{"id":1489,"date":"2024-11-12T12:29:37","date_gmt":"2024-11-12T12:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1489"},"modified":"2025-01-31T16:23:47","modified_gmt":"2025-01-31T16:23:47","slug":"die-staufischen-ritter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-staufischen-ritter\/","title":{"rendered":"Die staufischen Ritter"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Vom Lehensdienst zum S\u00f6ldnertum.<\/h5>\n\n\n\n<p>Damit das S\u00f6ldnergesch\u00e4ft richtig in Schwung kommt, ben\u00f6tigt es auf der Angebotsseite eine gr\u00f6\u00dfere Menge arbeitsloser oder zumindest schlecht verdienender Berufskrieger, auf der Nachfrageseite einige liquide Kunden, die auf der Suche nach den angebotenen Diensten sind und last not least einen Markt, d. h. bew\u00e4hrte Verbindungen, durch die Anbieter und K\u00e4ufer zusammenfinden k\u00f6nnen. Im Mittelalter fehlte es allerdings lange am Wichtigsten: dem Geld. Niemand verf\u00fcgte \u00fcber die notwendigen Mittel eine Armee professioneller Krieger anzuwerben oder gar \u00fcber l\u00e4ngere Zeit zu bezahlen. Die abendl\u00e4ndischen Heere bestanden deshalb fast ausschlie\u00dflich aus Lehenskriegern, die von ihren Herren ausreichend Grundbesitz erhielten, mit dessen Eink\u00fcnften sie sich selbst ausr\u00fcsten und versorgen konnten. Die schwach ausgebildete Infrastruktur erlaubte es auch nicht gr\u00f6\u00dfere Heere zu bewegen und zu versorgen deshalb verzichtete man in ganz Westeuropa nach und nach auf die schwerf\u00e4lligen Bauernaufgebote und setzte statt dessen auf kleine aber mobile Einheiten schwer gepanzerter Reiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"572\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/staufer-ritter.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1493\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/staufer-ritter.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/staufer-ritter-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">staufischer Ritter<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Ritter wurden zur alles entscheidenden Waffe auf den Schlachtfeldern. Wenn man von &#8222;Rittern&#8220; spricht, sollte man dabei allerdings beachten, dass diese Krieger am Anfang der Entwicklung nicht zum Adel geh\u00f6rten. Ganz im Gegenteil, normalerweise standen sie in der sozialen Hierarchie noch unter den freien Bauern. Denn als man damit begann, diese Reiter auszur\u00fcsten, bewaffnete der Adel zuerst sein pers\u00f6nliches Gefolge &#8211; seine Knechte, die vorher vielleicht noch das Vieh geh\u00fctet hatten. Da die Ritter jedoch mit den gleichen Waffen, Seite an Seite mit dem Adel k\u00e4mpften und das R\u00fcckgrat jedes Heeres bildeten, wurden sie bald zu einer privilegierten Klasse. Vor allem durch die Kreuzz\u00fcge wurde der Ritter zum Typus des Kriegers schlechthin, dessen Ehrenkodex, Verhaltensformen und Moden schlie\u00dflich vom Adel \u00fcbernommen wurden. Als dann sogar Kaiser Friedrich Barbarossa 1184 in Mainz w\u00e4hrend eines pr\u00e4chtigen Festes seinen Sohn zum Ritter schlug, schien der H\u00f6hepunkt dieser Entwicklung erreicht. Wie alle erfolgreichen Aufsteiger trachteten die Ritter danach das Erreichte zu festigen. Ihre anfangs nur zeitweilig verliehenen G\u00fcter sollten erblich werden, genauso Wappen und Titel. Zudem versuchten sie ihren Stand gegen Konkurrenz von unten abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch selbst als die Ritter allgemein als Adlige anerkannt wurden und die Erblichkeit ihrer Lehen erreicht hatten, blieben sie ein bedrohter Stand. Manche kleine Lehensg\u00fcter ern\u00e4hrten kaum ihren Mann, auf anderen sa\u00dfen ganze Sippen. Ein generelles Problem waren die zahlreichen \u00fcberz\u00e4hligen S\u00f6hne. Sie dr\u00e4ngten sich an den H\u00f6fen der