der die Briten die \u00fcber 50.000 Mann starke Armee der Mahdisten mit dem disziplinierten Salvenfeuer ihrer Kolonialinfanterie und modernen Maschinengewehren massakrierten, ohne dass auch nur ein Derwisch n\u00e4her als 300 Meter an die britischen Linien herankam. Da dies f\u00fcr die britischen Offiziere nat\u00fcrlich etwas unbefriedigend war, befahl Kitchener &#8211; er erlaubte wohl eher &#8211; noch eine Kavallerieattacke der 21. Lancers auf die geschlagenen Mahdisten. Es war das einzige Mal, dass sich diese wirklich zur Wehr setzen konnten, und sie richteten die Lancers furchtbar zu, bevor diese ihre Reihen durchbrochen hatten. Winston Churchill, der als junger Mann an der Attacke teilnahm, schreibt dar\u00fcber: &#8222;Reiterlose Pferde galoppierten \u00fcber die Ebene. M\u00e4nner klammerten sich an ihren S\u00e4tteln fest, oder hingen schwankend darauf, bedeckt mit Blut aus einem Dutzend Verletzungen. Die Pferde verstr\u00f6mten Blut aus furchtbaren Wunden, hinkten und taumelten mit ihren Reitern. In 120 Sekunden waren f\u00fcnf Offiziere, 66 Mann und 119 Pferde von weniger als 400 get\u00f6tet oder verwundet worden.&#8220; Letzten Endes gab es allerdings nur 21 Tote und daf\u00fcr regnete es Orden und Auszeichnungen &#8211; allein drei mal das Victoria Cross -, und alle Teilnehmer wurden ihr ganzes Leben lang in den Clubs f\u00fcr die Teilnahme an diesem Ereignis beneidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fatale an dieser Geisteshaltung war, dass sie nicht wie im Sp\u00e4tmittelalter auf eine kleine elit\u00e4re Oberschicht begrenzt blieb. Auch gro\u00dfe Teile des B\u00fcrgertums lie\u00dfen sich von diesen \u00fcberholten Wertvorstellungen infizieren. Als dann das Attentat einiger fanatischer Nationalisten in Sarajewo den Vorwand lieferte, zogen alle Europ\u00e4er mit einer heute kaum noch zu verstehenden Begeisterung in das gro\u00dfe Schlachten des Weltkrieges. Diejenigen, die aus Abenteuerlust fremde Dienste gesucht hatten, eilten nun erl\u00f6st zu den nationalen Fahnen. So legte ein deutscher Oberst in Mexiko seinen Landsleuten nahe, sich nach Hause durchzuschlagen, um sich dem Vaterland zur Verf\u00fcgung zu stellen. Auch die meisten deutschen Milit\u00e4rberater in S\u00fcdamerika kehrten in die Heimat zur\u00fcck. Sogar viele von denen, deren Heimatl\u00e4nder sich nicht gleich am gro\u00dfen Krieg beteiligten, versuchten als Freiwillige f\u00fcr ihre Sache zu k\u00e4mpfen. In Frankreich meldeten sich tausende von russischen Sozialisten, Italienern, Amerikanern, osteurop\u00e4ischen Juden, Armeniern, Kroaten, Griechen und Montenegrinern zur Fremdenlegion. Doch sie fanden nicht den von Schwarzenberg und anderen herbeibeschworenen &#8222;Gewittersturm&#8220;, sondern ein bislang unvorstellbares Gemetzel, das mit modernster Technik, mit Maschinengewehren, Artillerie, Giftgas, Panzern und Flugzeugen gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"448\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/somme.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4018\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/somme.jpg 1000w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/somme-300x134.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/somme-768x344.