{"id":1584,"date":"2024-11-14T12:24:27","date_gmt":"2024-11-14T12:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1584"},"modified":"2025-01-16T17:54:34","modified_gmt":"2025-01-16T17:54:34","slug":"blood-diamond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/blood-diamond\/","title":{"rendered":"Blood Diamond"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Executive Outcomes in Sierra Leone<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"667\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/blood-diamond-film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1586\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/blood-diamond-film.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/blood-diamond-film-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Film &#8222;Blood Diamond&#8220; erfuhren viele Zuschauer nicht nur erstmals etwas \u00fcber den grausamen Krieg in Sierra Leone und den Handel mit Blutdiamanten, sondern bekamen auch einen v\u00f6llig neuartigen S\u00f6ldnertypus vorgef\u00fchrt. Pl\u00f6tzlich gab es Andeutungen \u00fcber das 32. &#8222;Buffalo&#8220; Bataillon, wo fr\u00fcher in Filmen mit van Dumme &amp; Co immer von der Fremdenlegion oder Vietnam die Rede gewesen war. Anstatt einen nackten muskul\u00f6sen Oberk\u00f6rper zur Schau zu stellen oder das seit Rambo fast obligatorische Stirnband zu tragen und mit schweren MGs oder Raketenwerfen zu hantieren, agiert der Protagonist Danny Archer (Leonardo DiCaprio) mehr mit dem Handy; er versteht viel von Diamanten und der internationalen Finanzwelt. Auch seine S\u00f6ldnerkollegen agieren mit dieser Professionalit\u00e4t: sie errichten vor allem Ausbildungslager, beeindruckende Depots und Kommunikationssysteme &#8211; im Hintergrund kann man russische Transportmaschinen entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier zeigt der Film tats\u00e4chlich eine neue Art von S\u00f6ldnern, und alle die es bislang noch nicht wussten, konnten es kurz darauf in den Rezensionen lesen: hier handelt es sich um Executive Outcomes. Doch nach dieser gut gemachten aber eben oberfl\u00e4chlichen Dekoration, f\u00e4llt der Film in die alten immer wieder aufgew\u00e4rmten S\u00f6ldnerklischees zur\u00fcck. Danny Archer entdeckt zwar wie \u00fcblich letzten Endes seinen guten Kern, aber seine Kameraden sind einfach b\u00f6se, b\u00f6se. Von den Schl\u00e4chtern der RUF unterscheidet sie eigentlich nur, dass sie ihr Handwerk k\u00fchler und mit mehr Technologie &#8211; kurz gesagt professioneller &#8211; aus\u00fcben. Ansonsten sind sie von der gleichen Gier nach Diamanten besessen, v\u00f6llig skrupellos und fallen beim geringsten Anlass \u00fcbereinander her wie wilde Tiere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun geht es wahrscheinlich in jedem modernen Krieg um Geld, Macht oder Rohstoffe, die sich ja auch zu Geld machen lassen und in Sierra Leone versuchte jeder an den Diamanten zu verdienen, nicht zuletzt hohe Offiziere verschiedener UN-Kontingente. Besonders interessant wird es, wenn internationale Konzerne wie de Beers heimlich an den Strippen ziehen und finstere S\u00f6ldner die Drecksarbeit erledigen lassen. Das ist zwar der Stoff, aus dem Legenden geschmiedet werden, dennoch wollen wir uns die M\u00fche machen, etwas genauer zu untersuchen, was Executive Outcomes eigentlich in Sierra Leone getan hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der B\u00fcrgerkrieg in Sierra Leone begann 1990 mit einer Offensive der RUF (Revolutionary United Front) aus Liberia. Deren F\u00fchrer Foday Sankoh ein ehemaliger Kolonialsoldat und