{"id":1541,"date":"2024-11-13T14:06:47","date_gmt":"2024-11-13T14:06:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1541"},"modified":"2025-01-31T16:23:36","modified_gmt":"2025-01-31T16:23:36","slug":"das-regiment-royal-deux-ponts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/das-regiment-royal-deux-ponts\/","title":{"rendered":"Das Regiment Royal Deux Ponts"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die ignorierten S\u00f6ldner des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"641\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/patrioten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1543\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/patrioten.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/patrioten-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">idealisierte US-Patrioten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgesehen von der Fremdenlegion erfreut sich wahrscheinlich kaum eine historische S\u00f6ldnertruppe solcher Popularit\u00e4t wie die &#8222;verkauften Hessen&#8220;, die deutschen S\u00f6ldner im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg. F\u00fcr die vom US-amerikanischen Markt gepr\u00e4gten Publikationen sind sie ein wunderbares Beispiel f\u00fcr europ\u00e4ische F\u00fcrstenwillk\u00fcr, die mit der Hilfe fremder S\u00f6ldlinge das nach Freiheit strebende amerikanische Volk unterdr\u00fccken wollte. Und dann darf man nat\u00fcrlich auch das Happy End nicht vergessen, dass die schlecht ausger\u00fcsteten Milizen die Engl\u00e4nder samt ihren S\u00f6ldnern glorreich besiegten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dieser Glorifizierung der eigenen Geschichte wird dann gerne&nbsp; die franz\u00f6sische Hilfe, die f\u00fcr den Sieg entscheidend war, heruntergespielt oder gleich ganz vergessen. Wenn man dennoch an sie denkt, scheint es oft als w\u00e4ren auch alle Franzosen Freiwillige gewesen, die wie der Marquis de La Fayette aus purem Idealismus unter Washingtons Fahnen fochten. Einfach eine sch\u00f6ne Geschichte: Hier die finsteren F\u00fcrstenknechte mit ihren gekauften S\u00f6ldnern, dort Idealisten und Patrioten. Leider zu sch\u00f6n, um wahr zu sein (mag\u2019s Mel Gibson glauben).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich belieferte die Aufst\u00e4ndischen \u00fcber Jahre heimlich mit Waffen und Ausr\u00fcstung (auf Kredit), \u00f6ffnete amerikanischen Piraten seine H\u00e4fen (so was lohnt sich immer), schickte Freiwillige, die nat\u00fcrlich auch bezahlt werden wollten, und als dies alles nicht mehr reichte, wurde schlie\u00dflich eine ganze Flotte in Marsch gesetzt, die nicht nur den Engl\u00e4ndern zur See Paroli bieten sollte, sondern auch ein Expeditionskorps von ca. 6.000 Mann nach Neuengland brachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei diesem Expeditionskorps handelte es sich nun um typisch absolutistische Truppen, die \u00e4hnlich wie die englischen, d.h. mit viel Zwang und Betrug, rekrutiert worden waren. Au\u00dferdem bestand fast die H\u00e4lfte aus fremden S\u00f6ldnertruppen. Da waren die &#8222;Volontaires \u00c9trangers de Lauzun&#8220; auch bekannt als &#8222;Lauzuns Legion&#8220;, die haupts\u00e4chlich aus Els\u00e4ssern und Ungarn aufgestellt worden war, das &#8222;R\u00e9giment de Dillon&#8220;, das aus irischen Emigranten bestand, und schlie\u00dflich das &#8222;R\u00e9giment de Royal Deux-Ponts&#8220;, das Herzog Christian IV. von Zweibr\u00fccken in bester deutscher Tradition an Frankreich vermietet hatte. Er unterschied sich dabei nur in sofern von seinen Amtskollegen in Hessen-Kassel, Ansbach-Bayreuth oder Braunschweig, dass er das Gesch\u00e4ft nicht mit England sondern mit Frankreich gemacht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese besonderen Gesch\u00e4ftsbeziehungen ergaben sich schon durch die Lage des kleinen F\u00fcrstentums in der deutsch-franz\u00f6sischen Grenzregion. Schon w\u00e4hrend des Hundertj\u00e4hrigen Krieges st\u00f6\u00dft man auf Grafen von Zweibr\u00fccken, die als Subunternehmer von K\u00f6nig Johann von B\u00f6hmen in franz\u00f6sischen Diensten standen, und im 16. Jahrhundert f\u00fchrte dann Wolfgang von Zweibr\u00fccken schwarze Reiter und Landsknechte f\u00fcr die Hugenotten nach Frankreich. Es war also absolut nichts neues, als sich 1751 Herzog Christian IV. von Zweibr\u00fccken, der sich ohnehin viel am franz\u00f6sischen Hof aufhielt, dazu verpflichtete bei Bedarf f\u00fcr Frankreich ein Regiment aufzustellen. Die laufenden Kosten sollte Frankreich \u00fcbernehmen; der Herzog erhielt dagegen 40.000 Florin.