{"id":1221,"date":"2024-11-03T10:24:29","date_gmt":"2024-11-03T10:24:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1221"},"modified":"2025-01-31T16:24:36","modified_gmt":"2025-01-31T16:24:36","slug":"fur-dom-pedro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/fur-dom-pedro\/","title":{"rendered":"F\u00fcr Dom Pedro"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Export aus Europas Armenh\u00e4usern und Gef\u00e4ngnissen.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"558\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/dom_pedro.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1222\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/dom_pedro.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/dom_pedro-269x300.jpg 269w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dom Pedro I.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kaiserin von Brasilien schrieb: &#8222;Senden sie weitere 3.000 Personen, alle ledig und jung, ungerechnet die Anzahl, welche ich Ihnen das letzte Mal angegeben.&#8220; Der Kaiser h\u00f6chstselbst forderte auf etwas energischere Art: &#8222;Schicken Sie, schicken Sie, schicken Sie, denn ich befehle es Ihnen. Wer Sie entschuldigen und belohnen wird, das ist Ihr Kaiser&#8220;. Und Major Sch\u00e4ffer tat, was er konnte. Er log, betrog und leerte in Mecklenburg die Gef\u00e4ngnisse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00f6ldner waren in Europa knapp geworden. Es gab zwar immer noch genug stellenlose Offiziere auf der Suche nach standesgem\u00e4\u00dfer Arbeit, aber das einfache Fu\u00dfvolk war froh, dem Milit\u00e4rdienst entronnen zu sein. Au\u00dferdem hatten die Hungrigen und Entt\u00e4uschten eine neue Zuflucht entdeckt: sie wanderten aus. Hunderttausende Deutsche, Polen, Iren, Schotten und Skandinavier, arbeitslose Handwerker, arme Landarbeiter, unruhige S\u00f6hne, politische Emigranten und entlassene Soldaten versuchten ihr Gl\u00fcck in der neuen Welt, unter ihnen all jene, die einst die S\u00f6ldnerheere gef\u00fcllt hatten. Aber mit dem Verkauf von S\u00f6ldnern war einst viel Geld gemacht worden. Condottieri, Obristen und F\u00fcrsten hatten daran verdient, und diese Leute waren nicht v\u00f6llig ausgestorben. Manche warfen ihre Augen jetzt auf die Auswanderer, denn in einigen F\u00e4llen konnte man diese sogar als Soldaten verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Lateinamerika stritten sich Kaiser, Gener\u00e4le und Pr\u00e4sidenten um die befreiten L\u00e4nder. Regierungen wurden gest\u00fcrzt, neue Staaten gegr\u00fcndet und Grenzen korrigiert. Einzelne europ\u00e4ische Offiziere findet man in fast allen diesen weitgehend unbekannten Kriegen, aber der brasilianische Kaiser Dom Pedro I. hatte es sich in den Kopf gesetzt, ein ganzes Fremdenregiment aufzustellen. Doch die ersten Werbungen unter gescheiterten Kolonisten und entlaufenen Seeleuten verliefen wenig zufriedenstellend. Da trat Major Sch\u00e4ffer in seine Dienste. Georg Anton Aloys Sch\u00e4ffer der Sohn eines unterfr\u00e4nkischen Brennereibesitzers hatte schon als Apotheker, wahrscheinlich als fahrender Wunderheiler, in Ungarn und Galizien sein Gl\u00fcck versucht und war anschlie\u00dfend als Arzt in russische Dienste getreten. Nach einem gescheiterten Kolonisationsprojekt in Brasilien war er als Major in die kaiserliche Ehrengarde aufgenommen worden. Er war ein S\u00e4ufer der schlimmsten Sorte aber auch ein mit allen Wassern gewaschener Karrierist. 