{"id":1318,"date":"2024-11-06T12:27:38","date_gmt":"2024-11-06T12:27:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1318"},"modified":"2025-01-24T17:03:03","modified_gmt":"2025-01-24T17:03:03","slug":"kamikaze-brown","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/kamikaze-brown\/","title":{"rendered":"Kamikaze Brown"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Gesch\u00e4fte und Abenteuer des Jean Zumbach.<\/h5>\n\n\n\n<p>Joseph Conrad h\u00e4tte an seinem Landsmann Jean Zumbach sicher seine Freude gehabt. Wie Kurtz seine ber\u00fchmteste Figur war auch Zumbach ein Produkt, das ganz Europa hervorgebracht zu haben schien. Er war Schweizer von der Abstammung her, Pole von Geburt und Erziehung, englischer Offizier, franz\u00f6sischer Wahlb\u00fcrger, internationaler Waffenschieber und S\u00f6ldner in verschiedenen Afrikanischen Staaten. Als ihn einmal der Oberkommandierende Biafras nach seiner Nationalit\u00e4t fragte, antworte er nicht ohne Witz, er sei &#8222;von internationaler Nationalit\u00e4t&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumbach wurde 1915 in Polen geboren. Da sein Vater jedoch Schweizer war erhielt auch er die Schweizer Staatsb\u00fcrgerschaft. Aus diesem Grund war er zumindest in Polen vom Milit\u00e4rdienst befreit. Als Heranwachsender entwickelte er jedoch eine ausgepr\u00e4gte Leidenschaft f\u00fcr die Fliegerei, und da das Milit\u00e4r so ziemlich der einzige Weg war, wie ein junger Mann Pilot werden konnte, frisierte er ein wenig seine Papiere und meldete sich als guter Pole freiwillig. Bei der Armee musste er erst eine Zeit als Infanterist ableisten, bevor es ihm gelang, in der Fliegeroffiziersschule aufgenommen zu werden. Dort erhielt er dann noch eine \u00e4u\u00dferst gr\u00fcndliche Vorkriegsausbildung, der er im Weltkrieg wahrscheinlich sein Leben verdankte. Zuerst n\u00fctzte sie ihm jedoch wenig. Als der Krieg ausbrach, kurierte er gerade sein Bein, das er sich bei einem Flugunfall gebrochen hatte. Allerdings waren auch seine Kameraden nicht viel besser dran, da die Luftwaffe einen Gro\u00dfteil der polnischen Flugzeuge bereits am ersten Kriegstag am Boden vernichtet hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"340\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-wwii.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1321\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-wwii.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-wwii-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zumbach als Pilot der RAF<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Polen versank im Chaos und Zumbach befand sich bald auf der Flucht nach Rum\u00e4nien. Viele Soldaten der geschlagenen Armee, die es noch \u00fcber die Grenze geschafft hatten, versuchten den Schwarzmeerhafen Konstanza zu erreichen, um sich von dort aus den Westalliierten anzuschlie\u00dfen. Diese hatten auch schon Schiffe organisiert, mit denen die Polen nach Beirut transportiert wurden. Dort suchten sich Franzosen und Engl\u00e4nder dann diejenigen aus, f\u00fcr die sie Verwendung zu haben glaubten. So erhielten die Engl\u00e4nder zum Beispiel die Bomberbesatzungen, w\u00e4hrend die Jagdflieger nach Frankreich gingen, wo sie im November 1939 ankamen. Sie rechneten nun fest damit, endlich ihre F\u00e4higkeiten unter Beweis stellen und sich f\u00fcr die Niederlage ihres revanchieren zu k\u00f6nnen. Doch daraus wurde nichts. In Frankreich herrschten &#8211; zumindest nach Zumbachs Auffassung &#8211; Nachl\u00e4ssigkeit und Inkompetenz, und als der deutsche Angriff dann kam, l\u00f6ste sich auch hier jede Organisation im Chaos auf. Bald waren die Polen wieder auf der Flucht. Diese mal kamen sie mit einem Schiff von Bordeaux nach England.