{"id":3784,"date":"2025-02-13T18:52:22","date_gmt":"2025-02-13T18:52:22","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=3784"},"modified":"2026-01-16T16:48:42","modified_gmt":"2026-01-16T16:48:42","slug":"sklavensoldaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/sklavensoldaten\/","title":{"rendered":"Sklavensoldaten"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die treuesten und teuersten Diener.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"765\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/haremswache.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3786\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/haremswache.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/haremswache-294x450.jpg 294w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den engen Zusammenhang zwischen S\u00f6ldnern und Sklavensoldaten wurde von Historikern bereits mehrfach hingewiesen. Am bekanntesten sind sicher die \u00e4gyptischen Mameluken und die t\u00fcrkischen Janitscharen, aber auch die Omajjaden in Spanien oder die Fatimiden in Nordafrika st\u00fctzten sich auf Leibgarden und Elitetruppen aus Fremden, f\u00fcr die bevorzugt nubische oder europ\u00e4ische Sklaven, so genannte &#8222;saqaliba&#8220; rekrutiert wurden. Sklaven dienten zwar schon seit Mohammed in den Heeren des Islam, dabei handelte es sich aber um zwangsrekrutierte Kriegsgefangene oder um das pers\u00f6nliche Gefolge einzelner Krieger. Zu einem festen Institution wurden Sklavensoldaten erst um 830 unter dem Kalifen Al-Muetasim, der in ganz gro\u00dfem Stil t\u00fcrkische Sklaven aufkaufen lie\u00df und aus ihnen ein stehendes Heer bildete. Zur gleichen Zeit verlegte er seinen Regierungssitz von Bagdad ins nahe gelegene Samarra, wo seine Milit\u00e4rsklaven &#8211; man spricht von 70.000 Mann! &#8211; in eigenen Stadtvierteln lebten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sollte bei Sklavensoldaten allerdings nicht allzu sehr an normale Arbeitssklaven denken. Sie dienten neben den normalen S\u00f6ldnertruppen und wurden wie diese regelm\u00e4\u00dfig besoldet. Eigentlich waren sie S\u00f6ldner, allerdings solche mit einem lebensl\u00e4nglichen Kontrakt. Denn auch nach dem Ende ihres aktiven Dienstes kehren sie nicht mehr in ihre alte Heimat zur\u00fcck. Nun hatte die Verwendung von Kriegsgefangenen, die ja rechtlich Sklaven waren, gerade im Orient eine lange Tradition; schon die Assyrer hatte auf diese Weise ihre Armeen aufgef\u00fcllt. Die wirklich revolution\u00e4re Neuerung unter Al-Muetasim war, dass Kinder gekauft wurden, die dann im Laufe einer jahrelangen Ausbildung zu Elitesoldaten erzogen wurden. Als ideales Eintrittsalter galt 12, 17 war das Maximum. Denn man legte Wert darauf, dass die Rekruten bereits Erfahrungen in der Kriegskunst ihrer St\u00e4mme hatten und an ein hartes und entbehrungsreiches Leben gew\u00f6hnt waren. Die T\u00fcrken Zentralasiens galten hier geradezu als ideal. Sie waren nicht nur hervorragende Reiter und Bogensch\u00fctzen, sondern wurden von arabischen Autoren auch immer wieder wegen ihrer H\u00e4rte, Tapferkeit und Treue gelobt. W\u00e4hrend ihrer Ausbildung, die 5-8 Jahre dauerte wurden sie im Islam unterwiesen, lernten neue Kampftechniken und wurden an den Dienst im disziplinierten Heer eines hoch entwickelten Staates gew\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wichtigste aber war der Aufbau einer bedingungslosen Loyalit\u00e4t. Bereits als Heranwachsende ihrer vertrauten Umgebung entrissen, in der neuen Kultur isoliert und entwurzelt, erhielten sie eine neue Identit\u00e4t. Die lange Ausbildung war gleichzeitig eine Pr\u00e4gung auf ihren neuen Herrn. Als Sklaven waren sie nicht nur dessen Besitz, sondern geh\u00f6rten auch gewisserma\u00dfen zu seinem Haushalt, zu seiner Familie. Und die Kalifen verstanden sich nat\u00fcrlich darauf dieses Loyalit\u00e4tsgef\u00fchl durch reiche Geschenke, pr\u00e4chtige Kleider und andere Privilegien zu