{"id":1060,"date":"2024-10-30T09:03:18","date_gmt":"2024-10-30T09:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/?p=1060"},"modified":"2025-01-16T12:05:01","modified_gmt":"2025-01-16T12:05:01","slug":"die-spanier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-spanier\/","title":{"rendered":"Die Spanier"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Modernisierung und Stagnation.<\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"221\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/asturias-navarra.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1061\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wappen von Asturias und Navarra<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das historische Fundament des heutigen Spaniens ist ganz ohne Zweifel die Reconquista, wie es an den Wappen einiger der \u00e4ltesten Provinzen (Autonomias) immer noch zu erkennen ist. So beziehen die Ketten im Wappen von Navarra auf die Schlacht bei Las Navas de Tolosa und das Keuz von Asturias geht angeblich sogar auf Don Pelayo zur\u00fcck, der mit ihm den Kampf gegen die Mauren er\u00f6ffnete. In einem jahrhundertelangen Kampf wurde den Mauren das Land St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck entrissen und daraus dann die christlichen K\u00f6nigreiche gebildet, die letztlich zu Spanien verschmolzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn dieser Gr\u00fcndungsmythos nicht v\u00f6llig frei erfunden ist, so ist reale Geschichte doch um einiges komplexer. So gibt es wohl nie die &#8222;Guten&#8220;, die vereint \u00fcber Jahrhunderte f\u00fcr die gerechte Sache k\u00e4mpfen. Wie \u00fcberall im feudalistischen Europa stritten sich zuerst einmal konkurrierende Adelscliquen um die Macht, bevor an einen gr\u00f6\u00dferen Krieg zu denken war. Und so k\u00e4mpften auch auf der iberischen Halbinsel Moslems viel h\u00e4ufiger gegen Moslems und Christen gegen Christen als gegen Andersgl\u00e4ubige.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies wird bereits \u00fcberdeutlich beim Zug des fr\u00e4nkischen Heeres unter Karl dem Gro\u00dfen nach Spanien 778, der sp\u00e4ter den historischen Hintergrund f\u00fcr das Rolandslied abgab, dem Urvater aller christlichen Kreuzzugsdichtung. Die Franken waren nicht aus eigenem Antrieb nach Spanien gezogen, sondern von einigen rebellischen maurischen Provinzf\u00fcrsten gegen ihren Oberherrn Abd ar-Rahman I. den Emir von Cordoba zu Hilfe gerufen worden. Beim R\u00fcckzug wurde die fr\u00e4nkische Nachhut in den Pyren\u00e4en dann nicht etwa arabischen Heerscharen massakriert sondern von christlichen Basken, die von der Beute angelockt worden waren, h\u00f6chst wahrscheinlich aber auch durch arabische Hilfsgelder Motivationshilfen erhalten hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Moslems einen Gro\u00dfteil der Halbinsel unter ihrer Kontrolle hatten, f\u00fchrte meistens nur dazu, dass sie sich noch eifriger untereinander bek\u00e4mpften als es die Christen im Norden taten. Dennoch gab es einen fundamentalen Unterschied und dies war die Verf\u00fcgbarkeit von Gold und damit von Geld. W\u00e4hrend die christlichen Reiche im Abendland wegen Mangel an Edelmetallen fast vollst\u00e4ndig zur Naturalwirtschaft zur\u00fcckgegangen waren, verf\u00fcgten die L\u00e4nder des Islam nicht nur \u00fcber eine florierende Wirtschaft sondern hatten auch Zugang zu allen gro\u00dfen Goldquellen der alten Welt. Arabische Golddinar im Westen oft als &#8222;Mancus&#8220; bekannt waren deshalb bis ins Hochmittelalter das wichtigste Zahlungsmittel im Abendland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun hatten die Christen nur wenige Handelsg\u00fcter zu bieten, und so war der Solddienst bald eine der beliebtesten Methoden, um an die hei\u00df begehrten Golddinar zu kommen. Bald standen zahlreiche Christen aus Navarra, Kastilien, Aragon und Katalonien im Dienst verschiedener