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"435\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/werber-rekruten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1563\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/werber-rekruten.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/werber-rekruten-300x218.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Werbung in Dorfsch\u00e4nke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Bedarfsfall kam es 1756 beim Ausbruch des Siebenj\u00e4hrigen Krieges (1756-1763). Der Herzog lie\u00df gleich kr\u00e4ftig die Werbetrommel r\u00fchren und in Zweibr\u00fccken selbst aber vor allem auch in den vielen kleinen D\u00f6rfern im Pf\u00e4lzer Wald wurde nach geeigneten Rekruten gesucht. Die Werber veranstalteten in den Dorfsch\u00e4nken kleine Feste, sparten nicht am Branntwein und versprachen den Bauernburschen Abenteuer, weite Reisen und goldene Berge. Allerdings wollte der Herzog keineswegs auf gute Steuerzahler verzichten, und so war die Anwerbung von Bauern und Handwerkern untersagt, daf\u00fcr sollten aber &#8222;alle \u00fcberfl\u00fcssigen, unn\u00fctzen und dem Land zur Last fallende junge Burschen&#8220; genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Aufstellung und Vermietung des Regiments sollten aber nicht nur &#8222;unn\u00fctze&#8220; Untertanen aus dem Land geschafft werden, es war auch eine gute Gelegenheit einige der illegitimen S\u00f6hne des Herzogs mit einer ad\u00e4quaten Stellung zu versorgen (m\u00f6glicherweise sollten sie ja auch verschwinden). Christian Graf von Forbach entstammte der Verbindung des Herzogs mit der T\u00e4nzerin Marianne Camasse und trat bereits mit 16 Jahren (1768) als Sous-lieutenant in das Regiment ein, bereits vier Jahre sp\u00e4ter wurde er Colonel und damit sein Kommandeur. Sein j\u00fcngerer Bruder Wilhelm (auch oft Guillaume) folgte etwas sp\u00e4ter und wurde stellvertretender Regimentskommandeur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem das Regiment aufgestellt war, wurde es 1757 nach Stra\u00dfburg verlegt und dann der franz\u00f6sischen Armee unter dem Prinzen von Soubise eingegliedert. In diesem Verbund erlitt es die blamable Niederlage bei Rossbach im November 1757. Es wird eine Zeit gedauert haben, das Regiment danach wieder auf Sollst\u00e4rke zu bringen. Die folgenden Kriegsjahre wurde es dann gegen die Engl\u00e4nder unter dem Herzog von Braunschweig verwendet. Die Jahre danach lag das Regiment in Thionville in Garnison. In Frankreich herrschte Frieden, der lediglich von einem kurzen Feldzug in Korsika unterbrochen wurde; es ist jedoch nicht belegt, dass das Regiment daran teilgenommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich hatte den Engl\u00e4ndern die Niederlage im Siebenj\u00e4hrigen Krieg und den damit verbundenen Verlust seiner Kolonien jedoch nicht vergessen, und so begann es recht bald nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten in Neuengland (1775) mit der Unterst\u00fctzung der Rebellen. Man konnte in Paris zwar mit Genugtuung beobachten, wie sich England immer tiefer in einen kostspieligen Krieg verstrickte, dennoch musste auch die franz\u00f6sische Unterst\u00fctzung ausgeweitet werden. 1778 trat Frankreich dann offiziell in den Krieg ein, und im folgenden Jahr wurde beschlossen den Aufst\u00e4ndischen ein Expeditionskorps unter General Rochambeau zur Hilfe zu schicken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"340\" height=\"341\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/deux-ponts.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1564\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/deux-ponts.jpg 340w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/deux-ponts-300x300.