Exilkubaner im Kongo.
Bei den Kämpfen im Kongo während der Simba-Rebellion kamen neben den bekannten Kongo-Söldnern auch Exilkubaner zum Einsatz, die zuvor von der CIA für eine Invasion Kubas ausgebildet worden waren.
Nur wenige Monate nachdem im Januar 1959 die Revolutionäre unter Fidel Castro und Che Guevara den Diktator Batista aus Kuba vertrieben hatten, begannen die USA mit Vorbereitungen zum Sturz der neuen Regierung. Allerdings war die Zeit der Kanonenbootpolitik (zumindest offiziell) vorbei. Die USA präsentierten sich ganz im Gegenteil bei der UNO gerne als antikolonialistisch.

Der Angriff auf Kuba wurde deshalb so organisiert, dass die USA eine Beteiligung abstreiten konnten. Unter Leitung der CIA aber auch mit Unterstützung der Mafia, die ihre Casinos in Havana zurückhaben wollte, wurden unter den Exilkubanern in Florida Freiwillige geworben und in Guatemala und Nicaragua als Brigade 2506 ausgebildet. Bei der geplanten Invasion sollten mehrere B-26 Bomber eine entscheidende Rolle spielen. Diese stammten zwar aus alten US-Beständen; als Besatzungen wurden aber ebenfalls Exilkubaner ausgebildet.
Als im April 1961 dann die Brigade 2506 mir etwa 1.400 Exilkubanern in der Schweinebucht landete, scheiterte das Unternehmen kläglich. Gründe dafür gab es viele. Die Landestelle war schlecht gewählt worden, man hatte die Stimmung in der Bevölkerung völlig falsch eingeschätzt, die statt sich zu erheben tapfer gegen die Invasoren kämpfte. Vor allen Dingen war aber der neue Präsident Kennedy, der das Projekt von seinem Vorgänger geerbt hatte, nicht bereit, die Invasion offen mit US-amerikanischen Schiffen und Flugzeugen zu unterstützen. Die Kubaner konnten feshalb die Lufthoheit behaupten und zerstörten zwei Versorgungsschiffe, so dass die Brigade 2506 völlig abgeschnitten nach drei Tagen mit relativ geringen Verlusten kapitulierte.
Natürlich dementierten die USA sofort jegliche Beteiligung, und Präsident Kennedy distanzierte sich in einer öffentlichen Ansprache von allen Geheimoperationen. Das hielt ihn allerdings nicht davon solche Operationen kurz darauf für Vietnam zu genehmigen. Trotzdem hatte das Desaster für gewaltiges internationales Aufsehen gesorgt, weshalb von weiteren Angriffen auf Kuba abgesehen wurde.
Die Exilkubaner fühlten sich daraufhin von der Kennedy-Regierung verraten, einige organisierten sich in paramilitärischen Gruppen und trainierten weiter im Süden der USA. Ende 1962 kamen dann noch die meisten der Gefangenen der Brigade 2506 dazu, nachdem sie von den USA freigekauft worden waren. Die radikalsten fuhren mit Booten heimlich nach Kuba und verübten dort Terroranschläge. Teile der CIA hielten lange ihre schützende Hand über sie. Als es jedoch im September 1964 bei einem irrtümlichen Angriff auf ein spanisches Handelsschiff drei Tote gab, wurde der politische Druck so stark, dass die geheimen Operationen gegen Kuba eingestellt werden mussten.
Dadurch ergab sich allerdings die Frage, was man mit den ausgebildeten Kubanern machen sollte. Viele fanden natürlich den Weg ins Zivilleben, anderen machte man den Eintritt in die Army schmackhaft. Dennoch blieb ein harter Kern militanter Antikommunisten, auf deren Talente man nur ungerne verzichten wollte. Bei der CIA hatte man seit längerem über so genannte „Emergency Response Teams“ (ERT) nachgedacht, die weltweit eingesetzt werden konnten, ohne dass die Regierung offiziell davon Kenntnis haben musste.
