{"id":1247,"date":"2024-11-04T15:49:02","date_gmt":"2024-11-04T15:49:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1247"},"modified":"2025-02-07T14:57:38","modified_gmt":"2025-02-07T14:57:38","slug":"gregor-mcgregor-und-john-devereux","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/gregor-mcgregor-und-john-devereux\/","title":{"rendered":"McGregor und D\u2019Evereux"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Dunkle Gesch\u00e4fte im Namen der Freiheit.<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den Gesch\u00e4ftemachern, Gl\u00fccksrittern und S\u00f6ldnerf\u00fchrern, die in den Wirren der lateinamerikanische Freiheitskriege ihre gro\u00dfe Chance sahen, sind der Schotte Gregor McGregor und der Ire John D\u2019Evereux sicher zwei der \u00fcbelsten Gestalten. Von den Bukanieren des 17. und den Soldatenh\u00e4ndlern des 18. Jahrhunderts unterschied sie neben ihren miserablen F\u00e4higkeiten als Truppenf\u00fchrer eigentlich nur, dass sie ihre Raubz\u00fcge und miesen Gesch\u00e4fte im Namen der Freiheit unternehmen konnten. Getrieben von Geldgier und pers\u00f6nlicher Ruhmsucht f\u00fchrten sie tausende Europ\u00e4er, darunter viele Veteranen der napoleonischen Kriege, ins Elend und in den Tod. Ihre Geschichte ist deshalb auch nur zum Teil die ihrer pers\u00f6nlichen Verfehlungen, sondern vor allem die derer, die sich von ihnen t\u00e4uschen lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"452\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/bolivar.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1248\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/bolivar.jpg 320w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/bolivar-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Simon Bolivar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in Lateinamerika hatten in Caracas als Protest gegen die Herrschaft von Napoleons Bruder Joseph begonnen. Als die Franzosen jedoch aus Spanien vertrieben worden waren, dachten einflussreiche Kreise in Caracas nicht daran, auf ihre neu gewonnene Macht zu verzichten und erkl\u00e4rten 1811 die Unabh\u00e4ngigkeit von Venezuela. Der folgende B\u00fcrgerkrieg erhielt eine entscheidende Wendung, als Spanien nach der Niederlage Napoleons frei gewordene Truppen in den Kampf werfen konnte. Simon Bolivar und seine Anh\u00e4nger wurden geschlagen und mussten in Exil gehen. Dort suchten sie nun nach Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre Sache. Das war nicht besonders schwierig, da nach Waterloo ja in ganz Europa demobilisiert wurde, wodurch nicht nur entlassene Soldaten sondern auch jede Menge \u00fcbersch\u00fcssiges Kriegsmaterial auf den Markt kam. Bald stellten Agenten der Exilregierung in europ\u00e4ischen St\u00e4dten Werbepatente aus, baten risikobereite Gesch\u00e4ftsleute um Kredite und versprachen im Gegenzug gro\u00dfz\u00fcgige Handelsprivilegien und Landzuweisungen. Einer M\u00e4nner der allerersten Stunde in diesen dubiosen Gesch\u00e4ften war McGregor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viele Schotten aus guter Familie war McGregor bereits in jungen Jahren in die britische Armee eingetreten und hatte sich dort eine Stellung als Hauptmann gekauft. Als er diese nach einem Streit mit einem Vorgesetzten aufgeben musste, wechselte er in portugiesische Dienste. Aber auch dort hatte er Probleme mit der milit\u00e4rischen Hierarchie und so kehrte er nach Edinburgh zur\u00fcck, wo er den Titel eines Grafen erbte. Nicht ganz ausgelastet reiste er nach Venezuela, wo er Oberst in der Armee der Aufst\u00e4ndischen wurde. Bei deren K\u00e4mpfen soll er sich zwar gut geschlagen haben, was aber nur seine Unruhe verst\u00e4rkte, als er sich mit