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch hier sollten sie nicht gleich zum Einsatz kommen. Erst einmal mussten sie sich an die neuen Maschinen gew\u00f6hnen, rudiment\u00e4res Englisch pauken und sich mit Ma\u00dfeinheiten wie &#8222;Fu\u00df&#8220;, &#8222;Gallonen&#8220; und &#8222;Meilen&#8220; vertraut machen. Die Luftschlacht um England war bereits seit einem Monat entbrannt, als sich die Regierung in h\u00f6chster Not endlich dazu durchringen konnte, die Polen zum Einsatz zu bringen. Sie schlugen sich hervorragend und Zumbach allein brachte es auf dreizehn best\u00e4tigte Absch\u00fcsse. Danach wurde es ruhiger, sie flogen Geleitschutz f\u00fcr britische Bomber, bildeten neue Piloten aus und machten Jagd auf V1. Dennoch machte Zumbach Karriere. Polen hatte er als einfacher Leutnant verlassen; im Laufe des Krieges stieg er bis zum Oberst und Geschwaderkommandeur. Seine Abschussliste konnte er zwar nicht mehr erweitern, aber ansonsten hatte er eine sch\u00f6ne Zeit. Er war ein Held, Whisky und Wodka flossen in Str\u00f6men und die englischen Frauen waren Abenteuern nicht abgeneigt. Seinen Sold besserte er sich dadurch auf, indem er auf seinen Dienstfl\u00fcgen f\u00fcr einen polnischen Juden Diamanten schmuggelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende kam mit dem Frieden. Zumbach und seine Kameraden mussten schnell feststellen, dass die Engl\u00e4nder nun einfach andere Sorgen und nicht besonders dankbar waren. Polen hatten sie an Stalin verschachert, und einige der polnischen Piloten, die heimgekehrt waren, waren dort als britische Spione im Gef\u00e4ngnis gelandet. Wahrscheinlich h\u00e4tte sich Zumbach auch einb\u00fcrgern lassen k\u00f6nnen, aber zum Gl\u00fcck hatte er ja noch die Schweizer Nationalit\u00e4t. Nachdem er einen nagelneuen Schweizer Pass erhalten hatte, bedankten sich die Engl\u00e4nder mit einer Eisenbahnkarte bis zur Schweizer Grenze und gaben ihm noch drei Tage um das Land zu verlassen, das er nat\u00fcrlich jederzeit wieder mit einem Touristenvisum betreten d\u00fcrfe, wie ihm versichert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl er diese Ereignisse in seinen viel sp\u00e4ter geschriebenen Erinnerungen nur kurz mit dem ihm \u00fcblichen Zynismus streift, kann man annehmen, dass sie ihn hart getroffen haben. Schlie\u00dflich war er ein Held und viele seiner Kameraden hatten f\u00fcr England ihr Leben gegeben. Nun wurde er als Dankesch\u00f6n ohne jede Sentimentalit\u00e4t aus dem Land geworfen. Wenn man sich fragt, wie ein hoch dekorierter Fliegeroffizier S\u00f6ldner werden konnte, wird man neben seiner ausgepr\u00e4gten Abenteuerlust wohl hier nach den Ursachen suchen m\u00fcssen. Denn schlie\u00dflich war er bei seinem Abschied bereits als solcher behandelt worden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"560\" height=\"302\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-beechcraft.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1325\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-beechcraft.jpg 560w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-beechcraft-300x162.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zumbach als Schmuggler<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck musste er sich im Gegensatz zu vielen anderen entlassenen Offizieren zun\u00e4chst keine materiellen Sorgen machen, denn er hatte sich von seinen kleinen Transportgesch\u00e4ften einiges zur\u00fccklegen k\u00f6nnen. Dennoch war es kein Wunder, dass er diese Kontakte weiter intensivierte. Und in dem chaotischen Nachkriegseuropa gab es viel am Zoll vorbei zu transportieren. Um diesem Bed\u00fcrfnis nachzukommen gr\u00fcndete er mit ein paar alten Kameraden ein Lufttaxiunternehmen. Bald flogen sie britische Pfundnoten &#8211; darunter viele gef\u00e4lschte aus den Druckereien der Nazis -, alte Wertpapiere und schweizer Uhren nach England, illegale Einwanderer nach Israel und Gold nach Pal\u00e4stina. Zumbach nannte es Parallelhandel. Dazwischen bef\u00f6rderten sie die ersten reichen englischen Touristen nach Korsika. Die Gesch\u00e4fte gingen gl\u00e4nzend und bereits Ende 1947 waren alle vier Teilhaber von &#8222;Flyaway Ltd.