{"id":1260,"date":"2024-11-04T17:05:42","date_gmt":"2024-11-04T17:05:42","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1260"},"modified":"2025-01-31T16:24:25","modified_gmt":"2025-01-31T16:24:25","slug":"die-brummer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-brummer\/","title":{"rendered":"Die Brummer"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Brasiliens Fremdenlegion.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"615\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rosas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1261\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rosas.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rosas-244x300.jpg 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Juan Manuel Rosas<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Brasilien hatte man im Krieg gegen Argentinien (1826-28) mit den aus Deutschen und Iren angeworbenen Fremdenbataillonen alles andere als gute Erfahrungen gemacht. Ihre gro\u00dfe Meuterei hatte in Rio de Janeiro zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden gef\u00fchrt, und von den wenigen, die \u00fcberhaupt Richtung Front in Marsch gesetzt werden konnten, war ein guter Teil desertiert. Brasilien hatte &#8211; nat\u00fcrlich nicht nur deshalb &#8211; anschlie\u00dfend den Krieg und seine s\u00fcdlichste Provinz Uruguay verloren. Auf Dauer war aber Argentinien mit diesem Erfolg nicht zufrieden. Nach einer l\u00e4ngeren Phase der Konsolidierung strebte der m\u00e4chtige Diktator Juan Manuel Rosas danach, Uruguay, Paraguay, Bolivien und Rio Grande do Sul (Brasiliens aktuelle S\u00fcdprovinz) seinem Reich hinzuzuf\u00fcgen. Die bedrohten L\u00e4nder schlossen also eine Allianz gegen Rosas und begannen mit der Mobilisierung ihrer Armeen.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl man meinen sollte, dass Brasilien aus dem letzten Experiment seine Lehren gezogen haben sollte, kamen sogleich wieder Pl\u00e4ne zur Anwerbung einer deutschen Fremdenlegion auf den Tisch. Es gab zwar heftiger Widerstand von Seiten des Heeres und der liberalen Opposition, die in den fremden S\u00f6ldnern haupts\u00e4chlich die &#8222;Verteidiger einer despotischen Regierung&#8220; sah. Dennoch setzte sich die konservative Regierung unter F\u00fchrung des Kaisers Dom Pedro II. letzten Endes durch. Den Ausschlag gab sicher der gravierende Arbeitskr\u00e4ftemangel, der sich seit der erfolgreichen Unterdr\u00fcckung des Sklavenhandels immer st\u00e4rker bemerkbar machte. W\u00e4hrend Rosas in seinen Gauchos \u00fcber hervorragende Truppen verf\u00fcgte, wurden in Brasilien gerade die unteren Volkschichten, die ja die Masse der Soldaten stellten, dringend auf den Plantagen und im Handwerk gebraucht. Zur Abhilfe hatte man deshalb damit begonnen, auf den Azoren und Kanaren Kolonisten mit falschen Versprechungen anzuwerben. Die Regierung verteidigte die Anwerbung der S\u00f6ldner dann auch mit dem Argument, dass diese dem Land nicht nur das Leben tausender B\u00fcrger sparten, sondern danach auch als Kolonisten von unsch\u00e4tzbarem Nutzen seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende 1850 erschien deshalb Oberstleutnant Sebasti\u00e3o Rego Barros in Hamburg und begann mit der Erlaubnis des Senats mit der Werbung. Die Bedingungen waren im allgemeinen nicht schlecht. So sollte die Dienstzeit maximal vier Jahre betragen, f\u00fcr danach wurden Landschenkungen oder freie R\u00fcckfahrt und eine Gratifikation schriftlich zugesichert. Am wichtigsten war aber sicher, dass preu\u00dfische Disziplinarvorschriften gelten sollten, und nicht die brasilianischen, wo z.B. Pr\u00fcgelstrafen noch allgemein \u00fcblich waren. Aber gerade in Norddeutschland waren die \u00fcblen Gesch\u00e4ftspraktiken Major Sch\u00e4ffers, der tausende mit Betrug ins Elend gef\u00fchrt hatte, noch in allzu guter Erinnerung, und die Werber h\u00e4tten wohl keinen gro\u00dfen Erfolg gehabt, wenn nicht wenn nicht 1851 die schleswig-holsteinische Armee von Preu\u00dfen