ihnen geschlagen auf die Insel Margarita zur\u00fcckziehen musste. So war er nicht schwer f\u00fcr die Idee zu gewinnen, einen Handstreich auf das spanische Florida zu unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit nicht viel mehr als dieser Idee im Gep\u00e4ck erschien er 1817 in den S\u00fcdstaaten der USA. Die waren zwar nicht im Krieg mit Spanien, was aber nicht hie\u00df, dass nicht bereits begehrliche Blicke auf die benachbarten spanischen Besitzungen geworfen wurden. Es gelang McGregor deshalb einige Gesch\u00e4ftsleute f\u00fcr seine Pl\u00e4ne zu gewinnen. Er verteilte gigantische L\u00e4ndereien, die nat\u00fcrlich erst noch erobert werden mussten, gegen relativ bescheidene Investitionen in sein Unternehmen. Mit diesen Mitteln rekrutierte er ein paar hundert Abenteurer und kaufte Waffen und Ausr\u00fcstung. Tats\u00e4chlich gelang es ihm, in einem \u00dcberraschungsangriff ein kleines spanisches Fort zu nehmen und sich auf der Insel Amelia festzusetzen. Anstatt jedoch die Eroberung fortzusetzen, richtete er sich auf Amelia ein und sah sich nach neuen Geldgebern um. Als er aber niemanden zu weiteren Investitionen \u00fcberreden konnte, trat er die Insel an einen franz\u00f6sischen Freibeuter ab. Denn er hatte inzwischen von den umfangreichen Werbungen in England f\u00fcr die Sache Bolivars geh\u00f6rt und dachte, dass er daf\u00fcr genau der richtige Mann sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem er in England die Unterst\u00fctzung eines venezolanischen Exilpolitikers und eines reichen britischen Kaufmanns gewonnen hatte, begann er mit der Rekrutierung seiner Armee. Seine Werber versprachen jedem Bef\u00f6rderung, englischen Sold, reiche Pr\u00e4mien und Beuteanteile. Unter den entlassenen Veteranen hatten sie schnellen Erfolg: Engl\u00e4nder, Iren, Deutsche, Polen und Franzosen str\u00f6mten zu seinen Fahnen. Au\u00dferdem gab es nicht wenige Zivilisten, die pl\u00f6tzlich mit gro\u00dfem Bedauern festgestellt hatten, dass sie an den ruhmreichen Schlachten der napoleonischen Kriege nicht teilgenommen hatten. Da erschien so ein Feldzug f\u00fcr die Freiheit in den sonnigen Tropen gerade als das richtige Abenteuer. Dass die Spanier keine ernst zu nehmenden Gegner war, wusste man ja seit langem und hatte es gerade wieder durch die Geschichten \u00fcber den Herzog von Wellington best\u00e4tigt bekommen. McGregor wusste diese Leute zu nehmen. F\u00fcr 50,- Pfund verkaufte er ihnen Hauptmannsstellen, und f\u00fcr 150 konnte man schon Oberstleutnant werden. Stellen gab es zumindest theoretisch genug, da die Geworbenen ja als Kader einer neuen Armee dienen sollten. Um deren Eitelkeiten weiter entgegen zu kommen, pflegte McGregor guten Kontakt zu einigen Schneidern, die nat\u00fcrlich auch ein gl\u00e4nzendes Gesch\u00e4ft witterten und pr\u00e4chtige Uniformen mit bunten Tressen und goldenen Litzen entwarfen. Eine englische Zeitung bezeichnete die stolzen Offiziere als &#8222;herausgeputzte Dandys, aufgeplusterte T\u00fcrken und wandelnde Weinf\u00e4sser&#8220; und bedauerte, dass sich nicht mehr &#8222;dieser Tiere&#8220; McGregors Horde angeschlossen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend seine Agenten noch flei\u00dfig Stellen verkauften und Schiffe charterten, machte sich McGregor mit einem Vorauskommando auf den Weg nach Haiti. Aber auch dort fiel seine Truppe schnell durch Saufgelage, Streitereien und arrogantes Verhalten auf, so dass sie in einer Zeitung als &#8222;Sammlung von Gesetzlosen&#8220; beschrieben wird, &#8222;denen die englische Regierung nur die Ausreise erlaubt hatte, um die Anzahl der Bettler zu vermindern und um sich die Kosten f\u00fcr ihre Abschiebung in die australischen Strafkolonien zu sparen.