{"id":1290,"date":"2024-11-05T15:25:18","date_gmt":"2024-11-05T15:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1290"},"modified":"2025-01-31T16:26:29","modified_gmt":"2025-01-31T16:26:29","slug":"oberst-max-bauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/oberst-max-bauer\/","title":{"rendered":"Oberst Max Bauer"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Ein Meister aus Deutschland.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"620\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/bauer-max.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1291\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/bauer-max.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/bauer-max-194x300.jpg 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Max Bauer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht selten lieben S\u00f6ldner &#8211; und auch Soldaten &#8211; am Krieg besonders den Kampf, die Action, das Adrenalin. F\u00fcr viele ist diese Sucht nach starken Gef\u00fchlen sogar die Hauptmotivation diesen Beruf auszu\u00fcben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch die, die ganz k\u00fchl und berechnend ihren &#8222;Job&#8220; aus\u00fcben. Man wird sie deshalb praktisch nie an vorderster Front antreffen, sondern dort, wo der Tod organisiert wird, wo man plant und Strategien entwickelt. Es bestehen wohl kaum Zweifel, dass es sich bei diesem Typus um den weitaus gef\u00e4hrlicheren handelt; allerdings zeigt er auch, wo S\u00f6ldner aus hoch entwickelten Industriestaaten &#8211; ganz anders als Adrenalinjunkies &#8211; heute noch dringend gesucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein herausragendes Beispiel dieses S\u00f6ldnertypus findet man in dem deutschen Generalstabsoffizier Max Bauer. Im Unterschied zu fast allen deutschen Offizieren, die im Ersten Weltkrieg, im Generalstab dienten, stammte Bauer aus b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen und hatte seine Karriere nicht in einem der traditionsreichen Gardekavallerieregimenter sondern wie viele Aufsteiger bei der Artillerie begonnen. Anscheinend entsprach diese T\u00e4tigkeit seinen Neigungen, denn er kam rasch voran und wurde zum ma\u00dfgeblichen Spezialisten f\u00fcr schwere Festungsartillerie. Dabei ging es nicht darum, den Einsatz einiger Gesch\u00fctze zu leiten, viel mehr mussten neue Strategien geplant und mit den Gro\u00dfen der Schwerindustrie Entwicklung und Produktion neuer Gesch\u00fctze diskutiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Stellung war Bauer oft mehr Manager und Ingenieur als Offizier und hatte bald hervorragende Beziehungen zur R\u00fcstungsindustrie. Beim Ausbruch des Krieges wurde er dann in die OHL (Oberste Heeresleitung) berufen. Als man dort nach den Materialschlachten des Jahres 1916 bemerkte, dass die deutsche Industrie diesen Anforderungen nicht gewachsen war und f\u00fcr den totalen Krieg v\u00f6llig neu organisiert werden musste, schien Bauer der passende Mann f\u00fcr diese Aufgabe. Als Mann hinter den Kulissen war er wesentlich an der Neuorganisation der R\u00fcstungsindustrie in dem so genannten Hindenburg-Programm verantwortlich. Man sollte jedoch anmerken, dass das Programm letzten Endes seine Ziele nicht erreichte, da es wie alle planstaatlichen Versuche unter allzu viel B\u00fcrokratie und Fehlplanungen litt. Dennoch wurde es bestimmend f\u00fcr Bauers Auffassungen von staatlichem Dirigismus und seiner Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch seine enge Zusammenarbeit mit der R\u00fcstungsindustrie war Bauer auch entscheidend an der Entwicklung neuer Waffen beteiligt. So kam unter seiner Regie der Flammenwerfer zum Einsatz, der schnell als eine der furchtbarsten und schrecklichsten Waffen gef\u00fcrchtet war. Wesentlich folgenreicher war allerdings noch Bauers Zusammenarbeit mit dem deutschen Chemiker Fritz Haber. Sie f\u00fchrte zur Entwicklung und schlie\u00dflich zum Gro\u00dfeinsatz von Giftgas an der Front. Haber verwandte einige der dabei gewonnenen Erkenntnisse anschlie\u00dfend bei der Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung, einem Gebiet, auf dem auch Bauer zu einem gefragten Spezialisten werden sollte. Der enge Zusammenhang beider Gebiete erscheint nicht nur aus heutiger Sicht unmenschlich und widerlich; Habers Frau beging bereits 1915 Selbstmord, nachdem alle ihre Einw\u00e4nde ignoriert worden waren. Der gro\u00dfe Forscher selbst wurde zwar nach dem Weltkrieg kurz als Kriegsverbrecher gesucht, dann aber doch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"427\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/giftgas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1296\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/giftgas.