steigern. Sklavensoldaten geh\u00f6rten im Islam zur gesellschaftlichen Elite. Dieses System aus privilegierten Sklaven, die mit gro\u00dfem Aufwand erzogen und ausgebildet wurden, wurde dann sp\u00e4ter in \u00c4gypten, Spanien und sogar von den T\u00fcrken selbst kopiert. Es gab zwar Unterschiede, doch dabei handelte es sich eher um Variationen. So kaufte man im Maghreb und Spanien, wo T\u00fcrken nur schwer zu bekommen waren, nubische Sklaven aus Schwarzafrika oder Slawen vom Balkan und aus Mitteleuropa. Die Herkunft war letzten Endes nicht so wichtig; nur abgeh\u00e4rtet, jung und formbar sollten sie sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sklavensoldaten wurden dann auch schnell ein integraler Bestandteil des Systems und in den meisten islamischen Staaten stellten sie das R\u00fcckgrat der Armeen oder mindestens die Leibgarden der Herrscher. Man findet keine Hinweise auf Rebellionen, in denen die Sklaven um ihre Freiheit k\u00e4mpften oder gar versuchten in ihre Heimat zur\u00fcckzukehren. Wenn sie rebellierten, ging es ihnen ganz im Gegenteil um den Erhalt ihrer Position und den damit verbundenen Privilegien. Dabei verhielten sie sich dann mehr wie die Pr\u00e4torianergarde im r\u00f6mischen Kaiserreich. Auch in Samarra waren die Nachfolger Al-Muetasims bald v\u00f6llig von ihren t\u00fcrkischen Garden abh\u00e4ngig, die Kalifen nach ihrem Belieben einsetzte. In \u00c4gypten rissen die Mameluken die Macht um 1250 sogar v\u00f6llig an sich und gr\u00fcndeten eigene Dynastien, und in der T\u00fcrkei wurde sp\u00e4ter mancher Sultan von den Janitscharen gest\u00fcrzt oder auf den Thron gehoben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"590\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamluks.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3792\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamluks.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamluks-300x354.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sklaven dominierten aber nicht allein das Milit\u00e4r. Sie besetzten auch viele Schl\u00fcsselstellungen am Hof und der Verwaltung. Besonders Eunuchen drangen hier bis in die h\u00f6chsten Positionen vor. Eunuchen waren gewisserma\u00dfen Mameluken in Reinform. Sie waren nicht nur von ihren alten Familien und Bindungen getrennt worden, sondern es war auch gesichert, dass sie keine eigenen Familien gr\u00fcnden konnten. Dadurch wurde der Nepotismus &#8211; eines der gr\u00f6\u00dften Probleme jeder Verwaltung &#8211; von vornherein eingeschr\u00e4nkt. Sie mussten ihre Loyalit\u00e4t automatisch auf ihren Herrn oder die Gruppe \u00fcbertragen. Die Idee war in ihrer brutalen Einfachheit so genial, dass sicher mancher Herrscher auch in der Armee Eunuchen verwendet h\u00e4tte. Allerdings galten Eunuchen generell als unkriegerisch &#8211; unm\u00e4nnlich eben &#8211; und waren zudem sehr teuer, da die Sterberaten bei der Kastration beachtlich waren. Dennoch versuchte man manchmal eine Art Kompromiss zu finden, indem die S\u00f6hne von Sklavensoldaten vom Dienst in diesen Einheiten ausgeschlossen waren. W\u00e4hrend ihrer mehr als 500 Jahre dauernden Herrschaft \u00fcber \u00c4gypten hielten die Mameluken z.B. eisern an dieser Regel fest. In die elit\u00e4re Herrenschicht konnte nur aufgenommen werden, wer als Sklave gekauft worden war; die eigenen S\u00f6hne dagegen gingen in der normalen Bev\u00f6lkerung auf, und der angeh\u00e4ufte Besitz viel an die Gemeinschaft der Krieger. Bei den t\u00fcrkischen Janitscharen galten \u00e4hnliche Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die interessantesten Fragen in diesem Zusammenhang ist jedoch, warum diese Art von Einheiten gebildet wurden, und warum sie fast ausschlie\u00dflich im Islam zu finden sind (mit der genaueren Geschichte der wichtigsten werden wir uns noch in speziellen Artikeln besch\u00e4ftigen). Es ist \u00fcberraschend, dass die Spezialisten auf diesem Gebiet sich ausgerechnet damit kaum