maurischer F\u00fcrsten. Von diesen wurden sie wegen ihrer schweren Bewaffnung gesch\u00e4tzt und vor allem, da sie als Fremde bei den vielen internen Streitigkeiten als besonders zuverl\u00e4ssig galten. Allerdings hatten die christlichen Ritters\u00f6ldner auch keine Probleme gegen ihre Glaubensbr\u00fcder zu k\u00e4mpfen. Nachdem der um die Jahrtausendwende regierende &#8222;Al-Mansur&#8220; mit eiserner Hand die internen Streitigkeiten beendet hatte, verheerte er das christliche Spanien in mehr als 50 Feldz\u00fcgen. Christliche S\u00f6ldner stellten dabei immer einen nicht unbetr\u00e4chtlichen Teil seiner Heere, und er belohnte sie stets reichlich aus der anfallenden Beute, und in seinem Feldlager war der Sonntag ein Feiertag, damit seine vielen S\u00f6ldner ungest\u00f6rt die Messe zelebrieren konnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"554\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/moslems-christen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1064\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/moslems-christen.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/moslems-christen-300x277.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">christliche Ritter und Moslems<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als das m\u00e4chtige Kalifat von Cordoba jedoch nach Al-Mansurs Tod (1002) in zahlreiche Kleink\u00f6nigreiche zerbrach, erreichte der Solddienst im maurischen Spanien v\u00f6llig neue Dimensionen. Diese so genannten &#8222;Taifa-K\u00f6nigreiche&#8220; mieteten sich f\u00fcr ihre internen Kriege die entscheidende Unterst\u00fctzung im Norden. Der Bedarf war nun so gro\u00df, dass meistens feste Vertr\u00e4ge mit christlichen Herrschern geschlossen wurden, die einige tausend Krieger liefern konnten. Mit der Zeit entwickelten sich daraus feste Beziehungen, wobei die christlichen Herrscher im Norden meistens mehrere maurische Klientelstaaten hatten, denen sie f\u00fcr j\u00e4hrliche Schutzgeldzahlungen bei Bedarf zu Hilfe kamen. Zum Teil gab es in diesem Gesch\u00e4ft auch selbstst\u00e4ndige Kriegsherren, wie den sp\u00e4teren spanischen Nationalhelden Rodrigo D\u00edaz de Vivar &#8211; besser bekannt als &#8222;El Cid&#8220; -, der mit einer eigenen Truppe verschiedenen Taifa-K\u00f6nigen diente, bis er dann so m\u00e4chtig war, dass er sich mit Valencia ein eigenes Reich eroberte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die christlichen S\u00f6ldner erfreuten sich schlie\u00dflich einer solchen Wertsch\u00e4tzung, dass sie sich auch in den nordafrikanischen Staaten Marokko, Tunis und Tlemcen zu einer festen Institution entwickelten. Obwohl in diesen Staaten Ritters\u00f6ldner aus dem ganzen Abenland dienten, so dominierten jedoch allein schon wegen der geografischen Lage die von der iberischen Halbinsel. Kastilien und Portugal versorgten dabei haupts\u00e4chlich Marokko, w\u00e4hrend Aragon und Katalonien mehr Tunis und Tlemcen belieferten. Bei vielen der S\u00f6ldner in Nordafrika handelte es sich jedoch auch um ehemalige Kriegsgefangene, Verbannte, politische Emigranten und einfache Abenteurer, die dort auf eigene Faust ihr Gl\u00fcck suchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine herausragende aber auch nicht ganz untypische Gestalt war Heinrich von Kastilien (1230-1304) ein j\u00fcngerer Sohn des kastilischen K\u00f6nigs Ferdinand III. Nachdem er bei internen Thronstreitigkeiten in Kastilien unterlegen war, musste er ins Ausland fliehen und verdingte sich schlie\u00dflich als S\u00f6ldnerf\u00fchrer in Tunis. Dort erwarb er gro\u00dfe Reicht\u00fcmer und verf\u00fcgte \u00fcber loyale eigene Truppen. Mit seinen S\u00f6ldnern mehr aber noch mit seinen Sch\u00e4tzen unterst\u00fctzte er dann Karl von Anjou in seinem Kampf um die Krone von Sizilien. Als Lohn war ihm Sardinien versprochen worden, wodurch er endlich ein eigenes K\u00f6nigreich erhalten h\u00e4tte. Da Karl jedoch nach dem Sieg nicht daran dachte sein Versprechen einzul\u00f6sen, wechselte Heinrich in den Dienst der Staufer und stellte mit seinen 200 Spaniern Konradins Elite in der Schlacht bei Tagliacozzo (1268). Seine M\u00e4nner fielen zum Gro\u00dfteil an diesem Tag; er selbst kam in Gefangenschaft und sa\u00df dann 23 Jahre im Kerker.