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/giftgas-300x214.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Einsatz von Giftgas<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als der Krieg dann trotz Hindenburg-Programm und Giftgas verloren ging, wurde Bauer zu einem der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der radikalen Rechten, die den Sturz der neuen republikanischen Regierung planten. W\u00e4hrend des Kapp-Putsches 1920 war Bauer Leiter der Reichskanzlei und damit einer der wichtigsten M\u00e4nner. Nach dem Scheitern des Putsches musste er deshalb erst einmal nach \u00f6sterreich ins Exil gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu vielen eher monarchistisch gesinnten Offizieren, die vor allem in der Reichswehr den Ton angaben, z\u00e4hlte Bauer zur so genannten &#8222;Konservativen Revolution&#8220;, einer sehr vielschichtigen Bewegung, die zwar Demokratie und Liberalismus vehement ablehnte, an der Restauration der Monarchie aber kein Interesse hatte. Tief beeindruckt von der Dynamik der russischen Revolution und den M\u00f6glichkeiten des Industriezeitalters plante man eine populistische Diktatur mit staatlicher Lenkung der Industrie, wof\u00fcr Bauer durch seine Stellung der der OHL ja die besten Voraussetzungen mitbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch diese Zugeh\u00f6rigkeit zur revolution\u00e4ren Rechten, ergaben sich schlie\u00dflich Verbindungen zu Sowjetrussland. Dies war sicher ungew\u00f6hnlich, aber hier wie dort sah man zumindest manchmal in den westlichen Demokratien den Hauptgegner und war auf der Suche nach neuen Verb\u00fcndeten. F\u00fcr Bauer war sicher ausschlaggebend, dass er in \u00f6sterreich in recht bescheidenen Verh\u00e4ltnissen lebte und sich recht erfolglos mit wei\u00dfrussischen Emigranten an einigen Verschw\u00f6rungen und Umsturzpl\u00e4nen in Osteuropa beteiligt hatte, wovon sein Mitarbeiter Trebitsch-Lincoln die Welt\u00f6ffentlichkeit unterrichtete. Er muss sich ein wenig wie der Prophet in der W\u00fcste gef\u00fchlt haben, und war also nicht wenig geschmeichelt als eine sowjetische Milit\u00e4rzeitschrift einige Aufs\u00e4tze von ihm &#8211; darunter einen zum Gaskrieg &#8211; abdruckte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit nicht genug folgte dann auch noch eine Einladung von Trotzki pers\u00f6nlich, in der Bauer aufgefordert wurde die Sowjetunion kennenzulernen. Es ist bis heute unklar, ob die Sowjets Bauer als Spezialisten anheuern wollten oder durch ihn nur engeren Kontakt zur deutschen Rechten und der Gro\u00dfindustrie suchten. Bauer lie\u00df sich nicht lange bitten und reiste Ende 1923 nach Moskau. Dort traf er einige bedeutende Pers\u00f6nlichkeiten, darunter auch Trotzki, den er \u00fcberschw\u00e4nglich als &#8222;geborenen milit\u00e4rischen Organisator und F\u00fchrer&#8220; lobte. Au\u00dferdem schw\u00e4rmte er von den M\u00f6glichkeiten, die sich der deutschen Industrie b\u00f6ten. Gerade hier wird deutlich, wo die gr\u00f6\u00dften Verdienstm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Milit\u00e4rberater lagen. Bei der Vermittlung von Vertr\u00e4gen wurden immer Pr\u00e4mien bezahlt, die leicht ein Vielfaches eines Beratergehalts betragen konnten. Es ist gut m\u00f6glich, dass Bauer hier einiges verdient hat, auch wenn es zu keinem Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis mit den Sowjets gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er musste sich allerdings keine gro\u00dfen Sorgen machen, denn bald nach seiner R\u00fcckkehr erhielt er ein Angebot der spanischen Regierung, als Milit\u00e4rberater in ihre Dienste zu treten. Den Kontakt hatte wahrscheinlich Hugo Stoltzenberg vermittelt. Stoltzenberg war Chemiker hatte bereits im Ersten Weltkrieg mit Haber an der Entwicklung von