{"id":2816,"date":"2025-01-14T17:51:02","date_gmt":"2025-01-14T17:51:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=2816"},"modified":"2025-01-15T11:43:53","modified_gmt":"2025-01-15T11:43:53","slug":"der-sieg-des-geldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/der-sieg-des-geldes\/","title":{"rendered":"Der Sieg des Geldes"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Der Peloponnesische Krieg und seine Folgen.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"889\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/griechen-kampf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2822\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/griechen-kampf.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/griechen-kampf-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man liegt sicher nicht verkehrt, wenn man die griechischen B\u00fcrgersoldaten als einen der absoluten Gegenpole des S\u00f6ldnertums bezeichnet. Anders als die r\u00f6mischen Legion\u00e4re die sich sehr schnell zu Berufssoldaten entwickelten oder zu vielen barbarischen V\u00f6lkern, bei denen viele M\u00e4nner ihr ganzes Leben dem Krieg widmeten, blieben die Griechen lange &#8222;Zivilisten&#8220;, die nur in Krisensituationen und dann auch zeitlich sehr begrenzt zur Waffe griffen. Direkte materielle Vorteile hatten diese Milizion\u00e4re im Gegensatz zu Legion\u00e4ren oder barbarischen Kriegern, bei denen die Aussicht auf Sold und Beute immer gewichtige Argumente waren, nicht zu erwarten. Bei ihnen waren B\u00fcrgerrechte direkt an den Kriegsdienst gekoppelt; dieser war dadurch Pflicht und Privileg zugleich. Die Reichsten dienten in der Hoplitenphalanx und hatten damit die Hauptlast der K\u00e4mpfe zu tragen. An eine Bezahlung war unter diesen Umst\u00e4nden nicht zu denken. Der Hoplit zog nicht nur mit seinen eigenen Waffen, sondern auch mit einem pers\u00f6nlichen Diener, der einen Teil der Waffen tragen und f\u00fcr das leibliche Wohl seines Herrn sorgen musste, und eigenen Vorr\u00e4ten ins Feld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da der Hoplitendienst Ausdruck des sozialen Status war und auch politischen Einfluss brachte, versuchte sich auch kaum jemand dieser sicher manchmal auch l\u00e4stigen Pflicht zu entziehen. Im Gegenteil. Neue Untersuchungen haben belegt, dass sogar versucht wurde, den Kreis m\u00f6glichst klein zu halten. So war die teure R\u00fcstung aus Bronze sicher nicht unbedingt notwendig. Die Makedonen haben sp\u00e4ter gezeigt, dass Leder- oder Leinenpanzer durchaus ausreichten. Panzer aus Bronze, die nat\u00fcrlich von den Dienern immer auf Hochglanz gebracht werden mussten, waren haupts\u00e4chlich Statussymbol, und sollten Kleinverdiener von der illustren Runde ausschlie\u00dfen. Aus einer modernen Perspektive erscheint es dennoch als geradezu paradiesischer Zustand: wenn es Krieg gibt, k\u00e4mpfen die, um deren Interessen es haupts\u00e4chlich geht, in der ersten Reihe. Bei dieses Gedanken kommt man dann zwangsl\u00e4ufig auf die Idee, dass dieses System auf Dauer nicht funktionieren konnte. Denn h\u00e4tte es Schule gemacht, w\u00e4ren Kriege ja wahrscheinlich schon l\u00e4ngst aus der Geschichte verschwunden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das grundlegende Problem war, dass die B\u00fcrgerhopliten keine Soldaten, sondern Amateure waren. Auch wenn sie sich untereinander und sogar gegen die Perser \u00e4u\u00dferst tapfer schlugen, so hatten die meisten doch von einem richtigen Krieg kaum eine Vorstellung. Normalerweise lagen die St\u00e4dte der Kontrahenten sehr nahe beisammen. Kam es nun zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, suchte man oft einen geeigneten Platz &#8211; die Phalanx ben\u00f6tigte ebenes Terrain &#8211; ungef\u00e4hr in der Mitte, brachte dort die Sache m\u00f6glichst