{"id":1410,"date":"2024-11-09T14:57:15","date_gmt":"2024-11-09T14:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1410"},"modified":"2025-01-16T17:55:19","modified_gmt":"2025-01-16T17:55:19","slug":"die-fatemiyoun-division","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-fatemiyoun-division\/","title":{"rendered":"Die Fatemiyoun Division"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Irans Kanonenfutter in Syrien.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als nach gut einem Jahr B\u00fcrgerkrieg Assads Truppen fast \u00fcberall auf dem R\u00fcckzug waren oder gleich zu den Aufst\u00e4ndischen \u00fcbergingen, wurde sein Regime in letzter Minute durch die aktive Hilfe seiner Verb\u00fcndeten Russland und Iran gerettet. Wie die Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat (ISIS), die etwas sp\u00e4ter unter der F\u00fchrung der USA gebildet wurde, hielten sie es f\u00fcr besser, nicht offiziell in diesen chaotischen und v\u00f6llig unkalkulierbaren Krieg verwickelt zu werden. Sie beschr\u00e4nkten ihre Hilfe deshalb auf m\u00f6glichst wenige unverzichtbare Spezialisten und st\u00fctzten sich statt dessen auf Stellvertreter und S\u00f6ldner. Russland schickte Wagner und Iran die Fatemiyoun Division.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"640\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ali-reza-tavassoli.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1413\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ali-reza-tavassoli.jpg 480w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ali-reza-tavassoli-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ali-Reza Tavassoli <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach iranischer Darstellung geht die Gr\u00fcndung der Fatemiyoun Division auf den Afghanen Ali-Reza Tavassoli zur\u00fcck. Der hatte bereits in den 80er Jahren in einer afghanischen Freiwilligen-Brigade im Irak-Iran-Krieg gek\u00e4mpft, sp\u00e4ter dann in Afghanistan gegen die Taliban und 2006 f\u00fcr Hisbollah im Libanon. Nach dem Ausbruch des B\u00fcrgerkrieges in Syrien machte er sich mit einer kleinen Gruppe afghanischer Veteranen auf den Weg, um die schiitischen heiligen St\u00e4tten bei Damaskus zu besch\u00fctzen. Nach diesen bescheidenen Anf\u00e4ngen erhielt er die Unterst\u00fctzung der Iranischen Revolutionsgarde, um unter den im Iran lebenden Afghanen weitere Freiwillige zu werben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man mag nun dar\u00fcber spekulieren, ob die Idee wirklich von Tavassoli oder der Revolutionsgarde entwickelt wurde. Wahrscheinlich haben sich beide gefunden. Tavassoli suchte nach neuen Aufgaben und die Revolutionsgarde musste dringend Assad mit Truppen unterst\u00fctzen. Also wurde Tavassoli bei der Werbung von Landsleuten unterst\u00fctzt; Iran \u00fcbernahm Sold und Ausbildung und sorgte f\u00fcr eine positive Berichterstattung in den Medien. Dabei wurden nat\u00fcrlich die idealistischen Motive der Freiwilligen gro\u00df in den Vordergrund gestellt und betont, dass diese angeblich allein aus religi\u00f6sen und humanit\u00e4ren Motiven in den Kampf zogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie immer bei diesen Dingen, sah die Realit\u00e4t etwas n\u00fcchterner aus. Bei den in Iran lebenden Afghanen handelt es sich fast ausschlie\u00dflich um Hazara, eine ethnische Gruppe, die in ihrer Heimat Diskriminierungen und Verfolgungen bis hin zu Pogromen ausgesetzt waren. Da sie ebenfalls schiitische Moslems waren und einen persischen Dialekt sprachen, lag es f\u00fcr sie nahe nach Iran zu fl\u00fcchten. Zu den politischen Fl\u00fcchtlingen kamen nat\u00fcrlich viele, die in Iran einfach ein besseres Leben suchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller pan-schiitischen Propaganda, waren sie nicht willkommen. Viele Perser halten Afghanen f\u00fcr Kleinkriminelle, Schmuggler und Drogendealer. Normalerweise bleiben ihnen nur die h\u00e4rtesten und am schlechtesten bezahlten Arbeiten als Erntehelfer, Hilfsarbeiter, in Steinbr\u00fcchen oder Ziegeleien. Aber selbst da werden sie oft genug um ihren Lohn betrogen und befinden sich st\u00e4ndig in der Gefahr ausgewiesen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2013 als in Iran mit der Rekrutierung f\u00fcr die Fatemiyoun Brigade begonnen wurde, lebten ungef\u00e4hr 3 Millionen afghanischer Fl\u00fcchtlinge im Land. Ungef\u00e4hr eine viertel Million davon wurde j\u00e4hrlich zur\u00fcck nach Afghanistan deportiert. Das half allerdings wenig, da 2013 die USA und ihre Verb\u00fcndeten mit dem R\u00fcckzug aus Afghanistan begannen. Pl\u00f6tzlich fehlten Millionen westlicher Hilfsgelder, die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft; dazu kam die Angst vor einem Sieg der Taliban.