Berufsrevolution\u00e4r hatte im libyschen Exil Charles Taylor kennengelernt, der zu dieser Zeit um die Macht in Liberia k\u00e4mpfte. Taylor versprach sich von der Unterst\u00fctzung der RUF Zugriff auf die Diamanten Sierra Leones, mit denen er seinen eigenen Krieg finanzieren wollte. Das Fu\u00dfvolk der RUF rekrutierte sich haupts\u00e4chlich aus chancenlosen Jugendlichen, die voller Hass auf alle waren die etwas mehr besa\u00dfen als sie selbst, und unbezahlten Angestellten. Bald kamen jedoch immer mehr Kindersoldaten hinzu, die von der RUF bei ihren Raubz\u00fcgen verschleppt wurden. Zur Steigerung der Kampfmoral wurden reichlich Alkohol und Drogen ausgegeben und gleichzeitig ein unglaublicher grausamer Terrorkrieg gegen die Zivilbev\u00f6lkerung gef\u00fchrt. Bei den unz\u00e4hligen Gr\u00e4ueltaten und Massakern wurde die RUF vor allem durch das Abhacken von Gliedma\u00dfen ber\u00fcchtigt, was schlie\u00dflich f\u00fcr sie zu einer Art Markenzeichen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Armee von Sierra Leone, die RSLMF (Republic of Sierra Leone Military Forces) hatte der RUF nicht viel entgegen zu setzen. Viele ihrer Soldaten waren zwangsrekrutiert worden, hatten keinerlei Ausbildung und nur in Ausnahmef\u00e4llen eine Art von Sold erhalten. Auch sie konsumierten jede Menge Drogen und Alkohol und ern\u00e4hrten sich von Pl\u00fcnderungen. Wenn es zum Zusammensto\u00df mit dem Gegner kam, zogen sie sich meistens nach einem kurzen Schusswechsel zur\u00fcck oder verweigerten schon vorher den Befehl. Unter diesen Umst\u00e4nden gewann die von Libyen und Taylor gut unterst\u00fctzte RUF im S\u00fcdosten des Landes schnell an Boden. Bald kontrollierte sie die ersten Minen und konnte sich durch den Verkauf der &#8222;Blutdiamanten&#8220; auch auf dem freien Markt mit Waffen versorgen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"404\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ruf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1590\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ruf.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ruf-300x242.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">K\u00e4mpfer der RUF<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die RUF weiter vorstie\u00df, tausenden die H\u00e4nde abhackte und hunderttausende zur Flucht trieb putschten in Freetown einige schlecht bezahlte Offiziere und brachten Hauptmann Valentine Alfred Strasser an die Macht. An der Unf\u00e4higkeit der Streitkr\u00e4fte \u00e4nderte sich aber wenig. Strasser gelang es lediglich einige westafrikanische Staaten (Nigeria, Ghana and Guinea) zum Eingreifen zu bewegen. Aber auch deren Truppen &#8211; jedes Land schickte ein verst\u00e4rktes Bataillon &#8211; waren nicht in der Lage, die RUF aufzuhalten oder gar nach Liberia zur\u00fcckzuschlagen. Inzwischen hatte die RUF einen guten Teil der Minenregion besetzt und behinderte durch ihre Pr\u00e4senz die F\u00f6rderung in den restlichen Minen. In seiner Verzweiflung nahm Strasser Anfang 1995 die britische Sicherheitsfirma GSG (Gurkha Security Guards) unter Vertrag. Die war jedoch mit etwa 60 Mann der Aufgabe nicht gewachsen. Nachdem ihr Kommandeur der Amerikaner Bob MacKenzie und einige Gurkhas in einem Gefecht mit der RUF gefallen waren, versuchte GSG noch einige Wochen Teile der RSLMF auszubilden, zog sich schlie\u00dflich aber frustriert zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ging es fast im freien Fall bergab. Die unbezahlten Regierungstruppen marodierten inzwischen im Land fast so schlimm wie die RUF; die Soldaten der ECOMOG