{"id":3908,"date":"2025-03-10T16:13:54","date_gmt":"2025-03-10T16:13:54","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=3908"},"modified":"2025-03-10T16:13:55","modified_gmt":"2025-03-10T16:13:55","slug":"die-us-amerikaner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-us-amerikaner\/","title":{"rendered":"Die US-Amerikaner"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Mit der Bibel und dem Colt.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"594\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/beau_geste.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3912\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/beau_geste.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/beau_geste-300x446.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl Hollywood und einige dubiose Printmedien gerne den Eindruck vermitteln, dass gerade die USA besonders viele S\u00f6ldner hervorgebracht haben, ist eigentlich das genaue Gegenteil der Fall. Das liegt zwar zu einem geringen Teil daran, dass die Amerikaner ja erst in Erscheinung treten konnten, als S\u00f6ldner schon nicht mehr gefragt waren. Denn auch da, wo diese noch verwendet wurden, findet man nur vereinzelte aus den Staaten, um die dann ein gewaltiger Medienrummel veranstaltet wird. So wurde zum Beispiel ihre Anzahl in der franz\u00f6sischen Fremdenlegion wahrscheinlich immer von denen aus so kleinen L\u00e4ndern wie Irland, D\u00e4nemark oder Finnland weit \u00fcbertroffen. Es ist sicher nur wenig \u00fcbertrieben, wenn man behauptet, dass in den USA mehr Filme und B\u00fccher \u00fcber amerikanische Fremdenlegion\u00e4re produziert wurden, als es jemals gegeben hat. Filme werden in allererster Linie f\u00fcr den nordamerikanischen Markt gemacht und deshalb muss die Realit\u00e4t manchmal etwas angepasst werden. So verlegte Coppola Joseph Conrads &#8222;Herz der Finsternis&#8220; nach Vietnam, in dem Film &#8222;Last Samurai&#8220; werden aus den preu\u00dfischen Milit\u00e4rberatern in Japan kurzerhand Amerikaner, oder in &#8222;Master and Commander&#8220; wird aus der feindlichen amerikanischen Fregatte der Romanvorlage eine franz\u00f6sische.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen ist nicht viel zu sagen. Schlie\u00dflich haben die Adaptionen der Qualit\u00e4t dieser Filme keinen Abbruch getan. Man sollte nur sein Geschichtsbild nicht allzu sehr davon beeinflussen lassen. Wie alle erfolgreichen und gl\u00fccklichen V\u00f6lker k\u00e4mpften die US-Amerikaner nur in ganz seltenen Ausnahmen in fremden Kriegen. Als wohlhabende Nation konnten sie es sich sogar oft erlauben ihre eigenen Streitkr\u00e4fte mit geworbenen Ausl\u00e4ndern zu verst\u00e4rken, denen dann in erster Linie Land oder die begehrte Staatsb\u00fcrgerschaft in Aussicht gestellt wurden. Vergleiche mit dem r\u00f6mischen Imperium, das seine Legionen zunehmend mit Fremden f\u00fcllte, die daf\u00fcr Siedlungsland und das B\u00fcrgerrecht erhielten, dr\u00e4ngen sich hier auf. Auch die R\u00f6mer waren ja trotz ihrer gro\u00dfen Kriege nicht gerade f\u00fcr ihre S\u00f6ldnerdienste bekannt. F\u00fcr sie gab es einfach genug zu tun, und mit zunehmendem Wohlstand \u00fcberlie\u00dfen sie die harte und schlechte bezahlte Arbeit lieber Barbaren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn manche Amerikaner einen S\u00f6ldner unter ihren Vorfahren haben, dann handelt es sich fast immer um einen, der als solcher in die USA gekommen und dann als Immigrant dort geblieben war. Bereits von den gerne zitierten verkauften Hessen, die in britischem Sold im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg k\u00e4mpften, blieben anschlie\u00dfend etwa 3.000 als Kolonisten im Land &#8211; lediglich 535 waren gefallen! Im Sezessionskrieg importierten besonders die Nordstaaten solche Massen an europ\u00e4ischem Kanonenfutter, dass in den S\u00fcdstaaten lange die Legende gepflegt wurde, man sei nur mit Hilfe dieser Immigrantens\u00f6ldner besiegt worden. Noch w\u00e4hrend des Kalten Krieges versorgte sich die US-Army unter den Staatenlosen Europas mit einigen Zehntausend Rekruten, wobei ehemalige Angeh\u00f6rige osteurop\u00e4ischer SS-Verb\u00e4nde besonders gesch\u00e4tzt wurden. Aber auch in unseren Tagen, wo der chaotische und unpopul\u00e4re Krieg im Irak