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"359\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_syrien_2016.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1415\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_syrien_2016.jpg 640w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_syrien_2016-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fatemiyoun K\u00e4mpfer 2016 in Syrien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab also mehr als genug potentielle Rekruten, f\u00fcr die ein Monatssold von umgerechnet 600-800 Dollar eine attraktive Alternative zum Elend in den Fl\u00fcchtlingslagern darstellte. Dazu kamen andere Erleichterungen wie eine Reiseerlaubnis, mit der man sich frei im Land bewegen konnte oder die Aussicht auf eine permanente Aufenthaltserlaubnis. Au\u00dferdem k\u00fcmmerte sich der Staat um die Familien der Gefallenen, der M\u00e4rtyrer. So wurde der Sold weiter bezahlt, manche sollen sogar ein Haus erhalten haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den Freiwilligen dominierten deshalb nicht die jungen Abenteurer, religi\u00f6sen Heilsucher und verkrachten Existenzen, wie dies oft bei ISIS der Fall ist, sondern junge Ehem\u00e4nner oder \u00e4ltere S\u00f6hne, auf denen der Broterwerb der Familie lastete. Bei der gro\u00dfen Mehrheit standen materielle Gr\u00fcnde und dabei vor allem die Absicherung ihrer Familien im Vordergrund. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass nicht religi\u00f6se und andere idealistische Motive hinzukamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wahrscheinlich war es \u2013 wie fast immer in diesen F\u00e4llen \u2013 eine Mischung aus mehreren Gr\u00fcnden. Sold, Aufenthaltsgenehmigung und andere materielle Vorteile spielten sicher eine gro\u00dfe Rolle. Dennoch wollten die meisten sicher auch f\u00fcr eine &#8222;gute, gerechte&#8220; Sache k\u00e4mpfen. Und schlie\u00dflich ist es f\u00fcr soziale Au\u00dfenseiter oft besonders attraktiv sich als K\u00e4mpfer die notwendige Anerkennung zu verschaffen. Ein Freiwilliger formulierte diese Mischung sehr treffend: &#8222;Jedes mal, wenn ich im Iran verhaftet wurde, musste ich mich mit vier Millionen Toman verschulden, um die Schmiergelder zu bezahlen. Ich konnte kein Brot f\u00fcr meine Frau und mein Kind kaufen. Ich hatte keine andere Wahl als hierherzukommen. Jetzt habe ich legale Dokumente und habe eine Hypothek f\u00fcr ein Haus. Mein Leben hat Ordnung. Vorher war ich ein dreckiger Afghane, jetzt bin ich ein Herr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"373\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_martyrer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1416\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_martyrer.jpg 320w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_martyrer-257x300.jpg 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gr\u00e4ber von Fatemiyoun K\u00e4mpfern im Iran<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in allen modernen Staaten werden auch in Iran die idealistischen Motive der Freiwilligen herausgestellt (S\u00f6ldner k\u00e4mpfen immer nur f\u00fcr die anderen). Angeblich k\u00e4mpften sie in Syrien allein um die heiligen St\u00e4tten der Schiiten zu besch\u00fctzen. Das iranische Staatsfernsehen berichtete ausf\u00fchrlich von ihren Opfern und der Beisetzung gefallener &#8222;M\u00e4rtyrer&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem durch die heroische Berichterstattung in den iranischen Medien wurde der Kampf der afghanischen K\u00e4mpfer schnell bekannt und popul\u00e4r. Es meldeten sich zahlreiche Freiwillige und die anf\u00e4ngliche Brigade konnte zur Division erweitert werden. Viele Rekruten wurden jedoch auch von der Polizei geliefert. Afghanen, die wegen illegalen Aufenthalts oder anderer kleinerer Vergehen verhaftet worden waren und auf ihre Abschiebung warteten, wurden gezielt von Werbern angesprochen. Vor der Alternative die Kosten f\u00fcr die Abschiebung aufbringen zu m\u00fcssen oder f\u00fcr einen \u00e4u\u00dferst attraktiven Sold in einen ehrenhaften Krieg zu ziehen, entschieden sich viele f\u00fcr letzteres.