hatten sich mit ihrem schweren Ger\u00e4t am Flughafen eingegraben und waren damit besch\u00e4ftigt, sich selbst zu besch\u00fctzen; Freetown war von Fl\u00fcchtlingen \u00fcberflutet, die wie L\u00e4mmer auf die Ankunft der Schl\u00e4chter von der RUF warteten. Die Situation war so verzweifelt, dass man spekulierte, ob der Regierung noch einige wenige Monate oder gar nur Wochen blieben. Und dann kam tats\u00e4chlich die Kavallerie, dann kam Executive Outcomes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Strasser behauptete sp\u00e4ter, er sei auf die Firma durch einen Artikel in Newsweek aufmerksam geworden. Das mag zwar sein; wir sind jedoch der Ansicht, dass ihm dieser Artikel wahrscheinlich mit einigen warmen Worten in die Hand gedr\u00fcckt worden war. Zu seinem gro\u00dfen Gl\u00fcck stellte der Siegeszug der RUF n\u00e4mlich auch f\u00fcr ganz andere Leute ein gro\u00dfes Problem dar. Die gro\u00dfen Bergbaukonzerne hatten in Sierra Leone mit gutem Gewinn nicht nur Diamanten, sondern auch Bauxit und Rutil abgebaut, womit in Friedenszeiten sogar h\u00f6here Exporterl\u00f6se erzielt wordenen waren. Dass sie dabei korrupte Politiker schmierten, ihre Arbeiter ausbeuteten und m\u00f6glichst wenig Steuern bezahlten versteht sich von selbst. An einem B\u00fcrgerkrieg, der das gute Gesch\u00e4ft zum Erliegen brachte hatten sie dennoch kein Interesse. Einige sch\u00fctzten ihre Minen mit privatem Sicherheitspersonal, an einen Betrieb war aber dennoch nicht zu denken, andere schrieben ihre Investitionen ab und brachten ihr Personal in Sicherheit. Es gab aber auch einige wenige, die bereit waren, die Gunst der Stunde zu nutzen und neues Risikokapital zu investieren. In Anbetracht der Lage waren die Preise im Keller und die verzweifelte Regierung bereit, fast jede Art von Vertrag zu unterschreiben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"302\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/sierra-rutile.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1591\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/sierra-rutile.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/sierra-rutile-300x181.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sierra Rutile Mine<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine ganz entscheidende Rolle spielte hier die britische Firma Branch Energy, bei der Tony Buckimham, der beim Aufbau von Executive Outcomes eine entscheidende Rolle gespielt hatte, einer der Hauptaktion\u00e4re war. Kurz und gut Branch Energy und Executive Outcomes waren eine Art Schwesterfirmen, weitgehend im Besitz derselben Leute, wenn auch offiziell unabh\u00e4ngig. Branch Energy war relativ neu in Sierra Leone und im Gegensatz zu vielen Konkurrenten daran interessiert seine Pr\u00e4senz auszubauen. Dazu gr\u00fcndete es auf dem H\u00f6hepunkt der Krise mit Strasser ein Joint Venture zum Abbau von Diamanten und erhielt danach gro\u00dfe Bergbaukonzessionen f\u00fcr die Kono-Region (bei Koidu). Bei dieser Gelegenheit werden Buckingham und sein Finanzberater Michael Grunberg Strasser auf die Dienste von Executive Outcomes aufmerksam gemacht und auch die ersten Gelder in Aussicht gestellt haben. Weitere Mittel kamen wahrscheinlich von der australisch-amerikanischen Firma Sierra Rutile, deren \u00e4u\u00dferst ertragreiche Rutilmine von der RUF besetzt worden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man wird die geheimen Absprachen und Transaktionen wahrscheinlich nie erfahren, dennoch sind sie gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge und Interessenslagen relativ klar. Branch