1824 schickte ihn Dom Pedro nach Hamburg, um f\u00fcr die n\u00f6tigen Rekruten zu sorgen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"451\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/schaeffer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1226\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/schaeffer.jpg 450w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/schaeffer-300x300.jpg 300w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/schaeffer-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Major Sch\u00e4ffer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Hamburg wurde seine T\u00e4tigkeit vom Senat wohlwollend unterst\u00fctzt, da man hoffte dadurch eine Menge &#8222;Vagabunden und m\u00fc\u00dfigen Volkes&#8220; los zu werden. Auch in Mecklenburg wollte man diese Gelegenheit beim Schopfe packen, um die \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4ngnisse etwas zu entlasten. Zuchth\u00e4usler, unter ihnen auch viele Schwerverbrecher, wurden kurzerhand begnadigt, wenn sie bei Sch\u00e4ffer unterschrieben. Ganze Schiffsladungen exportierte man auf diese Weise in die neue Welt. Ein mecklenburgischer Legationsrat bemerkte hoch erfreut, da\u00df &#8222;das Vaterland von dieser Brut befreit&#8220; war. Aber Sch\u00e4ffer warb nun auch biedere Auswanderer. F\u00fcr einige Jahre Milit\u00e4rdienst wurde ihnen freie \u00dcberfahrt und Land versprochen. Schriftlich festgehalten wurde kaum etwas, daf\u00fcr um so mehr versprochen. Brasilien erschien als ein Land, &#8222;wo man Scheffel Goldes liegen l\u00e4\u00dft, um nur mit Diamanten sich beladen zu k\u00f6nnen&#8220;. Da sich aber immer noch nicht genug Freiwillige fanden, wurden viele samt ihren Familien als reine Kolonisten angeworben. In Rio de Janeiro \u00fcberzeugte man sie dann mit Stockschl\u00e4gen davon, da\u00df sie Soldat werden wollten, und ihre minderj\u00e4hrigen S\u00f6hne fanden als Trommler Verwendung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ern\u00fcchterung begann bereits mit der \u00dcberfahrt. Auf den \u00fcberf\u00fcllten Schiffen waren die Verpflegung und die medizinische Versorgung so miserabel, da\u00df die Todesrate deutlich die der zwischen Afrika und Brasilien verkehrenden Sklavenschiffe \u00fcberstieg. S\u00f6ldner kosteten eben immer noch nur den Bruchteil eines kr\u00e4ftigen Sklaven. Zudem sorgten Sch\u00e4ffers Beauftragte mit brutalsten Methoden f\u00fcr Disziplin. Gepr\u00fcgelt wurde wegen Nichtigkeiten und nach einer gescheiterten Meuterei wurden acht S\u00f6ldner erschossen. In Rio wurden dann alle M\u00e4nner in die Fremdenbataillone des Kaisers gesteckt. Ob man sie als Kolonisten geworben hatte oder ob sie die \u00dcberfahrt aus eigener Tasche bezahlt hatten, interessierte nicht. Quittungen, Versprechungen oder Zeugnisse waren bedeutungslos. Jeder, der den Verlockungen des Rattenf\u00e4ngers Sch\u00e4ffer erlegen war, wurde als Milit\u00e4rsklave verkauft. Als sich einer beim Kaiser nach der L\u00e4nge der Dienstzeit erkundigte, wurde ihm geantwortet: &#8222;So lange es mir gef\u00e4llt und euch eure Knochen tragen&#8220;. Mit diesen Methoden konnten schlie\u00dflich zwei J\u00e4ger- und zwei Grenadierbataillone aufgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Leben eines brasilianischen Soldaten spottete jeder Beschreibung. Vor allem war die verha\u00dfte Pr\u00fcgelstrafe noch in Gebrauch und wurde bei jeder Gelegenheit ausgiebigst angewendet. Von dem k\u00e4rglichen Sold blieb durch die zahlreichen Abz\u00fcge praktisch nichts, und die Korruption ging von den Unteroffizieren bis zum General. Die S\u00f6ldner betranken sich und desertierten, und die Hospit\u00e4ler f\u00fcllten sich mit Kranken und halb tot gepr\u00fcgelten Deserteuren. Blutige Schl\u00e4gereien, das Gelbfieber und Selbstmorde sorgten f\u00fcr weitere Verluste. Die Fremdenbataillone schmolzen dahin und w\u00e4ren recht schnell v\u00f6llig verschwunden, wenn nicht Sch\u00e4ffer st\u00e4ndig f\u00fcr neuen Nachschub gesorgt h\u00e4tte. Insgesamt schickte er \u00fcber 3.000 Rekruten. Aber nachdem immer mehr Hiobsbotschaften aus Brasilien nach Deutschland gelangten, wurden Sch\u00e4ffers Werbepraktiken zu einem \u00f6ffentlichen Skandal, von dem sich auch die Beh\u00f6rden distanzieren mu\u00dften. Als es dann Ende 1827 wieder mit Argentinien zum Konflikt um Uruguay kam, sollten die Fremdenbataillone endlich auf Sollstand gebracht werden. Da von Sch\u00e4ffer