&#8220; Bald begannen einige seiner unbezahlten S\u00f6ldner zu desertieren und zerstreuten sich in der Karibik. Um endlich zu Geld zu kommen beschloss er deshalb, mit den Verbliebenen auf den Spuren von Francis Drake und Henry Morgan einen Angriff auf die Hafenstadt Porto Bello an der Landenge von Panama zu unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"503\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/karibik-feier.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1253\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/karibik-feier.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/karibik-feier-300x252.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Piraten feiern in der Karibik<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Porto Bello war zwar theoretisch stark befestigt, doch inzwischen waren die Bastionen zerfallen und die Kanonen verrostet. Auch die kleine Garnison hatte nicht die Absicht f\u00fcr ein fernes Vaterland, das sie schon lange vergessen hatte, den Heldentod zu sterben, und so zog sie sich nach einer Kanonade in der folgenden Nacht zur\u00fcck. Die Briten hatten lediglich einen Toten zu beklagen und im Hafen einige reich beladene Handelsschiffe erbeutet. McGregor nahm nun die Stadt in Besitz und verfasste hochtrabende Proklamationen \u00fcber den gro\u00dfartigen Sieg der ruhmreichen Armee von Neu Granada. Seine unerfahrenen Offiziere quartierten sich derweilen bei den reichen B\u00fcrgern ein und veranstalteten dort pomp\u00f6se Diners und Siegesfeiern. Die Mannschaften suchten ihr Vergn\u00fcgen mehr zwischen den unteren Volksschichten, aber gerade dort verstand man zu feiern und der Rum floss in Str\u00f6men. Der Krieg schien ein Spaziergang und niemand k\u00fcmmerte sich um solche Banalit\u00e4ten wie Aufkl\u00e4rung oder Wachdienst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Party dauerte drei Wochen; dann war alles vorbei. Der f\u00fcr den Isthmus zust\u00e4ndige spanische General hatte ein paar hundert Freiwillige zusammengezogen und sie in Eilm\u00e4rschen durch den Dschungel herangef\u00fchrt. Als er fr\u00fch am Morgen Porto Bello \u00fcberfiel, \u00fcberraschte er die Briten in tiefstem Schlaf; viele lagen sogar total betrunken auf den Stra\u00dfen. McGregor sprang im Nachthemd aus dem Fenster, erreichte schwimmend eines der Schiffe und kappte dort mit einigen Gl\u00fccklichen das Ankertau. Seine M\u00e4nner \u00fcberlie\u00df er ihrem Schicksal. Die Spanier waren nicht gesonnen die ertappten Freibeuter als Kriegsgefangene zu behandeln und lie\u00dfen den Gro\u00dfteil als Str\u00e4flinge bei Schwerstarbeit zugrunde gehen. Erst Jahre sp\u00e4ter gelang es einem britischen Kriegsschiff die Freilassung der letzen \u00dcberlebenden zu erzwingen &#8211; da lebten noch 25.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"357\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/mcgregor.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1254\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/mcgregor.jpg 280w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/mcgregor-235x300.jpg 235w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gregor McGregor<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richtige Abenteurer zeichnen sich weniger durch ihr Feldherrentalent, als durch ihre goldene Zunge und ihre F\u00e4higkeit rechtzeitig zu entwischen aus. So hatte McGregor nach Haiti zur\u00fcckgekehrt keine gro\u00dfen Schwierigkeiten, seinen Fehlschlag auf Verrat zur\u00fcckzuf\u00fchren. Inzwischen waren aus England und Irland Verst\u00e4rkungen eingetroffen. Auch sie warteten auf die versprochenen Pr\u00e4mien und den ersten Sold. McGregor hatte schnell ein neues Ziel gefunden, mit dem er hoffte, die Forderungen seiner S\u00f6ldner befriedigen zu k\u00f6nnen. Er f\u00fchrte sie gegen Rio Hacha an der Nordk\u00fcste von Neu Granada. Ende September 1819 verlie\u00dfen 61 Offiziere, 176 Mann und 19 Frauen und Kinder auf drei Schiffen Haiti.