besch\u00e4ftigen, oder v\u00f6llig unzureichende Antworten darauf geben. So erw\u00e4hnt Patricia Crone nur am Rande einige andere Beispiele, geht aber mit keinem Wort darauf ein, warum es im christlichen Abendland nicht dazu kam. Daniel Pipes macht sich dagegen relativ viel M\u00fche nachzuweisen, dass sich durch die inneren Kriege, die bald nach dem Tode Mohammeds einsetzten, viele Moslems aus der Politik zur\u00fcckzogen und oft nur noch aktiv wurden, wenn der Islam nach au\u00dfen verteidigt werden musste. Nun haben unseres Erachtens nach Moslems in diesen und den zahllosen folgenden inneren Kriegen mehr als genug bewiesen, dass sie keine Skrupel hatten, gegeneinander zu k\u00e4mpfen. Auch wenn wir eine gewisse Skepsis gegen\u00fcber dem Staat nicht negieren wollen, m\u00fcssen die Hauptursachen also an anderer Stelle zu suchen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sollte hier auch beachten, dass im Mittelalter mit Abstand die meisten Kriege intern gef\u00fchrt wurden. Fast jeder europ\u00e4ische K\u00f6nig musste \u00fcber Jahre gegen den rebellischen Adel im eigenen Land zu Felde ziehen, oft sogar gegen die eigenen S\u00f6hne, die Br\u00fcder, manchmal sogar gegen Schwestern oder die Gattin. Schon die Merowinger waren ber\u00fcchtigt f\u00fcr den Enthusiasmus, mit dem sie sich gegenseitig ausrotteten. Die normannischen K\u00f6nige Englands k\u00e4mpften bevorzugt gegen ihre eigenen Barone, und Heinrich II. musste zudem noch mehrere Aufst\u00e4nde seiner S\u00f6hne niederwerfen. Im Reich kulminierte diese Konflikte in der gro\u00dfen Auseinandersetzung zwischen Staufern und Welfen, die sich \u00fcber Generationen erstreckte. Kriege hatten im Mittelalter vorwiegend den Charakter von B\u00fcrgerkriegen. Auch ein christlicher Herrscher hatte also gewichtige Gr\u00fcnde, ihm pers\u00f6nlich ergebene Eunuchen oder Sklaven zur St\u00e4rkung der Zentralgewalt zu verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tats\u00e4chlich gab es einige Bem\u00fchungen, die genau in diese Richtung gingen. Bereits unter Karl dem Gro\u00dfen und Ludwig dem Fromme gab es Klagen des Adels \u00fcber ehemalige Sklaven, die jetzt Berater des K\u00f6nigs oder Bisch\u00f6fe seien. Vor allem Karl der Gro\u00dfe hatte durch die vielen Aufst\u00e4nde das Vertrauen in den Adel weitgehend verloren und einige Sklaven zu Grafen gemacht. In dieser Zeit wurde aus dem altnordischen Wort &#8222;skalkr&#8220; f\u00fcr &#8222;Schuft&#8220;, der &#8222;mareskalk&#8220;, das dann als &#8222;Marschall&#8220; ein \u00e4u\u00dferst wichtiges Hofamt bezeichnen sollte. Diese Sklaven waren aber nicht zu diesem Zweck gekauft worden. Bei ihnen handelte es sich um Unfreie, die sich seit Generationen im Besitz einer Familie befanden und dort oft wichtige Funktionen in der Verwaltung der G\u00fcter aus\u00fcbten. Auf jeden Fall standen sie in einem besonders engen Loyalit\u00e4tsverh\u00e4ltnis zu ihrem Herrn und waren mit dem lokalen Adel in keiner Weise verschw\u00e4gert. Allerdings blieb es bei diesen zaghaften Versuchen, die mehr das Bed\u00fcrfnis an treuen Dienern demonstrieren. Bei den langen Nachfolgekriegen unter Ludwig dem Frommen und seinen S\u00f6hnen wurde dann bei der Werbung um milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung das Kronland der Karolinger derma\u00dfen verschleudert, dass um 880 fast nichts mehr vorhanden war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"587\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/rebell-baron.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3793\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/rebell-baron.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/rebell-baron-300x352.