F\u00fcrsten und hofften dort irgendwann auf sich aufmerksam machen zu k\u00f6nnen, um dann vielleicht ein eigenes Lehen zu erhalten. Andere zogen vom Vater ausger\u00fcstet und mit etwas Zehrgeld versehen als Fahrende Ritter durchs Land, in der Hoffnung einen Herrn f\u00fcr ihre Dienste zu finden. Dennoch wurden st\u00e4ndig neue Ritter &#8222;produziert&#8220;. Eigentlich konnte jeder adlige Grundbesitzer, der selbst Ritter war, andere zum Ritter schlagen, und von dieser M\u00f6glichkeit wurde gerade in Krisenzeiten reichlich Gebrauch gemacht. Gegen gute Bezahlung wurden Bauern- und B\u00fcrgers\u00f6hne zu Rittern geschlagen, und vor einem Kriegszug verst\u00e4rkte so mancher seine Truppen mit Neulingen, die sich dann ihre Sporen verdienen mussten. So soll Rudolf von Habsburg 1273 vor der entscheidenden Schlacht auf dem Marchfeld neben zahlreichen anderen auch hundert Z\u00fcricher B\u00fcrgers\u00f6hne zu Rittern geschlagen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaiser, K\u00f6nige und F\u00fcrsten mussten bei Kriegen vor allem auch deshalb st\u00e4ndig neue Ritter belehnen, da die alteingesessenen Geschlechter die Tendenz hatten, sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Das war weder Feigheit noch mangelnde Loyalit\u00e4t. Ein Ritter konnte z. B. durch die Teilnahme an einem der Italienz\u00fcge der deutschen Kaiser v\u00f6llig ruiniert werden. Der Verlust von Ausr\u00fcstung oder von Pferden, die ja oft genug schon auf dem Marsch verendeten, konnte dem Jahresertrag eines Lehens entsprechen. Falls der Ritter erschlagen wurde oder, was viel h\u00e4ufiger vorkam, einer Krankheit zum Opfer fiel, war es mehr als ungewiss, dass das Lehen im Besitz der Familie blieb. Gerade diese kleinen Lehen waren st\u00e4ndig bedroht, von gr\u00f6\u00dferen Nachbarn geschluckt zu werden. Weilte sein Herr l\u00e4ngere Zeit in Italien oder gar im Heiligen Land, so konnte es leicht passieren, dass ein benachbarter Graf einen Teil der Gerichtsbarkeit an sich riss, oder ein nahe gelegenes Kloster die Fischerei- oder Jagdrechte vereinnahmte. In der Feudalgesellschaft musste der Besitz in st\u00e4ndigem Streit verteidigt werden. Oft handelte es sich dabei nur um Rechtsstreitigkeiten, um notwendige B\u00fcndnisse mit Nachbarn, bis hin zu Fehden. Ein kleiner Feudalherr wie ein Ritter konnte es sich eigentlich gar nicht erlauben, Monate im Ausland zuzubringen ohne seinen Besitz zu gef\u00e4hrden. Viele konnten nat\u00fcrlich ihre nicht erbberechtigten S\u00f6hne und Br\u00fcder schicken, doch hier ergab sich dann wieder das Problem der Entlohnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutsche Ritters\u00f6ldner lassen sich bereits relativ fr\u00fch in Polen und Ungarn nachweisen und auch mit Wilhelm dem Eroberer sind 1066 einige vom Niederrhein nach England gefahren. Normalerweise dienten sie jedoch nicht gegen Geld, sondern wurden mit Landbesitz entsch\u00e4digt, und auf diese Weise zu Lehensleuten ihrer Arbeitgeber; sie waren also eine Art fr\u00fche Arbeitsimmigranten. Eine gewisse Ausnahme bildete Byzanz, wo ein relativ funktionierendes Steuersystem weiterhin die Rekrutierung und Bezahlung von S\u00f6ldnern erlaubte. Denn auch in Byzanz erfreuten sich die Panzerreiter aus dem Westen zunehmender Beliebtheit. Man warb haupts\u00e4chlich Normannen in S\u00fcditalien aber auch Norditaliener, Franzosen und Deutsche, die alle zusammen als &#8222;Franken&#8220; bezeichnet wurden. So ist von einer Meuterei fr\u00e4nkischer Ritter vor der Schlacht von Manzikert (1071) und einer gr\u00f6\u00dferen Truppe deutscher Ritter unter einem gewissen Gilbrecht bei den K\u00e4mpfen auf Kreta und in Byzanz (1080) zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"571\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/legnano.