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den schweren Panzerreitern, die ganz besonders von den Mauren gesch\u00e4tzt wurden, entstand im Norden Spaniens noch ein ganz anderer S\u00f6ldnertypus: der des leicht bewaffneten Infanteristen. In dem langen Konflikt mit den Mauren, waren ritterliche Schlachten die ganz seltenen Ausnahmen, daf\u00fcr kam es aber fast st\u00e4ndig zu kleinen Scharm\u00fctzeln, \u00dcberf\u00e4lle und Raubz\u00fcgen bis tief ins Hinterland. Dabei bew\u00e4hrten sich vor allem abgeh\u00e4rtete und anspruchslose Krieger. Haupts\u00e4chlich kamen sie aus den Pyren\u00e4en &#8211; einer der ganz gro\u00dfen S\u00f6ldnerwiegen Europas -, und trugen Kleidung und Bewaffnung von Hirten: Ledergamaschen, einen Sack f\u00fcr Verpflegung, Wurfspeere und kurze Schwerter, seltener einen leichten Helm oder gar einen Schild.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"248\" height=\"555\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/almogaver.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1066\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/almogaver.jpg 248w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/almogaver-134x300.jpg 134w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Almogavar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese wilden Krieger lebten zwar haupts\u00e4chlich von ihren Raubz\u00fcgen in maurisches Gebiet, als jedoch w\u00e4hrend der Reconquista die Grenzen immer weiter nach S\u00fcden verschoben wurden, boten sie auch in anderen L\u00e4ndern in Mitteleuropa ihre Dienste an. In dem langen Konflikt um Aquitanien zwischen England und Frankreich fanden sie reichlich Besch\u00e4ftigung. Als das 3. Laterankonzil 1179 die Verwendung von S\u00f6ldnern mit dem Bann belegte, war ausdr\u00fccklich von &#8222;Aragonesen, Navarresen und Basken&#8220; die Rede. Nat\u00fcrlich waren solche Regelungen auch damals nur sch\u00f6ner Schein, vor allem, da die Kirche anschlie\u00dfend viele davon im Albigenserkreuzzug (1209-1229) selbst besch\u00e4ftigte. Auch in der Schlacht von Courtray (1302) wurden von den Franzosen spanische Wurfspie\u00dfschleuderer eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihren gr\u00f6\u00dften Einsatz hatten sie jedoch als der K\u00f6nig von Aragon 1282 in den Kampf um Sizilien eingriff und dabei einige tausend Almog\u00e1vares, wie diese Grenzlandkrieger in Aragon genannt wurden, nach Italien brachte, wo sie in gewohnter Guerillamanier die Franzosen langsam aber sicher zerm\u00fcrbten. Als schlie\u00dflich Frieden gemacht wurde, wollte sie in Aragon allerdings niemand mehr haben und so bildeten sie die &#8222;Gro\u00dfe Kompanie&#8220; und traten in den Dienst von Byzanz. Nachdem sie wegen ihrer Raublust bald auch mit den Byzantinern aneinander geraten waren, verw\u00fcsteten sie jahrelang auf eigene Faust Griechenland und eroberten schlie\u00dflich 1311 das Herzogtum Athen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit hatten S\u00f6ldner von der Iberischen Halbinsel im gesamten Mittelmeerraum mehr als ausreichende Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten. Als dann 1337 in Frankreich der Hundertj\u00e4hrige Krieg ausbrach, der f\u00fcr Generationen zum Hauptanziehungspunkt f\u00fcr S\u00f6ldner werden sollte, waren Spanier anfangs noch relativ schwach vertreten. Dies lag haupts\u00e4chlich daran, dass man auf der Halbinsel zu der Zeit mit eigenen Kriegen und Fehden besch\u00e4ftigt war. Als ein Resultat der Erbfolgestreitigkeiten kam dann aber 1362 Heinrich von Trast\u00e1mara, ein illegitimer Sohn des