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele der Kriegsfreiwilligen wurden im Krieg zu Pazifisten und selbst der versp\u00e4tete Romantiker J\u00fcnger, der vor dem Krieg als Minderj\u00e4hriger aus Abenteuerlust eine kurze Episode bei der Fremdenlegion gehabt hatte, mu\u00dfte ern\u00fcchtert feststellen, dass Begeisterung und Idealismus am &#8222;unwiderlegbaren Gegenstand eines Maschinengewehrs&#8220; scheiterten. In Flandern, an der Somme, in Galizien, am Isonzo und bei Verdun fanden die fahrenden Ritter ihr Ende. Diejenigen, die \u00fcberlebten, beerdigten dort ihren Glauben. Ernest Hemingway, der als Freiwilliger nach Italien geeilt war, pr\u00e4gte anschlie\u00dfend das Schlagwort von der &#8222;lost generation&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fahrenden Ritter verschwanden damit nat\u00fcrlich nicht v\u00f6llig von der B\u00fchne. Das eine oder andere Relikt kann man auch noch danach in inzwischen vergessenen Kriegen entdecken. Doch es waren verschwindend wenige und unter ihnen kehrte wieder einmal k\u00fchle Professionalit\u00e4t ein. Der Ex-Priestersch\u00fcler und Ex-Fremdenlegion\u00e4r Rolf Steiner oder der schwedische Aristokrat Carl Gustav von Rosen, die beide in Biafra f\u00fcr eine verlorene Sache k\u00e4mpften, sind sicher solche Gestalten. Aber auch sie blieben Einzelg\u00e4nger die keinerlei Einfluss auf die Wertvorstellungen und Ideale ihrer Zeit hatten. In den westlichen Eliten denkt niemand mehr daran als milit\u00e4rischer Tourist durch das T\u00f6ten einiger Eingeborener sein angekratztes Sozialprestige aufzupolieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"627\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/rambo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4019\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/rambo.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/rambo-300x376.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings scheinen einige dieser Ideen in etwas einfacheren sozialen Schichten so langsam wieder ein wenig in Mode zu kommen. Wie so vieles heute kommt dieser Trend aus Amerika, wo der Vietnamkrieg unter der tatkr\u00e4ftigen Mitwirkung Hollywoods inzwischen in einem \u00e4hnlichen Glorienschein idealisiert wird wie in Europa dereinst die napoleonischen Kriege. Im Actionfilm haben S\u00f6ldner und kriegerische Abenteuer wieder Konjunktur. Wohl selten hat ein einzelnes Accessoir die Mode von M\u00f6chtergerns\u00f6ldnern so beeinflusst wie Rambos Strirnband. Dass auch hier wieder einmal Welten zwischen Realit\u00e4t und Vorstellung liegen, zeigt ein Vergleich zwischen dem von Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger verk\u00f6rperten Typus mit wirklichen Kriegern. Ein Fachmann des Dschungelkrieges verglich das Aussehen der \u00dcberlebenden mit &#8222;Christus bei der Kreuzabnahme [&#8230;] In der Regel sahen sie wirklich so aus: abgemagert zum Skelett durch Hunger und Ruhr, tief eingefallene Augen, mit der typischen tropischen Bl\u00e4sse, ganz im Gegensatz zur bronzefarbigen Haut der &#8218;wei\u00dfen J\u00e4ger&#8216;, wie sie von Hollywood popul\u00e4r gemacht werden, die abgezehrten Gesichter mit zottigen B\u00e4rten bedeckt, auf der Haut eiternde Wunden von Hitzeausschlag, Blutegeln und F\u00e4ulnisbakterien des Dschungels.&#8220;<br><br>Trotzdem verk\u00f6rpern gerade die Bodybuilder aus Hollywood die popul\u00e4ren Vorstellungen, die sich momentan einige potentielle Rekruten von dem Gewerbe machen. Fr\u00fcher war die Not der mit Abstand st\u00e4rkste Werber, dazu kamen Reise- und Abenteuerlust. Heute geht es allein um den Kick des T\u00f6tens. Die amerikanische Zeitschrift &#8222;Soldier of Fortune&#8220;, die fast ausschlie\u00dflich von M\u00f6chtegerns\u00f6ldnern gelesen wird, vertreibt T-Shirts mit Aufschrift: &#8222;Join the army, travel to distant lands, meet interesting people and kill them.