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sturm auf die Stadt kostete zwar einige Verluste, verlief aber erfolgreich. McGregor lie\u00df sich von der Bev\u00f6lkerung, die sicher keine andere M\u00f6glichkeit hatte, als Befreier feiern und begann damit eine B\u00fcrgermiliz zu bewaffnen. Ansonsten verlief alles nach dem erprobten Muster. Die S\u00f6ldner waren fast ohne Unterbrechung betrunken und die Offiziere erwiesen sich als v\u00f6llig unf\u00e4hig auch nur eine rudiment\u00e4re Ordnung aufrecht zu erhalten. Einige wenige waren so klug und machten sich heimlich mit einem Schiff davon. Bald hatten die Einwohner die betrunkene Soldateska satt und erhoben sich gegen ihre Befreier, die zu keinem gr\u00f6\u00dferen Widerstand f\u00e4hig waren. Die Gefangenen wurden ans Meer gef\u00fchrt und gnadenlos exekutiert. Ihre Leichen lie\u00df man zur Abschreckung am Strand verrotten. McGregor hatte es allerdings wieder einmal geschafft, rechtzeitig auf einem Schiff zu entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Ruf hatte nun aber ernsthaft Schaden genommen. Er hatte insgesamt \u00fcber 2.000 Mann nach S\u00fcdamerika gef\u00fchrt, von denen nur drei bekannt sind, die ihre Heimat jemals wieder gesehen haben; einer davon war er selbst. Sogar Bolivar war jetzt bem\u00fcht ihn loszuwerden. McGregor ging daraufhin ins Kolonisationsgesch\u00e4ft und verkaufte gutgl\u00e4ubigen Siedlern in Europa Land an der Mosquitok\u00fcste. Auf diese Weise schickte er ganze Familien in den Tod. Aber die Gesch\u00e4fte wurden zunehmend schwieriger; in Paris musste er sogar einige Monate im Gef\u00e4ngnis verbringen. Als ruinierter Mann kehrte er schlie\u00dflich in ein inzwischen selbst\u00e4ndiges Venezuela zur\u00fcck und schaffte es, als ehemaliger General und Held der Revolution anerkannt zu werden. Mit der damit verbundenen Rente lebte er bis zu seinem Tod ganz anst\u00e4ndig in Caracas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend McGregor zumindest noch im Ansatz versucht hatte, die von ihm geworbenen M\u00e4nner zu f\u00fchren, beschr\u00e4nkte sich sein Konkurrent der Ire John D\u2019Evereux rein auf das Gesch\u00e4ftliche. Wegen seiner Beteiligung an einem Aufstand hatte D\u2019Evereux ins Exil gehen m\u00fcssen und war amerikanischer Staatsb\u00fcrger. Als einer der ersten S\u00f6ldnerlieferanten kontaktierte er Bolivar in Cartagena und versprach 5.000 Mann aufzustellen und auszur\u00fcsten. Daf\u00fcr erhielt er neben gro\u00dfz\u00fcgigen Land- und Soldversprechen auch ein Werbepatent und den Rang eines Generalmajors. Au\u00dferdem sollte er 175$ f\u00fcr jeden S\u00f6ldner erhalten, der in Venezuela ankam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesen Papieren ausgestattet kehrte er nach Dublin zur\u00fcck und begann mit der Aufstellung der &#8222;Irischen Legion&#8220;. Dabei ging er nach dem gleichen Muster wie McGregor vor, indem er massenweise Offiziersstellen an unerfahrene S\u00f6hne aus guten Familien verkaufte. Potentielle Rekruten gab es genug, da st\u00e4ndig entlassene Soldaten aus Frankreich zur\u00fcckkehrten. So stellten die Iren zwar den L\u00f6wenanteil, dazu kamen aber Freiwillige fast aller V\u00f6lker, die an den napoleonischen Kriegen teilgenommen hatten, und die als ehemalige S\u00f6ldner, Gepresste oder Gefangene in Gro\u00dfbritannien h\u00e4ngen geblieben waren. Wie z.B. eine Kompanie deutscher Pioniere, bei denen es sich haupts\u00e4chlich