schnell hinter sich und kehrte wieder zu seinen Alltagsgesch\u00e4ften zur\u00fcck. Taktische Man\u00f6ver, monatelange Kriegsz\u00fcge oder gar Belagerungen waren praktisch unbekannt. Wenn die S\u00f6hne der Reichen das 18. Lebensjahr erreicht hatten, trainierten sie zwar ein Jahr im Gymnasion und versahen dann ein Jahr Wachdienst in Garnisonen, doch diese Ausbildung beschr\u00e4nkte sich auf eine Minderheit und verlor mit den Jahren ihre Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfe Ausnahme waren die Spartaner, die von fr\u00fchester Jungend an nicht nur den Umgang mit Waffen lernten, sondern auch zum Ertragen k\u00f6rperlicher Strapazen erzogen wurden. Im Unterschied zu den meisten anderen Griechen, blieb ein Spartaner auch nach seiner Ausbildung in erster Linie Krieger. Das Resultat war, dass es eine spartanische Phalanx nicht nur mit einem zahlenm\u00e4\u00dfig wesentlich st\u00e4rkeren Gegner aufnahm, sondern auch zu langen M\u00e4rschen und Man\u00f6vern w\u00e4hrend einer Schlacht in der Lage war. Die Spartaner konnten sich diesen Luxus erlauben, da bei ihnen ca. 2% der Bev\u00f6lkerung den Rest beherrschten (im &#8222;demokratischen&#8220; Athen regierte immerhin eine Minderheit von ca. 30%). Bei der gro\u00dfen Masse (mind. 75%) handelte es sich dabei um v\u00f6llig rechtlose Heloten, die einen sklaven\u00e4hnlichen Status hatten. Waffengewandtheit war schon deshalb eine pure \u00dcberlebensnotwendigkeit, da permanent Aufst\u00e4nde der Heloten zu bef\u00fcrchten waren, und zur Ausbildung junger Spartaner geh\u00f6rte es dann auch, entflohene Heloten in den Bergen zu jagen und mutma\u00dfliche Verschw\u00f6rer zu Hause zu ermorden. Dennoch l\u00e4sst sich der Eindruck nicht vermeiden, dass auch die hoch trainierten Spartaner mehr eine Art Hochleistungssportler als richtige Soldaten waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz einzelner Schw\u00e4chen funktionierten die unterschiedlichen Systeme \u00fcber lange Zeit ganz gut. Die griechischen Staaten konnten sich bei ihren begrenzten Streitigkeiten so stark auf die Wehrwilligkeit ihrer f\u00fchrenden Schichten verlassen, dass f\u00fcr S\u00f6ldner kaum Verwendung bestand. Es gab zwar auch zu dieser Zeit schon eine Menge davon, doch die mussten ihre Dienste haupts\u00e4chlich im Ausland &#8211; vorwiegend in Persien oder \u00c4gypten &#8211; offerieren. Zur gro\u00dfen Bew\u00e4hrungsprobe wurde dann der Peloponnesische Krieg (431-404), der durch die immensen Anstrengungen aller Beteiligten, die Unzul\u00e4nglichkeiten der traditionellen Kriegsf\u00fchrung offen legte und w\u00e4hrend seiner au\u00dfergew\u00f6hnlich langen Dauer schwerwiegende Ver\u00e4nderungen erzwang. Wir wollen hier nat\u00fcrlich nicht den gesamten Peloponnesischen Krieg abhandeln &#8211; dazu gibt es B\u00fccher, auch Thukydides l\u00e4sst sich immer noch gut lesen -, sondern uns darauf konzentrieren, wo die Schw\u00e4chen der B\u00fcrgerhopliten erkennbar werden und wo S\u00f6ldner zum Einsatz kommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"388\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/athens-piraeus.jpg\" alt=\"Pir\u00e4us, Athen und die langen Mauern\" class=\"wp-image-2823\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/athens-piraeus.