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">rebellischer Sohn unterwift sich<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihren Bem\u00fchungen die Macht des Kaisertums wieder zu st\u00e4rken, nahmen die Ottonen diese Versuche dann wieder auf, und \u00fcbertrugen den Bisch\u00f6fen elementare Hoheitsrechte. Die Reichskirche wurde zur wichtigsten St\u00fctze der Krone in der Verwaltung und der Stellung von Truppen. Das alles entscheidende Argument war hier die zumindest offiziell z\u00f6libat\u00e4re &#8211; man k\u00f6nnte sagen eunuchenhafte &#8211; Lebensweise des Klerus, die Verwandtschaftsbeziehungen mit dem ans\u00e4ssigen Adel und die Vererbung von Besitz verhindern sollte. Milit\u00e4risch st\u00fctzten sich die Herrschenden dabei zunehmend auf die so genannten &#8222;Ministeriales&#8220;. Anders als beim fr\u00e4nkischen Heerbann, der vom Adel und den Freien gestellt wurde, wurden die Ministeriales unter den Unfreien des eigenen Gesindes rekrutiert, die nun auf dem besten Weg waren als &#8222;Ritter&#8220;, die neue milit\u00e4rische Elite zu bilden. Der Historiker Karl Bosl, der sich mit diesem Thema am ausf\u00fchrlichsten befasst hat, schreibt, dass die salischen und staufischen K\u00f6nige sich haupts\u00e4chlich auf Unfreie st\u00fctzten, da diese &#8222;die Gew\u00e4hr boten, dass sie als abh\u00e4ngige Werkzeuge des k\u00f6niglichen Willens zu jedem Dienst verwendbar, zu jedem Einsatz bereit waren und deshalb auch nur das Interesse des Staates und des K\u00f6nigs verfochten, der sie mit Dienstgut entlohnte.&#8220; Dabei handelt es sich aber in etwa um dieselben Eigenschaften, die die Kalifen an ihren Sklavengarden zu sch\u00e4tzen wussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Probleme, die sich einem christlichen Herrscher bei der Stabilisierung seiner Macht stellten, unterschieden sich nicht allzu sehr von denen seiner orientalischen Kollegen. Deshalb versuchte man sie auch auf \u00e4hnliche Weise anzugehen. Dennoch bleibt die Frage, warum im Abendland keine Garde aus loyalen Milit\u00e4rsklaven aufgestellt wurde. Die Antwort ist ganz einfach: diese L\u00f6sung \u00fcberstieg die finanziellen Mittel der Staaten um ein Vielfaches!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im fr\u00fchen Mittelalter war der Geldverkehr aus Mangel an Edelmetall im Westen praktisch vollst\u00e4ndig zum Erliegen gekommen. Die Herrscher hatten also gar keine andere M\u00f6glichkeit als Kriegsdienste durch die Vergabe von Grundbesitz oder Privilegien zu bezahlen. Der Islam war dagegen bei seinen Eroberungen in den Besitz der wichtigsten Edelmetallquellen der Antike gelangt. Silber wurde im Hindukusch, in Tunesien und Spanien gef\u00f6rdert; vor allem aber kam das nubische Gold \u00fcber die Handelsrouten der Sahara. Arabische M\u00fcnzen wurden dann auch vorwiegend als internationales Zahlungsmittel im Abendland verwandt. Wenn europ\u00e4ische Herrscher zur Repr\u00e4sentation M\u00fcnzen pr\u00e4gen lie\u00dfen, mussten dazu vorher byzantinisches oder arabisches Geld eingeschmolzen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Edelmetallen hatten Nordafrika und der Nahe Osten auch ein wesentlich weiter entwickeltes Wirtschaftssystem als der w\u00e4hrend der V\u00f6lkerwanderung stark verw\u00fcstete westliche Teil des r\u00f6mischen Reiches. Dadurch konnten nicht nur Luxusg\u00fcter f\u00fcr den Export produziert werden; sondern auch Steuern in einem ganz anderen Ma\u00df als in Westeuropa erhoben werden. Man wei\u00df, dass die Kalifen von Bagdad im 10.Jahrhundert, als bereits ganz Nordafrika ihrer Herrschaft entglitten war, \u00fcber einen Staatshaushalt von 14,5 Millionen Dinar verf\u00fcgten. Da ein Dinar 4,25 Gramm Gold wog, waren das \u00fcber 60 Tonnen Gold; etwa die H\u00e4lfte diente dem Unterhalt der Armee. In Spanien hatte Abd-ar-Rahman III. im Jahr 921 Staatseinnahmen von 20 Millionen Dinar (=85 Tonnen Gold). Sein Nachfolger al Hakam II. soll diese dann 961 sogar auf 40 Millionen verdoppelt haben. Mit diesem Geld konnte man nicht nur eine gro\u00dfe Anzahl S\u00f6ldner bezahlen, sondern sich auch den Luxus leisten, Kinder zu kaufen und diese dann \u00fcber Jahre auszubilden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"520\" height=\"677\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/harun-rashid.