um Veteranen der &#8222;Kings German Legion&#8220; handelte. Allerdings ergab sich bald eine gewisse Konkurrenz mit McGregors Werbern, die ihre Anstrengungen auch auf die zahlungskr\u00e4ftigen Anw\u00e4rter f\u00fcr Offiziersstellen konzentrierten. D\u2019Evereux l\u00f6ste das Problem dadurch, dass er einfach noch pr\u00e4chtigere Uniformen als der Schotte in Auftrag gab. Die Gesch\u00e4fte liefen gl\u00e4nzend, so dass bis zum Herbst 1819 1.700 Mann nach Margarita geschickt werden konnten, wo die Rebellen ihre Truppen sammelten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"267\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huette.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1257\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huette.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huette-300x160.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die ersten Freiwilligen jedoch dort eintrafen, war niemand informiert und nichts vorbereitet. Es gab keine Unterk\u00fcnfte, kein Geld und kaum zu Essen. Die Patrioten hatten zu dieser Zeit selbst kaum etwas. Allerdings gibt es auch Vermutungen, dass manche der einheimischen Gener\u00e4le den Hunger gezielt einsetzten, um einige der nutzlosen Abenteurer wieder los zu werden, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Am schlimmsten war jedoch das Gelbieber, dem verst\u00e4rkt die Europ\u00e4er zum Opfer fielen. Durch das schlechte Trinkwasser verbreiteten sich Ruhr und Typhus, dazu kam der Alkohol als Allheilmittel gegen Hunger, Fieber und alle anderen Krankheiten. Nachdem den ersten das Geld ausgegangen war, begannen sie damit, Teile ihrer Uniformen und Ausr\u00fcstung zu verkaufen. Bald d\u00e4mmerte der Gro\u00dfteil in provisorischen H\u00fctten im Fieber vor sich hin. Viele starben; einige, die noch etwas Geld und Kraft hatten, verschwanden mit dem n\u00e4chstm\u00f6glichen Schiff. Die Zust\u00e4nde waren schlie\u00dflich so abschreckend, dass 40 Offiziere umgehend mit dem selben Schiff wieder nach Irland zur\u00fcckkehrten, mit dem sie gekommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang 1820 \u00fcbernahm General Montilla das Kommando auf Margarita und begann mit der Reorganisation der Truppen. Als er im M\u00e4rz mit einer 678 Mann starken Division zu einem Feldzug gegen Rio Hacha aufbrach, stellten die Iren noch ungef\u00e4hr 500 davon. Der Rest ist einstmals stolzen Legion war tot, krank, desertiert. Die Lancer, die mit 800 Mann in Margarita angekommen waren, hatten noch 260. Rio Hacha fiel diese Mal ohne Widerstand. Am Strand bleichten noch die Knochen von McGregors Expedition. General Montilla gab sich jedoch nicht mit diesem Erfolg zufrieden, sondern stie\u00df weiter ins Landesinnere vor. Die im Land lebenden Goajira Indianer standen aber treu auf der royalistischen Seite und waren gut mit Waffen ausger\u00fcstet. Sie legen Hinterhalte, bel\u00e4stigen Flanken, Nachhut und einzelne S\u00f6ldner beim Fouragieren. Beim Einmarsch in ein Dorf wurde bei einem Hinterhalt die gesamte Vorhut niedergemacht. Als dann auch noch die Nachhut das gleiche Schicksal erlitt, war die Truppe von Rio Hacha abgeschnitten und Montilla beschloss den R\u00fcckzug. Entt\u00e4uscht begannen die Legion\u00e4re nun immer hemmungsloser zu pl\u00fcndern. Die Bev\u00f6lkerung wurde dadurch an McGregors Expedition erinnert und unterst\u00fctzte die Royalisten immer offener, die nun auf dem Fu\u00df folgten. Erst nachdem die Lancer in einem Gegenangriff eine feindliche \u00dcbermacht zur\u00fcckgeworfen hatten, gelang es Rio Hacha zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"706\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/husar-boliv.