Chlor- und Senfgas gearbeitet und war dabei nat\u00fcrlich auch in engstem Kontakt mit Bauer gestanden. Da dem Deutschen Reich durch den Friedensvertrag von Versailles die Produktion von Giftgas untersagt war, hatte Stoltzenberg in Hamburg eine Firma zur Vernichtung von chemischen Kampfstoffen gegr\u00fcndet. Dies war allerdings reine Fassade, denn in der &#8222;Chemischen Fabrik Stoltzenberg&#8220; wurde mit heimlicher Unterst\u00fctzung der Reichswehr weiterhin geforscht und die notwendigen Grundstoffe produziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als nun das spanische Heer bei dem Versuch die Besitzungen in Nordmarokko auszudehnen 1921 bei Annual vernichtend geschlagen wurde, begannen sich die Gener\u00e4le nach neuen Methoden der Kolonialkriegsf\u00fchrung umzusehen. Dabei stie\u00dfen sie auf Stoltzenberg, dessen Firma bald in gro\u00dfem Umfang damit begann die notwendigen Chemikalien zu liefern. Zu deren Verarbeitung wurden unter Stoltzenbergs Leitung dann zwei Giftgasfabriken bei Madrid und eine bei Melilla im Norden Marokkos errichtet. Nachdem die Produktion erfolgreich angelaufen war, ben\u00f6tigte man nat\u00fcrlich noch einen erfahrenen Strategen f\u00fcr den konkreten Einsatz, und hier kam Bauer ins Spiel.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"595\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/senfgas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2858\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/senfgas.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/senfgas-252x300.jpg 252w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bauer unterhielt ein kleines B\u00fcro in Madrid, in dem er Studien zur Reform des Heeres und der R\u00fcstungsindustrie erarbeitete. Schwerpunkte waren dabei die Modernisierung der Artillerie und des Flugzeugbaus. W\u00e4hrend er f\u00fcr die Artillerie selbst Konstruktionspl\u00e4ne entwarf, arbeitete im Bereich Flugzeuge eng mit der Firma Junkers zusammen, die ihn f\u00fcr seine T\u00e4tigkeiten mit 500 Reichsmark Spesen entsch\u00e4digte. Beide Waffensysteme waren f\u00fcr den Einsatz von Giftgas geeignet und so entwickelte er gemeinsam mit Stoltzenberg Gasgranaten und Bomben. Nebenbei ergab sich sogar die Gelegenheit, die zivile Nutzung dieser Technik vorzuf\u00fchren. Anl\u00e4sslich eines Heuschreckeneinfalls in S\u00fcdspanien entwickelte er eine Strategie um Heuschrecken mit Giftgas zu bek\u00e4mpfen, f\u00fcr einen Krieger seines Schlages spielte es ja sicher keine gro\u00dfe Rolle, ob man Insekten oder feindliche Soldaten vernichtete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angeblich war der argentinische Milit\u00e4rattach\u00e9 von dem Vortrag so beeindruckt, dass er Bauer im Namen des argentinischen Landwirtschaftsministeriums einlud, um in Argentinien \u00fcber moderne Methoden der Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung zu referieren. Man kann dies jedoch f\u00fcr eine vorgeschobene Nebent\u00e4tigkeit halten, um den sch\u00f6nen Schein zu wahren. Bauer, dessen Vertrag mit der spanischen Regierung im Sommer 1925 ausgelaufen war, arbeitete bei seinem anschlie\u00dfenden Argentinienaufenthalt zwar an der Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung, erstellte aber auch Studien zur Neuorganisation und Bewaffnung des argentinischen Heeres. Dabei kamen ihm alte Kontakte zu dem dort t\u00e4tigen deutschen Milit\u00e4rberater Wilhelm Faupel, den er aus dem Generalstab im Ersten Weltkrieg kannte, zugute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Bauer noch in Argentinien arbeitete, begann die spanische Armee unter Stoltzenbergs Leitung mit dem Einsatz von Giftgas in Marokko; man kann annehmen, dass Bauer an der Entwicklung der angewandten Strategie entscheidend beteiligt gewesen war. Dabei wurde das Gas weniger direkt an der Front eingesetzt, sondern M\u00e4rkte, Oasen und D\u00f6rfer im Hinterland bombardiert. Da Senfgas auch \u00fcber die Haut aufgenommen wird, wobei es zu entsetzlichen Geschw\u00fcren kommt, richteten sich diese Angriffe gegen die Zivilbev\u00f6lkerung, die sich beim Kontakt mit Wasser und Pflanzen vergiftete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einsatz wurde seinerzeit weitgehend geheim gehalten. Im Genfer Protokoll wurde 1925 zwar