st\u00e4ndig Ersatz verlangt, werden bevorzugt Immigranten an die Front geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der mit Abstand gr\u00f6\u00dften Gruppe von US-Amerikanern, die jemals unter fremder Flagge dienten, handelt es sich um jene \u00fcber 6.000 Seeleute, die w\u00e4hrend der napoleonischen Kriege von der britischen Marine zum Dienst gepresst wurden. Aber gerade von ihnen m\u00f6chte man in den USA nichts wissen, da sich ihr typisches S\u00f6ldnerschicksal nur wenig mit den Vorstellungen von Patriotismus, Heldentum und freier Entscheidung vereinbaren l\u00e4sst. Sie waren einfach nicht aus dem Material, aus dem Hollywood seine Mythen schmiedet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte es dabei belassen, g\u00e4be es nicht den Typus des Abenteurers oder Gl\u00fccksritters, der im englischen gerne als &#8222;Soldier of Fortune&#8220; bezeichnet wird. Im Gegensatz zum gew\u00f6hnlichen S\u00f6ldner &#8211; dem &#8222;mercenary&#8220; &#8211; versucht der Abenteurer nicht durch Kriegsdienst seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er hat gr\u00f6\u00dferes vor. Manchmal will er einfach etwas erleben, seine M\u00e4nnlichkeit beweisen, ber\u00fchmt werden. Normalerweise will er aber einfach richtig Gewinn machen und das in einem Ma\u00df, wie es allein mit Sold niemals m\u00f6glich w\u00e4re. Der Abenteurer tr\u00e4umt von enormen Sch\u00e4tzen oder Gesch\u00e4ften, von riesigen Latifundien oder als Kr\u00f6nung des ganzen von einem eigenen Reich, in dem er selbst nach eigenen Gutd\u00fcnken herrschen kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"471\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/united-fruit.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3914\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/united-fruit.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/united-fruit-300x283.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">United Fruit<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es hat diese M\u00e4nner zwar immer und \u00fcberall gegeben, aber in der Geschichte der USA begegnen sie einem mit einer Gier und Dreistigkeit, f\u00fcr die man lange nach historischen Vergleichen suchen muss. Am ehesten findet man \u00e4hnliche Gestalten vielleicht noch unter den Hellenen, die sich nach Alexanders Tod um dessen Erbe streiten, oder unter den Normannen, die im 11. Jahrhundert alles als ihr Eigentum betrachten, was sie sich mit List und Gewalt untertan machen k\u00f6nnen. Es sind grenzenlose Egomanen, f\u00fcr die Recht oder Legitimit\u00e4t nur in so weit existiert, wie es dem eigenen Fortkommen dient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gesagt findet man diesen Typus unter allen V\u00f6lkern, vor allem unter Teilen des europ\u00e4ischen Adels entdeckt man oft \u00e4hnliche Tendenzen. Allerdings vermisst man dort meistens den gesunden, praktischen Gesch\u00e4ftssinn, mit dem der Yankee-Abenteurer zu Werke geht. Der ganz gro\u00dfe Unterschied ist aber, dass der Yankee fest davon \u00fcberzeugt ist, sozusagen in h\u00f6herem Auftrag zu handeln, er ist \u00fcberzeugt, dass er bei der Verfolgung seiner durch und durch individualistischen Ziele Gott und Vaterland hinter sich hat. Wenn europ\u00e4ische Adlige ihren zahlreichen Verschw\u00f6rungen nachgingen oder sich skrupellos bereicherten, handelten sie sicher aus \u00e4hnlich egoistischen Motiven und hielten es f\u00fcr ihr gutes Recht. Dennoch wussten sie, dass sie sich nicht erwischen lassen durften. Der typische Yankee dagegen ist sicher, dass ihm die Kavallerie oder die Marines zu Hilfe kommen werden, wenn er mit seinen waghalsigen Projekten scheitert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Europ\u00e4er waren im Lauf ihrer Geschichte in erster Linie Untertanen, seit endlosen Generationen daran gewohnt, dem K\u00f6nig, den F\u00fcrsten und der Kirche das ihre zu geben und nur wenig Gegenleistung daf\u00fcr zu erwarten. Die Vorfahren der US-Amerikaner sind dagegen oft vor genau diesen Verh\u00e4ltnissen geflohen und haben sich dagegen zur Wehr gesetzt. Ihr Land haben sie selbst erobert und sich eine Verfassung daf\u00fcr gegeben, die ihnen den Anspruch auf individuelles Gl\u00fcck garantiert. Sie m\u00f6gen deshalb auch noch so innig ihre Nationalhymne