Eine erste Gelegenheit für die Verwendung solcher Teams bot der Kongo, wo die USA nach dem Abzug der Belgier versuchten, das Machtvakuum zu füllen. Zum diskreten Aufbau der FAC (Force Aérienne Congolaise) hatte die CIA in Luxemburg eine Scheinfirma unter dem Namen „Anstalt WIGMO“ (Western International Ground Maintenance Organization) gegründet, die einen Servicevertrag mit der FAC hatte. WIGMO lieferte Material und beschäftigte Piloten und Techniker aus vielen Nationen. Südafrikaner, Belgier, Engländer, Franzosen, sogar ein paar Polen, die bereits mit Zumbach in den Kongo gekommen waren. Lediglich Amerikaner waren keine zu finden, denn besonders wichtig war die so genannte „Plausible deniability“, die glaubhafte Abstreitbarkeit.
Während das Bodenpersonal recht gemisch war, dominierte nunter den Piloten die Kubaner. Ihre Rekrutierung lief über Roberto (Bob) Mendell, der für die CIA in Miami die Airline Caribbean Aeromarine Corporation betrieb. Mendell warb über persönliche Kontakte aber auch mit Zeitungsanzeigen. Der Sold lag mit etwa 800 Dollar monatlich kaum über dem, was ein ziviler Pilot in Florida verdienen konnte. Allerdings ging es vielen Kubanern darum, im Kongo den Kampf gegen den Kommunismus fortzusetzen. Die ersten Piloten waren alle, wie Mendell selbst, Veteranen der Schweinebucht.

Die Anfänge waren bescheiden. Die FAC verfügte nur über ein paar unbewaffnete T-6 Schulungsflugzeuge, mit denen nur Aufklärungsflüge gemacht werden konnten. Doch das änderte sich rasant, nachdem es Anfang 1964 zur so genannten Simba-Rebellion gekommen war. Da die von korrupten und unfähigen Offizieren geführte Armee praktisch keinen Widerstand leistete, eroberten die Simbas in wenigen Monaten fast die Hälfte des riesigen Landes. Schließlich war die Lage so verszweifelt, dass Präsident Kasavubu dem zuvor mit Hilfe der UN verjagten Tschombe die Regierung übertrug.
Tschombe begann sofort seine Katanga-Gendarmen zu mobilisieren und über seine alten Kontakte weiße Söldner in Belgien und Südafrika zu werben. Bei der FAC wurden währenddessen zuerst die T-6 so gut es ging bewaffnet, dann aber durch stärkere T-28 Trojan ersetzt, die mit Maschinengewehren und Raketenwerfern bewaffnet wurden. Nachdem sie ihre verheerende Wirkung im Erdkampf demonstriert hatten, hielt man nach noch mehr Feuerkraft Ausschau und lieferte schließlich mehrere B-26K Counter Invader. Es handelte sich dabei um eine modernisierte Version des alten Weltkriegs-Bombers. In der Nase waren acht schwere Maschinengewehre montiert, dazu kamen vier Raketenwerfer unter den Tragflächen. Da es bei den Rebellen kaum Ziele für Bomben gab, waren zusätzliche Tanks in den Bombenschächten installiert worden.
Die Kubaner waren auf der Kamina Air Base in Katanga stationiert, die bereits von Tschombes Söldnern benutzt worden war. Von dort flogen sie mit den T-28 und den B-26, an denen viele von ihnen bereits für die Landung in der Schweinebucht ausgebildet worden waren. Offiziell waren sie in der 22 Squadron der FAC zusammengefasst. Sie selbst bezeichneten sich aber als kubanische Freiwilligengruppe (Grupo Voluntario Cubano). Nach kurzer Zeit kam aber der Name „Makasi“ auf, was in Lingala „stark“ bedeutete. Inspiriert von dem Logo einer lokalen Biermarke wurde ein Wappen entworfen, und bald zierte der wilde Makasi-Büffel alle von Söldnern geflogenen Maschinen im Kongo.