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/deux-ponts-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom Weg des Regiments Royal Deux-Ponts, das ja einen wichtigen Teil dieses Korps bildete, berichtet aus der Sicht des einfachen Soldaten der Pf\u00e4lzer Georg Daniel Flohr. Flohr stammte aus dem kleinen Weiler Sarnstall bei Annweiler. Sein Vater war Metzger gewesen und hatte etwas Landwirtschaft nebenher betrieben, war aber fr\u00fch gestorben. Man kann also annehmen, dass Flohr in sehr \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen aufwuchs. Leider schreibt er nichts \u00fcber die Motive, die ihn 1776 im Alter von 20 Jahren dazu veranlassten sich f\u00fcr eine Dienstzeit von acht Jahren beim Regiment Deux-Ponts zu verpflichten. M\u00f6glicherweise wollte er der Armut entkommen &#8211; die Werber versprachen Ruhm und Reichtum -, oder er wollte einfach dem abgelegenen Pf\u00e4lzer Wald entkommen und etwas von der gro\u00dfen weiten Welt sehen. Man kann letzteres vermuten, denn der eigentlich ungebildete Pf\u00e4lzer Bauernbursche begann auf der Reise sofort ein Tagebuch zu f\u00fchren. Dabei widmete er Milit\u00e4r und Politik nur sehr wenig Platz, daf\u00fcr um so mehr fremden Sitten, Tieren und Landschaften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fr\u00fchling 1780 versammelten sich die franz\u00f6sischen Truppen zur Einschiffung in Brest. Das Regiment Deux-Ponts ging mit 69 Offizieren, 1013 Unteroffizieren und Mannschaften, 6 Frauen und drei Kindern in die Neue Welt. 70 Tage dauerte die Seereise und war vor allem f\u00fcr die nicht daran gew\u00f6hnten Soldaten eine echte Tortur, die letzten Endes auch mehr Opfer fordern sollte als der Krieg selbst. Die M\u00e4nner waren unter Deck auf engstem Raum zusammengedr\u00e4ngt, jeweils zwei teilten sich eine H\u00e4ngematte, die aber auch nicht immer ausgespannt werden konnte, so dass sie die meiste Zeit auf dem blanken Boden zubrachten. Furchtbar war der Gestank und die fehlende Luft, dazu kam die Seekrankheit, an der ein Gro\u00dfteil litt. Flohr schreibt \u00fcber den Anfang der Reise: &#8222;Bald w\u00fcnschten sich die meisten von uns, sie h\u00e4tten niemals das Soldatenleben gew\u00e4hlt und verfluchten den ersten Rekrutierungsoffizier, der sie verpflichtet hatte. Aber das war erst der Anfang, das richtige Elend sollte erst noch beginnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Essen bestand aus 36 Loth (1 Loth = ca. 17 Gramm, je nach Region) Zwieback und 16 Loth Salzfleisch. Am Abend gab es eine Suppe aus Schweinebohnen, die Flohr als widerliche Masse bezeichnet. Da jedoch alle hungerten, w\u00fcrgten sie auch das hinunter. Flohr schreibt lapidar: &#8222;Hunger ist der beste Koch&#8220;. Schlimmer als der Hunger war jedoch der Durst, der durch das stark salzige Essen weiter verst\u00e4rkt wurde. Zu trinken gab es etwa \u00bc Liter Rotwein in drei Rationen t\u00e4glich und normalerweise noch einmal die selbe Menge stinkendes Wasser. Der eklatante Mangel an Fl\u00fcssigkeit, Mineralien und Vitaminen forderte bald seine Opfer. Flohr berichtet, dass sie sp\u00e4ter fast t\u00e4glich Kameraden im Meer bestatteten, was aber niemanden \u00fcberraschte, &#8222;da unsere Nahrung schlecht genug war um uns alle zu zerst\u00f6ren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"344\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/deux-ponts-sold.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1565\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/deux-ponts-sold.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/deux-ponts-sold-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Soldaten des Regiments Deux-Ponts<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sie im Juli endlich Newport (Rhode Island) erreichten verzeichnete das Regiment zwar nur ein Dutzend Tote, die meisten waren jedoch schwer krank, so dass nur ein Bruchteil an den neuen Befestigungen arbeiten konnte. Bis zum Herbst waren dann insgesamt 73 Mann den Krankheiten erlegen. Flohr scheint die Fahrt jedoch relativ gut \u00fcberstanden zu haben, er berichtet von den sch\u00f6nen Geb\u00e4uden und dem betriebsamen Hafen. Allerdings musste er feststellen, dass sich die Soldaten mit niemandem unterhalten konnten, da alle Englisch sprachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend sich die Soldaten langsam mit Land und Leuten vertraut machten, trat der Krieg in eine neue Phase. Die Engl\u00e4nder waren inzwischen im S\u00fcden geschlagen, weshalb sich die Kampfhandlungen weiter nach Norden verlagerten. Eine englische Armee unter Cornwallis hatte damit begonnen Virginia zu verw\u00fcsten, musste sich dann aber vor \u00fcberlegenen feindlichen Kr\u00e4ften zur\u00fcckziehen. In der kleinen Hafenstadt Yorktown wartete Cornwallis auf die britische Flotte, die seine Truppen nach New York zur\u00fcckbringen sollte. Doch dann passierte das, worauf Napoleon sp\u00e4ter sein ganzes Leben vergeblich warten sollte, die Franzosen schlugen die Engl\u00e4nder in einer gro\u00dfen Seeschlacht. Cornwallis war dadurch tief im feindlichen Gebiet abgeschnitten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Washington und die verb\u00fcndeten Franzosen setzten daraufhin alle verf\u00fcgbaren Truppen Richtung Virginia in Marsch. Mit dabei war auch das Regiment Deux-Ponts. Sie marschierten nach Yorktown, wo sich &#8222;der General Kornwallis mit 12.000 Mann verschanzt hatte und das Umland grausam verw\u00fcstete,&#8220; berichtet Flohr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Engl\u00e4nder hatten Yorktown so gut es ging mit ausgedehnten Erdwerken, vorgeschobenen Bastionen und Schanzen befestigt und versuchten so auf das Eintreffen ihrer Flotte zu warten. Vor der Stadt trafen immer mehr Truppen der Verb\u00fcndeten ein, die langsam ihre \u00fcberlegene Belagerungsartillerie in Stellung brachten und Laufgr\u00e4ben gegen die englischen Stellungen vortrieben. Je weiter die Verb\u00fcndeten an die Stadt heranr\u00fcckten, desto vernichtender wirkte das Feuer der Artillerie. Flohr schreibt dazu: &#8222;Wir konnten von unserer Redoute aus sehen, wie Menschen mit ausgestreckten Armen durch die Luft flogen [\u2026]. Da war ein Elend und Klagen, dass es ganz schrecklich war. [\u2026] Die H\u00e4user sahen aus wie Laternen, v\u00f6llig durchl\u00f6chert von Kanonenkugeln.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Belagerung ging es in erster Linie darum, die Gesch\u00fctze besonders die schweren M\u00f6rser, die keine gro\u00dfe Schussweite hatten, m\u00f6glichst nahe an die Stadt heranzubringen. Dieser Ann\u00e4herung lagen schlie\u00dflich vor allem noch die Redouten Nr.9 und 10 im Weg. So wurden auch gegen diese Laufgr\u00e4ben vorgetrieben und ihre Einnahme im Sturmangriff geplant. Nr.9, mit etwa 70 Mann Besatzung die kleinere, sollte von den Amerikanern gest\u00fcrmt werden, Nr.10, in der 120 Engl\u00e4nder und Deutsche lagen, von 400 Mann des Regiments Deux-Ponts unter der F\u00fchrung von Oberstleutnant Wilhelm von Forbach (sp\u00e4ter v. Zweibr\u00fccken).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"686\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/sturm-yorktown.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1566\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/sturm-yorktown.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/sturm-yorktown-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sturm der Redoute in Yorktown<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Redouten waren gut ausgebaut. Jede war von einem schlammigen Graben umgeben; die W\u00e4lle waren mehrer Meter hoch und zus\u00e4tzlich mit einem Verhau von spitzen Pf\u00e4hlen gesichert (die gepflegten Reste k\u00f6nnen heute noch in Yorktown besichtigt werden). Der Angriff erfolgte nachts, und um jeden L\u00e4rm zu vermeiden, war es verboten worden die Musketen vorher zu laden. Als sich die S\u00f6ldner im Graben befanden und sich bereits an den Pf\u00e4hlen des Verhaus zu schaffen machten, er\u00f6ffnete die hessische Wache das Feuer. Als dann jedoch die S\u00f6ldner vom Regiment Deux-Ponts zur\u00fcckschossen, verlie\u00dfen Engl\u00e4nder und Hessen ihre Positionen am Wall und verschanzten sich im Inneren der Redoute hinter einigen F\u00e4ssern. Nachdem die franz\u00f6sischen S\u00f6ldner den Wall \u00fcberstiegen hatten kam es zum Nahkampf mit dem Bajonett, wobei es gewaltig zur Verwirrung beitrug, dass in der Dunkelheit auf beiden Seiten Deutsche k\u00e4mpften. Flohr berichtet, dass die K\u00e4mpfenden oft Freund und Feind verwechselten, &#8222;einer rief hier, der andere dort, dass man ihn um Gottes Willen den Gnadenstoss geben solle. Die ganze Redoute war so voll mit Toten und Verwundeten, dass man auf ihnen laufen musste.