die Anwendung von Giftgasen ausdr\u00fccklich verboten, in den Kolonien interessierte dies jedoch wenig, weshalb auch Italien in \u00e4thiopien 1935\/36 Giftgasbomben in gro\u00dfem Stil einsetzte. Da sich auch Frankreich inzwischen am Krieg gegen die Rifkabylen unter Abdelkrim beteiligte, hatte praktisch niemand Interesse daran die spanischen Kriegsverbrechen und die deutsche Sch\u00fctzenhilfe aufzudecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bauer konnte aber von diesen Erfolgen nicht profitieren; er war nach seiner R\u00fcckkehr aus Argentinien erst einmal arbeitslos. Auf der Suche nach neuen Einkommensquellen pflegte er einerseits die Verbindungen zu Waffenfabrikanten in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden; andererseits verfasste er milit\u00e4rtechnische Denkschriften und Studien &#8211; u.a. f\u00fcr die T\u00fcrkei -, die nat\u00fcrlich auch dazu dienten, die Produkte der R\u00fcstungsindustrie an den Mann zu bringen. Er versuchte also als Waffenlobbyist ins Gesch\u00e4ft zu kommen. Ohne feste Stelle und den damit verbundenen Einfluss war dies allerdings schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird keine gute Zeit f\u00fcr ihn gewesen sein. Er war zwar 1925 amnestiert worden, seine etablierten Kameraden bei der Reichswehr mieden aber den Umgang mit ihm. Die Republik hatte sich wirtschaftlich stabilisiert, wodurch die radikale Rechte und damit auch Bauer gewaltig an Einfluss verloren. M\u00f6glicherweise lie\u00dfen ihm seine Bekannten aus der R\u00fcstungsindustrie manchmal etwas zukommen. Dennoch waren die Aussichten d\u00fcster.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"524\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/china-bauer.jpg\" alt=\"Bauer in China 1929\" class=\"wp-image-2860\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/china-bauer.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/china-bauer-229x300.jpg 229w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bauer in China 1929<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rettung kam in Form einer chinesischen Delegation, die sich bei Ludendorff nach einem geeigneten Offizier f\u00fcr die Modernisierung des chinesischen Heeres erkundigten. Bauer war bereits 1923 \u00fcber seinen alten Freund Trebitsch-Lincoln, der sich nach China abgesetzt hatte, mit einem chinesischen Warlord in Kontakt gekommen. Allerdings war dieser gest\u00fcrzt worden, bevor es zu konkreten Vereinbarungen kam. Als nun die Vertreter der Kuomintang-Regierung auf Empfehlung Ludendorffs bei ihm anfragten, war er schnell bereit nach China zu reisen, um sich vor Ort ein genaueres Bild zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In China hatte die Kuomintang zuerst im B\u00fcndnis mit den Kommunisten die unabh\u00e4ngig in den Provinzen herrschenden Warlords bek\u00e4mpft. Nachdem diese weitgehend besiegt waren, waren die Truppen der Kuomintang \u00fcber die Kommunisten hergefallen und kontrollierten nun einen Gro\u00dfteil des Landes. Bei den dringend notwendigen Reformen von Wirtschaft und Milit\u00e4r hatten bislang auf sowjetische Berater geholfen, da die Kolonialm\u00e4chte England und Frankreich als Bedrohung empfunden wurden. Als dann mit dem Kampf gegen die chinesischen Kommunisten die sowjetischen Berater China verlassen mussten, war die Zeit f\u00fcr die Deutschen besonders g\u00fcnstig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch schien Bauers T\u00e4tigkeit erst einmal unter keinem guten Stern zu stehen. Denn kaum war er im November 1927 in Kanton angekommen, als die Regierung vor einem putschenden General fl\u00fcchten musste. Kurz darauf versuchten die Kommunisten erfolglos die Macht zu \u00fcbernehmen, und Bauer fehlte in dem Chaos \u00fcber Wochen jeder Ansprechpartner. Die \u00e4nderte sich erst, als er zum Jahresende nach Shanghai kam und dort General Chiang Kai-shek, dem neuen F\u00fchrer der Kuomintang, vorgestellt wurde. Sie scheinen sich von Anfang an verstanden und gesch\u00e4tzt zu haben. Beide waren erfahrene Offiziere, die in die Politik eingegriffen hatten; sowohl strikte Antikommunisten wie auch Feinde von Liberalismus und parlamentarischer Demokratie westlicher Pr\u00e4gung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stand Bauer zwar