verstorbenen K\u00f6nigs von Kastilien, nach Frankreich und trat mit seinem Gefolge in den Dienst der Krone. Der K\u00f6nig von Navarra Karl II. suchte dagegen im B\u00fcndnis mit England seine franz\u00f6sischen Besitzungen auszubauen und brachte dadurch zahlreiche Basken nach Frankreich, die schlie\u00dflich einen betr\u00e4chtlichen Teil der Freien Kompanien stellten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der zweiten Phase des Hundertj\u00e4hrigen Krieges (1415-53) spielten spanische S\u00f6ldner allerdings eine viel wichtigere Rolle. Am bekanntesten war sicher der Baske Rodrigo de Villandrando der mit seinen gef\u00fcrchteten \u00c9corcheur jahrelang das Land auspl\u00fcnderte und verw\u00fcstete. Er hatte im Dienst der Burgunder begonnen, war dann aber ins k\u00f6nigliche Lager gewechselt. Auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht kommandierte er eine Kompanie von 8-10.000 Mann, die sich aus allen Nationalit\u00e4ten zusammensetzte im Kern jedoch aus Spaniern bestand. Nachdem sich Villandrando in die Heimat abgesetzt hatte, \u00fcbernahm sein Landsmann und Stellvertreter Juan de Salazar die Kompanie. Wie viele S\u00f6ldner blieb Salazar nach dem Krieg in Frankreich in wurde ein Teil des einheimischen Adels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf englischer Seite ist dagegen viel von einem Francois de Surienne, genannt &#8222;der Aragonese&#8220; zu lesen. Er war ein fr\u00fcher Spezialist f\u00fcr den Einsatz der Artillerie und Befestigungen und war ebenfalls in burgundischen Diensten nach Frankreich gekommen und sp\u00e4ter zu den verb\u00fcndeten Engl\u00e4ndern gewechselt, f\u00fcr die er einige tausend Mann in der Bretagne f\u00fchrte. Letzten Endes f\u00fchrten diese M\u00e4nner jedoch haupts\u00e4chlich Krieg auf eigene Rechung, da sie ihre Truppen nur mit Beute und L\u00f6segeldern zusammenhalten konnten. 1445 versuchte der franz\u00f6sische K\u00f6nig dann mit seiner &#8222;Ordonanz&#8220;, diese chaotischen Verh\u00e4ltnisse etwas zu regeln und die Freien Kompanien durch feste Bezahlung in ein stehendes Heer umzuwandeln. Nat\u00fcrlich wurden bei dieser Umstrukturierung Franzosen bevorzugt, w\u00e4hrend Ausl\u00e4nder dagegen m\u00f6glichst in ihre Heimat abgeschoben wurden. Dennoch wurde eine der 15 Ordonanzkompanien f\u00fcr Spanier reserviert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Hundertj\u00e4hrigen Krieg zeichnete sich milit\u00e4rhistorisch bereits das Ende des Mittelalters ab. Doch w\u00e4hrend englische Historiker die Wandlung gerne dem Langbogen zuschreiben, franz\u00f6sische den Ordonanzkompanien und der Artillerie oder deutsche Schweizer und Landsknechte am Beginn der neuen Zeit sehen, fand die eigentliche Revolution im fernen Spanien statt. Dort waren 1469 durch die Hochzeit von Isabella von Kastilien und K\u00f6nig Ferdinand von Aragon die beiden m\u00e4chtigsten K\u00f6nigreiche vereinigt worden. Nachdem die Katholischen K\u00f6nige zuerst interne Widerst\u00e4nde gebrochen hatten, begannen sie 1482 mit der Eroberung von Granada.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl dieser Krieg sicher auch stark von mittelalterlicher Kreuzzugsideologie beeinflusst wurde, so wurde er doch f\u00fcr die Zeit auf geradezu unglaublich moderne Art und Weise gef\u00fchrt. Die milit\u00e4risch unterlegenen Mauren vermieden offene Feldschlachten und setzten statt dessen auf das unwegsame Gel\u00e4nde und die gut befestigten Pl\u00e4tze. F\u00fcr die traditionellen schweren Panzerreiter gab es deshalb kaum Verwendung. Viel wichtiger waren dagegen das Fu\u00dfvolk, das unter den im Grenzkrieg erfahrenen Milizen der St\u00e4dte rekrutiert wurde, und die leichte Reiterei, die stark von den Berbern beeinflusst war. Entscheidend war die Artillerie, f\u00fcr deren Aufbau franz\u00f6sische, burgundische und s\u00fcddeutsche Spezialisten geworben wurden. Dennoch zog sich der Krieg zehn Jahre in