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3795\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/harun-rashid.jpg 520w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/harun-rashid-300x391.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 520px) 100vw, 520px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Harun al-Rashid empf\u00e4ngt Gesandte Karls des Gro\u00dfen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im fr\u00e4nkischen Reich war dagegen &#8211; wie in vielen \u00f6konomisch unterentwickelten Regionen &#8211; der Export von Sklaven eine der wenigen M\u00f6glichkeiten, um \u00fcberhaupt zu etwas Geld zu kommen. Finanzielle Vergleiche mit dem Orient lassen sich deshalb erst f\u00fcr das Hochmittelalter anstellen, als auch im Abendland die Edelmetallproduktion angelaufen war, und die Herrscher damit begannen ihre Krieger mit Geld zu entlohnen. Man hat die Einnahmen Barbarossas aus dem Reichsgebiet n\u00f6rdlich der Alpen auf 2.800 Kg Silber gesch\u00e4tzt; das entsprach etwa 240 Kg Gold! Vor allem deshalb k\u00e4mpfte er konstant um den Besitz Norditaliens, denn dort waren Einnahmen von 10.000 Kg Silber zu erwarten. Aber auch damit waren die ber\u00fcchtigten Brabanzonen oder gar Ritters\u00f6ldner nur f\u00fcr ein paar Monate zu bezahlen. Kein Wunder, dass sie meistens sehr schnell wieder entlassen wurden und sich selbst versorgen mussten. In England, wo das Steuersystem wesentlich besser organisiert war, verf\u00fcgte Henry II. der zudem auch halb Frankreich regierte \u00fcber ein Einkommen von 66.593 Pfund (=23.000 Kg Silber = ca. 2.000 Kg Gold), womit er haupts\u00e4chlich die ber\u00fcchtigten Brabanzonen bezahlte, um mit ihnen gegen seine aufst\u00e4ndischen Barone und dann seine eigenen S\u00f6hne zu Felde zu ziehen. Nur Dank dieser S\u00f6ldner, d.h. Dank seines Geldes, konnte er sich durchsetzen. Allerdings konnte er meistens nur einige hundert \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum besolden. Aber auch er konnte nicht einmal im Traum daran denken, ein stehendes Heer zu unterhalten. Die einzig fest besoldeten Truppen, die sie sich ein Herrscher zu dieser Zeit dauerhaft leisten konnten, waren die Mitglieder des k\u00f6niglichen &#8222;Haushalts&#8220;, deren Zahl normalerweise zwischen 30 und 100 schwankte, in Krisenzeiten aber auch auf mehrere Hundert steigen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Absolutismus lag in Europa noch in weiter Ferne, und man sollte in diesem Zusammenhang vielleicht auch daran denken, dass die Franz\u00f6sische Revolution nicht als Volksaufstand, sondern als Adelsrevolte begonnen hatte, als der K\u00f6nig bankrott war. Am Ende blieb ihm dann nur noch seine Schweizer Garde &#8211; die fremden S\u00f6ldner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein ritterlich Bewaffneter erhielt um 1240 in Italien 5 Goldunzen im Monat (=ca.100 Gramm). Kaiser und K\u00f6nige konnten also sicher manchmal einige tausend Mann anwerben, vor allem wenn sie ihre Kreditm\u00f6glichkeiten nutzten. Allerdings konnten diese dann bestenfalls wenige Monate regelm\u00e4\u00dfig bezahlt werden. Au\u00dferdem sollte man bedenken, dass zudem Geld f\u00fcr Festungsbau, Garnisonen, Flotte und die Hofhaltung aufgewendet werden musste. Trotzdem versuchten die meisten Herrscher die unzuverl\u00e4ssigen Lehnsaufgebote zumindest durch S\u00f6ldner zu erg\u00e4nzen oder nach M\u00f6glichkeit ganz zu ersetzen. Diese kosteten zwar hohe Summen, forderten daf\u00fcr aber nicht st\u00e4ndig neue Privilegien oder L\u00e4ndereien, standen l\u00e4nger zur Verf\u00fcgung und erwiesen sich auch im Kampf meistens als die besseren Truppen. So verlange Richard L\u00f6wenherz f\u00fcr den Krieg in Frankreich nicht die Heeresfolge seiner Lehnsleute, sondern den Sold f\u00fcr 300 Ritter. Sein wichtigster Helfer und Freund war in dieser Zeit der Brabanzonenf\u00fchrer