&#8220; Million\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie h\u00e4tten sich nun eigentlich zur Ruhe setzen k\u00f6nnen. Aber dazu f\u00fchlten sie sich noch zu jung. Wahrscheinlich lockte neben dem schnellen Geld auch der mit dem Abenteuer verbundene Nervenkitzel. Und so kamen mit dem Leichtsinn bald die ersten R\u00fcckschl\u00e4ge. Transporte gingen verloren, oder wurden vom Zoll aufgegriffen. Nach den ersten Verhaftungen mussten immense Zollstrafen entrichtet werden, und bald war die Flyaway Ltd bankrott. Zumbach blieben lediglich einige Ersparnisse, mit denen er etwas sp\u00e4ter eine Diskothek er\u00f6ffnete. Wieder entwickelte sich das Gesch\u00e4ft hervorragend. Das Leben wurde ruhiger; Zumbach setzte langsam Speck an und heiratete.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Leben verlief angenehm und ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme. Man kann deshalb annehmen, dass ihn mehr die Langeweile plagte, als Ende 1961 ein fl\u00fcchtiger Bekannter mit ihm Kontakt aufnahm. Er wurde gefragt, ob er f\u00fcr den neu gegr\u00fcndeten Staat Katanga eine Luftfahrtgesellschaft aufbauen k\u00f6nne; das Gehalt sollte 3.000$ im Monat betragen. Nun Zumbach hatte sogar eine eigene Gesellschaft besessen; er kannte unternehmungslustige Piloten und Techniker, wusste, wo man g\u00fcnstig gebrauchte Flugzeuge besorgen konnte, und war auch bestens in der Problematik von Zollformalit\u00e4ten bewandert. Also reiste er kurz darauf nach Genf, um dort den Pr\u00e4sidenten Moise Tschombe zu treffen. Wenn er vorher noch Zweifel bez\u00fcglich des geplanten Unternehmens gehabt haben sollte, so wurden diese nun schnell beseitigt, als er las, dass er neben dem Transport von Flugzeugen vor allem Piloten mit Kriegserfahrung anwerben sollte. Er hatte in seinem Leben genug Schwarzh\u00e4ndler und Betr\u00fcger getroffen, und so durchschaute er auch schnell einen Teil der windigen Gesch\u00e4fte, mit denen Tschombe seine schweizer Konten f\u00fcllte. Obwohl auch ein wenig vom Freiheitskampf Katangas und Demokratie gesprochen wurde, ging es allein um Bergbaukonzessionen, Macht und Geld.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"411\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-tschombe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1323\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-tschombe.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-tschombe-300x247.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zumbach mit Tschombe<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dennoch lie\u00df sich Zumbach nicht aufhalten. Er nannte sich jetzt den konspirativen Umst\u00e4nden entsprechend &#8222;John Brown&#8220;, rekrutierte zwei polnische Fliegerkameraden und machte sich nach einigen Verz\u00f6gerungen &#8211; Tschombe zahlte nur \u00e4u\u00dferst widerwillig &#8211; auf den Weg in den Kongo. Die Flugzeuge, einige Harvard T-6, wurden nach Lissabon geflogen und von dort per Schiff nach Luanda in Angola transportiert. In Luanda mussten die Maschinen wieder zusammengebaut und dann in Etappen nach Kolwesi geflogen werden. Der II. Weltkrieg, den Zumbach ja auch nicht als Infanterist mitgemacht hatte, lag inzwischen viele Jahre zur\u00fcck, und so hatte er deutliche Probleme mit den H\u00e4rten des S\u00f6ldnerlebens. Am Ende eines schwei\u00dftreibenden Arbeitstages gab es in den portugiesischen Hotels oft kein Wasser, das Bier war warm und auch die K\u00fcche lie\u00df zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu seiner Erleichterung wurde dies in Kolwesi dann besser. Tschombe hatte f\u00fcr den Kommandeur der katangesischen Luftstreitkr\u00e4fte eine Villa mit einigen Hausangestellten zur Verf\u00fcgung gestellt. Hier konnte nun &#8222;Mister Brown&#8220; mit seiner Arbeit beginnen. Um Tschombes Minister und Gener\u00e4le zufrieden zu stellen, flog er mit einem zweimotorigen Passagierflugzeug &#8211; eine Dove &#8211; einige relativ nutzlose Eins\u00e4tze gegen vermeintliche Truppen der Zentralregierung. Dabei feuerten seine Bordsch\u00fctzen einfach mit einem MG aus der offenen Kabinent\u00fcr oder kippten selbst gebastelte Bomben in den