erst am Anfang einer gigantischen Aufgabe, er konnte sich aber der vollen Unterst\u00fctzung des Generals sicher sein. Es war eine T\u00e4tigkeit, die ganz seinen Ambitionen entsprach. Er musste sich nicht nur auf das Milit\u00e4r beschr\u00e4nken, sondern konnte auch f\u00fcr Wirtschaft, Industrie, Infrastruktur und St\u00e4dtebau planen. Nat\u00fcrlich konnte er nicht entscheiden, sondern nur Vorschl\u00e4ge erarbeiten, doch er als alter politischer Verschw\u00f6rer liebte er Visionen, von denen er einige in China realisieren wollte. Er schw\u00e4rmte bereits von einem B\u00fcndnis Chinas mit der T\u00fcrkei als Basis einer gigantischen Allianz der &#8222;unterdr\u00fcckten V\u00f6lker&#8220; &#8211; wozu nat\u00fcrlich auch Deutschland geh\u00f6rte &#8211; gegen die Versailler Siegerm\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"540\" height=\"485\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/chinesen_deutsche_industrie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2861\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/chinesen_deutsche_industrie.jpg 540w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/chinesen_deutsche_industrie-300x269.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">chinesische Delegation besucht 1928 eine deutsche Fabrik<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst unternahm er mit einem Dolmetscher einige Reisen in S\u00fcdchina um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen, dann er\u00f6ffnete er ein B\u00fcro in Nanking, von dem aus er seine Arbeit leiten wollte. Anschlie\u00dfend begab er sich mit einer chinesischen Kommission auf eine Europareise, um dort Kontakte zur Industrie zu kn\u00fcpfen aber auch dringend notwendiges Fachpersonal anzuwerben. Obwohl sich seine T\u00e4tigkeit zwar auf Deutschland konzentrierte, bereiste er auch \u00f6sterreich, die Schweiz und die Niederlande, wo er ebenfalls hervorragende Kontakte zur Industrie hatte. Neben ehemaligen Milit\u00e4rs warb er Ingenieure, \u00f6konomen, Verwaltungsfachleute und Mediziner. Insgesamt soll er \u00fcber 50 Fachleute angeworben haben, von denen sp\u00e4ter aber nicht alle in China eintrafen. Mit der Industrie verhandelte er \u00fcber die Lieferung von Maschinen, Fahrzeugen aber auch ganzer Produktionsanlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn es bei vielen dieser Projekte nie \u00fcber die Planung hinauskam, so war doch verst\u00e4ndlich, dass allein die gewaltigen M\u00f6glichkeiten, die der chinesische Markt bot, den Neid der anderen Industrienationen hervorrufen musste. Da Deutschland im Versailler Vertrag auch die Stellung von Milit\u00e4rberatern untersagt war, distanzierte sich die Reichsregierung ganz offiziell von ihm und seinen T\u00e4tigkeiten. Er selbst erkl\u00e4rte, gar nicht im Dienst der chinesischen Regierung zu stehen, sondern lediglich als Vertreter der deutschen Industrie t\u00e4tig zu sein. Damit hatte er auch nicht ganz unrecht, denn auch wenn man in Deutschland seine Gesch\u00e4fte mit gro\u00dfem Wohlwollen beobachtete, so konnte er doch mit keiner diplomatischen R\u00fcckendeckung rechnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr seine hoch fliegenden Pl\u00e4ne war er jedoch wahrscheinlich selbst. Wie schon w\u00e4hrend seiner T\u00e4tigkeit beim Hindenburg-Programm war er viel zu sehr in planstaatlichen technokratischen Ideen, verfangen, als dass er sich mit dem Machbaren h\u00e4tte zufrieden gegen k\u00f6nnen. &#8222;Ihm fehlte das gesunde Augenma\u00df f\u00fcr eine realistische Einsch\u00e4tzung&#8220;, stellte der Historiker Adolf Vogt fest. F\u00fcr Bauer war es nicht verst\u00e4ndlich, dass die deutschen Industriellen erst einmal nach dem Gewinn fragten, w\u00e4hrend er schon eine neue Weltordnung heraufd\u00e4mmern sah.