nicht mehr viel zu erwarten war, wurde der irische Oberst Cotter nach Irland geschickt, um dort das dringend ben\u00f6tigte Menschenmaterial aufzutreiben. In Irland gab es genug arbeitslose Landarbeiter und ruinierte Kleinbauern, und da Cotter den Milit\u00e4rdienst noch nicht einmal erw\u00e4hnte, sondern den Auswanderern gro\u00dfz\u00fcgige Landschenkungen und Starthilfen in Aussicht stellte, hatte er keine Schwierigkeiten in k\u00fcrzester Zeit ein paar tausend Menschen zusammenzubringen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"514\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/emigranten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1228\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/emigranten.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/emigranten-233x300.jpg 233w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">irische Emigranten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch durch die Iren wurden f\u00fcr die Fremdenbataillone zu einer hoch brisanten Mischung. Das lag vor allem daran, da\u00df die Iren noch schamloser als die Deutschen belogen worden waren und nicht wie diese \u00fcber die Jahre verteilt in relativ kleinen Gruppen ankamen. In Rio galten die fremden S\u00f6ldner als versoffenes, disziplinloses Gesindel, auf das selbst die Negersklaven mit einer Mischung aus Abscheu und Verachtung herabblickten. Als nun die unwissenden Iren in Rio ankamen, wurden sie sogleich von einer johlenden Menge in Empfang genommen, die sie als &#8222;wei\u00dfe Sklaven&#8220; verspottete. Daraufhin weigerten sie sich geschlossen, in die Armee einzutreten. Es kam zu Krawallen und Schl\u00e4gereien. Vor der Alternative zu verhungern oder Soldat zu werden, traten schlie\u00dflich doch einige hundert in die Fremdenbataillone ein. Aber erst nachdem man ihnen doppelten Sold und Verpflegung, die Abschaffung der Pr\u00fcgelstrafe und eine begrenzte Dienstzeit von vier Jahren zugesichert hatte. Diese besseren Konditionen f\u00fchrten nat\u00fcrlich zu Neid und Erbitterung unter den Deutschen. Doch damit nicht genug. Die Iren dachten nicht daran, sich der harten Disziplin zu beugen. Sie randalierten in den Kneipen, pl\u00fcnderten Gesch\u00e4fte und schikanierten bei jeder Gelegenheit die schwarzen Sklaven, um sich wenigstens hier als wei\u00dfe Herren f\u00fchlen zu k\u00f6nnen. Dabei wurden sie kr\u00e4ftig von den anderen Iren unterst\u00fctzt, die sich mit ihren Familien immer noch ohne Lohn und Brot in der Stadt herumtrieben. Es gab Tote und Verletzte und die Aggressionen stiegen. Als dann noch eine Geldentwertung die Kaufkraft des Soldes um die H\u00e4lfte senkte, war die Stimmung unter den S\u00f6ldnern kurz vor dem Siedepunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die lang aufgestaute Wut entlud sich bei der \u00f6ffentlichen Vollstreckung der Pr\u00fcgelstrafe. Ein deutscher Soldat des zweiten Grenadierbataillons sollte 150 Hiebe erhalten, da er angeblich einen Offizier nicht gegr\u00fc\u00dft hatte. Als er um Strafmilderung bat, da er dreieinhalb Jahre ohne ein einziges Vergehen gedient hatte, wurden ihm kurzerhand 100 Hiebe zus\u00e4tzlich verordnet. Die angetretenen Soldaten murrten unzufrieden, und als der Verurteilte unter der Tortur ohnm\u00e4chtig wurde, waren sie nicht mehr zu halten. Sie st\u00fcrzten sich auf den Profos und den kommandierenden Offizier. Der letztere konnte ihnen nur durch sein schnelles Pferd entkommen und die entt\u00e4uschten Soldaten verw\u00fcsteten daraufhin sein Haus. Am n\u00e4chsten Tag schickten sie eine Abordnung an den Kaiser und forderten Begrenzung der Dienstzeit und der Abz\u00fcge, Auszahlung des r\u00fcckst\u00e4ndigen Soldes und die Entfernung einiger besonders grausamer und korrupter Offiziere. Der Kaiser, der von den Zust\u00e4nden sicher wenig wu\u00dfte, versprach, den Klagen nachzugehen und seine Entscheidung in acht Tagen zu treffen. Die S\u00f6ldner verschanzten sich daraufhin in ihrer