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1494\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/legnano.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/legnano-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schlacht von Legnano<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung des Rittertums wurde im Reich vor allem durch die Herrschaft der Staufer gef\u00f6rdert. So f\u00fchrte Barbarossa seine Kriege in Italien und die gegen seine welfischen Konkurrenten fast ausschlie\u00dflich mit ritterlichen Lehensaufgeboten. Das Problem dabei war jedoch, dass die Lehensfolge meistens auf 40 Tage im Jahr begrenzt war. Gerade die Feldz\u00fcge in Italien mit ihren langwierigen Belagerungen waren damit nicht zu meistern. Doch in dieser Zeit stiegen durch die Ausbeutung der Silbervorkommen im Harz, Tirol und B\u00f6hmen, neuer Goldfunde in B\u00f6hmen und Ungarn und der aufstrebenden St\u00e4dte &#8211; vor allem am Niederrhein und in Norditalien &#8211; Geldumlauf und Steuereinnahmen. Mit diesem Geld mietete man nur selten richtige S\u00f6ldner wie z.B. die ber\u00fcchtigten Brabanzonen, verwandte es aber darauf, die ohnehin zum Zuzug verpflichteten Ritter zu l\u00e4ngerem Dienst zu bewegen. Und es ist sicher kein Zufall, dass Heinrich der L\u00f6we f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung beim Italienzug 1176 ausgerechnet die reiche Silberstadt Goslar forderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Barbarossas Nachfolgern intensivierten sich die K\u00e4mpfe um Italien weiter, so dass man auch hier von einem Hundertj\u00e4hrigen Krieg sprechen k\u00f6nnte. Vor allem sein Enkel Friedrich II. f\u00fchrte fast pausenlos Krieg gegen den Papst und die norditalienischen St\u00e4dte. Dabei waren die Ritter aus dem Reich eine wesentliche St\u00fctze. Als aber Friedrich II. 1236 die niederrheinische Ritterschaft zu einem Italienzug aufrief, f\u00fchlte sich von diesen kaum jemand angesprochen. Der Zuzug der Staufer kam haupts\u00e4chlich aus dem alten Herzogtum Schwaben, wo die Staufer \u00fcber ausgedehnten Besitz verf\u00fcgten und die Dienste deshalb entsprechend belohnen konnten. Immer wieder schrieb Friedrich an seine Repr\u00e4sentanten im Reich und bat um neue Verst\u00e4rkungen. &#8222;Von ihnen&#8220;, schrieb er 1239 seinem Sohn, &#8222;h\u00e4ngt die Ehre des Reichs und unsere Macht ab&#8220;. Nat\u00fcrlich kamen auch hier haupts\u00e4chlich die nachgeborenen S\u00f6hne, die f\u00fcr ihre Dienste ein Lehen in Italien erwarteten, oder zumindest darauf hofften mit Sold und Beute genug zu erwerben, um sich sp\u00e4ter in der Heimat eine kleine Herrschaft kaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde nun schon unter Historikern darum gestritten, ob es sich bei diesen bezahlten Rittern der Staufer schon um S\u00f6ldner handelt. Einige f\u00fchren an, dass sie schlie\u00dflich f\u00fcr Geld und im Ausland k\u00e4mpften. Von anderen wird dies vehement bestritten, da sie ja auch in Italien ihrem Kaiser dienten. Wir finden diese Diskussion vollkommen \u00fcberfl\u00fcssig und nur deshalb erw\u00e4hnenswert, da sie wieder einmal verdeutlicht, dass es manchmal einfach nur darum geht, einer Sache das Etikett &#8222;S\u00f6ldner&#8220; aufzukleben, oder es eben von ihr fernzuhalten. Unstrittig ist jedenfalls, dass die Werbung und Besoldung von Truppen unter Friedrich II. eine neue Qualit\u00e4t erreichte. Das Heerwesen entfernte sich vom reinen Lehensaufgebot hin zu mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig bezahlten Berufskriegern. Wahrscheinlich kann man deutsche Ritter, die f\u00fcr Bezahlung den Staufern in Italien dienten, schlecht als S\u00f6ldner bezeichnen. Dennoch wurde dort eine wichtige Basis geschaffen. W\u00e4hrend der langen Kriege der Staufer war zuerst eine zahlenm\u00e4\u00dfig starke Schicht von Berufskriegern