Busch. Haupts\u00e4chlich k\u00fcmmerte er sich jedoch um die Rekrutierung weiterer Piloten, einiger polnischer Mechaniker und die Anschaffung neuer Flugzeuge. Als erfahrener Schmuggler und Schwarzh\u00e4ndler bemerkte er schnell, dass beim Kauf von Kriegsmaterial das ganz gro\u00dfe Geld zu holen war. Sein offizielles Gehalt war nicht viel mehr als ein Trinkgeld; denn durch seinen Anteil an den Aufschl\u00e4gen der Waffenh\u00e4ndler konnte er schnell Millionen verdienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also k\u00fcmmerte sich Mister Brown um den Ausbau der Luftflotte und sorgte daf\u00fcr, dass er selbst nicht dabei zu kurz kam. Dazwischen organisierte er und flog auch selbst zunehmend Eins\u00e4tze zur Unterst\u00fctzung der wei\u00dfen S\u00f6ldner und der Katanga-Gendarmen. Seinen &#8222;Job&#8220; scheint er dabei durchaus mit einem gewissen Stolz auf Professionalit\u00e4t erledigt zu haben. Es ist verst\u00e4ndlich, dass er nicht gerade ein schlechtes Gewissen hatte, wenn er sich an den Waffenschiebereien bereicherte; schlie\u00dflich taten Tschombe und seine Minister das gleiche. Allerdings klingt es doch etwas heuchlerisch, wenn er in seinen Erinnerungen mehrmals auf Massaker verweist, die Tschombes Truppen im Busch ver\u00fcbten, dagegen selbst bei der Beschreibung eines Tieffliegerangriffs regelrecht ins Schw\u00e4rmen kommt: &#8222;Bordwaffenbeschuss wie damals bei der Landung 1944 in der Normandie.&#8220; Hier wird seine S\u00f6ldnermentalit\u00e4t \u00fcberdeutlich. Als ihm schon lange klar geworden war, dass der Krieg um Katanga nicht mehr zu gewinnen war, flogen er und seine M\u00e4nner immer noch ihre t\u00f6dlichen Eins\u00e4tze. Das Gemetzel, das sie damit anrichteten, scheint sie nicht im geringsten gek\u00fcmmert zu haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"385\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/kongo-bordschutze.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1326\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/kongo-bordschutze.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/kongo-bordschutze-300x231.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">improvisierte Bewaffnung im Kongo<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Allerdings konnte auch Zumbachs Luftflotte das Ende nur hinausz\u00f6gern. Katanga lebte haupts\u00e4chlich von der Ineffizienz der UNO, und je mehr man sich dort zu einer h\u00e4rteren Gangart durchringen konnte, desto mehr Terrain ging verloren. F\u00fcr Browns S\u00f6ldner wurde es brenzlig als die UNO schlie\u00dflich einige schwedische SAAB-Jagdbomber zum Einsatz brachte. Diese verzichteten zwar darauf, die S\u00f6ldner in ihren veralteten T6 abzuschie\u00dfen, zerst\u00f6rten dann aber alle Maschinen mit einigen \u00dcberraschungsangriffen am Boden. Als dann auch noch UN-Bodentruppen immer weiter vorstie\u00dfen und Katanga nicht mehr zu halten war, setzte sich Zumbach Anfang 1963 mit seinen M\u00e4nnern nach Angola ab. Der Krieg war vorbei und f\u00fcr Zumbach ging es nun darum die Ernte einzufahren. Doch da hatte er die Rechnung leider ohne den Wirt gemacht. Viele von Tschombes Schecks waren nicht gedeckt, und Zumbach blieb sogar auf einigen unbezahlten Rechnungen sitzen. Die n\u00e4chsten Jahre verwendete er nun betr\u00e4chtliche Energien darauf, seine Forderungen von Tschombe einzutreiben. Doch der sa\u00df sicher in Madrid im Exil und dachte gar nicht daran, von den Millionen auf seinen Schweizer Konten etwas abzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Zumbach also seinem Geld hinterher jagte, handelte er nebenbei mit gebrauchten Flugzeugen und pflegte in den Bars von Paris alte Kontakte. Er galt in S\u00f6ldnerkreisen als \u00e4u\u00dferst erfahrener Mann. So konnte es nicht ausbleiben, dass man ihm mehr oder weniger nebul\u00f6se Projekte im Jemen, wo einige der Kongos\u00f6ldner zum Einsatz kamen, oder im Sudan unterbreitete. Als ihn dann im Mai 1967 ein fl\u00fcchtiger Bekannter nach einem gebrauchten Bomber