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl sicher oft die Notlage potentieller Rekruten ausgenutzt wurde und sich auch mehrere Minderj\u00e4hrige unter den Gefallenen nachweisen lassen, kann man trotzdem nicht von Zwangsrekrutierungen sprechen. So wurden Freiwillige, auch nachdem sie bereits unterzeichnet hatten, meistens wieder aus dem Dienst entlassen, wenn Familienangeh\u00f6rige dies nachdr\u00fccklich forderten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rekruten erhielten eine kurze milit\u00e4rische Ausbildung von zwei bis vier Wochen und wurden dann direkt nach Syrien an die Front geschickt, wo sie bei den schweren K\u00e4mpfen 2015, 2016 entscheidend mit dazu beitrugen Assads wankendes Regime zu st\u00fctzen. W\u00e4hrend ihres Einsatzes in Syrien wurden einige auch an russischen schweren Waffen wie Artillerie und Panzern ausgebildet. Bei den russischen Ausbildern handelte es sich wahrscheinlich um Wagner-S\u00f6ldner, da sich offiziell keine russischen Truppen in Syrien befanden. Andere wurden von libanesischen Hisbollah-K\u00e4mpfern gezielt f\u00fcr den H\u00e4userkampf als Scharfsch\u00fctzen geschult.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entgegen der urspr\u00fcnglichen Propaganda beschr\u00e4nkte sich ihr Einsatz allerdings nicht auf den Schutz der heiligen St\u00e4tten bei Damaskus. Sie k\u00e4mpften \u00fcberall, wo sie gebraucht wurden, darunter in einigen der h\u00e4rtesten Schlachten des gesamten Krieges wie in Palmyra und Deir Ezzor. Dabei wurden sie oft als Sto\u00dftruppen eingesetzt, um wichtige feindliche Positionen zu erobern, die dann der syrischen Armee \u00fcbergeben wurden. Als sehr vorteilhaft erwies sich auch, dass sie keine Beziehungen zu den lokalen Netzwerken aus Clans, Gro\u00dffamilien und anderen lokalen Gruppen hatten, die oft zur Kollaboration mit dem Gegner f\u00fchrten, bis zum \u00dcberlaufen ganzer Truppenteile. Wie bei vielen klassischen S\u00f6ldnerformationen war auf sie als Fremde einfach mehr Verlass. Man \u00fcbergab ihnen deshalb auch oft wichtige Stellungen, die von syrischen Regierungstruppen eventuell aufgegeben worden w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Verluste waren entsprechend hoch. Offiziell wurde zwar lediglich der Tod von 900 &#8222;M\u00e4rtyrern&#8220; best\u00e4tigt. Sch\u00e4tzungen gehen aber von mindestens 2.000 Gefallenen und .8.000 Verwundeten aus. Ali-Reza Tavassoli der Gr\u00fcnder und erste Kommandeur der Division fiel bereits im Februar 2015 in Daraa in S\u00fcdsyrien. Er wurde mit einer gro\u00dfen Zeremonie als M\u00e4rtyrer in Iran beigesetzt. Das Kommando der Division wurde anschlie\u00dfend von iranischen Offizieren der Revolutionsgarde \u00fcbernommen. Auch die Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Anzahl der rekrutierten K\u00e4mpfer gehen weit auseinander. Al Jazeera ging 2018 von gut 20.000 aus. Es gibt aber auch durchaus ernst zu nehmende Artikel die 50.000 f\u00fcr realistisch halten, was bei den hohen Verlusten, einer Kampfkraft von \u00fcber 10.000 Mann und dem langen Einsatz (2013-2017) durchaus Sinn macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verluste wurden durch neue afghanische Rekruten mehr als ausgeglichen und St\u00e4rke und Bedeutung der Fatemiyoun Division wuchsen. Die Werbung wurde erst im November 2017 eingestellt, nachdem Irans Pr\u00e4sident Hassan Rouhani offiziell den Sieg \u00fcber ISIS erkl\u00e4rt hatte. Anschlie\u00dfend wurde die Einheit durch die Entlassung unerw\u00fcnschter Soldaten verkleinert, allerdings nicht vollst\u00e4ndig aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"324\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_2018.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1417\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_2018.jpg 640w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/fatemiyoun_2018-300x152.