entstanden, die auf Dauer von den vorhandenen Lehen nicht standesgem\u00e4\u00df leben konnte. Schlie\u00dflich hatten sich vor allem die \u00c4rmeren von ihnen daran gew\u00f6hnt ihre Dienste f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Bezahlung anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"531\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ritter-schlacht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1495\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ritter-schlacht.jpg 900w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ritter-schlacht-300x177.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ritter-schlacht-768x453.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ritterschlacht aus der Maciejowski-Bibel ca. 1250<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als es in Griechenland zum Krieg zwischen dem im 4. Kreuzzug gegr\u00fcndeten Lateinischen Kaiserreich von Byzanz und dem griechisch-orthodoxen Gegenkaiser Michael VIII. kam, k\u00e4mpften deutsche Ritter sogar auf beiden Seiten. Die Lateiner verf\u00fcgten zwar auch \u00fcber Griechen und Albaner, der Kern ihrer Truppe war aber das Aufgebot der schweren fr\u00e4nkischen Reiterei und 400 staufische Ritter, die ihnen K\u00f6nig Manfred aus Sizilien zur Verst\u00e4rkung geschickt hatte. Michael VIII. hatte einige tausend Ungarn, Serben und Kumanen als berittene Bogensch\u00fctzen geworben, dazu Anatolier und T\u00fcrken als Fu\u00dfvolk. Das R\u00fcckgrat seiner Armee bildeten allerdings 300 im Reich geworbene Ritter, unter der F\u00fchrung eines Ulrich von Carinthia. 1259 kam es dann in der Ebene von Pelagonia zur entscheidenden Schlacht. Obwohl die Albaner und Griechen gleich zu Beginn fl\u00fcchteten, griffen die fr\u00e4nkischen und staufischen Ritter ungest\u00fcm an. Diesen Ansturm konnten auf byzantinischer Seite nur die deutschen Ritter auffangen. Unter schweren Verlusten hielten sie stand, w\u00e4hrend die berittenen Bogensch\u00fctzen die Angreifer umschw\u00e4rmten und von den Seiten zusammenschossen. In dieser Schlacht fiel nicht nur ein Gro\u00dfteil der Franken sondern auch die meisten deutschen Reiter auf fr\u00e4nkischer und byzantinischer Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re nun m\u00fc\u00dfig nur die Ritter griechisch-orthodoxer Seite als S\u00f6ldner zu bezeichnen. Diejenigen, die f\u00fcr die Lateiner k\u00e4mpften, waren zwar von ihrem K\u00f6nig geschickt worden. Allerdings waren sie dazu unter lehensrechtlichen Gesichtspunkten sicher nicht verpflichtet. Das hei\u00dft Manfred musste in Sizilien Freiwillige suchen, die dann entweder von ihm oder dem lateinischen Kaiser in Byzanz bezahlt wurden. Und da wohl nur wenige Ritter f\u00fcr so ein unsicheres Unternehmen im fernen Griechenland ihr Lehen im Stich gelassen haben werden, bestand der Gro\u00dfteil der Truppe sicher aus nachgeborenen S\u00f6hnen und besitzlosen Abenteurern, die aus dem Reich an Manfreds Hof gekommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Manfred 1266 in der Schlacht bei Benevent gegen Karl von Anjou Krone und Leben verloren hatte, ersetzten zumindest in S\u00fcditalien franz\u00f6sische Ritter und Abenteurer die deutschen. Allerdings blieben zahlreiche deutsche Reiter im Dienst der kaisertreuen &#8211; ghibellinischen &#8211; norditalienischer St\u00e4dte. Viele der dort herrschenden Geschlechter hatten Verwandtschaftsbeziehungen ins Reich &#8211; vor allem nach Schwaben und in die Schweiz &#8211; und konnten dort leicht Nachschub rekrutieren. Als dann mit Konradin der letzte Staufer nach Italien kam und 1268 bei Tagliacozzo geschlagen wurde, befanden sich in seinem Heer wahrscheinlich kaum S\u00f6ldner, denn die h\u00e4tte er nicht bezahlen k\u00f6nnen, daf\u00fcr aber umso mehr ritterliche Habenichtse, die hofften nach der Wiedererrichtung der kaiserlichen Herrschaft \u00fcber S\u00fcditalien reich belohnt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"380\" height=\"561\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ritter-13jh.