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/athens-piraeus-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pir\u00e4us, Athen und die langen Mauern<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Flotte des von Athen gef\u00fchrten Attischer Seebundes das Meer beherrschte, war der Peloponnesische Bund &#8211; Sparta, Arkadien, Korinth und Theben &#8211; mit seinen Landstreitkr\u00e4ften weit \u00fcberlegen. Daraus ergab sich anfangs das folgende Szenario: die Spartaner und ihre Verb\u00fcndeten fielen jeden Sommer in Attika ein, brannten alles nieder und zogen dann wieder nach Hause. Die attische Landbev\u00f6lkerung zog sich vor diesen Angriffen hinter die langen Mauern zur\u00fcck, die Athen mit dem Hafen Pir\u00e4us verbanden. Im Gegenzug verw\u00fcsteten die Athener mit ihrer Flotte die K\u00fcsten des Peloponnes. Bereits hier werden einige Defizite des spartanischen Heeres deutlich. Sie versuchten noch nicht einmal eine Belagerung, wobei die insgesamt \u00fcber 14 Kilometer langen Mauern mit den entsprechenden Kriegsmaschinen wahrscheinlich leicht zu durchbrechen gewesen w\u00e4ren. Aber diese entsprachen nicht den sportlichen Vorstellungen, die die Spartaner vom Krieg hatten. Noch ungef\u00e4hr zwei Generationen sp\u00e4ter soll ein Spartanerk\u00f6nig beim Anblick eines Katapults aus Syrakus entsetzt gerufen haben: &#8222;Wozu dann noch Mut?&#8220; Die phantasielosen allj\u00e4hrlichen Einf\u00e4lle in Attika belegen aber nicht nur das technische Desinteresse der Spartaner, sondern auch das Fehlen jeglicher Strategie. So brauchten sie 17 (!) Jahre, bis sie unter dem Einfluss des Atheners Alkibiades auf die Idee kamen, in der N\u00e4he von Athen mit der Festung Dekeleia einen permanenten St\u00fctzpunkt anzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gro\u00dfteil der Truppen wurde von beiden Parteien auf ganz traditionelle Weise unter den B\u00fcrgern rekrutiert. S\u00f6ldner spielten deshalb zumindest anfangs nur eine sehr untergeordnete Rolle. Dennoch waren vor allem die neutralen Gebiete des Peloponnes (Achaia und Argos) beliebte Werbegebiete f\u00fcr Hopliten, mit denen beide Seite ihre Aufgebote bei Bedarf verst\u00e4rkten. Betrachtet man aber die H\u00f6he des Soldes, so erkennt man schnell, dass wohl kaum die typischen B\u00fcrgerhopliten angeworben wurden. Ein Hoplit erhielt normalerweise 4 Obolen t\u00e4glich, musste davon aber sich und seinen Diener ern\u00e4hren; die Ruderer der Flotte erhielten drei pro Tag. Um sich eine Vorstellung davon zu machen, muss man wissen, dass 2 Obolen als Existenzminimum galten, nach heutiger Kaufkraft eine Obole also vielleicht 5, maximal 10,- \u20ac entsprach. Da zudem fast nie St\u00e4dte erobert wurden, waren auch die Aussichten, Beute zu machen \u00e4u\u00dferst bescheiden. F\u00fcr dieses Geld wird also kaum ein wohlhabender Bauer oder Handwerker ins Feld gezogen sein. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die S\u00f6ldner haupts\u00e4chlich unter den besitzlosen Unterschichten geworben wurden, denen dann oft ein Teil der Ausr\u00fcstung gestellt werden musste, was dann wieder mit dem Sold verrechnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine wesentlich wichtigere Rolle jedoch als geworbene Hopliten spielten die Leichtbewaffneten und Spezialisten, die unter den eigenen B\u00fcrgern nicht rekrutiert werden konnten. Sehr beliebt waren Speerwerfer der halbbarbarischen nordwestgriechischen St\u00e4mme: der Lokrer, Arkanier und \u00c4tolier. Dazu kamen Bogensch\u00fctzen aus Kreta und Schleuderer aus Rhodos. Bei entsprechendem Bedarf wurden auch Nichtgriechen &#8211; Illyrer, Thraker und Skythen angeworben. So unterhielt Athen als einzigen stehenden Truppenteil ein Korps von \u00fcber 1.000 skythischen Bogensch\u00fctzen, die speziell zu diesem Zweck als Sklaven gekauft worden waren. Man sollte allerdings nicht denken, dass es sich bei den Leichtbewaffneten lediglich um einen billigen Ersatz f\u00fcr Hopliten gehandelt habe. Sie erhielten mit 3 Obolen pro Kopf und Tag ungef\u00e4hr so viel wie jene, manchmal sogar mehr. Thukydides berichtet z.B. von einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe thrakischer Schwertk\u00e4mpfer, die mit einer Drache (= 6 Obolen) t\u00e4glich sogar deutlich besser bezahlt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Thraker &#8211; insgesamt 1.300 Mann &#8211; waren f\u00fcr die