fragte, war dies f\u00fcr Zumbach durchaus kein ungew\u00f6hnliches Gesch\u00e4ft. Da auf einigen Flugfeldern in Frankreich immer noch genug Restbest\u00e4nde des II. Weltkrieges standen, war es f\u00fcr Zumbach ein leichtes eine ausgemusterte B-26 zu organisieren und auf diese Weise schnell 10.000$ zu verdienen. Dabei h\u00e4tte er es eigentlich bewenden lassen k\u00f6nnen. Aber wahrscheinlich plagte ihn wieder die Langeweile, denn er war dann auch sehr leicht dazu zu \u00fcberreden die Maschine von Lissabon aus nach Biafra zu fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Biafra, die reiche \u00d6lprovinz Nigerias, hatte kurz zuvor seine Unabh\u00e4ngigkeit erkl\u00e4rt hatte. Seine Einwohner, die vorwiegend christlichen Ibos, die als besonders gesch\u00e4ftst\u00fcchtig und gut ausgebildet galten, r\u00fcsteten sich nun unter der F\u00fchrung von Oberst Ojukwu zum Kampf gegen die erdr\u00fcckende \u00dcbermacht der anderen St\u00e4mme. Die B-26 sollte dabei sozusagen den Grundstein einer eigenen Luftwaffe bilden. Zumbach hatte inzwischen die 50 zwar deutlich \u00fcberschritten, trotzdem ging er nach seiner Ankunft in Enugu der Hauptstadt Biafras ohne langes Z\u00f6gern auf Ojukwus Angebot ein, mit der Maschine auch Kampfeins\u00e4tze zu fliegen und dabei einheimische Piloten auszubilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war also wieder im Gesch\u00e4ft und genoss mit sichtlichem Vergn\u00fcgen den alt vertrauten Nervenkitzel nach den ruhigen Jahren in seiner Diskothek am Champs-Elys\u00e9e. Bei einem ersten \u00dcberraschungsangriff auf den nigerianischen Milit\u00e4rflughafen Makurdi konnte er dort betr\u00e4chtliche Sch\u00e4den anrichten und wurde in Biafra als Held gefeiert. Sein Luftwaffe wuchs um eine Dove und eine alte DC3; sp\u00e4ter kam noch eine zweite B-26 hinzu. Doch alle Maschinen waren nur provisorisch bewaffnet und mussten selbst gebastelte Bomben abwerfen. Dennoch st\u00fcrzte sich Zumbach mit Begeisterung in sein &#8222;letztes afrikanisches Abenteuer&#8220;, wie er es nennt, und erwarb sich bei seinen verwegenen Eins\u00e4tzen den Beinamen &#8222;Kamikaze Brown&#8220;. Wie die wenigen anderen S\u00f6ldner, die nach ihm kamen und es zumindest ein paar Monate in Biafra aushielten, entwickelte auch er starke Sympathien f\u00fcr die tapferen und disziplinierten Ibos. Ganz im Gegensatz zu Tschombe sah er in Ojukwu einen Staatschef, dem das Wohl seines Volkes wirklich am Herzen lag. Au\u00dferdem war es f\u00fcr ihn mal wieder ein hervorragendes Gef\u00fchl, von der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr seine Heldentaten gefeiert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"356\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-biafra.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1328\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-biafra.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-biafra-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zumbach mit seiner B26 in Biafra<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dennoch wurde er bald wieder mit den Realit\u00e4ten des Krieges, d.h. den dahinter liegenden Gesch\u00e4ften konfrontiert. Bei einer Reise nach Paris, um dringend ben\u00f6tigte Ersatzteile zu besorgen, traf er dort eine Menge elegant gekleideter junger Ibos, die teure Sportwagen fuhren und das Geld mit vollen H\u00e4nden ausgaben. Sie warben dort f\u00fcr den Freiheitskampf ihres Volkes, sammelten Spenden und kauften Waffen. Es lag wohl in der Natur der Sache, dass die allermeisten Spenden Biafra nie erreichten und es sich bei den Waffen zum Gro\u00dfteil um total \u00fcberteuerte Ausschussware handelte. &#8222;Ich habe schon viele Strolche im Leben gesehen, diese aber widerten mich an,&#8220; schreibt Zumbach, der genug Ibos gesehen hatte, die ohne Schuhe und mit alten Jagdflinten an die Front marschiert waren. Zur\u00fcckgekehrt nach Biafra musste er zu seinem Leidwesen feststellen, dass sich an diesen Verh\u00e4ltnissen nichts \u00e4ndern lie\u00df. Denn bei den &#8222;Strolchen&#8220; in Paris handelte es sich haupts\u00e4chlich um Familienangeh\u00f6rige einflussreicher H\u00e4uptlinge, deren Loyalit\u00e4t auf diese Weise erkauft werden musste.