die L\u00e4nge und spanische Milit\u00e4rs lernten hier neben der Bedeutung der Artillerie die von Logistik, Schanzen, Hinterhalten und schnellen Man\u00f6vern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War der Krieg von Granada sozusagen die Grundschule moderner Kriegsf\u00fchrung, so wurden die italienischen Kriege (1494-1559) zu ihrer Universit\u00e4t. Frankreich, das inzwischen wieder zum m\u00e4chtigsten Staat Europas geworden war, hatte die internen Streitigkeiten Italiens genutzt, um sich das K\u00f6nigreich Neapel einzuverleiben. Das R\u00fcckgrat des franz\u00f6sischen Heers waren die schweren Panzerreiter der Ordonanzkompanien, dazu kam die st\u00e4rkste Belagerungsartillerie des Abendlandes und 8.000 Schweizer S\u00f6ldner, deren Siege \u00fcber Burgund bereits legend\u00e4r waren. Dieser geballten Macht eines modernen Territorialstaates hatten die italienischen Condottieri nichts entgegen zu setzen. Das m\u00e4chtige Florenz kapitulierte bereits beim Anmarsch und auch Neapel \u00f6ffnete schnell seine Tore.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"340\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/spanische-infanterie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1068\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/spanische-infanterie.jpg 600w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/spanische-infanterie-300x170.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">spanische Infanterie<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen diese \u00dcbermacht schickte Spanien ein kleines Heer unter Gonzalo de C\u00f3rdoba. Wie die meisten seiner M\u00e4nner war de C\u00f3rdoba ein erfahrener Veteran des Granadakrieges. Nach einer ersten Niederlage, zu der ihn seine Verb\u00fcndeten gen\u00f6tigt hatten, zerschliss er seine Gegner im Kleinkrieg. Um der \u00fcberlegenen Kavallerie und den Schweizern gewachsen zu sein, entwickelte er aber auch eine v\u00f6llig neue Infanterietaktik. Er verst\u00e4rkte konsequent die Anzahl der Sch\u00fctzen und mischte sie mit den Pikenieren. Diese Formationen erhielten die Bezeichnung &#8222;colonella&#8220; (Kolonne) und unterstanden einem &#8222;Colonel&#8220;. W\u00e4hrend Schweizer und Landsknechte allein auf den Massendruck ihrer Gewalthaufen setzten und Sch\u00fctzen nur als Pl\u00e4nkler verwendeten, wurden sie unter de C\u00f3rdoba zur entscheidenden Waffe, auch wenn sie lange noch den weitaus kleineren Teil der colonellas stellten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Schlacht bei Cerignola (1503), einer der ganz gro\u00dfen Meilensteine auf dem Weg der so genannten &#8222;Milit\u00e4rischen Revolution&#8220;, schlug de C\u00f3rdoba dann mit lediglich 8.000 Mann ein franz\u00f6sisches Heer von 32.000 und doppelt so viel Gesch\u00fctzen vernichtend. Die wiederholten Angriffe der franz\u00f6sischen schweren Kavallerie und der Schweizer scheiterten alle am vernichtenden Feuer der Arkebusiere. De C\u00f3rdoba wurde als &#8222;el Gran Capit\u00e1n&#8220; ber\u00fchmt und gilt als Vater der modernen Infanterie, da er im Gegensatz zu manchem genialen Feldherrn ein stabiles Fundament f\u00fcr dauerhafte Reformen hinterlie\u00df. Deshalb setzten andere seine Arbeit fort, auch nachdem er l\u00e4ngst nach Spanien zur\u00fcckgekehrt war, und die gro\u00dfen Siege von Bicocca (1522) und Pavia (1525) sind ohne seine Vorarbeit nicht denkbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es besteht kein Zweifel daran, dass um die Mitte des 16. Jahrhunderts Spanien \u00fcber die beste Infanterie der Welt verf\u00fcgte. Und mit diesem m\u00e4chtigen Instrument dominierten die Habsburger dann fast ein ganzes Jahrhundert Europa, schlugen Franzosen, T\u00fcrken, Niederl\u00e4nder, Engl\u00e4nder und deutsche Protestanten, eroberten gro\u00dfe Teile Italiens, Portugal und ein riesiges Imperium in \u00dcbersee.