singen und ihre H\u00e4user mit Fahnen schm\u00fccken; sie sind dennoch letzten Endes davon \u00fcberzeugt, dass der Staat allein ihnen zu dienen habe und nicht umgekehrt. Dass John F. Kennedy dies in seiner ber\u00fchmten Rede v\u00f6llig anders formuliert hat, kann man bestenfalls als ernst gemeinte Mahnung auffassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die staatlichen Institutionen haben auch nie ernsthaft versucht diese individualistisch egoistische Grundtendenz zu \u00e4ndern, sondern sich darauf beschr\u00e4nkt, sie ein wenig zu steuern und nach M\u00f6glichkeit zu Nutze zu machen. Schlie\u00dflich waren es diese Abenteurer, die sich mit den Indianern schlugen und ihnen immer neue Landstriche abnahmen. Obwohl der \u00fcberwiegende Teil der Amerikaner nie einen kriegerischen Indianer zu Gesicht bekam, wurde der Kampf an der Grenze und die unbegrenzte Verf\u00fcgbarkeit von Siedlungsland zu einem bestimmenden Mythos der Nation. Diejenigen, die Abenteuer und Gewinn suchten, mussten nicht in fremde L\u00e4nder ziehen, sondern konnten ihr Gl\u00fcck an der &#8222;Frontier&#8220; versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun k\u00f6nnte man einwenden, dass die Landnahme europ\u00e4ischer Kolonisten immer so \u00e4hnlich abgelaufen ist: ob in Lateinamerika oder Sibirien, ob in Australien oder S\u00fcdafrika. Der gro\u00dfe Unterschied liegt aber darin, dass die US-Conquistadoren oft v\u00f6llig auf eigene Faust handelten und sich ihre Aktionen dann im Nachhinein von einer weitgehend passiven Regierung absegnen lie\u00dfen. Cortez, der ihnen vielleicht noch am n\u00e4chsten kommt, musste nach der Eroberung Mexikos viel Gold aufwenden, um den spanischen K\u00f6nig zu bes\u00e4nftigen und wurde schlie\u00dflich dennoch kalt gestellt. Wir reden hier auch nicht von Siedlern, die den Indianern ein paar Morgen Land abnahmen, um es dann im Schwei\u00dfe ihres Angesichts zu beackern. Die echten Abenteurer tr\u00e4umten von gigantischen L\u00e4ndereien von der Gr\u00f6\u00dfe europ\u00e4ischer F\u00fcrstent\u00fcmer, in denen sie wie kleine K\u00f6nige herrschen konnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"446\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/manifest-destiny.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3913\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/manifest-destiny.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/manifest-destiny-300x223.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Symbolbild: Manifest Destiny<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um diese Zusammenh\u00e4nge besser zu verstehen, lohnt es sich die Geschichte von Texas etwas genauer zu betrachten. Texas war nach dem Zusammenbruch des spanischen Kolonialreichs Teil von Mexiko. Zum Aufbau des Landes versuchte nun die mexikanische Regierung Kolonisten ins Land zu holen. Dazu bediente sie sich freier Agenten so genannter &#8222;Impresarios&#8220;, die Werbung und Transport der Siedler organisierten und daf\u00fcr gro\u00dfz\u00fcgig mit Landschenkungen entsch\u00e4digt wurden. Einer dieser Impresarios war ein gewisser Stephen F. Austin aus Virginia, der sp\u00e4ter unter der theatralischen Bezeichnung &#8222;Vater von Texas&#8220; bekannt werden sollte. Austin war bereits im Minengesch\u00e4ft und bei Landspekulationen t\u00e4tig gewesen, hatte sich als Verk\u00e4ufer, Jurist und Politiker versucht, als er nach dem Tod seines Vaters dessen Vertrag als Impresario im Dienste Mexikos \u00fcbernahm. Das Gesch\u00e4ft war nicht schlecht; pro 200 Familien sollte er 270 km\u00b2 Land f\u00fcr sich erhalten; geplant waren f\u00fcr 1825-29 1.200 Familien. Und das war sozusagen nur das Grundgehalt. Denn es versteht sich von selbst, dass eine so zentrale Figur bei der Kolonisation zahlreiche andere Gesch\u00e4fte an sich rei\u00dfen oder vergeben konnte, und am Horizont war bereits das Amt des k\u00fcnftigen Gouverneurs zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kolonisten wurden automatisch mexikanische Staatsb\u00fcrger, leisteten einen Eid auf die neue Verfassung und versprachen die Gesetze zu achten. Doch kaum jemand dachte daran, sich an diese Abmachungen zu halten oder sich von den verachteten mexikanischen Beh\u00f6rden etwas vorschreiben zu lassen. Die