Energy sollte neue Diamantenminen bekommen, Sierra Rutile den Betrieb wieder aufnehmen k\u00f6nnen, und die Regierung Strasser schloss unabh\u00e4ngig davon mit Executive Outcomes einen Vertrag, \u00fcber die Stellung von ca. 200 S\u00f6ldnern zur Ausbildung der RSLMF, logistischer Hilfe aber auch zur Kampfunterst\u00fctzung gegen eine monatliche Zahlung von1,8 Millionen Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai kamen dann die ersten 50 S\u00f6ldner nach Freetown (6 Monate sp\u00e4ter noch mal 130) und begannen mit der Ausbildung der ersten Einheiten. Viel Zeit blieb nicht, denn die RUF stand bereits in den Vororten. Kurz darauf entbrannte die Schlacht um die Stadt, in die die S\u00f6ldner mit 2 BMP-2 Sch\u00fctzenpanzern, einem Mi-24 (Hind) Kampfhubschauber und den von ihnen kurz ausgebildeten und gef\u00fchrten Truppen massiv eingriffen. Die RUF erlitt ihre erste schwere Niederlage. \u00dcber 200 ihrer K\u00e4mpfer fielen und etwa 1.000 desertierten. F\u00fcr Executive Outcomes bedeutete dies eine dringend notwendige Atempause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie wurde vor allem zur Aufstellung neuer Verb\u00e4nde genutzt. Dabei st\u00fctzte sich Executive Outcomes aber weniger auf die unzuverl\u00e4ssigen Regierungstruppen, sondern auf die &#8222;Kamajors&#8220;, einheimische J\u00e4ger vom Volk der Mende. Diese waren exzellente Spurensucher und hatten in einigen Landesteilen schon Selbstschutzmilizen gegen die Angriffe der RUF gebildet. Von den S\u00f6ldnern wurden sie nun mit modernen Waffen versorgt und f\u00fcr den Kleinkrieg in Zusammenarbeit mit anderen Truppenteilen ausgebildet. Die Kamajors wurden zu Augen und Ohren von Executive Outcomes, stellten aber auch einen Gro\u00dfteil der Kampftruppen, die in der Folgezeit zum Einsatz kamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Kleinkrieg im afrikanischen Busch, wo eine feste Front fehlt, spielen Feindaufkl\u00e4rung, Konzentration der Feuerkraft, schneller Transport und Hinterhalte entscheidende Rollen, und die meisten S\u00f6ldner hatten hierin als ehemalige Mitglieder s\u00fcdafrikanischer Eliteverb\u00e4nde w\u00e4hrend des Krieges in Angola reichlich Erfahrungen gesammelt. F\u00fcr die Aufkl\u00e4rung sorgten die Kamajors und ein eigenes Flugzeug; Hinterhalte lassen sich vermeiden, wenn man seine Truppen mit Helikoptern transportiert, und f\u00fcr die Feuerkraft sorgten die gef\u00fcrchteten Mi-24 Kampfhubschrauber, zudem stellte die nigerianische Luftwaffe zwei Alpha Jets zur Unterst\u00fctzung ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Operationen richteten sich gegen Basen der RUF in der N\u00e4he von Freetown. Anschlie\u00dfend wurde sie in wenigen Tagen v\u00f6llig aus dem Minengebiet Kono vertrieben. Dabei fielen lediglich zwei Kamajor-Soldaten, f\u00fcnf weitere und zwei S\u00f6ldner wurden verwundet. Die RUF hatte dagegen hunderte an Toten und noch wesentlich mehr Deserteure. Am wichtigsten war jedoch sicher, dass sie mit den Minen ihre wichtigste Einnahmequelle verlor. Die Eins\u00e4tzen liefen immer nach einem \u00e4hnlichen Muster ab. Zuerst wurden die feindlichen Stellungen genau ausgekundschaftet, dann folgte ein intensives Bombardement durch die Alpha-Jets der Nigerianer. Anschlie\u00dfend griffen kleine mobile Kampfgruppen unterst\u00fctzt von Granatwerferfeuer den beiden Sch\u00fctzenpanzern, Landrovern mit schweren MGs und den Kampfhubschraubern den demoralisierten Gegner an, trieben ihn aus seinen Stellungen, meistens direkt in die Hinterhalte, die zuvor eingeflogene Kamajor-Gruppen gelegt hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"495\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/eo_sl_map.