<br><br>Seine Begeisterung f\u00fcr die Sache Biafras hatte aber wahrscheinlich einen entscheidenden D\u00e4mpfer bekommen. Als er dann noch feststellen musste, dass seine Bombardierungen im Buschkrieg nur von \u00e4u\u00dferst begrenzter Wirkung waren, beschloss er, seine Zelte abzubrechen. Er hatte inzwischen einige Ibos ausgebildet und au\u00dferdem von seiner letzten Parisreise den franz\u00f6sischen Piloten Jean Bonnel, der nun sein Nachfolger wurde. Wieder in Paris versuchte Zumbach noch eine gewisse Zeit Material und S\u00f6ldner f\u00fcr Biafra zu organisieren, musste aber bald feststellen, dass es da zu viele m\u00e4chtige Leute gab, die ihn nicht an ihren eintr\u00e4glichen Pfr\u00fcnden teilhaben lassen wollten. Also verfolgte er das langsame Sterben und das Ende Biafras in der Presse.<br><br>Jean Zumbach war sicher in erster Linie ein Abenteurer. Allein aus diesem Grund war er Pilot geworden, hatte sich dann im II. Weltkrieg ausgetobt und anschlie\u00dfend ein unruhiges Leben als Schmuggler und Schwarzh\u00e4ndler gew\u00e4hlt. Am S\u00f6ldnerdienst reizte ihn zwar auch das Geld, sein Hauptmotiv war jedoch sicher, seiner ruhigen b\u00fcrgerlichen Existenz zu entfliehen. Um was es dabei ging, Politik oder Ideologien interessierten ihn dabei wenig. Er wollte fliegen, Adrenalin in den Adern haben, und dabei aus einem ganz pers\u00f6nlichem Ehrgeiz einen professionellen Job erledigen. Dabei hat er auch gut verdient; richtig reich ist er dennoch nicht geworden, &#8222;denn diese Art von T\u00e4tigkeit macht nicht die Kamikazes reich, sondern nur die Raubv\u00f6gel in den Bars und B\u00fcros;&#8220; stellte er im Alter r\u00fcckblickend fest.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gesch\u00e4fte und Abenteuer des Jean Zumbach.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1319,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[132,8],"tags":[135,134,125,124,103],"class_list":["post-1318","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-20-jahrhundert","category-artikel","tag-kongo","tag-pilot","tag-polen","tag-veteranen","tag-waffenhandel"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Kamikaze Brown - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/kamikaze-brown\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Kamikaze Brown - Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die Gesch\u00e4fte und Abenteuer des Jean Zumbach.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/kamikaze-brown\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php\/?id=100078852462894\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2024-11-06T12:27:38+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-01-24T17:03:03+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/zumbach-ft.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"admin\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"admin\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"14\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/kamikaze-brown\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/kamikaze-brown\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"admin\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/388b4cee2eb722fc8a240bd0191d3ed8\"},\"headline\":\"Kamikaze Brown\",\"datePublished\":\"2024-11-06T12:27:38+00:00\",\"dateModified\":\"2025-01-24T17:03:03+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/kamikaze-brown\\\/\"},\"wordCount\":2803,\"commentCount\":0,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#organization\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/kamikaze-brown\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2024\\\/11\\\/zumbach-ft.jpg\",\"keywords\":[\"Kongo\",\"Pilot\",\"Polen\",\"Veteranen\",\"Waffenhandel\"],\"articleSection\":[\"20. 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