Kaserne, pl\u00fcnderten die nahegelegenen Gesch\u00e4fte, verjagten ihre Offiziere mit Steinw\u00fcrfen und erschlugen den Verpflegungsoffizier. In der Nacht griffen die Unruhen auf das in Rio stationierte J\u00e4gerbataillon \u00fcber. Auch dort wurden die Offiziere wie Hasen gejagt. Einer, der f\u00fcr seine Pr\u00fcgelstrafen ber\u00fcchtigt war, versuchte in Zivil zu entkommen, wurde aber erkannt und zu Tode gesteinigt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"396\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/brasilien-soldaten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1229\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/brasilien-soldaten.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/brasilien-soldaten-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Soldaten in Brasilien um 1825<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am zweiten Tag meuterte dann auch das zweite Grenadierbataillon. Auf der Suche nach Beute und Alkohol unternahmen die S\u00f6ldner jetzt immer ausgedehntere Streifz\u00fcge durch die Stadt, wobei es mit den B\u00fcrgern und deren Sklaven zu gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfenk\u00e4mpfen mit Toten auf beiden Seiten kam. Eine Gruppe von Iren jagte Major Cotter; eine Polizeiwache wurde gest\u00fcrmt und eine berittene Patrouille in die Flucht geschlagen. Die rasende Soldateska, die zunehmend betrunkener wurde, machte ohne R\u00fccksicht auf Alter und Geschlecht alles nieder, was ihr beim Pl\u00fcndern in den Weg kam. Einzelne versprengte S\u00f6ldner wurden von B\u00fcrgern und Sklaven grausam niedergemetzelt. Die Offiziere, die noch nicht geflohen waren, mu\u00dften an den Saufgelagen teilnehmen. Da auch unter ihnen die Erbitterung recht gro\u00df war, leisteten sie nur wenig Widerstand. Als der kommandierende General versuchte, die Meuterer zu beruhigen, indem er ihnen Generalpardon und die Erf\u00fcllung ihrer Forderungen zusagte, riefen diese, da\u00df er und selbst der Kaiser sie schon so oft betrogen h\u00e4tten, da\u00df sie diesen Versprechungen nicht mehr trauen k\u00f6nnten. Als das Morden und Pl\u00fcndern kein Ende nahm, zog die Regierung Truppen zusammen. Zwei J\u00e4gerbataillone, Kavallerie, Artillerie und Polizei wurden gegen eine der Grenadierkasernen in Marsch gesetzt. Um die Kaserne entspann sich ein langwieriger und blutiger Kampf. Erst als ihnen die Munition auszugehen drohte, waren die Meuterer zur Kapitulation bereit. Nach ihren schweren Verlusten wagten die Regierungstruppen aber nicht mehr die beiden anderen Kasernen anzugreifen. Dort verf\u00fcgten die Meuterer sogar \u00fcber einige Kanonen und diskutierten noch dar\u00fcber, ob und wie sie ihren Kameraden zu Hilfe kommen sollten. Auf Bitten der Regierung gingen dann englische und franz\u00f6sische Kriegsschiffe mit ihrer Marineinfanterie gegen die Meuterer vor. Diese hatten inzwischen die Sinnlosigkeit ihres Widerstandes eingesehen und streckten die Waffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Gefangenen unter dem Jubel der Bev\u00f6lkerung auf Gefangenenschiffe gebracht worden waren, begann ein Milit\u00e4rgericht mit der Aufkl\u00e4rung der Aff\u00e4re. Man witterte hinter dem Aufstand eine gro\u00dfangelegte, m\u00f6glicherweise von Argentinien gesteuerte, Verschw\u00f6rung. Aber die Richter mu\u00dften zu ihrem eigenen Erstaunen feststellen: &#8222;Diese Leute sind zu einer Verschw\u00f6rung nicht f\u00e4hig&#8220;. Da man au\u00dferdem keine neuen Unruhen provozieren wollte, \u00fcbte man bei der Bestrafung eine ungew\u00f6hnliche Zur\u00fcckhaltung. Lediglich ein Deutscher wurde zum Tod verurteilt und 31 S\u00f6ldner erhielten mehrj\u00e4hrige bis lebensl\u00e4ngliche Haftstrafen. Angesichts der \u00fcblichen Milit\u00e4rgerichtsbarkeit und den hunderten von Toten waren die Meuterer damit wirklich glimpflich davon gekommen. Schlie\u00dflich f\u00fchrte die Revolte sogar zu einigen der geforderten Reformen: Die Dienstzeit wurde auf vier Jahre begrenzt, das Essen verbessert, die Pr\u00fcgelstrafe eingeschr\u00e4nkt und einige der unf\u00e4higsten Offiziere nach Deutschland zur\u00fcckgeschickt. Die rebellischen Iren wurden alle entlassen. Ein Teil blieb als Siedler im Land, die anderen wurden nach Irland und Nordamerika abgeschoben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"420\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ituzaingo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1230\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ituzaingo.