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1497\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ritter-13jh.jpg 380w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ritter-13jh-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ritter im 13. Jahrhundert<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Konradins Tod beendete den gro\u00dfen Zustrom zwar f\u00fcrs erste. Um Sizilien und S\u00fcditalien schlug sich nun Karl Anjou mit Friedrich von Aragon und beide brachten zuerst ihre eigenen S\u00f6ldner ins Land &#8211; Karl haupts\u00e4chlich Provencalen und Friedrich Katalanen. Dennoch sa\u00dfen an vielen Orten weiterhin ehemalige Dienstleute der Staufer, die sich nun nach neuen Arbeitgebern umsehen mussten. Nicht ganz untypisch ist hier vielleicht das Schicksal von Roger di Flor. Sein Vater hatte noch unter dem Namen &#8222;Blum&#8220; Friedrich II. als Falkner gedient und war als Dank mit der Tochter einer reichen Familie aus Brindisi verheiratet worden. Mit dem Sturz der Staufer hatte die Familie fast alles verloren, deshalb hatte der Vater verst\u00e4ndlicherweise bei der Ankunft Konradins noch einmal sein Pferd gesattelt, war dann aber bei Tagliacozzo gefallen. Mit nicht mehr als einem guten Namen hatte Roger im Dienst der Templer Karriere gemacht, sich dann als freischaffender Pirat bet\u00e4tigt und war schlie\u00dflich in die Dienste Friedrichs von Aragon getreten. M\u00e4nner wie Roger di Flor fand man bei allen Parteien. Dazu kamen st\u00e4ndig neue Reiter \u00fcber die Alpen, die von den ghibellinischen St\u00e4dten geworben wurden, mit der Zeit aber verst\u00e4rkten auch die guelfischen und schlie\u00dflich sogar der Papst und Karl von Anjou ihre Truppen mit ihnen.<br><br>Am Ende des 13. Jahrhunderts entwickelte sich das Reich zum idealen S\u00f6ldnerlieferanten. Die Gro\u00dfmachtpolitik der Staufer hatte praktisch zu einer &#8222;\u00dcberproduktion&#8220; an professionellen Kriegern gef\u00fchrt, f\u00fcr die nun keine ausreichende Verwendung mehr bestand. Frankreich und England waren abgesehen von kurzen Unterbrechungen meistens untereinander in Kriege verstrickt, in denen nicht nur die eigenen Krieger sondern auch zahlreiche Ausl\u00e4nder Besch\u00e4ftigung fanden. Auf der iberischen Halbinsel bildete die Reconquista ein gutes Ventil, und falls dieses nicht ausreichte, f\u00fchrten die christlichen K\u00f6nigreiche auch Krieg untereinander. Im Gegensatz dazu gab es im Reich wenig zu tun, und so erstaunt es nicht, dass im 14. Jahrhundert mehrere Zehntausend (!) deutsche Reiter in Italien gedient haben sollen. Gef\u00f6rdert wurde das Gesch\u00e4ft durch die guten alten Beziehungen, die noch aus staufischer Zeit zwischen vielen Familien des Reichs und Italiens bestanden. Man kann also zusammenfassend festhalten, dass die Staufer zwar nicht selbst in gro\u00dfem Ma\u00dfe S\u00f6ldner besch\u00e4ftigten, dass sie aber viel zur Bildung eines Berufskriegertums beitrugen und damit eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr dessen sp\u00e4tere S\u00f6ldnerdienste schufen.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Frank Westenfelder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Lehensdienst zum S\u00f6ldnertum.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1491,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,37],"tags":[13],"class_list":["post-1489","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-mittelalter","tag-italien"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die staufischen Ritter - 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