sizilianische Expedition angeworben worden. Da sie aber zur Abfahrt der Flotte zu sp\u00e4t gekommen waren und die Athener knapp bei Kasse waren, sollte sie der Feldherr Dieitrephes per Schiff wieder zur\u00fcckbringen, allerdings nicht ohne auf dem Weg die Feinde etwas zu sch\u00e4digen. Wahrscheinlich hatte man die Thraker auch mit einer Teilzahlung abgespeist und wollte sie nun mit Pl\u00fcnderungen entsch\u00e4digen. Dieitrephes setzte die Truppe dann erstmals bei Tanagra in B\u00f6otien an Land, wo sie hastig pl\u00fcnderten. Am n\u00e4chsten Abend landeten sie dann gegen\u00fcber von Chalkis, und n\u00e4herten sich w\u00e4hrend der Nacht der kleinen Stadt Mykalessos. Da dort niemand mit einem \u00dcberfall rechnete, waren die Mauern, die sich in \u00e4u\u00dferst schlechtem Zustand befanden v\u00f6llig unbewacht. Die Thraker drangen deshalb v\u00f6llig \u00fcberraschend in Mykalessos ein und hieben dort ohne Unterschied alles nieder: Junge, Alte, Frauen und Kinder; sogar in einer Schule veranstalteten sie ein gro\u00dfes Gemetzel. Thukydides schreibt, dass sie wie alle Barbaren gerade dann besonders blutr\u00fcnstig gewesen seien, wenn sie nichts zu f\u00fcrchten gehabt h\u00e4tten. Doch das ist das \u00fcbliche Geschw\u00e4tz \u00fcber S\u00f6ldner. Denn man sollte ja nicht vergessen, dass diese Taten im Auftrag der Athener ver\u00fcbt wurden, und dass sich deren &#8222;Humanit\u00e4t&#8220; oft darauf beschr\u00e4nkte, die m\u00e4nnlichen Gefangenen (!) hinzurichten und als gute H\u00e4ndler Frauen und Kinder in die Sklaverei zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"289\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/leichtbewaffnete.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2826\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/leichtbewaffnete.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/leichtbewaffnete-300x145.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">k\u00e4mpfende Leichtbewaffnete<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Feigheit kann dagegen kaum die Rede sein, denn als ein thebanisches Aufgebot die Thraker auf dem R\u00fcckweg \u00fcberraschte, gelang es diesem zwar einige Nachz\u00fcgler zu erschlagen. Am Meer sollen dann viele ertrunken sein, da sich die athener Schiffe au\u00dfer Schussweite in Sicherheit gebracht hatten. Als die Thraker jedoch merkten, dass sie die Schiffe nicht erreichen konnten, schlossen sie sich fest zusammen und konnten so alle Angriffe der Thebaner abwehren. Letzten Endes sollen sie etwa 250 Mann verloren haben. Das ist f\u00fcr eine Truppe, die Beute beladen auf dem R\u00fcckzug \u00fcberrascht wird, sicher kein schlechter Schnitt. Mit einer undisziplinierten R\u00e4uberbande w\u00e4re das wohl kaum zu machen gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wachsende Bedeutung der Leichtbewaffneten wurde in der ersten Kriegsphase dadurch unterstrichen, dass sie den Athenern zwei schwere Niederlagen bereiteten &#8211; 429 bei Spartolos und 426 Chalkidike. Beinahe kriegsentscheidend wurde jedoch 425 das Gefecht auf der Insel Sphakteria. Dort war es den Athenern gelungen eine spartanische Abteilung von 420 Hopliten einzuschlie\u00dfen. Nach einer Zeit der Belagerung landeten die Athener Bogensch\u00fctzen, Peltasten und unbewaffnete Ruderer, die den Spartanern haupts\u00e4chlich durch Geschrei und Steinw\u00fcrfe zusetzen. Diese Leichtbewaffneten wichen jeder direkter Konfrontation aus, setzen den Spartanern mit Pfeilen, Speeren und Steinen so zu, dass die letzten schlie\u00dflich v\u00f6llig ersch\u00f6pft kapitulierten. Das Gefecht auf Sphakteria verdeutlicht aber nicht nur die St\u00e4rke der Leichtbewaffneten, sondern auch zwei Schw\u00e4chen der Spartaner. Erstens konnten sich die Spartaner kaum den Verlust dieser eigentlich nicht bedeutenden Truppe