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1593\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/eo_sl_map.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/eo_sl_map-273x300.jpg 273w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende 1995 wurde dann die Sierra Rutile Mine zur\u00fcckerobert, deren Betrieb aber noch nicht aufgenommen werden konnte. Anschlie\u00dfend bereitete Executive Outcomes einen entscheidenden Schlag gegen ein RUF-Lager in den Kangari-H\u00fcgeln vor. Speziell f\u00fcr diese Operation wurden noch einmal 200 S\u00f6ldner aus S\u00fcdafrika eingeflogen. Wieder ging alles \u00e4u\u00dferst pr\u00e4zise, schnell und mit geringsten Eigenverlusten \u00fcber die B\u00fchne. Die RUF verlor dagegen nicht nur viele K\u00e4mpfer, sondern auch wichtige Leute aus ihren F\u00fchrungskadern. St\u00e4ndig verfolgt von mobilen Kamajor-Kampfgruppen signalisierte sie schlie\u00dflich ihre Bereitschaft zu Friedensverhandlungen und verlangte einen Waffenstillstand.<br><br>W\u00e4hrenddessen hatten in Sierra Leone erstmals im Februar freie Wahlen stattgefunden, aus denen Ahmad Tejan Kabbah als Pr\u00e4sident hervorging. Dieser war fest entschlossen, den B\u00fcrgerkrieg zu beenden. Zu Reorganisation des verw\u00fcsteten Landes erhielt er zwar Finanzhilfen von der Weltbank und vom IWF, die forderten jedoch immer deutlicher, das enorme Staatsdefizit zu k\u00fcrzen. Das meiste Geld wurde zwar f\u00fcr die Subvention von Lebensmitteln und f\u00fcr die RSLMF ausgegeben, falls man den Rebellen aber keine neuen Rekruten in die Arme treiben wollte, durfte man daran nicht r\u00fchren. So blieb nur der gro\u00dfe Posten, den die Zahlungen an Executive Outcomes verschlangen. Kabbah verhandelte mit der Firma und erreichte eine Reduzierung der monatlichen Zahlungen, die aber auch zum gr\u00f6\u00dften Teil gestundet werden mussten. Au\u00dferdem sollte der Vertrag zum Jahresende auslaufen.<br><br>Der Kleinkrieg im Busch dauerte zwar an, zu gr\u00f6\u00dferen Operationen war es aber wegen des Waffenstillstandes nicht gekommen. Die RUF hatte diese relative Ruhe genutzt, um ihre Kr\u00e4fte neu zu sammeln und Kriegsmaterial aus Liberia heranzuschaffen. Sie plante eine neue Gro\u00dfoffensive gegen Freetown. Aufgrund der hervorragenden Feindaufkl\u00e4rung &#8211; Kamajors, Funk\u00fcberwachung und Luftbilder &#8211; war man bei Executive Outcomes aber recht gut \u00fcber diese Vorbereitungen im Bilde. Nachdem Pr\u00e4sident Kabbah informiert worden war, erteilte er die Erlaubnis zu einem Gegenschlag. Im September 1996 wurde dann in gewohnter Zusammenarbeit von S\u00f6ldnern, Kamajor-Kampfgruppen und der nigerianischer Luftunterst\u00fctzung ein gro\u00dfes Hauptquartier der Rebellen im S\u00fcdosten zerschlagen. Die RUF hatte nun so schwere Verluste, dass sie in ernsthafte Verhandlungen einwilligte und im November das Abidjan Friedensabkommen unterzeichnete.<br><br>Nat\u00fcrlich war niemand so naiv zu denken, dass damit der Krieg vorbei sei. Man nahm aber wohl an, das Schlimmste hinter sich zu haben. Der IWF und deshalb auch Pr\u00e4sident Kabbah dr\u00e4ngten nun immer mehr auf den Abzug der kostspieligen S\u00f6ldnerfirma, diese hatte ihrerseits mehrmals damit gedroht, da Sierra Leone seinen Zahlungsverpflichtungen nur sporadisch nachkam. Im Januar 1997 r\u00e4umte Executive Outcomes dann das Land und entging wahrscheinlich nur dem Bankrott, da durch den Einsatz in Angola Reserven angeh\u00e4uft worden waren. Von den vertraglich vereinbarten 35,3 Milionen Dollar waren nur 15,7 Milionen gezahlt worden. Ein gutes Gesch\u00e4ft war der Einsatz f\u00fcr sich betrachtet also keinesfalls. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die eigentlichen Besitzer durch ihre Anteile an Branch Energy letzten Endes reich entsch\u00e4digt wurden.<br><br>Kurz vor ihrem Abzug warnten einige Offiziere Pr\u00e4sident Kabbah noch vor einem Milit\u00e4rputsch &#8211; die RSLMF f\u00fchlte sich durch die gestiegene Bedeutung der Kamajors in ihren Privilegien bedroht. Als Ersatz f\u00fcr die S\u00f6ldner kamen 900 Nigerianer nach Freetown und sollten dort den Pr\u00e4sidenten besch\u00fctzen. Die Sicherung der Diamantenminen von DiamondWorks \u00fcbernahm die LifeGuard &#8211; eine Art Tochterfirma von Executive Outcomes. Es n\u00fctzte alles nichts, im Mai putschte das Milit\u00e4r und Kabbah musste ins Exil fliehen. Im Kampf gegen das westafrikanische Truppenkontingent (jetzt ECOWAS), das weiterhin den Flughafen hielt und die Kamajor-Milizen verb\u00fcndete sich das Milit\u00e4r mit der RUF. Es kam zu einer mehrt\u00e4gigen Gewaltorgie in Freetown; die ECOWAS-Truppen schossen vom Flughafen mit schwerer Artillerie ohne R\u00fccksicht auf Verluste dazwischen und sorgten f\u00fcr tausende von Toten &#8211; ein paar Putschisten waren sicher auch dabei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"323\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/eo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1595\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/eo.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/eo-300x242.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Executive Outcomes in Sierra Leone<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der B\u00fcrgerkrieg in Sierra Leone schleppte sich dann noch bis 2002 hin und konnte erst nach jahrelangem Einsatz von UN-Kontingenten &#8211; die hunderte von Dollarmillionen verschlangen &#8211; und massiven Eingriffen britischen Milit\u00e4rs beendet werden. Gerade verglichen mit den inkompetenten UN-Missionen (ECOWAS wurde auch gro\u00dfteils von den UN finanziert) war die Arbeit von Executive Outcomes geradezu ein Wunder an Effizienz. Dabei sollte man auch bedenken, dass die Firma meisten nur um die 200 Mann in Sierra Leone unterhielt &#8211; der H\u00f6hepunkt waren 350. Selbstverst\u00e4ndlich war ihr Einsatz teuer; man sollte dabei aber bedenken, dass allein die ersten 740 UN-Beobachter in 8 Monaten allein 47 Millionen Dollar kosteten und absolut nichts erreichten.<br><br>Unserer Ansicht nach w\u00e4re es ganz ohne Zweifel wesentlich billiger und zumindest f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung besser gewesen, wenn die UN einfach die Bezahlung f\u00fcr Executive Outcomes bis zum Abschluss des Friedensprozesses \u00fcbernommen h\u00e4tten. Nat\u00fcrlich w\u00e4re das nicht machbar gewesen. Denn die UN m\u00fcssen ja vor allem jede Menge politische R\u00fccksichten nehmen und nicht zuletzt auf die \u00f6ffentliche Meinung, und da sind S\u00f6ldner eben einfach die B\u00f6sen, die r\u00fccksichtslos hinter den Blutdiamanten her sind, wie das ja auch im Film vorgef\u00fchrt wird. Wird sind jedoch der Meinung, dass S\u00f6ldner vor allem f\u00fcr den k\u00e4mpfen, der sie bezahlt. Dabei sind sie zudem wesentlich einfacher zu kontrollieren als die UN-Kontingente wichtiger Staaten. So waren in den Handel mit Blutdiamanten einige hohe nigerianische UN-Offiziere verstrickt, teilweise sollen sie daf\u00fcr sogar Waffen an die RUF geliefert haben. Als der UNAMSIL-Kommandeur Generalmajor Vijay Jetley diese Vorf\u00e4lle schlie\u00dflich dem Sicherheitsrat meldete, forderte Nigeria seinen R\u00fccktritt &#8211; das war alles.