dominierenden Personen unter den Neuank\u00f6mmlingen waren wohlhabende Pflanzer aus den S\u00fcdstaaten, die mit ausreichendem Kapital in Texas neue gr\u00f6\u00dfere Plantagen anlegen wollten. Das Problem dabei war aber, dass in dem &#8222;r\u00fcckst\u00e4ndigen&#8220; Mexiko die Sklaverei seit der Unabh\u00e4ngigkeit abgeschafft war. Der Streit um die Sklavenfrage entwickelte sich deshalb schnell zum Hauptkonflikt zwischen Kolonisten und mexikanischen Beh\u00f6rden. Dazu kam der Streit um Waffenbesitz &#8211; bis heute ein Grundpfeiler des amerikanischen Selbstverst\u00e4ndnisses &#8211; und die Religion &#8211; ein Gro\u00dfteil der Kolonisten war protestantisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sich die Konflikte versch\u00e4rften, sammelten die einflussreichen Pflanzer ihre Kr\u00e4fte, warben Unterst\u00fctzung in den USA und erkl\u00e4rten 1835 ihre Unabh\u00e4ngigkeit. Damit war der Krieg da. Dessen Verlauf ist hier nicht von Interesse, man sollte sich jedoch klar machen, dass es sich dabei trotz aller patriotischer Verkl\u00e4rungen um keinen gro\u00dfen Freiheits- oder Volkskrieg handelte, sondern um die Aktionen einer relativ kleinen Schicht. In fast allen so genannten Schlachten &#8211; eigentlich handelte es sich nur um Scharm\u00fctzel &#8211; k\u00e4mpften auf texanischer Seite nur einige hundert Mann. Das konnten die Pflanzer mit ihren Vorarbeitern fast alleine mobilisieren. Verglichen mit diesem bescheidenen Aufwand ging es um die gigantische Landmasse von Texas, \u00fcber die die Sieger ja dann verf\u00fcgen konnten. Da auch Mexiko keine starken Kr\u00e4fte ins Feld f\u00fchren konnte &#8211; bei der Masse der Truppen handelte es sich ohnehin um gepresste und schlecht ausgebildete Indios -, war der Krieg schnell entschieden und Texas wurde in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Jahre sp\u00e4ter &#8211; es dauerte einfach seine Zeit bis gen\u00fcgend Siedler dort angekommen waren &#8211; versammelten sich in einer Bar in Sonora (Kalifornien) ganze 30 Amerikaner und riefen die Freie Republik von Kalifornien aus. Ihre geringe Anzahl war nicht von Bedeutung, da ihnen die US-Regierung gleich Truppen zu Hilfe schickte. Denn inzwischen war wegen der Annexion von Texas (1845) der Krieg zwischen den USA und Mexiko ausgebrochen, aus dem die USA siegreich mit Kalifornien, Nevada, Utah, Arizona und Neu Mexiko als Beute hervorgingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr sich betrachtet k\u00f6nnte man die Rebellionen in Texas und Kalifornien einfach f\u00fcr eine Form erfolgreicher imperialistischer Au\u00dfenpolitik halten, wie sie ja auch von europ\u00e4ischen Staaten praktiziert wurde, und bei der private und staatliche Interessen geschickt in Einklang gebracht wurden. Die Sache erscheint aber in einem ganz anderen Licht, wenn man sie im Zusammenhang mit den zahlreichen Flibustier-Unternehmungen betrachtet, die vor allem in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts viele mittelamerikanische Staaten heimsuchten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"371\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/flibustiere_cuba.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3915\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/flibustiere_cuba.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/flibustiere_cuba-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">US-Flibustiere auf Cuba<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als &#8222;Flibustier&#8220; (engl. Filibuster) bezeichnete man einst die Piraten der Karibik; im 19. Jahrhundert wurde der Begriff dann allgemein auf die Freibeuter &#8211; vorwiegend aus den USA &#8211; \u00fcbertragen, die versuchten aus den Resten des spanischen Imperiums ihre eigenen Reiche herauszuschneiden. Am bekanntesten wurde William Walker, der 1855 mit ganzen 62 Mann zur Eroberung Nicaraguas aufbrach, sich dort zum Pr\u00e4sidenten machte und im Namen der Freiheit die Sklaverei wieder einf\u00fchrte. Er war aber alles andere als eine Ausnahme. Zwischen 1810 und 1860 gab es \u00fcber 20 dieser Unternehmungen gegen das n\u00f6rdliche Mexiko, Venezuela, Cuba, Florida und einige andere Staaten und wahrscheinlich ein Vielfaches von solchen, die nie \u00fcber das Planungsstadium hinauskamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle diese Flibustierunternehmungen wurden in den USA finanziert, ausger\u00fcstet und mit dem notwendigen Personal &#8211; den S\u00f6ldnern eben &#8211; versorgt. Das war nat\u00fcrlich auch dort illegal. Dennoch unternahm die Regierung wenig; nur manchmal wurde ein Schiff mit Waffen beschlagnahmt. Falls es tats\u00e4chlich einmal zu einer Anklage kam, endete diese sehr schnell mit einem Freispruch. Die Trennung war ja auch nicht einfach. Wenn Walker in Nicaragua Erfolg gehabt h\u00e4tte, w\u00fcrde man ihn vielleicht heute dort als &#8222;Vater Nicaraguas&#8220; verehren und das Land w\u00e4re ein weiterer Bundesstaat der USA. Walker und seine Kollegen sahen sich v\u00f6llig im Recht, schlie\u00dflich machten sie ja nichts anderes als Austin in Texas. Die Bev\u00f6lkerung in den USA sah es \u00e4hnlich, und regelm\u00e4\u00dfig wurden heimkehrende Flibustiere wie Volkshelden gefeiert, oder die Bundesbeh\u00f6rden bei ihrer Arbeit behindert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Forschung gelten die Flibustiere als &#8222;Soldiers of Fortune&#8220; par excellence. Ihre Mannschaften rekrutierten sie als typische S\u00f6ldnerf\u00fchrer unter den Abenteurern in Kalifornien und den S\u00fcdstaaten und zunehmend unter den gerade angekommenen Einwanderern in den Slums von New York. Ihre Staatsstreiche und Krieg gegen Regierungen, mit denen die USA in Frieden lebten, waren eindeutig kriminell. Dennoch f\u00fchlten sie sich im Recht und wurden von einer Woge der Sympathie getragen. Diese allgemeine Grundstimmung, dass es den US-Amerikanern sozusagen vorbestimmt sei, sich alles im Westen liegende Land untertan zu machen wurde Mitte des Jahrhunderts in einer Ideologie unter dem Namen &#8222;Manifest Destiny&#8220; formuliert. Gott selbst &#8211; d.h. nat\u00fcrlich der protestantische &#8211; hatte danach den Amerikanern aufgetragen mit der Bibel und dem Colt Fortschritt und Demokratie zu verbreiten. Die Flibustiere und ihre S\u00f6ldner waren dabei letzten Endes nichts anderes als Werkzeuge einer h\u00f6heren Vorsehung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist diese seltsame Mischung aus Privatinteressen und pseudoreligi\u00f6ser Rechtfertigung, bei der der Staat nur eine marginale Rolle spielt, die viele US-S\u00f6ldner bis zum heutigen Tag auszeichnet. Sie befinden sich immer auf einer Art Kreuzzug und achten dennoch darauf, dass die Kasse stimmt. Zwar rechtfertigten auch europ\u00e4ische Kolonialoffiziere ihr Tun mit ihrer zivilisatorischen Mission, doch kaum einer w\u00e4re auf die Idee gekommen, auf eigene Faust Truppen zu rekrutieren und in einem anderen Land einen Staatsstreich zu inszenieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfe Zeit der Flibustiere ging mit dem Erreichen der Westk\u00fcste und dem Sezessionskrieg zu Ende. Das lag zum einen daran, dass weitere Eroberungen die Mittel dieser Privatunternehmer nun \u00fcberschritten, und zum anderen, dass die staatliche Gewalt durch den Sieg der Nordstaaten deutlich st\u00e4rker geworden war und mehr Kontrolle aus\u00fcben konnte. Vor allem war aber durch die Abschaffung der Sklaverei der Anreiz entfallen, im S\u00fcden riesige Plantagen zu erobern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"514\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/us-egypt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3916\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/us-egypt.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/us-egypt-300x386.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">US-Amerikaner in \u00c4gypten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ende des Sezessionskrieges sorgte dann auch erstmalig in der Geschichte der USA f\u00fcr einen gewissen \u00dcberschuss an arbeitslosen Soldaten, die nach einer entsprechenden T\u00e4tigkeit suchten. Dabei handelte es sich jedoch fast ausschlie\u00dflich um Offiziere, die einen Abstieg ins Zivilleben f\u00fcrchteten &#8211; die einfachen Soldaten waren froh dahin zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe dieser Offiziere &#8211; Nord- und S\u00fcdstaatler gemeinsam &#8211; findet man im Dienst der \u00e4gyptischen Khediven, die versuchten ihr Milit\u00e4r zu reformieren, aber auch vereinzelte in