leisten, denn sie boten sofort Friedensverhandlungen an, was von Athen nicht akzeptiert wurde. Zweitens wurden die Spartaner auf der sehr kleinen Insel von der Landung der athenischen Truppen im Schlaf \u00fcberrascht, sonst h\u00e4tten sie diese wahrscheinlich abwehren k\u00f6nnen. Das zeigt, dass es sich bei den Spartanern wahrscheinlich um gute K\u00e4mpfer aber nicht gerade um besonders disziplinierte Soldaten handelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass es auch anders ging und man dazu noch nicht einmal die hoch gez\u00fcchteten Elitekrieger brauchte, zeigte der spartanische Feldherr Brasidas im kommenden Jahr. Er entwarf den Plan in Athens Hinterland einzufallen und dadurch dessen Bundesgenossen, die zunehmend unter Steuern und Abgaben litten, zum Abfall zu bewegen. In Sparta wollte ihm daf\u00fcr niemand Truppen geben, da man haupts\u00e4chlich an der Ausl\u00f6sung der Gefangenen von Sphakteria interessiert war und einen Helotenaufstand f\u00fcrchtete. Um die Heloten in den Griff zu bekommen, verfielen die Spartaner auf eine besonders perfide Idee. Sie versprachen als Zugest\u00e4ndnis den Tapfersten die Freiheit und gingen dabei von der Annahme aus, dass die die sich melden w\u00fcrden auch die rebellischsten sein m\u00fcssten. Nachdem sich etwa 2.000 bei den Tempeln eingefunden hatten und ihre Freiheit feierten, schickten sie 700 zu Brasidas, um sich in seinen Diensten ihre Freiheit zu erk\u00e4mpfen. Die anderen verschwanden in der folgenden Zeit spurlos, d.h. sie wurden ermordet. Zu diesen Heloten erhielt Brasidas dann noch die Mittel um 1.000 S\u00f6ldner auf dem Peloponnes anzuwerben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dieser Truppe aus zwangsverpflichteten Sklaven und S\u00f6ldnern zog Brasidas nach Thrakien und demonstrierte eine neue Art der Kriegsf\u00fchrung als die \u00fcblichen Sommerfeldz\u00fcge nach Attika. Seine M\u00e4nner marschierten bei Sturm, Regen und Schnee, waren entsprechend schnell und zeichneten sich bald durch \u00fcberraschend Angriffe und n\u00e4chtliche \u00dcberf\u00e4lle aus. Nach einer Reihe kleinerer Erfolge, gelang Brasidas schlie\u00dflich die Einnahme von Amphipolis, wodurch der gesamte Besitz Athens auf Chalkidike und damit der Nachschub an Holz und Getreide in Gefahr kam. Sparta lie\u00df ihn ohne den erbetenen Nachschub, w\u00e4hrend Athen eine Armee schickte. Brasidas besiegte sie trotzdem in der Entscheidungsschlacht bei Amphipolis, bezahlte den Erfolg aber mit dem Leben. Seine Helotenveteranen galten inzwischen als ausgesprochene Elitetruppe, die &#8222;Brasideioi&#8220;. Aber Sparta war kriegsm\u00fcde und schloss 421 einen br\u00fcchigen Frieden. Als die Brasideioi anschlie\u00dfend heimkehrten, hatte man tats\u00e4chlich so viel Anstand, ihnen die Freiheit zu geben. Man siedelte sie aber au\u00dferhalb Spartas an der Grenze zu Elis an, mit dem man gerade im Streit war. Man kann mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass zumindest einige dieser Veteranen, denen das Leben auf den kargen Feldern nicht schmeckte, weiterhin den S\u00f6ldnermarkt in Griechenland bereicherten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Athener hatten bisher die Oberhand behalten, waren aber nicht bereit, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Deshalb lie\u00dfen sie sich unter dem Einfluss der ehrgeizigen Alkibiades dazu bewegen, Sizilien ihrem Imperium einzuverleiben und r\u00fcsteten 415 zu einer Expedition gegen Syrakus. Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser beeindruckenden Streitmacht &#8211; allein 5.100 Hopliten &#8211; wurde auf die \u00fcbliche Weise durch Aushebung der Athener und Bundesgenossen aufgebracht. Lediglich Speerwerfer, Bogensch\u00fctzen und Schleuderer mussten in gr\u00f6\u00dferer Zahl geworben werden. Die K\u00e4mpfe um Sizilien interessieren uns deshalb hier nicht im Detail. Es bleibt nur festzuhalten, dass die ganze Expedition in einem furchtbaren Desaster endete. Nach schweren Verlusten kamen immer noch mindestens 7.000 Mann in Gefangenschaft, von denen die Syrakuser viele in den Steinbr\u00fcchen erb\u00e4rmlich zu Grunde gehen lie\u00dfen. Alkibiades, der bereits kurz nach der Ausfahrt zur\u00fcckgerufen worden war, um sich vor Gericht zu verantworten, hatte sich zu den Spartanern abgesetzt und diesen seine Dienste angeboten. In gewisser Weise verk\u00f6rpert Alkibiades einen besonders widerw\u00e4rtigen S\u00f6ldnertypus: den des rums\u00fcchtigen, gewissenlosen Abenteurers. Bevorzugt geb\u00e4rden sich solche Leute als &#8222;Retter der Vaterlandes&#8220;, das aber lediglich ihrer eigenen Karriere dienen soll, und wenn das nicht funktioniert, haben sie keine Probleme, die Fronten zu wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der furchtbaren Niederlage auf Sizilien war die Chancen in Griechenland wieder relativ ausgeglichen. Sparta unternahm deshalb wieder einen Einfall in Attika und errichtete dort auf Alkibiades Anraten hin die Festung Dekeleia , wodurch die Wirtschaftskraft von Athen sehr schnell empfindlich getroffen wurde. Allerdings kam es bis zum Kriegsende zu keinem grunds\u00e4tzlichen Umschwung in Richtung S\u00f6ldnerheer. Denn die Masse der Krieger wurde weiterhin von den Hopliten der Beteiligten gestellt. Die Ver\u00e4nderung war mehr eine schleichende. Langsam stieg die Bedeutung der Leichtbewaffneten, die sich meistens aus S\u00f6ldnern zusammensetzten, zudem wurden zunehmend Hopliten unter den Neutralen geworben. Vor allen Dingen begann man aber unter der eigenen Bev\u00f6lkerung die \u00e4rmeren Schichten zum Hoplitendienst heranzuziehen. Diesen Leuten musste dann nicht nur die Ausr\u00fcstung gestellt werden; man musste sie auch bezahlen. Der Milit\u00e4rhistoriker Hans Delbr\u00fcck spricht deshalb von einer &#8222;Vers\u00f6ldnerung&#8220;, allerdings handelte es sich eher um eine Professionalisierung der einstigen B\u00fcrgeraufgebote.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"646\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/seeschlacht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2827\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/seeschlacht.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/seeschlacht-232x300.jpg 232w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Umbruch, sozusagen der Sieg des Geldes, kam dagegen im Bereich der Flotte. Normalerweise dienten die, die sich die Hoplitenr\u00fcstung nicht leisten konnten, als Ruderer und wurden daf\u00fcr auch bezahlt, da sie kein Verm\u00f6gen hatten. Der Menschenbedarf der Tieren war enorm. Allein von den 32.000 Mann der Sizilienexpedition waren mehr als 25.000 Ruderer. Da kamen gigantische Summen zusammen, schnell mehr als bei einem voll besoldeten Hoplitenheer. Zwar kosteten auch Schiffe eine Menge Geld, die wirklichen Kosten entstanden aber durch die Besoldung der Besatzung. Ruderer waren erfahrene Leute. Sie ben\u00f6tigten nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch viel Training, um nicht aus dem Takt zu geraten und die komplizierten Man\u00f6ver mit gr\u00f6\u00dfter Schnelligkeit auszuf\u00fchren. Athen und seine Verb\u00fcndeten besa\u00df die besten Mannschaften, aber auch die reichten schnell nicht mehr aus, und so begann man zunehmend damit, Ruderer in anderen Regionen anzuwerben. F\u00fcr viele arme Bauern und Hirten waren die drei Obolen t\u00e4glich gutes Geld, und so wurde der Flottendienst f\u00fcr sie eine Art Saisonarbeit w\u00e4hrend der Kriegsmonate. Aber auch hier war Athen gewaltig im Vorteil, denn durch die im Seebund erhobenen Abgaben, verf\u00fcgte es regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber gro\u00dfe