Mercadier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Entwicklung des Finanzwesens stieg dann auch der Anteil der S\u00f6ldner an den abendl\u00e4ndischen Heeren kontinuierlich. Dennoch konnten gr\u00f6\u00dfere S\u00f6ldnerheere bis ins 17. Jahrhundert meistens nur f\u00fcr einige Monate finanziert werden. Erst als im Absolutismus das Steueraufkommen ausreichend gewachsen war, wurde es m\u00f6glich stehende Heere von einigen zehntausend Mann zu unterhalten. Doch dann n\u00e4herten sich die Lebensverh\u00e4ltnisse der Soldaten schnell denen von Sklaven an. Soldaten wurden verkauft, verschenkt oder vermietet. Der wesentliche Unterschied zwischen europ\u00e4ischen S\u00f6ldnern des 18. Jahrhunderts und den Milit\u00e4rsklaven des Islam bestand darin, dass die S\u00f6ldner dann so miserabel bezahlt und behandelt wurden, dass Desertionen zum gr\u00f6\u00dften Problem jedes Feldherren wurden. In der T\u00fcrkei und \u00c4gypten bem\u00fchten sich dagegen immer wieder die f\u00fchrenden Schichten endlich zum Dienst in den privilegierten Truppen zugelassen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6glichkeiten der Heeresorganisation<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Lehnsaufgebote.<\/strong> Kriegsdienst erfolgt gegen Landvergabe.<br>Vorteile: Kein oder nur wenig Geld n\u00f6tig.<br>Nachteile: Zwang zur Eroberung, um das notwendige Land zu bekommen. St\u00e4rkung der zentrifugalen Kr\u00e4fte, da das Kronland nach und nach an m\u00e4chtige Adlige vergeben wird, die dazu tendieren sich selbst\u00e4ndig zu machen. L\u00e4ngere Kriege sind fast unm\u00f6glich, da das Feudalrecht die Heeresfolge zeitlich sehr stark einschr\u00e4nkt.<br>Die Truppen sind zudem oft unzureichend ausgebildet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Verst\u00e4rkung der Lehnsaufgebote durch S\u00f6ldner,<\/strong> die f\u00fcr einen gewissen Zeitraum geworben werden.<br>Vorteile: Der Herrscher macht sich teilweise vom renitenten Adel unabh\u00e4ngig, kann l\u00e4ngere Kriege f\u00fchren und verf\u00fcgt \u00fcber professionelle Truppen hoher Qualit\u00e4t.<br>Nachteile: Kriege werden teuer. Falls das Geld ausgeht, besteht die M\u00f6glichkeit, dass die S\u00f6ldner meutern, abziehen oder eventuell sogar zum Gegner \u00fcbergehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Stehendes S\u00f6ldnerheer<\/strong><br>Vorteile: Man verf\u00fcgt \u00fcber zuverl\u00e4ssige, professionelle Truppen, die jederzeit und beliebig lange zur Verf\u00fcgung stehen.<br>Nachteile: enorme Kosten, da die Truppen auch im Frieden unterhalten werden m\u00fcssen. S\u00f6ldner werden aus diesem Grund oft sehr schlecht bezahlt, deshalb fast immer Mangel an Rekruten und zahlreiche Deserteure.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Milit\u00e4rsklaven.<\/strong> Diese werden als Kinder gekauft \u00fcber Jahre ausgebildet und dann sehr gut bezahlt.<br>Vorteile: \u00e4u\u00dferst loyale Truppen, die zudem hervorragend ausgebildet sind.<br>Nachteile: Mit gro\u00dfem Abstand die teuerste Variante!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Crone, Patricia<br>&nbsp; Slaves on horses: the evolution of the Islamic polity<br>&nbsp; Cambridge 1980<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pipes, Daniel<br>&nbsp; Slave Soldiers in Islam: The Genesis of Military System<br>&nbsp; New Haven 1981<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bosl, Karl<br>&nbsp; Fr\u00fchformen der Gesellschaft<br>&nbsp; M\u00fcnchen Wien 1964<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die treuesten und teuersten Diener.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3785,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,37],"tags":[298,233],"class_list":["post-3784","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-mittelalter","tag-leibgarden","tag-sklavensoldaten"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - 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