<br><br>S\u00f6ldner haben einen schlechten Ruf, und so fehlt es auch nicht an Berichten, in denen von s\u00fcdafrikanischen &#8222;rassistischen Killern&#8220; die Rede ist. Man liest auch immer wieder von den schrecklichen Aerosolbomben, die Executive Outcomes in Sierra Leone eingesetzt haben soll. Seltsamerweise ist in Texten von Milit\u00e4rspezialisten und Waffennarren, die solche Eins\u00e4tze mit gro\u00dfem Interesse beobachten, nie davon die Rede. Und so kann man diese Berichte wohl in den Bereich der Legende verweisen.<br><br>Besch\u00e4ftigt man sich ein wenig mit den &#8222;rassistischen Killern&#8220;, kommt man zu \u00e4hnlichen Schl\u00fcssen. Nat\u00fcrlich gibt es S\u00f6ldner, die schie\u00dfen und t\u00f6ten wollen, doch dieser Typus ist in den fast allen Eliteformationen anzutreffen &#8211; der Film &#8222;Jahrhead&#8220; vermittelt einen ausgezeichneten Eindruck davon. Richtige Killer haben in einer gut gef\u00fchrten PMC aber nicht viel verloren, da sie f\u00fcr viel mehr Schwierigkeiten sorgen als sie n\u00fctzen. Au\u00dferdem \u00fcbersehen viele Leute, dass das Personal von Executive Outcomes zu \u00fcber 90% aus Schwarzen aus S\u00fcdafrika und Angola bestand &#8211; professionelle Veteranen sicher, aber wohl kaum Rassisten. In Sierra Leone wurden die S\u00f6ldner von der einheimischen Bev\u00f6lkerung oft als &#8222;Befreier&#8220; bejubelt, die endlich Schutz vor den Schl\u00e4chtern der RUF boten. Manchmal kam es sogar zu Dankesgottesdiensten.<br><br>Gerade die S\u00fcdafrikaner hatten w\u00e4hrend des langen Krieges in Angola die Erfahrung gemacht, dass ohne die Bev\u00f6lkerung nicht viel zu erreichen war. F\u00fcr den Erfolg von Executive Outcomes war die Zusammenarbeit mit den Kamajor-Milizen, die zum Schluss um die 3.000 Mann stellten, entscheidend. Die franz\u00f6sische Zeitung L\u2019Express, die den S\u00f6ldneraktivit\u00e4ten in Westafrika durchaus kritisch gegen\u00fcbersteht, beschrieb den Kommandeur der Kono-Region Oberst Rudolph van Heerden deshalb mehr als eine Art Kolonialoffizier, der sich vor allem um die Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung k\u00fcmmerte, Medikamente und Lebensmittel verteilen lie\u00df und guten Kontakt zu den H\u00e4uptlingen pflegte.<br><br>Die ein, zwei Dutzend wei\u00dfen S\u00f6ldner, die f\u00fcr Executive Outcomes in Sierra Leone t\u00e4tig waren, wurden wohl kaum dahin geschickt und so gut bezahlt, um ihre rassistischen Killerinstinkte auszuleben. Leute, die t\u00f6ten wollten, gab es dort ohnehin mehr als genug. Von entscheidender Bedeutung waren dagegen k\u00fchle K\u00f6pfe, die planen und organisieren konnten. Es ging eben nicht darum, h\u00f6chstselbst m\u00f6glichst viele Feinde zu erschie\u00dfen, sondern darum, das Vertrauen von Teilen der Bev\u00f6lkerung zu gewinnen und unter der dann das notwendige Fu\u00dfvolk zu rekrutieren.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Executive Outcomes in Sierra Leone.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2588,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,138],"tags":[140,139],"class_list":["post-1584","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-gegenwart","tag-afrika","tag-pmc"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Blood Diamond - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/blood-diamond\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Blood Diamond - 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