Eink\u00fcnfte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Zeit wurde klar, dass Athen nur auf dem Meer zu schlagen sein w\u00fcrde. Die Frage war nur woher Sparta und seine Verb\u00fcndeten die immensen Mittel zum Unterhalt einer entsprechend starken Flotte nehmen sollten. Auch hier war es wieder einmal Alkibiades, der den entscheidenden Ansto\u00df machte. Er initiierte Verhandlungen zwischen Sparta und dem persischen Satrapen von Kleinasien Tissaphernes. Persien hatte nicht nur Interesse an den Griechenst\u00e4dten Kleinasiens, sondern verf\u00fcgte auch \u00fcber beinahe unersch\u00f6pfliche Reicht\u00fcmer. Mit persischen Subsidien konnte der Peloponnesische Bund nun nicht nur zahlreiche Galeeren bauen, sondern auch seinen Gegnern immer mehr Ruderer abwerben. Tissaphernes erh\u00f6hte ihren Sold gleich auf vier Obolen t\u00e4glich, teilweise als Lockangebot sogar auch eine Drache (6 Obolen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzten Endes wurde der Krieg dadurch entschieden. Alkibiades, der zunehmend Schwierigkeiten in Sparta hatte, nutzte zwar eine innenpolitische Krise, um im Triumph nach Athen zur\u00fcckzukehren, und konnte noch einige Erfolge erzielen. Auch Tissaphernes, der keinen vollst\u00e4ndigen spartanischen Sieg wollte, verz\u00f6gerte immer wieder seine Zahlungen. Als sich aber die Spartaner mit Kyros dem J\u00fcngeren einem Sohn des Gro\u00dfk\u00f6nigs einigten und auf die Griechenst\u00e4dten Kleinasiens verzichtete, floss das persische Gold in Str\u00f6men. Obwohl die Athener noch einige Siege erfochten, konnten die Spartaner die Verluste meistens bis zum n\u00e4chsten Jahr ersetzen. Als es ihnen schlie\u00dflich gelang, die athenische Flotte vernichtend zu schlagen, musste Athen kapitulieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"294\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/pers-gold.jpg\" alt=\"persische Goldm\u00fcnze\" class=\"wp-image-2828\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">persische Goldm\u00fcnze<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl der Peloponnesische Krieg selbst wie gesagt noch keinen grundlegenden Durchbruch zum S\u00f6ldnertum zeigt, so legte er doch das Fundament daf\u00fcr. Wie nach jedem langen Krieg gab es auch jetzt eine gro\u00dfe Anzahl erfahrener Veteranen, die zudem nicht den verm\u00f6genden Schichten entstammten und deshalb den Krieg als Erwerbsm\u00f6glichkeit betrachteten. Die ersten lie\u00dfen sich gleich von Kyros anwerben, um ihn bei seinem Putsch gegen seinen Vater zu unterst\u00fctzen. Es waren jene Zehntausend, von deren Schicksal Xenophon berichtet. Doch sie bildeten nur den Anfang. Geld und damit S\u00f6ldner waren durch den Peloponnesischen Krieg zum wichtigsten Mittel geworden, Kriege zu entscheiden. Diese bittere Erfahrung musste bald auch der Spartanerk\u00f6nig Agesilaos machen. Er hatte die Reste der Zehntausend in Sold genommen und f\u00fchrte mit ihnen in Kleinasien erfolgreich Krieg gegen Persien. Die Perser finanzierten daraufhin die Gegner Spartas. Als Agesilaos deshalb mit seinem Heer nach Griechenland zur\u00fcckkehren musste, soll er verbittert gesagt haben: &#8222;Es sind 30.000 persische Bogensch\u00fctzen, die mich aus Kleinasien vertreiben.&#8220; Er bezog sich dabei nicht auf Krieger, sondern auf die persischen Goldm\u00fcnzen, auf denen ein kniender Bogensch\u00fctze abgebildet war.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Peloponnesische Krieg und seine Folgen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2817,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68,8],"tags":[148],"class_list":["post-2816","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antike","category-artikel","tag-griechen"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - 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