aufgel\u00f6st worden w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>In Schleswig-Holstein war es im Zuge der Nationalbewegungen zu immer st\u00e4rkeren Spannungen zwischen Deutschen und D\u00e4nen gekommen, die dann 1848 zum offenen Krieg f\u00fchrten. Autorisiert vom ansonsten relativ machtlosen Parlament in der Paulskirche hatte sich eine schleswig-holsteinische Armee aus Freiwilligen gebildet, die an der Seite Preu\u00dfens gegen D\u00e4nemark k\u00e4mpfte. Nachdem die revolution\u00e4ren Bewegungen in den verschiednen deutschen Kleinstaaten 1849 niedergeschlagen worden waren, wurden die Freikorps der schleswig-holsteinischen Armee zum letzten Sammelbecken nationalistischer Idealisten, gefl\u00fcchteter Achtundvierziger und arbeitsloser Abenteurer, die hier eine letzte Chance sahen, in einer &#8222;nationalen&#8220; Armee zu dienen. Als sich die Gro\u00dfm\u00e4chte aber auf Kosten Schleswig-Holsteins verst\u00e4ndigten, standen nicht nur die herbeigeeilten Berufsrevolution\u00e4re, sondern auch viele der einheimischen Soldaten vor dem Nichts.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"560\" height=\"389\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/emigranten-bremen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1268\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/emigranten-bremen.jpg 560w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/emigranten-bremen-300x208.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Einschiffung von Emigranten in Bremen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie so oft bildeten nun diese arbeitslosen Idealisten das Hauptreservoir f\u00fcr die Werbungen. Zu ihnen stie\u00df, was die Hansestadt Hamburg an unruhigen Elementen zu bieten hatte, und jene, die ein Abenteuer in \u00dcbersee lockte. Karl von Koseritz, der sich bereits als f\u00fcnfzehnj\u00e4hriger Gymnasiast an der badischen Revolution beteiligt hatte, schreibt: &#8222;Da gab es alte Landsknechte, die in Afrika, in Indien, in Polen, ja sogar in Spanien gedient hatten, neben blutjungen Kadetten, davongelaufenen Z\u00f6glingen von Realschulen usw. Ehemalige Offiziere dankten Gott, wenn sie Unteroffiziere wurden&#8220;. Andere wie den siebzehnj\u00e4hrigen Christoph Lenz trieb die nackte Not. Als er in Hamburg einigen bereits Geworbenen, einer &#8222;Gruppe lustiger Br\u00fcder&#8220; in die H\u00e4nde fiel, und ihm diese 25 Taler Handgeld in Aussicht stellten, sicher um es sofort gemeinsam zu vertrinken, war er schnell \u00fcberredet. Unter seinen Kameraden befand sich der Ungar Fidlidad, der aus einer \u00f6sterreichischen Artillerieeinheit desertiert war, um so nach Amerika zu kommen, oder einen gewissen v. d. Oye. Dieser stammte angeblich aus einem alten preu\u00dfischen Adelsgeschlecht, hatte bereits in der franz\u00f6sischen Fremdenlegion gegen Abd el Kader gek\u00e4mpft und sich nach seiner Heimkehr einem Freikorps in Schleswig-Holstein angeschlossen. Ein anderer war unter K\u00f6nig Otto in Griechenland gewesen. Am interessantesten fand er aber einen deutschen Mulatten, dessen Vater als schwarzer Diener am Hof des Kurf\u00fcrsten von Hessen gedient und dann eine Hofdame geheiratet hatte. Der Sohn hatte in Hamburg als Konditor gearbeitet und sprach reinstes Platt, was sp\u00e4ter besonders die Brasilianer verbl\u00fcffte, die nicht verstehen wollten, dass ein Mulatte kein Portugiesisch verstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es den preu\u00dfischen Beh\u00f6rden &#8211; und nicht nur ihnen &#8211; \u00e4u\u00dferst gelegen kam, sich auf diese Weise m\u00f6glichst vieler potentieller Unruhestifter zu entledigen, wurden den Werbungen nur selten Hindernisse in den Weg gelegt. Auf diese Weise kamen knapp 1.800 Mann zusammen, aus denen ein Infanteriebataillon mit sechs Kompanien, vier Artilleriebatterien und zwei Pionierkompanien &#8211; alle mit jeweils 150 Mann &#8211; gebildet wurden. Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dass die zuerst aufgestellten Infanteriekompanien noch zum Gro\u00dfteil aus gedienten Veteranen bestanden, die dann sp\u00e4ter bei den Pionieren nur noch 10% ausmachten. Ausger\u00fcstet waren alle mit preu\u00dfischen Uniformen, einschlie\u00dflich Pickelhaube und dem damals hochmodernen Z\u00fcndnadelgewehr. Im April 1851 begann der Transport nach Rio, wo bis zum Herbst die verschiednen Kontingente eintrafen. Dort wurden die Truppen anst\u00e4ndig untergebracht, erhielten ausreichend Verpflegung und auch den zugesagten Sold ausbezahlt. Bei dieser Gelegenheit kamen die Legion\u00e4re dann zu ihrem Spitznamen, unter dem sie noch heute ihren Platz in der brasilianischen Kolonialgeschichte haben. Ihren Sold erhielten sie in gro\u00dfen Kupferm\u00fcnzen von 40 &#8222;Reis&#8220;, die gerade f\u00fcr ein Glas Schnaps reichten. Diese M\u00fcnzen nannten sie wegen ihrer Gr\u00f6\u00dfe &#8222;Brummer&#8220;, und da das in den Kneipen anscheinend eines ihrer meistgebrauchtesten Worte war, ging der Name auf sie \u00fcber. Das ist zwar nur eine Anekdote am Rande, aber vielleicht waren ja auch die ersten &#8222;S\u00f6ldner\/Soldaten&#8220; zu ihrem Namen gekommen, als sie in byzantinischen Tavernen ihre Solidi in Wein umgesetzt hatten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"240\" height=\"240\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/brummer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1270\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/brummer.jpg 240w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/brummer-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">40 Reis: Ein Brummer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach einem kurzen Aufenthalt in Rio wurden die Truppen in die Stadt Pelotas in Rio Grande do Sul verschifft, wo sie f\u00fcr den Einsatz formiert und einge\u00fcbt werden sollten. Obwohl es sich jetzt im Unterschied zu den von Major Sch\u00e4ffer in den 20er Jahren gelieferten S\u00f6ldnern um ausgesprochen gutes &#8222;Menschenmaterial&#8220; handelte &#8211; viele waren ehemalige Soldaten und auch der Anteil an Kriminellen war gering &#8211; und die brasilianischen Beh\u00f6rden ihre Verpflichtungen einhielten, begann fast umgehend der Zerfall der deutschen Legion. Die Hauptursache hierf\u00fcr lag bei den deutschen Offizieren, die wie so oft mit Kompetenzgerangel besch\u00e4ftigt waren. So hatte der Kommandeur, Oberstleutnant v. d. Heyde &#8211; ein ehemaliger preu\u00dfischer Gardeoffizier &#8211; nach seiner Ankunft in Pelotas nichts besseres zu tun als gegen verschiedene Offiziere Ehrengerichte einzuberufen, die \u00fcber noch in Deutschland begangene Verst\u00f6\u00dfe richten sollten. Nun gab es unter all diesen Offizieren, die im 19. Jahrhundert um den Globus vagabundierten, sicher nur sehr, die nicht vor Spielschulden, den Folgen eines Duells oder einer Liebesaff\u00e4re geflohen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Heydes Gegenspieler bei diesem Irrsinn wurde sein Stellvertreter, der \u00e4u\u00dferst korrupte und bei der Truppe unbeliebte Major v. Lemmers. Heyde und Lemmers hatten sich bereits in der schleswig-holsteinischen Armee befehdet, waren getrennt angeworben worden und hatten dabei zum Teil ihren pers\u00f6nlichen Anhang mitgebracht. W\u00e4hrend Heyde die ersten Offiziere noch in Rio entlie\u00df, begann Lemmers in Pelotas mit dem Ausbau seiner Macht. Nachdem Heyde auch dort angekommen war, spitzte sich der Konflikt zu. Heyde legte daraufhin beleidigt sein Kommando nieder, nur um es einige Zeit sp\u00e4ter wieder anzutreten. Dennoch gelang es Lemmers durch fortgesetzte Intrigen beim Generalstab letztlich die Suspendierung von Heyde zu erreichen. Als sich daraufhin viele Offiziere weigerten, unter Lemmers zu dienen und seine Abl\u00f6sung forderten, wurden sie ihrer Posten enthoben und teilweise inhaftiert. Das erste Resultat dieser Kabalen war, dass nicht mehr gen\u00fcgend Offiziere \u00fcbrig waren, so dass vier Kompanien des Infanteriebataillons von Sergeanten gef\u00fchrt werden mussten. F\u00fcr Lemmers hatte das einen wahrscheinlich nicht unbeabsichtigten Nebeneffekt: Er l\u00f6ste zwei Kompanien auf und kassierte ganz im Sinne der alten Landsknechtsf\u00fchrer weiterhin das Geld f\u00fcr die volle St\u00e4rke.