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"460\" height=\"474\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/chinesen.jpg\" alt=\"von Deutschen ausgebildete chinesische Truppen\" class=\"wp-image-2862\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/chinesen.jpg 460w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/chinesen-291x300.jpg 291w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">von Deutschen ausgebildete chinesische Truppen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wirtschaftliche Aufbau Chinas wurde f\u00fcr ihn zu seinem wichtigsten Anliegen. Als Chiang Kai-shek Anfang 1929 gegen einige rebellische Gener\u00e4le vorgehen wollte, widersetzte sich Bauer energisch diesen Pl\u00e4nen, da er in inneren Kriegen ein Haupthindernis f\u00fcr die dringend ben\u00f6tigten ausl\u00e4ndischen Investitionen sah. Erst als Chiang Kai-shek auf dem Feldzug bestand, entwarf Bauer widerwillig den Operationsplan. Diesen scheint er dann jedoch \u00e4u\u00dferst gekonnt umgesetzt zu haben, denn der Korrespondent der Times berichtete, dass der Feldzug die Schule des preu\u00dfischen Generalstabs erkennen lasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da er ja offiziell kein Berater war, begleitete Bauer die Truppen als Kriegsberichterstatter. Nach wenigen Wochen war der Feldzug siegreich abgeschlossen. Bauer konnte sich des Erfolges jedoch nicht mehr erfreuen, da er sich an den Pocken infiziert hatte, an denen er wenige Wochen sp\u00e4ter starb. Nach seinem Tod kehrten zwar die meisten der zivilen Berater, die er ins Land geholt hatte, zur\u00fcck, die Milit\u00e4rs jedoch blieben, da Chiang Kai-shek vor allen an ihren Diensten gelegen war.<br><br>Unter Bauers Nachfolgern General Georg Wetzell (1930-1934), Generaloberst Hans von Seeckt (1934-1935) und General Alexander von Falkenhausen (1935-1938) wurden mehrere chinesische Divisionen nach deutschen Vorbild ausgebildet und ausger\u00fcstet. Allerdings wurden diese Musterdivisionen dann 1937 bei den blutigen K\u00e4mpfen um Shanghai zum Gro\u00dfteil aufgerieben. Danach wurden die deutschen Milit\u00e4rberater abgezogen, da sich Hitler f\u00fcr ein B\u00fcndnis mit Japan entschlossen hatte. Lediglich einige wenige wie der SA-F\u00fchrer Walther Stennes, die in Deutschland um ihr Leben f\u00fcrchten mussten, blieben als Emigranten weiterhin im Dienste Chiang Kai-sheks.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Meister aus Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1292,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[132,8],"tags":[133,79,103],"class_list":["post-1290","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-20-jahrhundert","category-artikel","tag-china","tag-militarberater","tag-waffenhandel"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Oberst Max Bauer - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/oberst-max-bauer\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Oberst Max Bauer - Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Meister aus Deutschland.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/oberst-max-bauer\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Kriegsreisende\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php\/?id=100078852462894\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2024-11-05T15:25:18+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-01-31T16:26:29+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/bauer-max-ft.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"200\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"admin\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@Xeno78576728\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"admin\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"14\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/oberst-max-bauer\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/oberst-max-bauer\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"admin\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/388b4cee2eb722fc8a240bd0191d3ed8\"},\"headline\":\"Oberst Max Bauer\",\"datePublished\":\"2024-11-05T15:25:18+00:00\",\"dateModified\":\"2025-01-31T16:26:29+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/oberst-max-bauer\\\/\"},\"wordCount\":2739,\"commentCount\":0,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/#organization\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/artikel\\\/oberst-max-bauer\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/kriegsreisende.de\\\/geschichte\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2024\\\/11\\\/bauer-max-ft.jpg\",\"keywords\":[\"China\",\"Milit\u00e4rberater\",\"Waffenhandel\"],\"articleSection\":[\"20. 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