&#8220; Doch die vorwiegend jugendlichen Rambos stehen vor dem grundlegenden Problem, dass niemand ihre Dienste ben\u00f6tigt. Ein ehemaliger CIA-S\u00f6ldner, der im S\u00fcden der USA eine S\u00f6ldnerschule leitete, sagte in einem Interview, dass viele seiner Kursteilnehmer &#8211; unter denen sich auch Deutsche befanden &#8211; auf einem Job in der Dritten Welt hoffen w\u00fcrden, man dort aber &#8222;keine Kerle mit Waffen, sondern Ausbilder&#8220; ben\u00f6tigen w\u00fcrde. Auf der Suche nach einer Anstellung versuchten deshalb vor allem rechtsgerichtete Franzosen in den siebziger Jahren ihr Gl\u00fcck bei den christlichen Milizen im Libanon. Aber selbst f\u00fcr einem &#8222;Job&#8220; im Libanon ben\u00f6tigte man Beziehungen, und mehr als ein Taschengeld war f\u00fcr Amateure dort nicht zu verdienen. Das \u00e4nderte sich, allerdings nur kurzfristig, mit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Die Einsatzorte der kroatischen Milizen wurden nicht nur fast t\u00e4glich von den Medien bekannt gegeben, sondern waren auch bequem und preiswert mit der Bahn zu erreichen. Bei der kroatischen HOS und \u00e4hnlichen Gruppierungen versammelten sich dann auch schnell einige Freiwillige aus Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, \u00d6sterreich und der Bundesrepublik.<br><br>Seit der Franz\u00f6sischen Revolution hatte sich jede internationale Freiwilligenformation dagegen gewehrt, als S\u00f6ldner bezeichnet zu werden, und sp\u00e4testens seit den Ereignissen im Kongo waren auch Frankreich und Gro\u00dfbritannien sehr darum bem\u00fcht, dass ihre Legion\u00e4re und Gurkhas als regul\u00e4re Soldaten betrachtet wurden. Die Freiwilligen in Bosnien fanden es dagegen schick, als S\u00f6ldner aufzutreten, obwohl bei einem Sold von etwa 130,- DM im Monat eigentlich nicht mehr die Rede davon sein konnte. Jeder hatte zu Hause ein Vielfaches an Sozialhilfe zu erwarten. Aber in Gesellschaften, in denen man zum Abenteuerurlaub an fast jeden Ort der Welt aufbrechen kann, erscheint das Killen manchem als die letzte Grenzerfahrung. Indem sie einen archaischen M\u00e4nnlichkeitskult zelebrieren wo High-Tech gefragt ist, sind die jugendlichen Rambos allerdings selbst ein \u00fcberaus treffendes Beispiel f\u00fcr die von ihnen so sehr verurteilte westliche Dekadenz. Dabei sind sie aber inzwischen zu einer solch banalen Randerscheinung geworden, dass sich wohl kein Cervantes mehr mit dem Problem dieser fahrenden Ritter besch\u00e4ftigen wird.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den Milit\u00e4rtouristen des Imperialismus bis zu den Rambos in Bosnien.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4010,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[94,8],"tags":[59,252],"class_list":["post-4007","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archetypen","category-artikel","tag-abenteurer","tag-adrenalinjunkies"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Fahrende Ritter - II - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/fahrende-ritter-ii\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Fahrende Ritter - II - Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Von den Milit\u00e4rtouristen des Imperialismus bis zu den Rambos in Bosnien.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/fahrende-ritter-ii\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php\/?id=100078852462894\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2025-04-11T15:25:44+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-04-11T15:25:45+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/raqmbo-ft.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"admin\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"admin\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"13\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/fahrende-ritter-ii\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/fahrende-ritter-ii\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"admin\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/388b4cee2eb722fc8a240bd0191d3ed8\"},\"headline\":\"Fahrende Ritter &#8211; 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