
Regie: Lee Tamahori
Autoren: Shane Danielsen, Lee Tamahori, Michael Bennett
Hauptbesetzung: Guy Pearce, Tioreore Ngatai-Melbourne, Antonio Te Maioha
Der Film spielt im frühen 19. Jahrhundert in Neuseeland. Er zeigt dabei den tiefen Gegensatz zwischen einer traditionelle Kriegergesellschaft und europäischen Kolonisten ohne in die üblichen Klischees von „guten“ oder „bösen Wilden“ zu verfallen.
IMDB
Der britische Laienprediger Thomas Munro (Guy Pearce) reist in eine abgelegene Maori-Siedlung, um die „Wilden“ zu zivilisieren und zum Christentum zu bekehren. Doch statt offener Arme erwartet ihn eine Gemeinschaft, die tief in einem brutalen Stammeskrieg verstrickt ist. Als Munro eine junge Maori-Frau namens Rangimai (Tioreore Ngatai-Melbourne) vor einer Hinrichtung bewahrt, wird er unweigerlich in den Konflikt hineingezogen. Seine Mission der Bekehrung verwandelt sich in eine Reise der Selbsthinterfragung – und in einen Überlebenskampf.
Lee Tamahori gelingt es, das Neuseeland der Kolonialzeit in all seiner rohen, ungeschönten Schönheit einzufangen. Die nebelverhangenen Wälder, die schlammigen Pfade und die engen, rauchgeschwängerten Versammlungshäuser (Wharenui) wirken nicht wie eine Kulisse, sondern wie ein lebendiger, atmender Raum. Die Maori-Sprache (Te Reo Māori) wird konsequent verwendet (mit Untertiteln), was dem Film eine seltene Authentizität verleiht. Hier wird nicht exotisiert, sondern respektvoll dokumentiert.

Pearce spielt den Reverend Munro mit einer meisterhaften Zurückhaltung. Anfangs ist er der archetypische Kolonialist: überheblich, fromm, fest davon überzeugt, im Namen einer höheren Moral zu handeln. Doch je länger er in der Siedlung bleibt, desto mehr bröckelt seine Fassade. Pearce zeigt diesen Wandel nicht durch große Reden, sondern durch winzige Gesten – ein Zögern vor dem Kreuzzeichen, ein unsicherer Blick auf die Kriegsbemalung der Krieger. Sein Munro ist kein strahlender Held, sondern ein Mann, der langsam begreift, dass seine „Wahrheit“ hier nicht gilt.
Der große Trumpf des Films ist, dass er die Maori nicht als passive Opfer darstellt, sondern als komplexe, strategische Akteure. Die Häuptlinge und Krieger sind nicht einfach „böse Wilde“, sondern Männer, die in einer Welt der Blutrache, Ehre und strengen sozialen Codes gefangen sind. Besonders beeindruckend ist die Figur der Rangimai: Sie ist weder die dankbare Gerettete noch die wilde Kriegerin, sondern eine kluge junge Frau, die genau erkennt, wie sie sowohl die Kolonialmacht als auch die eigenen Stammesregeln zu ihrem Vorteil nutzen kann.


Tamahori vermeidet die einfache moralische Keule. Es gibt keine Szene, in der der weiße Missionar plötzlich „erleuchtet“ wird und die Überlegenheit der indigenen Kultur anerkennt. Stattdessen bleibt der Film düster und ambivalent. Die Frage, ob Munros Eingreifen letztlich mehr Gutes oder mehr Böses bewirkt hat, bleibt offen. Das ist mutig, aber auch eine Schwäche: Der Film hat keine klare These. Er zeigt den Schrecken des Kolonialismus, ohne eine Lösung oder auch nur eine klare Haltung anzubieten.


Warum ist der Film in unserem Kontext interessant?
Der Film zeigt wie der Erwerb moderner Feuerwaffen die traditionelle Kriegergesellschaft der Maoris in den blutigsten Konflikt der Geschichte Neuseelands, die so genannten „Musket Wars“, stürzt. Dabei spielten westliche Waffenschieber, wie die dargestellten Beachcomber, oder Instrukteure wie der Ex-Prediger Thomas Munro eine nicht untypische Rolle.