&#8220;<br><br>Ganz so schlimm war die Sache wahrscheinlich doch nicht, den im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg k\u00e4mpfte selten jemand bis zum bitteren Ende. Auch die Hessen zeigten wenig Lust, f\u00fcr eine verlorene Sache zu sterben und kapitulierten vor dem letzten Bajonettangriff. Deshalb blieben die Verluste mit 29 Toten bei Flohrs Regiment relativ gering. Durch die Einnahme der beiden Redouten wurde die Lage der Engl\u00e4nder in Yorktown unhaltbar, und Cornwallis kapitulierte f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter.<br><br>Der Krieg war dadurch zwar eigentlich schon entschieden, zog sich aber dennoch fast zwei Jahre hin. F\u00fcr die S\u00f6ldner aus Zweibr\u00fccken waren die K\u00e4mpfe dennoch vorbei. Sie zogen erst einmal in die Winterquartiere bei Williamsburg und Jamestown. Flohr war sehr vom Land angetan und konnte sich inzwischen anscheinend auch ganz gut verst\u00e4ndigen. W\u00e4hrend die sich Offiziere bei ihren wohlhabenden Gastfamilien mit Pferderennen, Fuchsjagden und Tanzabenden vergn\u00fcgten, interessierte sich Flohr sehr f\u00fcr die Lebensverh\u00e4ltnisse der normalen Bev\u00f6lkerung. Vieles gefiel ihm, dennoch fand er die Sklaverei absto\u00dfend und war entsetzt wie leichtfertig die Virginier damit umgingen. Als er sich erkundigte, warum sich denn niemand an der Nacktheit der Sklaven st\u00f6ren w\u00fcrde, &#8222;antworteten sie mir, dass es viel zu viel kosten w\u00fcrde alle diese Schwarzen zu bekleiden, und die Kleider in ein paar Wochen kaputt w\u00e4ren, und sie diese Ausgaben nicht wert seien.&#8220; (Leider wird oft \u00fcbersehen, dass der gro\u00dfe Freiheitsheld George Washington selbst Sklavenhalter war)<br><br>Trotzdem gefiel ihm das Land und er stellte fest, dass Deutsche willkommen waren. Im n\u00e4chsten Sommer wurden die franz\u00f6sischen Truppen dann Richtung Boston in Marsch gesetzt, wo sie im Dezember eintrafen. An Weihnachten ging es mit dem Schiff in die Karibik nach Santo Domingo und von dort nach einem kurzen Aufenthalt wieder nach Frankreich. Im Juni 1783 erreichten sie Brest, und Flohr dankte Gott, dass er nach all den Gefahren wieder sicher nach Europa zur\u00fcckgekehrt war. Das Regiment wurde anschlie\u00dfend nach Landau verlegt, wo er die letzten neun Monate seiner Dienstzeit zubrachte. Nach seiner Entlassung lie\u00df er sich vorerst in Stra\u00dfburg nieder.<br><br>Das Regiment Royal Deux-Ponts blieb weiter in franz\u00f6sischen Diensten, wurde dann aber nach der Franz\u00f6sischen Revolution bei der Heeresreformation in Infanterieregiment Nr.99 umbenannt. Als solches wurde es nach und nach zwar ein rein franz\u00f6sisches Regiment, die Erinnerung an die Schlacht bei Yorktown wurde jedoch weiter gepflegt. Erst bei der Reduzierung der franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4fte wurde es schlie\u00dflich im Jahr 2000 aufgel\u00f6st.<br><br>Flohr, der die Revolution als Student in Paris erlebte, war von den Grausamkeiten abgesto\u00dfen. Er erinnerte sich an das sch\u00f6ne Virginia und beschloss Europa lebewohl zu sagen. Wahrscheinlich 1793 oder 94 kehrte er nach Virginia zur\u00fcck, wo er zuerst Theologie studierte und schlie\u00dflich in Wytheville lutherischer Prediger wurde. Sein Haus und sein Grab k\u00f6nnen dort heute noch besichtigt werden.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ignorierten S\u00f6ldner des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1542,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[118,8],"tags":[120,130],"class_list":["post-1541","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-absolutismus-artikel","category-artikel","tag-soldatenhandel","tag-usa"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Das Regiment Royal Deux Ponts - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/das-regiment-royal-deux-ponts\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Das Regiment Royal Deux Ponts - 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