Die schwer bewaffneten B-26 verbreiteten Schrecken unter den Rebellen. Eine derartige Feuerkraft war bislang in Afrika völlig unbekannt. Dennoch war klar, dass die Rückeroberung des Ostkongos nur mit Bodentruppen zu machen war. Von zentraler Bedeutung war die Provinzhauptstadt Stanleyville, wo die Rebellen über 1.000 westliche – besser gesagt „weiße“ – Geiseln zusammengezogen hatten. Vor allem das Schicksal einer Gruppe von Nonnen bewegte die westlichen Medien, so dass Belgien sogar den Einsatz eines Batallions Fallschirmjäger genehmigte.
Da sich unter den Geiseln auch viele US-Amerikaner befanden, hielt es die CIA für angebracht, eine eigene Kommandoeinheit einzusetzen. Für sie wurden 18 Exilkubaner ausgewählt, die alle Erfahrungen in Kampf- und Sabotageaktionen hatten. Sie trafen im September 64 im Kongo ein, wo sie das 58. Commando bildeten.
Ende November waren sie dann an der Rückeroberung von Stanleyville beteiligt. Die Hauptlast der Kämpfe trugen sicher die weißen Söldner unter „Mad“ Mike Hoare, die die Straßen freigekämpft hatten. Von entscheidender Bedeutung waren aber die Makasi-Piloten, die den Vormarsch von Hoares Söldnern konstant unterstützt und die Verteidigung am Flughafen ausgeschaltet hatten. Ohne sie wäre die Landung der belgischen Fallschirmjäger nicht so reibungslos verlaufen.

Nach der erfolgreichen Befreiung der Geiseln begann nach und nach die Rückeroberung des Ostkongo. Unter Führung der weißen Söldner wurden zuerst die Provinzen im Nordosten und Norden erobert, um zu verhindern, dass die Rebellen von Uganda oder der Zentralafrikanischen Republik mit Waffen versorgt werden konnten. Anschließend begann im September 1965 die Offensive zur Sicherung der Ostgrenze am Tanganjikasee.
Makasi-Piloten unterstützten alle diese Operationen als Aufklärer und mit massiver Feuerkraft. Zudem verfügten sie über einige Tranportflugzeuge, mit denen sie die Söldner schnell an die entsprechenden Brennpunkte bringen konnten.
Die Erfolge der weißen Söldner unter der diskreten Schirmherrschaft der USA führten natürlich auch zu Kritik. Viele Staaten sprachen von Neokolonialismus, und manche unterstützten die Simbas mit Material und Waffen. Am weitesten ging Kuba. Anfang 1965 kam Che Guevara mit einer kleinen Gruppe erprobter Revolutionäre über Ruanda in den Kongo. Bald darauf folgten mindestens 100 schwarze afro-kubanische Soldaten – auch in Kuba war man stark auf „Plausible deniability“ bedacht.
Bei den Simbas im Osten machte sich der Einsatz kubanischer Ausbilder, die sich auch oft selbst an Gefechten beteiligten, bald bemerkbar. Über Tansania erhielten sie Waffen aus China und Russland. Zudem hatte ihr Führer Laurent Kabila, der dann später 1997 Präsident werden sollte, Freiwillige in Ruanda rekrutiert. Vor allem zur Kontrolle des gigantischen Tanganjikasees fehlte den Söldnern die passende Ausrüstung.

Die CIA lieferte zu diesem Zweck zwei gut bewaffnete und mit Radar ausgerüstete Schnellboote. Als Kernbesatzung griff man wieder auf Kubaner zurück. Die Auswahl war groß, da in Florida viele Exilkubaner für nächtliche Kommandoaktionen gegen Kuba ausgebildet worden waren, diese Überfalle jedoch auf internationalen Druck hin kurz zuvor eingestellt worden waren. Bei der CIA war man also zum Teil froh, für die größten Unruhestifter weitab Beschäftigung zu finden. Außerdem konnte man diesen ihre Söldnerdienste im Kongo als Jagd auf Che Guevara verkaufen.