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich waren diese Truppen auch im Ausland sehr begehrt, und, wenn es die politischen Beziehungen zulie\u00dfen, erlaubte Spanien, dass einzelne Hauptleute mit ihren Truppen fremde Dienste suchten oder lieferte gegen gute Bezahlung diese gleich selbst. Trotz seiner Vorliebe f\u00fcr den Langbogen h\u00e4tte der englische K\u00f6nig Heinrich VIII. In seinen Kriegen gegen Frankreich und Schottland nur wenig ausgerichtet, wenn ihn nicht spanische Arkebusiere mit der notwendigen Feuerkraft versorgt h\u00e4tten. Auch die franz\u00f6sischen Katholiken erhielten w\u00e4hrend der Hugenottenkriege (1562-98) oft entscheidende Sch\u00fctzenhilfe von spanischen S\u00f6ldnern, und der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg (1618-48) w\u00e4re sicher viel fr\u00fcher zu Ende gegangen, wenn nicht einige der gef\u00fcrchteten spanischen Tercios die Reihen der Bayern und Kaiserlichen gest\u00fctzt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"480\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tercio.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1069\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tercio.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tercio-300x288.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">spanisches Tercio<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist leicht verst\u00e4ndlich, dass diese enormen Aufgaben Spaniens nat\u00fcrliche Ressourcen schnell \u00fcberforderten. F\u00fcr die verlustreichen Kriege von Nordafrika bis in die Niederlande, von Portugal bis Ungarn gab es auch im vereinten Spanien nicht ann\u00e4hernd genug Soldaten. Dazu kam das immense Kolonialreich, das st\u00e4ndig nach neuen Truppen, Seeleuten und Kolonisten verlangte. All diese Kriege konnten nur dank des Silbers gef\u00fchrt werden, das sich ab der Jahrhundertmitte in einem anschwellenden Strom aus den Minen S\u00fcdamerikas nach Spanien ergoss. Mit diesem Silber wurden nun nicht nur viele brave spanische Bauern und Handwerker zu Soldaten gemacht, sondern auch immer mehr Ausl\u00e4nder geworben, vor allem Italiener, S\u00fcddeutsche, Wallonen, Flamen, Iren und Portugiesen. Sp\u00e4testens in der zweiten H\u00e4lfte des Jahrhunderts war Spanien vom einstigen S\u00f6ldnerlieferanten zum Gro\u00dfabnehmer in Europa geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das Silber aus S\u00fcdamerika hatte wesentlich fatalere Folgen. Die spanische Infanterie war einst als eine Art Notl\u00f6sung entstanden, da man sich die pr\u00e4chtigen Ordonanzkompanien wie in Frankreich und Burgund nicht leisten konnte. Nun erstickte das Geld jeden Ansatz zu neuen Reformen. B\u00fcrokratie und Korruption wucherten und die steigenden Preise ruinierten Landwirtschaft und Handel. Und wie immer kam der Hochmut vor dem Fall. Die zahllosen Siege und Eroberungen f\u00f6rderten ja nicht gerade kritische Gedanken, und so florierten Intoleranz und Fanatismus. Man muss diese Zust\u00e4nde nicht von einem modernen b\u00fcrgerlich-liberalen Standpunkt aus kritisieren, denn sie erweisen sich f\u00fcr Staaten und deren Milit\u00e4r ganz wertfrei als fatal. In Spanien vertrieb man zuerst die Juden, die eine wirtschaftliche Elite gestellt hatten; sp\u00e4ter dann die Moriskos, die ehemaligen Moslems, die in vielen Regionen einen betr\u00e4chtlichen &#8211; und flei\u00dfigen &#8211; Anteil an der Bev\u00f6lkerung bildeten. Zum Ausgleich st\u00e4rkte man die Kirche, deren zigtausend Priester und M\u00f6nche nichts zu Produktivit\u00e4t beitrugen. Da das Silber aus \u00dcbersee f\u00fcr Krieg, Klerus und G\u00fcnstlinge bei weitem nicht ausreichte, erh\u00f6hte man st\u00e4ndig die Steuern und trieb dadurch immer mehr ins Elend und die Kolonien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1600 hatte Spanien mehrere Millionen seiner ohnehin nicht sehr gro\u00dfen Bev\u00f6lkerung eingeb\u00fc\u00dft und die Wirtschaft war in einem katastrophalen