<\/p>\n\n\n\n<p>Wesentlich fataler war, dass sich kaum jemand um Ausbildung und Organisation der zusammen gew\u00fcrfelten Truppe k\u00fcmmerte; diese zudem durch die st\u00e4ndigen Streitereien und Kommandowechsel denkbar schlechte Vorbilder vor Augen hatten. Weitgehend auf sich gestellt widmeten sich die Legion\u00e4re ihrer Lieblingsbesch\u00e4ftigung: dem Trinken. Es blieb aber nicht dabei. Bald suchten die ersten Brummer das Weite. Als es auf dem Marsch nach Montevideo im S\u00fcden zu Versorgungsschwierigkeiten kam, wurden die Desertionen zu einem Massenproblem. Ganze Gruppen von bis zu 40 Mann schlugen sich in die B\u00fcsche und konnten manchmal nur nach kleineren Gefechten zur\u00fcckgebracht werden. Einige lie\u00dfen sich in brasilianische Truppenteile aufnehmen, und viele erkrankten durch die Hitze und die ungewohnte Nahrung. So schmolz das Infanteriebataillon ganz ohne Kampf schnell auf zwei Drittel seines Bestandes. Einige Brummer, darunter auch Offiziere, gingen zu den Argentiniern \u00fcber, da sie dort auf schnellere Karrieren hofften. Einer von ihnen, der ehemalige Maurer Heinrich Reich aus Posen brachte es dort sogar bis zum General. Die beiden Pionierkompanien der Legion schrumpften so schnell zusammen, dass sie bereits in Montevideo aufgel\u00f6st und ihre Reste auf die brasilianische Armee verteilt wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"338\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/monte-caseros.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1272\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/monte-caseros.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/monte-caseros-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schlacht bei Monte Caseros<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das brasilianische Oberkommando hatte inzwischen jedes Vertrauen in die Legion verloren. Als die Armee der Verb\u00fcndeten im Dezember die M\u00fcndung des Paran\u00e1 \u00fcberquerte und auf Buenos Aires vorstie\u00df, blieben deshalb die meisten Legion\u00e4re in Uruguay zur\u00fcck. Lediglich 100-200 Mann wurden in brasilianische Bataillone eingegliedert, und eine Kompanie von 80 Mann blieb unter der F\u00fchrung von Hauptmann Franz Josef Wildt zusammen. Wildt hatte bereits beim Krieg 1827 in den Fremdenbataillonen von Dom Pedro I. gedient und war danach in der Armee geblieben. Bei der Schlacht von Monte Caseros am 3. Februar 1852 bew\u00e4hrte sich diese Einheit dann aber hervorragend und zeigte, was die Legion unter nur halbwegs brauchbarer F\u00fchrung h\u00e4tte leisten k\u00f6nnen. Verglichen mit den Steinschlossgewehren, die nach wie vor die Hauptwaffe der s\u00fcdamerikanischen Armee waren, hatten die preu\u00dfischen Z\u00fcndnadelgewehre als Hinterlader mit gezogenem Lauf eine wesentlich h\u00f6here Feuergeschwindigkeit und eine geradezu unglaubliche Trefferquote. Damit ging die Kompanie unter Wildt gegen die feindliche Artillerie vor, erschoss deren Bedienungen und erm\u00f6glichte so den Einbruch der nachfolgenden brasilianischen Bataillone.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Sieg \u00fcber Rosas war die Legion \u00fcberfl\u00fcssig geworden, und man \u00fcberlie\u00df sie weitgehend sich selbst. Da in Uruguay und S\u00fcdbrasilien leicht Arbeit zu finden war, verringerten die Desertionen weiterhin zuverl\u00e4ssig den Bestand. Die Reste wurden mit l\u00e4ngeren Aufenthalten \u00fcber Pelotas nach Porto Alegre verlegt. Lemmers, der sich mit dem brasilianischen Verpflegungskommisar zusammengetan hatte, weitete dabei seine Unterschlagungen aus. Die meisten Soldaten hatten ihre Waffen und Teile ihrer Ausr\u00fcstung verkauft und suchten sich Nebenbesch\u00e4ftigungen, um ihren armseligen Sold aufzubessern. Die Offiziere, so weit sie \u00fcberhaupt anwesend waren, scheint das nicht weiter gek\u00fcmmert zu haben. In Porto Alegre kam dann der Gro\u00dfteil barfu\u00df und in Lumpen an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"316\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/blockschiff.