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/ituzaingo-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schlacht bei Ituzaing\u00f3 1827<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines der J\u00e4gerbataillone und eine Schwadron Lanzenreiter befanden sich w\u00e4hrend der Revolte im S\u00fcden, um die von Argentinien unterst\u00fctzte Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in der Provinz Uruguay zu unterdr\u00fccken. Aber auch die Argentinier verf\u00fcgten \u00fcber einige Kompanien Deutsche, die nicht wenige ihrer unterbezahlten Landsleute dazu \u00fcberredeten, die Fronten zu wechseln. Nach der Niederlage von Ituzaing\u00f3 ergaben sich ganze Abteilungen des J\u00e4gerbataillons. Vor die Wahl gestellt, entweder in die argentinische Armee einzutreten oder interniert zu werden, w\u00e4hlten die meisten die Gefangenschaft. Sie hatten vom Milit\u00e4r die Nase gestrichen voll. Der bei Brasilien verbliebene Rest war weitgehend auf wohlt\u00e4tige Spenden der Bev\u00f6lkerung angewiesen und verminderte sich weiter durch Krankheit und Desertion. Nachdem sich Brasilien mit dem Verlust von Uruguay abgefunden hatte, wurde 1830 die Aufl\u00f6sung der Fremdenbataillone beschlossen. Da man bef\u00fcrchtete, da\u00df die entt\u00e4uschten Offiziere in den unruhigen S\u00fcdprovinzen einen Milit\u00e4rputsch versuchen k\u00f6nnten, entlie\u00df man zuerst die Mannschaften in kleinen Gruppen und dann erst die Offiziere.<br><br>Der \u00fcberwiegende Teil der S\u00f6ldner war heilfroh, endlich wieder in Freiheit zu sein. Sie fanden Arbeit in ihren alten Berufen oder siedelten in Rio Grande do Sul. Zu einer richtigen Landplage entwickelten sich allerdings die ehemaligen Str\u00e4flinge und diejenigen, die inzwischen \u00e4hnliche Talente entwickelt hatten. Im S\u00fcden Brasiliens verbreiteten die sogenannten &#8222;Mecklenburger&#8220; jahrelang Entsetzen unter der Bev\u00f6lkerung. In gr\u00f6\u00dferen Banden pl\u00fcnderten sie Kirchen, \u00fcberfielen abgelegene Siedlungen und kleine Reisegruppen. Ein anderes Problem waren die Offiziere. Sie hatten im Gegensatz zu den Gemeinen einiges verloren und nur in seltenen Ausnahmen Lust und Geschick, als einfache Handwerker oder Bauern von vorne anzufangen. Einige der stolzen S\u00f6hne des deutschen Adels endeten als S\u00e4ufer in der Gosse von Rio und schlie\u00dflich in einer anonymen Grube auf dem Armenfriedhof. Andere, unter ihnen ein von Salisch, beteiligten sich einige Jahre sp\u00e4ter wie schon erwartet am Unabh\u00e4ngigkeitskrieg von Rio Grande do Sul, und ein Baron von B\u00fclow zettelte sogar einen Putsch zur Wiedereinsetzung des inzwischen abgedankten Kaisers an. All diese Unternehmen scheiterten und einige der Unruhestifter verschwanden damit endg\u00fcltig von der Bildfl\u00e4che, andere suchten sich als echte Gl\u00fccksritter neue Bet\u00e4tigungsfelder.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Export aus Europas Armenh\u00e4usern und Gef\u00e4ngnissen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1225,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,127],"tags":[109,129,128],"class_list":["post-1221","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-imperialismus","tag-emigranten","tag-iren","tag-lateinamerika"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>F\u00fcr Dom Pedro - 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