der Kongokolonie K\u00f6nig Leopolds und in einigen s\u00fcdamerikanischen Staaten. Die meisten hatten es aber nicht weit, sie zogen nach Mexiko, wo der B\u00fcrgerkrieg zwischen der von den Franzosen gest\u00fctzten Partei Kaiser Maximilians und den Liberalen unter Benito Juarez gerade seinem H\u00f6hepunkt entgegensteuerte. B\u00fcrgerkriegsveteranen dienten zwar auf beiden Seiten, wobei jedoch die Konf\u00f6derierten eindeutig die kaiserliche Seite bevorzugten. Es kam sogar zu Verhandlungen \u00fcber die Aufnahme von \u00fcber 30.000 S\u00fcdstaatensoldaten in die kaiserliche Armee. Doch hier waren die siegreichen Nordstaaten nicht bereit tatenlos zuzusehen; sie verlegten Truppen an die Grenze und drohten Frankreich unmissverst\u00e4ndlich. Der Dienst auf Seiten der Liberalen wurde dagegen geduldet. Schlie\u00dflich ging es darum, die Franzosen aus dem Hinterhof der USA zu vertreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abwanderung amerikanischer Abenteurer verebbte jedoch schnell. In den USA begann nun die Zeit des &#8222;Wilden Westens&#8220;, eine Phase der Binnenkolonisation, w\u00e4hrend der die Indianer v\u00f6llig unterworfen wurden und um das im \u00dcberfluss eroberte Land gestritten wurde. Obwohl nur relativ wenige Amerikaner im &#8222;Wilden&#8220; Westen lebten oder etwas mit den Ereignissen dort zu tun hatten, wurde er doch wie &#8222;Manifest Destiny&#8220; zu einem der ganz gro\u00dfen Mythen der Nation. Ganz Amerika verehrte die Gunmen, die Revolverhelden, die sich ihr Recht mit dem Colt verschafften. Es war dabei nicht wichtig, ob es sich bei ihnen um M\u00e4nner des Gesetzes, einfache Banditen oder psychopathische Killer handelte, entscheidend war, wie viele M\u00e4nner sie get\u00f6tet, wie viele Kerben sie im Griff ihrer Revolver hatten. Die Zeitungen waren voll von \u00fcbertriebenen Berichten dieser &#8222;Heldentaten&#8220; und pr\u00e4gten so die allgemeinen Vorstellungen. Man sollte hierbei vielleicht auch einmal daran denken, welche Bewunderung Serienkillern in den USA gerade heute entgegen gebracht wird &#8211; Ted Bundy erhielt in der Haft bis zu seiner Hinrichtung etwa 200 Fanbriefe von Frauen &#8211; t\u00e4glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die Mentalit\u00e4t der S\u00f6ldner und besonders derjenigen, die es werden wollten, hatten diese Vorstellungen entscheidenden Einfluss. Nat\u00fcrlich gab es auch die, die k\u00fchl und professionell ihre Arbeit erledigten. F\u00fcr sehr viele war ein S\u00f6ldnerjob aber eine Art Abenteuerurlaub, bei dem man mal richtig schie\u00dfen und t\u00f6ten wollte. Europ\u00e4ische S\u00f6ldner lie\u00dfen sich anwerben, um ihr Auskommen zu finden, fremde exotische L\u00e4nder zu sehen und auch immer wieder um in ber\u00fchmten Regimentern zu dienen und damit manchmal ihren V\u00e4tern zu folgen. Amerikaner begaben sich dagegen auf einen Egotrip zur M\u00e4nnlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"510\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/us-mexiko.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3917\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/us-mexiko.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/us-mexiko-265x450.jpg 265w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">US-Amerikaner in Mexiko<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie k\u00e4mpften in S\u00fcdamerika, am Kongo und im Burenkrieg. Zu ihrem gro\u00dfen Eldorado wurde aber Mittelamerika, wo sich im Dienst der zahlreichen Diktatoren oder der gro\u00dfen US-Konzerne wie United Fruit viele Gelegenheiten f\u00fcr einen kurzen \u00fcberschaubaren Job boten. Mit ihren Winchestern, Schnellfeuerkanonen und den ersten Maschinengewehren waren sie den Einheimischen weit \u00fcberlegen und konnten sich ohne allzu gro\u00dfes Risiko austoben. Vor allem da die US-Regierung ihre sch\u00fctzende Macht bereit hielt. So f\u00fchrte die Hinrichtung zweier US-S\u00f6ldner in Nicaragua zu einer Kriegserkl\u00e4rung. Zum Gro\u00dfereignis wurde dann die mexikanische Revolution von 1910, wo viele unter dem einen oder anderen General dienten ohne richtig zu wissen, um was es eigentlich ging.