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fatemiyoun K\u00e4mpfer 2018<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Zeit, in der Stellvertreterkriege (Proxy-Wars) popul\u00e4rer sind als je zuvor, ist eine bew\u00e4hrte Einheit wie die Fatemiyoun Division \u2013 und sei es nur als Kader &#8211; f\u00fcr Iran ein ideales Werkzeug. Iran kann allein mit ihrer Pr\u00e4senz drohen oder auch aktiv in Konflikte im Golan, dem Libanon, Yemen oder Afghanistan eingreifen ohne selbst offiziell darin verwickelt zu werden. Wie viele traditionelle S\u00f6ldnereinheiten k\u00f6nnte die Division sogar auch bei inneren Unruhen in Iran verwendet werden. W\u00e4hrend der j\u00fcngsten Unruhen wurde von der Opposition behauptet, dass einige tausend &#8222;afghanische S\u00f6lnder&#8220; (i.e. K\u00e4mpfer der Fatemiyoun Division) nach Isfahan verlegt worden seinen, um die dortigen Proteste zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gro\u00dfteil der K\u00e4mpfer ist anscheinend inzwischen nach Afghanistan zur\u00fcckgekehrt und schl\u00e4gt sich dort \u00e4u\u00dferst bescheiden durch. Die gro\u00dfartigen Versprechungen von permanenten Aufenthaltsgenehmigungen scheinen nur in Einzelf\u00e4llen eingel\u00f6st worden zu sein. Die Heimkehrer sind in Afghanistan \u00e4u\u00dferst ungern gesehen und m\u00fcssen jede Organisation oder Treffen vermeiden, da die herrschenden Taliban Veteranen der Fatemiyoun Division als F\u00fcnfte Kolonne Irans betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die milit\u00e4rische Rekrutierung von Fl\u00fcchtlingen und Emigranten ist absolut nichts Neues sondern zieht sich durch die gesamte S\u00f6ldnergeschichte wie ein roter Faden. In der gro\u00dfen Zeit der Nationalstaaten und Ideologien hatte man zwar etwas Abstand davon genommen, da man ja \u00fcber Massen an Patrioten als Kanonenfutter verf\u00fcgte. Doch nachdem diese inzwischen weltweit knapp geworden sind, greift man \u00fcberall wieder auf altbew\u00e4hrte Methoden zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei all dem Zynismus der diesen Praktiken zugrunde liegt, scheint es geradezu beruhigend, dass selbst ein ultrakonservatives Land wie Iran von der Moderne nicht verschont wird. Hatte man dort noch im Irak-Iran-Krieg (1980-88) zigtausende Kindersoldaten mit Paradiesschl\u00fcsseln ausger\u00fcstet und als Minenr\u00e4umer verheizt, so schreckt man heute \u2013 ganz wie im dekadenten Westen und in Russland &#8211; vor unpopul\u00e4ren Rekrutierungen zur\u00fcck und schickt statt dessen S\u00f6ldner an die Front.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tobias Schneider<br>The Fatemiyoun Division. Afghan Fighters in the Syrian Civil War<br>Middle East Institute 2018<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ahmad Shuja Jamal<br>The Fatemiyoun Army: Reintegration into Afghan Society<br>United States Institute of Peace 2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lars Hauch<br>Understanding the Fatemiyoun Division: Life Through the Eyes of a Militia Member<br>Middle East Institute 2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Basil Nicobin<br>Afghan Shia Fighters in the Syrian Conflict. An empirical study on Fatamiyyon Corps\u2019 rise and involvement in the Syrian civil war<br>Oslo 2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. G\u00f6ktu\u011f S\u00f6nmez<br>Foreign Shiite Fighters in the Syrian Civil War: Actors, Recruitment Strategies and Iran\u2019s Regional Role<br>Journal of Security Studies. Year: 24 Volume: 24 Issue: 1 December 2022 p.158-173<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irans Kanonenfutter in Syrien.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1411,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,138],"tags":[143,145],"class_list":["post-1410","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-gegenwart","tag-migration","tag-syrien"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Fatemiyoun Division - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-fatemiyoun-division\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Fatemiyoun Division - 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