Zustand. Das Milit\u00e4r hatte die wegweisenden Oranischen Reformen der Niederl\u00e4nder weitgehend ignoriert; moderne Schusswaffen wurden schon lange nicht mehr selbst hergestellt, sondern (meist aus den Niederlanden) importiert. Als dann 1643 die einst unbesiegbaren Tercios auf eine modern gef\u00fchrte franz\u00f6sische Armee trafen, wurden sie von der mobilen Kavallerie abgeschnitten und mit an Reichweite \u00fcberlegenen Musketen und Kanonen zusammen geschossen. Die Spanier sollen dabei tapfer gestorben sein, doch ihr Stolz war schon l\u00e4ngst zur Borniertheit geworden. Es zeugt allerdings von ganz besonderer Dummheit, wenn in modernen spanischen Romanen und Filmen wie &#8222;Alatriste&#8220; diese Unf\u00e4higkeit zur Reform auch noch glorifiziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter \u00fcberfielen Niederl\u00e4nder, Franzosen und Engl\u00e4nder mit technisch \u00fcberlegenen Schiffen die Silberflotten und eroberten Teile des \u00fcberdehnten Kolonialreiches. Die spanische Armee war dabei l\u00e4ngst zweitklassig geworden und mit der Verteidigung des Imperiums mehr als \u00fcberfordert. Unter diesen Umst\u00e4nden findet man im 18. und 19. Jahrhundert praktisch keine spanischen S\u00f6ldner mehr in fremden Diensten, auch diejenigen, die auf eigene Faust Abenteuer oder schnellen Gewinn suchten, konnten ihr Gl\u00fcck in den Kolonien in Lateinamerika versuchen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"478\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/presidio.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1070\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/presidio.jpg 500w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/presidio-300x287.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sturm eines spanischen Forts<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die gro\u00dfe Zeit spanischer S\u00f6ldner v\u00f6llig vorbei war, f\u00e4llt der Blick auf das Strandgut, das die gro\u00dfen Imperien immer zur\u00fccklassen: auf die \u00dcberl\u00e4ufer, Deserteure und Renegaten. Es hatte dieser M\u00e4nner immer gegeben, die als Gefangene in den Dienst des Gegners getreten waren, um ihr Schicksal zu erleichtern, oder die aus Zorn, Angst oder einfach Hunger desertiert waren. Zum Kampf gegen die Piraterie unterhielt Spanien an der nordafrikanischen K\u00fcste eine ganze Reihe von Festungen, so genannter &#8222;Presidios&#8220; wie Ceuta, Oran, Pe\u00f1\u00f3n de V\u00e9lez oder La Goleta. <em>&#8222;Das Leben in den Presidios konnte nur M\u00fchsal sein. So nahe am Wasser verfaulen die Lebensmittel, und die Menschen sterben am Fieber. Die Soldaten hungern das ganze Jahr. [&#8230;] Um ihre unertr\u00e4gliche Schuldenlast abzusch\u00fctteln , desertieren die Soldaten und gehen zum Islam \u00fcber.&#8220;<\/em> So beschreibt Fernand Braudel die Situation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da nur selten Freiwillige f\u00fcr den gef\u00fcrchteten Dienst in diesen isolierten Forts gefunden wurden, belog man die Rekruten bez\u00fcglich ihrer Verwendung oder schickte gleich Str\u00e4flinge; entlassen wurden sie ohnehin oft erst bei schwerer Invalidit\u00e4t. Im modernen Spanisch hat das Wort &#8222;Presidio&#8220; deshalb bezeichnenderweise einen Bedeutungswandel zu &#8222;Zuchthaus&#8220; erfahren, und ein &#8222;Presidiario&#8220; ist kein Soldat sondern ein Str\u00e4fling. Es erstaunt also nicht, dass viele Soldaten letzten Endes lieber zum Feind \u00fcberliefen und den Glauben wechselten, als in einem Presidio auf den Tod zu warten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel mehr als milit\u00e4rische Niederlagen, bei denen auch oft Tausende in Gefangenschaft gerieten, versorgte der stetige Strom von Deserteuren aus den Presidios die Maghrebstaaten mit milit\u00e4risch erfahrenem Personal. Sie wurden dort besonders als Sch\u00fctzen und Artilleristen besonders gesch\u00e4tzt und