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie ihre gro\u00dfen Vorbilder, die Westernhelden, waren S\u00f6ldner inzwischen selbst ins Interesse der Medien ger\u00fcckt. Oft wurden sie von Journalisten begleitet, die dann fantasiereich von vorderster Front berichteten. Flei\u00dfig wurde an Mythen und Legenden gezimmert und die intelligenteren merkten schnell, dass Publicity ein wichtiger Teil des Gesch\u00e4fts war. Es ist kein Zufall, dass der Abenteurer Henry Morton Stanley zu seiner Livingstone-Rettungsexpedition im Auftrag einer amerikanischen Zeitung aufbrach. Sp\u00e4ter verdiente er dann mit Vortragsreisen ein Vielfaches von dem, was ihm K\u00f6nig Leopold an Sold bezahlt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem gro\u00dfen Gemetzel des Ersten Weltkrieges beruhigte sich das Gesch\u00e4ft weitgehend. Das lag zum einen daran, dass viele nun einfach genug hatten, haupts\u00e4chlich aber daran, dass Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr S\u00f6ldner immer seltener wurden. Afrika hatten sich die Kolonialm\u00e4chte geteilt &#8211; sogar K\u00f6nig Leopolds Privatkolonie am Kongo war vom belgischen Staat \u00fcbernommen worden &#8211; und in Mittelamerika hatten die gro\u00dfen US-Konzerne ihnen genehme Diktatoren installiert. Bei den schweren K\u00e4mpfen um Marokko st\u00fctzten sich zwar Frankreich und Spanien auf ihre Fremdenlegionen, doch der harte Dienst in diesen Einheiten hatte noch nie viele Amerikaner angezogen. So blieb es bei einigen wenigen Ausnahmen, die es tats\u00e4chlich in die franz\u00f6sische Fremdenlegion verschlug oder die ihr Gl\u00fcck als Waffenh\u00e4ndler oder Instrukteur in Ostafrika, S\u00fcdamerika oder China versuchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel wichtiger wurde jedoch eine ganz neue Sparte, in der es nicht so sehr auf gro\u00dfe Zahlen ankam, daf\u00fcr aber um so mehr Geld zu verdienen war: die S\u00f6ldnerpiloten. Die USA waren im Flugzeugbau f\u00fchrend und schritten auch beim Aufbau eines zivilen Streckennetzes am schnellsten voran. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass man nun fast \u00fcberall, wo daf\u00fcr Verwendung bestand, auf einige amerikanische S\u00f6ldnerpiloten st\u00f6\u00dft. Die ersten hatten sich sogar schon w\u00e4hrend der mexikanischen Revolution Luftgefechte geliefert. F\u00fcr den Krieg in Marokko stellte der Abenteurer Charles Sweeny im Auftrag der Franzosen 1925 die &#8222;Escadrille Ch\u00e9rifienne&#8220; auf; deren Flugzeuge haupts\u00e4chlich von US-S\u00f6ldnern geflogen wurden. Da der Krieg jedoch in den USA \u00e4u\u00dferst unpopul\u00e4r war, musste die Staffel, nachdem durch ihre Eins\u00e4tze zahlreiche Frauen und Kindern get\u00f6tet worden waren, bald wieder aufgel\u00f6st werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch bei den Piloten, die aus Eigeninitiative im spanischen B\u00fcrgerkrieg k\u00e4mpften, handelte es sich haupts\u00e4chlich um Amerikaner. Einige von ihnen waren sicher wie die Angeh\u00f6rigen der Internationalen Brigaden aus idealistischen Motiven nach Spanien gekommen. Man sollte hier aber auch auf den Sold achten: w\u00e4hrend sich ein Unteroffizier der spanischen Armee sich mit 333 Peseten monatlich zufrieden geben musste, erhielten die fremden Piloten 50.000! Es war also ein \u00e4u\u00dferst lohnendes Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"311\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/chennault.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3918\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/chennault.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/chennault-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Claire Lee Chennault in China<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dfte Wirkung hatten jedoch die &#8222;Flying Tigers&#8220;, eine Staffel die der Ex-General Claire Lee Chennault 1937 f\u00fcr Chiang Kai-shek aufstellte. Zu dieser Zeit befanden sich die USA noch im Frieden mit Japan und Chennault musste als Privatmann seine Landsleute als S\u00f6ldner anwerben. Erst nach Pearl Harbour wurde er dann mit einem Teil seiner Piloten in die US-Air Force \u00fcbernommen. Chennault war aber inzwischen viel zu sehr Gesch\u00e4ftsmann um dort zu bleiben. Nach Kriegsende gr\u00fcndete er mit seinem alten Personal die Fluggesellschaft CAT (Civil Air Transport), die haupts\u00e4chlich weiter in China t\u00e4tig