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1273\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/blockschiff.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/blockschiff-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blockschiff<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Angesichts der Gleichg\u00fcltigkeit der offiziellen Stellen, kommt man nicht umhin, anzunehmen, dass diese einiges von den versprochenen Pr\u00e4mien einzusparen gedachten. Auch die Strafen f\u00fcr ertappte Deserteure waren ungew\u00f6hnlich leicht. St\u00e4ndig befand sich eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von ihnen auf einem Gefangenenschiff vor Rio Grande. Koseritz schreibt in seinen Erinnerungen dazu: &#8222;Da kochte man nach seinem Wohlgefallen, badete sich, fischte, brauchte keinen Dienst zu tun und lebte eigentlich wie unser Herrgott in Frankreich. Ich wenigstens habe auf dem Blockschiff die besten Tage meines brasilianischen Milit\u00e4rlebens zugebracht&#8220;. Gerade durch diese scheinbare Idylle sollte eigentlich deutlich werden, wie leicht S\u00f6ldner zufrieden zu stellen waren: genug zu essen und keine Schikanen und schon f\u00fchlten sie sich im Paradies. Neben den Desertionen wurde die Legion vor allem durch Krankheiten dezimiert. Erb\u00e4rmliche sanit\u00e4re Verh\u00e4ltnisse, schlechte Kleidung, unzureichendes Essen und die \u00fcblichen Alkoholexzesse forderten laufend ihre Opfer.<br><br>Nach neuen Streitigkeiten mit Major Lemmers nahmen auch noch die restlichen Offiziere im August ihren Abschied. Den Mannschaften wurde daraufhin ebenfalls die vorzeitige Entlassung angeboten, was von den meisten auch angenommen wurde. Nur etwas \u00fcber 200, die sich anscheinend wenig mit dem Zivilleben anfreunden konnten, dienten weiter in brasilianischen Einheiten. 1855 am Ende ihrer vierj\u00e4hrigen Dienstzeit wurden dann die letzten Brummer entlassen. Die brasilianische Regierung hielt sich dabei korrekt an die Vertragsbestimmungen und bot ihnen Landverschreibungen, freie \u00dcberfahrt nach Europa oder 80 Dollar in Gold. Fast alle nahmen das Geld, da sie zwar mit einem weit abgelegenen St\u00fcck Land nichts anzufangen wussten, aber dennoch in Brasilien bleiben wollten.<br><br>Milit\u00e4risch waren die Brummer zwar ohne jede Bedeutung geblieben, daf\u00fcr wurden sie als Kolonisten um so wichtiger. Der gr\u00f6\u00dfte Teil blieb im S\u00fcden und fand dort eine Besch\u00e4ftigung in Handel und Handwerk. So sollen sich in Rio Grande do Sul bis zu 1.500 Brummern angesiedelt haben. Vor allem unter den ehemaligen Achtundvierzigern befanden sich viele gut ausgebildete Leute. Auf ihre Initiative wurde die erste deutschsprachige Auswandererzeitung gegr\u00fcndet, und nach einigen Jahren stellten sie \u00fcber die H\u00e4lfte der Lehrer in den deutschen Schulen. Die Integration der abgedankten S\u00f6ldner in die brasilianische Bev\u00f6lkerung verlief ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten. Zu einem letzten Veteranentreffen im Jahr 1901 erschienen noch 15 alte Brummer unter ihnen auch Christoph Lenz, doch da war ihre Geschichte bereits weitgehend vergessen.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brasiliens Fremdenlegion.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1262,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,127],"tags":[109,128],"class_list":["post-1260","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-imperialismus","tag-emigranten","tag-lateinamerika"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Brummer - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-brummer\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Brummer - 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