trugen wesentlich zur Modernisierung der Kriegsf\u00fchrung bei. Man sollte auch nicht denken, dass es sich dabei lediglich um einige wenige handelte. Ahmad al-Mansur (1578-1603) der m\u00e4chtige Sultan von Marokko soll ungef\u00e4hr 4.000 ehemalige Christen &#8211; haupts\u00e4chlich spanische Renegaten &#8211; in seinem Dienst gehabt haben. Ungef\u00e4hr 1.500 von ihnen waren dann 1591 unter der F\u00fchrung von &#8222;Djuder Pascha&#8220; entscheidend an der Eroberung des Sudan beteiligt. Auf Spanische Renegaten st\u00f6\u00dft man auch immer unter den Korsaren der Barbareskenstaaten Algier, Tripolis und Tunis. Bereits 1581 waren zwei Spanier unter den 32 Korsarenkapit\u00e4nen in Algier. Renegaten wurden hier als Seeleute und als Kanoniere gesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"478\" src=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/marok-kanonier.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1072\" srcset=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/marok-kanonier.jpg 400w, https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/marok-kanonier-251x300.jpg 251w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">marokkanischer Kanonier<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Korsaren dann im 19. Jahrhundert endg\u00fcltig ihre einstige Bedeutung verloren, stellen spanische Renegaten immer noch den wichtigsten Teil des marokkanischen Heeres. Einige tausend dienten in der so genannten &#8222;renegados legion&#8220;.und stellten den Gro\u00dfteil der Artilleristen und Festungsbesatzungen. Beim Krieg zwischen Frankreich und Marokko (1844) k\u00e4mpften sie angeblich sehr tapfer, da sie im Fall einer Gefangennahme keine Gnade zu erwarten hatten. In der Schlacht von Isly standen Spanier an den marokkanischen Gesch\u00fctzen und beim folgenden Bombardement von Mogador war der beste Artillerist ein spanischer Renegat namens Omar Ei-Haj. Nach seinem Tod brach der Widerstand zusammen.<br><br>Doch die Renegaten verschwanden nach und nach, wie Marokko und die anderen Maghrebstaaten ihre Unabh\u00e4ngigkeit verloren. Die Renegaten hatten damit ihr letztes wichtiges Refugium verloren. Von spanischen S\u00f6ldnern und Abenteurern ist danach nur noch wenig zu h\u00f6ren. Spanier stellten zwar immer einen guten Anteil an der franz\u00f6sischen Fremdenlegion, und mit anderen Ex-Legion\u00e4ren k\u00e4mpften auch einige im Kongo in den 60er Jahren. Eine etwas seltsame Randerscheinung ist die &#8222;Antikommunistische Fremdenlegion&#8220; die General Rafael Trujillo, der Diktator der Dominikanischen Republik, 1959 aufstellte. Sie wurde zu einem Sammelbecken f\u00fcr Rechtsradikale aus aller Welt, darunter auch zahlreiche Spanier; General Franco schickte sogar einige Veteranen der Blauen Division als Ausbilder.<br><br>Wie in den meisten westeurop\u00e4ischen Staaten gibt es heute sicher auch die eine oder andere spanische Firma im Bereich Security-Dienstleistung. Im Allgemeinen ist der Milit\u00e4rdienst jedoch \u00e4u\u00dferst unpopul\u00e4r, so dass sich das Milit\u00e4r mit Immigranten aus Lateinamerika behelfen muss. Spanische S\u00f6ldner sind also \u00e4u\u00dferst seltene Relikte einer fernen Vergangenheit.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\">\u00a9 Frank Westenfelder &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Modernisierung und Stagnation.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1062,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,104],"tags":[107,106],"class_list":["post-1060","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-volker","tag-renegaten","tag-spanier"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Spanier - Kriegsreisende<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kriegsreisende.de\/geschichte\/artikel\/die-spanier\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Spanier - 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