Dekker & van de Pol: Frauen in Männerkleidern (1989)

Frauen in Männerkleidern

Das Buch konzentriert sich auf die Geschichte weiblicher Transvestiten der Frühen Neuzeit (ca. 1550–1800) vorwiegend in den Niederlanden. Obwohl dabei auf Frauen der verschiedensten Schichten und Berufe eingegangen wird, dominieren doch Soldaten und Matrosen (wenn man so will: Soldatinnen und Seefrauen).

Man hat also endlich eine solide Studie über Söldnerinnen, die weit über die abgedroschenen Wiederholungen der beiden Vorzeigepiratinnen Anne Bonny und Mary Read hinausgeht.

Durch die gut dokumentierten Beispiele wird deutlich, dass der überwiegende Anteil dieser Frauen – jenseits aller Romantik – der Not gehorchte. Als Mann verkleidet Kriegsdienst zu nehmen, war eine Überlebensstrategie in verzweifelten Situationen. Dazu kamen natürlich manchmal auch andere Motive wie Abenteuerlust oder Homosexualität.

Interessant ist auch, wie die Autoren ihre Studie historisch eingrenzen. In der Geschichte hat es immer Kämpferinnen gegeben, aber ihr verstärktes Auftreten im 16. Jahrhundert hängt jedoch stark mit der Entwicklung der Feuerwaffen zusammen, mit der pure Muskelkraft an Bedeutung verlor. Daneben spielten auch die neuen Massenheere mit ihrer Anonymität eine große Rolle. Das Ende kam nach 1800 mit dem Wehrdienst und den damit verbundenen medizinischen Reihenuntersuchungen,

Unsere Bewertung: 10 von 10

Das Buch ist flüssig geschrieben und für alle, die sich nur ein wenig für die weniger erforschten oder gar ignorierten Winkel der Geschichte interessieren, ein absolutes Muss.

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