Wie bei der Rekrutierung der Kommandoeinheit wurden auch bei den Bootsbesatzungen bezüglich Ausbildung und körperlicher Fitness höchste Maßstäbe angelegt. Man konnte es sich erlauben, da in Florida hunderte, wenn nicht über tausend Freiwillige zur Verfügung standen. Bei den Piloten war die Lage dagegen etwas anders. Viele der ersten Piloten waren zwar bereits für die Landung in der Schweinebucht ausgebildet worden, und einige hatten dort auch Einsätze geflogen. Später wurden aber auch Kubaner rekrutiert, die vorher nur zivile Flugzeuge, manche sogar lediglich in der Landwirtschaft, geflogen hatten. Das lag zum einen daran, dass der Bedarf an Piloten und Technikern deutlich größer war, aber sicher auch daran, dass deren Chancen auf dem zivilen Arbeitsmarkt wesentlich besser waren.
Die Makasi-Schnellbote auf dem Tanganjikasees trugen viel dazu bei, die Simbas vom Nachschub aus Tansania abzuschneiden, so dass der Aufstand im Herbst 65 weitgehend niedergeschlagen war. Che Guevara und seine Kubaner scheiterten aber vor allem am „menschlichen Element“, wie er es selbst nennen sollte. Die Simbas vertrauten weiter ihren magischen Amuletten, waren disziplinlos und oft betrunken, ihre Anführer korrupt. Völlig frustriert zog sich Che Guevara im November aus Afrika zurück.
Währenddessen hatte in Leopoldville längst der Streit um die Beute begonnen. Zuerst musste Premierminister Tschombe ins Exil fliehen. Kurz darauf putschte sich der Oberbefehlshaber des Militärs General Mobutu an die Macht. Es ist nicht erwiesen, dass die CIA am Putsch beteiligt war. Dennoch war man in Washington mit dem Ergebnis sicher zufrieden. Tschombe hatte immer engere Bindungen zu Belgien gepflegt, während Mobutu eindeutig die USA bevorzugte.
Völlig unzufrieden mit dieser Entwicklung waren dagegen die weißen Söldner und die Katanga-Gendarmen, die mit Tschombe ihren Schirmherren verloren hatten. Allerdings waren sie noch mit den Resten der Simbas beschäftigt und eigentlich auch nicht besonders an Politik interessiert. Also dauerte es einige Zeit, bis sie begannen mit Tschombe zu konspirieren.

Als Tschombe dann bei der Anreise von einem französischen Agenten entführt wurde, war der geplante Putsch anscheinend nicht mehr aufzuhalten. Im Juni 1967 rebellierten die weißen Söldner und die mit ihnen verbündeten Katanga-Gendarmen gegen Mobutus Regierung. Man kann bezweifeln, dass sie jemals große Chancen gehabt hatten. Allerdings leisteten Mobutus Truppen wie gewohnt wenig Widerstand. Fatal war dagegen, dass die Makasi-Piloten der CIA loyal blieben. Mit ihren Bordwaffen griffen sie die Marschkolonnen der Söldner an und leisteten wichtige Aufklärungsarbeit. Vor allen Dingen aber transportierten sie Mobutus Elitetruppen an die jeweiligen Brennpunkte. Schließlich hielten sich die Söldner noch ein paar Wochen in Bukavu, bevor sie sich über die Grenze nach Ruanda zurückzogen.
Damit war das CIA-Programm im Kongo abgeschlossen. Einige Kubaner verblieben noch etwas in Mobutus Diensten, die meisten fanden aber ihren Weg ins Zivilleben. Viele der für eine Invasion Kubas Ausgebildeten blieben aber fest oder freischaffend im Dienst der CIA. Die meisten dienten sicher in Vietnam; einige der Piloten flogen für Air America in den geheimen Kriegen in Laos und Kambodscha. Daneben stolpert man über von der CIA ausgebildete Exil-Kubaner in so ziemlich jeder schmutzigen Geschichte der USA von Nixons Watergate-Skandal bis zu Reagans Iran-Contra-Affäre. Aber auch als das Kokain von Kolumbien über Florida seinen Siegeszug in den USA begann, waren Veteranen von Schweinebucht als gesuchte Spezialisten im Einsatz.
Literatur:
Rookes, Stephen
For God and the CIA– Cuban Exile Forces in the Congo and Beyond, 1959-1967
2020
Villafaña, Frank
Cold war in the Congo: the confrontation of Cuban military forces, 1960-1967
2009
Mockler, Anthony
The New Mercenaries
1969
© Frank Westenfelder