war. Man sollte sich jedoch von dem &#8222;Civil&#8220; im Namen nicht allzu sehr t\u00e4uschen lassen. Die CAT war zwar haupts\u00e4chlich im Transportwesen t\u00e4tig, wuchs jedoch schnell mit den Kriegen in Ostasien. Zuerst flog sie weiter f\u00fcr Chiang Kai-shek im B\u00fcrgerkrieg gegen die Kommunisten, dann f\u00fcr die Franzosen in Indochina und sp\u00e4ter \u00fcbernahm sie auch Subkontrakte f\u00fcr die US-Regierung im Koreakrieg. Durch Chennaults hervorragende Kontakte zu Milit\u00e4r- und Geheimdienstkreisen mauserte sich die CAT schlie\u00dflich zur geheimen Luftflotte der CIA, die dann sp\u00e4ter unter dem Namen &#8222;Air America&#8220; legend\u00e4r werden sollte.<br><br>Diese enge Verflechtung zwischen Wirtschaftsinteressen, inoffizieller Politik und S\u00f6ldnertum war schon immer charakteristisch f\u00fcr die USA gewesen. Durch den Aufstieg zur Supermacht verst\u00e4rkte sich dieser Trend weiter. Es waren nun die CIA und das Pentagon, die weltweit die Einsatzbedingungen kontrollierten. Wenn sie diskret im Hintergrund bleiben wollten, wussten sie den Einsatz von US-S\u00f6ldnern weitgehend zu unterbinden. So st\u00f6\u00dft man bei den postkolonialen Konflikten in Afrika &#8211; Kongo, Biafra, Angola &#8211; haupts\u00e4chlich auf Franzosen, Briten und S\u00fcdafrikaner aber kaum auf einen US-B\u00fcrger, obwohl die CIA einen guten Teil dieser S\u00f6ldner finanzierte. Doch gerade deshalb konnte sie die Besch\u00e4ftigung ihrer Landsleute recht effektiv unterbinden. Zudem droht Ex-Soldaten der Verlust ihrer Pensionsanspr\u00fcche, wenn sie sich an Konflikten beteiligen, die ihrer Regierung nicht genehm sind.<br><br>Das gr\u00f6\u00dfte Hindernis bildet aber sicher der relative Wohlstand in den USA, der gr\u00f6\u00dfere Werbungen auf jeden Fall verhindert. So hatte nach dem Vietnamkrieg der Ex-Major Robert K. Brown die nicht ganz falsche Idee, dass sich die USA nun wegen der gro\u00dfen Zahl unbesch\u00e4ftigter Veteranen in ein Hauptrekrutierungsgebiet f\u00fcr S\u00f6ldner verwandeln w\u00fcrden. Um ganz vorne mit dabei zu sein, gr\u00fcndete er das S\u00f6ldnermagazin &#8222;Soldier of Fortune&#8220;. Allerdings hatte er dabei \u00fcbersehen, dass der Markt diese gar nicht ben\u00f6tigte, dass es sich selbst mit einer bescheidenen Veteranenpension oft besser lebt als vom Sold und dass seine Regierung so etwas nicht w\u00fcnschte. Also wurde SOF anstatt einer Stellenb\u00f6rse haupts\u00e4chlich ein Magazin f\u00fcr Waffennarren, Freizeitkrieger und Angeh\u00f6rige der Streitkr\u00e4fte.<br><br>Andererseits hatten Wirtschaft und Regierungsstellen einen stetig wachsenden Bedarf an S\u00f6ldnern. Doch hier ist die Verflechtung inzwischen so stark, dass man nicht immer entscheiden kann, ob bei den Eins\u00e4tzen in Nicaragua, Zentralafrika oder Kolumbien nun Ex-Green-Berets als S\u00f6ldner, weiterhin aktive Green-Berets oder solche, die nur f\u00fcr einen Monat ihre Uniform ausgezogen haben und ihren Sold aus schwarzen Kassen erhielten, verwendet wurden. Dieser Trend war bereits in den Tagen der Flibustiere erkennbar und hat nun in der Zeit des Outsourcing ganz neue Ausma\u00dfe angenommen. Inzwischen gibt es zwar Zehntausende von so genannten &#8222;US-S\u00f6ldnern&#8220;, doch sie stehen fast alle auf der Soldliste von CIA oder Pentagon und wir bezweifeln, dass die Bezeichnung hier noch richtig auf den Tatbestand zutrifft. Wenn ehemalige Angeh\u00f6rige der US-Streitkr\u00e4fte nach 10 Dienstjahren ihre Pension beziehen und dann mehr oder weniger die gleiche Arbeit im Verband einer Privatfirma &#8211; wie z.B. Dyncorp, MPRI oder Blackwater &#8211; machen, ihre h\u00f6chsten Befehle von den selben Stellen beziehen und dabei sicher auch oft der Ansicht sind, nun weiter ihrem Vaterland zu dienen, kann es sich ja nicht um richtige S\u00f6ldner handeln.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Bibel und dem Colt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3920,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,104],"tags":[168,137],"class_list":["post-3908","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-volker","tag-imperialismus","tag-us-amerikaner"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die US-Amerikaner - 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