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1258\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/husar-boliv.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/husar-boliv-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Husar der Legion<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Verteidigung der Stadt schlugen sich die Iren hervorragend. Als die gr\u00f6\u00dfte Gefahr aber abgewendet war, wuchs ihre Unzufriedenheit. Immer lauter verlangten sie endlich nach ihrem versprochenen Sold, griffen ihre Offiziere an und begannen in der Stadt zu pl\u00fcndern und diese in Brand zu stecken. Nachdem Rio Hacha fast vollst\u00e4ndig niedergebrannt war und viele noch ihren Rausch ausschliefen, lie\u00df Montilla 300 der schlimmsten Meuterer von den loyal gebliebenen Lancern entwaffnen und mit Schiffen nach Jamaika schicken. Dort lie\u00dfen sich viele von den britischen Kolonialtruppen anwerben, die zwar keine goldenen Berge versprachen, daf\u00fcr aber regelm\u00e4\u00dfig Sold bezahlten. Zudem war der Rum auf Jamaika besonders gut und billig. Den Rest verfrachteten die britischen Beh\u00f6rden als Kolonisten nach Kanada gebracht. Bolivar schrieb danach an Montilla, dass er froh sei diese \u00fcblen S\u00f6ldner, die erst nach Bezahlung t\u00f6ten wollten, los zu sein. Die restlichen Lancer zogen sich mit Mortillo aus Rio Hacha zur\u00fcck und beteiligen sich sp\u00e4ter erfolgreich an der Belagerung von Cartagena. Danach blieben Montilla etwa 160 Mann, wovon etwa die H\u00e4lfte Iren gewesen sein sollen. Es war das Ende der irischen Legion.<br><br>D\u2019Evereux hatte derweilen in Dublin weiter gro\u00df Hof gehalten und dabei zahlreiche Schuldscheine unterschrieben. Da aber die erwarteten Summen und die Erfolgsmeldungen aus S\u00fcdamerika ausblieben schwand auch seine Kreditw\u00fcrdigkeit. Au\u00dferdem kamen die ersten Heimkehrer aus Venezuela, die ihn als Betr\u00fcger und Feigling bezeichneten. Als ihm schlie\u00dflich der Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu hei\u00df wurde, entschloss er sich, seinen tapferen M\u00e4nnern zu folgen und sich an ihre Spitze zu setzen. Auf der Suche nach seiner Legion kam er zuerst nach Rio Hacha, doch da existierte diese l\u00e4ngst nicht mehr. Also zog er weiter nach Margarita und erschien dort in der Uniform eines Feldmarschalls und mit einem mit Juwelen besetzten S\u00e4bel. Er verstand es so ausgezeichnet sich selbst in Szene zu setzen, dass er 1821 von Bolivar im Rang eines Generalmajors beim Stab in Bogota besch\u00e4ftigt wurde. Er war nie beim Milit\u00e4r gewesen, hatte mit der Legion nur Profit gemacht, an keinem ihrer K\u00e4mpfe teilgenommen und es trotzdem geschafft, dass man ihn schlie\u00dflich als &#8222;den Lafayette S\u00fcdamerikas&#8220; bezeichnete. Er scheint letzten Endes auch einige der versprochenen Gelder erhalten zu haben, denn 1824 kam er mit 150.000 \u00a3 nach London, wo er in Zukunft f\u00fcr dubiose Minenprojekte in Lateinamerika warb. Er starb sehr reich im hohen Alter von 82 Jahren.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dunkle Gesch\u00e4fte im Namen der Freiheit.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1249,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,127],"tags":[131,128,105,124],"class_list":["post-1247","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-imperialismus","tag-englander","tag-lateinamerika","tag-schotten","tag-veteranen"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>McGregor und D\u2019Evereux - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/gregor-mcgregor-und-john-devereux\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"McGregor und D\u2019Evereux - 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